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Kapitel 17 Die Furcht vor dem Alleinsein oder „Die Hölle, das sind die Anderen". Warum sind Menschen soziale Wesen? in:

Detlef Fetchenhauer

Psychologie, page 377 - 395

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3713-3, ISBN online: 978-3-8006-3940-3, https://doi.org/10.15358/9783800639403_377

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387 Kapitel 17 Kapitel 17 Die Furcht vor dem Alleinsein oder „Die Hölle, das sind die Anderen“. Warum sind Menschen soziale Wesen? Der Mensch – ein Herdentier Die meisten Menschen können sich ein Leben ohne andere Menschen nicht vorstellen. Wilhelm von Humboldt formulierte dies so: „Im Grunde sind es doch Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben.“ Erich Fromm sieht im Erleben von Gemeinschaft die einzige Möglichkeit, aus der existenziellen Einsamkeit unseres Lebens zu entkommen: „Dieses Bewusstsein seiner selbst als einer eigenständigen Größe, das Gewahrwerden dessen, dass er eine kurze Lebensspanne vor sich hat, dass er ohne seinen Willen geboren wurde und gegen seinen Willen sterben wird …, dass er allein und abgesondert und den Kräften der Natur und der Gesellschaft hilflos ausgeliefert ist – all das macht seine abgesonderte, einsame Existenz zu einem unerträglichen Gefängnis. Er würde dem Wahnsinn verfallen, wenn er sich nicht aus diesem Gefängnis befreien könnte – wenn er nicht in irgendeiner Form seine Hände nach anderen Menschen ausstrecken und sich mit der Welt außerhalb seiner selbst vereinigen könnte.“ (Fromm, 1956, 1998, S. 20). Aber wenn wir auch ohne andere Menschen nicht leben können, so sind doch andere Menschen gleichzeitig auch die Ursache der größten Not und der größten Schmerzen des Menschen. Menschen sind selten so glücklich, wie wenn sie frisch InhaltDer Mensch – ein Herdentier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 The Need to belong . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 388 Ostrazismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 390 Konformität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391 Reziprozität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 394 Soziale Dilemmata . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 396 Die Psychologie des Vertrauens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403 Kurz und gut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404 Studentenfutter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404 Erich Fromm (1900–1980) Deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker und Sozialpsychologe – Fromm (s. auch Kapitel 9) ist wie kaum ein anderer in Deutschland geborener Sozialwissenschaftler weltweit bekannt. Er war Vertreter des Normativen Humanismus, nach dem der Mensch nicht nur physische, sondern auch psychische Grundbedürfnisse hat, die in seiner Existenz wurzeln und von einer Gesellschaft unterdrückt oder gefördert werden können. Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 387 388 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 verliebt sind. Aber sie sind auch selten so unglücklich, wie wenn sie Liebeskummer haben. Der französische Philosoph Jean Paul Sartre formulierte sogar: „Die Hölle, das sind die Anderen.“ (Sartre, 1944, 1986). In diesem Kapitel geht es um die Frage, wie Menschen mit dem Dilemma umgehen, dass sie einerseits einen starken Wunsch nach Selbstaktualisierung und Individualität erleben, andererseits aber auch den Wunsch haben, sich als Teil einer größeren Gemeinschaft zu fühlen. So singen z. B. die Fans des FC Liverpool: „You never walk alone“. Wie stark dieser Wunsch nach Gemeinschaft ist, lässt sich leicht an den Szenen beobachten, die sich beim „Public Viewing“ abspielen, wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft an einer Welt- oder Europameisterschaft teilnimmt. The Need to belong Für Psychoanalytiker wie Erich Fromm oder für einen Existenzphilosophen wie Martin Heidegger ist der Wunsch nach Gemeinschaft der Versuch des Menschen, seinem „Ins Sein Geworfen Sein“ (Heidegger, 1927, 2006) zu entkommen. Wie so oft bietet auch hier die Evolutionspsychologie eine sehr viel profanere und nüchternere Alternativerklärung. Menschen sind soziale Wesen und brauchen die ständige Gesellschaft von Artgenossen, um ihr eigenes Überleben zu sichern bzw. Nachkommen zu produzieren. Dies hat der Mensch mit vielen anderen Tieren gemeinsam, die ebenfalls im Rudel leben. Es gibt aber auch solitär lebende Spezies (wie z. B. Katzen oder viele Spinnenarten), die weitgehend als Einzelgänger existieren und nur zu sehr spezifischen Gelegenheiten (z. B. um sich fortzupflanzen) den Kontakt mit Artgenossen suchen. Da Menschen jedoch – im Vergleich zu Katzen und Spinnen – in Kooperation mit anderen mehr erreichen können als alleine, hatten im Laufe der Evolution solche Individuen mehr Nachfahren, die bereit und fähig waren, enge Beziehungen mit anderen Menschen zu knüpfen. Abbildung 17.1: Wie groß das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist, wird in Deutschland seit einigen Jahren besonders beim Public Viewing von Welt- oder Europameisterschaften im Fußball deutlich. Obwohl Nationalstolz hierzulande lange verpönt war, haben Menschen ein Bedürfnis nach Identifikation mit einer größeren Gruppe. (Quelle: Presseservice Region Stuttgart) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 388 389 Der Mensch – ein Herdentier Kapitel 17 Menschen brauchen ganz sicher auch die Fähigkeit zum Alleinsein, weil sie durch diese Fähigkeit besser in der Lage sind, sich dem Druck einer Gruppe zu widersetzen. Aber Menschen, die kein Bedürfnis nach Gesellschaft haben, kommen weder als Freund (d. h. als Kooperationspartner) noch als Sexualpartner in Frage. Im Kapitel 3 hatten wir diskutiert, dass Gefühle die Funktion haben, uns zu solchen Verhaltensweisen zu motivieren, die geeignet sind, unsere inklusive Fitness zu maximieren. Der Wunsch nach Gemeinschaft ist somit adaptiv und damit auch die Gefühle, die uns motivieren, diesen Wunsch zu realisieren. Hierzu gehört das schöne Gefühl, einen Sonnenuntergang mit einem guten Freund zu erleben oder aber das Erleben von Intimität und Nähe mit einem Sexualpartner. Hierzu gehört aber auch das Gefühl von Einsamkeit und Traurigkeit, wenn wir z. B. als Student in eine fremde Stadt umgezogen sind, weil diese Gefühle uns dazu motivieren, Freunde zu suchen und uns ein soziales Unterstützungsnetzwerk aufzubauen. In einer Studie von Kahneman et al. (2004) sollten Versuchspersonen die vergangenen Tage jeweils in logische Zeitblöcke unterteilen (z. B. „Frühstücken“, „Zur Arbeit fahren“ oder „Ins Kino gehen“) und anschließend angeben, wie glücklich sie sich während dieser Episoden ihres Lebens gefühlt haben. Alle diese Episoden ließen sich danach unterteilen, ob sie alleine oder in der Gesellschaft anderer erlebt wurden. Es zeigte sich, dass Menschen in den Episoden, die sie mit anderen verbrachten, im Schnitt deutlich glücklicher waren als in den Episoden, die sie alleine verbrachten. Doch wie viele Freunde braucht ein Mensch? Kulturvergleichende Studien zeigen, dass die meisten Menschen zwischen vier und sechs wichtige Bezugspersonen in ihrem Leben haben (Baumeister, 2005). Menschen mit weniger engen Kontakten neigen zu Gefühlen von Einsamkeit und Depression, ein größeres Netzwerk führt hingegen oftmals zu Gefühlen von sozialem Stress. Im Bedürfnis Relevanz der Gesellschaft Anderer Abbildung 17.2: Andere Menschen verkomplizieren das Leben zwar manchmal, aber allein sein möchte doch niemand. (© Simon Coste – Fotolia.com) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 389 390 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 nach Intimität und Nähe gibt es allerdings große Unterschiede (wovon manches Paar ein trauriges Lied singen kann). Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Männer eher als Frauen ihr Bedürfnis nach sozialer Nähe und Anerkennung auch über vergleichsweise anonyme Kontakte (wie z. B. die Mitgliedschaft zu bestimmten Berufsverbänden und Organisationen) befriedigen können (Baumeister, 2005). Ostrazismus Der Begriff „Ostrazismus“ stammt aus der Geschichte Athens und bezeichnet den Vorgang, dass einzelne, gegen den Staat opponierende Bürger für eine Periode von zehn Jahren aus dem städtischen Leben ausgeschlossen werden. Im Englischen wird Ostrazismus oftmals als „silent treatment“ tituliert. Wie reagieren Menschen darauf, von anderen missachtet und aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden? Der Psychologe Kipling D. Williams lag einmal in einem Park in Sydney und dachte darüber nach, mit welchem experimentellen Paradigma man genau diese Frage untersuchen kann. Auf einmal flog eine Frisbeescheibe in seine Nähe und aus Höflichkeit warf er sie zu einem der beiden, denen die Frisbeescheibe offensichtlich gehörte. Zu seiner großen Überraschung wurde er in das Spiel der beiden integriert und die Scheibe flog zwischen den drei Spielern hin und her. Nach einer Weile allerdings – und ohne dass er einen besonderen Grund dafür entdecken konnte – ignorierten ihn die beiden anderen und spielten fortan nur noch zu zweit. Williams war über diese Reaktion sehr verärgert, zugleich fühlte er sich zurückgewiesen und verunsichert – und dann erkannte er, dass er soeben das experimentelle Paradigma gefunden hatte, nachdem er so lange suchte. In einer Vielzahl von Studien wurden von Williams Versuchspersonen ins Labor eingeladen, die zusammen mit zwei anderen Versuchspersonen (in Wahrheit Mitarbeiter des Versuchsleiters) darauf warteten, dass das eigentliche Experiment Wirkung des Ausschlusses aus einer Gruppe Abbildung 17.3: Eine Frage des richtigen Maßes: Zu wenige Kontakte und Freundschaften machen unglücklich, doch zuviel kann zu Stress führen. (© Zoe – Fotolia.com) Kipling D. Williams (*1953) US-amerikanischer Sozialpsychologe – Williams forscht zu Gruppenprozessen und sozialem Einfluss. Sein Hauptinteresse gilt dem Ostrazismus, sprich dem Ausschluss aus einer Gruppe und dem dadurch verursachten Schmerz. Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 390 391 Konformität Kapitel 17 beginnt (Williams, 2001). Einer der beiden Mitarbeiter des Versuchsleiters entdeckte daraufhin wie zufällig einen Ball und begann diesen, zwischen sich und den beiden anderen hin und her zu werfen. In einer Kontrollbedingung wurde darauf geachtet, dass die tatsächliche Versuchsperson in ca. einem Drittel der Fälle den Ball zugeworfen bekam. In der Experimentalbedingung hingegen wurden die echten Versuchspersonen nur kurz in das Spiel integriert. Anschließend warfen sich die beiden Mitarbeiter des Versuchsleiters über eine Periode von vier bis fünf Minuten den Ball nur noch gegenseitig zu. Als danach das „eigentliche“ Experiment begann, wurden bei den Versuchspersonen unter einem Vorwand die kognitiven und affektiven Reaktionen gemessen. Über eine Vielzahl von Studien zeigte sich, dass die Versuchspersonen emotional außerordentlich stark auf die beiden Experimentalbedingungen reagierten. Versuchspersonen in der Experimentalgruppe berichteten über ein deutlich niedrigeres Selbstwertgefühl und beschrieben sich selbst als trauriger und verunsicherter als Versuchspersonen in der Kontrollgruppe. Neben diesen affektiven Reaktionen zeigte sich in der Experimentalgruppe auch eine höhere Bereitschaft, bestimmten sozialen Normen zu folgen und sich gegenüber anderen Gruppenmitgliedern möglichst prosozial zu verhalten. Dieses Verhalten kann als Versuch gewertet werden, die bedrohte Gruppenzugehörigkeit durch normenkonformes Verhalten zu retten. Williams weist allerdings darauf hin, dass beim Erleiden von chronischem Ostrazismus die Versuche aufgegeben werden, sich durch besondere Normenkonformität bei den anderen Gruppenmitgliedern beliebt zu machen. Stattdessen kommt es in solchen Fällen auf Dauer zu Aggressionen und Feindseligkeit gegen- über der Gruppe, aus der man ausgeschlossen wurde. Viele Amokläufe an Schulen können auf diesen Mechanismus zurückgeführt werden (Leary et al., 2003). Konformität Da wir große Furcht davor haben, aus einer sozialen Gruppe ausgeschlossen zu werden, ist es nicht überraschend, dass wir uns in unserem Verhalten zumeist am Verhalten anderer Gruppenmitglieder orientieren (siehe auch das folgende Kapitel). Darüber hinaus aber kann Konformität mit bestehenden Normen auch als eine simple und effiziente Heuristik verstanden werden (siehe hierzu auch Kapitel 2). Menschen sparen sich die Kosten aufwändiger Informationsverarbeitung, wenn sie sich am Verhalten anderer orientieren. Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist höchst empfehlenswert, in England auf der linken Seite der Straße zu fahren. Normkonformität als Heuristik Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 391 392 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 Wie alle Heuristiken kann aber auch diese Heuristik uns systematisch in die Irre führen. So argumentiert z. B. die Werbung mit dem Verweis auf die große Zahl „zufriedener Kunden“ eines Produkts, ohne dass diese Kunden tatsächlich existieren müssen. In amerikanischen „Informercials“ wird zumeist mit einer Vielzahl von Modellpersonen operiert, die vor laufender Kamera von den unglaublichen Vorzügen der bepriesenen Fitnessgeräte, Küchenmaschinen oder Messersets schwärmen. Die amerikanische Schuhfirma „Hush Puppies“ stellt seit vielen Jahrzehnten äu- ßerst konventionell aussehende Hausschuhe her. Aufgrund ihres extrem biederen Images stand die Firma 1994 kurz vor dem Konkurs. Gerettet wurde sie durch die Tatsache, dass einige Jugendliche begannen, in den wichtigsten Szene-Clubs Manhattans Hush Puppies als ironisches Accessoire zu tragen. Damit wurde aus den spießigen Hausschuhen über Nacht ein „angesagtes In-Produkt“, deren Verkauf von 30.000 Paar im Jahr 1994 auf über eine Million im Jahr 1996 empor schnellte (eine ähnliche Geschichte ließe sich über die deutsche Schnapsmarke Jägermeister erzählen). Ganz allgemein basiert Mode auf der Tatsache, dass von einigen Meinungsführern (z. B. Modedesignern, Stars und Prominente) Trends definiert werden, denen daraufhin Millionen von Kunden wie die Lemminge folgen. Eine beunruhigende Implikation der Tatsache, dass Menschen sich in ihrem Verhalten an anderen orientieren, besteht in dem so genannten „Bystander Effekt“, der als erstes von Darley & Latané (1968) beschrieben wurde. Wenn Menschen jemanden beobachten, der sich in einer Notlage befindet, etwa wenn jemand bewusstlos auf der Straße liegt oder von einer anderen Person bedroht wird, sind sie oftmals verunsichert und beobachten zunächst, wie andere auf diese Situation reagieren. Hierbei sind sie sich jedoch selten bewusst, dass ihre eigene Untätigkeit wiederum von anderen beobachtet wird. Als eine Folge kommt es in solchen Situationen zu einer Kaskade der Unentschlossenheit, die oftmals dazu führt, dass überhaupt niemand hilft. Viele Studien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlich-Bystander Effekt Abbildung 17.4: Verschmähter Wunsch nach Zugehörigkeit: Amok-Läufer handeln oft aus Rache dafür, dass sie nicht in die Klassengemeinschaft integriert wurden. (Quelle: dpa, Amoklauf in Winnenden) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 392 393 Konformität Kapitel 17 keit, mit der eine Person einem anderen in Not hilft, umso niedriger ist, je mehr potenzielle Helfer es in der Situation gibt. Als ein berühmtes Beispiel für diesen Effekt gilt die Ermordung von Kitty Genovese in New York City, die von ihrem Mörder über mehr als eine halbe Stunde bedrängt und bedroht wurde, ohne dass einer der nachweislich 38 Zeugen dieses Vorgangs die Polizei alarmiert hätte. Aber Konformität kann auch noch auf eine andere Art und Weise tödlich sein. Es lässt sich nämlich beobachten, dass auch potenzielle Selbstmörder sich in ihrem Verhalten an anderen orientieren. Dieses Phänomen ist bereits seit langem bekannt und wird auch als „Werther-Effekt“ bezeichnet. Nachdem Goethe 1774 sein Buch über „Die Leiden des jungen Werther“ veröffentlicht hatte, ließ sich in ganz Europa geradezu eine Welle von Selbstmorden beobachten, bei der unglücklich verliebte junge Männer ihrem literarischen Vorbild in den Tod folgten. Goethe selber hingegen hat nach der Veröffentlichung des Buches noch 58 Jahre gelebt. Auch heute tritt dieser Effekt auf. So steigt die Selbstmordrate vor allem in solchen Gebieten, in denen zuvor über einen bestimmten Selbstmord berichtet wurde (Philips, 1974). Zudem steigt nach Berichten über tödliche Unfälle die Häufigkeit weiterer Unfälle, was als Indiz dafür genommen werden kann, dass einige Selbstmörder ihren Suizid als Unfall tarnen wollen. Ferner lassen sich hohe Übereinstimmungen zwischen dem Alter und dem Geschlecht Werther-Effekt „Entschuldigen Sie, entschuldigen Sie, entschuldigen Sie …“ Abbildung 17.5: Gegen den Strom zu schwimmen ist ungewöhnlich und auffällig. (Quelle: unbekannt) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 393 394 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 eines Vorbilds und dem Alter und dem Geschlecht seiner Nachahmer feststellen (Ciadini, 2007). Als im Herbst 2009 der deutsche Nationaltorhüter Robert Enke Selbstmord beging, ließ sich im Übrigen ein ganz ähnlicher Effekt beobachten (Cadenbach, 2010). Konformität muss nicht immer gleich tödlich enden. Oftmals führt sie auch bloß zu schweren Alkoholvergiftungen wie im Falle des so genannten „Binge Drinking“ (Komasaufen). Dieses besteht darin, dass viele Jugendliche sich – vor allem an Wochenenden – dazu verabreden, Unmengen Alkohol zu konsumieren. Über die Gründe für solche Alkoholexzesse ließe sich vieles sagen, uns soll an dieser Stelle der folgende Aspekt interessieren: Verschiedene Studien zeigen, dass viele Jugendliche nur deshalb daran teilnehmen, weil sie denken, dass den anderen dieses „Komasaufen“ wirklich Spaß mache und nur sie selber die Neben- und Nachwirkungen als unangenehm empfinden (worum es sich hier im Einzelnen handelt, überlasse ich Ihrer Phantasie). Ihnen ist nicht bewusst, dass sie selber von anderen ganz genauso wahrgenommen werden. Reziprozität Wenn Menschen miteinander kooperieren, ist ihr Verhalten oftmals durch die so genannte Reziprozitätsregel geprägt. Diese besagt, dass wir auf den Gefallen einer anderen Person damit zu reagieren haben, dass wir ihr zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls einen Gefallen tun (dies ist der Grund, warum Sie tunlichst zu der Beerdigung von Freunden und Verwandten gehen sollten). Die Wirksamkeit dieser Reziprozitätsnorm lässt sich an den Ergebnissen des folgenden Experiments illustrieren (Regan, 1971). Die Versuchspersonen warteten zusammen mit einer anderen Person auf den Beginn einer Studie. Diese andere Person aber war in Wirklichkeit ein Mitarbeiter des Versuchsleiters (Sie sehen, dass dieser Trick von Sozialpsychologen ziemlich häufig angewandt wird). In Reziprozitätsnorm Abbildung 17.6: Trinken wider Willen: Egal ob das Glas Sekt, das zum Anstoßen sein „muss“, aber viele eigentlich gar nicht mögen, oder Komasaufen mit literweise Alkohol: Manchmal führt das wechselseitige Bemühen um Konformität dazu, dass die Mehrheit der Gruppenmitglieder gegen ihren eigenen Willen handelt. (© Konstantin Sutyagin – Fotolia.com) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 394 395 Reziprozität Kapitel 17 der Experimentalbedingung ging diese andere Person irgendwann aus dem Raum und kam nach zwei Minuten mit zwei Flaschen Cola zurück („ich habe mir eine Cola geholt und habe Dir gleich eine mitgebracht“). In der Kontrollbedingung verließ der Mitarbeiter des Versuchsleiters den Raum und kam nach zwei Minuten zurück, ohne der anderen Versuchsperson etwas mitgebracht zu haben. Nachdem das eigentliche Experiment vorbei war, fragte der Mitarbeiter des Versuchsleiters die Versuchsperson, ob sie Lust hätte, ihm einige Lose für eine Lotterie abzukaufen. Wenn er mehr als seine Konkurrenten verkaufe, habe er die Chance, einen Extrabonus von $ 50 zu erzielen. Tatsächlich kauften die Versuchsperson mehr als doppelt so viele Lose, wenn ihnen zuvor eine Flasche Cola geschenkt worden war. Noch beeindruckender aber war ein anderes Ergebnis dieses Experiments: Im Anschluss an die Studie wurden die Versuchspersonen danach gefragt, wie sympathisch sie die andere Person gefunden hätten. Nicht sehr überraschend zeigte sich, dass die Versuchspersonen umso mehr Lose gekauft hatten, je sympathischer sie den Losverkäufer fanden. Dieser Zusammenhang bestand aber nur in der Kontrollbedingung. In der Experimentalbedingung gab es einen solchen Zusammenhang jedoch nicht – das Gefühl der Verpflichtung führte dazu, dass doppelt so viele Lose gekauft wurden, auch wenn man den Losverkäufer eigentlich sehr unsympathisch fand. Die Bedeutung der Reziprozitätsregel ist kulturuniversal – sie lässt sich in allen menschlichen Kulturen beobachten (Gouldner, 1960). Und selbst das Sozialverhalten von Primaten (wie z. B. von Schimpansen) folgt dieser Regel (de Waal, 2008). Viele Menschen bzw. Institutionen bedienen sich der Reziprozitätsregel oftmals ganz bewusst, um andere durch Geschenke und Gefälligkeiten zu bestimmten Gegenleistungen zu verpflichten (Cialdini, 2007). Hierzu gehören Gratisproben in Supermärkten, die im Kunden ein Gefühl der Verpflichtung hervorrufen, das probierte Produkt auch tatsächlich zu kaufen, ebenso wie Geschenke für Politiker oder sonstige Amtsträger. Als Gegenmaßnahme ist es Beamten in Deutschland verboten, Geschenke entgegenzunehmen, wenn diese Geschenke von Menschen kommen, mit denen sie auch beruflich zu tun haben. Mit einer ähnlichen Problematik sind im Übrigen auch Universitätsprofessoren konfrontiert, wenn diese Gutachten für private Wirtschaftsunternehmen schreiben („Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“). Die Reziprozitätsregel wird auch in folgender Weise strategisch eingesetzt: Jemand bittet eine andere Person um einen Gefallen, den diese ihr abschlägt. Daraufhin erfolgt eine zweite, deutlich kleinere Bitte, der sich die gefragte Person kaum entziehen kann. Warum? Weil sie durch die abgelehnte erste Bitte in der Schuld der anderen Person steht und sich deshalb verpflichtet fühlt, dieser Verbreitung und Verwendung der Reziprozitätsregel Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 395 396 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 nicht noch eine weitere Bitte abzuschlagen (Cialdini, 2007). Die Strategie, das eigene Verhalten als Zugeständnis zu bezeichnen und dadurch Zugeständnisse der Gegenseite einfordern zu können, wird deshalb von vielen professionellen Managern und Verkäufern in Verhandlungen eingesetzt und als „Door in the face“-Technik bezeichnet (Cialdini et al., 1975). Ein schönes literarisches Vorbild, in dem die Reziprozitätsregel überstrapaziert wird, findet sich im Übrigen im Märchen vom Froschkönig. In diesem Märchen fällt der schönen Prinzessin bekanntlich ihr goldener Ball in einen Brunnen, und ein ekliger grüner Frosch bietet sich an, ihr den Ball aus den Brunnen zu holen, wenn sie dafür Tisch und Bett mit ihm teile. Nachdem der Ball aus dem Brunnen geholt ist, eilt die Prinzessin schnell nach Hause, in der Hoffnung, dass der Frosch ihr nicht folgen könne. Tatsächlich aber steht der Frosch wenig später auf der Schwelle des Schlosses und fordert die Einhaltung des ihm gegebenen Versprechens. Als er nach einem langen Mahl später am Abend fordert, in ihrem Bett zu schlafen, wirft die Prinzessin den Frosch vor lauter Wut an die Wand – und aus dem hässlichen Frosch wird ein schöner Prinz. Soziale Dilemmata In vielen Situationen stehen Menschen vor der Wahl, das zu tun, was für sie persönlich am Besten ist oder das zu tun, womit sie einer bestimmten Gruppe von Menschen dienen. In Kapitel 6 hatten wir bereits das Gefangenendilemma diskutiert, bei der eine Person die Wahl hat, entweder zu kooperieren (d. h. den Gruppennutzen zu maximieren) oder aber zu defäktieren (d. h. den eigenen Nutzen zu maximieren). Wenn man einmal darüber nachdenkt, stellt man fest, dass sehr viele Situationen im menschlichen Miteinander durch genau diese Logik gekennzeichnet sind. Dieses Phänomen wird auch als Tragik der Allmende oder als Kollektivgutproblem bezeichnet (Hardin, 1968). Kollektive Güter sind so definiert, dass alle Gruppenmitglieder ein Gut konsumieren können, unabhängig davon, ob sie durch einen eigenen Beitrag zur Erstellung dieses kollektiven Gutes beigetragen haben. Nehmen wir als Beispiel die Qualität unserer Umwelt. Von einer sauberen Luft profitiert jeder, egal ob er zu einer hohen Luftqualität beigetragen hat oder nicht (z. B. unabhängig davon, ob er mit dem Auto oder mit dem Kollektivgutprobleme Abbildung 17.7: Die „Door in the Face“- Technik wendet die Reziprozitätsregel im Sinne gegenseitiger Zugeständnisse geschickt an. Doch immer funktioniert sie nicht. So auch in diesem Comic. (Quelle: Bill Watterson, 1988) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 396 397 Soziale Dilemmata Kapitel 17 Fahrrad zur Arbeit fährt). Das Dilemma bei kollektiven Gütern besteht nun darin, dass sich jeder besser stellt, wenn er sich nicht an ihrer Produktion beteiligt, ganz unabhängig davon, was alle anderen tun. Um im Beispiel zu bleiben: Was gibt es Besseres, als der Einzige zu sein, der morgens über eine leere Autobahn mit dem Auto zur Arbeit fährt und mit seinem eigenen Schadstoffausstoß die Luftqualität nur minimal zu verschlechtern? Weil dies so ist, stehen jeden Morgen hunderttausende Berufspendler im Stau und belasten die Umwelt (warum sie in Deutschland für ein solches Verhalten auch noch steuerlich belohnt werden, ist allerdings eine andere Frage). Mit der gleichen Logik kann erklärt werden, warum Meere leer gefischt werden, Klimaschutzabkommen so schwer durchzusetzen sind, so viele Menschen Steuern hinterziehen oder in den Teeküchen von Universitätsinstituten niemand den Abwasch macht und keine Milch im Kühlschrank ist. Ein Weg zur Lösung von Kollektivgutproblemen besteht darin, durch selektive Anreize diejenigen zu belohnen, die sich an der Produktion eines kollektiven Gutes beteiligen und diejenigen zu bestrafen, die dies nicht tun. Allerdings bedingt die Durchführung solcher selektiver Belohnung bzw. Bestrafung in sich erneut ein Kollektivgutproblem, das nur schwer lösbar ist. Manchmal werden Kollektivgutprobleme auch dadurch gelöst, dass ein Einzelner ein derart hohes Interesse an der Erstellung des kollektiven Gutes hat, dass er bereit ist, die gesamten Kosten auf sich zu nehmen. Von dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson ist dieses Phänomen als „Ausnutzung der Großen durch die Kleinen“ bezeichnet worden (Olson, 1965, 2004). Es erklärt, warum die USA über Jahrzehnte den Löwenanteil der Verteidigungsausgaben der gesamten NATO bezahlt haben oder warum in Teeküchen derjenige Kaffee für alle besorgt, der ohne zehn Tassen Kaffee am Tag nicht arbeitsfähig ist. Experimentelle Ökonomen und Psychologen haben in vielen Laborexperimenten das Verhalten von Menschen beobachtet, wenn diese sich in einem Kollektivgutdilemma befinden. Ein typisches Experiment sieht z. B. wie folgt aus: Vier Personen interagieren miteinander unter der Bedingung vollständiger Anonymität. Jede von ihnen erhält einen bestimmten Geldbetrag, von dem sie einen beliebigen Betrag für sich behalten bzw. in einen gemeinsamen Topf einzahlen kann. Für jede Geldeinheit, die in den gemeinsamen Topf gelangt, wird vom Versuchsleiter eine weitere Geldeinheit hinzugefügt: Wenn von den Versuchspersonen beispielsweise insgesamt zehn Geldeinheiten eingezahlt werden, fügt der Versuchsleiter weitere zehn Geldeinheiten hinzu. Anschließend wird diese Summe unter allen Gruppenmitgliedern gleichmäßig aufgeteilt, und zwar unabhängig davon, wie viel die einzelnen Personen in diesen Topf eingezahlt haben. Lösungsmöglichkeiten für Kollektivgutprobleme „Ausnutzung der Großen durch die Kleinen“ Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 397 398 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 Eine rationale und eigennützige Versuchsperson wird unter diesen Bedingungen nichts in den gemeinsamen Topf zahlen. Ungeachtet dessen zeigte sich in einer Vielzahl von Studien, dass Versuchspersonen ca. 50 % ihrer Ressourcen in den gemeinsamen Topf einzahlen. Wenn die gleichen Versuchspersonen dieses Spiel mehrmals hintereinander spielen, sinkt jedoch die Kooperationsrate von Runde zu Runde, bis sie sich am Ende einem Nullpunkt nähert. Die Ursache hierfür liegt darin, dass sich die kooperativen Versuchspersonen zunehmend durch egoistische Versuchspersonen ausgebeutet fühlen und daraufhin selber nichts mehr zum kollektiven Gut beitragen (Fehr & Gächter, 2002; Fischbacher et al., 2001). In einer vielbeachteten Studie haben die beiden Ökonomen Ernst Fehr und Simon Gächter untersucht, was passiert, wenn kooperative Versuchspersonen die Möglichkeit haben, egoistische Versuchspersonen zu bestrafen (Fehr & Gächter, 2002). Dazu wurde den Versuchspersonen in einer Experimentalbedingung die Möglichkeit gegeben, am Ende einer jeden Runde anderen Versuchspersonen Geldeinheiten abzuziehen, wobei sie die Hinwegnahme von drei Geldeinheiten mit einer eigenen Geldeinheit bezahlen mussten. In der Kontrollbedingung bestand diese Möglichkeit hingegen nicht. Die Ergebnisse dieser Studie sind in der folgenden Grafik zusammengefasst. In Übereinstimmung mit vorherigen Studien zeigte sich, dass die Kooperationsrate in der Kontrollbedingung von Runde zu Runde niedriger wurde. In der Experimentalbedingung hingegen lag die Kooperationsrate bereits in der ersten Runde über der in der Kontrollbedingung und nahm im weiteren Verlauf des Experiments nicht ab, sondern zu. Altruistisches Bestrafen (altruistic punishment) Ernst Fehr (*1956) Österreichischer Wirtschaftswissenschaftler – Fehr ist einer der derzeit bekanntesten empirischen und interdisziplinär arbeiten Wirtschaftswissenschaftler. Forschungsschwerpunkte sind strategische Interaktionen, soziale Normen und Präferenzen sowie die evolutionären Ursprünge des Altruismus. 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 1 2 3 4 5 6 D ur ch sc hn it tl ic he K o o p er at io n (in ei ng ez ah lt en G el d ei nh ei te n) Runde Altruistische Bestrafung & Kooperationsbereitschaft Mit Strafe Ohne Strafe Abbildung 17.8: Altruistische Bestrafung: Zunächst ist sie für den Strafenden kostspielig, doch im Endeffekt hilft sie, denn die Kooperationsrate nimmt zu. (Quelle: Eigene Darstellung; angelehnt an Fehr & Gächter, 2002) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 398 399 Die Psychologie des Vertrauens Kapitel 17 Seine Ursache hatte dieser Effekt in der Bereitschaft vieler Versuchspersonen, das egoistische Verhalten anderer zu bestrafen, obwohl ein solches Bestrafen mit Kosten für den Bestrafenden verbunden war. Fehr und Fischbacher (2003) sprechen hierbei von altruistischem Bestrafen (altruistic punishment). Menschliche Kooperation funktioniert also oftmals dadurch, dass „Free Rider“ (d. h. Personen, die sich an der Kooperation nicht beteiligen) von anderen Gruppenmitgliedern für ein solches Verhalten bestraft werden. Eine Tragik moderner menschlicher Gesellschaften besteht in ihrer Größe und Anonymität. Deshalb ist es in diesen Gesellschaften sehr viel schwieriger als in kleinen, überschaubaren Gruppen, soziale Normen reziproker Kooperation durchzusetzen. Die Psychologie des Vertrauens Auch am Thema des Vertrauens lässt sich illustrieren, dass Menschen nicht immer gut miteinander, aber ganz sicher nicht ohne einander leben können. Vertrauen spielt in vielen Bereichen des menschlichen Lebens eine eminent wichtige Rolle (Bierhoff & Herner, 2007; Dunning & Fetchenhauer, 2010; Petermann, 1996). So sind Freundschaften und romantische Beziehungen ohne das Vertrauen in die Aufrichtigkeit des anderen langfristig nicht möglich: Ein Ehepartner vertraut auf die sexuelle Treue seines Ehepartners, ein Freund vertraut darauf, dass ein Geheimnis, das er seinem besten Freund anvertraut, von diesem nicht weitererzählt wird und auch in Arbeitsbeziehungen besteht oftmals eine wechselseitige Abhängigkeit, die dazu führt, dass Personen sich aufeinander verlassen und Vertrauen entgegen bringen müssen: ein Kunde verlässt sich auf die pünktliche Lieferung eines dringend benötigten Produktes, ein Chef vertraut darauf, dass der Angestellte Daten für ihn korrekt zusammen stellt. Doch gleichzeitig kann blindes, naives Vertrauen auch erheblichen Schaden anrichten. So werden nicht wenige Rentner von Betrügern beraubt und perfekt organisierte Kreditkartendiebe erschleichen sich erst die Informationen und anschließend das Geld. Wann sollte man Menschen also vertrauen, und wann nicht? Diese Frage wird von unterschiedlichen Denkschulen und Traditionen sehr unterschiedlich beantwortet: Folgt man dem Menschenbild der neoklassischen Ökonomie, dann sind alle Menschen allzeit nur bestrebt, ihren eigenen Nutzen zu maximieren und lassen sich in diesem Streben durch moralische Hemmungen in keiner Weise beeinflussen. In Bezug auf Vertrauen bedeutet dies, dass es rational ist, nur dann zu vertrauen, wenn es im Interesse der anderen Person liegt, das Vertrauen nicht zu enttäu- „Die Strafe zu fürchten ist der beste Weg, ihr zu entgehen.“ Chinesisches Sprichwort Eigennutzaxiom der Ökonomie Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 399 400 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 schen. Dies wäre z. B. dann der Fall, wenn eine Person mit erheblichen Sanktionen zu rechnen hätte, wenn sie sich als nicht vertrauenswürdig erweist (Kramer, 1999; Williamson, 1993). Ein Beispiel: Eine Person hinterlegt ihren Personalausweis und ihre Kreditkartennummer bei einem Autoverleih. Falls sie das geliehene Auto nicht zurückgibt, hat sie mit einer Anzeige bei der Polizei zu rechnen. Diese Sichtweise hat eine lange philosophische Tradition, die sich bis auf Sokrates und Plato zurückführen lässt, aber sich auch in den Schriften von Machiavelli sowie im Leviathan von Hobbes wieder findet (siehe Baier, 1986). Aus psychologischer Perspektive geht es bei Vertrauen jedoch um mehr, nämlich um das Vertrauen in die guten Absichten des anderen. Eine häufig verwandte Definition von Vertrauen lautet wie folgt: „Vertrauen ist ein psychologischer Zustand, der auf positiven Erwartungen in Bezug auf die Absichten und das Verhalten des anderen basiert, wobei die Bereitschaft vorhanden ist, eine Verletzung in Kauf zu nehmen.“ (Rousseau et al., 1998, S. 395). Wenn Menschen darüber reden, dass sie einer anderen Person vertrauen, kann sich dieses Vertrauen grundsätzlich auf zwei verschiedene Aspekte beziehen. Zum einen kann Vertrauen als eine Kognition gemeint sein (z. B.: „Ich bin mir sicher, dass X mir das geliehene Geld zurückgeben wird“). Zum anderen kann Vertrauen als Handlung verstanden werden (z. B.: „Ich leihe X einen bestimmten Betrag Geld“). Diese beiden Ebenen werden vielfach nicht deutlich unterschieden, und oftmals wird zumindest implizit angenommen, dass man das Vorliegen von Vertrauen auf der kognitiven Ebene aus dem gezeigten Verhalten schließen kann. Empirische Studien zeigen jedoch, dass eine deutliche Trennung zwischen Vertrauen als Kognition (d. h. Erwartung) und Vertrauen als Handlung mehr ist als ein definitorisches Spiel mit Worten (Fetchenhauer & Dunning, 2009). Im Folgenden wollen wir uns mit der Messung von Vertrauen im Labor beschäftigen. Eine Möglichkeit, Vertrauen experimentell zu erfassen, ist das so genannte Vertrauensspiel („Trust Game“). Definition von Vertrauen Vertrauensspiel („Trust Game“) Niccolò Machiavelli (1469–1527) Italienischer Politiker und Philosoph – Machiavelli wurde in der Psychologie durch das Persönlichkeitsmerkmal des Machiavellismus verewigt. Analog zu der rücksichtslosen Machtpolitik Machiavellis beschreibt es u. a. geringe Bindung an konventionelle Moralvorstellungen, wie etwa die Tendenz ohne Skrupel andere Menschen zum eigenen Nutzen zu hintergehen und zu manipulieren. Abbildung 17.9: Vertrauen hat aus psychologischer Sicht vor allem etwas damit zu tun, sich verletzlich zu machen. Diese Bedeutung kann man Teilnehmern in Vertrauensspielen sehr deutlich machen. Bei einem solchen Spiel muss sich zum Beispiel ein Person von einem Tisch fallen lassen und darauf hoffen, dass ihn die anderen Teilnehmer auffangen. (Quelle: Ullrich Kluge) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 400 401 Die Psychologie des Vertrauens Kapitel 17 An diesem Spiel nehmen zwei Personen teil (Person A und Person B), die einander nicht kennen und sich auch nicht kennen lernen werden. Beide Personen interagieren miteinander vollkommen anonym und alleine über den Versuchsleiter. Zunächst erhält Person A 5 € vom Versuchsleiter und hat zwei Alternativen, was sie mit dem Geld tun kann. Alternative 1: Sie behält die 5 € für sich. In diesem Fall erhält Person B kein Geld. Alternative 2: Sie gibt die 5 € an Person B. In diesem Fall wird vom Versuchsleiter der Betrag um weitere 15 € erhöht, so dass Person B insgesamt 20 € erhält. Falls Person A ihr Geld an Person B gibt, hat diese ihrerseits zwei Optionen. Alternative 1: Sie behält 10 € für sich und gibt 10 € an Person A. Alternative 2: Sie behält die gesamten 20 € für sich und gibt 0 € an Person A. Die Logik des Vertrauensspiels ist somit wie folgt: Wenn Person A ihr Geld an Person B gibt und Person B sich als vertrauenswürdig erweist, hat sich das Vertrauen von Person A bezahlt gemacht. In diesem Fall erhält Person A 10 €, doppelt so viel wie sie erhielte, wenn sie ihre 5 € für sich behalten hätte. Wenn sich jedoch herausstellt, dass Person B die gesamten 20 € für sich behält, wäre es für Person A besser gewesen, die 5 € für sich zu behalten. Bevor Sie nun weiter lesen, möchten wir Sie bitten, Ihre Antworten zu den folgenden Fragen zu notieren: 1) Wie würden Sie sich in der Position von Person A verhalten? 2) Was täten Sie in der Position von Person B? 3) Was glauben Sie – wie viele Personen in Position B behalten die 20 € für sich? Gemäß der bereits erläuterten Sichtweise der Ökonomie ist die Situation klar: Alle beteiligten Personen wissen voneinander, dass sie sich vollständig rational verhalten und entsprechend bestrebt sind, ihren Eigennutz zu maximieren. Da es nicht im Eigeninteresse der Person B liegt, etwas zurückzugeben, wird sie dies auch nicht tun. Person A kann dieses Verhalten vorhersehen, da sie weiß, dass sich Person B eigennützig verhält. Daher wird Person A auch kein Geld an Person B geben und alles selbst behalten. Das kollektiv bessere Ergebnis (beide erhalten 10 €, wenn Person A vertraut und sich Person B sich als vertrauenswürdig erweist) wird so durch individuell rationales Verhalten verhindert. Tatsächlich aber zeigt eine Vielzahl an Studien, dass eine deutliche Mehrheit von 75 % bis 90 % aller Personen B in der Tat vertrauenswürdig ist (d. h. das Geld gleichmäßig zwischen sich selbst und Person A aufteilt). Dieses Ausmaß an Vertrauenswürdigkeit wurde jedoch von den meisten Versuchspersonen deutlich unterschätzt. Danach gefragt, lag die durchschnittliche Schätzung in einem Bereich von ca. 50 % (Fetchenhauer & Dunning, 2009). Warum unterschätzen Menschen die Vertrauenswürdigkeit anderer? Eine mögliche Erklärung lässt sich aus der bereits vorgestellten Error Management Theory Unterschätzung der Vertrauenswürdigkeit Anderer Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 401 402 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 (Haselton & Buss, 2000; Haselton, Nettle & Andrews, 2005, siehe auch Kapitel 13) ableiten, die wie bereits erläutert zwischen zwei möglichen Fehlern unterscheidet. Danach ist die systematische Unterschätzung der Vertrauenswürdigkeit anderer ein Mechanismus, um zu verhindern, von anderen ausgebeutet zu werden. Es lässt sich argumentieren, dass über die Evolution der Menschen hinweg die zu tragenden Konsequenzen einer ausgelassenen Chance durch eine übermäßig argwöhnische Haltung weniger schwerwiegend waren als die möglicherweise extremen Konsequenzen, die aus unangemessen hohem Vertrauen resultieren, so dass im Laufe der Menschheitsgeschichte eine stabile Tendenz evolviert ist, die Vertrauenswürdigkeit anderer – zum Schutze der eigenen Person – systematisch zu unterschätzen. Aus evolutionspsychologischer Perspektive handelt es sich hierbei um eine ultimate Erklärung – welche Fitnessvorteile hat es, die Vertrauenswürdigkeit anderer zu unterschätzen? Damit eine solche Erklärung überzeugend sein kann, muss sie aber zusätzlich einen proximaten Mechanismus angeben, der eine solche Unterschätzung der Vertrauenswürdigkeit anderer aufrechterhält. Ein solcher Mechanismus liegt möglicherweise darin, dass uns das Leben immer nur sehr einseitig Feedback über die Vertrauenswürdigkeit unserer Mitmenschen gibt. Wenn wir einer anderen Person zu Unrecht vertrauen, werden wir vom Leben darüber zumeist irgendwann informiert – oft genug mit großen Schmerzen (Fetchenhauer & Dunning, 2010). Wenn wir aber einer anderen Person nicht vertrauen, obwohl diese Person durchaus vertrauenswürdig gewesen wäre, werden wir einen solchen Irrtum nur selten erkennen, denn jemand kann uns seine Vertrauenswürdigkeit immer nur dann beweisen, wenn wir ihm zunächst einmal Vertrauen entgegenbringen. Aus diesem Grund erinnern wir uns sehr leicht an Fälle, in denen wir anderen zu Unrecht vertraut haben, aber nur selten an Fälle, in denen wir anderen zu Unrecht nicht vertraut haben. Dieser Schieflage ist sich unser kognitiver Apparat jedoch nicht bewusst. Abbildung 17.10: Sollen wir die Hand ergreifen, die uns hingehalten wird oder sollen wir misstrauisch sein? Beim Trust Game zeigt sich immer wieder, dass Menschen viel vertrauenswürdiger sind als andere annehmen. (© ArTo – Fotolia.com) Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 402 403 Zusammenfassung Kapitel 17 Aber auch wenn die meisten Menschen die Vertrauenswürdigkeit anderer dramatisch unterschätzen, haben sie doch Hemmungen, ihr Misstrauen offen zu kommunizieren. So wurde in einer Studie den Versuchspersonen mitgeteilt, dass sie Person A seien und die Personen B aus einer anderen Stichprobe stamme, die ihre Entscheidung bereits getroffen hätten (Fetchenhauer & Dunning, under review). Natürlich könne man ihnen nicht sagen, wie ihr ganz konkreter Interaktionspartner sich in der Position von Person B entschieden habe, aber insgesamt hätten 40 % sich dazu entschieden, das Geld gleichmäßig aufzuteilen. In einer anderen Versuchsbedingung wurden die Versuchspersonen gefragt, ob sie bereit wären, an einer Lotterie teilzunehmen, bei der sie eine Chance von 40 % hätten, ihren Einsatz zu verdoppeln (und eine Chance von 60 %, ihren Einsatz zu verlieren). In der Lotterie entschieden sich nur 28 % aller Teilnehmer dazu, die risikoreiche Option zu wählen. Im Trust Game lag dieser Prozentsatz mit 56 % hingegen doppelt so hoch. Mit anderen Worten: Auch dann, wenn sie davon ausgehen, ihr Geld niemals wieder zu sehen, geben viele Menschen ihr Geld an Person B, obwohl sie unter anderen Umständen zu einem solchen Risikoverhalten niemals bereit wären. Es lässt sich somit festhalten, dass Menschen auf einer kognitiven Ebene anderen Menschen zu wenig vertrauen (d. h. sie unterschätzen die Vertrauenswürdigkeit anderer), auf der Verhaltensebene vertrauen sie anderen hingegen zu viel (d. h. viele Versuchspersonen geben auch dann ihr Geld an Person B, wenn sie nicht davon ausgehen, dass sich Person B vertrauenswürdig verhalten wird). Ein möglicher Grund für dieses Phänomen könnte darin liegen, dass wir negative Emotionen erleben (z. B. ein schlechtes Gewissen haben), wenn wir einer anderen Person offen unser Misstrauen signalisieren. Folgendes Beispiel soll diesen Gedankengang verdeutlichen (Fetchenhauer & Dunning, 2009): Bei einem Abendessen auf einer Konferenz bemerkt ein Kollege, den Sie heute erst kennen gelernt haben, dass er sein Portemonnaie vergessen hat und bittet Sie, ihm bis zum nächsten Tag auszuhelfen. Würden Sie nicht einen gewissen emotionalen Druck verspüren, dem Anliegen nachzukommen, auch wenn Sie keineswegs sicher wären, dass sie das ausgelegte Geld am Folgetag auch tatsächlich zurückbekommen? Zusammenfassung In diesem Kapitel haben wir uns mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft auseinandergesetzt. Hierbei haben wir gesehen, dass es uns mit der Gesellschaft genauso geht wie vielen alten Ehepaaren: Man kann nicht wirklich miteinander, aber ohne einander kann man auch nicht. Im folgenden Kapitel werden wir uns näher damit beschäftigen, inwiefern unser eigenes Verhalten durch gesellschaftliche Normen und Zwänge geprägt ist. Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 403 404 Die Furcht vor dem AlleinseinKapitel 17 Kurz und gut 1. Menschen haben sowohl ein starkes Bedürfnis, in einer sozialen Gemeinschaft aufzugehen als auch das Bedürfnis, einzigartig zu sein. 2. Aus evolutionspsychologischer Perspektive ist das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft dadurch zu erklären, dass dieses in hohem Maße adaptiv ist. 3. Wenn Menschen aus einer Gruppe ausgeschlossen werden, führt dies zu Verunsicherung, einem niedrigen Selbstwertgefühl sowie verstärkten Bemühungen, den normativen Erwartungen der Gruppenmitglieder zu genügen. 4. Die menschliche Neigung zu konformen Verhalten kann als eine simple und effiziente Heuristik aufgefasst werden. 5. Der so genannte Bystander-Effekt besagt, dass die Anzahl potenzieller Helfer oftmals negativ mit ihrer Hilfsbereitschaft korreliert. 6. Die Reziprozitätsregel schreibt vor, dass wir auf den Gefallen einer anderen Person damit zu reagieren haben, dass wir ihr zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls einen Gefallen tun. 7. Viele soziale Situationen bestehen aus sozialen Dilemmata, in denen die individuelle Rationalität der handelnden Akteure kollektiv rationales Verhalten verhindert. 8. Soziale Dilemmata werden oftmals dadurch gelöst, dass Trittbettfahrer von den anderen Gruppenmitgliedern für ihr Verhalten sanktioniert werden. 9. Menschen neigen dazu, die Vertrauenswürdigkeit ihrer Mitmenschen zu unterschätzen. 10. Ungeachtet ihres übergroßen Misstrauens versuchen die meisten Menschen, anderen dieses Misstrauen nicht offen zu signalisieren. Studentenfutter Cialdini, R. B. (2007). Die Psychologie des Überzeugens: Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen. Bern: Hans Huber. Williams, K., D. (2007). Ostracism: The kiss of social death. Social and Personality Psychology Compass, 1, 236–247. Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 404 Kapitel 18 Von Vätern und Metzgern: Wie soziale Rollen, soziale Normen und sozialer Status unser Handeln bestimmen Verlag Franz Vahlen – Fetchenhauer, Psychologie – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.09.11 – Status: Druckdaten – Seite 405

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Zusammenfassung

Vorteile

- Die psychologischen Grundlagen für das wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studium: von der Allgemeinen über die Sozial- bis zur Wahrnehmungspsychologie

- Kompakter Aufbau

- Komplett vierfarbig

Zum Werk

In den Wirtschaftswissenschaften gilt das Bild des rational denkenden Menschen als überholt. Kenntnisse aus der Psychologie spielen dagegen eine immer größere Bedeutung für die Analyse, was sich nicht zuletzt in der aktuellen Diskussion um die Glücksforschung widerspiegelt.

Dieses Lehrbuch führt Wirtschaftswissenschaftler an die Grundlagen der Psychologie heran und stellt dar, wie sie das menschliche Verhalten (und damit auch das für die Wirtschaftwissenschaften wichtige Entscheidungsverhalten) beeinflussen.

Autor

Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer ist Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln. Er lehrt darüber hinaus an der Universität Wien.

Zielgruppe

Für Studierende der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen sowie Studierende, die im Nebenfach Psychologie belegen müssen (z.B. Lehramt).