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1.3 Die Entwicklung des Facility Managements – ein internationaler Vergleich in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Facility Management, page 31 - 34

Handbuch für Studium und Praxis

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3836-9, ISBN online: 978-3-8006-4182-6, https://doi.org/10.15358/9783800641826_31

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 10 1 Entwicklung des Facility Managements10 Für bereits berufstätige Personen mit dem Wunsch nach einer Zusatzqualifikation, bilden die Zertifikatsstudiengänge eine attraktive Möglichkeit zur Weiterbildung. In diesem Fall können Berufstätige ohne abgeschlossenes Hochschulstudium nach dem erfolgreichen Abschluss eines berufsbegleitenden Fernstudiengangs das Zertifikat zum zertifizierten Facility Manager erwerben. Neben diesen zertifizierten Lehrgängen außerhalb des akademischen Bereichs, gibt es viele reguläre Studiengänge an Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen, die entsprechende Diplom- bzw. Bachelor- und Master- Studiengänge anbieten. 1.3 Die Entwicklung des Facility Managements – ein  internationaler Vergleich 1.3.1 Facility Management in den USA Dass das Facility Management ein wichtiges strategisches Instrument zur Steigerung der Kundenzufriedenheit und zur Kostenreduzierung ist, wurde in den Vereinigten Staaten 10 Jahre früher erkannt als in Deutschland. In den USA wird Facility Management als Dienstleistung angesehen, in deren Mittelpunkt die Zufriedenheit des Kunden steht, der in der Rolle des Nutzers eines Objektes auftritt. Dem Kunden wird die Verfügbarkeit von Flächen und technischen Einrichtungen angeboten und auch umfangreiche, speziell auf das Unternehmen des Auftragnehmers oder dessen Mitarbeiter zugeschnittene Dienstleistungen15. Das Verständnis von Facility Management ist in den USA anders als in Deutschland, sehr viel stärker an der Arbeitsorganisation und dem Flächenmanagement ausgerichtet. Die Gebäudetechnik ist in den USA i. d. R. weniger kompliziert als in Deutschland, da in den Vereinigten Staaten oft eine standardisierte und einfacher zu handhabende technische Ausstattung genutzt wird. Aus diesem Grund steht in den USA weniger die Gebäudetechnik im Mittelpunkt als vielmehr die Verbindung von Kundenzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit. Ein Vorteil der USA bei der Entwicklung des Facility Managements war und ist auch, dass in den Vereinigten Staaten ein anderes gesetzliches Umfeld, ein grö- ßerer Spielraum bei Personalveränderungen und niedrigere Hemmschwellen bei Veränderungen gewachsener Strukturen bestehen. Das bietet die Möglichkeit, die erkannten Schwachstellen schneller und effektiver zu beseitigen und erfolgreiche Lösungen zu finden und umzusetzen16. 15 Vgl. Schneider, H. (2004), S. 7. 16 Vgl. ebenda, S. 8. 1.3 Die Entwicklung des Facility Managements Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 11 111.3 Die Entwicklung des Facility Managements 1.3.2 Facility Management in Europa 1.3.2.1 Facility Management in Deutschland Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten steht in der Bundesrepublik die Gebäudetechnik im Mittelpunkt. Diese Entwicklung beruht darauf, dass seit Anfang der 1990er Jahre gerade Unternehmen der Bau- und Anlagenbranche den Begriff des Gebäudemanagements geprägt haben. Sie versuchten damals, die einbrechenden Umsätze im Baugewerbe durch diesen Geschäftszweig zu kompensieren. Hinzu kommt, dass es in Deutschland eine lange Tradition im Bereich der Technik, ein umfangreiches Angebot hoch entwickelter Produkte und Leistungen und starke Arbeiterverbände gibt. Allerdings gab es auch klare Defizite bei der Wirtschaftlichkeit der Gebäudetechnik in Deutschland. Zum einen wurden vielfach in der Praxis die Lebenszykluskosten (die nicht zuletzt von der Bauweise und der Architektur bestimmt werden) und Anforderungen der zukünftigen Nutzer an die Immobilie nicht ausreichend berücksichtigt, zum anderen stand der hohe Stand der Technik hierzulande in einem erkennbaren Gegensatz zu der, immer noch durch das Zunftwesen geprägten, handwerklichen Errichtung, Reparatur und Wartung von Objekten17. Zudem hat diese fest gefügte Denkweise dazu beigetragen, dass in Deutschland erst viel später als in den USA erkannt wurde, dass das Facility Management eine strategische Aufgabe ist. Auch die lange Zeit bestehenden Schwächen in der Ausbildung qualifizierter Facility Manager haben in Deutschland zu einer langsameren Entwicklung des Facility Managements als bspw. in den USA geführt. 1.3.2.2 Facility Management in Großbritannien Die intensiven Verbindungen zwischen Großbritannien und den USA haben dazu geführt, dass auch die Entwicklungen im Bereich des Facility Managements ähnlich sind. Anders ist in Großbritannien, dass dort der wesentliche Treiber des Facility Managements die öffentliche Hand ist. Durch die Privatisierung von Immobilienprojekten, durch PPP (Public Private Partnership) und durch PFI (Private Finance Initiative) in Großbritannien, kam es zu einem hohen Outsourcing-Anteil durch die öffentlichen Hand. Dabei wurden die Bauprojekte einschließlich Finanzierung, Planung, Erstellung und Betrieb über 20 Jahre vertraglich fixiert. Das Benchmarking hat sich in Großbritannien als Kriterium für ein funktionierendes Facility Management etabliert. Großbritannien hat zudem viele Richtlinien und Normen der EU übernommen und verfügt deshalb über erheblich mehr Rahmenbedingungen als bspw. die Vereinigten Staaten, die nur wenige Vorgaben haben. 17 Vgl. Schneider, H. (2004), S. 8. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 12 1 Entwicklung des Facility Managements12 1.3.2.3 Facility Management in Frankreich und den Niederlanden Die wesentlichen Treiber des Facility Managements (Utilisation) in Frankreich sind die teilweise noch in staatlicher Hand befindlichen Energieversorgungsunternehmen. Damit einher geht das Verständnis, dass Utilisation und Outsourcing in Frankreich gleichzusetzen sind. In der Handelsnation Holland hingegen wird das Facility Management durch die Kunden- und Kostenorientierung geprägt. Daraus resultiert, dass das Facility Management sehr serviceorientiert ist und für die optimale Steuerung Benchmarks zur Kosten- und Leistungskontrolle benötigt werden. In Holland existiert zudem ein Facility Management- Standard, der Leistungen und Kostenstrukturen beschreibt. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 13 2 Begriff und organisatorische Einordnung des Facility Managements 2 Begriff und organisatorische Einordnung des Facility Managements

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassender Einblick in Theorie und Praxis des Facility Managements

- Systematische Darstellung der relevanten Normen und Richtlinien

- Konkrete Beispiele zur Anwendung und Vertiefung der Inhalte

Zum Werk

Die Immobilie in ihrem Lebenszyklus erfordert ein Wertmanagement, das unter dem Begriff Facility Management zusammengefasst wird. Das Buch umfasst alle Aspekte einschließlich anschaulicher Praxisbeispiele.

Zur Neuauflage

Umfassende Aktualisierung und zusätzliche Fallbeispiele.

Inhalt

- Geschichte des FM; Vergleich mit anderen Ländern

- Facility Management im Lebenszyklus einer Immobilie

- Strategisches FM

- Inhalte des technischen, kaufmännischen und infrastrukturellen FM mit vielen Praxisbeispielen

- Rechtliche Aspekte und Normen

- Wertorientierung im FM und FM-Rating

- Outsourcing-Strategien

- EDV-technische Unterstützung

Autoren

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Duale Hochschule Stuttgart, Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, Wagner Real Estate GmbH, Hamburg.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennahe Studienfächer wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Regionalplanung, Studierende der Bank- und Finanzwirtschaft, Jura-Studierende mit der Vertiefung Immobilienrecht sowie interessierte Praktiker.