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3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen (Nutzen-Kosten-Untersuchungen) in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 187 - 195

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_187

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen 175 3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen (Nutzen-Kosten-Untersuchungen) 3.1 Vorbemerkungen Gesamtwirtschaftliche (oder volkswirtschaftliche) Investitionsrechnungen erfassen neben den (projekt-)trägerbezogenen, also für den Projektträger relevanten Wirkungen auch (träger-)externe Effekte. Externe Effekte einer Investition sind Wirkungen bei belasteten und begünstigten Personen und Institutionen außerhalb des Organisationsbereiches des Projektträgers. Das Ergebnis einer gesamtwirtschaftlichen Investitionsrechnung hat – neben dem Ergebnis einer einzelwirtschaftlichen Investitionsrechnung – vor allem die Funktion einer Entscheidungshilfe bei der Beurteilung der Vorteilhaftigkeit öffentlicher Investitionen. Gemäß §7 (2) Bundes-/Landeshaushaltsordnungen sind für „alle finanzwirksamen Maßnahmen“ des Bundes und der Länder „angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchzuführen.“ Die Durchführung gesamtwirtschaftlicher Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen (Nutzen-Kosten-Untersuchungen) für Maßnahmen mit nicht zu vernachlässigenden Auswirkungen sind in den jeweiligen Verwaltungsvorschriften der Bundes-/Landeshaushaltsordnungen (BHO-VV/LHO-VV) verbindlich geregelt. „Geeignet für Nutzen-Kosten-Untersuchungen sind konkrete Maßnahmen [u. a. Investitionsvorhaben, d. Verf.], die gekennzeichnet sind durch eine Vielzahl von unmittelbaren und mittelbaren Vor- und Nachteilen …“188 „Zu den Nutzen-Kosten-Untersuchungen zählen – Kosten-Nutzen-Analysen; die Kosten und Nutzen der zu untersuchenden Maßnahmen werden möglichst in Geld bewertet und einander gegenübergestellt … – Kostenwirksamkeitsanalysen; soweit bei Kosten oder Nutzen eine Quantifizierung in Geld nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, wird eine Bewertung in nicht-monetären Einheiten vorgenommen. Maßstab der Bewertung sind das zugrunde gelegte Zielsystem und die Gewichtung der einzelnen Ziele“.189 Die in den Erläuterungen des Bundesfinanzministers so genannten „Kostenwirksamkeitsanalysen“ werden hier als gesamtwirtschaftliche Nutzwertanalysen bezeichnet. Sie unterscheiden sich von einzelwirtschaftlichen Nutzwertanalysen durch Berücksichtigung von externen Effekten und von Präferenzen externer Belasteter und Begünstigter bei der Ermittlung des Projekt-Nutzwertes. Da die Methodik der gesamtwirtschaftlichen Nutzwertanalyse sich nicht von der Methodik der einzelwirtschaftlichen Nutzwertanalyse unterscheidet, kann dazu auf Abschnitt 2.3 verwiesen werden. Die folgenden Erörterungen beschränken sich deshalb auf Nutzen-Kosten-Analysen. 188 Gührs. E. u. a., a. a. O., S.13. 189 Bundesminister der Finanzen: Erläuterungen …, S.294. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 175 176 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen 3.2 Nutzen-Kosten-Analyse (1) Dem Konzept der Nutzen-Kosten-Analyse190 liegen die folgenden Prinzipien zugrunde: – Zur Beurteilung einer Investition sind sämtliche positiven und negativen Wirkungen zu erfassen, unabhängig davon, bei wem sie entstehen. Dies schließt sowohl die trägerbezogenen (internen) als auch die externen Effekte ein. – Die erfassten Wirkungen einer Investition sind grundsätzlich in Geldgrößen auszudrücken. Nicht monetäre Wirkungen sind also zu bewerten. Nicht bewertbare Wirkungen sind quasi „unter dem Strich“ der Nutzen-Kosten- Analyse als „intangible Effekte“ aufzulisten. – Gesamtwirtschaftlich vorteilhaft ist eine Investition, wenn die Summe der bewerteten positiven Wirkungen (Nutzen) die Summe der bewerteten negativen Wirkungen (gesamtwirtschaftliche Kosten191) übersteigt. Für diesen Fall wird ein positiver Beitrag der Investition zur gesellschaftlichen Wohlfahrt (beispielsweise gmessen als Erhöhung des Sozialproduktes) angenommen. Da es keine Rolle spielt, wem die Nutzen und die Kosten im einzelnen entstehen, bleiben Wirkungen der Investition auf die Verteilung der Nutzen und Kosten außer Betracht. Dies kann zu Ergebnissen führen, die aus der Sicht des Entscheidungsträgers paradox erscheinen mögen. So ist beispielsweise die Vorteilhaftigkeit einer Investition unabhängig davon, ob die Nutzen überwiegend auf beabsichtigte oder überwiegend auf nicht beabsichtigte positive Wirkungen zurückzuführen sind.192 (2) Formal unterscheidet sich die Durchführung einer Nutzen-Kosten-Analyse nicht von der Durchführung einer Kapitalwertrechnung (oder auch einer Interne-Zinssatz-Rechnung). Beurteilungskriterium für die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit einer Investition ist ihr gesamtwirtschaftlicher Kapitalwert C G0. Er ist gleich dem Barwert aller Nettonutzen. , In der obigen Formel bezeichnen: NNUt : Nettonutzen in Periode t 190 Vgl. zu den theoretischen Grundlagen z. B. Hanusch, H.: Nutzen-Kosten-Analyse, 2.Aufl, München 1994 – Zu pragmatischen Aspekten z. B. Gührs u. a., a. a. O. 191 Der Begriff der gesamtwirtschaftlichen Kosten ist wesentlich umfassender als der der einzelwirtschaftlichen (betriebswirtschaftlichen) Kosten. Einzelwirtschaftliche Kosten können einen Bestandteil der gesamtwirtschaftlichen Kosten bilden – i. d.R. gehen jedoch einzelwirtschaftliche Ausgaben in die gesamtwirtschaftlichen Kosten ein. 192 Daraus resultieren u.U. erhebliche Manipulationsspielräume bei der Durchführung von Nutzen-Kosten-Analysen. Um dem vorzubeugen, kann man, unter Verletzung eines Grundprinzips der NKA, die Betrachtung auf die beabsichtigten Wirkungen beschränken. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 176 3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen 177 NUExtt : Externer (Brutto-)Nutzen in Periode t NUIntt : Interner (Brutto-)Nutzen in Periode t KOExtt : Externe Kosten in Periode t KOIntt : Interne Kosten in Periode t iExt : Kalkulationszinssatz für die gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung iInt : Kalkulationszinssatz für die einzelwirtschaftliche Investitionsrechnung Gilt für die gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung derselbe Kalkulationszinssatz wie für die einzelwirtschaftliche Investitionsrechnung (iExt = iInt), dann entspricht der bereits ermittelte einzelwirtschaftliche Kapitalwert dem internen Kapitalwert des Projektes aus Sicht des Projektträgers. Der gesamtwirtschaftliche Kapitalwert lässt sich nun vereinfacht ermitteln, indem der interne Kapitalwert additiv um den die externen Effekte erfassenden Kapitalwert ergänzt wird. (3) Materiell unterscheiden sich einzelwirtschaftliche und gesamtwirtschaftliche Kapitalwertrechnung vor allem durch die Einbeziehung externer Effekte und durch die damit verbundene Notwendigkeit ihrer Bewertung sowie durch das theoretische Konzept zur Bestimmung des Kalkulationszinssatzes. – Externe Nutzen werden entweder mit Hilfe des Zahlungsbereitschaftsansatzes direkt oder über die Ermittlung von tatsächlichen oder fiktiven Einkommenserhöhungen indirekt geschätzt. Der Zahlungsbereitschaftsansatz geht davon aus, dass der externe Nutzen eines Investitionsvorhabens gleich der Konsumentenrente der angebotenen Leis tung ist. Grundlage der Nutzenschätzung bildet eine Befragung der Begünstigten nach dem Preis, den sie für die Inanspruchnahme der Leistung maximal zu zahlen bereit wären. Dieser Ansatz eignet sich für die Ermittlung des externen Nutzens von Investitionsvorhaben, die der Erstellung von Kollektivleis tungen dienen, auf die das Ausschlussprinzip anwendbar ist (z.B. kommunales Hallenbad; gebührenpflichtige Autobahn; aber nicht: Landesverteidigung). Tatsächliche Einkommenserhöhungen werden als Produkt aus erwarteter Mengenänderung und erwartetem Preis geschätzt. So lässt sich beispielsweise bei Durchführung eines Staudammprojektes mit zusätzlichen Bewässerungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft deren zusätzliches (Brutto-) Einkommen als Produkt aus der mengenmäßigen Steigerung der Ernteerträge und dem erwarteten Absatzpreis ermitteln. Fiktive Einkommenserhöhungen sind der Nutzensteigerung des Investitionsvorhabens äquivalente Einkommenserhöhungen oder sie kompensierende Einkommensminderungen bei den Begünstigten. Ihre näherungsweise Bestimmung erfolgt z. B. als Produkt aus erwarteten Zeiteinsparungen bei Inanspruchnahme der angebotenen Leistung und einem fiktiven nutzen - äquivalenten Einkommenswert je Zeiteinheit (z. B. durchschnittlicher Lohnsatz). Dies ist eine, bei der Durchführung von Nutzen-Kosten-Analy- 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 177 178 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen sen für öffentliche Verkehrsprojekte übliche Vorgehensweise: so ermittelt man etwa beim Bau einer U-Bahn-Linie die für die beförderten Personen zu erwartende Zeitersparnis, multipliziert sie mit dem durchschnittlichen Lohnsatz und erhält so die fiktive Einkommenserhöhung. – Die Konzepte zur Ermittlung externer Kosten unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den Konzepten zur Ermittlung externer Nutzen. Man kann mit Hilfe des Zahlungsbereitschaftsansatzes Änderung oder Wegfall von Konsumentenrenten erfassen (z. B. bei Wegfall oder Beeinträchtigung eines Naherholungsgebietes durch eine Verkehrserschließungsmaßnahme), man kann tatsächliche Einkommensminderungen schätzen (z. B. Einkommensminderung der Beherbergungsbetriebe an einer Passstraße als Folge eines Tunnel-Baus), und man kann schließlich auch fiktive, der Nutzenminderung äquivalente Einkommensminderungen oder sie kompensierende Einkommenserhöhungen bei den Belasteten ermitteln. Die näherungsweise Bestimmung von fiktiven Einkommensminderungen erfolgt beispielsweise über die Annahme fiktiver Preisänderungen (z. B. Verminderung des Mietwertes von Wohnungen durch Straßenausbau) oder den Ansatz so genannter Vermeidungskosten (z. B. Kosten der Anlage eines Lärmschutzwalls als äquivalente Einkommensminderung der Anlieger einer durch Ausbau stärker lärmbelasteten Straße). – Der Bestimmung des Kalkulationszinssatzes für Nutzen-Kosten-Analysen liegen die theoretischen Konzepte der sozialen Zeitpräferenzrate und der sozialen Opportunitätskostenrate zugrunde. Ihre Verwendung soll die optimale (= nutzenmaximale) Aufteilung der in einer Volkswirtschaft verfügbaren Ressourcen auf gegenwärtigen Konsum und Investition (= zukünftigen Konsum) gewährleisten. In der Praxis der Nutzen-Kosten-Analyse findet keine der beiden Raten Verwendung. Neben den Ermittlungsschwierigkeiten ist dies darin begründet, dass das reale Entscheidungsproblem sehr viel enger ist als das theoretisch unterstellte. Zu lösen ist nicht das Problem der optimalen Aufteilung des Volkseinkommens auf Konsum und Investition, sondern in der Regel das Problem der Bestimmung eines optimalen staatlichen Investitionsprogramms unter der Annahme beschränkter oder nicht beschränkter finanzieller Ressourcen. Die Annahme nicht beschränkter finanzieller Ressourcen bedeutet, dass der Projektträger jederzeit finanzielle Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen und anlegen kann. Geht man davon aus, dass dies durch Verkauf und Kauf langfristiger öffentlicher Anleihen geschieht, dann erscheint die Verwendung des Zinssatzes für solche Anleihen als Kalkulationszinssatz vertretbar. Diese Vorgehensweise impliziert, dass die Zinsen für öffentliche Anleihen das Einkommensäquivalent für den aus der Investition in solche Anleihen resultierenden Nutzen darstellen. (4) Für die Entscheidung über die Anwendung von Investitionsrechnungen zur Beurteilung öffentlicher Investitionen lassen sich folgende Zweckmäßigkeits- überlegungen formulieren:193 193 Vgl. Lüder, K./Dubber, O., a.a.O., hier S.362ff. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 178 3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen 179 – Bei Investitionsprojekten ohne erhebliche negative externe Effekte wie z. B. Investitionen in Serviceeinrichtungen der öffentlichen Hand (z. B. DV-In ves titionen) oder Investitionen in Einrichtungen der Daseinsvorsorge (z. B. Bäder, Kultureinrichtungen, Einrichtungen des Gesundheitswesens), sollten einzelwirtschaftliche Investitionsrechnungen am Beginn der Investi tionsanalyse stehen. Die Notwendigkeit der Ergänzung durch eine gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung kann anhand des Ablaufdiagramms der folgenden Abbildung geprüft werden. – Bei Investitionsprojekten mit erheblichen, vor allem auch mit erheblichen negativen externen Effekten (z. B. stark umweltbelastende Investitionen wie Verkehrsinvestitionen oder gewerbliche Infrastrukturinvestitionen) sollte die Investitionsanalyse mit einer gesamtwirtschaftlichen Investitionsrechnung beginnen. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass in einem solchen Fall die externen Effekte bei der Entscheidung berücksichtigt werden müssen und dass letztlich allein das Ergebnis der gesamtwirtschaftlichen Analyse entscheidungsrelevant sein sollte. Da ein Projekt jedoch auch bei positivem Ergebnis dieser Analyse nur realisiert werden kann, wenn es finanziell tragbar ist, bedarf die gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung der Ergänzung durch eine einzelwirtschaftliche finanzielle Investitionsrechnung. Im einfachsten Fall – nämlich bei einer Investition ohne finanzielle 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 179 180 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen Folgewirkungen für den Projektträger – reduziert sich die finanzielle Inves titionsrechnung auf die Erfassung der Investitionsausgaben. – Die Anwendung der wegen ihrer Messproblematik, der zu ihrer Lösung notwendigen Fiktionen und der damit gegebenen Manipulationsmöglichkeiten besonders angreifbaren Nutzen-Kosten-Analyse sollte auf Fälle beschränkt werden, in denen • die Gesamtheit der externen Wirkungen aus einer Vielzahl von Einzelwirkungen besteht, • die wesentlichen Projektwirkungen quantitativ erfasst werden können, und • die wesentlichen Projektwirkungen unmittelbar als monetäre Wirkungen erfasst werden können (z. B. als tatsächliche Einkommensänderungen) oder aber die monetäre Messung nicht angreifbarer ist als die nichtmonetäre Messung (dies gilt z. B. häufig in den Fällen, in denen Nutzen und Kosten durch Befragung von einzelnen Begünstigten oder Belasteten festgestellt werden). Beispiel:194 Nutzen-Kosten-Analyse für ein Hallenbad-Projekt 1. Annahmen: – Investitionsausgaben: I0 = 6626000,– €, davon erhält die Gemeinde 1590000,– € als staatlichen Zuschuss – Planungszeitraum: 20 Jahre – Betriebseinnahmen: 130500,– €/Jahr – Betriebsausgaben: 638000,– €/Jahr – Externe Kosten entstehen keine. – Der externe Nutzen ist als Konsumentenrente der Besucher mit Hilfe des Zahlungsbereitschaftsansatzes zu ermitteln. – Kalkulationszinssatz: 7% für einzelwirtschaftliche und für gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung – Besuche und Eintrittspreise: 30000 Besuche/Jahr zum Regel-Eintrittspreis von 2,50 € 37000 Besuche/Jahr zum ermäßigten Eintrittspreis von 1,50 € 2. Ermittlung des internen Kapitalwertes Der interne Kapitalwert beträgt = – 507500 × 10,594 – 5036000 = –10412455,– 194 Vgl. dazu auch Lüder, K./Dubber, O.: a. a. O., S.366 ff. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 180 3 Gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnungen 181 3. Ermittlung des externen Kapitalwertes Die folgende Abbildung enthält das Ergebnis einer Bürgerbefragung zum Hallenbad-Besuchsverhalten in Abhängigkeit vom Regel-Eintrittspreis: Ersetzt man in der obigen Abbildung die Prozentzahl auf der Abszisse durch die zugehörige absolute Zahl, so stellt die Fläche 0/100/A/5,– unterhalb der Kurve die Summe aus Trägererlösen (Fläche 0/100/A/2,50) und Konsumentenrente (Fläche 2,50/A/5,–) dar. Sie gibt damit den erzielbaren Gesamtnutzen des Hallenbadbesuchs wieder. Die Konsumentenrente der regulär zahlenden Hallenbadbesucher errechnet sich wie folgt: Die Anzahl der Hallenbadbesuche zum Regel-Eintrittspreis beträgt 30000. Bei einem Eintrittspreis von 3,75 € würden nur noch 40%, bei 5,– € nur noch 7% der Besuche erfolgen. Da die Fläche des gefundenen Dreiecks 2,50/A/5,– genau der Hälfte der Fläche der Einnahmen der Stadt aus 30000 Besuchen (ca. 75000,– € p. a.) entspricht, ergibt sich eine Konsumentenrente für diesen Benutzerkreis von 37500,– € jährlich. Bezogen auf die Besuche zum ermäßigten Eintrittspreis ergab sich die folgende Preis-Absatz-Funktion: 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 181 182 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen Die Anzahl der Hallenbadbesuche zum ermäßigten Eintrittspreis beträgt 37000. Bei 2,25 € würden nur noch 40% und bei 3,– € nur noch etwa 7% der Besuche erfolgen. Aus 37000 Besuchen ergeben sich für die Stadt Einnahmen in Höhe von ca. 55500,– €/Jahr. Die Konsumentenrente liegt somit bei aufgerundet 27800,– € jährlich. Beim derzeitigen Preisgefüge ergibt sich demnach eine Konsumentenrente aller Hallenbadbesucher in Höhe von insgesamt 65300,– € jährlich. Der externe Kapitalwert beträgt somit 65300 (1,07)–t – 1590000,– = 65300 × 10,594 – 1590000,– = – 898212,– 4. Ermittlung des gesamtwirtschaftlichen Kapitalwertes = – 10412455 – 898212 = – 11310667,– Das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Analyse besagt, dass das Hallenbadprojekt unter gesamtwirtschaftlichen Aspekten nicht vorteilhaft ist. Diese Aussage gilt jedoch auch für die Teilergebnisse: das Projekt ist unter den gegebenen Bedingungen weder für die Trägergemeinde finanziell vorteilhaft noch übersteigen seine externen Nutzen die externen Kosten. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 182 4 Ausgewählte Entscheidungsprobleme 4.1 Leasing-Kauf-Entscheidungen 4.1.1 Steuerliche Behandlung des Leasing Im Unterschied zum gewöhnlichen Mietvertrag ist der hier interessierende (Finanzierungs-)Leasing-Vertrag dadurch gekennzeichnet, dass er a) „… über eine bestimmte Zeit abgeschlossen wird, während der der Vertrag bei vertragsgemäßer Erfüllung von beiden Vertragsparteien nicht gekündigt werden kann (Grundmietzeit), und b) der Leasingnehmer mit den in der Grundmietzeit zu entrichtenden Raten mindestens die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie alle Nebenkosten einschließlich der Finanzierungskosten des Leasing-Gebers deckt.“195 Das Merkmal b) gilt allerdings nur für so genannte Vollamortisationsverträge. Bei den so genannten Teilamortisationsverträgen erfolgt die Deckung der Gesamtkos ten des Leasing-Gebers durch die Leasing-Raten sowie durch die Abschlusszahlung oder Kaufpreiszahlung des Leasing-Nehmers am Ende der Grundmietzeit.196 Im Übrigen trägt der Leasing-Nehmer wie beim Kauf die Wartungs-, Reparaturund Versicherungskosten sowie das Risiko der technischen Veraltung und andere Investitionsrisiken. Die Vorteilhaftigkeit des Abschlusses eines Leasing-Vertrages für den Leasingnehmer hängt entscheidend davon ab, dass die Leasing-Raten steuerlich als Betriebsausgaben anerkannt werden. Dies setzt voraus, dass ein konkreter Vertrag überhaupt als Leasing-Vertrag anzusehen ist (und nicht etwa als verdeckter Kaufvertrag) und dass nicht nur das rechtliche Eigentum am Leasing-Objekt, sondern auch das wirtschaftliche Eigentum beim Leasing-Geber verbleibt.197 Zu den Voraussetzungen, unter denen der Leasing-Geber als wirtschaftlicher Eigentümer des Wirtschaftsgutes anzusehen ist, hat der Bundesfinanzhof 1970 Leitsätze formuliert, die durch die so genannten Leasing-Erlasse des Bundesministers der Finanzen von 1971 (Vollamortisationsverträge für bewegliche Wirtschaftsgüter), 1972 (Voll amortisationsverträge für unbewegliche Wirtschaftsgüter), 1975 und 2006 (Teil- 4 Ausgewählte Entscheidungsprobleme 183 195 Schreiben betr. ertragsteuerliche Behandlung von Leasing-Verträgen über bewegliche Wirtschaftsgüter des Bundesministers der Finanzen (BMF-Schreiben) vom 19. April 1971 (BStBl. I S.264). Diese Abgrenzung gilt auch für Leasing-Verträge über unbewegliche Wirtschaftsgüter. Vgl. Schreiben betr. ertragsteuerliche Behandlung von Finanzierungs-Leasing-Verträgen für unbewegliche Wirtschaftsgüter des Bundesministers der Finanzen (BMF-Schreiben) vom 21. März 1972 (BStBl. I, S. 188). 196 Zu den verschiedenen Typen von Voll- und Teilamortisationsverträgen vgl. z. B. Wöhe, G.: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Bd. I/2, 7.Aufl., München 1992, S.308ff.; Perridon, L./Steiner, M.: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13.Aufl., München 2004, S.460ff. und S.465f. 197 Zur Zurechnung des wirtschaftlichen Eigentums an einem Wirtschaftsgut siehe §39 Abgabenordnung. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:53 Seite 183

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References

Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.