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1 Überblick in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 281 - 284

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_281

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
5. Kapitel: Bestimmung von Investitions programmen bei sicheren Erwartungen 1 Überblick Die Beurteilung von Investitionsprojekten mit Hilfe eines dynamischen Verfahrens der Investitionsrechnung (Kapitalwertmethode, Interne-Zinssatz-Methode) führt nur unter der Voraussetzung eines vollkommenen Kapitalmarktes gleich zeitig zur Bestimmung des optimalen Investitionsprogrammes. Hebt man diese Prämisse auf, so besteht neben dem Problem der Beurteilung einzelner Investitionsprojekte, aber damit zusammenhängend, das Problem der Bestimmung eines optimalen Investitionsprogramms unter Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Investitions- und Finanzplanung. Eine Reihe von Modellansätzen hat diese Problematik zum Gegenstand (sog. kapitaltheoretische Modelle).1 Darüber hinaus geht die herkömmliche Investitionsrechnung für einzelne Projekte davon aus, dass sich die Projekte ausreichend isolieren lassen und dass für jedes Projekt im Produktionsbereich ein Produktionsprogramm als Voraussetzung für die Inves titionsrechnung bestimmt werden kann. Tatsächlich ist jedoch die Prämisse der Isolierbarkeit häufig nicht erfüllt, und es bestehen gegenseitige Abhängigkeiten zwischen Investitions- und Produktionsplanung, die eine simultane Bestimmung von Investitionsprogramm und Produktionsprogramm notwendig machen. Mit dieser Problematik befasst sich eine zweite Gruppe von Modellansätzen (sog. produktionstheoretische Modelle).2 Wesentliche Charakteristika der entwickelten Entscheidungsmodelle sind die Zielvariablen sowie der sachliche und der zeitliche Umfang des Entscheidungsfeldes. 1. Zielvariablen a) Kapitalwert: Wähle dasjenige Investitionsprogramm, welches den Kapitalwert, d. i. der Barwert des Vermögenszuwachses während des Planungszeitraums, maximiert. Der Kapitalwert als Zielvariable erscheint nur dann sinnvoll, wenn man voraussetzen kann, dass freigesetzte finanzielle Mittel zum Kalkulationszinssatz reinvestiert werden können. Nur unter dieser Voraussetzung sind die alternativen Programme, aus denen das kapitalwertmaximale ausgewählt werden soll, miteinander vergleichbar. Es sind zwei Versionen von Investitionsmodellen mit dem Kapitalwert als Zielvariable zu unterscheiden: 1 Vgl. Seelbach, H., Planungsmodelle in der Investitionsrechnung, Würzburg/Wien 1967, S.23ff. 2 Vgl. Seelbach, H., a. a. O., S.9ff. 006-Kapitel_5 14.05.12 10:00 Seite 269 (1) Reinvestitionsmöglichkeiten für freigesetzte finanzielle Mittel werden explizit nicht berücksichtigt. Die Voraussetzung der Vergleichbarkeit alternativer Programme erfordert dann, dass sich die bei jedem Projekt aus dem Programm im Laufe der Lebensdauer freigesetzten finanziellen Mittel zum Kalkulationszinssatz reinvestieren lassen. (2) Reinvestitionsmöglichkeiten für freigesetzte finanzielle Mittel werden explizit mit in die Betrachtung einbezogen. Die Voraussetzung der Vergleichbarkeit alternativer Programme erfordert dann lediglich, dass sich die freigesetzten und für die Realisierung modell-endogener Investitionsalternativen nicht oder zunächst nicht benötigten finanziellen Mittel (modell-exogen) zum Kalkulationszinssatz reinvestieren lassen. b) Vermögensendwert: Wähle dasjenige Investitionsprogramm, welches den Wert des Vermögens, bezogen auf das Ende des Planungszeitraums, maximiert. Der Vermögensendwert ist gleich dem Endwert des Vermögenszuwachses, wenn für die Planung keine modell-exogenen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Bei Vermögensendwertmodellen muss nicht wie bei Kapitalwertmodellen vorausgesetzt werden, dass freigesetzte finanzielle Mittel zum Kalkulationszinssatz reinvestiert werden können. Dies bedeutet, dass Vermögensendwertmodelle gegenüber Kapitalwertmodellen insofern vorteilhaft sind, als sie realistischere Annahmen zulassen. Nur wenn keine differenziertere Annahme über zukünftige Reinvestitionsmöglichkeiten gemacht werden kann als die unbeschränkte Reinvestition zum Kalkulationszinssatz, führen beide Modelle zum gleichen Ergebnis. In diesem Fall ist die Summe aus exogen zugeführten finanziellen Mitteln und Kapitalwert gleich dem mit dem Kalkulationszinssatz abgezinsten Vermögensendwert.3 c) Jährliche Entnahme: Wähle dasjenige Investitionsprogramm, welches eine gleich bleibende jährliche Entnahme (Ausschüttung) maximiert.4 Wird hierbei vorausgesetzt, dass eine unbeschränkte Kreditaufnahme und Wiederanlage von Rückflüssen zum Kalkulationszinssatz erfolgt, so führt die Entnahmemaximierung zum gleichen Ergebnis wie die Kapitalwertmaximierung. Die maximale jährliche Entnahme ist in diesem Fall gleich dem Produkt aus Kapitalwert und Wiedergewinnungsfaktor. 2. Sachlicher Umfang des Entscheidungsfeldes a) Modelle zur Bestimmung des optimalen Investitionsprogramms bei gegebenem Produktionsprogramm für die einzelnen Investitionsprojekte und gegebenen finanziellen Mitteln. b) Modelle zur simultanen Bestimmung von optimalem Investitionsprogramm und optimalem Finanzierungsprogramm bei gegebenem Produktionsprogramm für die einzelnen Investitionsprojekte. 270 5. Kapitel: Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren Erwartungen 3 Vgl. Weingartner, H. M., Mathematical Programming and the Analysis of Capital Budget ing Problems, Englewood Cliffs, N. J. 1963, S.143ff. 4 Vgl. Hax, H.: Investitions- und Finanzplanung mit Hilfe der linearen Programmierung, in: ZfbF 16 (1964), S.430ff. insbes. S.436. Hax, H., Investitionstheorie, korrigierter Nachdruck der 5.Aufl., Würzburg/Wien 1993, S.90. 006-Kapitel_5 14.05.12 10:00 Seite 270 c) Modelle zur simultanen Bestimmung von optimalem Investitionsprogramm und optimalem Produktionsprogramm bei gegebenen finanziellen Mitteln. d) Modelle zur simultanen Bestimmung von optimalem Investitionsprogramm, optimalem Produktionsprogramm und optimalem Finanzierungsprogramm (Kombination der Fälle b) und c)). 3. Zeitlicher Umfang des Entscheidungsfeldes Die Wirkperiode des Investitionsprogramms und gegebenenfalls simultan zu planender Programme ist der Zeitraum, in dem die in das Entscheidungsmodell einbezogenen Alternativen monetäre Konsequenzen aufweisen. Der Planungszeitraum des Entscheidungsmodells kann kürzer oder gleich der Wirkperiode sein. Ist er kürzer als die Wirkperiode, so sind die über den Planungszeitraum hinausragenden monetären Konsequenzen der Alternativen auf das Ende des Planungszeitraums zu transformieren. Der Planungszeitraum kann in einzelne Teilperioden t = 1, …, T unterteilt werden. Je nachdem, in welchen Teilperioden Entscheidungsalternativen berücksichtigt werden, lässt sich folgende Unterscheidung treffen: a) Einperiodenmodelle: es werden nur Alternativen der ersten Planperiode einbezogen („statische Modelle“ 5). b) Mehrperiodenmodelle: es werden auch Alternativen außerhalb der ersten Teilperiode einbezogen („dynamische Modelle“ 6). Bei einer Unterscheidung von Real- und Finanzinvestitionen können z. B. folgende Fälle auftreten: (1) Alle Realinvestitionsmöglichkeiten beziehen sich auf die erste Teil periode; Finanzinvestitionsmöglichkeiten sind für mehrere Teilperioden gegeben. (2) Sowohl Real- als auch Finanzinvestitionsmöglichkeiten sind für mehrere Teilperioden vorgesehen. Im folgenden werden die klassischen Ansätze der Kapitaltheorie und die neueren kombinatorischen Ansätze zur Bestimmung optimaler Investitionsprogramme für eine Reihe von Modelltypen dargestellt, diskutiert und auf ihre Anwendungsmöglichkeiten überprüft. 5 Vgl. Albach, H., Investition und Liquidität, Wiesbaden 1962, S.220ff. 6 Vgl. Albach, H., Investition …, a. a. O., S.226f. 1 Überblick 271 006-Kapitel_5 14.05.12 10:00 Seite 271 2 Klassische Ansätze der Kapitaltheorie 2.1 Darstellung der Ansätze Den klassischen Ansätzen der Kapitaltheorie ist gemeinsam, dass sie versuchen, auf der Grundlage einer Kapitalnachfragefunktion (sie wird aus den geplanten Investitionsprojekten und deren internen Zinssätzen gewonnen) und einer Kapital angebotsfunktion (für Investitionszwecke verfügbares Eigen- und Fremdkapital in Abhängigkeit vom Zinssatz) das optimale (zinsertragsmaximale) Investitionsprogramm zu bestimmen. (1) Bestimmung des optimalen Investitionsprogramms unter der Voraussetzung, dass der Kapitalmarktzins für aufgenommenes Kapital (Sollzinssatz b) gleich dem Kapitalmarktzins für angelegtes Kapital (Habenzinssatz l) ist und dass unbeschränkte Beträge angelegt und aufgenommen werden können (vollkommener Kapitalmarkt). In diesem Fall gilt: das optimale Investitionsprogramm enthält alle Projekte mit einem internen Zinssatz r ≥ b = l [vgl. Abb. a]. (2) Bestimmung des optimalen Investitionsprogramms unter der Voraussetzung, dass bei b = l Kapital für Investitionszwecke nur in beschränktem Umfang zur Verfügung steht. In diesem Fall gilt: das optimale Investitionsprogramm enthält alle Projekte mit einem internen Zinssatz 272 5. Kapitel: Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren Erwartungen Abb.a Abb.b Abb. c 006-Kapitel_5 14.05.12 10:00 Seite 272

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Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.