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Torsten Schwarz, Claas Mangliers, 5.1 Einführung in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 77 - 78

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_77

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 65 5 Einkaufskontrakte Rohstoffe von WP/StB Torsten Schwarz und WP Claas Mangliers 5.1 Einführung Die Beschaffung von Rohstoffen zur Sicherstellung der Produktion stellt einen wesentlichen Faktor bei der Herstellung von Gütern dar. In der Praxis erfolgt die Absicherung der Rohstoffversorgung im Wesentlichen durch den Abschluss 5 Einkaufskontrakte Rohstoffe 5.1 Einführung Zusammenfassung Einkaufskontrakte , bei denen beide Vertragsparteien ihre Verpflichtungen noch nicht erfüllt haben, stellen schwebende Beschaffungsgeschäfte dar. Eine bilanzielle Auswirkung ergibt sich sowohl nach HGB als auch nach IFRS – sofern es sich um einen sog. „Own Use Contract “ handelt (vgl. Abschnitt 5.3.1.2) – zunächst nicht. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich aus einem vertraglichen Verpflichtungsüberschuss eine Drohverlustrückstellung ergeben kann. Dabei muss nach HGB die Passivierung einer Rückstellung grundsätzlich erfolgen, wenn der Marktpreis unterhalb des vertraglich festgelegten Preises liegt. Mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) wurde im HGB erstmalig die Möglichkeit der Bildung von Bewertungseinheiten gesetzlich verankert, so dass die Bildung einer Drohverlustrückstellung nicht zwangsläufig zu erfolgen hat. Nach IFRS ergibt sich die Verpflichtung zur Bildung einer Rückstellung nur dann, wenn ein belastender Vertrag („Onerous Contract“) vorliegt. Dieser ist i. d. R. dann gegeben, wenn die Güter, in die die Rohstoffe bei der Produktion einfließen, nicht mindestens zu Herstellungskosten (bis zur Fertigstellung) zuzüglich direkt zurechenbarer Vertriebskosten veräußert werden können. Die bilanzielle Behandlung von Derivaten zur Absicherung von Preis- und Wechselkursänderungen nach HGB ist zunächst wenig komplex. Lediglich der Abschluss einer Kaufoption (Call) hat bilanzielle Auswirkungen, da die an den Vertragspartner gezahlte Optionsprämie mit den Anschaffungskosten gemäß § 253 Abs. 1 HGB zu aktivieren ist. Darüber hinaus ist für einen Verpflichtungsüberschuss bei Derivaten eine Drohverlustrückstellung nach § 249 Abs. 1 HGB zu passivieren. Nach IFRS ist die Behandlung von Sicherungsinstrumenten dagegen differenzierter geregelt. So enthält IAS 39 explizite Regelungen zur Bilanzierung von Sicherungsinstrumenten mit und ohne Hedge Accounting. Wie nach HGB ist auch nach IFRS die gezahlte Optionsprämie mit den Anschaffungskosten in der Bilanz anzusetzen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 66 5 Einkaufskontrakte Rohstoffe66 von Einkaufskontrakten mit Rohstofflieferanten, die über eine Laufzeit von mehreren Jahren ausgestaltet sein können. Darüber hinaus kann sich durch Änderungen der Produktionsplanung ein Mehrbedarf an Rohstoffen ergeben, der zusätzlich oder ergänzend am Kassamarkt eingekauft werden muss. Im Rahmen der operativen Geschäftstätigkeit von mittelständischen Unternehmen kommt auf globalen Beschaffungsmärkten der Absicherung von Risiken aus Marktpreisschwankungen eine besondere Bedeutung zu. Marktpreisschwankungen können z. B. durch volatile Rohstoffpreise und/oder durch Wechselkursschwankungen bei Einkauf von Rohstoffen außerhalb des Euroraumes ausgelöst werden. Die Weitergabe von steigenden Rohstoffpreisen an die Kunden ist mit Ausnahme von z. B. Materialteuerungs- und Legierungszuschlägen bei Stahl gerade in wettbewerbsintensiven Märkten nicht immer möglich. Fehlende Absicherung von Preisen kann daher langfristig den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zur Folge haben. Als Instrumente der Absicherung gegen Marktpreisschwankungen kommen neben dem Abschluss von mittel- bis langfristigen Einkaufskontrakten mit Rohstofflieferanten zu festgelegten Preisen (Abschnitt 5.2) auch klassische Derivate in Form von Termingeschäften, Optionen oder Swaps in Betracht (Abschnitt 5.3). 5.2 Mittel- bis langfristige Einkaufskontrakte In der Praxis werden von Unternehmen der Automobilbranche überwiegend mittel- bis langfristige Einkaufskontrakte mit Rohstofflieferanten abgeschlossen. Diese können sowohl als Rahmenverträge als auch als bindende Einkaufskontrakte ausgestaltet sein. Rahmenverträge sind dadurch gekennzeichnet, dass der Preis über die Vertragslaufzeit fixiert ist, jedoch keine Abnahmeverpflichtungen bestehen. In bindenden Einkaufskontrakten werden die Preise und die Abnahmemengen bereits vertraglich fixiert. Derartige Einkaufskontrakte werden dabei häufig als Abrufaufträge ausgestaltet, so dass die produzierenden Automobilzulieferer die jeweils benötigten Mengen beim Rohstofflieferanten just-in-time abrufen können, um somit die eigenen Lagerkosten zu minimieren. In den folgenden Darstellungen wird ausschließlich auf die bilanzielle Behandlung bindender Einkaufskontrakte eingegangen, da sich bezüglich der bilanziellen Konsequenzen von Rahmenvereinbarungen grundsätzlich keine Besonderheiten ergeben. Die im Zusammenhang mit bindenden mittel- und langfristigen Einkaufskontrakten bestehenden Möglichkeiten zur Bildung von Bewertungseinheiten nach HGB und IFRS und die sich daraus ergebenden bilanziellen Konsequenzen werden im Abschnitt 5.3 dargestellt. 5.2 Mittel- bis langfristige Einkaufskontrakte

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.