Content

9.1 Rahmenbedingungen in:

Christof Schulte

Logistik, page 513 - 515

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_539

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
9.1 Rahmenbedingungen 513 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Revision 9 Entsorgungslogistik Entsorgung als Oberbegriff umfasst alle planenden und ausführenden Tätigkeiten der umweltgerechten Verwendung, Verwertung und geordneten Beseitigung von Reststoffen (vgl. Werner/Stark 1989, S. 49). Als Teilprozesse des gesamten Entsorgungsprozesses fallen logistische Prozesse, Aufbereitungs- und Entsorgungsprozesse i. e. S. an (vgl. Abb. 9–1) (vgl. hierzu Dutz/Femerling 1994, S. 223). Während die beiden letztgenannten nicht zu den entsorgungslogistischen Aktivitäten selbst gehören, stellen sie wichtige Rahmenbedingungen für die Ausgestaltung des entsorgungslogistischen Systems dar. 9.1 Rahmenbedingungen Bis zum Ende der Achtzigerjahre stand primär die Gestaltung des sachzielbezogenen Güterflusses im Unternehmen, der die Beschaffung der Einsatzstoffe bis zu deren Transformation zu Zwischen- und Endprodukten und ihre marktmäßige Verwertung umfasst, im Mittelpunkt des betriebswirtschaftlichen Interesses (vgl. Matschke/Lemser 1992, S. 86). Den Entsorgungsprozessen kam eine eher untergeordnete Bedeutung zu, da an diese vielfach keine besonderen Anforderungen gestellt wurden. Bezog sich die Zuständigkeit und Verantwortung von Unternehmen schon immer auf die im Rahmen der Faktorkombination anfallenden Produktionsrückstände, so ist seit Anfang der Neunzigerjahre eine Ausweitung auch bis in vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen hinein festzustellen. Hierin schlägt sich die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips nieder, das den Produzenten zur Entsorgung der von ihnen verkauften Produkte eine Rücknahmeverpflichtung auferlegt. Somit tritt neben den Güterversorgungsfluss (logistische Kette vom Lieferanten über den Hersteller zum Kunden) ein vom Unternehmen zu gestaltender Güterstrom, der Prozess- und Produktrückstände umfasst. Das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz; KrW-/AbfG) hat das Abfallgesetz von 1986 abgelöst. § 22 KrWG erweitert die Produktverantwortung der Unternehmen dahingehend, dass für den Hersteller bzw. Verteiler nach Produktgebrauch eine Entsorgungs- bzw. Verwertungspflicht besteht. Einen Überblick über gesetzliche Regelungen im Bereich der Entsorgungslogistik gibt Abb. 9–2. Entsorgung Logistische Prozesse (Entsorgungslogistik) Aufbereitungsprozesse Entsorgungsprozesse i. e.S. Kernleistungen – Lagerung – Transport – Umschlag Zusatzleistungen – Sammlung – Sortierung – Verpackung Informationsleistungen – Auftragsabwicklung Trennung – Demontage – Filtration – Magnetische Trennung etc. Umwandlung – Entwässerung – Zerkleinerung – Verfestigung etc. Verwendung – Wiederverwendung – Weiterverwertung Verwertung – Wiederverwendung – Weiterverwendung Beseitigung – Deponierung – Verbrennung – Kompostierung Abb. 9–1: Prozessarten in der Entsorgung 514 9 Entsorgungslogistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Ökologische Probleme, die in einer Ressourcenverknappung und einer Verschlechterung der Ressourcenqualität zum Ausdruck kommen, haben dazu geführt, dass Unternehmen in zunehmendem Maße mit der gesellschaftlichen Dimension der ökologischen Belastungen konfrontiert werden. Sowohl die originären Umweltprobleme als auch die gesellschaftlichen Umweltschutzanforderungen verändern das Wettbewerbsumfeld. Beispielsweise kann eine Verschärfung bestehender Umweltschutzgesetze bei denjenigen Anbietern zur Aufhebung von Wettbewerbsvorteilen führen, die bisher Kostenvorteile auf Grund des Verzichts auf kostenintensive Entsorgungsprozesse realisieren konnten. Alle Abfallarten EU-Abfallkatalog EAK Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz Ausweitung Überwachungs-/ Nachweispflichten auf zahlreiche Abfallarten Gewe rbeabfallverordnung E le kt ro sc hr ot tv er or dn un g Techn.Anleitung Siedlungsabfall A ltautoverordnung Verpa cku ngs ver or dn un g Pf lic ht z ur ko st en lo se n R üc kn ah m e al le r A ltg er ät e du rc h de n H er st el le r a b 1. 7. 20 05 , R ec yc lin gz w an g Verpflichtung zur Separierung und Vorbehandlung aller Abfälle zur Vermeidung von Scheinverwertung durch Vermischen Pflichtpfand auf Einwegverpackungen ab 1. 1. 2003, Aufbau eines neuen Sammelsystems En de d es D SD -M on op ol s fü r V er pa ck un ge n N eu de fin iti on d es Sy ste m s a b 1. 1. 20 04 Pflicht zur kostenlosen R ücknahm e von A ltautos ab 1. 7. 2002 durch die H ersteller W eitreichendes D eponieverbot ab 1. 7. 2005, Pflicht zur B ehandlung nahezu aller A bfälle Abb. 9–2: Gesetzliche Regelungen zur Entsorgungslogistik (Baumgarten u. a. 2003, S. 209) Im Wesentlichen haben folgende Einflussfaktoren bewirkt, dass der Entsorgungsbereich zunehmend Gegenstand ökonomischer Betrachtungen wird (vgl. Abb. 9–3): – Wertewandel in der Gesellschaft und innerhalb des Managements der Unternehmen zugunsten ökologieorientierter Ziele und Maßnahmen, – Einführung zahlreicher Vorschriften und Gesetze als Rahmenbedingungen für die Entsorgung, – Wunsch der Kunden nach umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen. Diese Einflussfaktoren üben auf das Unternehmen entweder eine Ökologie-Push- oder eine Ökologie-Pull-Wirkung aus (vgl. Meffert/Kirchgeorg 1992, S. 102). Während mit sämtlichen Ökologie-Push-Faktoren ein Druck auf die Unternehmung einhergeht, den Schulte_083.eps 9.2 Entsorgungsstrategischer Handlungsspielraum 515 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Ökologiegedanken in die Entscheidungsprozesse zu integrieren (Internalisierungsdruck), umfassen die Ökologie-Pull-Faktoren einen Sog aus der Unternehmenswelt nach umweltgerechteren Lösungen (Nachfragesog). Hierbei bestehen zwischen beiden Einflussbereichen Interdependenzen. Wertewandel Ökologische Verantwortung Grenzen des Wachstums Proteste von Bürgerinitiativen und Firmenanliegern Umweltbewusste Mitarbeiter Gesellschaftliche und staatliche Anforderungen Gesetze Abfallbeseitigungsgesetz Verpackungsverordnung Gefahrgutverordnung etc. Kundenanforderungen Umweltverträgliche Produkte Umweltverträgliche Produktionsprozesse Umweltverträgliche Transportsysteme Entsorgung Einflussfaktoren auf die Entsorgungslogistik Marktanforderungen Wettbewerbsverhalten Ersatzprodukte Markteintritt neuer Konkurrenten Betroffenheit durch gesetzliche Regeln Kommunikationsstrategie Merkmale des Produktionsprozesses Art und Umfang der anfallenden Reststoffe Zeitliche Struktur des Anfalls Wertigkeit der Reststoffe Ort des Anfalls Innerbetriebliche Rahmenbedingungen Steigende Entsorgungskosten Verknappung von Deponiekapazitäten Abb. 9–3: Einflussfaktoren auf die Entsorgungslogistik 9.2 Entsorgungsstrategischer Handlungsspielraum Die ökologischen Ziele der Entsorgung werden durch den Grundsatz „Vermeidung vor Verwertung vor Entsorgung“ bestimmt. So werden in § 2 Abs. 1 KrWG – die Vermeidung, – die Verwertung und – die Beseitigung von Abfällen explizit aufgeführt. § 3 KrWG unterscheidet Abfälle zur Verwertung und Abfälle zur Beseitigung. §§ 4 und 5 KrWG legen als grundsätzliche Prioritätenreihenfolge fest: Vermeiden vor Verwerten von Rückständen und Verwerten von Rückständen vor Entsorgung von Abfällen. Aus diesem Grundsatz ergibt sich der in Abb. 9–4 dargestellte entsorgungsstrategische Handlungsspielraum.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.