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Guido Neubeck, Fabian Kinalzik, 6.3 Ausweis in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dirk Fischer, Guido Neubeck, Holger Reichmann (Ed.)

Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie, page 108 - 110

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3947-2, ISBN online: 978-3-8006-3948-9, https://doi.org/10.15358/9783800639489_108

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Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 97 6.3 Ausweis 97 wurde zusätzlich mit der Produktion von Z-Serienteilen beauftragt, um die Abhängigkeit des OEM zu reduzieren. Im Vertrag zwischen dem OEM und B ist vereinbart, dass B über den Produktlebenszyklus des Automobils 1 Mio. Z-Serienteile ausliefern soll. Es ist zu erwarten, dass genau diese Anzahl von Teilen von B produziert wird. Im Geschäftsjahr 01 werden 220 Tsd. Serienteile produziert. Eine Leistungsabschreibung der das Serienteil produzierenden Anlage ist GoB-konform. Die planmäßige Abschreibung der Sachanlagen beträgt im Geschäftsjahr 01 (220/1000 Tsd. Stück) = 22 Prozent der Anschaffungskosten der Sachanlagen. Oft ist die Leistungsabschreibung jedoch keine praxisrelevante Methode, da die tatsächliche Auslieferungsmenge nur eingeschränkt prognostizierbar ist (z. B. im Beispiel bei Lieferant A). Die Methode bringt neben der Prognoseproblematik der erwarteten Ausbringungsmenge auch praktische Umsetzungsprobleme mit sich, da eine Schnittstelle zwischen Produktionsmengenerfassung und Finanzbuchhaltung erforderlich wird. Zudem ist eine Schnittestelle von der Finanzbuchhaltung zur Betriebsabrechnung wegen der Kalkulation der Herstellungskosten der Vorräte erforderlich, da die Abschreibungen als Gemeinkosten Herstellungskostenbestandteil sind. Wenn jedoch verlässliche Daten zu erwarteten und tatsächlichen Ausbringungsmengen sowie integrierte Schnittstellen zu den aufgeführten Bereichen vorliegen, führt die Leistungsabschreibung zu einer sachgerechten Bilanzierung und einer aussagekräftigen Kostenrechnung. Zudem wird damit vermieden, dass abschreibungsbedingte Leerkosten (Kosten der Unterbeschäftigung) in die Herstellungskosten einbezogen werden. 6.3 Ausweis Die Anwendung des Komponentenansatzes stellt eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode dar, die nach § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB im Anhang anzugeben ist. Wird eine bisher ohne Berücksichtigung des Komponentenansatzes bilanzierte Anlage nun mit der Begründung eines besseren Einblicks in die 6.3 Ausweis Behandlung nach IFRS Im Gegensatz zum HGB sieht IAS 16.61 explizit mindestens einmal jährlich eine Überprüfung der Abschreibungsmethode vor. Bei erheblichen Änderungen in dem erwarteten künftigen wirtschaftlichen Nutzungsverlauf ist eine Änderung der Methode (bzw. Parameter) vorzunehmen. Außerplanmäßige Abschreibungen sind auf Basis von IAS 36 zu beurteilen. Bei einer Klassifizierung der Anlage als „zur Veräußerung gehalten“ ist IFRS 5 zu Grunde zu legen. Die Bewertung erfolgt dann zum niedrigeren Wert aus Buchwert und beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten (IFRS 5.15); planmäßige Abschreibungen sind dann nicht mehr vorzunehmen. Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 98 6 Sachanlagen98 Vermögens-, Finanz- und Ertragslage komponentenweise abgeschrieben, ist dies im Anhang zu begründen und der Einfluss auf die Vermögens-, Finanzund Ertragslage darzustellen (§ 284 Abs. 2 Nr. 3 HGB). Im Anlagengitter sind bei Austausch von Komponenten sowohl ein Abgang als auch ein Zugang (bei den historischen Anschaffungs-/Herstellungskosten und bei den kumulierten Abschreibungen) darzustellen. Auch die verwendeten Abschreibungsmethoden und zu Grunde gelegten Nutzungsdauern sind nach § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB im Anhang anzugeben. Änderungen der Abschreibungsmethoden oder (Rest-)Nutzungsdauern auf Grund von Beschäftigungsschwankungen fallen zudem unter die Angabepflicht nach § 284 Abs. 2 Nr. 3 HGB. Eine Anhangangabe von außerplanmäßigen Abschreibungen auf Vermögensgegenstände des Anlagevermögens bei dauernder Wertminderung (§ 253 Abs. 3 Satz  3 und 4 HGB) ist erforderlich, sofern nicht in der GuV ein gesonderter Ausweis dieser Abschreibungen erfolgt (§ 277 Abs. 3 Satz  1 HGB). Erfolgen außerplanmäßige Abschreibungen im Rahmen einer größeren Restrukturierungsmaßnahme (z. B. Werksschließung) sind die Abschreibungen dem außerordentlichen Aufwand zuzuordnen und im Anhang zu erläutern (§ 277 Abs. 4 Satz 1 und 2 HGB). Vahlen – Deloitte Press – Fischer, Rechnungslegung in der Automobilzulieferindustrie – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 99 7 Konsignationsläger von WP/CPA/StB Dr. Guido Neubeck und Fabian Kinalzik 7.1 Ansatz von in Konsignation gegebenen Vorräten Innerhalb der Logistikkette in der Automobilbranche kommt den Konsignationslagern eine bedeutende Rolle zu. Zulieferunternehmen liefern häufig nicht erst bei konkreten Einzelbestellungen an den Automobilhersteller (OEM), sondern unterhalten bereits vor Ort beim OEM Läger für ihre Zuliefererzeugnisse (Fertigerzeugnisse), die regelmäßig aufgefüllt werden und aus dem der OEM bei Bedarf die gewünschten Entnahmen just-in-time tätigt. Die Modalitäten der Lagerbefüllung, der Lagerführung und der Entnahme unterliegen den jeweils individuell ausgehandelten Rahmen- und ergänzenden Vereinbarungen. Gemeinsames Element der getroffenen Vereinbarungen ist grundsätzlich der Verbleib des zivilrechtlichen Eigentums beim Automobilzulieferer (Konsignanten), durch den oder in dessen Namen das Lager geführt wird (Konsignationslager). Der Eigentumsübergang erfolgt regelmäßig erst mit Entnahme der Vorräte durch den OEM (Konsignatar)183 oder nach Verstreichen einer vorher festgelegten Frist. Zu diesem Zeitpunkt findet auch die Fakturierung der Fertigerzeugnisse statt. Insbesondere in der Automobilindustrie erfolgt statt einer Rechnungsstellung durch den Zulieferer eine Gutschrifterteilung durch den OEM. Für eine detaillierte Darstellung des Gutschriftsverfahrens 183 Teilweise erfolgt der rechtliche Eigentumsübergang erst bei Zahlung („verlängerter Eigentumsvorbehalt“). 7 Konsignationsläger 7.1 Ansatz von in Konsignation gegebenen Vorräten Zusammenfassung Konsignationsläger kommen in der Automobilindustrie häufig vor. Der Bilanzansatz der Vorräte im Konsignationslager erfolgt bei dem Unternehmen, das (wirtschaftlicher) Eigentümer der Vorräte ist. Entscheidend für den Übergang des Eigentums ist der Zeitpunkt des Gefahrenübergangs, der i. d. R. dem Entnahmezeitpunkt der Vorräte aus dem Konsignationslager entspricht. In den nachfolgenden Ausführungen werden Hinweise zur Rechnungslegung für die Konsignationsläger des Automobilzulieferers beim Kunden gegeben. Die Ausführungen gelten entsprechend auch für Konsignationsläger, die Vorlieferanten (z. B. 3rd-Tier, Rohstofflieferant) beim Automobilzulieferer (2nd-Tier) unterhalten.

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Zusammenfassung

Antworten auf Bilanzierungsfragen bei Automobilzulieferunternehmen

Dieses Werk liefert Ihnen einen Überblick über die besonderen Herausforderungen in der Bilanzierung von Geschäftsvorfällen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Dabei bilden die Beantwortung von Fragestellungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung, insbesondere zur handelsbilanziellen Abbildung von Eintrittsgeldern, Forschungs- und Entwicklungskosten, Werkzeugkosten, Verlusten im Auftragsbestand und Gewährleistungsrückstellungen, den Schwerpunkt der Ausführungen. Zudem werden Abweichungen, die sich zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und zum Bilanzsteuerrecht ergeben, dargestellt. Auf Grund der aktuellen Diskussionen zu Standardentwürfen des IASB wurden zudem Beiträge zur zukünftigen Umsatzrealisierung nach IFRS und zur zukünftigen Leasing-Bilanzierung nach IFRS aufgenommen.

Alle Kapitel dieses Buches wurden prozessorientiert, von der Auftragsanbahnung bis zur Auftragsabwicklung, angeordnet. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt. Im Anschluss wird systematisch auf Fragen des Ansatzes, der Bewertung und des Ausweises (einschließlich von Anhangangaben) eingegangen.