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Dirk Fischer, Holger Reichmann, Guido Neubeck, 1.1 Bedeutung und Struktur der Automobilindustrie in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 15 - 17

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_15

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 1 1 Automobilzulieferindustrie in Deutschland von WP/StB Dirk Fischer, WP/StB Dr. Holger Reichmann und WP/CPA/StB Dr. Guido Neubeck 1.1 Bedeutung und Struktur der Automobilindustrie Die deutsche Automobilindustrie trägt mit einem Umsatz von mehr als € 300 Mrd. wesentlich zur Wertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland bei und erwirtschaftet rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie.1 Dabei nimmt die Automobilindustrie mit einem Exportvolumen von mehr als € 130 Mrd. gleichzeitig eine zentrale Rolle im deutschen Außenhandel ein. Die Bedeutung für den Arbeitsmarkt spiegelt sich in den mehr als 700.000 direkt in der Automobilbranche tätigen Beschäftigten wider. Insgesamt sind in Deutschland über 5 Millionen Arbeitsplätze mit der Automobilindustrie verbunden.2 International nimmt die deutsche Automobilindustrie hinsichtlich ihrer Produktqualität und ihrer Marktstärke ebenfalls eine Spitzenstellung ein. Diese Aussagen gelten nicht nur für die großen Automobilhersteller, sondern auch für die Zulieferunternehmen. Mit einem Fertigungsanteil von bis zu 70 Prozent nehmen sie eine wesentliche Position in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie ein3 und beschäftigen mehr als 280.000 Mitarbeiter.4 1 In 2010 betrug der Gesamtumsatz der deutschen Automobilindustrie 315 Mrd. €; vgl. in VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2011, 18. 2 In 2010 waren rund 714.000 Personen direkt in der Automobilbranche beschäftigt. Die Angabe des Exportvolumens bezieht sich auf das Jahr 2009; vgl. VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2011, 18. 3 Vgl. VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2010, 52. 4 Vgl. VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2011, 42. 1 Automobilzulieferindustrie in Deutschland 1.1 Bedeutung und Struktur der Automobilindustrie Zusammenfassung Die Automobilindustrie ist mit einem Umsatzanteil von 20 Prozent eine der wichtigsten Branchen in Deutschland. Mit einem Fertigungsanteil von bis zu 70 Prozent haben die überwiegend mittelständisch geprägten Automobilzulieferer eine entscheidende Stellung innerhalb der Automobilindustrie. Die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen, mit denen die Automobilzulieferer konfrontiert werden, haben nicht nur Bedeutung für die strategische Ausrichtung der Zulieferer, sondern werfen auch Fragen zur Abbildung in der Rechnungslegung auf. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 2 1 Automobilzulieferindustrie in Deutschland2 Die Struktur der Unternehmen der Automobilindustrie ist durch einen pyramidenförmigen Aufbau gekennzeichnet, der in der folgenden Abbildung dargestellt ist. An der Spitze stehen die wenigen Automobilhersteller (OEM). Dies sind mit Hauptsitz in Deutschland Volkswagen, welche gemessen an dem Fahrzeugabsatz weltweit den dritten Platz nach Toyota und General Motors belegt, sowie Daimler und BMW, welche derzeit zu den weltweit 15 größten OEM gehören. Damit nimmt Deutschland mit einem Pkw-Weltmarktanteil von 20 Prozent die Position des global viertgrößten Fahrzeugherstellers ein.5 Unterhalb dieser Ebene stehen die Modul- bzw. Systemlieferanten, die auch als 1st-Tier-Supplier bezeichnet werden (z. B. Bosch, Schaeffler/Continental, ZF). Grundsätzlich stehen nur diese in einem direkten Kontakt mit den OEM. Sie integrieren und koordinieren die Produktionsprozesse der Baugruppenlieferanten (2nd-Tier-Supplier) und tragen die Verantwortung dafür, dass die komplexen einzelnen Module bzw. Systeme, die vom OEM für das Endprodukt benötigt werden, in der benötigten Menge und Qualität zur richtigen Zeit und am richtigen Ort (just-in-time6/just-in-sequence) bereitgestellt werden. Auf der untersten Ebene der Pyramide stehen die Einzelteillieferanten (3rd-Tier-Supplier), die die mannigfaltigen Basisprodukte, welche für die einzelnen Baugruppen benötigt werden, herstellen. 5 Vgl. VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2010, 33; siehe auch The Economist Intelligence Unit Limited (Hrsg.), Germany: Automotive Report, 1. 6 Vgl. Ebenroth/Strittmatter, BB 1993, 1523. Abb. 1: Struktur der Unternehmen in der Automobilindustrie Modul-/ Systemlieferant (1st-Tier- Supplier) Einzelteilelieferant (3rd-Tier-Supplier) Baugruppenlieferant (2nd-Tier-Supplier) Hersteller (OEM) Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 3 1.2 Herausforderungen 3 Auch nach der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Ende der ersten Dekade des laufenden Jahrhunderts hat sich die bereits zuvor eingesetzte Strukturverschiebung fortgesetzt, in deren Rahmen die Leistungen der Automobilzulieferer zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dies liegt zum einen am Trend zu mehr Elektronik, zur Steigerung der Effizienz und Umweltverträglichkeit, der Sicher heit und des Komforts von Automobilen sowie an der steigenden Anzahl von Modellen bei gleichzeitig kürzeren Automobillebenszyklen. Zum anderen steigt nicht nur der Anteil der Zulieferer am gesamten Automobilwertschöpfungsprozess, vor allem ihr Anteil an der Fahrzeugmodellentwicklung nimmt überproportional zu.7 In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise sehen sich die Automobilzulieferer mit der Notwendigkeit struktureller Veränderungen konfrontiert, welche insbesondere aus den bestehenden Überkapazitäten resultieren. Als Konsequenz wird mit einem Rückgang der Zahl der Zulieferer gerechnet, welcher entweder durch eine Konsolidierung des Marktes oder die Bildung von Kooperationsgemeinschaften realisiert werden wird. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich die 1st-Tier-Supplier breiter positionieren werden, so dass die Pyramidenstruktur der Automobilindustrie insgesamt eine steilere Form annehmen wird.8 1.2 Herausforderungen Bereits vor der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich ein Trend zur Steigerung der Fertigungstiefe bei den Zulieferern abgezeichnet. Dadurch verbleibt nur noch ein geringer Teil der gesamten Wertschöpfung beim Automobilhersteller. Damit einhergehend wird auch immer mehr Know-how und folglich Forschungs- und Entwicklungstätigkeit auf untere Ebenen der Strukturpyramide verschoben. Technologien sind und bleiben gerade für die deutsche Automobilindustrie das zentrale Differenzierungsmerkmal im globalen Wettbewerb. Neben die Herstellung erforderlicher Werkzeuge für die laufende Serienfertigung sowie die Fertigung der Serienteile selbst tritt damit in zuneh mendem Maße die Entwicklung einzelner Werkzeuge und Teile oder kompletter Systeme durch das Zulieferunternehmen. Gleichzeitig stehen die Zulieferer damit aber auch vor der Herausforderung, den wesentlichen Teil der Forschungs- und Entwicklungsleistungen erbringen zu müssen, der erforderlich ist, um dem durch die Krise verschärften globalen Wettbewerbsdruck begegnen zu können. Die F&E-Tätigkeiten werden dabei sowohl von der Nachfrage nach individuellen Premiumfahrzeugen als auch nach umweltfreundlichen und alternativen Antriebstechnologien dominiert. Die zunehmende Individualisierung im Zusammenspiel mit einer steigenden Marktdynamik führen zusätzlich zu immer kürzeren Innovationszyklen. Der daraus erwachsende Entwicklungsdruck spiegelt sich in den auf mittlerweile nahezu € 20 Mrd. gestiegenen F&E-Ausgaben der Automobilindustrie wider.9 7 Vgl. in VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2011, 43. 8 Vgl. o. V. (2010), VDI Nachrichten 2010, 13.8.2010, 18. 9 Vgl. VDA (Hrsg.), Jahresbericht 2011, 18. 1.2 Herausforderungen

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.