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Jeannette Hahn, Fabian Kinalzik, 11.3 Ausweis in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 165 - 166

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_165

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 155 11.3 Ausweis 155 ermittelten Barwertes ratierlich anzusammeln ist. Ebenso ist wie beim Gleichverteilungsmodell eine Verbindlichkeitsrückstellung für die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Zahlung von Aufstockungsbeträgen auf das reduzierte Arbeitsentgelt in voller Höhe zum Zeitpunkt der Entstehung anzusetzen.307 Die Inanspruchnahme der Rückstellung erfolgt – im Gegensatz zum Gleichverteilungsmodell – in der zweiten Hälfte, also ab Beginn der Freistellungsphase. Rückstellungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr sind gemäß § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB zwingend abzuzinsen. Die Abzinsung erfolgt nach einem der Laufzeit der Rückstellung entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre. Abweichend hiervon dürfen Altersversorgungsverpflichtungen und vergleichbare langfristige fällige (Personal-) Rückstellungen pauschal mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz abgezinst werden, der sich bei einer angenommenen Restlaufzeit von 15 Jahren ergibt. Zwar handelt es sich bei Altersteilzeitrückstellungen zweifelsohne um Personalrückstellungen, die der Altersversorgung dienen, aufgrund der maximalen Laufzeit des TV FlexÜ von sechs Jahren ist die Laufzeit allerdings nicht vergleichbar mit Pensionsverpflichtungen. Es scheint jedoch sachgerecht, eine durchschnittliche Restlaufzeit auf Basis der Tarif-/Betriebsvereinbarung zu schätzen und den von der Bundesbank veröffentlichten Zinssatz für diese geschätzte durchschnittliche Restlaufzeit dann für alle Altersteilzeitverhältnisse zu verwenden, wenn nicht individuell für jeden Mitarbeiter die Restlaufzeit berücksichtigt wird. Der Kreis der Altersteilzeitberechtigten erscheint in vielen Fällen eine geeignete Gruppe i. S. d. IDW RS HFA 30, Rz. 64, zu sein. Ein solches Vorgehen ist nach Ansicht des Berufstands der Wirtschaftsprüfer für sämtliche sachlich abgrenzbare Teilkollektive/Gruppen möglich.308 Der zur Abzinsung anzuwendende Zinssatz wird von der Deutschen Bundesbank ermittelt und monatlich bekannt gegeben. 11.3 Ausweis Bezüglich des Ausweises aus der Verpflichtung zur Altersteilzeit ist grundsätzlich zwischen dem Erfüllungsrückstand und dem Aufstockungsbetrag zu unterscheiden. Der Erfüllungsrückstand kann aufgrund der hohen Konkretisierbarkeit als Verbindlichkeit angesehen werden. Der Aufstockungsbetrag hat hingegen insbesondere wegen der Möglichkeit des Erlöschens infolge von Invalidität oder Tod und der damit verbundenen Unsicherheit hinsichtlich Zeitpunkt und Höhe des Eintritts der Fälligkeit Rückstellungscharakter. Unter dem Gesichtspunkt einer einheitlichen Bilanzierung ist eine Zusammenfassung von Erfüllungsrückständen und Aufstockungsbeträgen unter dem Posten Sonstige 307 Vgl. Kozikowski/Schubert in Beck Bil-Komm § 249, Rz. 100, Stichw. „Altersteilzeit“, IDW RS HFA 3, Tz. 12 i. V. m. Tz. 11. 308 Siehe IDW RS HFA 30, Tz. 57; siehe auch Neubeck in Deloitte (Hrsg.), 4. Aufl., Rz. 489 f. 11.3 Ausweis Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 156 11 Vereinbarung zum flexiblen Übergang in die Rente156 Rückstellungen (§ 266 Abs. 3 B. Nr. 3 HGB) vertretbar. Dies ist eine GoB-konforme, in der Praxis überwiegend angewendete Vorgehensweise.309 Erwartete Erstattungsansprüche der Bundesagentur für Arbeit dürfen von der Rückstellung nicht gekürzt werden, sondern sind, sofern die Ansatzkriterien für einen Vermögensgegenstand erfüllt sind, als sonstige Vermögensgegenstände zu aktivieren. Der aus der Aufzinsung der Rückstellung resultierende Zinsaufwand ist gesondert in der GuV im Posten „Zinsen und ähnliche Aufwendungen“ auszuweisen (§ 277 Abs. 5 Satz  1 HGB). Die Veränderung der Rückstellung aufgrund der jährlich zu erfolgenden Anpassung des Zinssatzes kann in der GuV entweder als Personalaufwand oder als Zinsaufwand gezeigt werden.310 Wird das aus Altersteilzeit entstehende Wertguthaben durch Deckungsvermögen (z. B. Wertpapiere, Termingelder) entsprechend § 8a AltTZG gesichert, so ist das Deckungsvermögen mit der Altersteilzeitverpflichtung gemäß § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB zu verrechnen. Voraussetzung ist, dass das Deckungsvermögen ausschließlich der Erfüllung der Altersteilzeitverpflichtungen dient und dem Zugriff der übrigen Gläubiger des Unternehmens entzogen ist. Liegen diese Voraussetzungen vor, sind auch Aufwendungen und Erträge aus der Aufzinsung der Rückstellung mit den Aufwendungen/Erträgen des Deckungsvermögens zu verrechnen. Im Übrigen ist das Deckungsvermögen zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten. 11.4 Behandlung im Steuerrecht Die Rückstellungen für Aufstockungsbeträge können in der Steuerbilanz nur für Mitarbeiter mit ATZ-Vertrag im Blockmodell gebildet werden. Zudem ist die Rückstellung nicht mit Vertragsabschluss, sondern erst mit Beginn der Freistellungsphase anzusetzen. Eine Rückstellung für den Erfüllungsrückstand ist wie in der Handelsbilanz in dem Wirtschaftsjahr zu berücksichtigen, in dem die Altersteilzeit beginnt, jedoch unter Berücksichtigung der steuerlich abweichenden Bewertung. Für die Bewertung in der Steuerbilanz sind die Wertverhältnisse zum Bilanzstichtag relevant. Damit sind Gehalts- und Kostensteigerungen – anders als in der Handelsbilanz – nicht zu berücksichtigen und lediglich die vertraglich zugesagten Leistungen inklusive der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung in die Berechnung einzubeziehen. Entsprechend § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e EStG ist die Rückstellung mit 5,5 Prozent abzuzinsen. 309 Würde für den Erfüllungsrückstand eine Verbindlichkeit passiviert, ergeben sich Auswirkungen auf die Bewertung, da Verbindlichkeiten insbesondere nicht unter die Abzinsungsvorschrift des § 253 Abs. 2 HGB fallen. 310 Entsprechend IDW RS HFA 30, Tz. 28. 11.4 Behandlung im Steuerrecht

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.