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9.3 Ziele, Aufgaben und Objekte der Entsorgungslogistik in:

Christof Schulte

Logistik, page 516 - 518

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_542

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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516 9 Entsorgungslogistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Entsorgungsstrategie Inhalt Beispiel Vermeidung Auf die Entstehung von Abfällen wird von vornherein verzichtet Wegfall von Transport- und Umverpackungen Reduzierung – quantitativ – qualitativ Einsatz von ressourcenschonenden Alternativen Einsatz schadstoffärmerer LKW’s Schadstoffentfrachtung Verwendung – Wiederverwendung – Weiterverwendung Beibehaltung der Gestalt des Wertstoffes + erneuter Einsatz des gebrauchten Produkts für den gleichen Verwendungszweck + Einsatz des gebrauchten Produkts für einen anderen als den ursprünglichen Verwendungszweck Einführung von Mehrwegverpackungen Einsatz einer Glasverpackung in einem neuen Anwendungsbereich Verwertung – Wiederverwertung – Weiterverwertung Auflösung der Gestalt des Wertstoffes + erneuter Einsatz des weitgehend gleichwertigen Wertstoffes in einem Produktionsprozess + Einsatz in einem neuen Anwendungsbereich Altglas- und Altpapierrecycling Herstellung von Parkbänken aus Kunststoffverpackungen Beseitigung (Entsorgung i.e.S.) Endgültige Abfallentledigung aus betriebswirtschaftlicher (nicht volkswirtschaftlicher) Sicht Deponierung Verbrennung Kompostierung Abb. 9–4: Entsorgungsstrategischer Handlungsspielraum 9.3 Ziele, Aufgaben und Objekte der Entsorgungslogistik 9.3.1 Ziele der Entsorgungslogistik In Analogie zu den in Abschnitt 1.3 dargestellten Zielen der Logistik beinhalten die ökonomischen Ziele der Entsorgungslogistik – die Gewährleistung einer attraktiven Entsorgungslogistikleistung im Sinne von benötigter Entsorgungszeit, Termintreue und Flexibilität, – die Minimierung der gesamten Kosten der Entsorgungslogistik. Ökologische Ziele beinhalten auf der – Inputseite die Reduzierung des Einsatzes natürlicher Ressourcen und – Outputseite die zielkongruente Gestaltung der Emissions- und Immissionswirkungen der Objekte und Prozesse der Entsorgungslogistik unter Berücksichtigung der gesetzlichen Restriktionen (vgl. Isermann/Houtman 1994, S. 235). 9.3.2 Aufgaben im Überblick Die Aufgabenbereiche der Entsorgungslogistik lehnen sich an die traditionellen Aufgaben der Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik an und umfassen als Kernleistungen Transport-, Umschlag- und Lagerungsprozesse sowie den den Materialfluss überlagernden Informationsfluss in Form der Auftragsabwicklung. Als eigenständiger Aufgabenbereich der Entsorgungslogistik kommen das Sammeln und Sortieren sowie Behälterwahl und das Verpacken hinzu. 9.3 Ziele, Aufgaben und Objekte der Entsorgungslogistik 517 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Von den anderen logistischen Subsystemen unterscheidet sich die Entsorgungslogistik durch (vgl. Pfohl/Stölzle 1992, S. 579 f.) – die Art der Objekte (Reststoffe, die als Nebenprodukte bei Produktions-, Konsum- und Transferprozessen anfallen versus Versorgungsgüter), – die Flussrichtung der Objekte (zumindest im Fall der innerbetrieblichen Entsorgungslogistik liegt eine zur Versorgungslogistik entgegengesetzte Flussrichtung vor), – die Zielorientierung (neben die primär ökonomische Zielorientierung tritt bei der Entsorgungslogistik die Orientierung an ökologischen Zielen). 9.3.3 Objekte der Entsorgungslogistik Grundsätzlich gehören zum Objektbereich der betrieblichen Entsorgungslogistik alle Rückstände, für die dem Unternehmen eine Entsorgungsverantwortung obliegt. Die Objekte der Entsorgungslogistik lassen sich klassifizieren nach – der Art des ökonomischen Basisprozesses, – ihrer Verwertbarkeit, – ihrer Gefährlichkeit, – ihrem ökonomischen Wert. Ergebnisse von Produktions-, Konsum- und Logistikprozessen sind (Ziel-)Produkte bzw. (Ziel-)Leistungen und Rückstände. Letztere sind Stoffe, die im jeweiligen Prozess zwangsläufig anfallen, jedoch kein Sachziel darstellen (vgl. Strebel 1994, S. 754). Zu den Produktionsrückständen gehören beispielsweise nicht mehr verwendbare Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, ausgediente Potentialfaktoren, unerwünschte Kuppelprodukte, Ausschuss und alle mit der Leistungserstellung verbundenen Luft-, Wasser- und Bodenemissionen. Beim Güterverzehr fallen Konsumrückstände in Form von nicht mehr gebrauchsfähigen (ausgedienten) Produkten und Produktrückständen in der Verwendungsphase an. Bei Logistikprozessen fallen im Rahmen der Raum- und Zeitbrückung Transferrückstände wie Transport- und Umverpackungen oder Retouren (beschädigte Güter) an. In Abhängigkeit davon, ob die Rückstände wieder eingesetzt werden, handelt es sich um Wertstoffe oder Abfälle. Falls der Entscheidungsträger darauf verzichtet, Rückstände wieder einzusetzen, stellen diese für ihn zu beseitigenden Abfall dar. Wertstoffe liegen dann vor, wenn Rückstände zumindest teilweise in Produktions-, Konsum- bzw. Transferprozessen erneut eingesetzt werden. Nach der Gefährlichkeit und den damit einhergehenden abfallrechtlichen Vorschriften lassen sich Sonderabfälle und Hausmüll bzw. hausmüllähnliche Abfälle unterscheiden. Sonderabfälle sind ihrerseits danach zu differenzieren, ob sie überwachungsbedürftig (§ 2 Abs. 2 AbfG), nachweispflichtig (§ 11 Abs. 2 AbfG) oder wegen ihrer Art bzw. Menge nicht mit dem Hausmüll zu entsorgen (§ 3 Abs. 3 AbfG) sind. Unter ökonomischen Aspekten gibt es einerseits Rückstände, für die infolge ihres Wertes eine Zahlungsbereitschaft durch Dritte besteht und andererseits Abfälle, die einen Wert von Null oder kleiner aufweisen. Bezieht man die Kosten für logistische Prozesse und Aufbereitungstätigkeiten in die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen mit ein, so hängt die Entscheidung für Verwertung oder Beseitigung auch davon ab, ob die Verwertungskosten abzüglich eines Verwertungserlöses höher oder niedriger als die Beseitigungskosten sind (vgl. Dutz/Femerling 1994, S. 224). 518 9 Entsorgungslogistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 9.4 Aufgaben der innerbetrieblichen Entsorgungslogistik 9.4.1 Kernleistungen: Lager-, Transport- und Umschlagprozesse 9.4.1.1 Lagerprozesse Die Motive für die Lagerhaltung von Rückständen unterscheiden sich insofern von jenen für die Lagerung von Zwischen- und Endprodukten, als es nicht primär um den Ausgleich unterschiedlicher Produktionskapazitäten oder Schwankungen bzw. Unsicherheiten in der Nachfrage geht (vgl. Brodersen 1987, S. 37). Lagerprozesse in der Entsorgungslogistik dienen insbesondere der Schaffung wirtschaftlicher Transporteinheiten beim Sammeln oder Umladen von Rückständen sowie der Bereitstellung von Rückständen für Verwertungsanlagen in solchen Mengen, dass bei kontinuierlicher Kapazitätsauslastung eine fortlaufende Aufbereitung bzw. Behandlung möglich ist (vgl. Pfohl/Stölzle 1992, S. 581). Das Ziel der Aufrechterhaltung eines Lieferbereitschaftsgrades spielt im Rahmen der Entsorgungslogistik nur dann eine Rolle, wenn Lieferzusagen in mengen- und wertmäßiger sowie zeitlicher Hinsicht gegenüber Abnehmern bestehen. Dies dürfte jedoch die Ausnahme sein, so dass es bei der Lagerhaltung im Bereich der Entsorgungslogistik primär darum geht, ausreichende Lagerkapazitäten zur Verfügung zu stellen, die den produktions-, distributions- und konsumbedingten Rückstandsanfall in einem definierten Zeitintervall aufnehmen können (vgl. Stölzle 1993, S. 225). Hierbei wird – bei Einhaltung aller erforderlichen Sicherheitsstandards – eine Minimierung der lagerungsbedingten Kosten verfolgt. Für die Bedarfsermittlung des benötigten Lagerraums stehen drei Methoden zur Verfügung (vgl. Abschnitt 7.2.1.3.1). Die analytische Ermittlung des Rückstandsanfalls nach Art und Menge im Rahmen der deterministischen Bedarfsermittlung setzt die genaue Kenntnis über die Relationen zwischen Produktionsprogramm und Rückstandsanfall voraus. Diese Zusammenhänge lassen sich mithilfe von erweiterten Stücklisten oder Rezepturen abbilden. Da dies zwar für den produktionsbedingten Rückstandsanfall, nicht aber für den distributions- und konsuminduzierten Rückstandsanfall praktikabel ist, beschränkt sich der Anwendungsbereich der deterministischen Methoden auf einen Teil der Lagerbedarfsermittlung für Rückstände. Grundlage für die stochastische bzw. verbrauchsgebundene Bedarfsermittlung ist der Rückstandsanfall vergangener Perioden. Mithilfe von Prognoseverfahren wird der Lagerbedarf der Planperiode(n) errechnet. Diese Vorgehensweise eignet sich für alle Arten von rückstandserzeugenden Prozessen und ist durch einen geringeren Rechenaufwand als die deterministischen Methoden gekennzeichnet. Wesentlich für die Genauigkeit und damit die Qualität des Prognoseergebnisses ist, ob die Rahmenbedingungen der Vergangenheit auch für die Zukunft repräsentativ sind. Liegen die Voraussetzungen der deterministischen und stochastischen Bedarfsermittlung nicht vor, werden Methoden der subjektiven Schätzung angewendet. Darüber hinaus werden diese Verfahren auch dann eingesetzt, wenn aus Sicht der Entscheidungsträger der Bedarfsermittlung lediglich eine untergeordnete Bedeutung zukommt und demzufolge auch größere Ungenauigkeiten hingenommen werden können. Bei der Gestaltung von Rückstandslägern steht die Gewährleistung eines möglichst hohen Sicherheitsstandards im Vordergrund. Als generelle Sicherheitsvorkehrungen sind bei der Lagerplanung zu beachten:

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.