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Guido Neubeck, Fabian Kinalzik, 7.3 Ausweis in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 114 - 116

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_114

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 103 7.3 Ausweis 103 gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG anerkannt wird, sofern es den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungs mäßiger Buchführung entspricht. Das strenge Niederstwertprinzip ist weiterhin zu beachten. Daher sind auch die Erzeugnisse in Konsignationslägern in das Verfahren zur Bestimmung des niedrigeren beizulegenden Werts einzubeziehen (z. B. Gängigkeitsverfahren, siehe Kapitel 9). Hierbei ist auch der Zustand der Erzeugnisse, die sich im Konsignationslager befinden, zu berücksichtigen. Bei der Inventur der Erzeugnisse im Konsignationslager ist daher auch deren Zustand festzuhalten. 7.3 Ausweis Solange die vom Automobilzulieferunternehmen hergestellten Vorräte sich im Konsignationslager befinden, sind sie als „Fertige Erzeugnisse“ in dessen Bilanz auszuweisen. Eine Forderung aus Lieferungen und Leistungen gegen den Kunden entsteht erst mit dem erfolgten Gefahrenübergang. Grundsätzlich ist auch das Erfordernis einer Anhangangabe zu nicht in der Bilanz enthaltenen Geschäften gemäß § 285 Nr. 3 HGB zu prüfen. Demnach sind Art und Zweck sowie Risiken und Vorteile von nicht in der Bilanz enthaltenen Geschäften im Anhang anzugeben, soweit dies für die Beurteilung der Finanzlage erforderlich ist. Beispielhaft werden vom IDW hier auch Konsignationslagervereinbarungen aufgeführt.191 Die Angabepflicht erwächst nicht aus den in der Bilanz enthaltenen Vorräten des Konsignationslagers, da diese vom Wortlaut der Vorschrift nicht erfasst sind, sondern resultiert aus der zukunftsgerichteten Konsignationslagervereinbarung, die regelmäßig eine Bereitstellungspflicht noch zu produzierender (und demnach nicht in der Bilanz enthaltender) Vorräte vorsieht. Die Bedeutsamkeit dieses Geschäfts für die Finanzlage ist auf Basis der Auswirkungen auf die stichtagsbezogene Liquidität wie auch auf die zukünftigen Finanzmittelflüsse des Zulieferers zu beurteilen. Beispiel In der Literatur wird folgende Angabe vorgeschlagen: Zum Bilanzstichtag befinden sich im Konsignationslager eines großen Kunden Erzeugnisse im Wert von T€ 200. Monatlich werden Erzeugnisse im Wert von ca. T€  50 aus dem Konsignationslager entnommen. Die Einlagerung neuer Erzeugnisse erfolgt jeweils im April eines Jahres. Für April des kommenden Geschäftsjahres ist ein Zugang im Wert von T€ 600 geplant. Die 191 Vgl. IDW RS HFA 32, Tz. 8. 7.3 Ausweis Behandlung nach IFRS Nach IFRS kann neben der Einzel- und der Durchschnittsbewertung nur eine Bewertung mit dem Fifo-Verfahren erfolgen. LiFo ist nicht zulässig. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 104 7 Konsignationsläger104 Konsignationslagervereinbarung kann jährlich mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden. Der Vorteil des Konsignationslagers liegt darin, dass keine monatlichen Lieferungen an den Kunden erforderlich sind und damit Transportkosten eingespart werden können. Wesentliche Nachteile bestehen auf Grund der vereinbarten Kündigungsmöglichkeiten nicht.192 Die Angabepflicht nach § 285 Nr. 3 HGB ist insbesondere auch dann für den Zulieferer relevant, wenn ein Sublieferant ein bedeutsames Konsignationslager beim Zulieferer enthält, weil die physisch bei ihm lagernden Konsignationslagerbestände des Sublieferanten nicht vom Zulieferer bilanziert werden. Vielfach sind Konsignationslagervereinbarungen jedoch nicht bedeutsam für die Beurteilung der Finanzlage und damit nicht relevant für die Anhangsangabe, weil sie oft wertmäßig nicht erheblich sind, nicht ungewöhnlich in dieser Branche sind und gleichzeitig kurzfristige Lieferungen im Rahmen des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs betreffen.193 Bedeutsam sind sie insbesondere, wenn z. B. sämtliche Lieferungen über Konsignationsläger erfolgen oder die Liquidität des Zulieferers angespannt ist und Lieferverpflichtungen in Zukunft evtl. nicht nachgekommen werden kann. 192 In enger Anlehnung an Petersen/Zwirner/Künkele, BilMoG in Beispielen, 216. 193 Vgl. IDW RS HFA 32, Tz. 10. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 105 8 Gutschriftsverfahren von StB Marcus Sauer und RA Britta Lüger 8 Gutschriftsverfahren Zusammenfassung Das sog. Gutschriftsverfahren , bei dem nicht der Leistende, sondern der Leistungsempfänger eine Rechnung („an sich selbst“) ausstellt, hat in der Automobilbranche eine hohe Bedeutung. Vielfach erstellen die OEM nach Wareneingang und Qualitätskontrolle eine Gutschrift an den Zulieferer aus. Diese Vorgehensweise wird nicht nur dann gewählt, wenn der Zulieferer ein Konsignationslager beim OEM (Kapitel 7) unterhält, sondern auch bei sehr vielen Lieferungen ohne Konsignation. Gleichzeitig stellen auch Automobilzulieferer vermehrt selbst Gutschriften aus, wenn z. B. Sublieferanten Konsignationsläger bei ihnen führen. Beim Vorhandensein von Konsignationslägern ist das Gutschriftsverfahren adäquat, da letztlich nur der jeweilige Leistungsempfänger die Rechnungsgrundlagen anhand der tatsächlich aus dem Konsignationslager entnommenen Waren kennt. Fragegestellungen ergeben sich insbesondere zur in diesem Kapitel dargestellten umsatzsteuerlichen Behandlung der Lieferungen bei Anwendung des Gutschriftsverfahrens. Mit der monatlichen Meldung der im Vormonat entnommenen Waren erstellt der Leistungsempfänger eine Gutschrift an den lieferenden Unternehmer. Sofern dieser der Gutschrift nicht widerspricht, liegt eine wirksame Abrechnung i. S. d. § 14 Abs. 2 Satz 2 UStG vor. Mit der Ausstellung dieser Gutschrift durch den Leistungsempfänger (OEM) entsteht beim Zulieferer (Lieferanten) bei steuerbaren und steuerpflichtigen Lieferungen eine zu bilanzierende Umsatzsteuerverbindlichkeit und spiegelbildlich hierzu beim Leistungsempfänger (OEM) eine zu bilanzierende Forderung „abzugsfähige Vorsteuer“ (zu den formalen Voraussetzungen der Gutschrift bzw. den Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs aus Gutschriften vgl. Ausführungen unter Abschnitt 8.1.2 und 8.1.3). Wie bereits unter Abschnitt 7.1 ausgeführt, verbleibt das zivilrechtliche Eigentum in der Regel beim Automobilzulieferer (Konsignanten). Der zivilrechtliche Eigentumsübergang erfolgt regelmäßig erst mit der Entnahme der Waren durch den OEM. Für die Bilanzierung der in einem Konsignationslager befindlichen Erzeugnisse kommt es jedoch nicht ausschließlich auf das zivilrechtliche Eigentum an. Für die Bilanzierung ist primär das wirtschaftliche Eigentum entscheidend (§ 246 Abs. 1 Satz  2  HGB n. F.). Sofern zivilrechtliches und wirtschaftliches Eigentum voneinander abweichen, hat der wirtschaftliche Eigentümer den Vermögensgegenstand in seiner Bilanz anzusetzen. In den überwiegenden Fällen wird – bei Vorliegen eines Konsignationslagers – das zivilrechtliche als auch das wirt-

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.