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9.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Facility Management, page 317 - 323

Handbuch für Studium und Praxis

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3836-9, ISBN online: 978-3-8006-4182-6, https://doi.org/10.15358/9783800641826_317

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 306 9 Nachhaltige Immobilien306 9.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung 9.3.1 Der Staat Die Bundesregierung hat einen erheblichen und wahrscheinlich den größten Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung in der deutschen Immobilienwirtschaft. Im August 2007 hat das Bundeskabinett ein umfangreiches und ambitioniertes Energie- und Klimaprogramm mit 29 Eckpunkten beschlossen, welches im Dezember 2007 und im Juni 2008 mittels 14 Gesetzen und Verordnungen umgesetzt wurde. Das Ziel dieser Maßnahmen ist die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um circa 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990.437 Das zum Auftakt der Weltklimakonferenz 2007 geschnürte Energie- und Klimaprogramm ist in der Geschichte der deutschen Klimapolitik einmalig. Das Maßnahmenpaket zielt auf einen effizienten Klimaschutz ab, jedoch unter Beachtung, dass der Klimaschutz bezahlbar ist und mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt hält. Es werden seitens der Bundesregierung Maßnahmen ergriffen, die eine günstige CO2-Bilanz und möglichst große Kosteneffizienz aufweisen. Dabei soll die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht beeinträchtigt und die Verbraucher nicht überfordert werden.438 9.3.1.1 Die Energieeinsparverordnung (EnEV) Einen wesentlichen Teil des Maßnahmenpakets bildet die zweifache Novellierung der Energieeinsparverordnung, deren erste Novellierung bereits zum 01. Oktober 2009 in Kraft getreten ist. Das Ziel der Novellierung der Energieeinsparverordnung ist es, den Primärenergieverbrauch, insbesondere für Heizung und Warmwasser, bei neu errichteten Gebäuden in zwei Stufen um jeweils 30 Prozent zu reduzieren. Die erste Novellierung sieht zudem bereits vor, dass bei anstehenden Sanierungsmaßnahmen am Gebäudebestand ebenfalls Vorgaben für die deutliche Verbesserung der Energieeffizienz von Bestandsgebäuden zu beachten sind.439 So sollen z. B. Nachtstromspeicher, die älter als 30 Jahre sind, durch effiziente Geräte ersetzt werden. Des Weiteren werden bei Modernisierungen von Altbauten 30 Prozent höhere Maßstäbe und Normen hinsichtlich der Bauteileanforderungen bei baulichen Änderungen der Gebäudehülle festgelegt. Auch im Bereich der Wärmedämmung sieht die Novellierung sowohl bei Alt- als auch bei Neubauten höhere Maßstäbe vor. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle bei Neubauten muss nunmehr 15 Prozent mehr leisten als vorher. Weiterhin regelt die Energieeinsparverordnung die Ausstellung, Verwendung und die Grundsätze des Energieausweises, der bereits seit dem 01. Juli 2008 für Wohngebäude Pflicht ist. Für Nichtwohngebäude ist der Energieausweis seit dem 01. Juli 2009 verpflichtend. 437 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 36f. 438 Vgl. Das Integrierte Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung (2007), S. 1. 439 Vgl. Rast, R. (2009), S. 299. 9.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 307 3079.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung Er stellt die Energieeffizienz von Gebäuden dar, was zu einer höheren Transparenz und zu Energieeinsparungen führen soll.440 9.3.1.2 Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) In einem engen Zusammenhang mit der Novellierung der Energieeinsparverordnung steht das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Das Gesetz schreibt vor, dass spätestens im Jahr 2020 14 Prozent der Wärme in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugt werden muss. Es soll zum einen die Umwelt schützen und zum anderen dazu beitragen, dass der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringert wird. Die Zielsetzung dieses Gesetzes ist es, einerseits Ressourcen zu schonen, andererseits aber auch eine sichere und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten. Das Gesetz besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen. Erstens besteht für alle Eigentümer von neu gebauten Gebäuden, das heißt sowohl für Privatpersonen, für die öffentliche Hand oder die Wirtschaft, seit dem 01. Januar 2009 eine Pflicht zur Nutzung von erneuerbaren Energien für ihre Wärmeversorgung. Dabei obliegt es dem Eigentümer, welche Formen von erneuerbaren Energien er nutzt. Der zweite Bereich des Gesetzes bildet die finanzielle Förderung der Nutzung von erneuerbaren Energien. Zuletzt erleichtert das Gesetz den Ausbau von lokalen und regionalen Wärmenetzen. Die Kommunen können jetzt im Interesse des Klimaschutzes den Anschluss und die Nutzung eines Wärmenetzes vorschreiben.441 9.3.2 Unternehmen und Investoren Nachhaltige Immobilien weisen gegenüber den konventionellen Immobilien eine Reihe von Vorteilen auf. Demzufolge wächst das Interesse der Unternehmen und Investoren an nachhaltigen Immobilien stetig. Zum einen erhalten die Eigentümer i. d. R. für den Bau einer nachhaltigen Immobilie eine ansehnliche Förderung, später für deren Nutzung höhere Mieten und schließlich, bei einem möglichen Verkauf, einen höheren Kaufpreis. Zum anderen spielt bei den Unternehmen und Investoren das steigende gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein eine große Rolle. Nicht zuletzt führt das verantwortungsbewusste Handeln der Unternehmen und Investoren zu einem großen Imagegewinn.442 Die Wirtschaft hat erkannt, dass es notwendig ist, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Einklang mit der Tragfähigkeit des Ökosystems zu gestalten und die Zahl der Unternehmen, die das Konzept der Nachhaltigkeit in ihr Leitbild integrieren, wird zunehmend größer. Sie versuchen im verstärkten Maße zu einer Stabilisierung weltweiter gesellschaftlicher Prozesse beizutragen.443 Vielen Unternehmen wird bewusst, dass deren Aktivitäten erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Gesellschaft haben. Zusätzlich 440 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 37. 441 Vgl. BMU (2008), URL: http://www.bmu.de. 442 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 38. 443 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 2. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 308 9 Nachhaltige Immobilien308 werden die Unternehmen durch den öffentlichen Druck gezwungen, ihre Unternehmensstrategie nicht nur an den wirtschaftlichen Faktoren zu orientieren, da sie eine Verantwortung gegenüber allen Stakeholdern haben. Diese freiwillig auferlegte Verantwortung seitens der Unternehmen wird als „Corporate Social Responsibility“, kurz CSR, bezeichnet.444 9.3.2.1 Corporate Social Responsibility Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) bezeichnet die freiwillige Integration von sozialen Belangen und Umweltbelangen in die Unternehmenstätigkeit und die Wechselbeziehungen mit den Anteilseignern.445 Es ist ein Konzept unternehmerischer Verantwortung, das den Nachhaltigkeitsgedanken aufnimmt und die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft mit unternehmerischem Handeln verbindet. CSR gilt als Instrument zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung. Alle Aktivitäten im Rahmen von CSR gehen über gesetzliche bzw. rechtliche Verpflichtungen hinaus. Sie sind freiwillig und zeichnen sich durch Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Unternehmen aus. Die Prinzipien der CSR betreffen alle Aktivitäten und Geschäftsfelder der Unternehmen und beinhalten u. a. auch die Investitionspolitik, die als „Socially Responsible Investment“, kurz SRI, bezeichnet wird.446 Der Ursprung der CSR liegt in der industriellen Revolution, als Unternehmen im Zuge der sozialen Notlage verschiedene Wohnbauprojekte für die Arbeiter und die Krankenversorgung förderten. Eine der ersten Publikationen zu diesem Thema war „Social Responsibilities of the Businessman“ von Howard R. Bowen im Jahr 1953. Er vertrat die Meinung, dass sich die soziale Verantwortung von Unternehmen an den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten orientieren sollte. Verantwortungsbewusstsein ist seiner Meinung nach eine Unternehmenspflicht, da ein Unternehmen sowohl die Umwelt als auch die Bürger in vielen Bereichen in Anspruch nimmt.447 In den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gewann die Diskussion über die soziale Verantwortung von Unternehmen, getrieben durch unterschiedliche Entwicklungen, zunehmend an Dynamik. In den USA und Europa stieg in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Zahl feindlicher Übernahmen von Firmen stark an. Es führte oftmals zur Zerschlagung gewachsener Produktionsstrukturen. Diese Entwicklung wurde in der Öffentlichkeit zunehmend mit Sorge und als Ausdruck unsozialen Unternehmerverhaltens wahrgenommen. Ein weiterer Treiber war die sich vertiefende internationale Arbeitsteilung in der Industrieproduktion sowie die Globalisierung von Güterund Finanzströmen, wodurch die Wirkungen unternehmerischen Handelns in Entwicklungsländern zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit rückten. Schließlich nahm die Global Compact Initiative, die im Jahr 1999 von UN- Generalsekretär Kofi Annan auf dem World Economic Forum in Davos ins 444 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 39. 445 Vgl. ebenda, S. 39. 446 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 2. 447 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 39f. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 309 3099.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung Leben gerufen wurde, einen hohen Stellenwert in der Entwicklung ein. Er verlangte von den Unternehmen, freiwillig ihre Pflichten als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen und aus Eigeninitiative einen positiven Gestaltungsbeitrag zu leisten.448 Die positiv zu bewertende öffentliche Diskussion in den letzten Jahren über CSR leidet aber unter einer konzeptionellen Unschärfe. Das sozial verantwortliche Verhalten von Unternehmen wird von den Beteiligten und auch von den Beobachtern sehr unterschiedlich verstanden bzw. ausgelegt. Dies spiegelt sich in sehr verschiedenen Aktivitäten der Unternehmen wider, angefangen von der Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern über Frauenförderung und Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, Herstellung umweltfreundlicher Produkte, den fairen Umgang mit Zulieferern bis hin zu einem außergeschäftlichen Engagement wie Sponsoring von Sport- und Kulturvereinen oder auch der Förderung von Wissenschaft und Forschung.449 Neben CSR existieren noch gleiche oder zumindest ähnliche Konzepte. Dazu gehören z. B. die Begriffe „Corporate Sustainability“ oder „Corporate Citizenship“. Der Begriff „Corporate Citizenship“, kurz CC, umfasst das soziale und gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens im lokalen Umfeld, das aus Eigeninitiative der Unternehmen erfolgt und somit über gesetzliche Anforderungen hinausgeht. Unternehmen engagieren sich über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus als „guter Bürger“. Der Corporate Citizenship Mix beschreibt neun Instrumente: •• Unternehmensspenden •• Soziales Sponsoring •• Zweckgebundenes Marketing •• Unternehmensstiftungen •• Gemeinnütziges Arbeitnehmerengagement •• Auftragsvergabe an soziale Organisationen •• Gemeinwesen Joint-Venture •• Lobbying für soziale Anliegen •• Soziales Risiko-Kapital Ein Unternehmen kann sich im Rahmen seiner Corporate Citizenship Strategie aus ihrer Sicht passende Instrumente aus dem Mix aussuchen und diese in der Praxis umsetzen.450 Die Bezeichnung „Corporate Sustainability“ (CS) beschreibt den oben bereits beschriebenen „Triple-Bottom-Line“-Ansatz und wird auch als Nachhaltigkeitsmanagement bezeichnet. CS unterscheidet sich von CSR-Maßnahmen insbesondere durch zwei Aspekte. Das wesentliche Merkmal der CSR ist die Selbstverpflichtung zur Durchführung freiwilliger Maßnahmen. CS hingegen bezieht auch die Aktivitäten mit ein, die unfreiwillig erfolgen, wie z. B. durch den öffentlichen Druck oder durch die Anforderungen von Kunden hervor- 448 Vgl. de Carlo, L. (2004), S. 1. 449 Vgl. ebenda, S. 1f. 450 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 39. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 310 9 Nachhaltige Immobilien310 gerufene Handlungen. Der zweite Aspekt ist, dass sich CSR lediglich auf die ökologische und soziale Dimension der Nachhaltigkeit bezieht, wohingegen CS zusätzlich die ökonomische Dimension mit berücksichtigt. Daraus resultiert, dass CSR nur als Teilaspekt des Nachhaltigkeitsmanagement interpretiert werden kann.451 Abb. 113 zeigt, wie diese Begriffe zusammenhängen und mithilfe nachhaltiger Unternehmensführung zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. 452 9.3.2.2 Socially Responsible Investment CSR betrifft alle Aktivitäten eines Unternehmens und beinhaltet somit auch die Investmentstrategie. Diese Investmentstrategien werden auch „Socially Responsible Investment“ (SRI) genannt. Sie prägen das Verhalten von Investoren, die neben den ökonomischen Faktoren auch ökologische und soziale Aspekte bei ihrer Investitionsentscheidung berücksichtigen. Im Bereich der Immobilieninvestitionen werden die Strategien als „Responsible Property Investment“ (RPI) bezeichnet.453 451 Vgl. Zirnig, D. (2009), S. 11. 452 Enthalten in: Schäfer, H. u. a. (o. J.), S. 23. 453 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 40. Abb. 113: Corporate Responsibility und Nachhaltigkeit452 Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 311 3119.3 Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung Der SRI-Markt mit entsprechenden Investmentprodukten und Kapitalanlagemöglichkeiten zählt insbesondere in Europa und in den USA zu den am schnellsten wachsenden Anlagemärkten. Die wesentlichen Akteure, die nach der Strategie des SRI ihr Kapital anlegen, sind neben den privaten und institutionellen Investoren vor allem Finanzinstitute und Fondsgesellschaften. Unternehmen, die ihre Produkte bzw. Dienstleistungen freiwillig und selbständig einem Nachhaltigkeitsrating stellen, gehören ebenfalls zu den Akteuren des SRI-Marktes.454 Seit einigen Jahren wird seitens der Politik, der Gesellschaft sowie der Investoren ein sehr großer Druck auf die Unternehmen ausgeübt. Von ihnen wird erwartet, dass sie ihre wirtschaftlichen Aktivitäten unter Beachtung ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft ausrichten. Eine Nichtbeachtung der Erwartungshaltung kann für die Unternehmen zu einem enormen Imageverlust und damit auch zu finanziellen Risiken führen. Aufgrund des öffentlichen Drucks integrieren die Unternehmen zunehmend Nachhaltigkeitsaspekte in ihr Unternehmensleitbild.455 Socially Responsible Investments lassen sich mittels unterschiedlicher Anlagestrategien in einzelne Teilmärkte klassifizieren. Im Wesentlichen existieren vier unterschiedliche, jedoch teilweise in Kombination angewandte Anlagestrategien. Die erste Möglichkeit nennt sich Nachhaltigkeitsrating oder „Positive Screening“. Dabei werden die Unternehmensaktivitäten bzw. die Investitionsmöglichkeiten mithilfe von Fragebögen, Checklisten oder anderen öffentlich verfügbaren Informationen nach ökonomischen, sozialen und ökologischen Kriterien beurteilt. Die Ergebnisse des Ratings entscheiden anschließend darüber, welche Investitionsmöglichkeit im Rahmen der Kapitalanlageentscheidung gewählt wird. Eine sehr häufig verwendete Variante des Nachhaltigkeitsratings ist das so genannte „Best-of-Class-Rating“. Bei diesem Verfahren werden zunächst viele Unternehmen aus allen Branchen einem Nachhaltigkeitsrating unterzogen. Diejenigen Unternehmen mit den besten Ergebnissen hinsichtlich ökologischer und ethischer Standards werden anschließend in den Index aufgenommen. Diese Strategie bildet den Kernbereich des SRI-Marktes.456 Die weiteren Anlagestrategien lauten Ausschlussverfahren bzw. „Negative Screening“, „Shareholder Engagement“ und „Community Investing“. Beim Ausschlussverfahren werden einzelne Geschäftstätigkeiten, Branchen sowie auch Investitionen in einzelnen Ländern kategorisch als nicht nachhaltig definiert und scheiden somit als Anlageoption aus. Die Strategie „Shareholder Engagement“ ermöglicht den Aktionären, ihre Stimmrechte und ihre sonstigen Aktionärsrechte kritisch auszuüben. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Unternehmens- und Investitionsstrategien so zu beeinflussen, dass nachhaltige Prinzipien mehr berücksichtigt werden. Beim „Community Investing“ werden Finanzmittel für lokale und kommunale Organisationen zur Verfügung gestellt, die sie über den Bankenmarkt nicht 454 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 3f. 455 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D./Thöne, C. (o. J.), S. 198f. 456 Vgl. Landgraf, D. (2010), S. 118. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 312 9 Nachhaltige Immobilien312 erhalten würden. Mithilfe der zusätzlichen Gelder wird insbesondere das gemeindliche Gesundheitswesen oder Dienstleistungen im Bereich der Altenpflege und Kinderbetreuung finanziell unterstützt. Des Weiteren werden Kredite an Geringverdiener und Kleinstgewerbetreibende vergeben.457 Die Märkte für SRI haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Am weitesten fortgeschritten sind die SRI-Märkte in Europa und in den USA. Im Jahr 2007 waren knapp elf Prozent aller professionell verwalteten Assets in den USA den Socially Responsible Investments zuzuordnen. Das Marktvolumen hat sich im Zeitraum von 1995 bis 2007 von 639 Mrd. US-Dollar auf 2,71 Bio. US-Dollar erhöht, dies entspricht einem Zuwachs von 324 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die privaten und institutionellen Anleger zunehmend an nachhaltigen Investmentprodukten interessiert sind. Gründe dafür sind die steigende Akzeptanz einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung sowie der sich langsam abzeichnende Wertewandel in der Gesellschaft. Auch der Staat trägt durch eine strenger werdende Gesetzgebung in den Bereichen Soziales, Umwelt und Gesundheit maßgebend dazu bei.458 9.3.2.3 Responsible Property Investment Die Immobilienwirtschaft hat gute Voraussetzungen zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen spielt sie eine große Rolle für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Die Grundsätze des „Responsible Property Investment“ (RPI) sind aus dem SRI abgeleitet. Sowohl die Immobilieninvestoren als auch die Immobilienentwickler haben die Möglichkeit, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt mit wirtschaftlich sinnvollen Investitionen zu verbinden. Die Strategien des RPI adressieren u. a. das Wohlbefinden der Arbeitnehmer bspw. durch Kinderbetreuungsstätten, die Energieeffizienz durch die Umrüstung auf LED- Beleuchtung oder auch den sozialen Wohnungsbau durch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Geringverdiener.459 9.4 Bemessungsgrundlagen der Nachhaltigkeit Eine Vielzahl von Unternehmen aus dem Immobilienbereich hat inzwischen die Wichtigkeit und Notwendigkeit erkannt, Nachhaltigkeitsaspekte in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Einer der wichtigsten Entwicklungsschritte ist die Schaffung internationaler Marktstandards und Grundsätze, um die Einführung nachhaltiger Methoden und Produkte zu beschleunigen.460 In den letzten Jahren haben sich gemeinsam mit staatlichen sowie politischen Gremien Verbände und Gesellschaften gegründet, die sich die Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Immobilienwirtschaft zum Ziel gesetzt haben. 457 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 4f. 458 Vgl. Landgraf, D. (2010), S. 118f. 459 Vgl. ebenda, S. 119f. 460 Vgl. Koch, M. (2010), S. 159. 9.4 Bemessungsgrundlagen der Nachhaltigkeit

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassender Einblick in Theorie und Praxis des Facility Managements

- Systematische Darstellung der relevanten Normen und Richtlinien

- Konkrete Beispiele zur Anwendung und Vertiefung der Inhalte

Zum Werk

Die Immobilie in ihrem Lebenszyklus erfordert ein Wertmanagement, das unter dem Begriff Facility Management zusammengefasst wird. Das Buch umfasst alle Aspekte einschließlich anschaulicher Praxisbeispiele.

Zur Neuauflage

Umfassende Aktualisierung und zusätzliche Fallbeispiele.

Inhalt

- Geschichte des FM; Vergleich mit anderen Ländern

- Facility Management im Lebenszyklus einer Immobilie

- Strategisches FM

- Inhalte des technischen, kaufmännischen und infrastrukturellen FM mit vielen Praxisbeispielen

- Rechtliche Aspekte und Normen

- Wertorientierung im FM und FM-Rating

- Outsourcing-Strategien

- EDV-technische Unterstützung

Autoren

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Duale Hochschule Stuttgart, Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, Wagner Real Estate GmbH, Hamburg.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennahe Studienfächer wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Regionalplanung, Studierende der Bank- und Finanzwirtschaft, Jura-Studierende mit der Vertiefung Immobilienrecht sowie interessierte Praktiker.