Content

12.1 Logistikgerechte Berufsausbildung in:

Christof Schulte

Logistik, page 581 - 584

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_605

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
12.1 Logistikgerechte Berufsausbildung 581 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 Revision 12 Personelle Aspekte der Logistik Eine der Logistik angepasste Personalpolitik ist Voraussetzung für exzellente Logistikleistungen. Nur wenn logistisches Denken und Wissen bei den Mitarbeitern und Führungskräften in hohem Maße vorhanden sind, lassen sich Logistikkonzeptionen auf Dauer erfolgreich umsetzen. Basis für die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter sind eine fundierte Aus- und Weiterbildung. Zur Sicherstellung der Leistungsbereitschaft sind unter anderem eine leistungsgerechte Entlohnung, attraktive Arbeitsinhalte sowie Aufstiegsmöglichkeiten erforderlich (vgl. Abb. 12–1). Abb. 12–1: Gestaltungsfelder und Instrumente der Personalpolitik (Pfohl u. a. 2004, S. 97) 12.1 Logistikgerechte Berufsausbildung Die Logistikausbildung soll zur Ausübung eines qualifizierten Berufs in diesem Bereich dienen und kann in der Lehrlingsausbildung, einem Anlernverhältnis oder der Erstausbildung im Rahmen eines Studiums bestehen. Zu den Ausbildungsberufen, die primär auf Aufgaben in der Logistik vorbereiten, gehören der Schifffahrtskaufmann, Speditionskaufmann, Luftverkehrskaufmann sowie der Handelsfachpacker. Weitere Ausbildungsberufe, wie der Industriekaufmann erfassen logistische Aufgaben nur am Rande (vgl. Abb. 12–2). Da bislang eigenständige berufliche Ausbildungsabschlüsse zum Logistiker nicht existieren, ist zunächst zu untersuchen, welche Berufsfelder in der Logistik vorhanden sind. Im Anschluss ist die Frage zu beantworten, welche Ausbildungsabschlüsse bei der Beset- Abb_12-1.tif 582 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 zung von Logistikstellen in der Praxis bevorzugt werden. In der logistischen Kette lassen sich – bei Einbeziehung der Managementaufgaben – neun Berufsfelder unterscheiden (vgl. Dubbert/Pfohl 1988, S. 183): – Logistikleiter in Industrie und Handel, – Leiter von Logistikunternehmen/-betrieben, – Verkauf logistischer Dienstleistungen, – Material-/Warenadministration und -disposition, – Produktionsplanung und -steuerung, – Lagerhaus/Lagerhaltung, – Distribution/Spedition, – Logistiksysteme, – Logistikcontrolling. Verkehrsträgerübergreifende Ausbildungsberufe Ausbildungsberufe im Straßengüterverkehr Ausbildungsberufe im Luftfrachtverkehr – Fachkraft für Lagerwirtschaft – Kauffrau für Verkehrsservice/Kaufmann für Verkehrsservice – Kauffrau im Eisenbahn- und Straßenverkehr/Kaufmann im Eisenbahn- und Straßenverkehr – Berufskraftfahrerin/ Berufskraftfahrer – Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr – Handelsfachpackerin/ Handelsfachpacker – Postverkehrskauffrau/ Postverkehrskaufmann – Speditionskauffrau/ Speditionskaufmann – Fluglotsin/Fluglotse – Luftverkehrskauffrau/ Luftverkehrskaufmann Ausbildungsberufe im Schienengüterverkehr Ausbildungsberufe in der Hafen- und Seeschifffahrt Ausbildungsberufe aus anderen Querschnittsbranchen – Eisenbahnerin/Eisenbahner im Betriebsdienst – Binnenschifferin/Binnenschiffer – Fachkraft für Hafenlogistik – Hafenschifferin/ Hafenschiffer – Schifffahrtskauffrau/ Schifffahrtskaufmann – Seegüterkontrolleurin/ Seegüterkontrolleur – Fachinformatikerin/ Fachinformatiker – Industriekauffrau/ Industriekaufmann – Informatikkauffrau/ Informatikkaufmann – Informations- und Telekommunikationssystem- Elektronikerin/Informationsund Telekommunikationssystem-Elektroniker – Informations- und Telekommunikationssystem- Kaufmann – Kauffrau im Groß- und Außenhandel/Kaufmann im Groß- und Außenhandel Abb. 12–2: Ausbildungsberufe in der Logistik Welche Ausbildungsabschlüsse werden nun in den einzelnen Berufsfeldern präferiert? Eine empirische Untersuchung brachte hierbei folgende Ergebnisse (vgl. Dubbert/Pfohl 1988, S. 184). Beim Logistikleiter, im Verkauf logistischer Dienstleistungen, bei der Material-/Warenadministration und -disposition, der Distribution/Spedition sowie im Logistik- 12.1 Logistikgerechte Berufsausbildung 583 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 controlling wird vielfach eine betriebswirtschaftlich orientierte Ausbildung gewünscht. Logistikunternehmen fordern vor allem die Ausbildung zum Speditionskaufmann. Die Berufsfelder Produktionsplanung und -steuerung sowie teilweise Lagerhaus/Lagerhaltung und Logistiksysteme weisen eine technische bzw. ingenieurwissenschaftliche Orientierung auf. Eine spezifische Informatikausbildung wird teilweise für die Berufsfelder Logistiksysteme (Hardware) und die Logistikberatung gefordert. Einen zusammenfassenden Überblick über die Soll-Ausbildung für die einzelnen logistischen Berufsfelder gibt Abb. 12–3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Logistische Berufsfelder Ausbildung a) b) c) Diplom-Kaufmann — — Diplom-Betriebswirt FH — Diplom-Betriebswirt mit Zusatzqualifikation1) — — — — 5) 5) — — — Diplom- Wirtschaftsingenieur — — — — Diplom-Informatiker — — — — — — — Diplom-Ingenieur2) — — — — — — Spezifische Berufsfachschule/-akademie — — — — — — — Speditionskaufmann — — — 5) 5) — — — — Sonstige kaufmännische Ausbildung3) — — — — — — — Sonstige technische Ausbildung4) — — — — — — — — — Legende: Berufsfelder (Spalten 1–8): 1 Logistikeiter Industrie und Handel 2 Leiter Logistikunternehmen/-betrieb 3 Verkauf logistischer Dienstleistungen 4 Produktionsplanung/Fertigungsteuerung 5 Material-/Warenadministration/-diposition 6 Lagerhaus/Lagerhaltung 7 Distribution/Spedition 8 Logistiksysteme a) Beratung/(Konzeptionen b) Software c) Hardware 9 Logistikcontrolling Bemerkungen: 1) Speditionskaufmann/Berufsfachschule 2) je nach Aufgabe Studienschwerpunkte Verfahrens-Produktionstechnik, Maschinenbau 3) z.B. DV-Organisator, Groß- und Außenhandelskaufmann 4) z.B. Techniker-Ausbildung 5) speziell von Logistikunternehmen gebunden Gewichtung: — keine Bedeutung hohe Bedeutung geringe Bedeutung sehr hohe Bedeutung Abb. 12–3: Soll-Ausbildung für logistische Berufsfelder (Dubbert/Pfohl 1988, S. 183) Eine stärkere Differenzierung bezüglich der Hierarchieebene nimmt Wunderow (1982) bei der Verknüpfung zwischen logistischen Aufgaben und präferierten Ausbildungsabschlüssen vor. Hierdurch erfolgt auch eine stärkere Berücksichtigung der Sachbearbeiterebene. Die in Abb. 12–4 angeführten Beispiele beziehen sich insbesondere auf die Anforderungen in der Automobilindustrie. Aufgrund des heterogenen und vielschichtigen Aufgabenspektrums der Logistik und der sich hieraus ergebenden Anforderungen an eine Logistikausbildung ist Pretzsch (1986, S. W6.5) der Meinung, dass diese nicht in einem einzelnen Studiengang abgedeckt werden können. Er schlägt deshalb vor, zum einen betriebswirtschaftliche und zum anderen 584 12 Personelle Aspekte der Logistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision , 23.11.2012 technische Ausbildungsinhalte herauszukristallisieren, die zu zwei unterschiedlichen Anforderungsprofilen für die Ausbildung des Logistikers führen. Dies deckt sich auch mit dem Aufbau der Hochschulen in der Bundesrepublik. Während in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung beschaffungsmarktorientierte Funktionen sowie Planungs-, Steuerungsund Durchführungsaufgaben im kaufmännisch-administrativen Bereich im Vordergrund stehen, beinhaltet die technische Logistikausbildung das Gebiet der physischen Logistik (vgl. Abb. 12–5). Hierarchieebene Logistische Aufgabe Sachbearbeiter Gruppenleiter/ qualifizierter Spezialist Führungskraft/ hochqualifizierter Spezialist Programmplaner Montagesteuerer Industriekaufmann + technische Lehre angelernte Hilfskraft Wirtschaftsingenieur (FH) Fachkraft Wirtschaftsingenieur (TH, Univ.) Wirtschaftsingenieur Materialplaner Disponent Industriekaufmann Industriekaufmann Betriebswirt Betriebswirt Dipl.-Kaufmann Wirtschaftsingenieur Betriebswirt Lager-Transport- Verkehrsplaner Lagerbewirtschaftung, Transport Techniker Hilfskraft Materialfluss- Ingenieur (FH) Fachkraft Materialfluss-Ingenieur (TH, Univ.) Materialfluss-Ingenieur Abb. 12–4: Qualifikationsanforderungen an logistische Aufgabenträger (Wunderow 1982, S. 9) 12.2 Weiterbildung in der Logistik 12.2.1 Ziele und Arten der Weiterbildung Gegenstand der Weiterbildung ist eine Vertiefung und Erweiterung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Mitarbeiter, so dass im Unternehmen ein breites Qualifikationspotenzial entsteht. Mit der Weiterbildung werden sowohl Unternehmens- als auch Individualziele der Mitarbeiter verfolgt (vgl. Berthel 1979, S. 154). Als unternehmensorientierte Zielsetzungen lassen sich im Einzelnen anführen (vgl. Kästner 1986, S. 13 f.): – Erhöhung der Qualifikation der Mitarbeiter zur Optimierung ihres Leistungsbeitrags, – Bereitstellung qualifizierter Nachwuchskräfte, – Sicherstellung eines breit angelegten Qualifikationspotenzials im Unternehmen, um zukünftige Anforderungen bewältigen zu können und einen flexiblen und breiten Personaleinsatz der Mitarbeiter zu ermöglichen, – Bindung qualifizierter Mitarbeiter an das Unternehmen, – akquisitorische Wirkung der Weiterbildungsaktivitäten auf dem Arbeitsmarkt sowie – Aufdeckung von Unzulänglichkeiten in der Stellenbesetzung und von Fehlbesetzungen. Die Mitarbeiter erwarten sich von Weiterbildungsmaßnahmen insbesondere verbesserte Einkommenschancen, höhere Sicherheit, beruflichen und sozialen Aufstieg sowie die Chance zur Selbstentfaltung.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.