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1.6 Branchen- und unternehmensspezifische Einflussfaktoren auf die Logistik in:

Christof Schulte

Logistik, page 24 - 26

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_54

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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24 1 Grundlagen Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Erstversand, 22.11.2012 1.6 Branchen- und unternehmensspezifische Einflussfaktoren auf die Logistik 1.6 Branchen- und unternehmensspezifische Einflussfaktoren auf die Logistik Bei der Planung logistischer Konzepte und ihrer Implementierung gilt es, Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die den Handlungs- und Entscheidungsspielraum beeinflussen bzw. beschränken. Sie liegen im Wesentlichen in drei Bereichen: – Anforderungen des Marktes, – Produktprogramm und – Art der Fertigung. Bei der Betrachtung des Marktes sind für das Unternehmen zwei Interessengruppen zu berücksichtigen: Wettbewerber und Kunden. Die Konkurrenzsituation muss hinsichtlich ihrer Intensität und der Einflüsse der Marktführer (vgl. Bowersox u. a. 1986, S. 36) sowie der Logistikstrategien der Konkurrenten untersucht werden. Von der Abnehmerseite her sind die räumliche Verteilung, die Ausdehnung der Kundengruppen und regional unterschiedliche Käuferschichten oder Kaufgewohnheiten bedeutsam. So können für ein Unternehmen wichtige Großkunden die Unterhaltung mehrerer Absatzwege erforderlich machen (vgl. Magee 1967, S. 41). Daneben spielen Bedarfsstrukturen der Kunden wie Bedarfsdringlichkeit, Verbrauchsdauer oder Substitutionsmöglichkeiten eine Rolle (vgl. Ihde 1978, S. 20) für die Konzeption der Distributionswege und Lagerstandorte sowie die Höhe der Bestände. Letztlich muss auch den Marktcharakteristika wie Marktgröße, Sättigungsgrad, Wachstumsrate, Gewinnspanne und möglichen Störfaktoren Bedeutung zugemessen werden. Zu den Bestimmungsfaktoren aus dem Produktprogramm gehören alle Merkmale bezüglich der Beschaffenheit und Art der Produkte, d. h. Kriterien wie Größe, Gewicht, Empfindlichkeit oder Verderblichkeit der Güter, die Einfluss haben auf die Art ihrer Lagerung, Verpackung und ihres Transportes und damit auf logistische Aufgaben (vgl. Traumann 1976, S. 37). Ebenso von Bedeutung sind Sortimentsbreite und Variantenvielfalt der Produkte, ihr Wert, Umschlagshäufigkeit sowie ihr wert- und mengenmäßiger Verkaufsanteil (vgl. Kunz 1976, S. 50). Als Einflussfaktor ist außerdem der Produktlebenszyklus zu nennen, da je nach Zyklenphase unterschiedliche Marktanforderungen und -verhaltensweisen auszumachen sind. Damit hängen einige weitere Produkteigenschaften zusammen, wie Substituierbarkeit durch andere Artikel, die Abhängigkeit des Kunden von bestimmten Produkten sowie eine mögliche Saisonbedingtheit der Waren. Diese bedingten Schwankungen im Nachfrageverhalten implizieren damit notwendige Lieferserviceanforderungen und andere logistische Maßnahmen, um den Absatzschwankungen bzw. Verkaufszahleneinbußen entgegenzuwirken. Der Schwerpunkt logistischer Aktivitäten hängt wesentlich von der Fertigungs- und Kapitalintensität ab, die je nach Branche unterschiedlich sind. Hohe eigene Wertschöpfung und/oder komplexe Produkte oder Prozesse implizieren eine hohe Fertigungsintensität. Hauptaufgabe der Logistik ist in diesem Fall häufig die Produktion, wie Beispiele der Schuh- und Textilindustrie, des Schiff- und Werkzeugmaschinenbaus sowie der Raumfahrtindustrie zeigen. Bei niedriger Fertigungs- und hoher Kapitalintensität tritt häufig die Beschaffungslogistik in den Vordergrund, wie zum Beispiel in der Chemie- und Stahlindustrie. In den Branchen Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie Kosmetik sind häufig sowohl die Fertigungs- als auch die Kapitalintensität gering. Der Schwerpunkt liegt hier oft in der Distributionslogistik (vgl. Abb. 1–22). 1.6 Branchen- und unternehmensspezifische Einflussfaktoren auf die Logistik 25 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Erstversand, 22.11.2012 Abb. 1–22: Logistikschwerpunkte in Abhängigkeit von der Branche (Perraudin 1987, S. 517) Neben den Indikatoren Fertigungs- und Kapitalintensität richtet sich der logistische Schwerpunkt darüber hinaus auch nach unternehmensspezifischen Einflüssen, die aus der Komplexität des Beschaffungs- und Distributionsmarktes und der Anzahl der Fertigungsstufen resultieren (vgl. Perraudin 1987, S. 504). Von Wichtigkeit für die Logistik ist ebenfalls der Umstand, ob für einen anonymen Markt oder kunden- bzw. auftragsbezogen gefertigt wird. Hierdurch ergeben sich unter anderem entscheidende Unterschiede für die Auftragsabwicklung und die Lagerhaltung der Güter. Ähnlich bedeutsam ist die Frage, ob eine aufwändige Einzelfertigung vorliegt oder eine einfache Massenfertigung (vgl. Pfohl 1985, S. 70). Kriterien wie Produktionskapazitäten, Mindestlosgrößen und Flexibilitätsgrad der Fertigung werden vor allem durch Liefer-, Umrüst- und Wartezeiten bestimmt. Die Fertigungstiefe hat Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit bei Nachfrageverschiebungen und auf die Wahrnehmungsmöglichkeiten von Rationalisierungspotenzialen, die moderne Logistiktechnologien dem Unternehmen eröffnen (vgl. Bowersox u. a. 1986, S. 36). Einflussfaktoren aus dem Bereich der Fertigung beziehen sich auf die Art der Produktion und ihre räumliche Anordnung: Die Lage der Produktionsstätten kann – je nach Verkehrsanbindungsmöglichkeiten und damit verbundenen Transportkosten – von unterschiedlich 01-18.tif 26 1 Grundlagen Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Erstversand, 22.11.2012 großer Bedeutung für logistische Fragen der Lagerstandortbestimmung und des Transportes sein (vgl. Ihde 1978, S. 14 ff.). Ein Zusammenhang zwischen Transport und Fertigung liegt auch darin, dass durch eine Ausweitung der Transportmöglichkeiten und -entfernungen größere Märkte bedient werden können und damit das Absatzvolumen gesteigert werden kann, was wiederum die Möglichkeit einer kostengünstigeren Produktion durch grö- ßere Lose mit sich bringen kann (vgl. Heskett u. a. 1973, S. 50). Die Komponenten einer „sekundären Standortgunst“ (Ihde 1978, S. 14), die vor allem aus räumlichen Verbundeffekten in Form von hohen Fertigungsstückzahlen mit degressivem Kostenverlauf und räumlicher Nähe von Zuliefer- oder Abnehmerunternehmen sowie niedrigen Transportkosten bestehen, gewinnen zunehmend an Einfluss vor den primären Standortfaktoren wie Rohstoffvorkommen oder topographischen Determinanten. 1.7 Aufbau des Buches Neben dem Grundlagenkapitel, in dem Begriff, Ziele und Einflussfaktoren der Logistik im Überblick dargestellt wurden, gliedert sich vorliegende Arbeit in dreizehn weitere Kapitel (vgl. Abb. 1–23). Bei der Strukturierung eines Buches zur Logistik sieht man sich regelmäßig mit zwei Problemen konfrontiert: Zum einen ist nicht nur die Logistik eine Querschnittsfunktion im Unternehmen, sondern innerhalb der Logistik selbst existieren Querschnittsbereiche, wie Strategie, Informations- und Kommunikationssysteme, Lagerung, Transport, Personal und Controlling. Diese Funktionen werden deshalb in eigenständigen Kapiteln behandelt (vgl. linker Teil von Abb. 1–23), um Wiederholungen zu vermeiden. Zum zweiten ist zu entscheiden, in welcher Form die untrennbare Verknüpfung von Informations- und Materialfluss berücksichtigt wird. Wenngleich sich die Gliederung primär am Materialfluss, also dem physischen Teil der Logistikkette (Beschaffung – Produktion – Distribution – Entsorgung) orientiert (vgl. Kopfzeile von Abb. 1–23), so werden gleichwohl die parallel- oder vorgelagerten Informationsflüsse immer mitberücksichtigt. Eine Ausnahme bildet lediglich der gesamte Komplex der Produktionsplanung und -steuerung. Dieser Bereich umfasst nach herrschender Praxis beispielsweise auch Bedarfsermittlungsfunktionen, die der Beschaffungslogistik hätten zugeordnet werden können. Hierauf wurde aber bewusst verzichtet, um eine gesamthafte Darstellung der Produktionsplanung und -steuerung zu ermöglichen. Es wird damit im sechsten Kapitel implizit vorausgesetzt, dass der Materialbedarf bekannt sei.

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.