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8.6 Warenausgang und Ladungssicherung in:

Christof Schulte

Logistik, page 491 - 494

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_517

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
8.6 Warenausgang und Ladungssicherung 491 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 um Umpackvorgänge zu vermeiden und eine bessere Raumauslastung zu erzielen. Da Handelsunternehmen oft spezielle Anforderungen an die Art der Verpackung stellen, sind genaue Absprachen zwischen Lieferant und Abnehmer wichtig. Beliefert ein Produktionsunternehmen mehrere Kunden, die unterschiedliche Verpackungsvorgaben haben, so kann es einfacher und kostengünstiger sein, die Verpackungen durch die Abnehmer bereitstellen zu lassen, da diese Kostendegressionseffekte durch Ankauf größerer Kartonmengen erzielen können. Eine weitere Erleichterung der logistischen Abläufe liegt in der Etikettierung der Verpackungen an einer festgelegten Stelle mit einheitlichen Angaben über die Artikelnummer und andere Informationen wie die Kleidergröße bei Herstellern von Konfektionswaren etc. (vgl. Müller/Koch 1986, S. 42 f.). Werden diese Etiketten mit dem Abnehmer abgestimmt, so sind die auf ihnen vorhandenen Kenngrößen nicht vom Kunden durch dessen eigenen Code zu ersetzen. Hierbei sind besonders große Erfolge durch die Verwendung von EAN- Strichcodes zu verzeichnen, die mittlerweile in 35 Ländern zur Kennzeichnung von Waren eingesetzt werden und heute bereits der Auszeichnung von über 90% der angebotenen Lebensmittel in der Bundesrepublik dienen (vgl. Haas 1988, S. 14). Nach Zusammenstellung eines Auftrags werden die Produkte in vielen Fällen nochmals gemeinsam verpackt, z. B. wenn sie per Post weiterverschickt werden sollen. Auch hierbei ist eine Reduzierung der Anzahl der Verpackungsgrößen anzustreben. Unbestritten ist zwar, dass sehr heterogene Volumina von Bestellungen unterschiedliche Verpackungen erfordern, doch lässt sich ihre Zahl in vielen Unternehmen einschränken. So hat ein Hersteller von Kosmetika die Zahl der zur Versendung bereitgestellten Kartons von über zwanzig auf zwei senken können. Dadurch ist nicht nur eine wesentliche Verringerung der für die Bereitstellung der Kartons benötigten Fläche erzielbar, sondern es werden auch die einzelnen Verpackungsvorgänge, wie das Zudecken und Verschweißen mit Folie sowie das Aufkleben der Adressetiketten erleichtert bzw. automatisierbar. Die Durchführung der Verpackung im Unternehmen kann entweder zentral oder dezentral unmittelbar im Anschluss an den letzten Arbeitsgang erfolgen. Durch eine Dezentralisierung lassen sich unnötige Beschädigungen vermeiden. Grenzen der Integration der Verpackung in die Fertigung bzw. Montage können sich dann ergeben, wenn die mit der Verpackung einhergehende Staubentwicklung zu Qualitätsproblemen in diesen Bereichen führt. Bei der Bemessung des Personalbedarfs ist zu berücksichtigen, dass bei zentraler Organisation schwankende Kapazitätsanforderungen eher ausgeglichen werden können als bei ausschließlicher Zuständigkeit für eine einzelne Produktgruppe. 8.6 Warenausgang und Ladungssicherung Die täglich wiederkehrenden Aktivitäten im Warenausgang enthält Abb. 8–19. Bei der Gestaltung des Warenausgangs sind im Wesentlichen die Merkmale zu berücksichtigen, die auch der Gestaltung des Wareneingangs zugrundegelegt wurden (vgl. Abschnitt 6.6.2). Zusätzlich sind Anforderungen an die Ladungssicherung zu beachten. Das für die Auswahl anforderungsgerechter Ladungssicherungen zu erstellende Soll- Profil hat die innerhalb der Transportkette auftretenden statischen und dynamischen (Stoß, Schwingungen) Maximalbelastungen sowie die Empfindlichkeit des Transportgutes gegenüber Umgebungseinflüssen (z. B. Temperatur, Feuchtigkeit, UV-Einwirkungen) zu berücksichtigen. Im Rahmen eines Soll-Ist-Vergleiches sind ferner die Eigenschaften 492 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 – des Packstückes (Abmessung, Gewicht, Kontur), – der Verpackung (Werkstoff, Festigkeitseigenschaften, Kontur), – des Ladungsträgers (Werkstoff, konstruktive Ausführung, Abmessung), – der Ladeeinheit (Packschemata, Höhe, Gewicht, Kontur, Zwischenlagen), – der verwendeten Transport-, Umschlag- und Lagermittel. zu berücksichtigen (vgl. Jansen/Lempik 1985, S. 30). Die wichtigsten Möglichkeiten zur Ladungssicherung werden in Abb. 8–20 angeführt. Abb. 8–19: Material- und Informationsfluss im Warenausgang (ZVEI 1982, S. 83) 08_13.tif 8.6 W arenausg ang und Ladungssicherung 493 D ruckerei C .H . B eck Schulte, Logistik (Vahlen) ..................................... M edien m it Zukunft R evision, 23.11.2012 Abb. 8–20: Maßnahmen der Ladungssicherung (Jansen/Lempik, 1985, S.30) 08_14.tif 494 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 8.7 Neue Konzepte der Distributionslogistik von Handelsunternehmen Während Just-in-time-Prinzipien in produzierenden Unternehmen (mit der Automobilindustrie als Vorreiter) seit Mitte der achtziger Jahre zunehmend zur Umsetzung gelangten, steht die Implementierung dieses Gedankengutes im Handelsbereich erst am Anfang. Hierbei ist zu beachten, dass es eine Reihe „natürlicher“ Zielkonflikte zwischen den produzierenden Unternehmen und dem Handel gibt (vgl. Abb. 8–21). Gefördert wird der Einsatz nachfragesynchroner Belieferungssysteme im Handel durch die Verbreitung und Verwendung neuer Informations- und Kommunikationstechniken (z. B. Electronic Data Interchange, Scannertechniken, computergestützte Warenwirtschaftssysteme; siehe 3. Kapitel) (vgl. Kotzab 1997, S. 2). Zielbereiche Herstellerziele Handelsziele Angebotspolitik – Aufbau von Produkt- bzw. Markenimage – Hohe Produktinnovation – Forcierung der Herstellermarke – Eher hochpreisige Politik – Abbau überhöhter Spannen – Aufbau von Sortiments- und Ladenimage – Möglichst Produktkonstanz – Eher niedrigpreisige Politik – Durchsetzung zusätzlicher Konditionen Distributionspolitik – Große Bestellmengen – Hohe (optimale) Distributionsdichte – Günstige Platzierung der eigenen Ware – Hohe Lieferbereitschaft – Möglichst viel Beratung und Service – Schnelle Auslieferung auch kleiner Bestellmengen – Selektive Distribution (bzw. Alleinvertretungsansprüche) – Optimale Platzierung der Produktlinie – Niedrige Lagerhaltung – Möglichst wenig Beratung und Service Kommunikationspolitik – Produktwerbung – Aufbau von Markenpräferenzen – Bevorzugte Markenplatzierung – Herstellerorientierte Verkaufsförderung – Erhöhung der Markentreue – Firmenwerbung – Aufbau von Präferenzen für den Laden – Sortimentsgerechte Platzierung – Handelsorientierte Verkaufsförderung – Erhöhung der Ladentreue Abb. 8–21: Zielkonflikte zwischen Hersteller und Handel (Becker 1992, S. 523) Da die neuen Konzepte der Distributionslogistik von Handelsunternehmen zu veränderten Anforderungen an die vorgelagerten Wirtschaftsstufen, sprich insbesondere die Hersteller führen, ist es notwendig diese Ansätze hier vorzustellen. Hierbei handelt es sich um Quick Response, Continuous Replenishment, Efficient Consumer Response und Cross Docking. Abb. 8–22 stellt in einem ersten Überblick dar, an welchen Stufen im Logistikkanal die einzelnen Konzepte ansetzen. 8.7.1 Quick Response Die Bezeichnung Quick-Response geht auf die amerikanische Unternehmensberatung Salmon Associates zurück, die Mitte der achtziger Jahre für einen Verbund von Handelsund Herstellerunternehmen der US-amerikanischen Textilwirtschaft ein Strategiekonzept entwarf. Zu Beginn dieser Arbeit stellte man fest, dass die durchschnittliche Durchlaufzeit durch den gesamten Logistikkanal der Textilbranche (angefangen von der Fasererzeugung über die Stofferzeugung bis hin zur Bekleidungsindustrie, dem Bekleidungshandel und

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.