Content

Torsten Schwarz, 3.3 Bilanzierung entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 43 - 45

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_43

Bibliographic information
Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 30 3 Forschung und Entwicklung30 Bei Ausübung des Aktivierungswahlrechts gilt es zudem, die Anhangangaben zur Ausschüttungssperre (§ 285 Nr. 28 HGB) sowie zu den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen (§ 285 Nr. 22 HGB) zu beachten. 3.2.4 Steuerliche Besonderheiten In der Steuerbilanz unterliegen selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gemäß § 5 Abs. 2 EStG weiterhin einem Ansatzverbot. Sofern handelsrechtlich von dem Aktivierungswahlrecht Gebrauch gemacht wird, gilt es § 274 HGB bezüglich des Ansatzes latenter Steuern zu beachten. Aufgrund dieser Vorschrift sind ggf. passive latente Steuern zu berücksichtigen, die in der Folge entsprechend dem Abschreibungsverlauf der Vermögensgegenstände erfolgswirksam aufzulösen sind. 3.3 Bilanzierung entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens 3.3.1 Ansatz, Bewertung und Ausweis nach HGB Im Gegensatz zu den selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens besteht im Fall des entgeltlichen Erwerbs immate- 3.3 Bilanzierung entgeltlich erworbener Vermögensgegenstände Behandlung nach IFRS IAS 38.57 sieht – bei Vorliegen der Voraussetzungen – eine Aktivierungspflicht für selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte vor. Die Zugangsbewertung erfolgt mit den direkt zurechenbaren Kosten ab dem Zeitpunkt, zu dem die Aktivierungsvoraussetzungen erstmalig erfüllt sind. Eine Nachaktivierung zuvor im Aufwand erfasster Kosten ist ausgeschlossen (vgl. IAS 38.65). Die Folgebewertung wird im Regelfall nach der Anschaffungskosten- und nicht nach der Neubewertungsmethode erfolgen müssen, da im Regelfall kein aktiver Markt für derartige Vermögenswerte existieren wird (vgl. IAS 38.72). Bei der Anschaffungskostenmethode werden die Anschaffungskosten um planmäßige Abschreibungen über die betriebliche Nutzungsdauer sowie ggf. um Wertminderungsaufwendungen gemäß IAS 36 gemindert. Um den Unterschieden zwischen den Buchwerten nach IFRS und steuerlichen Wertansätzen Rechnung zu tragen, sind passive latente Steuern nach Maßgabe von IAS 12 zu berücksichtigen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 31 3.3 Bilanzierung entgeltlich erworbener Vermögensgegenstände 31 rieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens eine Ansatzpflicht in der Bilanz. Die Zugangsbewertung erfolgt zu Anschaffungskosten gemäß § 255 Abs. 1 HGB. Die Anschaffungskosten umfassen den Anschaffungspreis einschließlich Anschaffungsnebenkosten abzüglich etwaiger Anschaffungspreisminderungen. Der Anschaffungsvorgang endet, sobald der erworbene Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten Zustand versetzt wurde. Im Falle eines Unternehmenserwerbs erfolgt die Zugangsbewertung im Rahmen der Erstkonsolidierung im Konzernabschluss zum beizulegenden Zeitwert bezogen auf den Zeitpunkt, zu dem das erworbene Unternehmen Tochterunternehmen geworden ist. Bezüglich der Folgebewertung nach § 253 Abs. 3 HGB sind keine materiellen Abweichungen zu den selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens zu beachten. Insofern sei auf die Erläuterungen in Abschnitt 3.2.2.2 verwiesen. Der Ausweis entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens erfolgt unter dem Posten „Entgeltlich erworbene Konzessionen …“ (§ 266 Abs. 2 A. I. Nr. 2 HGB). Sofern während der Entstehung für derartige Vermögensgegenstände Anzahlungen geleistet wurden, werden diese unter dem Posten „Geleistete Anzahlungen“ (§ 266 Abs. 2 A. I. Nr. 4 HGB) ausgewiesen. Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens unterliegen nicht der Ausschüttungssperre des § 268 Abs. 8 HGB. Demzufolge sind auch keinerlei diesbezüglichen Angaben im Anhang im Sinne von § 285 Nr. 28 HGB zu machen. Ferner sind hinsichtlich entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens die Angabepflichten gemäß § 285 Nr. 22 HGB unbeachtlich. 3.3.2 Steuerliche Behandlung In der Steuerbilanz besteht für entgeltlich erworbene immaterielle Wirtschaftsgüter eine Ansatzpflicht (§ 5 Abs. 2 EStG). Die Bewertung erfolgt zu fortgeführten Anschaffungskosten, d. h. bei entgeltlich erworbenen abnutzbaren immateriellen Wirtschaftsgütern werden die Anschaffungskosten um lineare Absetzungen für Abnutzungen (AfA) nach § 7 Abs. 1 EStG gemindert. Sofern sich eine voraussichtlich dauernde Wertminderung ergibt, kann zudem ggf. eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert vorgenommen werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Bei späteren Wertaufholungen ist das Wertaufholungsgebot zu beachten. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 32 3 Forschung und Entwicklung32 3.4 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Kundenauftrag 3.4.1 Ansatz Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Kundenauftrag, die nach den in Abschnitt 3.1.1 genannten Kriterien einen eigenständigen Vermögensgegenstand begründen, sind bis zu ihrer Fertigstellung als unfertige Leistungen im Vorratsvermögen ansatzpflichtig. Diese Ansatzpflicht umfasst folgende Vertragsarten: •• entgeltliche Forschung im Kundenauftrag46, •• entgeltliche Entwicklung im Kundenauftrag bei reinen Entwicklungsverträgen und •• entgeltliche Entwicklung im Kundenauftrag bei kombinierten Entwicklungsund Serienlieferverträgen sofern die Entwicklungsleistung einen eigenständigen Vermögensgegenstand begründet (vgl. Abschnitt 3.2.1). Beispiel Ein OEM beauftragt einen Automobilzulieferer, gegen Entgelt nach Konzepten zur Verbesserung der Reichweite bei elektrogetriebenen Fahrzeugen zu forschen. Die Ergebnisse der Forschung werden annahmegemäß nach deren Fertigstellung auf den OEM übertragen. Es handelt sich um entgeltliche Forschung im Kundenauftrag, die – solange und soweit eine Umsatz- und Gewinnrealisierung nicht zulässig ist – als unfertige Leistung im Vorratsvermögen aktivierungspflichtig ist. Abwandlung des Beispiels: Der Automobilzulieferer forscht für den allgemeinen Markt nach Konzepten zur Verbesserung der Reichweite bei elektrogetriebenen Fahrzeugen. Von einem OEM erhält er einen Zuschuss ohne Gegenleistungsverpflichtung zu dieser Forschung. Exklusivität der Forschungsergebnisse gegenüber diesem OEM ist annahmegemäß nicht vorgesehen. 46 Trotz des explitziten Verbots des Einbezugs von Forschungskosten in die Herstellungskosten nach § 255 Abs. 2 Satz  4 HGB sind beauftragte Forschungskosten zu aktivieren. Siehe dazu Günkel/Neubeck in Deloitte (Hrsg.), 4. Aufl., Rz. 75. 3.4 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungs leistungen Praxishinweis Das Aktivierungsverbot von Forschungskosten gilt für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgenstände des Anlagevermögens, nicht hingegen für Auftragsforschung.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.