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7 Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 39 - 45

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_39

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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7 Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte 27 13 Dean, J., a. a. O., S.127, Punkt 10 seiner Schwachstellenliste. 6.4 Therapie Es hat Sinn, auch zunächst abwegig erscheinende Alternativen in Erwägung zu ziehen. Wenn bei jeder Gelegenheit gefragt wird, ob eingefahrene Verhältnisse noch zweckmäßig sind, wird die Dynamik des Unternehmens gesichert. Diese Grundhaltung kann dadurch gefördert werden, dass man die mit Investitions fragen befassten Stellen veranlasst, alle im Bereich des Realisierbaren liegenden Lösungen ernsthaft zu erwägen. Es muss Allgemeingut im Betrieb werden, bei jeder bedeutenden Handlung zunächst zu fragen: „Was passiert, wenn die Handlung (also z. B. die Ersatzinvestition) unterbleibt?“ Die Frage, was geschehen würde, wenn die Investition nicht vorgenommen wird, beantwortet zugleich die Frage, was die Investition bringt. Es kommt auch darauf an, zu erreichen, dass im Betrieb grund sätzlich keine Entscheidungen aus einer Zwangssituation heraus gefällt werden, sondern stets im Hinblick auf einen quantitativ zu bestimmenden Erfolg, mag dieser auch außergewöhnlich hoch sein, wie in dem obigen Beispiel. Die Organisation muss schließlich so aufgebaut sein, dass ein breiter Strom von Anregungen und Ideen erzeugt und in die richtigen Kanäle gelenkt, dort ernsthaft erwogen und bewertet wird. 7 Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte 7.1 Art der Schwachstelle Schon die älteren Nationalökonomen hatten erkannt, dass die Bedeutung steuerlicher Momente oft überschätzt wird. Solche Fehleinschätzungen halten sich recht hartnäckig. Aber nicht nur Überschätzungen sind anzutreffen, sondern auch Unterschätzungen der steuerlichen Wirkungen von Investitionen und damit zusammenhängender Aufwandspositionen, wie Abschreibungen, Zinsen usw. Joel Dean stellt als eine typische Fehlbeurteilung den Grundsatz „Taxes don’t matter“ (Steuern spielen keine Rolle) 13 heraus. Ein typischer, das Gegenteil besagender, in Deutschland häufig anzutreffender Grundsatz dieser Art könnte etwa folgendermaßen formuliert werden. „Investitionen, die hohe Abschreibungen (mit steuerlicher Wirkung) zulassen, erbringen Steuervorteile, die auch solche Investitionsvorhaben rechtfertigen können, die in der Bruttorechnung (vor Steuern) unwirtschaftlich erscheinen.“ Man ist sich nicht darüber klar, dass im Regelfall Vorteile von heute mit Nach teilen von morgen erkauft werden müssen. Da jede Anlage nur einmal abgeschrieben werden kann, führt z. B. eine erhöhte Abschreibung am Anfang der Nutzungsdauer zu einer entsprechend geringeren Abschreibung gegen Ende der 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 27 28 2. Kapitel: Schwachstellen im Investitionsbereich Nutzungsdauer. Allerdings können sich dabei u. U. erhebliche Liquiditäts- und Zinsvorteile ergeben. Wenn eine Senkung der Steuersätze zu erwarten ist, oder wenn bei stark schwankenden Gewinnen und progressiver Gewinnbesteuerung eine Zuordnung der Abschreibungen in die Jahre hohen Gewinnes möglich ist, ist ein Vorteil, der über Liquiditäts- und Zinsvorteile für den „Steuerkredit“ hinausgeht, mittels Abschreibungspolitik zu erreichen. Diese Zusammenhänge werden bei undifferenzierter Anwendung des Grundsatzes nicht erkannt, zumindest werden sie nicht angemessen bei den Entscheidungen berücksichtigt. Eine solche Fehleinschätzung tritt keineswegs nur dann auf, wenn Investitionsentscheidungen ohne die Erarbeitung und Auswertung von Investitionsrechnungen gefällt werden. Auch „Nebenrechnungen“, die der gesonderten Ermittlung der Steuerwirkungen dienen, ja sogar „Simultanrechnungen“, die Steuerwirkungen in den Investitionskalkül einbeziehen, können zu falschen Ergebnissen führen, wenn sie mit zu groben Vereinfachungen arbeiten. Steuerexperten, die nicht ausreichend mit dem Instrumentarium der Investitionsrechnung vertraut sind, können ebenfalls zu fehlerhaften oder mit den übrigen Entscheidungsunterlagen nicht ausreichend abgestimmten Resultaten gelangen. Charakteristisch bei der Berücksichtigung steuerlicher Momente ist auch das Bemühen, diese Denkweise zu verbergen. So erbrachte eine Umfrage Gutenbergs zum Investitionsverhalten keine Anhaltspunkte für die Überbetonung steuerlicher Gesichtspunkte. „Auch die des öfteren in Erscheinung tretende Auffassung, dass steuerliche Vergünstigungen zu betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Investitionen führen, etwa derart, dass Anschaffungen lediglich deshalb gemacht werden, um zusätzliche Abschreibungsmöglichkeiten zu schaffen, ist durch unsere Untersuchung nicht bestätigt worden. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass große finanzielle Flüssigkeit und steuerliche Vergünstigungen, die Steuerersparnisse zur Folge haben, betriebswirtschaftlich gewünschte Investitionen zu einem früheren Zeitpunkt ermöglichen, als es sonst der Fall gewesen wäre. In diesem Sinne vermögen sie das Investitionstempo zu beschleunigen14.“ 7.2 Diagnose Die Feststellung einer Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte bei Investitionsentscheidungen erfolgt am besten durch ein Studium der für Investitionen herangezogenen Unterlagen sowie durch Gespräche mit den für Investitionsentscheidungen und die Erstellung der Unterlagen verantwortlichen Personen. Dabei ist insbesondere zu klären, ob überhaupt in Steuerfragen sachverständige Personen an den Entscheidungsvorbereitungen und/oder den Entscheidungen beteiligt werden. Steuerfragen stellen eine derart komplexe und schwierige Materie dar, dass eine Bearbeitung „nebenbei“ kaum möglich ist. 14 Gutenberg, E., Untersuchungen über die Investitionsentscheidungen industrieller Unternehmen, Köln und Opladen 1959, S.221. 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 28 7.3 Ursachen der Schwachstelle Die wichtigste Ursache ist in einer Fehlhaltung der für Investitionsentscheidungen Verantwortlichen zu suchen, die mit Emotionen und Vorurteilen an Steuerfragen herangehen. Eine solche Fehlhaltung ist besonders dann schädlich, wenn sie mit mangelnder Sachkenntnis der Betreffenden und ihrer Mitarbeiter gepaart ist. Auch die mangelnde Koordinierung der Steuerfragen bearbeitenden Stellen bzw. Personen mit dem Investitionsbereich kann Ursache der Schwachstelle sein. 7.4 Therapie Im Idealfall müsste die Vollplanung geschaffen werden, die auch eine langfristige Planung aller Steuern (Ziel: Langfristige Maximierung des Erfolgs nach Steuern) beinhaltet. Es muss aber mindestens erreicht werden, dass die steuerlichen Wirkungen von Investitions entscheidungen dann in die Investitionskalküle einbezogen werden, wenn sie die (absolute oder relative) Vorteilhaftigkeit eines Projekts beeinflussen können.15 Darüber hinaus muss allen Beteiligten einschließlich der Angehörigen der oberen Leitungsebene in geeigneter Form eine Reihe einfacher steuerlicher Grundkenntnisse nahe gebracht werden. Damit sollen etwa vorhandene Vorurteile ausgeräumt, falsche Vorstellungen beseitigt und die Grundlagen für eine echte Kommunikation mit Experten geschaffen werden. 7.5 Exkurs: Steuerliche Abschreibungen 7.5.1 Planmäßige Abschreibungen Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von abnutzbaren Wirtschaftsgütern, deren Verwendung sich erfahrungsgemäß über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt, sind über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zu verteilen (planmäßige Abschreibungen; steuerlich: Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung = AfA). – Grundsätzlich sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten gleichmäßig auf die Jahre der Gesamtdauer der Nutzung zu verteilen (§7 Abs.1 Satz1 EStG: lineare Abschreibung = Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen). Der jährliche Abschreibungsbetrag al ergibt sich in diesem Fall als Quotient aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten AW und der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer n: . Der Restwert am Ende des Jahres m beträgt . – An Stelle der linearen Abschreibung lässt § 7 Abs. 2 EStG 2009 für in den Jahren 2009 und 2010 beschaffte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens „die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen“ zu (degressil AW n a lmR AW 1 m n 15 Die Berücksichtigung von Steuern im Investitionskalkül wird im 3.Kapitel, Abschnitt 2.1.4 behandelt. 7 Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte 29 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 29 ve Abschreibung). Sie kann nach einem unveränderlichen Prozentsatz vom jeweiligen Restwert vorgenommen werden (geometrisch-degressive Abschreibung). Der anzuwendende Prozentsatz darf dabei das Maximum aus dem Zweieinhalbfachen des linearen Satzes und 25% nicht übersteigen. Bei betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern von bis zu 10 Jahren beträgt der anzuwendende Prozentsatz demzufolge 25%, bei längeren Nutzungsdauern das Zweieinhalbfache des linearen Satzes also etwa 12,5% bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren. § 7 Abs. 2 EStG wird regelmäßig neu gefasst. Damit wird der darin festgeschriebene Prozentsatz der jeweiligen Konjunkturphase angepasst. Der Abschreibungsbetrag bei geometrisch-degressiver Abschreibung für ein beliebiges Jahr m während der Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes beträgt. . Darin bezeichnen d den unveränderlichen Prozentsatz und den Restwert am Ende des Jahres m – 1. – § 7 Abs. 3 EStG erlaubt den Übergang von der geometrisch-degressiven auf die lineare Abschreibung während der Nutzungsdauer eines Wirtschaftsgutes, nicht aber das Umgekehrte. Zweckmäßig ist ein solcher Übergang, sobald der linear auf die Restnutzungsdauer verteilte Restwert zu einem höheren jährlichen Abschreibungsbetrag führt als die weitere degressive Abschreibung. Für das optimale Übergangsjahr muss also gelten: – Gemäß § 7 Abs. 1 Satz 6 kann an Stelle der linearen Abschreibung eine Abschreibung nach Maßgabe der Leistung des Wirtschaftsgutes vorgenommen werden, wenn dies wirtschaftlich begründet ist und wenn der Umfang der auf das einzelne Jahr entfallenden Leistung nachgewiesen werden kann. Beispiel: Abschreibungs- und Restwertverlauf für ein Investitionsprojekt mit Anschaffungskosten von € 100 000,– und einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 10 Jahren 1 g g m ma R d 1 1 (1 ) g m mR AW d 1 11 ( 1) 1 (1 ) (1 ) 1m m n m AW d d AW d m n d 30 2. Kapitel: Schwachstellen im Investitionsbereich Lineare AfA Degressive AfA (25%) Jahr Jahresaufwand Restwert Jahresaufwand Restwert € (Jahresende) € (Jahresende) € € 1. 10000,– 90000,– 25000,–* 75000,– 2. 10000,– 80000,– 18750,–* 56250,– 3. 10000,– 70000,– 14063,–* 42187,– 4. 10000,– 60000,– 10547,–* 31640,– 5. 10000,– 50000,– 7910,–* 23730,– 6. 10000,– 40000,– 5933,–* 17797,– 7. 10000,– 30000,– 4449,–* 13348,– 8. 10000,– 20000,– 4449,–* 8899,– 9. 10000,– 10000,– 4449,–* 4450,– 10. 10000,– – 4450,–* – * Übergang auf lineare Abschreibung im 7. Jahr der Nutzungsdauer 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 30 7.5.2 Außerplanmäßige Abschreibungen Außerplanmäßige Abschreibungen von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens sind Abschreibungen auf einen Wert, der unter den Anschaffungs- oder Herstellungskosten liegt, im Falle von abnutzbaren Wirtschaftsgütern unter den fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten ( = Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich planmäßige Abschreibung); Ursachen sind eine außergewöhnliche Entwertung der betreffenden Wirtschaftsgüter aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen oder – soweit es sich um außerplanmäßige steuerliche Abschreibungen handelt – auch wirtschaftspolitische Steuerungsziele (Investi tionsanreize). Außerplanmäßige steuerliche Abschreibungen gibt es in Form von – Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (§7 Abs. 1 Satz 7 EStG 2009); sie sind nur in Verbindung mit planmäßigen Abschreibungen nach der linearen Methode zulässig (§ 7 Abs. 2 Satz 4 EStG 2009), – Sonderabschreibungen, die es beispielsweise zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen gibt (§ 7g Abs. 5 EStG 2009); die Sonderabschreibungen nach §7g EStG können sogar in Verbindung mit planmäßigen Abschreibungen nach der degressiven Methode in Anspruch genommen werden (§ 7g Abs. 5 EStG), obgleich § 7a Abs. 4 EStG bei Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen allgemein die planmäßige Abschreibung nach der linearen Methode voraussetzt, – erhöhten Absetzungen; sie unterscheiden sich von Sonderabschreibungen dadurch, dass sie nicht zusätzlich zu planmäßigen Abschreibungen vorgenommen werden können, sondern an deren Stelle treten. Beispiele sind die erhöhten Absetzungen für Wirtschaftsgüter, die dem Umweltschutz dienen (§ 7d EStG: ausgelaufen) und erhöhte Absetzungen bei Baudenkmalen (§ 7i EStG), – Teilwertabschreibungen: „Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die der Abnutzung unterliegen, sind mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten … vermindert um die Absetzungen für Abnutzung, erhöhte Absetzungen, Sonderabschreibungen … und ähnliche Abzüge anzusetzen. Ist der Teilwert aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger, so kann dieser angesetzt werden“ (§ 6 Absatz 1 Nr. 1 EStG). 7.5.3 Ertragssteuerliche Wirkungen degressiver AfA und außerplanmäßiger Abschreibungen Die degressive Abschreibung ebenso wie außerplanmäßige Abschreibungen bewirken gegenüber der linearen Abschreibung eine Umverteilung der jährlichen Abschreibungsbeträge: die frühen Jahre der Nutzungsdauer werden stärker belastet, die späten Jahre werden demgegenüber entlastet. Durch die höheren Abschreibungen in den frühen Jahren vermindert sich c. p. der Gewinn, was wiederum zu (temporären) Ertragssteuerersparnissen führt. Da die ersparten Steuern ver- 7 Über- oder Unterbewertung steuerlicher Gesichtspunkte 31 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 31 Lineare Abschreibung Geometrisch-degressive Abschreibung Zinsvorteil a b c d e f g h k n = Jahr Restwert Verminde- Restwert Verminde- Barwerte der Diffe- (Ende) (Anschaf- AfA rung der (Anschaf- AfA rung der g minus d renzen (Spalte h) fungswert Ertrags- fungswert Ertrags- (Zeitwerte) auf den Beginn des 100000) steuern 100000) steuern 1. Jahres abgezinst mit 5% 1 90000 10000 2900 75000 25000 7250 + 4350 + 4141 2 80000 10000 2900 56250 18750 5438 + 2538 + 2302 3 70000 10000 2900 42187 14063 4078 + 1178 + 1018 4 60000 10000 2900 31640 10547 3059 + 159 + 131 5 50000 10000 2900 23730 7910 2294 – 606 – 475 6 40000 10000 2900 17797 5933 1721 – 1179 – 880 7 30000 10000 2900 13348 4449 1290 – 1549 – 1100 8 20000 10000 2900 8899 4449 1290 – 1549 – 1049 9 10000 10000 2900 4450 4449 1290 – 1549 – 999 10 – 10000 2900 – 4450 1290 – 1549 – 951 100000 29000 100000 29000,4 0 Zinsvorteil (Barwert): +3088 Annahmen: Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten 100000,– €. Betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer: 10 Jahre. Degressive Abschreibung: 25%, Übergang zur linearen Abschreibung im 7. Jahr der Nutzung. Gewinnbesteuerung: Körperschaftsteuersatz 15%, Gewerbeertragssteuersatz 3,5 · 4 = 14 %, gleiche Bemessungsgrundlage für Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer, ohne Solidaritätszuschlag → Ertragssteuersatz: 29% Wiederanlagezinssatz: 5%. 32 2. K apitel: Schw achstellen im Investitionsbereich B eispiel: R endite-E ffekt der geom etrisch-degressiven A bschreibung 003-K apitel_2 14.05.12 09:41 S eite 32 8 Fehlende oder ungeeignete Investitionsrechnung 33 zinslich angelegt werden können, resultiert daraus ein positiver Renditeeffekt. Dieser Effekt ist bei degressiver Abschreibung desto stärker je höher der maximal zulässige Abschreibungssatz und der Wiederanlagezinssatz sind. Außerplanmäßige Abschreibungen haben die gleiche Wirkung. Der Renditeeffekt steigt mit der Ungleichverteilung der Abschreibungen in Richtung Nutzungsbeginn (s. Beispiel S.32). 8 Fehlende oder ungeeignete Investitionsrechnung16 8.1 Art der Schwachstelle Investitionsrechnungen dienen der Vorbereitung von Investitionsentscheidungen. Sie sollen rationale Entscheidungen errnöglichen, nicht aber die Entscheidung vorwegnehmen. Eine „Entscheidung durch Rechnung“ wäre nur denkbar, wenn sich alle für die Entscheidung notwendigen Überlegungen quantifizieren und simultan in einer Rechnung berücksichtigen ließen. Diese Voraussetzung ist aber grundsätzlich nicht erfüllt. Nicht oder in der eigentlichen Investitionsrechnung nicht quantifizierte Faktoren, wie z. B. Risikoüberlegungen, technische und soziale Gesichtspunkte, spielen bei der Investitionsentscheidung neben dem Ergebnis der Rechnung eine Rolle. Die Aufgabe der Investitionsrechnung besteht demnach darin, ein wesentliches Kriterium für die Investitionsentscheidung zu liefern. Dadurch soll die Treffsicherheit der Entscheidungen erhöht und das Risiko der Vornahme von Fehlinves titionen vermindert werden. Es wäre also verfehlt, anzunehmen, dass die Durchführung von Investitionsrechnungen Fehlinvestitionen unmöglich macht. Im Hinblick auf die Investitionsrechnung kann von der Existenz einer Schwachstelle gesprochen werden, wenn folgende Situationen gegeben sind: (1) Über die Vornahme von Investitionen wird ohne vorherige Rechnung (z. B. nach rein technischen Gesichtspunkten) entschieden. (2) Der Investitionsentscheidung geht eine Investitionsrechnung voraus. De facto orientiert sich aber die Entscheidung nicht am Ergebnis der Rechnung. Beispiel: Die Annahmen der Rechnung werden so lange geändert, bis das Ergebnis die vorgefasste Meinung des Entscheidungsgremiums über die Vorteilhaftigkeit der betreffenden Investition stützt. (3) Der Investitionsentscheidung geht eine Investitionsrechnung voraus. Die angewendeten Rechenmethoden sind jedoch ungeeignet. Beispiel: Alle Investi tionsprojekte werden ausschließlich nach der statischen Amortisationsrechnung durchgerechnet. 16 Hier und im Folgenden werden unter Investitionsrechnungen Investitionstvorrechnungen verstanden. Zu den Kontroll- und Revisionszwecken dienenden Investitionsnachrechnungen siehe Abschnitt 5.2, S.24f. 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 33

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References

Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.