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Steffen Säuberlich, Ulrike Scharnowski, 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 190 - 206

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_190

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 183 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS von CEFA Steffen Säuberlich und CEFA Ulrike Scharnowski 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS Zusammenfassung Unternehmen, die IFRS anwenden, sind seit dem Geschäftsjahr 2010 verpflichtet, Unternehmenserwerbe unter Berücksichtigung des überarbeiteten IFRS 3 Business Combinations (2008) zu bilanzieren. Der folgende Abschnitt erläutert zunächst, welche Detailregelungen bei der bilanziellen Behandlung von Unternehmenszusammenschlüssen gemäß IFRS 3 (2008) zu berücksichtigen sind. Es werden die Ansatzkriterien für immaterielle Vermögenswerte sowie Eventualschulden erläutert. Außerdem wird die Ableitung des Goodwills beschrieben und mögliche Spezifika der beim Unternehmenserwerb übertragenen Gegenleistungen herausgearbeitet. Hierbei wird insbesondere auf bedingte Gegenleistungen in Form von Earn-out-Zahlungen abgestellt. Des Weiteren wird auf die im Rahmen einer Kaufpreisallokation einschlägigen Bewertungsmethoden für die Ermittlung beizulegender Zeitwerte eingegangen. Hierbei handelt es sich um das marktorientierte (Market Approach), das kapitalwertorientierte (Income Approach) sowie das kostenorientierte Verfahren (Cost Approach). Zusätzlich werden die verschiedenen Ausprägungen des Income Approach – die unmittelbare Cashflow-Prognose, die Mehrgewinnmethode, die Lizenzpreisanalogiemethode und die Residualwertmethode beschrieben. Der zweite Teil des Kapitels befasst sich mit dem Impairmenttest nach IAS 36, wobei vorab der sogenannte „Triggering Event-Approach“ dargestellt wird. Außerdem wird die im Standard abgebildete Übersicht von internen und externen Indikatoren, die Rückschlüsse auf eine mögliche Wertminderung bei Vermögenswerten ein schließ lich des bilanzierten Goodwills zulassen, vorgestellt. Es werden die Wertkonzepte Buchwert (Carrying Amount), erzielbarer Betrag (Recoverable Amount), beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten (Fair Value less Cost to Sell) und Nutzungswert (Value in Use) im Hinblick auf die Ermittlung einer Wertminderung im Zusammenhang erläutert und deren Funktion bei der Bestimmung einer möglichen Wertminderung beschrieben. Der folgende Abschnitt befasst sich mit dem Goodwill-Impairmenttest und der Zuordnung von bei Unternehmenszusammenschlüssen erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerten auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (CGUs) unter Bezug auf IAS 36 und IFRS 8; ein behandelter Teilaspekt betrifft die Abgrenzung der CGUs. Der Artikel schließt mit einem kurzen Abriss zur bilanziellen Behandlung von Wertminderungen. Die Ausführungen in diesem Kapitel werden mit Hilfe von empirischen Daten aus der Automobilindustrie und Praxishinweisen illustriert. Die empirischen Daten wurden von Deloitte anhand der Konzernabschlüsse von 57 europäischen Unternehmen der Automobilbranche des Jahres 2009 erhoben. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 184 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS184 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS Die Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen erfolgt gemäß den Vorschriften des IFRS 3 (2008) sowie unter Berücksichtigung des Standards IAS 38, in dem Ansatz und Bewertung von immateriellen Vermögenswerten geregelt sind. Darüber hinaus sind die deutschen Rechnungslegungs- und Bewertungsrichtlinien des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) RS HFA 16 und IDW S 5 zu beachten. Exkurs IDW S 5 und IDW RS HFA 16 Vom IDW wurde im Jahr 2006 der erste Entwurf eines Bewertungsstandards vorgelegt, der sich mit den Besonderheiten der Bewertung einzelner immaterieller Vermö genswerte befasst. Grundsätzliches zur Thematik war bereits im Jahr 2005 mit der IDW Stellung nahme zur Rechnungslegung „Bewertung bei der Abbildung von Unternehmenserwerben und bei Werthaltigkeitsprüfungen nach IFRS (IDW RS HFA 16)“ geregelt worden. Der RS HFA 16 behandelt insbesondere Fragen zur Bewertung einzelner Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden sowie Gruppen von Vermögenswerten nach IFRS 3, IAS 36 und IAS 38. Neben allgemeinen Grundsätzen zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte konzentrierte sich der IDW S 5 (Stand 12.07.2007) insbesondere auf die Problematik der Markenbewertung. Die überarbeitete Fassung des IDW S 5 (Stand 25.05.2010) wurde um das Kapitel „Besonderheiten bei der Bewertung von kundenorientierten immateriellen Werten“ ergänzt. Die Tatsache, dass ein Quartal später schon eine nächste Ergänzung des Bewertungsleitfadens für den Praktiker, nämlich der „Entwurf einer Fortsetzung von IDW S 5: Grundsätze zur Bewertung immaterieller Werte: Besonderheiten bei der Bewertung von Technologien (Stand: 17.08.2010)“ vorgelegt wurde, verdeutlicht die Bedeutsamkeit des Themas. Der Standard ist nunmehr in der Fassung vom 23.05.2011 gültig. Gemäß IFRS 3 Anhang A ist ein Unternehmenszusammenschluss als eine „Transaktion oder ein anderes Ereignis definiert, durch die/das ein Erwerber die Beherrschung über einen Geschäftsbetrieb oder mehrere Geschäftsbetriebe erhält“. Beherrschung bezeichnet in diesem Kontext „die Möglich keit, die Finanz- und Geschäftspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, um aus dessen Tätigkeiten Nutzen zu ziehen“.351 Als Erwerber wird dasjenige Unternehmen angesehen, das die Beherrschung über das erworbene Unternehmen erlangt.352 Der Erwerbszeitpunkt ist der Zeitpunkt, an dem der Erwerber die Beherrschung über das erworbene Unternehmen erhält.353 Alle Unternehmenszusammenschlüsse, die nicht vom Anwendungsbereich von IFRS 3 ausgeschlossen sind, sind nach IFRS 3.4 anhand der Erwerbsmethode zu bilanzieren. Dies erfordert, dass der Erwerber zum Erwerbszeitpunkt die erworbenen identifizierbaren Vermögenswerte, die übernommenen Schulden und alle nicht beherrschenden Anteile an dem erworbenen Unternehmen getrennt von einem ent ste hen den 351 Vgl. IAS 27.4. 352 Vgl. IFRS 3.7. 353 Vgl. IFRS 3.8. 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 185 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 185 Goodwill oder einem Gewinn aus einem Erwerb unter Marktwert ansetzt und bewertet. Der Erwerb eines Unternehmens ist also dergestalt in der Bilanz des Erwerbers abzubilden, dass trans parent wird, in welcher Höhe der Kaufpreis für welche erworbenen Vermögenswerte und Schulden geflossen ist. Dabei werden regelmäßig – insbesondere im Sachanlagevermögen und bei den erworbe nen immateriellen Vermögenswerten – stille Reserven aufgedeckt. Die Abbildung eines Unterneh menserwerbes im Jahresabschluss ist keineswegs trivial, denn es gilt, komplexe bewertungs- und bilanzierungsrelevante Fragestellungen zu beantworten. Fehler bei der Kaufpreisallokation und dem Goodwill Impairment Test gehörten im Jahr 2010 zu den häufigsten Fehlerfeststellungen durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung im Kontext der Bilanzierung nach IFRS.354 Ein Vermögenswert ist identifizierbar, sobald er entweder separierbar ist oder aus vertraglichen oder anderen gesetzlichen Rechten entsteht.355 Alle identifizierbaren Vermögenswerte und übernommenen Schulden sind gemäß der einschlägigen IFRS zu klassifizieren. Jegliche Einstufungen oder Bestim mungen sollen auf den Vertragsbedingungen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Geschäftspolitik oder den Rechnungslegungsmethoden und anderen zum Erwerbszeitpunkt gül ti gen einschlägigen Bedingungen basieren.356 Nach IFRS 3.18 sind erworbene identifizierbare Vermögenswerte und übernommene Schulden mit wenigen Ausnahmen357 zu ihrem beizulegenden Zeitwert (Fair Value) zum Erwerbszeitpunkt zu be werten. Der beizulegende Zeitwert ist definiert als der „Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern unter marktüblichen Bedingungen ein Vermögenswert getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte“358. Insofern ist bei der Wert ermittlung die Sicht eines hypothetischen Käufers – also eines fremden Dritten – einzunehmen. Motive oder Verwendungsabsichten des tatsächlichen Erwerbers treten demgegenüber in den Hintergrund. Die Ausführungen im IFRS 3.19 beschreiben die Optionen, je Transaktion alle nicht beherrschenden Anteile an dem erworbenen Unternehmen entweder •• zum beizulegenden Zeitwert (auch Full Goodwill Methode genannt) oder •• zum entsprechenden Anteil des identifizierbaren Nettovermögens des erworbenen Unter nehmens zu bewerten. Der Erwerber hat weiterhin mögliche steuerliche Auswirkungen der temporären Differenzen und Ver lustvorträge eines erworbenen Unternehmens, die zum Erwerbszeitpunkt bereits bestehen oder infolge des Erwerbs entstehen, sowie latente Steueransprüche oder -schulden aus den erworbenen Vermö gens werten 354 Siehe Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (Hrsg.), Tätigkeitsbericht 2010, 6–7. 355 Vgl. IFRS 3 Anhang A. 356 Vgl. IFRS 3.15. 357 Vgl. IFRS 3.18–20. 358 Vgl. IFRS 3 Anhang A. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 186 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS186 und übernommenen Schulden gemäß IAS 12 Ertragsteuern anzusetzen und zu bewerten.359 Der Goodwill ist gemäß IFRS 3.32 definiert als der Unterschiedsbetrag aus a) der Summe aus •• dem beizulegenden Zeitwert der übertragenen Gegenleistung, •• dem Betrag der nicht beherrschenden Anteile an dem erworbenen Unternehmen sowie •• dem zum Erwerbszeitpunkt geltenden beizulegenden Zeitwert des zuvor vom Erwerber gehaltenen Eigenkapitalanteils an dem erworbenen Unternehmen bei einem sukzessiven Unternehmenszusammenschluss und b) dem Saldo der zum Erwerbszeitpunkt bestehenden und gemäß IFRS 3 bewerteten Beträge der erworbenen identifizierbaren Vermögenswerte und übernommenen Schulden.360 Ist der resultierende Unterschiedsbetrag negativ, ist ein entsprechender Ertrag zum Erwerbszeitpunkt in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) zu erfassen.361 Empirische Untersuchung Deloitte hat die Konzernabschlüsse von 57 europäischen OEM’s (Original Equipment Manufacturer) and OES’s (Original Equipment Supplier) der Automobilbranche des Jahres 2009 analysiert. 26 Unternehmen aus dieser Grundgesamtheit hatten einen Unternehmens zusammenschluss bilanziell erfasst; hierbei machte der Goodwill durchschnittlich 40  Prozent des Kauf preises (Median) aus. Die bei einem Unternehmenserwerb übertragene Gegenleistung bzw. der gezahlte Kaufpreis umfasst alle Vermögenswerte oder Schulden aus bedingten Gegenleistungen (wie z. B. Earn-outs), die zum beizulegenden Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt zu bewerten sind. Ändert sich der Betrag der über tragenen Gegenleistung aufgrund von Ereignissen nach dem Erwerbszeitpunkt (wie das Erreichen einer Ergebnisgröße), hängt die Behandlung dieser Änderung davon ab, ob es sich um ein Eigen kapitalinstrument, ein Finanzinstrument nach IAS 39 oder sonstige Vermögenswerte handelt. Eine als Eigenkapitalinstrument eingestufte bedingte Gegenleistung ist nicht neu zu bewerten, bei Finanzinstrumenten nach IAS 39 werden Änderungen in der GuV erfasst. Wenn sich der Betrag der be ding ten Gegenleistung aufgrund neuer Informationen bzgl. des zum Anschaffungszeitpunkt ange setzten beizulegenden Zeitwerts ändert (als vielmehr aufgrund eines Ereignisses nach dem Erwerbszeitpunkt), ist die Pflicht einer retrospektiven Neubewertung nach IFRS 3.58 gegeben. Beispiel Wenn im Rahmen eines Unternehmenserwerbs bedingte Gegenleistungen in Form von Earn-out-Zahlungen vereinbart wurden, hängt die bilanzielle 359 Vgl. IFRS 3.24-25. 360 Vgl. IFRS 3.32. 361 Vgl. IFRS 3.34. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 187 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 187 Behandlung von der konkreten Ausgestaltung der Verträge ab: Sowohl die Ausgabe von Aktien oder anderen Vermögenswerten als auch Barzahlungen sind denkbar. Eine als Barzahlung fixierte Earn-out-Regelung erfüllt die Definition einer finanziellen Verbindlichkeit. Diese ist an jedem Bilanzstichtag mit dem beizulegenden Zeitwert neu zu bewerten, wobei hieraus resultierende Änderungen in der GuV zu erfassen sind. Bezüglich der Earn-out-Zahlungen in Aktien sieht der klassische Fall so aus, dass in Abhängigkeit vom Ergebnis des erworbenen Unternehmens die Ausgabe einer fixen Anzahl von Aktien, unabhängig von deren beizulegendem Zeitwert, als bedingte Gegenleistung vereinbart wird. Eine derartige Earn- Out-Vereinbarung erfüllt in der Regel die Definition des Eigenkapitalinstruments. Insofern ist der Fair Value zum Erwerbszeitpunkt zu ermitteln und zu bilanzieren. Ist geregelt, dass in Abhängigkeit vom Unternehmensergebnis die Anzahl der auszugebenden Aktien variiert, handelt es sich um eine finanzielle Verbindlichkeit. In diesem Fall wären die Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes der Verbindlichkeit in der GuV zu erfassen. Bei einem sukzessiven Unternehmenszusammenschluss sind laut IFRS 3.41-42 die erworbenen iden ti fi zierbaren Vermögenswerte, die übernommenen Schulden und alle nicht beherrschenden Anteile an dem erworbenen Unternehmen zum Erwerbszeitpunkt zu bewerten. Anpassungen von bereits zuvor an dem erworbenen Unternehmen gehaltenen Eigenkapitalanteilen sind in der GuV zu erfassen. Das Erlangen der Beherrschung eines Unternehmens verpflichtet demnach zur Neubewertung bereits gehal tener Anteile. Mit dem Unternehmenszusammenschluss verbundene Kosten, die beim Erwerber für die Durch führung des Unternehmenszusammenschlusses entstehen, sind als Aufwand in den Perioden zu bilan zieren, in denen die Leistungen erbracht wurden. Unter solche Kosten fallen Ver mittlerprovisionen, Beratungs-, Anwalts-, Wirtschaftsprüfungs-, Bewertungs- und sonstige Beratungs gebühren, allgemeine Verwaltungskosten einschließlich der Kosten für die Erhaltung einer internen Akquisitionsabteilung. Eine Ausnahme bilden Kosten für die Emission von Schuldtiteln oder Aktien362, die nach IAS 32 und IAS 39 zu erfassen sind. 362 Vgl. IFRS 3.53. Praxishinweis Der oben dargestellte Prozess wird als Kaufpreisallokation oder Purchase Price Allocation (PPA) be zeichnet. Er beginnt mit der detaillierten Analyse der Transaktion einschließlich der Identifikation von Werttreibern. Im Weiteren wird eine Durchsicht der Bilanz des erworbenen Unternehmens vorgenommen, um Neubewertungsbedarf festzustellen. Dieser liegt vor, wenn der Buchwert eines Vermögenswertes oder einer Verbindlichkeit nicht dem beizulegenden Zeitwert entspricht. Im Rahmen von münd lichen oder schriftlichen Befragungen des Managements des erworbenen Unternehmens erfolgt die Identifikation von anzusetzenden Vermögenswerten Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 188 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS188 Die folgende Abbildung zeigt den Ablauf einer Kaufpreisallokation im Überblick. 14.1.1 Ansatz Der nachfolgende Abschnitt konzentriert sich ausschließlich auf immaterielle Vermögenswerte und Eventualverbindlichkeiten. 14.1.1.1 Immaterielle Vermögenswerte Gemäß IAS 38.8 ist ein immaterieller Vermögenswert ein identifizierbarer, nicht monetärer Ver mö genswert ohne physische Substanz. Das Merkmal der Identifizierbarkeit immaterieller Ver mö gens werte ist gemäß IAS 38.12 erfüllt, wenn diese entweder das Kriterium der Separierbarkeit erfüllen oder auf Grundlage vertraglicher Vereinbarungen oder anderen Rechten bestehen. •• Eine Separierbarkeit nach IAS 38.12a liegt regelmäßig dann vor, wenn der Vermögenswert vom Unternehmen getrennt und damit verkauft, transferiert, lizensiert, vermietet oder ge tauscht werden kann. Dies kann einzeln oder in Verbindung mit einem Vertrag, einem anderen Vermögenswert oder einer Schuld erfolgen. und Schulden, die bisher nicht in der Bilanz erfasst sind, z. B. immaterielle Vermögenswerte oder Eventualschulden. Anschließend werden die Methoden festgelegt, die zur Bewertung herangezogen werden sollen. Die Bewertungsergebnisse sollten in einer Gesamtschau auf Plausibilität geprüft werden. Dies bedeutet beispielsweise, dass die angewandten Kapitalkosten und der rechnerisch auf den Goodwill entfallende Zinssatz im Hinblick auf ihr Verhältnis zueinander und unter Berücksichtigung des jeweils abzu bildenden Risikos sachgerecht erscheinen. Ist dies der Fall, werden die ermittelten Fair Values an schließend dem Kaufpreis gegenübergestellt. Abb 21: Ablauf einer Kaufpreisallokation Identifizierung sämtlicher Vermögenswerte einschließlich bislang nicht bilanzierter Vermögenswerte Auswahl der Bewertungsmethode Bestimmung der Fair Values der erworbenen Vermögenswerte und Schulden („Full Fair Value Concept“) Kaufpreisallokation Buchwertbilanz des erworbenen Unternehmens Anlagevermögen Umlaufvermögen Verbindlichkeiten Rückstellungen Eigenkapital Verbindlichkeiten Rückstellungen Eigenkapital latente Steuern „Neubewertungsbilanz“ des erworbenen Unternehmens Anlagevermögen Umlaufvermögen Step-up Step-up immaterielle Vermögenswerte Goodwill Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 189 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 189 •• Beruht ein immaterieller Vermögenswert nach IAS 38.12b auf vertraglichen Vereinbarungen oder anderen rechtlichen Grundlagen, so ist dieser ebenso vom Goodwill als abgrenzbar und somit identifizierbar anzusehen, auch wenn er nicht separierbar ist. Hinzu kommt, dass Verfügungsgewalt über den zufließenden wirtschaftlichen Nutzen bestehen muss und der Zugriff durch Dritte beschränkt werden kann. Ein Nutzenpotential des immateriellen Vermö genswertes - ein weiteres Anforderungskriterium nach IAS 38.17 - wird dabei voraus gesetzt. Ein immaterieller Vermögenswert ist nach IAS 38.21 dann anzusetzen, wenn der erwartete künftige wirt schaftliche Nutzen aus dem Vermögenswert wahrscheinlich dem Unternehmen zufließen wird und die Anschaffungs- und Herstellungskosten des Vermögenswerts verlässlich bewertet werden kön nen. Nach den im IFRS 3 genannten Beispielen (IFRS 3 IE) kommen folgende immaterielle Vermögenswerte bei einer Kauf preisallokation in Betracht: kunden- oder marketingbezogene, technologiebasierte, vertrags basierte und kunstbezogene immaterielle Vermögenswerte, wobei letztere für die Automobilbranche in der Regel nicht einschlägig sind. Empirische Untersuchung Die Analyse der von europäischen Automobilunternehmen im Jahresabschluss 2009 bilanzierten Unternehmenszusammenschlüssen ergibt, dass durchschnittlich 21 Prozent des Kaufpreises (Median) auf die immateriellen Vermögenswerte entfallen. Dieser nicht unerhebliche Anteil macht deutlich, dass immaterielle Vermögensgegenwerte Werttreiber für Akquisitionen in der Automobilbranche darstellen und ihrer Identifikation und Bewertung gebührende Aufmerksamkeit im Rahmen der Bilanzierung ge schenkt werden muss. Insbesondere die Identifikation und Bestimmung der vermögenswertspezifischen Bewertungsparameter erfordert sowohl Branchenkenntnis als auch Bewertungserfahrung. 14.1.1.1.1 Kundenbezogene immaterielle Vermögenswerte Gemäß IDW S 5 (Stand 23.05.2011) ergeben sich kundenbezogene immaterielle Werte aus der Be ziehung eines Unternehmens zu den Abnehmern seiner Produkte und Dienstleistungen. Die Standards IFRS 3 und IDW S 5 führen u. a. folgende kundenbezogene immaterielle Vermögenswerte auf: •• Vertragliche und nicht-vertragliche Kundenbeziehungen •• Auftragsbestand •• Kundenlisten Einschlägige kundenbezogene immaterielle Vermögenswerte bei Automobilherstellern sind beispiels weise vertragliche Beziehungen zu Großkunden, Leasingverträge oder Verträge, die ein Flottenma nagement regeln. Außerdem kommt der Ansatz eines Händlernetzes, insofern es einem fremden Drit ten gehört, in Frage. Bei Automobilzulieferern identifiziert man häufig Distributionsvereinbarungen mit den OEM’s oder sogenannte „Nomination letter“ als ansatzpflichtige immaterielle Vermögenswerte. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 190 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS190 Die Beziehung eines Unternehmens zu seinen Kunden besteht zumeist auf vertraglicher Basis. Dabei liegt eine vertragliche Kundenbeziehung gemäß IFRS 3 selbst dann vor, wenn zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses zwar noch kein Vertrag vorliegt, aufgrund von regelmäßigen Vertrags ab schlüssen in der Vergangenheit mit dem Kunden aber von einer zukünftigen vertraglichen Basis aus zugehen ist. IFRS 3 präzisiert die Charakteristika von vertraglichen Kundenbeziehungen wie folgt: a) das Unternehmen besitzt Informationen über den Kunden und pflegt regelmäßigen Kontakt mit ihm und b) der Kunde hat die Möglichkeit, das Unternehmen direkt zu kontaktieren. Daneben kann sich eine bestehende Kundenbeziehung darin manifestieren, dass der Kunde regelmäßig vom Handelsvertreter des Unternehmens besucht wird.363 Hinsichtlich nichtvertraglicher Kundenbeziehungen wird im IFRS 3 betont, dass das Kriterium der Separierbarkeit darüber Klarheit verschaffen kann, ob ein Vermögenswert anzusetzen ist oder nicht. Wenn es am Markt beobachtbare Transaktionen gibt, die die Veräußerbarkeit ähnlicher Vermögenswerte belegen, ist das Ansatzkriterium erfüllt.364 Es bleibt festzuhalten, dass zwar fast alle Unternehmen vertragliche und nichtvertragliche Kunden beziehungen pflegen, diese aber nicht alle gemäß IFRS 3 bilanzierbar sind. Es herrscht hinsichtlich der Identifizierbarkeit von Kundenbeziehungen in der Literatur365 die grundsätzliche Übereinstimmung, dass mindestens die im Folgenden aufgeführten Punkte erfüllt sein müssen, damit von einer Kundenbeziehung im Sinne der Standards auszugehen ist: •• der Kunde ist eindeutig zu identifizieren, •• eine Umsatzabgrenzung bezogen auf diesen Kunden ist möglich, •• zukünftige Umsätze mit diesem Kunden erscheinen wahrscheinlich und •• der zeitliche Horizont der Zahlungsströme ist abschätzbar. 363 Vgl. IFRS 3 IE 28. 364 Vgl. IFRS 3 IE 31. 365 Vgl. auch IDW S 5, Tz. 81 ff. Praxishinweis Im Rahmen der Bewertung von Kundenbeziehungen ist eine Abschmelzrate zu ermitteln, mit deren Hilfe der Zahlungsstrom, der mit dem erworbenen Kundenstamm zukünftig generiert wird, modelliert werden kann. Die Ermittlung der Abschmelzrate basiert in der Regel auf langfristigen historischen Kundendaten, wobei unter Festsetzung eines Basisjahres die Fluktuation von beispielsweise Groß kunden oder Zulieferern sowohl bezüglich Anzahl als auch Umsatzvolumen analysiert wird. Die er mittelte Abschmelzrate ermöglicht die Ermittlung der Nutzungsdauer der Kundenbeziehung. Ob die Rate zur Modellierung eines linear oder degressiv verlaufenden Cashflows genutzt wird, hängt davon ab, wie sich der Verlust von Kunden in der Praxis vollzieht. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 191 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 191 14.1.1.1.2 Marketingbezogene immaterielle Vermögenswerte Marketingbezogene immaterielle Vermögenswerte werden vorrangig zur Bewerbung oder Unter stützung des Verkaufs von Produkten und Dienstleistungen eingesetzt.366 Der Standard IFRS 3 IE18 führt u. a. folgende marketingbezogene immaterielle Vermögenswerte auf: •• Marken •• Internet Domains •• Wettbewerbsverbote Wie unsere Recherchen zeigen, ist insbesondere die Bilanzierung von Marken im Zusammenhang mit Transaktionen in der Automobilbranche relevant. Hinsichtlich der Definition dieses Vermögenswertes ist es hilfreich, auf die Legaldefinition zurückzugreifen. In § 3 des deutschen Markengesetzes sind Marken definiert als „… alle Zeichen, insbesondere Wörter einschließlich Personennamen, Abbildungen, Buchstaben, Zahlen, Hörzeichen, dreidimensionale Gestaltungen einschließlich der Form einer Ware oder ihrer Verpackung sowie sonstiger Aufmachungen einschließlich Farben und Farbzusammenstellungen …, die geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen zu unterscheiden“367. Im IDW S 5 (Stand 23.05.2011) wird ausgeführt, dass unter einer Marke die differenzierende Kenn zeichnung von Produkten und Dienstleistungen, die aufgrund der Wahrnehmung bei den relevanten Zielgruppen einen besonderen Erfolgsbeitrag für den Inhaber der Marke erwarten lassen, zu verstehen sei. Unter dem Begriff „Marke“ sind Unternehmens-, Produkt- und Dienstleistungsmarken sowie Dachmarken zu subsumieren. Exklusivrechte an Marken können bei regelmäßiger Nutzung durch Registrierung geschützt werden.368 Der IFRS 3 beschreibt Marken insbesondere als Wörter, Namen oder Symbole, die dazu genutzt werden, die Herkunft des Produkts zu verdeutlichen und um es von Produkten anderer Hersteller zu unterscheiden. Außerdem wird im Standard auf die Existenz von Servicemarken, Sammelmarken und Herkunftsmarken hingewiesen.369 Beispiel Ein wichtiger Parameter bei der Bewertung von Vermögenswerten ist die Nutzungsdauer. Deloittes Auswertung von Konzernabschlüssen europäischer OEMs and OESs des Jahres 2009 hat gezeigt, dass für die angesetzten Marken hauptsächlich zeitlich befristete Nutzungsdauern angenommen wurden. Die beo bachtete Spanne liegt hier zwischen 3 und 20 Jahren. Daneben bilanzierten zwei Automobilzulieferer ihre erworbenen Marken unter der Annahme einer unbestimmten Nutzungsdauer. Von einer unbestimmten Nutzungsdauer ist regelmäßig auszugehen, wenn es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Marke ab einem bestimmten Zeitpunkt keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr hat. Ver mö gens werte mit unbestimmter Nutzungsdauer müssen mindestens jährlich auf Wertminderungsbedarf ge testet werden. 366 IDW S 5, Tz. 13. 367 Markengesetz vom 25.10.1994 (BGBL.I S 3082 [1995,156], zuletzt geändert durch Artikel 4. Abs. 19 des Gesetzes vom 17.12.2006 (BGBL. I S. 3171). 368 IDW S 5, Tz. 56. 369 Vgl. IFRS 3, IE 19-21. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 192 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS192 14.1.1.1.3 Technologiebasierte immaterielle Vermögenswerte Der Standard IFRS 3 IE39 führt u. a. folgende technologiebasierte immaterielle Vermögenswerte auf: •• Patentierte und nicht-patentierte Technologien •• Software •• Datenbanken •• Geschäftsgeheimnisse (z. B. geheime Formeln, Prozesse, Rezepturen) In der Praxis der Autobranche begegnen einem häufig Basistechnologien, produktbezogene Tech no lo gien, Prozesstechnologien für den Herstellungsprozess oder Produktionsabläufe, Planungs- und Simu la tionssoftwarelösungen sowie F&E-Projekte. Die letzte Fassung des IDW S 5 (Stand 17.08.2010), die sich mit Technologien befasst, definiert diese wie folgt: „Mit dem Begriff Technologie kann all ge mein die Menge aller zur Verfügung stehenden Kenntnisse und Verfahren bezeichnet werden, die in den Wertschöpfungsprozess von Gütern und Dienstleistungen eingehen. Hierzu zählen technologische Verfahren, Innovationen und technische Erfindungen, Betriebsgeheimnisse, technische Prozesse, Rezepturen, Datensammlungen und Computersoftware.“370 Empirische Untersuchung In den von Deloitte analysierten Jahresabschlüssen europäischer Automobilkonzerne wurden im Jahr 2009 insbesondere die Vermögenswertklassen Patente, Lizenzen, Konzessionen (Nutzungsdauer 1–21 Jah re); Technologien (Nutzungsdauer 5–25 Jahre) sowie Software (Nutzungsdauer 1–12 Jahre) ausge wiesen. 14.1.1.1.4 Vertragsbasierte immaterielle Vermögenswerte Ein Vertrag stellt aus Sicht des Erwerbers einen Vermögenswert bzw. eine Schuld dar, sofern er im Vergleich zu Marktkonditionen vorteilhafte bzw. nachteilige Konditionen aufweist („off-market“). Der Standard IFRS 3 führt u. a. folgende vertragsbasierte immaterielle Vermögenswerte auf, die im Rahmen einer Kaufpreisallokation unter dem oben genannten Aspekt zu analysieren wären: •• Lizenz- und Stillhalteabkommen •• Werbungs-, Konstruktions-, Management- oder Serviceverträge •• Mietverträge •• Baugenehmigungen •• Franchiseverträge •• Betriebs- und Senderechte •• Nutzungsrechte (z. B. Wasser-, Luft-, Bohr-, Gesteinsrechte) •• Dienstleistungsverträge •• Arbeitsverträge, die aus Sicht des Arbeitgebers vorteilhaft sind, da die Vergütung unter den marktüblichen Konditionen liegt 370 IDW S 5, Tz. 109 ff. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 193 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 193 14.1.1.2 Eventualverbindlichkeiten Im Kontext der bilanziellen Behandlung von Unternehmenserwerben sind ebenfalls Eventualverbind lich keiten zu berücksichtigen. Meist geht es hierbei darum, bisher noch nicht bilanzierte Schulden zunächst zu identifizieren. Wenn eine verlässliche Bewertung der Eventualverbindlichkeiten möglich ist, so sind diese anzusetzen und zu bewerten.371 Der Standard IAS 37.10 erläutert Eventualverbind lichkeiten wie folgt: •• eine mögliche Verpflichtung, deren Existenz durch das Eintreten oder Nichteintreten eines oder mehrerer unsicherer künftiger Ereignisse erst noch bestätigt wird, oder •• eine gegenwärtige Verpflichtung, bei der eine Zahlung nicht wahrscheinlich ist oder die Höhe der Verpflichtung nicht ausreichend verlässlich geschätzt werden kann. Im Rahmen der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen nach IFRS 3 ist im Gegensatz zur Bilanzierung nach IFRS 37 die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme unerheblich; d. h. Wahrscheinlichkeitsgrenzen, wie sie im Kontext des IAS 37 zu beachten sind, gelten bei der bilanziellen Abbildung eines Unternehmenserwerbes nicht. In der Praxis kann eine Reihe von Sachverhalten auftreten, die den Ansatz einer Eventualschuld begründen. Im Folgenden werden einige Beispiele genannt: •• Prozessrisiken, •• Gewährleistungsrisiken, •• Haftungsrisiken, •• belastende Verträge, •• Künftige Umweltschutz- und Entsorgungsgebühren, •• offene Steuerverfahren. Es kann vorkommen, dass aufgrund desselben Umstandes der Ansatz sowohl einer Eventualverbindlichkeit als auch der Ansatz einer Rückstellung sachgerecht ist. 371 Vgl. IFRS 3.11 i. V. m. IFRS 3 BC 22-23. Praxishinweis In der Praxis ist es üblich, mit Hilfe von möglichst detaillierten Fragebögen die Existenz oder Nicht existenz von Eventualverbindlichkeiten zu prüfen. Sind zu bilanzierende Eventualschulden dieser Art identifiziert, müssen gemeinsam mit dem erworbenen Unternehmen die Details analysiert werden, um den zukünftigen ökonomischen Nutzen/Schaden zu bestimmen. Dieser kann z. B. aus zwischenzeitlich eingetretenen Marktveränderungen resultieren, die die vertraglich verein bar ten Konditionen aus Sicht des Bewertungsstichtags vorteilhaft oder nachteilig für das bilanzierende Unternehmen erscheinen lassen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 194 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS194 14.1.2 Bewertung Für die Ermittlung beizulegender Zeitwerte einzelner Vermögenswerte im Rahmen einer Kaufpreisallokation kommen grundsätzlich drei Bewertungsverfahren in Frage. Hierbei handelt es sich um das marktorientierte (Market Approach), das kapitalwertorientierte (Income Approach) sowie das kostenorientierte Verfahren (Cost Approach). 14.1.2.1 Marktpreisorientiertes Verfahren Bei Anwendung des marktpreisorientierten Verfahrens ist der auf einem aktiven Markt feststellbare Preis aus aktuellen Transaktionen oder Verkaufsangeboten zu verwenden. Ein aktiver Markt ist gemäß IAS 38.8 ein Markt, der folgende Kriterien kumulativ erfüllt: •• die auf dem Markt gehandelten Produkte sind homogen, •• vertragswillige Käufer und Verkäufer können jederzeit gefunden werden, •• die Preise stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Bei fehlenden Marktpreisen kann unter bestimmten Voraussetzungen mittels der Analogiemethode auf den beobachtbaren Preis für ein Vergleichsobjekt abgestellt werden. Die marktpreisorientierten Methoden sind entsprechend IAS 38.39-41 vorrangig anzuwenden, haben jedoch in der Praxis mangels vorliegender Marktpreise bzw. geeigneter Vergleichsobjekte – mit Ausnahme der Bewertung von Grundstücken im Rahmen der Immobilienbewertung – lediglich eine untergeordnete Bedeutung. 14.1.2.2 Kapitalwertorientiertes Verfahren Dem kapitalwertorientierten Verfahren liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Wert des Bewer tungsobjektes aus dem Barwert der zukünftigen Cashflows zum Bewertungsstichtag ergibt, die dem wirtschaftlichen Eigentümer während der erwarteten wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Vermögens wertes zuflie- ßen. Die Durchführung dieses Verfahrens erfolgt in der Regel in folgenden Schritten: •• Bestimmung der zukünftig durch den Vermögenswert generierten jährlichen Cashflows nach Steuern (i. d. R. Mehr-Jahres-Detailplanung), •• Diskontierung der Cashflows mittels eines risikoadjustierten Kapitalisierungszinssatzes, •• ggf. Ermittlung der ewigen Rente für die Periode nach dem Detailplanungszeitraum, •• ggf. Diskontierung der ewigen Rente auf den Bewertungsstichtag mittels eines risikoadjustierten Kapitalisierungszinssatzes, •• Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts des Vermögenswertes durch Addition der ermittelten Barwerte für den Detailplanungszeitraum und den Zeitraum der ewigen Rente ggf. unter Berücksichtigung eines abschreibungsbedingten Steuervorteils. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 195 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 195 Das den zukünftig generierten Cashflows immanente Risiko kann im Zuge der Wertermittlung gemäß IAS 36.A2 in unterschiedlicher Form berücksichtigt werden. Unter Verwendung des „Tradi tional Approach“ wird das Risiko durch einen Zu- bzw. Abschlag innerhalb des Kapitalisierungszinssatzes berücksichtigt, wohingegen beim „Expected Cash Flow Approach“ mehreren Cashflow-Szenarien Eintrittswahrscheinlichkeiten zugewiesen werden, die dann in einen Erwartungswert überführt werden. Das kapitalwertorientierte Verfahren umfasst die folgenden vier Methoden: •• Unmittelbare Cashflow-Prognose •• Mehrgewinnmethode •• Lizenzpreisanalogiemethode •• Residualwertmethode Bei der Methode der unmittelbaren Cashflow-Prognose werden dem Vermögenswert direkt zure chen bare Cashflows mit dem vermögenswertspezifischen risikoadjustierten Kapitalisierungszinssatz diskontiert. Wesentliche Voraussetzung hierbei ist, dass die den Vermögenswerten direkt zurechen baren Cashflows ermittelbar sind. Die Voraussetzungen zur Anwendung dieses Ansatzes liegen in der Regel nicht vor, so dass die Methode in der Praxis eine nachrangige Rolle spielt. Im Rahmen der Mehrgewinnmethode (Incremental Cash Flow Method) werden die zukünftig erwarteten Cashflows eines Unternehmens einschließlich dem zu bewertenden Vermögenswert mit den entsprechenden Cashflows aus einem fiktiven Vergleichsunternehmen ohne den entsprechenden Vermögenswert verglichen. Dabei wird unterstellt, dass das Vergleichsunternehmen diesen Vermö gens wert entweder nicht besitzt oder vollständig auf dessen Nutzung verzichtet. Die zusätzlichen Cashflows können sich ergeben, falls durch den betreffenden Vermögenswert zusätzliche Ein zah lun gen generiert oder Auszahlungen eingespart werden. Dabei jeweils entstehende zusätzliche Kosten sind ebenfalls zu berücksichtigen. Die Differenz in den Cashflows pro Periode zwischen den beiden Unternehmen zeigt den zusätzlichen Cashflow (Incremental Cash Flow), der auf den zu bewertenden Vermögenswert zurückzuführen ist. Zur Wertermittlung sind diese zusätzlichen Cashflows mit dem vermögenswert-spezifischen Kapitalkostensatz auf den Bewertungsstichtag zu diskontieren. Die An wen dung der Mehrgewinnmethode setzt voraus, dass die zukünftigen Cashflows des fiktiven Ver gleichsunternehmens ohne den zu bewertenden Vermögenswert verlässlich ermittelt werden können. Bei der Methode der Lizenzpreisanalogie (Relief-from-Royalty Method) werden unter Verwendung eines Analogieschlusses die finanziellen Erfolgsbeiträge (Cashflows) eines Vermögenswerts durch Lizenzentgelte approximiert, die dem Eigentümer des Vermögenswerts gegenüber der Alternative der Lizenzierung eines nutzenäquivalenten Vergleichsobjekts erspart bleiben. Dabei wird ermittelt, welche Lizenzzahlungen fiktiv zu entrichten wären, wenn der betreffende Vermögenswert im Eigen tum eines Dritten wäre. Die fiktiven Lizenzzahlungen werden anhand von marktüblichen Lizenzraten für vergleichbare Vermö genswerte abgeleitet (at-arm’s-length). Die ermittelten fiktiven Lizenzzahlungen sind nach Abzug der zu berücksichtigenden Unter neh mens steuern mit dem Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 196 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS196 vermögenswert-spezifischen Kapitalkostensatz auf den Bewertungsstichtag zu dis kon tieren. Diese Methode setzt voraus, dass es vergleichbare Vermögenswerte gibt, die regelmäßig zwischen sachverständigen, vertragswilligen und unabhängigen Geschäftspartnern lizensiert werden. Als marktgerechte Lizenzrate gilt die prozentuale Rate vom Umsatz, unter der ein sachverständiger, williger Lizenzgeber einem sachverständigen und willigen Lizenznehmer ohne äußeren Druck die Nutzung seines Eigentums ermöglicht, wobei für beide Parteien rationale Gründe für den Abschluss dieser Vereinbarung vorliegen. Für die Ableitung der anzusetzenden Lizenzrate kommen grundsätzlich drei Methoden in Betracht: Die (1) die „Market Comparable Royalty Rate Method“, die (2) „Excess Operating Profit Method“ und die (3) „The Return on Asset Method“. Bei der „Market Comparable Royalty Rate Method“ werden die anzusetzenden Lizenzraten auf Basis von Lizenzabkommen abgeleitet, die in der jüngsten Vergangenheit für hinreichend vergleichbare Ver mögenswerte abgeschlossen wurden. Diese Methode ist aufgrund der Marktorientierung des Datenmaterials zu bevorzugen. Bei der „Excess Operating Profit Method“ wird die anzusetzende Lizenzrate auf Basis des mit dem Vermögenswert erwirtschafteten Ertrags abgeleitet. Die grundlegende Annahme der Methode besteht darin, dass der Nutzer des Vermögenswertes einen größeren Ertrag erwirtschaften wird als ein Konkurrent, der nicht über den Vermögenswert verfügen kann. Ferner wird der Mehrertrag umso größer ausfallen, je größer der wirtschaftliche Nutzen aus dem Ver mögenswert ist. Die anzusetzende Lizenzrate wird dabei auf Basis von Analysen von Vergangenheits- und Plandaten mit und ohne Verwendung des Vermögenswertes ermittelt. Typischerweise wird dabei einem Vermögenswert, mit dem ein höherer Ertrag erwirtschaftet werden kann, eine höhere Lizenzrate und einem Vermögenswert, mit dem ein niedrigerer Ertrag erwirtschaftet werden kann, eine niedrigere Lizenzrate zugerechnet. Die Ableitung von Lizenzraten für immaterielle Vermögenswerte mittels der „Return on Asset Method“ erfolgt in einem ersten Schritt durch Abzug der erwarteten Rendite für die materiellen Vermögenswerte von der Rendite des Gesamtunternehmens. Die sich so ergebende Residualgröße ist in einem zweiten Schritt auf die einzelnen immateriellen Vermögenswerte zu verteilen. Grundsätzlich liegt der „Return on Asset Method“ die Annahme zu grunde, dass immaterielle Vermögenswerte selten eigenständig einen wirtschaftlichen Nutzen für das Unternehmen generieren und deshalb der Nutzen vom Zusammenspiel mit anderen Vermögenswerten wie Sachanlagevermögen oder Working Capital abhängig ist. Daraus lässt sich schließen, dass je größer der wirtschaftliche Nutzenzufluss des Unternehmens – ab züglich Kapitalerträge – ist, desto größer ist auch der Beitrag, der aus der Nutzung der imma te riellen Vermögenswerte entsteht. Unter Berücksichtigung der relativen Bedeutung der Vermögenswerte zueinander sowie der Risiken, die im Zusammenhang mit einzelnen Vermögenswerten stehen, ist den einzelnen immateriellen Vermögenswerten eine „Implied Royalty Rate“ zuzuordnen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 197 14.1 Kaufpreisallokation nach IFRS 197 Immaterielle Vermögenswerte generieren Cashflows i. d. R. erst im Verbund mit anderen materiellen bzw. immateriellen Vermögenswerten. Daher liegt häufig nur eine Planung auf Basis von Zahlungs überschüssen für eine Gesamtheit von Vermögenswerten vor. Bei der Residualwertmethode (Multi-Period Excess Earnings Method) wird daher die Annahme getroffen, dass sich nur der zu bewertende Vermögenswert im rechtlichen Eigentum der Gesellschaft befindet. Bei der Ermittlung der relevanten Einzahlungsüberschüsse werden für die unterstützenden Ver mö gens werte, die zur Erzielung dieser Cashflows erforderlich sind, fiktive Nutzungsentgelte (Contributory Asset Charges; „CAC“) berücksichtigt. Dabei wird unterstellt, dass die unterstützenden Ver mö gens werte in dem Umfang, der für die Generierung der Cashflows erforderlich ist, von einem Dritten fiktiv gemietet oder geleast werden. Zur Ableitung dieser fiktiven Nutzungsentgelte sind bezogen auf die unterstützenden Vermögenswerte •• deren Werteverzehr (Return of Asset) und •• eine angemessene Verzinsung auf das gebundene Kapital (Return on Asset) zu berücksichtigen. Es ist sicherzustellen, dass die Berücksichtigung fiktiver Nutzungsentgelte ausschließlich insoweit erfolgt, als diese im Rahmen der Planung noch nicht erfasst wurden. Sowohl bei den Cashflows vor Abzug der fiktiven Nutzungsentgelte als auch bei den fiktiven Nutzungsentgelten selbst sind Unter nehmenssteuern in Abzug zu bringen. Beispiele für unterstützende Vermögenswerte sind das Sachanlagevermögen, das Working Capital, andere immaterielle Vermögenswerte oder der Mitarbeiterstamm. Bei der Bestimmung einer ange mes senen Verzinsung auf das investierte Kapital für die unterstützenden Vermögenswerte sind risikoadäquate Kapitalkosten heranzuziehen. Die verbleibende Überschussgröße nach Unternehmenssteuern und Abzug der fiktiven Nutzungsentgelte ist mit dem vermögenswertspezifischen Kapitalisierungszinssatz auf den Bewertungsstichtag zu diskontieren. Gemäß IFRS 3 B37 ist der beizulegende Zeitwert des Mitarbeiterstamms nicht separat zu aktivieren. Die Bewertung des Mitarbeiterstammes erfolgt mit dem kostenorientierten Verfahren und dient damit zur Ermittlung der fiktiven Nutzungsentgelte für den Mitarbeiterstamm. Die Berechnung basiert auf hypothetischen „Wiederbeschaffungskosten“, d. h. durchschnittliche Recruiting- und Training-Kosten sowie Opportunitätskosten des Produktivitätsverlusts. Praxishinweis Die Residualwertmethode ist grundsätzlich denjenigen immateriellen Vermögenswerten mit dem größten Einfluss auf die Cashflows des Unternehmens vorbehalten, sodass die Vermögenswerte, für die Nutzungsentgelte abzuziehen sind, tatsächlich nur unterstützend sind. Bei mehrfacher Anwendung der Residualwertmethode ist sicherzustellen, dass eine mehrfache Zuordnung derselben Cashflows auf verschiedene Vermögenswerte ausgeschlossen wird. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 198 14 Kaufpreisallokation und Impairment Test nach IFRS198 14.1.2.3 Kostenorientiertes Verfahren Beim kostenorientierten Verfahren wird für die Wertermittlung auf die Kosten der Wiederherstellung bzw. Wiederbeschaffung des zu bewertenden Vermögenswertes abgestellt. Dem Verfahren liegt die Annahme zugrunde, dass ein rational handelnder Investor nicht mehr für einen Vermögenswert bezahlen würde, als dieser bei seiner Wiederherstellung kostet. Abschläge zur Berücksichtigung technischer und funktionaler Veralterung bzw. wirtschaftlicher Einflussfaktoren (z. B. Werteverzehr) sind entsprechend vorzunehmen. Das kostenorientierte Verfahren ist entsprechend IFRS 3 lediglich nachrangig anzuwenden, soweit die beiden zuvor genannten Verfahren nicht in Betracht kommen. Das kostenorientierte Verfahren um fasst die Reproduktionskostenmethode und die Wiederbeschaffungskostenmethode. Bei der An wen dung der Reproduktionskostenmethode wird auf die Kosten abgestellt, die notwendig sind, um ein exak tes Duplikat des Vermögenswerts herzustellen. Bei der Wiederbeschaffungskostenmethode wer den die Kosten für die Herstellung oder Beschaffung eines nutzenäquivalenten Vermögenswerts heran gezogen. Diese Methode findet hauptsächlich im Zuge der Bewertung der sonstigen Sach an lagen (ohne Immobilien) sowie im Rahmen der Rohstoffbewertung Anwendung. 14.1.2.4 Tax Amortisation Benefit (TAB) Gemäß IDW HFA RS 16 und IDW S 5 sowie unter Rückgriff auf vergleichbare Regelungen der US-GAAP gemäß ASC 740 (früher SFAS No. 109) „Income Taxes“ sind auch steuerliche Vorteile („Tax Amortisation Benefit“, „TAB“) zu berücksichtigen, die sich aus der steuerlichen Abschreibung von bewertungsrelevanten Vermögenswerten ergeben. Diese steuerlichen Vorteile ergeben sich aus der Tatsache, dass die Abschreibung auf den bilanzierten Vermögenswert den zu versteuernden Gewinn und damit auch die Steuerlast reduziert. In Marktpreisen und Wiederbeschaffungskosten sind die steuerlichen Abschreibungsvorteile bereits enthalten. Daher ist der TAB nur bei der Anwendung der kapitalwertorientierten Verfahren und bei der Reproduktionskostenmethode anzusetzen. Praxishinweis Bei der Ermittlung des TAB, insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen, sind Kenntnisse hinsichtlich des internationalen Steuerrechts unabdingbar. Sowohl der bewertungsrelevante regionale Unternehmenssteuersatz muss bekannt sein als auch die Nutzungsdauer, die gemäß regionalem Steuer recht für den jeweiligen Vermögenswert anzusetzen ist. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 199 14.2 Impairment Test nach IAS 36 199 14.2 Impairment Test nach IAS 36 Ein Impairment Test/Wertminderungstest ist grundsätzlich für jeden zum Geltungsbereich des IAS 36 gehörenden Vermögenswert obligatorisch, sobald sich interne oder externe Anzeichen einer Wert minderung nach IAS 36.12-17 ergeben (Triggering Event Approach). Es soll damit sichergestellt werden, dass Unternehmen keine überbewerteten Vermögenswerte in der Bilanz ausweisen. Zu jedem Abschlussstichtag ist vom Management einzuschätzen, ob Vermögenswerte wertgemindert sein könn ten. Liegen keine Anhaltspunkte für ein Impairment vor, mindert sich der Bilanzansatz der materiellen oder immateriellen Vermögenswerte in der Regel lediglich um die planmäßige Abschreibung. Betrachtet man immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmter voraussichtlicher Nutzungsdauer, noch nicht zum Gebrauch verfügbare immaterielle Vermögenswerte oder im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen erworbene Geschäfts- oder Firmenwerte, führt am jährlichen Werthaltigkeitstest kein Weg vorbei372; eine planmäßige Abschreibung dieser Vermögenswerte ist gemäß Standard nicht gestattet. Der Zeitpunkt für die Durchführung des Impairment Tests innerhalb der Berichtsperiode ist einheitlich für alle Vermögenswerte frei wählbar; einmal festgelegt, ist er aber stetig beizubehalten. In der Praxis beobachtet man häufig den Bilanzstichtag als Termin für den jährlichen Werthaltigkeitstest, aber auch der Planungsstichtag, der Abschlusstermin des Halbjahres oder des Quartals wird ausgewählt. Die Ergebnisse des Im pair ment Tests sind anhand umfangreicher Konzern-Anhangangaben zu kommunizieren373, sodass sowohl missglückte M&A-Transaktionen als auch die Einflüsse externer Schocks vom Bilanzleser wahr ge nom men werden können. Zum Beispiel war in Folge des überhitzten M&A Marktes in der jüngsten Vergangenheit bei etlichen Unternehmen zu beobachten, dass der Buchwert des bilanzierten deriva ti ven Goodwills den Barwert der entsprechenden zukünftigen Cashflows überstieg – hohe außerplanmäßige Abschrei bungen waren deshalb unvermeidbar. 14.2.1 Hinweise auf Wertminderung Der Standard IAS 36.12-14 präsentiert eine recht detaillierte Übersicht von internen und externen Indikatoren, die Rückschlüsse auf eine mögliche Wertminderung bei Vermögenswerte ein schließ lich des bilanzierten Goodwills zulassen. Exemplarisch seien zusammenfassend folgende Punkte genannt: – Überalterung oder physische Schäden an Vermögenswerten – Nachteilige Entwicklung in Umfang oder Weise der Nutzung eines Vermögenswertes, etwa aufgrund von Stilllegung oder Planungen zur Einstellung oder Restrukturierung des zugehö ri gen Geschäftsbereiches sowie andere Indikatoren, die zur Neueinschätzung der Nutzungs dauer führen; dies um- 372 Vgl. IAS 36.10. 373 Vgl. IAS 36.126-133. 14.2 Impairment Test nach IAS 36

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References

Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.