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Sylvia Heller, 13.4 Ausweis und Übergangsbestimmungen in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 185 - 187

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_185

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 177 13.4 Ausweis und Übergangsbestimmungen 177 von € 1 Mio. und bedingten Mietzahlungen von 2 % des Bruttoumsatzes, d. h. im ersten Jahr € 220.000, zusammensetzen. Auf Grund der Effektivzinsmethode sind die Aufwendungen nach ED L im Vergleich zu den bisherigen Regelungen in den ersten Jahren der Laufzeit des Leasingverhältnisses grundsätzlich höher, dafür aber in den letzten Jahren der Laufzeit geringer. Nach den Diskussionen des IASB nach Veröffentlichung des ED L (ohne variable Leasingzahlungen) ergäbe sich zum 31.  Dezember X1 folgender Buchungssatz: In € Soll Haben Leasingverbindlichkeit (Effektivzinsmethode) 583.490 Zinsaufwand (Effektivzinsmethode) 416.510 Abschreibungsaufwand (linear) 743.767 Zusätzlicher Aufwand 220.000 Liquide Mittel 1.220.000 Nutzungsrechte aus Leasingverhältnissen (Sachanlagevermögen) 743.767 Hiernach ergeben sich im Jahr X1 Aufwendungen von € 1.380.277. Auch ohne Berücksichtigung der umsatzabhängigen Mietzahlungen ergeben sich im Vergleich zu den bisherigen Regelungen des IAS 17 in den ersten Jahren der Laufzeit des Leasingverhältnisses grundsätzlich höhere Aufwendungen. 13.4 Ausweis und Übergangsbestimmungen In der Bilanz hat der Leasingnehmer die Leasingverbindlichkeit separat von anderen finanziellen Verbindlichkeiten auszuweisen. Das Nutzungsrecht ist wie ein materieller Vermögenswert in den Sachanlagen separat von den eigenen Vermögenswerten zu zeigen. Die Aufwendungen aus Abschreibungen und Zinsen sind entweder in der Gesamtergebnisrechnung oder im Anhang separat von den übrigen Aufwendungen aus Abschreibungen und Zinsen auszuweisen. Die Zahlungsströme aus Leasingverhältnissen hat der Leasingnehmer in der Kapitalflussrechnung im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit getrennt von anderen Zahlungsströmen auszuweisen.336 Nach den Diskussionen des IASB nach Veröffentlichung des ED L können die Leasingverbindlichkeit und das Nutzungsrecht entweder in der Bilanz oder im Anhang separat ausgewiesen werden. Die Aufteilung der Leasingzahlungen in Zins- und Tilgungsanteil sind in der Kapitalflussrechnung entsprechend den einschlägigen IFRS auszuweisen. Variable Leasingzahlungen, die nicht in die Berechnung der Leasingverbindlichkeit einbezogen wurden, sowie Zahlungen für kurzfristige Leasingverhältnisse (siehe Abschnitt 13.5.2) sind im operativen Cashflow auszuweisen.337 336 Vgl. ED L, Tz. 25 ff. 337 Vgl. Deloitte (Hrsg.), IFRS Project Insights Leases, 11. 13.4 Ausweis und Übergangsbestimmungen Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 178 13 IFRS Leasing – Nutzungsrechtansatz178 Der Exposure Draft sieht umfassende Anhangangaben für Leasingnehmer vor. Erforderlich sind sowohl quantitative als auch qualitative Angaben, die die Beträge aus Leasingverhältnissen in der Bilanz erläutern. Erforderlich ist zudem eine Beschreibung, wie Leasingverhältnisse die Beträge, den Anfall und die Unsicherheit von künftigen Zahlungsströmen beeinflussen.338 Die Angaben reichen von allgemeinen Beschreibungen der Leasingvereinbarungen mit ihren Konditionen, Optionen sowie Restriktionen bis hin zu einer Überleitung der Eröffnungsbilanzwerte auf die Schlussbilanzwerte für Vermögenswerte und Leasingverbindlichkeiten.339 Nach den Diskussionen des IASB nach Veröffentlichung des ED L ergeben sich sowohl Erweiterungen zu den als auch Streichungen von Anhangangaben, die im ED L vorgesehen waren.340 Leasingnehmer werden sich auf einen erheblich größeren Aufwand zur Erhebung und Darstellung der vielfältigen Angaben zu Leasingverhältnissen einstellen müssen. Die geplanten Regelungen werden auf alle Leasingverhältnisse, deren Laufzeit zum Zeitpunkt des Übergangs auf die neuen Regelungen noch nicht abgelaufen ist, retrospektiv anzuwenden sein.341 Vereinfachend können Leasingnehmer den Barwert der Leasingverbindlichkeit mit dem Grenzfremdkapitalkostensatz zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung der neuen Regelungen ermitteln. Entsprechend ist das Nutzungsrecht – ggf. unter Berücksichtigung von Wertminderungen – zu bewerten. Eine weitere Vereinfachung betrifft nach IAS 17 als Finanzierungsleasing behandelte Leasingverhältnisse: Enthält das Leasingverhältnis keine Optionen, bedingten Leasingzahlungen, Entschädigungsleistungen bei vorzeitiger Kündigung oder Restwertgarantien, dürfen die Buchwerte des Leasingvermögenswertes und der Leasingverbindlichkeit zum Zeitpunkt des Übergangs auf die neuen Regelungen übernommen werden.342 Nach den Diskussionen des IASB nach Veröffentlichung des ED L sollen Leasingnehmer bei Operating Leases nach IAS 17 zwischen einer vollständigen und einer modifizierten retrospektiven Anwendung einheitlich für alle Operating Leases wählen können. Nach der modifizierten retrospektiven Anwendung ist die Leasingverbindlichkeit in Höhe des Barwertes der verbleibenden Leasingzahlungen unter Anwendung des Grenzfremdkapitalkostensatzes des Leasingnehmers für ein Portfolio von Leasingverhältnissen mit ähnlichen Charakteristiken zum Zeitpunkt des Überganges auf den neuen Standard zu ermitteln. Das Nutzungsrecht wird auf Basis des Verhältnisses der Leasingverbindlichkeit zu Beginn des Leasingverhältnisses zu den verbliebenen Leasingzahlungen angesetzt. Jegliche Differenz zwischen so ermittelter Leasingverbindlichkeit und Nutzungsrecht ist direkt im Eigenkapital zu erfassen. Im Falle von Finance Leases nach IAS 17 erfolgen keine Änderungen der Leasingverbindlichkeit und 338 Vgl. ED L, Tz. 70. 339 Vgl. ED L, Tz. 73 ff. 340 Vgl. Deloitte (Hrsg.), IFRS Project Insights Leases, 11. 341 Vgl. ED L, Tz. 88. 342 Vgl. ED L, Tz. 90, 92. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 179 13.5 Besonderheiten 179 des Leasingvermögenswertes. Allerdings ist eine Ausweisänderung entsprechend dem neuen Standard vorzunehmen.343 13.5 Besonderheiten 13.5.1 Kauf und Verkauf Der Exposure Draft sieht vor, dass der geplante Standard nicht auf Käufe und Verkäufe von Vermögenswerten anzuwenden sein wird. Ein Kauf bzw. Verkauf liegt vor, wenn die Kontrolle über den zugrundeliegenden Vermögenswert und alle Chancen und Risiken, abgesehen von vernachlässigbaren Beträgen, auf ein anderes Unternehmen übertragen werden. Dies kann gegeben sein, wenn das Eigentum am zugrundeliegenden Vermögenswert am Ende der Laufzeit des Leasingverhältnisses automatisch übergeht oder der Leasingvertrag eine günstige Kaufoption enthält. Ein Kauf bzw. Verkauf liegt ebenfalls nach Ausübung einer im Leasingvertrag enthaltenen Kaufoption durch den Leasingnehmer vor.344 Der Kauf bzw. Verkauf ist beim Leasingnehmer nach den einschlägigen IFRS zu bilanzieren. Die Abgrenzung von Kauf bzw. Verkauf zu Leasingverhältnissen wird unserer Erwartung nach in der Praxis ermessensbehaftet sein. Nach den Diskussionen des IASB nach Veröffentlichung des ED L ist nicht mehr vorgesehen, dass Käufe und Verkäufe von der Anwendung des geplanten Standards ausgenommen werden. Daher sollen auch Leasingverhältnisse, die beispielsweise eine günstige Kaufoption oder einen automatischen Eigentums- übergang am Ende der Leasingdauer beinhalten, vom zukünftigen Standard erfasst werden.345 Zu Leasingverhältnissen bei Werkzeugen in der Automobilzuliefererindustrie wird auch auf die Ausführungen in Kapitel 4 verwiesen. Diese werden künftig grundsätzlich ebenfalls unter dem neuen Standard daraufhin zu untersuchen sein, ob es sich um ein Leasingverhältnis i. S. d. Standards handelt. 13.5.2 Kurzfristige Leasingverhältnisse Für kurzfristige Leasingverhältnisse, d. h. solche Leasingverhältnisse, die ab Beginn des Leasingverhältnisses unter Berücksichtigung von Verlängerungsoder Neuverhandlungsoptionen eine Laufzeit von maximal zwölf Monaten aufweisen, sieht ED L zu Beginn des Leasingverhältnisses ein Wahlrecht zur Inanspruchnahme von Erleichterungen für Leasingnehmer vor.346 343 Vgl. Deloitte (Hrsg.), IFRS Project Insights Leases, 8. 344 Vgl. ED L, Tz. 8, B10. 345 Vgl. Deloitte (Hrsg.), IFRS Project Insights Leases, 2. 346 Vgl. ED L, Tz. 64, Anhang A. 13.5 Besonderheiten

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.