Content

3.8 Datenübertragung in:

Christof Schulte

Logistik, page 114 - 130

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_142_1

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
114 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 3.7 Datenausgabe Die Datenausgabe kann – direkt (in visueller oder akustischer Form) oder – indirekt (in maschinell lesbarer Form) erfolgen. Neben dem Bildschirm ist das wichtigste Ausgabegerät der Drucker, bei dem die Datenausgabe auf Papier oder Folie erfolgt. Es stehen eine Reihe unterschiedlicher Druckertypen zur Verfügung: Nadeldrucker, Tintenstrahldrucker, Thermodrucker und Laserdrucker. „Wichtige Leistungskriterien für Drucker sind: – Druckgeschwindigkeit (Anzahl Zeichen pro Sekunde, Anzahl Zeilen bzw. Seiten pro Minute), – Druckqualität (Farb- und Grafikfähigkeit, Schriftbild, Auflösung gemessen in Anzahl Bildpunkte pro Zoll), – Zeichenvorrat (Anzahl Zeichensätze, Schriftarten), – Technik des Papiertransports (Einzelblatteinzug, Endlospapier), – Ergonomie (Lärmbelästigung, Bedienungsfreundlichkeit), – Anschlusstechnik (Art der Schnittstellen für die Verbindung zum Rechner oder zu einem Netz), – Anschaffungs- und Betriebskosten (z. B. Kosten für Verbrauchsmaterial)“ (Abts/Mülder 2002, S. 43). Zur Auswahl des technisch sinnvollsten und wirtschaftlich geeignetsten Verfahrens ist zunächst zu analysieren, wo und an wievielen Stellen die Daten benötigt werden, wieviele Daten zu welchen Zeiten zu übermitteln sind, wie oft und in welchem Umfang sich die Daten verändern und wie aktuell die Daten jeweils vorliegen müssen. 3.8 Datenübertragung Wesentlicher Bestandteil jeder arbeitsteiligen Wirtschaft ist die Kommunikation, d. h. der Austausch von Informationen zwischen den Organisationsteilnehmern (innerbetriebliche Kommunikation) und den Marktteilnehmern (außerbetriebliche Kommunikation). Zu prüfen ist für jedes logistische Anwendungsgebiet, welche Kommunikationswege hierfür grundsätzlich in Frage kommen und am wirtschaftlichsten sind. Typische Anwendungsfelder der außerbetrieblichen Kommunikation in der Logistik sind – die Anbindung von Kunden im Rahmen der Auftragsabwicklung (vgl. Abschnitt 8.4) – die Anbindung von Lieferanten im Rahmen der Beschaffungslogistik (vgl. Abschnitt 6.4.3) – die Anbindung von Spediteuren, Frachtführern und Umschlagbetrieben (vgl. Abschnitt 4.3.9). Typische Anwendungsfelder der innerbetrieblichen Kommunikation in der Logistik sind – die Zusammenführung heterogener Anwendungen zu integrierten Systemen – der Datenaustausch zwischen verschiedenen Abteilungen, Standorten etc. 3.8 Datenübertragung 115 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 3.8.1 Grundlagen Unter Datenübertragung versteht man den Datentransport zwischen beliebig weit entfernten Datenstationen und Datenverarbeitungsanlagen. Datenübertragungssysteme bestehen aus – Datenstationen, – Übertragungswegen sowie – Übertragungsverfahren. Um die Datenkommunikation zu erleichtern existieren mittlerweile zahlreiche Kommunikationsstandards bzw. -protokolle. 3.8.1.1 Datenstationen Jede Datenstation besteht nach DIN 44 302 aus der Datenendeinrichtung und der Daten- übertragungseinrichtung. Datenendeinrichtungen sind Geräte zum Senden und/oder Empfangen von Daten. Beispiele sind Bildschirme, Drucker, Rechner etc. Sind mindestens zwei Datenendeinrichtungen Rechner, liegt ein Rechnernetz vor. Die Datenendeinrichtung steuert den Verbindungsauf- und -abbau, besorgt die Fehlerkorrektur sowie die Synchronisation mit der entgegengesetzten Datenendeinrichtung. Die Datenübertragungseinrichtung besteht aus dem Signalumsetzer und der Anschalteinheit. Aufgabe der Datenübertragungseinrichtung ist es, die von der Datenendeinrichtung abgegebenen Signale in eine für den Übertragungsweg verständliche Form anzupassen. Beispiele sind Modems. 3.8.1.2 Übertragungswege Ein Übertragungsweg stellt die Verbindung von zwei Datenstationen durch Leitungen dar. Auf diesen Leitungen werden codierte Informationen durch elektrische oder optische Signale oder durch elektromagnetische Wellen übermittelt. Die Datenübertragung kann kabelgebunden oder per Funk erfolgen. Kupferkabel übertragen elektrische Signale. Sie werden seit jeher im Fernmeldebereich verwendet und stellen das am weitesten verbreitete Netz für die Datenkommunikation dar. Bei Glasfaserkabeln (Lichtwellenleiterkabeln) werden die Daten durch optische Signale (Lichtimpulse) übertragen. Die Verkabelung von Fernstrecken erfolgt inzwischen fast ausschließlich in Glasfasertechnologie und auch in lokalen Netzen werden zunehmend Glasfaserkabel eingesetzt. Diese weisen gegenüber Kupferkabeln eine Reihe von Vorteilen auf: Sie sind nicht durch elektromagnetische Felder zu beeinflussen, abhörsicher, haben kleinere Abmessungen und geringeres Gewicht. Die Übertragungsleistungen sind mit bis zu 600 Mbit/sec extrem hoch und die Fehlerraten niedrig. Bei nicht kabelgebundener Datenübertragung im außerbetrieblichen Bereich kann zwischen satellitenbasierten Verbindungen, Richtfunkstrecken und den zellularen Netzen mit Funkfeststationen unterschieden werden. Satellitenverbindungen werden derzeit primär im Telefon- und Datenverkehr sowie in der Verteilung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen eingesetzt. Die über einem bestimmten Punkt der Erde stationierten Satelliten arbeiten als Transponder, indem sie Daten von einer erdgebundenen Richtantenne empfangen und verstärkt wieder zur Erde zurücksenden. Die Internationale Maritime Satellitenorganisation (INMARSAT) bietet satellitenbasierte Mobilfunkdienste an. Auf diesem Satellitendienst basieren Flottenmanagementsysteme mit GPS (Global Positioning System) (vgl. Abschnitt 4.3.7.3). Mit Richtfunkstrecken wird topologisch schwieriges Ge- 116 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 lände zwischen festen Teilnehmern überbrückt, bei dem die Verlegung von Erdkabeln unwirtschaftlich wäre. Sollen mobile Teilnehmer erreicht werden, benötigt man zellulare Funknetze, die das Versorgungsgebiet in eine Vielzahl von Funkzellen aufteilen. Jede Funkzelle wird von einer ortsfesten Funkstation bedient, die ihrerseits über Richtfunkstrecken oder terrestrische Verbindungen miteinander und mit Funkvermittlungsstellen verbunden sind. Letztere stellen die Anbindung an andere Netze und Dienste her. 3.8.1.3 Übertragungsverfahren Unter Übertragungsverfahren versteht man die technischen Verfahren, nach denen die Datenübertragung erfolgt. Es handelt sich dabei um (vgl. Stahlknecht 1995, S. 114 ff.): – Zeichenübertragungsverfahren, wobei man bitserielle (Zeichen werden bitweise nacheinander auf einem Kanal übertragen) und bitparallele (alle Bits eines Zeichens werden gleichzeitig auf mehreren Kanälen übertragen) Übertragungsbreiten unterscheidet. – Gleichlaufverfahren mit den beiden Ausprägungsmöglichkeiten synchron und asynchron. Bei der synchronen Übertragung besteht die Synchronisation zwischen Sender und Empfänger während der Übertragung von geschlossenen Zeichenfolgen (512 Bit oder ein Vielfaches), die durch Steuerzeichen begrenzt sind. Bei der asynchronen Übertragung besteht die Synchronisation jeweils nur für die Übertragung eines Zeichens, das durch ein Start- und Stoppbit begrenzt ist. – Signalübertragungsverfahren: Beim analogen Übertragungsverfahren (z. B. Telefonnetz) werden elektrische Schwingungen übertragen. Mit Hilfe eines Modems können digitale Daten jeweils in analoge Signale moduliert bzw. demoduliert werden. Beim digitalen Übertragungsverfahren werden elektrische Impulse übertragen, in die die zu übertragenden Bits durch Codierung umgewandelt werden. – Betriebsverfahren, das an der Schnittstelle zwischen Datenendeinrichtung und Daten- übertragungseinrichtung die Richtung des Datenflusses auf dem Übertragungsweg festlegt. Beim Richtungsbetrieb (simplex) ist die Übertragung nur in eine Richtung möglich, d. h. entweder Senden oder Empfangen. Beim Wechselbetrieb (halbduplex) ist abwechselnd Sende- oder Empfangsbetrieb möglich; dazwischen ist ein Umschalten der Datenendeinrichtung erforderlich. Der Gegenbetrieb (duplex oder vollduplex) erlaubt die gleichzeitige Übertragung in beide Richtungen; Umschaltzeiten entfallen. Die Übertragungsgeschwindigkeit (bzw. Datenrate) zwischen zwei Datenübertragungssystemen wird in Bit pro sec gemessen. 3.8.1.4 Verfahren zum standardisierten Datenaustausch und Kommunikationsprotokolle Viele Telekommunikationsdienste können nicht nur unstrukturierte Informationen (z. B. Sprache), sondern auch strukturierte Daten übertragen. Dies setzt jedoch voraus, dass sowohl der Versender als auch der Empfänger von Informationen bestimmte Konventionen des elektronischen Datenaustausches (EDI = Electronic Data Interchange) einhält. Hierbei fungieren die Anwendungsprogramme als Sender und Empfänger, so dass empfangene Nachrichten automatisch weiterverarbeitet werden können. Kennzeichnend für den elektronischen Datenaustausch ist eine vollständige rechnergestützte Abwicklung und Datenübertragung möglichst ohne manuellen Eingriff. Software zum elektronischen 3.8 Datenübertragung 117 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Datenaustausch unterstützt für Logistikanwendungen den übergreifenden Informationsaustausch in der logistischen Kette. So lassen sich beispielsweise zahlreiche in der Logistik anfallende Dokumente, wie Abrufe, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine etc. über EDI-Schnittstellen abwickeln. Um EDI einsetzen zu können, muss eine Standardisierung der zugrundeliegenden Geschäftsvorfälle möglich sein, d. h. mit denselben Geschäftspartnern werden bei gleich bleibenden Inhalten möglichst in immer wiederkehrender Form Geschäftsvorfälle abgewickelt (vgl. Krallmann u. a. 1995, S. 90). Entsprechend der unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Branchen, existieren heute für den Bereich der strukturierten Daten eine Vielzahl von branchenabhängigen, nationalen oder internationalen Standards (z. B. ODETTE, VDA, SEDAS) (vgl. Abb. 3–35 und Abb. 3–36). Lediglich EDIFACT (EDI for Administration, Commerce and Transport) ist ein internationaler, branchen-, sprach- und funktionsunabhängiger Standard für den Austausch strukturierter Daten. Standard Bedeutung/Anwendung EDIFACT Electonic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport: Standardisierte Nachrichten über Bestellungen, Lieferungen, Rechnungen u. v. m. Branchenübergreifende Anwendung ODETTE Organisation for Data Exchange by Tele Transmission in Europe, Anwendung in der Automobilindustrie SEDAS Standardisiertes einheitliches Datenaustauschsystem, Anwendung im Groß-/Einzelhandel VDA Verband der Deutschen Automobilindustrie, Datenübertragung durch Liefervorschau (VDA 4905/2) und Feinabruf (VDA 4915) ENX Webbasierter Datenübertragungsstandard des Verbands der Deutschen Automobilindustrie SWIFT Datenübertragungsstandard im Zahlungsverkehr RosettaNet XML-basierte Standardisierung von Prozessen in der IT-Industrie (www.rosettanet.org) CIP4 Cooperation for the Integration of Processes in Prepress, Press and Postpress (CIP4). XML-basierte Standardisierung von Prozessen in der Druck- und Medienindustrie (www.cip3.org) Abb. 3–35: EDI-Standards im Überblick Ziel von EDIFACT ist es, Daten aus dem Anwendungssystem eines Unternehmens ohne weitere manuelle Erfassung und Bearbeitung direkt in das Anwendungssystem des Empfängers weiterzugeben. Der EDIFACT-Standard ist besonders für die rechnergestützte Auftragsabwicklung geeignet. Ein großer Vorteil ist die systemübergreifende Normierung des Formats für den Datenaustausch bei gleichzeitiger Komprimierung der Daten. Damit können günstige Übertragungsraten in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung erreicht werden. 118 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Abb. 3–36: VDA-Empfehlungen zum elektronischen Datenaustausch (Klug 2010, S. 247) Als Nachteil gilt, dass Anwendungen Daten nur mit Hilfe eines Konverters importieren oder exportieren können und dass Punkt-zu-Punkt-Verbindungen für komplexe Logistiknetzwerke teilweise ungeeignet sind. Durch die maschinenlesbare Codierung ist der EDIFACT-Code nicht selbsterklärend und bedingt bei der Einführung i. d. R. hohe Anschaffungs-, Implementierungs- und Wartungskosten. Dem EDIFACT-Standard entsteht zunehmend Konkurrenz durch einschlägige branchenspezifische Standards, insbesondere durch kostengünstige, webbasierte Verfahren (Web-EDI). Die Vor- und Nachteile des EDI-Verfahrens enthält Abb. 3–37 im Überblick. Vorteile Nachteile Elektronischer Datentransfer zwischen Partnerunternehmen wird ermöglicht Im Idealfall ist eine direkte Kommunikation zwischen ERP-Systemen realisierbar Automatisierter und papierloser Datentransfer, einschließlich Datenintegration Keine verteilte Datensammlung beim Partnerunternehmen erforderlich Unterstützung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses bei allen beteiligten Parteien Das ursprüngliche EDI-Konzept betrachtet lediglich zwei involvierte Partnerorganisationen Komplexität Unflexibles System Hoher Aufwand für die Anpassung der jeweiligen Systeme erforderlich Speziallösungen werden zur Abdeckung aller Datentransfers zu verschiedenen Partnern benötigt Kostenintensiv (nur wirtschaftlich mit angemessenem Datenvolumen) Abb. 3–37: Vor- und Nachteile des EDI-Verfahrens (Hausladen 2011, S.66) 3.8 Datenübertragung 119 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Kommunikationsprotokolle beinhalten die Regeln für den Ablauf eines Kommunikationsvorgangs einschließlich der Festlegung von Art und Format der Übertragungsobjekte. Das verbreitetste Mehrschichtmodell ist das Open-Systems-Interconnection-Referenzmodell (OSI-Referenzmodell) der ISO (International Standardization Organization) das in den 1970er Jahren geschaffen wurde, um eine gemeinsame Basis für die Entwicklung von miteinander kommunizierenden Netzwerken zu schaffen. Grundidee des ISO-Referenzmodells für offene Systeme ist die Unterteilung jedes Kommunikationsvorgangs in sieben voneinander unabhängige Schichten (layers). Auf jeder einzelnen Schicht werden bestimmte Teile des Kommunikationsvorgangs zwischen Sender und Empfänger geregelt. In Abb. 3–38 sind die Funktionen der Schichten und einige wichtige Standards dargestellt. Abb. 3–38: ISO-Referenzmodell für offene Systeme Als Standard zur Integration unterschiedlicher Übertragungsanforderungen entstand mit dem Aufkommen des Internets das so genannte TCP/IP-Protokoll (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Es bezeichnet den Standard für die Datenübertragung im Internet, der allerdings nicht Bestandteil der ISO/OSI-Normen ist. Unabhängig vom jeweiligen Kommunikationsdienst werden Daten nach demselben Schema in Pakete zerteilt, transportiert und adressiert. Die Adressierung erfolgt dynamisch oder als Festadresse über die IP-Adresse des Hostrechners. Internet-Adressen werden vom Internet Network Information Center (InterNIC) vergeben. Zu den Protokollen, die auf TCP/IP aufsetzen, gehören: – HTTP (Hyper Text Transfer Protocol): WWW-Protokoll zur Kommunikation zwischen Servern und Clients; ermöglicht die Übertragung von HTML (Hyper Text Markup Language)-Dokumenten an bebilderte Webseiten. – FTP (File Transfer Protocol): Dateitransfer und -konvertierung zur Übertragung von unterschiedlichen Datenformaten; – SMTP (Simple Mail Transfer Protocol): E-Mail-Dienst, der den Empfang und das Senden von E-Mails unterstützt; – IMAP (Internet Message Access Protocol): E-Mails verbleiben auf dem Mail-Server im Internet und werden dort gelesen, geschrieben und verwaltet. schulte_022ohne.tif 120 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Extensible Markup Language (XML) bezeichnet den Nachfolger des heutigen HTML- Standards, mit der die Seiten- und Inhaltsdarstellung im Inter-, Intra- und Extranet codiert wird. HTML- bzw. XML-Code wird vom Navigationsprogramm (Browser) genutzt, um Inhalte systemübergreifend zu übertragen. Der Inhalt eines Dokuments wird dabei von seiner logischen Struktur und dem Layout getrennt. Auf Grund der Unabhängigkeit vom Anwendungssystem (Hardware und Betriebssystem) ist damit ein offener Informationsaustausch möglich. XML-basierte Verfahren sind damit Voraussetzung für eine Prozessintegration der Softwareanwendungen. Als Vorteile von XML sind zu nennen: – XML trennt strikt den Inhalt von seiner Darstellungsform (im Gegensatz zu HTML), – XML-Dokumente sind in Bezug auf ihre Struktur „selbst-beschreibend“ und lassen sich einfach analysieren, – XML-Dokumente sind für die Benutzung im Internet optimiert, – XML soll auch für Menschen leicht lesbar und angemessen verständlich sein. Web-EDI-Verfahren nutzen den Standard XML zur Verbesserung der Datenkommunikation zwischen Logistikanwendungen. Im Rahmen des Enterprise Application Integration (EAI) werden weitere Bemühungen unternommen, die Prozessintegration auf Grundlage von Webservices zu erzielen. Es werden Geschäftsprozesse und -daten entlang der unternehmensspezifischen Wertschöpfungskette integriert. Hierdurch lassen sich heterogene Anwendungssysteme zielorientiert zusammenführen und Medienbrüche eliminieren. Grundlagen hierfür sind die Harmonisierung von Schnittstellen und die Verankerung des systemübergreifenden Datenaustausches in der jeweiligen IT-Architektur. 3.8.2 Fest- und Funknetze 3.8.2.1 Überblick Die für die Datenübertragung nutzbaren bzw. eigens dafür eingerichteten Netze lassen sich in Festnetze und Funknetze unterscheiden. Die einzelnen Netze lassen sich anhand folgender Merkmale charakterisieren (vgl. hierzu Stahlknecht 1995, S. 126): – Form der Signalübertragung (analog oder digital), – Gleichlaufverfahren (asynchron oder synchron), – Verbindungsart (Wähl- oder Festverbindung), – durchschnittliche Bit-Fehlerwahrscheinlichkeit, – maximale Übertragungsgeschwindigkeit. Die Signalübertragung erfolgt beim Telefonnetz analog, bei allen anderen Festnetzen digital. Bis auf das ältere C-Netz übertragen alle übrigen Funknetze digital. Das Gleichlaufverfahren ist beim Telefonnetz überwiegend asynchron, bei allen anderen Netzen synchron (außer bei niedrigen Übertragungsraten). Die physikalische Verbindung der Teilnehmerendstelle mit dem zugehörigen Netzknoten der Telekom (= Anschluss) ist für den Teilnehmer fest reserviert. Während die weitere Verbindung zum Zielanschluss bei Festverbindungen dauerhaft festgelegt ist, muss sie bei Wählverbindungen vor jeder Übertragung neu aufgebaut werden. Datendirektverbindungen sind stets Festverbindungen. Telefonnetz und ISDN stellen Wählverbindungsnetze 3.8 Datenübertragung 121 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 dar. Allerdings gibt es auch Festverbindungen, die über analoge oder ISDN-fähige Schnittstellen verfügen. Die übrigen Netze arbeiten ausschließlich mit Wählverbindungen. Die Bit-Fehlerwahrscheinlichkeit ist ein Maß für die Leitungsqualität. Sie ist definiert als der Anteil der (durchschnittlich) fehlerhaft gesendeten Bit zur Gesamtzahl der übertragenen Bit. So besagt beispielsweise eine Bit-Fehlerwahrscheinlichkeit von 5 × 10 –5, dass bei 20 000 gesendeten Bit im Durchschnitt ein Bit fehlerhaft ist. Je nach Netz liegen die Wahrscheinlichkeiten zwischen 10 –4 und 10 –6. 3.8.2.2 Festnetz Das Telefonnetz als öffentliches Wählnetz kann zur Sprach- und Datenübertragung genutzt werden. Die Datenübertragung kann mit Hilfe von Modems (siehe Abschnitt 3.7.1.1 und 3.7.1.3). Die Übertragungsgeschwindigkeit des Telefonnetzes reicht bis zu 57 000 Bit/s. Die Nutzung des Telefonnetzes zur Datenübertragung bietet sich vor allem dann an, wenn nur gelegentlich (z. B. einmal täglich) geringe Datenmengen transportiert werden müssen. Der Datencode ist beliebig. Das Integrated Digital Network (IDN) umfasst das Telex-, das Datex- und das Direktrufnetz. Das Telex-Netz, das 1933 für die Übertragung von Fernschreiben eingerichtet wurde, ist das älteste digitale Netz der Telekom. Das Netz arbeitet im halbduplex und asynchronen Betrieb. Die Übertragungsrate beträgt 50 Bit/s. Der zur Verfügung stehende Datenvorrat ist eingeschränkt (60 Zeichen). Das Telex-Netz wird nach wie vor in der Textkommunikation eingesetzt. Sein Vorteil liegt in der Kommunikationsmöglichkeit mit über 200 Ländern. Das bereits 1967 eingeführte Datex-L-Netz basiert auf der Leitungsvermittlung für Wählverbindungen zwischen digitalen Anschaltepunkten. Im Unterschied zum Telefonnetz (ebenfalls leitungsvermittelt, aber analoge Anschaltepunkte) weist das Datex-L-Netz eine höhere Leitungsqualität und höhere Übertragungsleistungen auf. Es eignet sich für die Übertragung großer Datenmengen, wobei eine Übertragungsgeschwindigkeit von 9600 bis 64 000 Bit/s realisiert werden kann. Beim 1982 eingeführten Datex-P-Netz erfolgt eine Paketvermittlung für Wählverbindungen zwischen digitalen Anschaltepunkten. In der Datenendeinrichtung oder im Netz werden die Nachrichten in Pakete (bestehend aus 128 Bitgruppen zu je 8 Bit) zerlegt. Die Nutzung des Datex-P-Netzes bietet sich für den gelegentlichen, nicht zeitkritischen Dialogverkehr an. Die maximale Übertragungsgeschwindigkeit beträgt 1,92 Mbit/s (vgl. Stahlknecht 1995, S. 129). Die 1974 eingerichteten Datendirektverbindungen bestehen aus zwei Datenendeinrichtungen, die in Form einer festen Verbindung („Standleitung“) miteinander verbunden werden. Datendirektverbindungen zeichnen sich durch die ständige Verfügbarkeit und geringe Fehlerwahrscheinlichkeit aus. Die maximale Übertragungsgeschwindigkeit beträgt 1,92 Mbit/s. ISDN (Integrated Services Digital Network) ist ein integriertes weltweites Telefonnetz, das immer stärkere Verbreitung findet. In Deutschland wurde mit der Einführung 1989 begonnen, in Europa ist ISDN nach einheitlichen Standards mittlerweile in 20 Ländern eingeführt. Auf der Basis eines digitalisierten Telefonnetzes und unter Nutzung der Leitungsvermittlung ist die gleichzeitige Übertragung von Sprache, Bildern und Daten verschiedener Endgeräte in hoher Qualität möglich. Die Standardübertragungsgeschwin- 122 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 digkeit beträgt 64 Kbit/s. Zur Nutzung der Leistungsfähigkeit des ISDN sind spezielle Endgeräte erforderlich, beispielsweise digitale Telefone und Datenterminals mit der Übertragungsrate 64 Kbit/s. Zu den Vorteilen von ISDN gehören u. a. (vgl. Stahlknecht 1995, S. 131): – universelle Kommunikation (Übertragung von Sprache, Daten, Bildern, Nutzung von Mehrwertdiensten) über dasselbe Netz, – gleichzeitiger Betrieb mehrerer Kommunikationsarten über denselben Anschluss, – hohe Übertragungsleistung bei hervorragender Leitungsqualität, – Möglichkeit, Bewegtbilder zu übertragen. Alternativ zu ISDN kann die digitale Übertragung von Daten auf normalen Kupfer- Telefonleitungen mit den Verfahren xDSL realisiert werden, wobei DSL für Digital Subscriber Line und x als Platzhalter für verschiedene Varianten dieser Technik steht. Mit ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) können auf kurzen Entfernungen (z. B. vom Hausanschluss bis zum nächsten Vermittlungsknoten) Daten mit bis zu ca. 768 000 Bit/s gesendet und mit bis zu 8 Mbit/s empfangen werden. Die hohe Bandbreite erlaubt die gleichzeitige Übertragung von Telefongesprächen und Daten z. B. aus dem Internet. Im Hinblick auf weltumspannende Netze kommt der Verfügbarkeit hoher Bandbreiten große Bedeutung zu. Aus der gleichzeitigen Bedienung einer Vielzahl von weltweit verteilten Kommunikationsteilnehmern entstehen äußerst hohe Belastungen. Für die Architektur solcher städteverbindenden Netztechniken dient der Straßenverkehr als Vorbild. Über eine dedizierte Hauptverkehrsverbindung (die Datenautobahn), die über ausreichende Kapazitäten verfügt erfolgt die weltweite Verknüpfung wichtiger Knotenpunkte. Der Zugang zu diesem Information Highway ist lediglich an bestimmten Stellen möglich (analog den Zu- und Ausfahrten von Autobahnen) (vgl. Picot u. a. 1996, S. 140). Bei der Planung und Realisierung von Weitverkehrsnetzen stehen derzeit drei Verfahren zur Diskussion: Frame Relay, ATM und IP-VPN. Am weitesten verbreitet ist Frame Relay, eine paketvermittelnde Technik mit Übertragungsraten bis 2 Mbit/s. Wegen zu geringer Bandbreite ist diese Technik jedoch für die Realisierung eines schnellen Information Highway ungeeignet. Der Asynchronous Transfer Mode (ATM) ermöglicht derzeit Bandbreiten von bis zu 155 Mbit/s mit künftig bis zu 2,5 Gbit/s. Dieser Technik, die bei der Implementierung von Breitband-ISDN-Netzen zugrundegelegt wird, liegt das paketvermittelnde Konzept mit einer festen Paketgröße zugrunde. Waren bis vor einigen Jahren fest geschaltete Frame Relay- oder ATM-Mietleitungen Standard, so gewinnen in jüngster Zeit virtuelle private Netze an Bedeutung. Hierbei werden verschiedene lokale Netze über weite Strecken zu einem sog. Virtual Private Network (VPN) miteinander verbunden. Dazu wird eine sichere Verbindung (Tunnel) innerhalb des Internet mittels Verschlüsselung und spezieller Protokolle eingerichtet. VPN’s werden auch zur Einbindung von Kunden, Lieferanten und Außendienstmitarbeitern genutzt. Für Unternehmen mit weit verteilten Standorten kommen IP-VPNs in Frage, insbesondere solche, die auf MPLS basieren. Dabei handelt es sich um ein von der Internet Engineering Task Force (IETF) standardisiertes Verfahren, um den Austausch von IP-Paketen zu vereinfachen. Abb. 3–39 gibt abschließend einen vergleichenden Überblick über die genannten Techniken. 3.8 D atenüb ertragung 123 D ruckerei C . H . B eck Schulte, Logistik (Vahlen) ..................................... M edien m it Zukunft R evision, 22.11.2012 IP-VPN auf MPLS-Basis Verbindet die Vorteile von IP-VPNs mit den Übertragungsqualitäten von ATM und Frame Relay, flexible Zuteilung von Bandbreiten, Priorisierung, kostensparende Any-to-any-Kommunikation, garantierte Service-Levels. Standardisierung in den Gremien noch nicht weit fortgeschritten; beim Wechsel von einem in ein anderes Carrier-Netz können daher Service-Verluste auftreten, die sich allerdings technisch relativ problemlos beheben lassen. Einmalige Bereitstellungspreise und monatliche Beträge für Ports, die sich aus der genutzten Bandbreite, Serviceklassen und Entfernung zwischen den Netzpunkten ergeben. Flexible Bandbreiten und Serviceklassen wie Voice, Multimedia, vorrangiger Datenverkehr und Best Effort stehen bereit, damit wird auch VoIP nutzbar. < 2,5 Gbit/s Starke Vermischung von Standorten, die permanent auch miteinander kommunizieren müssen (any-to-any), stark wachsende beziehungsweise sich ändernde Standortzahl, ideale Basis für die Integration weiterer Services (zum Beispiel integrierter Internet- Zugang, VoIP) IP-VPN Kostenersparnisse gegenüber Festnetzverbindungen. Internet-gestützte Datendienste sind trotz hoher Bandbreiten oft überlastet, keine Datenpriorisierung und -bewertung. Bedarfsabhängig oder Flatrate (im internationalen Verkehr liegen die Kosten für IP-Verbindungen etwa 70 Prozent unter denen der FR- oder ATM- Verbindungen, bei Providern ohne eigene Plattform sind allerdings meist weitere Investitionen in Sicherheitssysteme, beispielsweise Verschlüsselungsmechanismen, erforderlich). Best Effort. < 34 Mbit/s Wie Frame Relay (IP-VPNs sind allerdings – insbesondere beim Outsourcing – aufgrund deutlich niedrigerer Betriebs- und Personalkosten für kleine und mittelständische Unternehmen wirtschaftlich vertretbarer als ATM und Frame Relay). ATM Schneller als Frame Relay, überträgt Sprache, Daten und Videos in Echtzeit. Im Vergleich zu Frame Relay relativ teuer, nicht für alle Betriebssysteme geeignet Einmalige Bereitstellungspreise und monatliche Beträge für Ports und Switched Virtual Circuits (SVC), die sich aus der genutzten Bandbreite und der Entfernung zwischen den Netzpunkten ergeben. Flexible Bandbreiten und fest definierte Serviceklassen sorgen für an die jeweilige Anwendung angepasste Übertragungsqualitäten. 2 Mbit/s < 155 Mbit/s Wie Frame Relay. Frame Relay (FR) Mehr als zehn Jahre international bewährte Technik. Im Vergleich zu ATM eher langsam und nur für kleine und mittlere Datenvolumina geeignet. Einmalige Bereitstellungspreise und monatliche Beträge für Ports und Permanent Virtual Circuits (PVCs), die sich aus der genutzten Bandbreite und der Entfernung zwischen den Netzpunkten beziehungsweise den Ländern der Netzpunkte ergeben. Flexible Bandbreiten und fest definierte Serviceklassen sorgen für an die jeweilige Anwendung angepasste Übertragungsqualitäten. < 2 Mbit/s Übersichtliche Kommunikationsstruktur und vorhersagbare Datenvolumina, beispielsweise von einem Rechenzentrum zu einzelnen Niederlassungen oder Telearbeitsplätzen; hierarchisch strukturierte Unternehmen (Sterntopologie); kleine und mittlere Netze. Geringe Entwicklungsmöglichkeiten für Mehrwertdienste. -Techniken im VergleichRevision Kriterium Stärke Schwäche Kosten Übertragungsqualität Geschwindigkeit Kundentypus Abb. 3–39: Techniken üir Weitverkehrsnetze im Vergleich (Quelle: T-Systems) 124 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik 3.8.2.3 Funknetze 3.8 Datenübertragung Die Datenübertragung über Funknetze gewinnt ständig an Bedeutung. Um miteinander zu kommunizieren sind Sender und Empfänger nicht mehr an feste Standorte gebunden. Da die Raumüberbrückung und die damit verbundene Mobilität von Gütern und Verkehrsmitteln ein wesentliches Merkmal logistischer Aktivitäten ist, bietet die Mobilkommunikation gerade für die Logistik zahlreiche interessante Perspektiven. In Deutschland bieten die Telekom und vom Bundesminister für Post und Telekommunikation lizenzierte Betreiber Mobilfunkdienste an, wobei die Übertragung analog (C-Netz) oder digital (D- und E-Netz) erfolgt. In der Vereinbarung „Global System for Mobile Communication“ (GSM) haben die beteiligten europäischen Länder 1987 die Standards für digitale Funknetze festgelegt. Die Netze, die auf der Basis dieses Standards arbeiten, werden als GSM-Netze (GSM = Group Speciale Mobile) bezeichnet. GSM hat sich zwischenzeitlich zu einem der erfolgreichsten Standards entwickelt und wird in mehr als 200 Ländern eingesetzt. Daneben gibt es den Standard DCS 1800 (DCS = Digital Cellular System), bei dem auf Grund einer anderen Übertragungstechnik höhere Teilnehmerdichten möglich sind (vgl. Stahlknecht 1995, S. 133). Da terrestrische Funkverbindungen nur eine begrenzte Reichweite haben, ist die zu versorgende Fläche in Zellen aufgeteilt. Jede Zelle ist mit einer Vermittlungsstelle verbunden, die die Verbindung zu einem Festnetz herstellt. GSM wird in den nächsten Jahren durch den neuen Standard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) abgelöst werden, UMTS soll dann mit Datenraten von bis zu 2 Mbit/s mobile Multimedia-Anwendungen ermöglichen. Erstversand 3.8.3 Rechnernetze 3.8.3.1 Lokale Netze In einem Rechnerverbund erfolgt der Datenaustausch über lokale Netze und über Weitverkehrsnetze (vgl. hierzu Kargl 1998, S. 35). Bei lokalen Netzen (Local Area Networks – LAN) handelt es sich um unternehmensinterne Datennetze, die als Stern-, Ring- oder Bus- Netz strukturiert sein können. Durch Zwischenschaltung von Kopplungselementen (Bridges, Router) lassen sich diese Datennetze zu einem Verbundnetz zusammenschließen (vgl. Abb. 3–40). Das LAN, das in einem derartigen Verbund die Hauptlast der Daten- übermittlung trägt, heißt Backbone-Netz. Ihm liegt meist ein Hochleistungs-Übertragungsmedium (z. B. Glasfaserkabel) zugrunde. Über Gateways bzw. Gateway-Rechner, die die erforderlichen Konvertierungen vornehmen, wird ein unternehmensinterner LAN- Verbund mit proprietären Großrechnernetzen oder mit unternehmensexternen Datennetzen verbunden. Netzwerke setzen sich zusammen aus der Hardware (Geräteeinheiten, Datenendgeräte, Übertragungsmedien und Anschlusskomponenten) sowie der Software, die mindestens aus einem Netzwerkbetriebssystem besteht (vgl. Abb. 3–41). 3.8 Datenübertragung 125 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Abb. 3–40: Lokale Netze (Kargl 1998, S. 36) Bestandteile von Netzwerken Datenendgeräte mit Netzwerkkarte Geräteeinheiten mit Netzwerkkarte Netzwerkbetriebssystem Anschlusskomponenten Übertragungsmedien • Rechner • Drucker • Kabel • Repeater • Novell • Scanner • Funk • Bridges NetWare • . . . • Infrarot • Router • Windows • Hubs NT Server • Switches • UNIX • . . . • . . . Abb. 3–41: Bestandteile von Netzwerken (vgl. Berndt 2000, S. 2) 03-31.tif Schulte_020.eps 126 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 3.8.3.2 Weitverkehrsnetze Lokale Netzwerke sind in ihrer geographischen Ausdehnung auf wenige hundert Meter beschränkt. Als Ausfluss der steigenden Arbeitsteilung steigt jedoch die Notwendigkeit, mehrere lokale Netzwerke zu einem übergeordneten Netzwerk zu verknüpfen. Jede großflächige Datenkommunikationsstruktur wird als Weitverkehrsnetz (engl. WAN = Wide Area Network) bezeichnet. Eine Untergruppe der Weitverkehrsnetze sind die Corporate Networks. Hierbei handelt es sich um Netzwerkdienste, die geographisch entfernte unselbstständige Betriebsstätten eines Unternehmens oder die Töchter eines Konzerns miteinander verbinden. Mögliche Betriebsformen zur Gestaltung von Corporate Networks sind: – Netzwerk und Übertragungswerke sind im Eigentum des Unternehmens. – Es werden Mietleitungen genutzt, wobei das Netzwerk-Management durch das Unternehmen erfolgt. – Alle Netzdienstleistungen (einschließlich Netzwerkmanagement) werden von einem Dienstleister gemietet. – Es werden öffentliche Netze oder Dienste genutzt, wodurch die Nutzungskosten variabilisiert werden. Die Auswahl der im konkreten Anwendungsfall günstigsten Alternative richtet sich nach den geographischen Standorten der Netzwerknutzer, der benötigten Datenübertragungskapazität im Zeitablauf und den Übertragungskosten pro Dateneinheit. 3.8.3.3 Internet, Extranet und Intranet Das Internet ist heute ein weltumspannendes Rechnernetz, das aus einer Vielzahl großer internationaler und nationaler Teilnetze sowie lokaler Netze besteht („Netz der Netze“), die alle das Kommunikationsprotokoll TCP/IP verwenden. Die historische Entwicklung des Internet lässt sich kurz mit folgenden Meilensteinen charakterisieren – 1969 Start ARPANet des US-Verteidigungsministeriums; – 1973 erste internationale Verbindungen (England, Norwegen); – 1980 Aufteilung in einen militärischen und einen wissenschaftlichen Teil; – 1990 Ablösung durch NSFNET (National Science Foundation); – 1992 Kommerzielle Internet-Netzwerke (IBM, Sprint, PSI); – 1994 Rasanter Anstieg regionaler Internet-Provider weltweit; – 1995 WWW (World Wide Web). Im Internet können folgende Dienste genutzt werden (vgl. Kargl 1998, S. 37 f.) (vgl. Abb. 3–42): – Electronic Mail, um Nachrichten nach einem vereinfachten Übertragungsprotokoll auszutauschen (Simple Mail Transfer Protocol – smtp). – Usenet News – FTP (File Transfer Protocol – ftp), um Programme und Dateien zwischen Rechnern zu übertragen. Voraussetzung hierfür ist in der Regel eine Authentifizierung durch Benutzerkennung und Passwort. – Telnet (Telnet Protocol), um interaktiv auf entfernte Rechner (z. B. Online Datenbanken) zuzugreifen. – WWW (World Wide Web, Hyper Text Transfer Protocol). 3.8 Datenübertragung 127 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Internet E-Mail FTP Gopher IRC Usenet Telnet WWW Abb. 3–42: Dienste im Internet Die elektronische Post stellt einen der ältesten und am meisten verbreiteten Internet- Dienste dar. Er ermöglicht das weltweite Versenden von Daten an einen oder mehrere Kommunikationspartner. Aufgrund der Übertragungsdauer im Sekundenbereich ist die elektronische Post ideal für die schnelle Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Benutzern geeignet, wobei diese nicht unbedingt gleichzeitig ihren Rechner benutzen müssen. Die auf E-Mail-Servern gespeicherten E-Mails können jederzeit abgeholt, gelesen und beantwortet werden. Softwaretechnisch bestehen Mail-Anwendungen aus zwei Teilen: Der erste Teil, der für die Zustellung einer Nachricht erforderlich ist, enthält Absender-, Empfänger- und Kopieempfängeradressen sowie gegebenenfalls einen „Betreff“. Der zweite Teil einer E-Mail besteht aus der eigentlichen Nachricht bei der es sich sowohl um einen geschriebenen Text als auch um beliebige Grafik-, Video- oder Audiodaten handeln kann. Für die Verwendung von E-Mails sprechen insbesondere folgende Vorteile (vgl. Beeres 1997, S. 22): – Schnelligkeit: Nachrichten lassen sich weltweit innerhalb weniger Minuten versenden und man kann innerhalb weniger Minuten eine Antwort erhalten. – Niedrige Kosten. – Bequemlichkeit: Die Nutzung ist tageszeitunabhängig, d. h. Nachrichten können rund um die Uhr versandt und empfangen werden. – Hohe Verbreitung: Die meisten Unternehmen haben eine E-Mail-Adresse. – Kein Medienbruch: Die digitalen Informationen können direkt weiterverarbeitet werden. Es ist keine Neuerfassung oder kein Kopieren von Disketten erforderlich. Die genannten Vorteile haben zwischenzeitlich zu einer Überflutung vieler Empfänger mit E-Mails geführt. Durch die niedrigen Übertragungskosten werden auch viele unnötige und Werbe-E-Mails versandt. Dementsprechend kann die Durchsicht und Beantwortung der E-Mails, abhängig vom individuellen E-Mail-Aufkommen sehr zeitintensiv sein. Darüber hinaus ist auf die Sicherheitsaspekte hinzuweisen (siehe Abschnitt 3.9). Die rasante Entwicklung der Nutzerzahlen im Internet verdeutlicht Abb. 3–43. Das Nutzenpotenzial des Internet umfasst: – Verbesserung des Kundenservice, z. B. Information über Auftragsstatus – Verkürzung von Vorlauf- und Bestellzeiten (Reservierung, Aufträge) – Ermöglichung einer effizienteren Zusammenarbeit von Arbeitsteams. Zielte eine öffentliche Internet-Präsenz häufig zunächst auf den privaten Endkunden, so sind in den letzten Jahren zahlreiche Internet-Anwendungen im Geschäftsbereich entstanden. Hier werden unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse mit Internet-Technologien realisiert. Anwendungen speziell für geschlossene Benutzergruppen, bei denen sich die Benutzer mit Name und Passwort identifizieren, werden im öffentlichen Internet verwirklicht. Das Internet entwickelt sich vom öffentlichen Informationsmedium zum Transaktionsmedium für Geschäftspartner. Dieser Anwendungsbereich wird auch als Extranet bezeichnet. Schulte_021.eps 128 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Abb. 3–43: Die Entwicklung des Internet (vgl. Skiera 2003, S. 9) Als Intranet bezeichnet man ein unternehmensinternes Netzwerk, das die Kommunikationsprotokolle des Internet (TCP/IP) und seine Techniken (Webbrowser, Webserver usw.) einsetzt. Im Gegensatz zum Internet ist der Zugang in der Regel auf eine bestimmte Personengruppe (Mitarbeiter des Unternehmens) begrenzt. Ein Intranet kann mit dem Internet verbunden sein. Das ermöglicht die Einwahl von unterwegs befindlichen Mitarbeitern aus dem Internet in das firmeninterne Netz zur Abwicklung von Geschäftsprozessen. Abb. 3–44: Internet, Extranet und Intranet Schulte_023.eps Schulte_024ohne.eps 3.8 Datenübertragung 129 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Abb. 3–44 verdeutlicht zusammenfassend die Anwendungsbereiche von Internet, Extranet und Intranet. 3.8.4 Auswahl von Kommunikationssystemen Angesichts des in den meisten Unternehmen anhaltenden Trends zu einem ständigen Wachstum der Datenmengen und der Schlüsselrolle der Datenkommunikation für eine reibungslose und effiziente Zusammenarbeit in der logistischen Kette weist die Auswahl des wirtschaftlich und funktional richtigen Netzes vielfach strategische Bedeutung auf. Am Anfang jeder Auswahlentscheidung über das optimale Netz sollte eine intensive Kommunikationsanalyse stehen, bei der Datenmengen und -arten, die zeitliche Verteilung und Eilbedürftigkeit der erforderlichen Datenübertragung sowie die geographische Struktur der Sender und Empfänger erhoben werden. Bei der Netzauswahl sind technische, wirtschaftliche und strategische Kriterien zu erfassen und zu bewerten. Wesentliche technische Entscheidungskriterien sind (vgl. Volpert 1994): – Übertragungsgeschwindigkeit als Basis für die Berechnung der Zeitdauer der Übertragung (z. B. dauert die Übertragung einer Datei von 5 Mbyte bei 2400 Bit/s knapp sechs Stunden, bei 64 Kbit/s etwa 13 Minuten und bei 10 Mbit/s nur noch fünf Sekunden). – Übertragungsgüte (da fehlerhafte Datenpakete erneut übertragen werden müssen, hat die Fehlerrate erheblichen Einfluss auf den Datendurchsatz), – Besetztsituation (die insbesondere bei sicherheitskritischen Anwendungen inakzeptabel sind), – Verfügbarkeit, d. h. der zeitliche Umfang, in dem das Netz funktionsfähig ist. – Verbindungsaufbauzeit (diese haben in Wählnetzen erheblichen Einfluss auf die Antwortzeiten der Nutzer), – Netzlaufzeiten der Daten, – Versorgungsgrad (Anzahl der potenziell erreichbaren relevanten Partner), – Datenschutz und -sicherheit, – Interoperabilität (Möglichkeit, auf andere Dienste durchzugreifen, um dessen Nutzer ebenfalls zu erreichen). Bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse geht es in der Regel um eine Kostenvergleichsrechnung. Hierbei wird unterstellt, dass eine Nutzenbewertung nicht durchgeführt wird, da zum einen die Frage, ob überhaupt eine Datenübertragung erfolgen soll, irrelevant ist und zum anderen der Nutzen der zur Auswahl stehenden technischen Alternativen relativ ähnlich ist (letztlich bestimmen die Kunden- und Lieferantenanforderungen und die unternehmensinternen Erfordernisse die Untergrenze der Leistungsfähigkeit des Netzes). Folgende Kosten sind zu berücksichtigen: – Einmalkosten (Anschluss, Schnittstellenanpassung, Schulung von Nutzern und Systembetreuern), – laufende Kosten, wobei einerseits nutzungsunabhängige (fixe) Kosten und andererseits von der Zeitdauer der Nutzung bzw. der übertragenen Datenmenge abhängige Kosten zu unterscheiden sind. – Gegebenenfalls sind auch Kosten zur Weiterverarbeitung der Daten in die Kalkulation einzubeziehen. 130 3 Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 22.11.2012 Zu den strategischen Entscheidungskriterien gehören – die wirtschaftliche Potenz des Netzanbieters, – die Flexibilität des Netzanbieters im Hinblick auf künftige Veränderungen bei den spezifischen Anforderungen, – der Umfang und die Qualität des Service, – die voraussichtliche technologische Entwicklung in der Netztechnologie, – der bereits im Unternehmen vorhandene oder anzustrebende Netzstandard, d. h. die Beschränkung auf möglichst wenige Netztechniken. 3.9 Anwendungssysteme Die für die Logistik relevanten Anwendungssysteme umfassen – Abwicklungssysteme, – Büroinformationssysteme sowie – Planungs- und Entscheidungsunterstützungssysteme. 3.9.1 Abwicklungssysteme 3.9.1.1 Funktionale Abwicklungssysteme Bei funktionalen Abwicklungssystemen handelt es sich um vorstrukturierte EDV-Programme, die der Unterstützung operativer, d. h. administrativer und dispositiver Aufgaben dienen, die aus der Strukturierung nach Funktionen (z. B. Vertrieb, Beschaffung, Fertigung, Rechnungswesen) resultieren. Bei diesen Aufgaben handelt es sich primär um Routineaufgaben, d. h. weitgehend gleichartige, sich häufig wiederholende Geschäftsvorfälle (z. B. Disponieren von Beschaffungsmengen, Zusammenstellen von Versandaufträgen). Zur Darstellung des fachlichen Leistungsprofils derartiger Abwicklungssysteme werden meist Funktionsstrukturen herangezogen. 3.9.1.2 Prozessorientierte Abwicklungssysteme Die in Form von Prozessen auf Basis einer prozessorientierten Unternehmensorganisation durchzuführenden Aufgaben können durch prozessorientierte Abwicklungssysteme unterstützt werden. Eine allgemeingültige „Normierung“ des fachlichen Leistungsprofils prozessorientierter Abwicklungssysteme ist auf Grund der unternehmensspezifischen Ausprägung der Gestaltungsobjekte nicht möglich. Prozessorientierte Abwicklungssysteme müssen deshalb folgende Anforderungen erfüllen (vgl. Kargl 1998, S. 65): – unternehmensindividuelle und problemspezifische Definition der Prozesse entsprechend ihrer Bearbeitungsreihenfolge; – Verfügbarkeit modular konzipierter Software, die die Anforderungen an Integration innerhalb der Prozesse und prozessübergreifend erfüllen kann. Während die Informationssysteme die zur Bearbeitung der Prozesse benötigten Informationen vorhalten, werden durch die Anwendungsmodule unmittelbar die Prozesse bzw. die einzelnen Prozessschritte unterstützt. Aus der festgelegten Abfolge von Prozessschritten lassen sich zum einen die Zuordnung der Module zu den Prozessen und zum anderen die Nutzung der einzelnen Funktionen der Module ableiten.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.