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1.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Facility Management, page 24 - 31

Handbuch für Studium und Praxis

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3836-9, ISBN online: 978-3-8006-4182-6, https://doi.org/10.15358/9783800641826_24

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 3 1.1 Einführung Das Facility Management hat sich seit Mitte der 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten und ab Mitte der 1980er Jahre auch in Deutschland zunehmend eta bliert. Anfangs waren es hauptsächlich die Unternehmen aus dem technischen und infrastrukturellen Bereich, die das Facility Management als Chance für sich entdeckten und ihre Angebotspalette um Facility Management-Dienstleistungen erweiterten. Seitdem hat sich die Struktur des Marktes für FM-Dienstleistungen verändert. Obwohl das infrastrukturelle Facility Management noch immer den Hauptteil des Gesamtmarktes beherrscht, werden die extern erbrachten, integrierten Dienstleistungen zunehmend stärker nachgefragt, während das Marktpotential zu stagnieren scheint. Insgesamt lässt sich ein Trend hin zu Generaldienstleistern erkennen. Das bedeutet, dass viele Unternehmen, die Facility Management-Leistungen in Anspruch nehmen möchten, bevorzugt einen einzigen Generalisten beauftragen, der die gesamte Dienstleistungspalette im Facility Management-Bereich abdecken kann. Dadurch lässt sich der Koordinations- und Kontroll aufwand reduzieren. 1.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements 1.2.1 Erste Ansätze Mitte der 1950er Jahre wurde der gedankliche Grundstein für das Facility Management gelegt. Zu dieser Zeit wurde das Facility Management mit dem Ziel verfolgt, die Produktivität in Betriebsführung und Instandhaltung zu verbessern1. Ursprünglich befasste sich erstmals die Fluggesellschaft Pan-American-World- Services, die als erstes externes Facility Management-Unternehmen auf dem Markt gilt und einen neuen Typus der US-amerikanischen Bürowelt entwickelten, mit dem Facility Management. Den Anstoß zu den Überlegungen der Pan- American-World-Services gab 1952 die US-Air Force. Die US-Air Force gab dem Unternehmen den Auftrag, die Facilities der Eastern Test Range zu betreiben, zu managen und für deren Instandhaltung zu sorgen2. 1978 veranstaltete die Hermann Miller Corporation, der damals weltweit größte Möbelhersteller, in Ann Arbor, Michigan, eine Konferenz mit dem Titel „Facilities Impact on Productivity“. Die Hermann Miller Corporation lud dazu 1 Vgl. Nävy, J. (2002), S. 40. 2 Vgl. Lochmann, H.-D./Köllgen, R. (Hrsg.) (1998), S. 44. 1.1 Einführung 1.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 4 1 Entwicklung des Facility Managements4 alle ihre Kunden ein, um mit ihnen die gemachten Erfahrungen auszutauschen. Aufgrund dieser Konferenz und dem dabei getroffenen Beschluss, eine Arbeitsgruppe zu gründen, um die Grundlagen des FM genauer zu analysieren, wurde 1979 in Ann Arbor das Facility Management Institute (FMI) durch Dave Armstrong gegründet und die Wissenschaft begann, sich mit dem Thema Facility Management auseinander zu setzen3. Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen untersuchten, ob der Arbeitsprozess durch die Gebäude, in denen die Menschen arbeiten, beeinflusst wird. Das Institut machte es sich zur Aufgabe, das bestmögliche Management zur Ausstattung und Einrichtung in Unternehmen zu entwickeln. Im Jahre 1980 gründeten 40 professionelle Facility Manager auf einer Veranstaltung des FMI die National Facility Management Association (NFMA). Die NFMA verzeichnete einen starken Zulauf und hatte bereits im dritten Jahr 1.200 Mitglieder. 1982 wurde Kanada in den Verband aufgenommen. Aufgrund dieser Internationalisierung und dem raschen Wachstum wurde die NFMA in IFMA, International Facility Management Association, umbenannt. Die IFMA ist inzwischen weltweit tätig und hat den Sitz der Organisation von Ann Arbor nach Houston, Texas verlegt. Die heute in den Vereinigten Staaten als berufsständische Organisation anerkannte Institution hat mittlerweile über 19.500 Mitglieder aus 78 verschiedenen Ländern. Zudem achtet die IFMA darauf, dass 75 % ihrer Mitglieder aktive Facility Manager sind. Die IFMA verfolgt das Ziel, die öffentliche Anerkennung des Berufes des Facility Managers als Ausbildungsberuf zu etablieren und eine internationale Organisation für die Vertretung der Berufsinteressen von Facility Managern zu schaffen. Nachdem sich das Facility Management in den Vereinigten Staaten etabliert hatte, wurde es Mitte der 1980er Jahre auch in Europa zunehmend bekannter. Vorreiter in Europa war Großbritannien. Dort griff der englische Architekt Francis Duffy den Gedanken des Facility Managements erstmals auf. Daraufhin wurden im Jahr 1985 die Association of Facility Managements (AFM) und das Institute of Administrative Management/Facilities Management Group (IAM/FMG) in Großbritannien und 1990 ein European Network in Glasgow gegründet4. Nachdem auch in Holland 1987 das Facility Management eingeführt wurde, zog Deutschland 1989 nach und gründete den nationalen Verband German Facility Management Association (GEFMA), der heute rund 700 Mitglieder zählt. Ziel der GEFMA war und ist es, in Deutschland die Aktivitäten des Facility Management zu fördern und die unterschiedlichen Aussagen der am Markt beteiligten zu einer einheitlichen Formulierung zu bündeln5. Zudem engagiert sich die GEFMA stark für die Aus- und Weiterbildungen im Bereich des Facility Managements und zertifiziert Ausbildungsstätten, die nach den von der GEFMA entwickelten Richtlinien lehren6. 3 Vgl. Facility Management, Schriftenreihe des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, 2002 Heft 58, S. 13. 4 Vgl. Nävy, J. (2002), S. 41. 5 Vgl. Schneider, H. (2004), S. 3. 6 Vgl. Nävy, J. (2002), S. 41. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 5 51.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements Der Markt für Facility Management entwickelte sich in Deutschland stark heterogen und wurde in den Folgejahren überwiegend von CAD-Anbietern und Dienstleistern, die schon mit FM-Teilleistungen in Unternehmen vertreten waren, beherrscht. Die klassische Form der Unternehmensberater fehlte jedoch vollständig. Aus diesem Grund konnten anfangs keine unterstützenden Beratungen zur Integration von Facility Management in Unternehmen angeboten werden und infolgedessen stagnierte die Entwicklung in diesem Bereich des Facility Managements7. Bei der Entwicklung wurde die GEFMA zunächst durch ihre starke Anbieterorientierung gebremst. Doch nach einer umfassenden Neuorientierung im Jahr 1996 entwickelte sie sich seitdem zum marktprägenden Institut für Facility 7 Vgl. Zechel, P. (2002), S. 26. Die Entwicklung des Facility Managements im Zeitablauf 2006 Umwandlung der IFMA Deutschland in Real FM Heute 1996 Gründung der IFMA Deutschland e.V. 1989 Gründung der German Facility Management Association (GEFMA) 1990 Gründung eines European Network in Glasgow 1996 Richtlinienwerk GEFMA 1980 Gründung der National Facility Management Association (NFMA) 1982 Umbenennung der NFMA in International Facility Management Association (IFMA) 1985 Gründung der Association for Facility Management (AFM) in Großbritannien 1950er Jahre Ursprünge des Facility Managements (Pan-American- World-Services) 1978 Veranstaltung der Konferenz „Facilities Impact on Productivity“ 1979 Gründung des Facility Management Institute (FMI) Abb. 1: Die Entwicklung des Facility Managements im Zeitablauf Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 6 1 Entwicklung des Facility Managements6 Management in Deutschland und verzeichnete einen starken Zulauf bei den Mitgliederzahlen. Im gleichen Jahr brachte die GEFMA ein erstes umfassendes Richtlinienwerk heraus, das helfen sollte, Facility Management in Deutschland zu etablieren. Das Richtlinienwerk ist eine umfangreiche Beschreibung des Facility Managements in Deutschland und soll Anwendern und Anbietern eine Hilfestellung bieten8. In den letzten Jahren befasste sich die GEFMA auch vermehrt mit den zunehmend wichtiger werdenden Themen Prozessverantwortung, Vermarktung von FM-Leistungen und Qualitätsmanagement9. Im Dezember 1996 wurde die IFMA Deutschland in München als Interessenvertretung der in der deutschen Wirtschaft und Verwaltung tätigen Facility Manager gegründet. Sie bildete den deutschen Gegenpart zur IFMA in den Vereinigten Staaten Auch ihr Ziel war es, sowohl das Berufsbild als auch die Aus- und Weiterbildung des Facility Managers zu unterstützen und voran zu treiben10. Anders als die GEFMA widmete sich die IFMA Deutschland schwerpunktmäßig dem Benchmarking, dem Marketing, dem Instandhaltungsmanagement, der CFM-Zertifizierung und dem Facility Management in der Wohnungswirtschaft, in Krankenhäusern und in Industriestandorten. Im November 2006 ging aus der IFMA Deutschland der Berufsverband RealFM e.V. Association for Real Estate and Facility Managers mit Sitz in Berlin hervor. 1.2.2 Die Entstehungsgründe des Facility Managements Dass es nötig wurde, auch in Europa und speziell in Deutschland den Gedanken des Facility Managements aufzunehmen, hat unterschiedliche Gründe. Durch Studien in diesem Bereich ist bewiesen, dass die während der Nutzungsphase anfallenden Belastungen (Bewirtschaftskosten), die Kosten für die Konzeption, die Planung und die Realisierung eines Gebäudes um ein Mehrfaches übersteigen können. Da das Facility Management durch gezielten Fokus auf die Nutzungskosten erstmals die Möglichkeit bot, die objektbezogenen Kosten zu senken, eröffnete sich für viele Unternehmen die Chance eines neuen Geschäftzweiges. Vor allem vielen Bauunternehmen bot sich durch das Facility Management die Möglichkeit, die sinkenden Umsätze der finanziell angeschlagenen Baubranche durch Dienstleistungen im Facility Management-Bereich zu kompensieren. Den Nutzern hingegen eröffnete sich eine neue Gelegenheit, durch die Anwendung von Facility Management, ihre Kosten zu senken. Diese optimalen Voraussetzungen verhalfen dem Facility Management auch in Deutschland zu einer positiven Entwicklung. Aufgrund dieser Informationen definiert sich die Zielgruppe des Facility Managements im Immobilienbereich als Unternehmen, die für die Planung, den kostengünstigen Betrieb und die Werterhaltung einer Immobilie verantwortlich sind. Der Einsatz von Facility Management-Leistungen ist besonders für große Gebäude und Gebäudekomplexe effektiv. 8 Vgl. Nävy, J. (2002), S. 41. 9 Vgl. GEFMA e.V. 10 Vgl. Schneider, H. (2004), S. 13. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 7 71.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements Wissenschaftlich können die Gründe für das Entstehen folgendermaßen erklärt werden: Aufgrund der Insuffizienzen der arbeitsteiligen Planungs- und Bewirtschaftungspraxis bei Anlagen und Gebäuden, sowie der durch die rasante Entwicklung der Computer- und Softwaretechnik entstandenen Möglichkeit der IT-Integration, wurde nach systemtheoretisch abgesicherten Planungskonzepten gesucht11. Praktisch lässt sich diese Entwicklung auf heute übertragen und wie folgt erklären: 1. Sachanlagen stellen eine strategische Ressource für die Erhaltung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dar. Hierbei ist die Churn-Rate (Veränderungsrate) relevant. Immobilien haben heute eine technische Lebensdauer von bis zu 100 Jahren. In diesen 100 Jahren werden die Immobilien immer wieder in bestimmten Zyklen umgebaut. Da in manchen stark im globalen Wettbewerb stehenden Branchen (z. B. IT- und Automobiltechnik) Umstrukturierungszeiträume von 2–3  Jahren möglich sind, würde sich hier eine Churn-Rate von 40 ergeben. Das bedeutet, dass ein Gebäude innerhalb seiner technischen Lebensdauer 40mal umgeplant und verändert werden würde. 2. Eine weiterer Grund für die zunehmende Bedeutung des Facility Managements ergibt sich aus den steigenden Kosten für Grund und Boden und die Erstellung und Nutzung von Immobilien. Vor dem Hintergrund eines steigenden, globalen Wettbewerbsdrucks und dem Zwang zur Kostensenkung, stellen hohe Nutzungskosten viele Unternehmen vor finanzielle Probleme. Diese Probleme können mit Hilfe von gut geschulten Facility Managern gelöst werden. 3. Nicht zu vernachlässigen ist die rasante Entwicklung der Datenverarbeitung und der Informationstechnologie. Sie bietet den Unternehmen die Möglichkeit, ihre Daten und Sachressourcen zu erfassen, zu bewerten und auch zu steuern. Früher war dies nur durch den Einsatz aufwändiger Großrechner möglich und ist heute mit kostengünstigen PC-Systemen zu realisieren12. 1.2.3 Die Funktion des Facility Managers Beim Facility Management steht die ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus einer Immobilie im Mittelpunkt, mit dem Ziel einer Gestaltung von Wertschöpfungsketten zur gewinnoptimierenden Bewirtschaftung eines Objektes. Mit Hilfe des Facility Managements sollen alle kostenrelevanten Prozesse und die damit verbundenen Leistungen, die nicht zum Kernprodukt gehören, analysiert und optimiert werden. An diesen praktischen Inhalten des Facility Managements sollte sich die theoretische Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften orientieren. Ein Facility Manager muss Fertigkeiten und Fähigkeiten im operativen Bereich des Dienstleistungs- und Beratungsmanagement besitzen, denn künftig wird Facility Management am Markt überwiegend als eine Methode verstanden, die auf das kostenminimierende Management von Dienstleistungen in der Nut- 11 Vgl. Hoffmann, F. (1992), S. 1f. 12 Vgl. ebenda, S. 44. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 8 1 Entwicklung des Facility Managements8 zungsphase unter Ausnutzung von Synergieeffekten und unter Ausweitung auf die Projektphase von Anlagen und Infrastrukturen, abzielt13. Da das Kernziel des Facility Managements darin liegt, für alte Lösungen, neue, intelligente, weil arbeitsteilige Lösungen anzubieten, ist es ebenfalls nützlich, den Facility Manager mit strategischen Qualifikationen auszustatten, wenn die Firmenleitung die Konzentration auf die Kernkompetenz und folglich das Outsourcing von Unterstützungsleistungen fordert. Zudem entwickelt sich der Beruf des Facility Managers immer mehr hin zu einem Generalisten und weg vom Spezialisten. Dieser Trend entsteht durch die Erkenntnis, dass es zur optimalen Unterstützung des Kernproduktes nicht reicht, einzelne Arbeitsabläufe zu verbessern, sondern dass alle Prozesse optimiert werden müssen. Dies wiederum setzt eine breit gefächerte Kenntnis aller Geschäftsbereiche voraus. Diese Entwicklung zum Generalisten erfordert eine Persönlichkeit, die über Methodenkompetenz sowie über eine Befähigung zur Mitarbeiterführung in Projektmanagementorganisationen, verfügt14. Da der Erfolg eines Facility Management-Projektes von der Akzeptanz der Projekte bei der Unternehmensleitung, den Personalvertretungen und den Mitarbeitern abhängt, sollten dem Facility Manager während der Ausbildung Überzeugungs- und Motivationsfähigkeit und eine starke Kunden- und Dienstleistungsorientierung vermittelt werden. 1.2.4 Lehre und Ausbildung Mitte der 1990er Jahre beginnen sich auch Entwicklungen bei Ausbildung und Lehre in Deutschland abzuzeichnen. Heute gibt es, laut einer Analyse der IFMA Deutschland, ungefähr 100 deutschsprachige Angebote für Aus- und Weiterbildung im Bereich Facility Management. Qualifizierungsmöglichkeiten auf dem Gebiet des Facility Managements werden in der Bundesrepublik sowohl von privaten Ausbildungsstätten als auch von Veranstaltern von Managementkonferenzen angeboten. Im Hochschulbereich bieten einige Universitäten und Fachhochschulen Facility Management als Studienfächer oder als Studiengänge an. Meist sind diese Studienangebote Wirtschaftsingenieur-Studiengänge oder eine Vertiefung der Gebäudetechnik. Inzwischen hat sich im Bereich der Aus- und Weiterbildung der Ansatz der Ausbildungspyramide nach GEFMA bewährt. Mit Hilfe der Richtlinien der GEFMA besteht in Deutschland eine weitgehende Normierung der Ausbildung. Die GEFMA zertifiziert Hochschulen und Universitäten, die nach den vorgegebenen Richtlinien ausbilden. 13 Vgl. Zehrer, H., Unterlagen der GEFMA Deutscher Verband für Facility Management e.V. zum Thema Qualifizierung im Facility Management – Anspruch und Bedarf, Angebote und Orientierungshilfen. 14 Vgl. Nävy, J. (2002), S. 47. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 9 91.2 Die historische Entwicklung des Facility Managements Da im Bereich des operativen Geschäfts weiterhin Spezialisten mit der Fähigkeit, ihre speziellen Gewerke in das ganzheitlich orientierte Facility Management-Projekt einordnen zu können, gesucht werden, wird die Ausbildung zur Fachkraft FM angeboten. Dieser Ausbildungszweig ist speziell für Personen, die bereits über eine abgeschlossene Ausbildung in einem speziellen Sektor verfügen. Bei der Fortbildung zur Fachkraft FM wird der Schwerpunkt bei der Vermittlung von Zusammenhängen verschiedener Geschäftsbereiche, gesetzt. Des Weiteren wird die Fortbildung zum Fachwirt FM angeboten, der ebenfalls auf der operativen Ebene agiert. Allerdings wird der Fachwirt FM in der Praxis als Objektleiter gesehen, der als Generalist ein Team von Spezialisten führt und der mit der Koordination von Dienstleistungen vor Ort befasst ist. Diese Qualifikation ist die häufigste Ausbildung für alle, die sich im Bereich des Facility Managements weiterbilden möchten, unabhängig von der Vorerfahrung und dem bisherigen Ausbildungsstand. Zudem haben sich im Bereich der operativen Ebene bereits Vertiefungsrichtungen entwickelt. Es gibt inzwischen, passend zur Marktentwicklung, Vertiefungen für das allgemeine Gebäudemanagement, das industrielle und das kommunale Facility Management sowie das Krankenhausservice-Management, die als von der GEFMA zertifizierte Weiterbildungen angeboten werden. Als Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit im strategischen Bereich des Facility Managements als Aufgabe in der Unternehmensführung, bietet sich das Vollzeitstudium zum Diplom Facility Manager an, wobei das Diplom zwischenzeitlich meist durch den Bachelor- oder Mastertitel ersetzt wurde. In diesem Studium wird flächendeckend in den verschiedenen Fachbereichen Maschinenbau, Architektur, Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Informatik und auch Ökotrophologie gelehrt. Einige Hochschulen haben ihre Studien- und Aufbaustudiengänge bereits von der GEFMA zertifizieren lassen. Normative Ebene FM-Einbindung Gebäudemanager Strategische Ebene Operative Ebene Zuarbeitende Ebene Auführende Ebene Unternehmensvorstand FM- Studiengänge Fachwirt FM Fachkraft FM Investor Liegenschaftsund Immobilienmanagement Gebäudemanagement Projektmanagement Dienstleistungsmanagement Projekt-Team/ Dienstleistungsbereich Abb. 2: Die Ausbildungspyramide nach GEFMA Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 10 1 Entwicklung des Facility Managements10 Für bereits berufstätige Personen mit dem Wunsch nach einer Zusatzqualifikation, bilden die Zertifikatsstudiengänge eine attraktive Möglichkeit zur Weiterbildung. In diesem Fall können Berufstätige ohne abgeschlossenes Hochschulstudium nach dem erfolgreichen Abschluss eines berufsbegleitenden Fernstudiengangs das Zertifikat zum zertifizierten Facility Manager erwerben. Neben diesen zertifizierten Lehrgängen außerhalb des akademischen Bereichs, gibt es viele reguläre Studiengänge an Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen, die entsprechende Diplom- bzw. Bachelor- und Master- Studiengänge anbieten. 1.3 Die Entwicklung des Facility Managements – ein  internationaler Vergleich 1.3.1 Facility Management in den USA Dass das Facility Management ein wichtiges strategisches Instrument zur Steigerung der Kundenzufriedenheit und zur Kostenreduzierung ist, wurde in den Vereinigten Staaten 10 Jahre früher erkannt als in Deutschland. In den USA wird Facility Management als Dienstleistung angesehen, in deren Mittelpunkt die Zufriedenheit des Kunden steht, der in der Rolle des Nutzers eines Objektes auftritt. Dem Kunden wird die Verfügbarkeit von Flächen und technischen Einrichtungen angeboten und auch umfangreiche, speziell auf das Unternehmen des Auftragnehmers oder dessen Mitarbeiter zugeschnittene Dienstleistungen15. Das Verständnis von Facility Management ist in den USA anders als in Deutschland, sehr viel stärker an der Arbeitsorganisation und dem Flächenmanagement ausgerichtet. Die Gebäudetechnik ist in den USA i. d. R. weniger kompliziert als in Deutschland, da in den Vereinigten Staaten oft eine standardisierte und einfacher zu handhabende technische Ausstattung genutzt wird. Aus diesem Grund steht in den USA weniger die Gebäudetechnik im Mittelpunkt als vielmehr die Verbindung von Kundenzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit. Ein Vorteil der USA bei der Entwicklung des Facility Managements war und ist auch, dass in den Vereinigten Staaten ein anderes gesetzliches Umfeld, ein grö- ßerer Spielraum bei Personalveränderungen und niedrigere Hemmschwellen bei Veränderungen gewachsener Strukturen bestehen. Das bietet die Möglichkeit, die erkannten Schwachstellen schneller und effektiver zu beseitigen und erfolgreiche Lösungen zu finden und umzusetzen16. 15 Vgl. Schneider, H. (2004), S. 7. 16 Vgl. ebenda, S. 8. 1.3 Die Entwicklung des Facility Managements

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassender Einblick in Theorie und Praxis des Facility Managements

- Systematische Darstellung der relevanten Normen und Richtlinien

- Konkrete Beispiele zur Anwendung und Vertiefung der Inhalte

Zum Werk

Die Immobilie in ihrem Lebenszyklus erfordert ein Wertmanagement, das unter dem Begriff Facility Management zusammengefasst wird. Das Buch umfasst alle Aspekte einschließlich anschaulicher Praxisbeispiele.

Zur Neuauflage

Umfassende Aktualisierung und zusätzliche Fallbeispiele.

Inhalt

- Geschichte des FM; Vergleich mit anderen Ländern

- Facility Management im Lebenszyklus einer Immobilie

- Strategisches FM

- Inhalte des technischen, kaufmännischen und infrastrukturellen FM mit vielen Praxisbeispielen

- Rechtliche Aspekte und Normen

- Wertorientierung im FM und FM-Rating

- Outsourcing-Strategien

- EDV-technische Unterstützung

Autoren

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Duale Hochschule Stuttgart, Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, Wagner Real Estate GmbH, Hamburg.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennahe Studienfächer wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Regionalplanung, Studierende der Bank- und Finanzwirtschaft, Jura-Studierende mit der Vertiefung Immobilienrecht sowie interessierte Praktiker.