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8.5 Verpackung in:

Christof Schulte

Logistik, page 489 - 491

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_515

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
8.5 Verpackung 489 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 anhand der Einsammellisten die Bestellungen kommissioniert und in durch den Computer ausgewählte Kartons gelegt werden. Ein computergekoppelter Markierungsleser identifiziert Gewicht, Anzahl der Kartons sowie die Kontonummer der Beraterin und vergleicht diese Angaben mit den gespeicherten Daten. Ebenfalls vollautomatisch werden daran anschließend die Kartons addressiert und mit Angaben über den zuständigen Spediteur, einem wegeoptimierten Ausliefercode sowie einem Strichcode über die Sortierung beim Verladen, den Verkaufsbezirk und die Anzahl der Pakete versehen. Ein weiteres Computersystem erstellt – nach Durchlauf sämtlicher Aufträge eines Versandtages – die notwendigen Verlade- und Speditionspapiere, die eine tourenoptimierte Auslieferliste und Angaben über alle Adressen und Pakete enthalten. Der Transport der Sendungen zu maximal 12 Auslieferstationen läuft über Nacht ab. Dort werden die Pakete anhand der Tourenliste sortiert und innerhalb von 48 Stunden den Kundenberaterinnen zugestellt. Ein derart leistungsstarkes, aber auch kapitalintensives Auftragsabwicklungssystem ist nicht für jedes Unternehmen sinnvoll. Es eröffnet jedoch Möglichkeiten, auch einen weiten Kundenkreis mit einem breiten Produktspektrum bedarfsgenau zu beliefern, indem durch den Rechnerverbund und die vollautomatische Erstellung von Formularen, Kommissionier- und Verladelisten etc. wichtige Zeiteinsparungspotenziale ausgeschöpft und Fehlerquellen vermieden werden können. In jedem Fall sollte ein vorhandenes Informationssystem so genutzt werden, dass seine technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden, da ansonsten einem Teil der entstandenen Kosten kein zusätzlicher Nutzen gegenübersteht. 8.4.4 Fallstudie: Kundentermin-Management bei Bayer Kunden erwarten zuverlässige Aussagen zum Liefertermin und die exakte Einhaltung dieser Zusagen. Nicht eingehaltene Lieferzusagen können zu Produktionsausfällen, hohen Folgekosten und im schlimmsten Fall zum Verlust von Geschäftsbeziehungen führen. Bei Bayer wurde deshalb ein Kunden-Terminmanagement eingeführt (vgl. Abb. 8–17). Ausgehend vom Kundenwunschtermin wird unter Berücksichtigung von Transport-, Dispositions- und Bereitstellzeiten zurückgerechnet, zu welchem Zeitpunkt die Ware vom Produktionsbetrieb für den Versand bereitgestellt werden muss. In einer Vorwärtsrechnung wird anschließend eine Kann-Terminleiste ermittelt. Aus dem Abgleich von Wunsch- und Kann-Eintreff-Termin resultiert entweder eine unmittelbare Zusage des Wunsch-Eintreff- Termins oder für den Fall der späteren als gewünschten Liefermöglichkeit eine Rücksprache mit dem Kunden. Die tatsächlich realisierten Ist-Termine werden den Wunsch- und Kann-Terminen gegenübergestellt. Dieses Lieferservice-Controlling kann auf vielen Detailstufen durchgeführt werden. Die IT-Systeme liefern die Terminsituation für jeden Auftrag. Da Tracking und Tracing (vgl. Abschnitt 4.3.7.2) eine immer größere Rolle spielen, werden diese Informationen auch im Internet bereitgestellt. Zugelassene Kunden haben die Möglichkeit sich jederzeit online über den Status ihres Auftrags zu informieren. Hierzu müssen sie sich über die Bayer Web-Site in das BayerOne e-commerce System einwählen (vgl. Großeschallau 2002, S. 103 f.). 8.5 Verpackung Die Verpackung von Waren hat mehrere Aufgaben zu erfüllen: Neben der Schutzfunktion gegen Schmutz und Beschädigung übt sie eine Lager- und Transportfunktion aus, d. h. durch die Verpackung werden die Artikel für Lagerung und Transport aufbereitet (vgl. 490 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Müller/Koch 1986, S. 42). Darüber hinaus liegt auch eine Informationsfunktion der Packstücke anhand von Etiketten oder anderen Merkmalen vor (vgl. Abb. 8–18). Bereitstellung Ab-Werk Eintreff Wunsch- Bereitstellungs- Termin Kann- Bereitstellungs- Termin Ist- Bereitstellungs- Termin Ist- Ab-Werk- Termin Ist- Eintreff- Termin Kann- Ab-Werk- Termin Kann- Eintreff- Termin Zugesagter Liefer-Termin Wunsch- Ab-Werk- Termin Wunsch- Eintreff- Termin Dispositionszeit Transportzeit Transportzeit Abgleich mit Beständen bzw. Produktionsplan Dispositonszeit Wunsch Kann Ist Abb. 8–17: Kunden-Terminmanagement bei Bayer (Großeschallau 2002, S. 103) Grundsätzlich lassen sich die individuelle Verpackung eines jeden Artikels im Anschluss an seine Herstellung und die Verpackung der in einem Auftrag bestellten Waren am Versandplatz unterscheiden. Beide sind von Bedeutung für die Distributionslogistik. Schutzfunktion Lagerfunktion Transportfunktion Manipulationsfunktion Informationsfunktion – Schutz vor quantitativen Veränderungen – Schutz vor qualitativen Veränderungen – Schutz vor Beschädigungen – Schutz der Umwelt und des Personals – Raumsparendes Lagern – Stapelbarkeit – Verkaufsmengengerechte Lagereinheit – Bildung von Transporteinheiten – Optimale Auslastung von Transport(hilfs-) mitteln- – Sicherung von Ladeeinheiten und Ladungen – Handhabungsgerechte Gewichts- und Geometriefestlegung, Manipulation von Ladeeinheiten – Einsatz von Manipulationshilfen – Automatisierte Handhabung – Identifikationshilfen – Vorsichtsmaßnahmen – Warenpräsentation – Gebrauchsanweisung Abb. 8–18: Funktionen der Verpackung (Jansen 1989, S. 79) Durch Einsatz von CAD-Techniken ist die Planung logistikgerechter Verpackungen der einzelnen Produkte verbessert und standardisiert worden (vgl. Jansen/Thater 1987, S. 88). Der Einsatz von Standardkartons, ebenso wie der von Normbehältern, führt zur Vereinfachung und Beschleunigung der Abläufe: Er sollte möglichst weit vorn in der logistischen Kette beginnen, d. h. beim Produktionsunternehmen (vgl. Müller/Koch 1986, S. 43), Schulte_080.eps 8.6 Warenausgang und Ladungssicherung 491 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 um Umpackvorgänge zu vermeiden und eine bessere Raumauslastung zu erzielen. Da Handelsunternehmen oft spezielle Anforderungen an die Art der Verpackung stellen, sind genaue Absprachen zwischen Lieferant und Abnehmer wichtig. Beliefert ein Produktionsunternehmen mehrere Kunden, die unterschiedliche Verpackungsvorgaben haben, so kann es einfacher und kostengünstiger sein, die Verpackungen durch die Abnehmer bereitstellen zu lassen, da diese Kostendegressionseffekte durch Ankauf größerer Kartonmengen erzielen können. Eine weitere Erleichterung der logistischen Abläufe liegt in der Etikettierung der Verpackungen an einer festgelegten Stelle mit einheitlichen Angaben über die Artikelnummer und andere Informationen wie die Kleidergröße bei Herstellern von Konfektionswaren etc. (vgl. Müller/Koch 1986, S. 42 f.). Werden diese Etiketten mit dem Abnehmer abgestimmt, so sind die auf ihnen vorhandenen Kenngrößen nicht vom Kunden durch dessen eigenen Code zu ersetzen. Hierbei sind besonders große Erfolge durch die Verwendung von EAN- Strichcodes zu verzeichnen, die mittlerweile in 35 Ländern zur Kennzeichnung von Waren eingesetzt werden und heute bereits der Auszeichnung von über 90% der angebotenen Lebensmittel in der Bundesrepublik dienen (vgl. Haas 1988, S. 14). Nach Zusammenstellung eines Auftrags werden die Produkte in vielen Fällen nochmals gemeinsam verpackt, z. B. wenn sie per Post weiterverschickt werden sollen. Auch hierbei ist eine Reduzierung der Anzahl der Verpackungsgrößen anzustreben. Unbestritten ist zwar, dass sehr heterogene Volumina von Bestellungen unterschiedliche Verpackungen erfordern, doch lässt sich ihre Zahl in vielen Unternehmen einschränken. So hat ein Hersteller von Kosmetika die Zahl der zur Versendung bereitgestellten Kartons von über zwanzig auf zwei senken können. Dadurch ist nicht nur eine wesentliche Verringerung der für die Bereitstellung der Kartons benötigten Fläche erzielbar, sondern es werden auch die einzelnen Verpackungsvorgänge, wie das Zudecken und Verschweißen mit Folie sowie das Aufkleben der Adressetiketten erleichtert bzw. automatisierbar. Die Durchführung der Verpackung im Unternehmen kann entweder zentral oder dezentral unmittelbar im Anschluss an den letzten Arbeitsgang erfolgen. Durch eine Dezentralisierung lassen sich unnötige Beschädigungen vermeiden. Grenzen der Integration der Verpackung in die Fertigung bzw. Montage können sich dann ergeben, wenn die mit der Verpackung einhergehende Staubentwicklung zu Qualitätsproblemen in diesen Bereichen führt. Bei der Bemessung des Personalbedarfs ist zu berücksichtigen, dass bei zentraler Organisation schwankende Kapazitätsanforderungen eher ausgeglichen werden können als bei ausschließlicher Zuständigkeit für eine einzelne Produktgruppe. 8.6 Warenausgang und Ladungssicherung Die täglich wiederkehrenden Aktivitäten im Warenausgang enthält Abb. 8–19. Bei der Gestaltung des Warenausgangs sind im Wesentlichen die Merkmale zu berücksichtigen, die auch der Gestaltung des Wareneingangs zugrundegelegt wurden (vgl. Abschnitt 6.6.2). Zusätzlich sind Anforderungen an die Ladungssicherung zu beachten. Das für die Auswahl anforderungsgerechter Ladungssicherungen zu erstellende Soll- Profil hat die innerhalb der Transportkette auftretenden statischen und dynamischen (Stoß, Schwingungen) Maximalbelastungen sowie die Empfindlichkeit des Transportgutes gegenüber Umgebungseinflüssen (z. B. Temperatur, Feuchtigkeit, UV-Einwirkungen) zu berücksichtigen. Im Rahmen eines Soll-Ist-Vergleiches sind ferner die Eigenschaften

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.