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Daniel Fischer, 12.1 Anwendungsbereich in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 168 - 169

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_168

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 159 12 Geplante Neuregelung der Umsatzrealisation nach IFRS von Dr. Daniel Fischer 12 Geplante Neuregelung der Umsatzrealisation nach IFRS Zusammenfassung Der IASB und der FASB haben im November 2011 eine überarbeitete Fassung ihres Standardentwurfs „Revenue from Contracts with Customers“ (ED/2011/06) (kurz: Re-ED R) veröffentlicht, der die Ergebnisse des sog. Revenue Recognition Project nach einer ersten Kommentierungsphase widerspiegelt. Mittelfristig soll der geplante Standard vor allem IAS 18 und IAS 11 ablösen. Der IASB fokussiert seine Überlegungen zur neugestalteten Umsatzrealisation auf Leistungsverpflichtungen (performance obligations), wie sie im Rahmen von Kundenverträgen zwischen Unternehmen und Abnehmer vereinbart werden. Konkret soll die Umsatzrealisation an die Erfüllung von Leistungsverpflichtungen geknüpft werden, welche sowohl die Lieferung von Gegenständen als auch die Erbringung sonstiger (Dienst-)Leistungen umfassen kann. Mit Blick auf die vielfach komplexen Vertragswerke, wie sie z. B. zwischen Automobilzulieferern und OEM üblich sind, sieht der IASB einen umfangreichen Identifikationsprozess vor, anhand dessen die Leistungsverpflichtungen als maßgebliche Bilanzierungsobjekte für die Umsatzrealisation zu ermitteln sind. Die Problematik der Mehrkomponentenverträge findet somit ihren unmittelbaren Wiederhall in den angedachten Regelungen. Hierzu gehört auch der Vorschlag, den Gesamtumsatz aus einem Mehrkomponentenvertrag nach Maßgabe der relativen Einzelveräußerungspreise je Leistungsverpflichtung aufzuteilen. Der auf diese Weise einem Bilanzierungsobjekt zugeordnete Umsatz ist in dem Zeitpunkt zu realisieren, in dem das Unternehmen die betreffende Einzelleistung erbracht hat. Als erbracht gilt dabei eine Leistungsverpflichtung frühestens dann, wenn dem Abnehmer die Verfügungsmacht (control) über ein Gut eingeräumt wurde oder dieser den Nutzen aus einer Dienstleistung ziehen kann. Der IASB unterscheidet hierbei explizit zwischen dem Zeitpunkt der Erbringung einer Leistung und dem Stadium der Fakturierbarkeit. Bereits erbrachte, jedoch noch nicht fakturierbare Leistungen sind als sog. Vermögenswerte aus Kundenverträgen zu aktivieren. Sind diese in einem späteren Zeitpunkt aufgrund eines unbedingten Zahlungsanspruchs fakturierbar, muss eine Reklassifizierung als Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erfolgen. Vorleistungen von Kunden mindern die Vermögenswerte aus Kundenverträgen und sind ggf. mit ihrem überschießenden Betrag als Schulden aus Kundenverträgen auszuweisen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 160 12 Geplante Neuregelung der Umsatzrealisation nach IFRS160 12.1 Anwendungsbereich Die Regelungen des Re-ED R sollen sich grundsätzlich auf alle in einem Kundenvertrag enthaltenen Leistungsverpflichtungen erstrecken, die nicht aufgrund ihrer Merkmale in den Anwendungsbereich speziellerer IFRS fallen (Re-ED R 9 i. V. m. Re-ED R 11). So gehen insbesondere die Vorschriften zur Leasingbilanzierung und zur Abbildung von Finanzinstrumenten (z. B. vom OEM angebotene Kaufpreisfinanzierungen) denen des Re-ED R vor. Vom Anwendungsbereich des Re-ED R ausgeschlossen sind zudem unentgeltliche Tauschgeschäfte zum Zweck der effizienten Bereitstellung von Produktionsgütern und Waren, die erst im Anschluss an den Tausch im Rahmen der eigenen Wertschöpfungskette genutzt werden (Re-ED R 9(e)). Die Abgrenzungsentscheidung betreffend die Vertragselemente ist gemäß Re-ED R 11(a) vorrangig anhand der Abgrenzungskriterien der spezielleren Normen zu treffen. Erst wenn solche nicht vorhanden sind, soll eine Disaggregation von Kundenverträgen gemäß der allgemeineren Regelungen des Re-ED R erfolgen. Das IASB betont zudem, dass es sich um Kundenverträge handeln muss (Re-ED R 10). Hiervon seien z. B. Vertragsverhältnisse zu unterscheiden, die sich auf eine gemeinsame Produktentwicklung beziehen und insoweit keine Vertragsbeziehung mit Marktteilnehmern des Endkundenmarkts darstellen. 12.2 Grundlagen des vorgeschlagenen Realisationsprinzips 12.2.1 Identifikation von Kundenverträgen Die vom IASB vorgestellten Regelungen zur Umsatzrealisation orientieren sich in erheblichem Maße an Kundenverträgen. Deshalb ist zuallererst die Frage 12.1 Anwendungsbereich 12.2 Grundlagen des vorgeschlagenen Realisationsprinzips Das so skizzierte Bilanzierungsmodell verlangt mit Blick auf die Detailregelungen umfangreiche Ermessensentscheidungen. Zwar ist eine grundlegende Orientierung an Vertragswerken und somit an objektiv nachvollziehbaren Kriterien intendiert. Diese Ausrichtung soll jedoch ihre Grenzen im wirtschaftlichen Gehalt von Transaktionen finden. Letzterer ist im Hinblick auf die zu identifizierenden Leistungsverpflichtungen vertragsindividuell und ggf. vertragsübergreifend zu beurteilen. Die erforderlichen Ermessensentscheidungen und Schätzungen, wie sie zudem auch regelmäßig im Rahmen der Bewertung der Umsatzerlöse notwendig werden, sind nach außen durch umfangreiche Anhangangaben zu dokumentieren. Ein korrespondierender IFRS ist seitens des IASB für die zweite Hälfte des Jahres 2012 angekündigt; nach derzeitigem Stand ist frühestens von einer erstmaligen Anwendung für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2014 beginnen, auszugehen.

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.