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12.2 Weiterbildung in der Logistik in:

Christof Schulte

Logistik, page 584 - 591

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_608

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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584 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 technische Ausbildungsinhalte herauszukristallisieren, die zu zwei unterschiedlichen Anforderungsprofilen für die Ausbildung des Logistikers führen. Dies deckt sich auch mit dem Aufbau der Hochschulen in der Bundesrepublik. Während in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung beschaffungsmarktorientierte Funktionen sowie Planungs-, Steuerungsund Durchführungsaufgaben im kaufmännisch-administrativen Bereich im Vordergrund stehen, beinhaltet die technische Logistikausbildung das Gebiet der physischen Logistik (vgl. Abb. 12–5). Hierarchieebene Logistische Aufgabe Sachbearbeiter Gruppenleiter/ qualifizierter Spezialist Führungskraft/ hochqualifizierter Spezialist Programmplaner Montagesteuerer Industriekaufmann + technische Lehre angelernte Hilfskraft Wirtschaftsingenieur (FH) Fachkraft Wirtschaftsingenieur (TH, Univ.) Wirtschaftsingenieur Materialplaner Disponent Industriekaufmann Industriekaufmann Betriebswirt Betriebswirt Dipl.-Kaufmann Wirtschaftsingenieur Betriebswirt Lager-Transport- Verkehrsplaner Lagerbewirtschaftung, Transport Techniker Hilfskraft Materialfluss- Ingenieur (FH) Fachkraft Materialfluss-Ingenieur (TH, Univ.) Materialfluss-Ingenieur Abb. 12–4: Qualifikationsanforderungen an logistische Aufgabenträger (Wunderow 1982, S. 9) 12.2 Weiterbildung in der Logistik 12.2.1 Ziele und Arten der Weiterbildung Gegenstand der Weiterbildung ist eine Vertiefung und Erweiterung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Mitarbeiter, so dass im Unternehmen ein breites Qualifikationspotenzial entsteht. Mit der Weiterbildung werden sowohl Unternehmens- als auch Individualziele der Mitarbeiter verfolgt (vgl. Berthel 1979, S. 154). Als unternehmensorientierte Zielsetzungen lassen sich im Einzelnen anführen (vgl. Kästner 1986, S. 13 f.): – Erhöhung der Qualifikation der Mitarbeiter zur Optimierung ihres Leistungsbeitrags, – Bereitstellung qualifizierter Nachwuchskräfte, – Sicherstellung eines breit angelegten Qualifikationspotenzials im Unternehmen, um zukünftige Anforderungen bewältigen zu können und einen flexiblen und breiten Personaleinsatz der Mitarbeiter zu ermöglichen, – Bindung qualifizierter Mitarbeiter an das Unternehmen, – akquisitorische Wirkung der Weiterbildungsaktivitäten auf dem Arbeitsmarkt sowie – Aufdeckung von Unzulänglichkeiten in der Stellenbesetzung und von Fehlbesetzungen. Die Mitarbeiter erwarten sich von Weiterbildungsmaßnahmen insbesondere verbesserte Einkommenschancen, höhere Sicherheit, beruflichen und sozialen Aufstieg sowie die Chance zur Selbstentfaltung. 12.2 Weiterbildung in der Logistik 585 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 Grundsätzliche Fähigkeiten Denkvermögen: flexibles, kreatives, konstruktives, analytisches Teamfähigkeit Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation Basiswissen Planung, Organisation und Kontrolle Informatik Anforderungsprofil: Anforderungsprofil: Betriebswirtschaftliche Logistik an Wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulen Grundlagen der technischen Logistik Beschaffungsmarketing – Beschaffungsmarktforschung – Beschaffungspolitisches Instrumentarium – Modelle des Anbieter- und Beschafferverhaltens – Methoden der Beschaffung Logistische Basisdaten – Technische Information – Arbeitspläne – Materialplanungsstücklisten – Nummernsysteme Auftragsabwicklungssysteme Materialplanung und Materialsteuerung – Bedarfsplanungssysteme – Bestandsplanungssysteme – Beschaffungs- und Bestellabwicklungssysteme Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme – Fertigungs- und Montagesteuerung – Integrierte Steuerungssysteme (MRP I, MRP II, KANBAN, OPT, JIT) – Technische Steuerungssysteme (BDE, Prozess-DV) Lager, Transport und Verkehr – Lagerplanung – Verkehrs- und Transportplanung Entsorgung (kfm.) Technische Logistik an Technischen Hochschulen Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Logistik Strukturplanung – Layoutplanung – Gebäudestrukturplanung Lager- und Einrichtungsplanung – Lagersysteme – Fördersysteme – Transportsysteme – Kommissioniersysteme Materialfluss- und Materialbereitstellungsplanung Warenverteilsysteme Transportmittelplanung Verkehrswirtschaft Technische Datenverarbeitung – Rechner- und Kommunikationssysteme – Geometrisch/Physikalische Datenverarbeitung (CAD, CAE, CAQ, CAM, CIM) – Steuerungs- und Regelungstechnik – BDE OR-Techniken – Simulationen – Material- und Werteflussanalysen Entsorgung (technisch) Abb. 12–5: Anforderungsprofil an die Logistikausbildung (Pretzsch 1986, S. W6.6) Grundsätzlich können Weiterbildungsveranstaltungen innerbetrieblich oder außerbetrieblich durchgeführt werden. Bei den letztgenannten ist zu unterscheiden zwischen Weiterbildungsangeboten mit Erwerb einer Berufsbezeichnung, wie z. B. die Weiterbildung zum „Fachkaufmann Einkauf/Materialwirtschaft“ und zum „Verkehrsfachwirt Güterverkehr- Spedition-Lagerei“, sowie solchen mit Erwerb einer Teilnahmebescheinigung, die von fast allen Seminarveranstaltern ausgestellt wird. 12.2.2 Beispiele innerbetrieblicher Weiterbildung Es werden im Folgenden die Schulungs- und Trainingsprogramme dreier Unternehmen vorgestellt, wobei die einzelnen Konzepte sich durch unterschiedliche Aspekte auszeichnen. Während bei Boehringer die breite Diffusion logistischen Gedankengutes im Rahmen 586 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 der Neukonzeption der Logistik im Vordergrund stand, besticht das Beispiel von Bosch durch den geschlossenen integrierten Aufbau der Logistikseminare. Bei Rohde & Schwarz ist die Eigenentwicklung eines Planspiels von besonderem Interesse. 12.2.2.1 Boehringer Mannheim GmbH Das neue Informations- und Steuerungssystem (vgl. Abschnitt 11.5.3) beeinflusste die Arbeitsinhalte von 150 Mitarbeitern unmittelbar. Darüber hinaus sind ca. 500 Mitarbeiter von der neuen Logistik-Konzeption mittelbar berührt (vgl. hierzu und zum folgenden Stephan 1988). Die Themen der einzelnen Schulungsmaßnahmen mit ihren jeweiligen Zielsetzungen, Zeitdauern, Teilnehmerzahlen und Durchführenden enthält Abb. 12–6. Themenbereich Merkmale Allgemeine Kenntnisse über Logistik und die neue BM-Logistik- Konzeption LOGIS-Seminar zur Vermittlung des Grundwissens LOGIS Anwendertraining Externe Schulungsmaßnahmen Zielsetzung Information und Motivation für alle Mitarbeiterkreise Tangierte Mitarbeiter aller hierarchischen Stufen mit der neuen LOGIS- Konzeption – detailliert vertraut machen – die Wirkungsweise darstellen – die Rolle der Beteiligten innerhalb der Logistik her ausarbeiten Bestmögliche Ausbildung der Mitarbeiter, die mit dem neuen LOGIS-Systemarbeiten werden, in ihrer Aufgabe; insbesondere Beherrschen der neuen Planungsmethoden im Rahmen der integrierten Systeme Förderung des Besuchs externer Fortbildungsveranstaltungen. Nutzung von Informationsaustausch mit anderen Unternehmen Zeitdauer 2-4 Stunden 2 Tage bis zu mehreren Wochen pro Mitarbeiter – Teilnehmerzahl nahezu 1000 ca. 350 (bei 25 Seminaren) ca. 150 – Durchführung LOGIS- Projektteam LOGIS- Projektteam Planung und Realisierung durch die Linienvorgesetzten Planung durch die Linienvorgesetzten Abb. 12–6: Das Schulungs- und Trainingsprogramm für LOGIS (vgl. Stephan 1988, S. 780) Kernpunkt der Schulungsmaßnahmen stellte das zweitägige „LOGIS-Seminar“ dar, das gemeinsam vom LOGIS-Projektteam (Seminarinhalte) und der Personalförderung (Methodik) vorbereitet wurde: Inhalte – Grundlagen der Logistik – Philosophie und Kennzahlen der BM-Logistik – Teilsysteme und Schnittstellen von LOGIS – Die BM-Logistik-Organisation 12.2 Weiterbildung in der Logistik 587 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 Methodik – Vorträge – Bildschirmdemonstrationen – Diskussionen Zeitplan begleitend zur Realisierung von 1986–1988 Adressaten – alle Mitarbeiter mit logistischen Aufgaben – Mitarbeiter, die mit logistischen Aufgaben Kopplungsstellen aufweisen – Führungskräfte Referenten – Projektmitarbeiter – Linienvorgesetzte aus der Logistik Kosten – ausgabenwirksame Kosten: Euro 45 000,– – Zeitaufwand für Seminarvorbereitung und -durchführung: 2 Mannjahre. „Die Erfahrungen des Schulungs- und Trainingsprogramms lassen sich in 10 Thesen zusammenfassen: – These 1 Die Effizienz der eingesetzten DV-gestützten Systeme, Arbeitsabläufe und Verfahren kann nur so gut sein wie die Mitarbeiter, die mit Hilfe dieser Systeme arbeiten. Erfolg oder Misserfolg der Logistik-Konzeption ist wesentlich, wenn nicht sogar primär, von der Mitarbeit und dem Mittragen durch die betroffenen Mitarbeiter abhängig. Mitarbeiterausbildung und -training müssen daher zumindest gleichrangig mit der Erarbeitung der DV-Systeme erfolgen. – These 2 Training und Schulung für die Logistik-Mitarbeiter muss neben dem arbeitsplatzspezifischen Fachwissen einen Überblick über alle Aktivitäten in der gesamten logistischen Kette geben (Integration). Ganzheitliches Denken und Verstehen bereichsübergreifender Zusammenhänge ist wichtig. Hier hat den Kopplungsstellen innerhalb der logistischen Kette besondere Beachtung zu gelten. – These 3 Wegen des Querschnittscharakters der Logistik muss der Schulungsinhalt nicht nur das logistische Wissen umfassen, sondern auch die Verknüpfung von den betrieblichen Grundfunktionen Beschaffung, Produktion, Qualitätskontrolle und Vertrieb berücksichtigen. – These 4 Der Teilnehmerkreis darf nicht auf die unmittelbar berührten Logistik-Funktionen beschränkt sein, ebenso sind die anderen Unternehmensfunktionen einzubeziehen. Logistik ist eine Querschnittsfunktion mit vielen Kopplungsstellen. – These 5 Es ist wichtig, nicht nur die unmittelbar betroffenen Mitarbeiter in das Schulungsprogramm einzubeziehen, sondern auch deren Vorgesetzte. – These 6 Eigene Referenten aus dem Kreis der Logistiker fördern firmen- und arbeitsplatzgerechte Schulungsinhalte und praktisches Wissen; diese neigen jedoch auch zu einer „beschönigenden“ Darstellung. 588 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 – These 7 Unabdingbar ist die Einschaltung von Methodikberatern für die Gestaltung Logistikinterner Schulungs- und Trainingsprogramme. – These 8 Bei den immer knappen Projektressourcen ist die Benennung eines für Schulung und Training Verantwortlichen für die Konzentration auf diese Aufgabe (. . .) erforderlich. – These 9 Außerhaus-Seminare sind vorzuziehen, weil damit die Konzentration der Teilnehmer auf die Seminarinhalte gelenkt wird und Störungen aus dem betrieblichen Alltag minimiert werden. – These 10 Logistik-Training und Schulung darf nicht auf die Realisierungsdauer eines Projekts begrenzt bleiben; sie ist Daueraufgabe für die nächsten Jahre, da sich die Logistik in einer dynamischen Entwicklung befindet und sich innovative Veränderungen fortsetzen werden.“ (Stephan 1988, S. 783 f.). 12.2.2.2 Robert Bosch GmbH Aufbauend auf eine 1985 durchgeführte Bosch-interne Bildungsbedarfsanalyse erfolgte eine Neukonzeption der Seminarreihe Logistik, die nunmehr vier Ebenen mit insgesamt 12 Einzelseminaren umfasst (vgl. Abb. 12–7) (hierzu und zu Folgendem vgl. Weisenburger 1988). Abb. 12–7: Struktur der Logistik-Seminare bei der Robert Bosch GmbH (Weisenburger 1988, S. 799) 11_05.tif 12.2 Weiterbildung in der Logistik 589 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 Die Ziele der Logistik-Seminare sind im Einzelnen: I. Ebene: Einstiegsbaustein für alle Logistik-Seminare „Dieser Baustein soll in Form eines PC-Selbstlernprogramms, trainerunabhängig im Diskettenversand oder in Selbstlernzentren eingesetzt werden. Je nach Vorkenntnissen werden verschiedene Eingangsstufen konzipiert. Den Abschluss des Lernprogramms bildet ein Ausgangstest. Die Testergebnisse dienen zum einen zur Sicherung eines konstanten Eingangsniveaus aller Teilnehmer und zum anderen als Möglichkeit zum Direkteinstieg in die Aufbauseminare. Ziele: Der Teilnehmer – erhält einen Überblick über die Logistik in der Theorie und bei der Robert Bosch GmbH, – kann die logistischen Grundideen und Gedanken bei der Robert Bosch GmbH nachvollziehen“ (Weisenburger 1988, S. 800). II. Ebene: Grundseminare WLGD – Grundseminar Material- und Erzeugnisdisposition – Kennenlernen der Grundlagen, Methoden und Möglichkeiten der Disposition – Nachvollziehen der Auswirkungen von lang- und kurzfristigen Entscheidungen WLLS – Logistik am Standort – Information über die Logistiksysteme und -strukturen am Standort WLGL – Grundseminar Industrielle Logistik – Überblick über die Möglichkeiten moderner Logistiksysteme und deren Auswirkungen – Kennenlernen von Maßnahmen zur Kostensenkung WLBC – Bestände-Controlling – Überblick über die Planung, Steuerung und Kontrolle von Beständen im Unternehmen – Kennenlernen der Funktionen von Beständen und ihren Einflussfaktoren – Erarbeiten von Methoden und Mitteln zur Kostensenkung WLEB – Einkauf und Beschaffung – Information über die Einkaufsinstrumente und die Beschaffungsabwicklung bei der Robert Bosch GmbH – Vorbereiten, herbeiführen und realisieren von Einkaufsentscheidungen – Abschätzen können der Auswirkungen von Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen. III. Ebene: Aufbauseminare WLPS – Planer-Seminar – Vertiefung der Kenntnisse über die Erzeugnisdisposition bei Bosch – Problematik von Planungsentscheidungen – Entwickeln von Verständnis für das Spannungsfeld des Planers (Beschaffungs- und Absatzmarkt, Unternehmensführung) WLA1/WLA2/WLA3 – Logistik-Aufbauseminare – Erweiterung der Kenntnisse aus dem Seminar Industrielle Logistik (WLGL) – Kennenlernen der Gestaltung logistischer Abläufe 590 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 – Umsetzung dieser Kenntnisse an konkreten Fällen WLA1 – Fallstudien zur Beschaffungslogistik WLA2 – Fallstudien zur Produktionslogistik WLA3 – Fallstudien zur Distributionslogistik WLEA – Einkäufer-Aufbauseminar – Aktualisierung und Vertiefung der Kenntnisse über Methoden des strategischen Einkaufs – Fähigkeit zum problemgerechten Einsatz der Methoden. IV. Ebene: WLLW – Logistik-Workshop Teilnehmer eines Bereiches entwickeln Lösungen für logistische Probleme bzw. ein Logistikkonzept für ihren Bereich. Bezüglich der weiteren Entwicklung des Weiterbildungsangebots in der Logistik werden bei Bosch zwei Richtungen verfolgt. Zum einen werden die bereichsspezifischen Seminare/Workshops ausgebaut, um auf spezifische Problemstellungen noch konkreter eingehen zu können. Zum zweiten ist die Erweiterung des bereichsübergreifenden Seminarangebots geplant, um zwischen den Standorten den Erfahrungsaustausch zu fördern. 12.2.2.3 Rohde & Schwarz GmbH Die Rohde & Schwarz GmbH, ein Unternehmen der elektronischen Industrie, stellt hochpräzise Mess- und Nachrichtengeräte her. Mitte der Achtzigerjahre wurde mit FLUSS („Flussorientierte Unternehmens-Steuerungs-Strategie“) ein firmenweites Projekt zur Einführung der Just-in-Time Methode gestartet. Für die Gestaltung des Schulungsprogramms galt es drei Fragen zu beantworten (vgl. Wonisch 1987, S. 154 ff.): – Was wird geschult (Schulungsinhalte)? – Wer wird geschult (Zielgruppe)? – Wie wird geschult (Lehrmethode)? Hauptanliegen des Schulungsprogramms war, die Grundlagen für die Just-in-Time-Produktion zu vermitteln. Hierbei galt es, die Hauptunterschiede zwischen dem bestehenden und dem angestrebten Produktionssystem zu verdeutlichen. Aufgrund der erheblichen Änderungen, die mit Just-in-Time verbunden sind, sah man bei Rohde & Schwarz eine umfassende Top-down-Schulung, bei der keine Hierarchieebene ausgelassen wird, als zwingend erforderlich an. Inhalte, Dauer und Methoden der Schulung richteten sich jeweils nach der Zielgruppe: Top-Management, Produktions- und Logistik-Management, JIT-Mitarbeiter in Produktion und Logistik, Betriebsrat, Zulieferer. Zur Sicherstellung einer optimalen Umsetzung des Just-in-Time-Gedankengutes kamen unterschiedliche Lehrmethoden zum Einsatz: – Vorträge mit Diskussionen Obwohl bei passiven Lehrmethoden wie Hören nur eine durchschnittliche Haftwirkung von 20% zu erreichen ist, wurde der Vortrag als Mittel zur theoretischen Stoffvermittlung als unverzichtbar angesehen. – Schriftliches Lehrmaterial Hören und Lesen erhöhen die Haftwirkung auf etwa 40%. Unterlagen haben zudem den Vorteil, dass der Mitarbeiter bei Bedarf jederzeit auf sie zurückgreifen kann, wobei auf eine firmenindividuelle Gestaltung zu achten ist. 12.3 Entgeltdifferenzierung in logistischen Bereichen 591 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 – Planspiel Zum Erlernen der Just-in-Time-Prinzipien und zur anschaulichen Gegenüberstellung von Hol- und Bringprinzip wurde bei Rohde & Schwarz ein Trainingsspiel mit Legosteinen entwickelt. Bei diesem simuliert eine Gruppe von fünf Spielern die Produktion von Pharaonen, wobei die einzelnen Spielelemente die Produktionsrealität sehr gut widerspiegeln. – Training on the Job Die höchste Haftwirkung (mit fast 100%) wird durch aktive Mitarbeit in Pilotprojekten erzielt. Deshalb ist dies die effektivste Form, um neue Verfahren und neues Verhalten zu trainieren. – Videofilm Schließlich empfiehlt es sich, in der eigenen Firma Videofilme über die Situation vor und nach der Durchführung von Pilotprojekten zu drehen. Hiermit kann den Teilnehmern von Folgeprojekten auf anschauliche und einprägsame Weise der Effekt neuer Prinzipien deutlich gemacht werden. 12.3 Entgeltdifferenzierung in logistischen Bereichen Die Entlohnung ist für die logistischen Bereiche nicht nur deshalb relevant, weil sie eine bedeutende Kostengröße darstellt. Sie stellt darüber hinaus auch eine wesentliche Motivationskomponente dar, die über die Arbeitszufriedenheit die Leistung der Mitarbeiter beeinflusst. Im Folgenden soll deshalb eine Vorgehensweise vorgestellt werden, wie ein durchgängiges System zur differenzierten Entlohnung logistischer Mitarbeiter entwickelt und eingeführt werden kann (vgl. Abb. 12–8). 12.3.1 Vorbereitung Im ersten Schritt sind die Ziele und Anforderungen, die mit dem neuen Entgeltsystem erreicht werden sollen, zu definieren sowie die Ausgangssituation und Rahmenbedingungen zu erfassen. Eine Zusammenstellung typischer Ziele enthält Abb. 12–9, wobei im konkreten Fall nicht mehr als zehn verfolgt werden sollten und diese möglichst konkret und messbar festgehalten werden sollten. Sinnvollerweise wird bereits in diesem frühen Projektstadium der Betriebsrat informiert und eingebunden. Nach § 87 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVerfG) unterliegen Fragen der Entgeltfindung der Mitbestimmungspflicht, sofern es sich nicht um freiwillige Leistungen des Arbeitgebers handelt. Die frühzeitige Beteiligung des Betriebsrates hilft zum einen, divergierende Interessen frühzeitig zu erkennen und zu berücksichtigen und führt zum anderen in der Regel zur erforderlichen Unterstützung des Betriebsrates und einer größeren Resonanz in der Belegschaft bei der anschließenden Analysephase. Im Projektrahmen und Untersuchungsbereich wird abgesteckt, ob zunächst für einen logistischen Teilbereich eine Pilotentwicklung durchgeführt werden soll oder, ob alle logistischen Bereiche untersucht werden. Ferner werden die Projektmitarbeiter benannt, deren Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung ebenso festgelegt werden wie die Ablauforganisation und der Zeitplan des Projektes. Bereits in der Vorbereitungsphase beschafft sich die Projektgruppe Informationen über Entgeltsysteme und -methoden. Zur Verfügung stehende Informationsquellen sind Literatur, Vortragsveranstaltungen (Seminare, Workshops, Fachtagungen), andere Unternehmen, Verbände und Vereinigungen sowie externe Berater.

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.