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6.1 Aufgaben der Beschaffung in:

Christof Schulte

Logistik, page 283 - 285

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_310

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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6.1 Aufgaben der Beschaffung 283 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Revision 6 Beschaffungslogistik 6.1 Aufgaben der Beschaffung Eine hohe und flexible Reaktionsfähigkeit auf die Anforderungen der Kunden hängt in starkem Maße von der Versorgung mit Einsatzgütern externer Lieferanten ab. Hierfür sind Beschaffungsaufgaben wahrzunehmen. Die Gesamtaufgabe der Beschaffung wird in der Regel zerlegt in (vgl. Abb. 6–1) – die marktorientierten und vertragsabschließenden Aufgaben (Einkauf) sowie – die administrativen und physischen Aufgaben des Material- und Warenflusses (vgl. Fricke 1983, S. 44). Im Einkauf (der Begriff Beschaffung wird im Folgenden synonym verwendet) erfolgt nach einer eingehenden Beschaffungsmarktforschung die Auswahl von Lieferanten für die benötigten Einsatzmaterialien. Der zweite wesentliche Aufgabenbereich des Einkaufs umfasst die Verhandlungen mit Lieferanten, Vertragsgestaltung und den Vertragsabschluss. Beschaffungsmanagement Einkauf Beschaffungslogistik Funktionsumfang: Beschaffungsmarktforschung Preis- und Wertanalyse Einholung und Auswertung von Angeboten Lieferantenauswahl Preisverhandlungen Einkaufsabschlüsse Beschaffungsverwaltung Funktionsumfang: Bedarfsermittlung und Disposition Warenannahme und -prüfung Lagerhaltung Lagerverwaltung Innerbetrieblicher Transport Planung, Steuerung und Kontrolle des Material- und Informationsflusses Abb. 6–1: Aufgaben der Beschaffung Dem Einkauf obliegt es, durch permanente Preis- und Wertanalysen (gemeinsam mit anderen Funktionsbereichen des Unternehmens) eine Senkung der Einkaufskosten herbeizuführen. Neben den mehr gestaltenden Aufgaben sind dem Einkauf vielfach stärker verwaltende Aufgaben zugeordnet, zu denen die Abwicklung von Bestellungen, die Erteilung von Abrufen aus Rahmenverträgen (vgl. hierzu Abschnitt 6.4.3.1) und die Durchführung von Routineanfragen gehören. Wegen der Heterogenität gestaltender und verwaltender Aufgaben, aber auch um eine kreative Marktorientierung sicherzustellen, empfiehlt es sich, diese Gliederung auch in der Aufbauorganisation zum Ausdruck zu bringen. Die verwaltenden Funktionen bilden dann entweder eine eigene Einheit im Rahmen des Einkaufs oder werden der Beschaffungslogistik zugeordnet. 284 6 Beschaffungslogistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Die Aufgaben der Beschaffungslogistik können im einzelnen Abb. 6–1 entnommen werden, wobei die Aufgabenverteilung im konkreten Fall von der Größe des Unternehmens, der Unternehmensstruktur, der Bedeutung der Beschaffung für das jeweilige Unternehmen und anderen Faktoren abhängt. Lagerhaltung und -verwaltung als Aufgabe der Beschaffungslogistik beziehen sich in der Regel ausschließlich auf das Eingangslager (zu den weiteren Lagerarten siehe Abschnitt 5.1.1). Ebenso erstreckt sich der innerbetriebliche Transport als Teilaufgabe der Beschaffungslogistik zumeist nur bis zur Materialbereitstellung. Im Rahmen der Disposition werden die benötigten Mengen ermittelt. Beschaffungskonzepte werden entscheidend durch die jeweilige Wirtschaftssituation beeinflusst, wie dies in Abb. 6–2 veranschaulicht werden soll. Die Güterknappheit in den 50er Jahren erforderte eine „Versorgung um jeden Preis“. Die Entwicklung der industriellen Infrastruktur in den 60er Jahren führte immer mehr zur Durchführung von Preisvergleichen. Die 70er Jahre waren gekennzeichnet durch ein zunehmendes Abb. 6–2: Beschaffungskonzeption und Wirtschaftssituation (vgl. Müller 1987, S. 26) Bewusstsein dafür, dass der Einkauf einen erheblichen Anteil am Erfolg eines Unternehmens hat und es notwendig ist, diese Funktion unternehmerisch zu führen. Im Mittelpunkt der Aktivitäten der 80er Jahre standen die Schaffung durchgängiger Informationsund Materialflüsse. Dies führte im Beschaffungsbereich zur Trennung zwischen den Aufgaben des Einkaufs und denen der Logistik. In den 90er Jahren wurden vielfach anspruchsvolle Marketingkonzeptionen im Einkauf umgesetzt, die – in Analogie zum Marketing im Absatzbereich – das auf den Beschaffungsmarkt gerichtete Denken und Handeln unterstützen. 06-02.tif 6.2 Exkurs: Entwicklung einer Beschaffungsstrategie 285 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 6.2 Exkurs: Entwicklung einer Beschaffungsstrategie 6.2.1 Elemente der marktgerichteten Beschaffungspolitik Elemente der marktgerichteten Beschaffungspolitik sind (vgl. Hammann/Lohrberg 1986, S. 40 f.): – die Beschaffungsziele, – die systematische unternehmens- und marktbezogene Bereitstellung von Informationen, – das beschaffungspolitische Instrumentarium (vgl. Abb. 6–3). Abb. 6–3: Elemente der marktgerichteten Beschaffungspolitik (Hammann/Lohrberg 1986, S. 40) 6.2.1.1 Beschaffungsziele Beschaffungsentscheidungen stehen im Spannungsfeld der Ziele (vgl. Grochla/Schönbohm 1980, S. 33 ff.) – Kostenreduzierung, – Leistungsverbesserung und – Autonomieerhaltung. Die Definition von Beschaffungszielen kann erhebliche leistungs- und finanzwirtschaftliche Auswirkungen auf die Gesamtunternehmung haben. Sie müssen deshalb mit den übrigen Zielen der Unternehmung koordiniert werden. Im Rahmen dieser Koordination ist auch eine Anpassung der Unternehmensziele an die Beschaffungsziele denkbar. Strategische Beschaffungsziele sind unmittelbar aus dem System der Gesamtunternehmensziele abgeleitet und auf die Beschaffungsfunktion bezogen. Sie sind gekennzeichnet durch relativ großen Zielumfang und Langfristigkeit (vgl. Stark 1973, S. 51). Als strategisches Oberziel der Unternehmung kann man die generelle Sicherung von Erfolgspotenzialen betrachten. Aufgabe einer Beschaffungsstrategie ist es, dieses Oberziel beschaffungsseitig zu unterstützen und abzusichern. Als Beschaffungsziel wird in diesem Zusammenhang vor allem das Ziel der Versorgungssicherung genannt, dem Zielsetzungen zugeordnet werden wie Sicherung des Lieferantenpotenzials, Verbesserung des Informations- und Steuerungssystems der Beschaffung, Vermeidung der Abhängigkeit von Lieferanten, Qualitätssicherung u. ä. (vgl. Winand/Welters 1982, S. 55 ff.). 06-03.tif

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.