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1. Kapitel: Einführung in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 13 - 17

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_13

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
1. Kapitel: Einführung Investitionen sind wie folgt gekennzeichnet: – Sie sind mit Einnahmen (Nutzen) und Ausgaben verbunden, – es erfolgen zunächst Ausgaben in Erwartung künftiger Netto-Einnahmen (Nettonutzen) und – sie haben längerfristige Folgewirkungen1. Investitionen haben die Gestalt von Ausgaben für Sachanlagen (Betriebsmittel) und für Finanzanlagen, von Ausgaben für die Forschung und Entwicklung, die Einarbeitung, Aus- und Weiterbildung von Personal und für das Marketing. Diese Zuordnung erfolgt hier ohne Rücksicht auf handels- und steuerrechtliche Vorschriften und die dort verankerten Aktivierungsvorschriften und Abschreibungsmöglichkeiten. Gegenstand der Erörterungen in diesem Buch sind vornehmlich Sachanlageninvestitionen, die Ausführungen gelten jedoch sinngemäß auch für andere Investitionen. Die Aufgaben der Investitionsplanung bestehen in erster Linie im Be- und Verarbeiten von Informationen zur Steuerung und Überwachung. Dabei liegen die Probleme für den Praktiker weniger in dem Nachvollzug immer perfekterer Methoden der Investitionsrechnung als in der Beschaffung und zielgerechten Auswertung der erforderlichen Informationen. In der Regel ist der Investitionsbereich in folgende Teilaufgaben (in der Reihenfolge des normalen zeitlichen Ablaufes) zerlegt: • Investitionsvorschlag • Alternativensuche • Vorauswahl anhand technischer und anderer Mindesterfordernisse • Datengenerierung und Durchführung der Investitionsrechnung • Abstimmung der Investitionsvorhaben mit der Gesamtplanung, insbesondere mit der langfristigen Finanzplanung • Investitionsentscheidung • Realisation und Realisationskontrolle • Ergebniskontrolle 1 Vgl. Lüder, K.: Entwicklung und Stand der Investitionsplanung, in: Lüder, K. (Hrsg.): Investitionsplanung, München 1977, S.1 sowie Lüder, K., Investition, in: Dichtl, E./Issing, O. (Hrsg.), Vahlens Großes Wirtschaftslexikon, Bd. I, 2.Aufl., München 1993, S.1032f. 002-Kapitel_1 14.05.12 09:40 Seite 1 Unterscheidet man zwischen rechenbaren – d.h. hier nicht monetär erfassbaren – und nicht rechenbaren Dringlichkeitskriterien als Grundlage der Investitionsentscheidung, so sind für die rechenbaren Kriterien folgende Daten zu erheben: Für die Rentabilität: Zukünftige Einnahmen, Erträge, Leistungen, Ausgaben, Aufwendungen, Kosten bezogen auf einzelne Aggregate, einzelne Projekte, Produkte oder Produktgruppen, auf Betriebe oder Betriebsteile. Für die Wirtschaftlichkeit: Prognose-Leistungen und -Kosten, Mess-Leistungen und -Kosten (Standardwerte mit Maßstabcharakter) und Ist-Leistungen und -Kosten in der gleichen Abgrenzung bzw. Zuordnung wie oben. Für die Liquidität: Einnahmen und Ausgaben in einzelnen Rechnungsperioden bezogen auf das Unternehmen als Ganzes oder auf einzelne Teile, wobei auch diese Betrachtung in die Zukunft gerichtet ist. Für das Risiko: Das Investitionsrisiko lässt sich in einigen Fällen rechnerisch ermitteln (Wiedergewinnungszeiten bzw. Amortisationszeiten, Wahrscheinlichkeitsverteilung einzelner der oben genannten Größen). Zunächst nicht rechenbare oder nicht rechenbar erscheinende Kriterien für die Beurteilung von Investitionen wie z. B. arbeitsphysiologische Kriterien (Unfallsicherheit; Staub-, Lärm-, Hitzebelästigung), Infrastrukturkriterien (Energieversorgung, Abfallbeseitigung) und Umweltkrite rien (Umweltbelastung, Image-Wirkungen) sind selbstverständlich für Investi tionsentscheidungen von zum Teil erheblicher Bedeutung und deshalb neben dem erwarteten finanziellen Erfolg zu berücksichtigen. Dabei kommt man nicht ohne subjektive Wertungen sowohl hinsichtlich einzelner Projektwirkungen als auch hinsichtlich ihrer relativen Bedeutung für die Investitionsentscheidung aus. Wichtig erscheint es in diesem Zusammenhang, die Ergebnisse aller Vorüberlegungen möglichst nachvollziehbar zu dokumentieren und sich dazu auch der verfügbaren systematischen Verfahren zu bedienen2. Aufgrund ihrer längerfristigen Folgewirkungen, hohen Kapitalbindung und Interdepedenzen mit den anderen Teilbereichen des Betriebes besitzen Investitionsentscheidungen einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg des Gesamtbetriebes. Daher ist es zweckmäßig, den Investitionsprozess beginnend mit den ersten Invesitionsüberlegungen entlang der Bewertungs- und Entscheidungsphase bis hin zur Investitionskontrolle auf mögliche Schwachstellen zu untersuchen und Maßnahmen zu deren Beseitigung zu entwickeln und zu ergreifen. Als Instrument der Unternehmensführung zur Annäherung an betriebliche Teil- und Gesamtoptima bietet sich die Schwachstellen-Analyse an. Die Erfahrung lehrt, dass derartige Krankheiten der Betriebe (Schwachstellen) tatsächlich beschrieben werden können, und dass die Krankheitsmerkmale (Schwachstellen-Beschreibung), die Methoden der Diagnose (Schwachstellen- Analyse) und die Therapien (Maßnahmen zur Schwachstellenbeseitigung) sogar 2 1. Kapitel: Einführung 2 Vgl. hierzu insbes. den Abschnitt „Nutzwertanalyse“ auf S.150 ff. in diesem Buch sowie die dort angegebene Literatur. 002-Kapitel_1 14.05.12 09:40 Seite 2 weitgehend unabhängig von der Charakteristik des Einzelbetriebes gelten. Die Möglichkeit einer Verallgemeinerung ist erstaunlich, wenn man die Unterschiede zwischen Betrieben verschiedener Größe, verschiedener wirtschaftlicher Betätigung und – im Hinblick auf die Investitions-Problematik – insbesondere auch verschiedener Anlagenintensität und verschiedenen Risikos betrachtet. Der Sachverhalt weitgehend übereinstimmender Schwachstellen-Anfälligkeit mag aber damit zu erklären sein, dass in allen Betrieben Menschen wirken, deren Verhaltensweisen in entscheidenden Punkten übereinstimmen. Tatsächlich beruhen die Schwach stellen mit der weitesten Verbreitung auch in erster Linie auf Mängeln im menschlich-psychologischen Bereich. Ohne wenigstens mittelbaren Einfluss ist menschliches Verhalten bei keiner der in den folgenden Abschnitten beschriebenen Schwachstellen. Die nachstehend dargestellten, aus der Erfahrung methodisch gewonnenen Schwachstellen des Investitionsbereiches sind einheitlich wie folgt gegliedert: (1) Art der Schwachstelle (Worin besteht die Schwachstelle?) (2) Diagnose (Wie kann die Schwachstelle festgestellt werden?) (3) Ursachen der Schwachstelle (Welches sind die Ursachen der Schwachstelle?) (4) Therapie (Wie kann die Schwachstelle beseitigt werden?) Zur Beseitigung der letzten Schwachstelle „Fehlende oder ungeeignete Investitionsrechnung“ benötigen die mit der Investitionsrechnung befassten Mitarbeiter eingehende Kenntnis der Investitionsrechenverfahren und -modelle. Um Investitionsvorhaben beurteilen und die zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte mit dem für die jeweilige Entscheidungssituation geeigneten Verfahren bewerten zu können, müssen die Mitarbeiter einen Überblick über die wesentlichen Verfahren und ihre Fragestellungen besitzen, deren Methoden nachvollziehen und anwenden können sowie deren Prämissen und Grenzen der Anwendungsmöglichkeiten kennen. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung werden die Rechenverfahren und Modelle daher in selbständigen Kapiteln ausführlich behandelt. Soweit möglich, wurde dabei eine einheitliche Struktur zugrunde gelegt. Entsprechend der zunehmenden Komplexität der Entscheidungssituation werden zunächst Verfahren zur Beur teilung einzelner Investitionsprojekte unter Sicherheit behandelt (3. Kapitel). Gestaltet sich davon abweichend die Entscheidungssituation nun derart, dass bei mindestens einer Entscheidungsalternative mehrere Ergebnisse für möglich gehalten werden, liegt eine Investitionsentscheidung unter Unsicherheit vor; die Verfahren zur Beurteilung einzelner Investitionsprojekte unter Unsicherheit sind daher Gegenstand des vierten Kapitels. In den Kapiteln fünf und sechs werden die Prä missen des vollkommenen Kapitalmarktes und der Isolierbarkeit einzelner Investitionsprojekte aufgehoben, welche folglich die Kenntnis und Aneignung von Verfahren zur Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Investitions- und 1. Kapitel: Einführung 3 002-Kapitel_1 14.05.12 09:40 Seite 3 Finanzplanung einerseits und zwischen Investitions- und Produktionsplanung andererseits verlangen. Analog zur Abgrenzung zwischen den Kapiteln drei und vier werden hier zunächst Verfahren zur Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren Erwartungen (5. Kapitel) und sodann bei unsicheren Erwartungen (6. Kapitel) behandelt. 4 1. Kapitel: Einführung 002-Kapitel_1 14.05.12 09:40 Seite 4 2. Kapitel: Schwachstellen im Investitionsbereich 1 Mangelndes Organisationskonzept 1.1 Art der Schwachstelle Die Organisation eines Betriebes soll ein bestmögliches Zusammenwirken der Menschen und sachlichen Organisationselemente im Sinne einer dauerhaften Erreichung der gesetzten Ziele gewährleisten. Die Organisation wird normalerweise in einer Reihe von Vorschriften niedergelegt, in denen insbesondere die Verteilung der Aufgaben, die Verantwortlichkeit für die Erledigung der Aufgaben sowie die sinnvolle Zusammenfügung der Teilaufgaben zum Ganzen der Betriebsaufgabe zwecks Erreichung der Betriebsziele geordnet sind. Das etwaige Fehlen derartiger Vorschriften besagt noch nicht, dass kein methodischer Aufbau und kein geregelter Ablauf des Betriebsgeschehens gegeben ist. Es können sich im Laufe der Zeit durchaus zweckmäßige Festlegungen von Struktur und Ablauf eingespielt haben, die der betrieblichen Zielsetzung entsprechen. Das Fehlen eines Konzeptes der methodischen, organisatorischen Gestaltung zeigt sich erst in der ständigen Improvisation: Da die Abgrenzung der Aufgaben unklar ist, werden sie zum Teil mehrfach, zum Teil gar nicht erledigt; es zwingt keine Vorschrift zur Einhaltung bestimmter Termine; rationale Entscheidungen sind infolge der nicht methodisch gestalteten Kommunikation zwischen den verschiedenen Aufgabenträgern nur schwer möglich. Betriebe, die keinerlei organisatorische Regelungen aufweisen, sind verhält nismäßig selten, da zumindest die Geschäftsführungsbefugnis, die Anweisungsvollmachten nach innen und die Vertretungsvollmachten nach außen irgendwie festgelegt sein müssen. Dagegen ist es in Betrieben aller Größenklassen und Branchen häufig anzutreffen, dass gerade der Investitionsbereich spezieller, zweckmäßiger Organisationsregelungen entbehrt. Unter Investitionsbereich sei hier die Gesamtheit aller mit Investitionsfragen direkt in engerem Zusammenhang stehenden Teilaufgaben unabhängig von ihrer organisatorischen Zuordnung verstanden. Ohne einen angemessenen organisatorischen Rahmen kann zielgerichtetes Handeln im Investitionsbereich nicht gesichert werden. Deshalb muss der Investitionsbereich auf der Grundlage eines Gesamtkonzeptes organisatorisch gestaltet werden. 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 5

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Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.