2 Einführung in das Arbeitsrecht in:

Gerhard C. Girlich

Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung, page 22 - 30

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3831-4, ISBN online: 978-3-8006-3933-5, https://doi.org/10.15358/9783800639335_22

Series: Vahlen Praxis

Bibliographic information
Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 22 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 23 2 Einführung in das Arbeitsrecht Das Arbeitsrecht ist ein weites Feld und kann daher in diesem Kapitel nicht erschöpfend behandelt werden. Dennoch sollten Sie in der Lohnbuchhaltung über die wichtigsten Regelungen Bescheid wissen. Das Entscheidende vorweg: Zwar sind die grundlegenden Regelungen alle gesetzlich kodifiziert, aber vieles davon ist so offen formuliert, dass es der Auslegung bedarf. Diese Auslegung erfolgt durch die Gerichte – teilweise von Gericht zu Gericht unterschiedlich. Beachten Sie: Sollten Sie in der Praxis ein arbeitsrechtliches Problem haben, müssen Sie unbedingt einen Rechtsanwalt aufsuchen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, sich im Gestrüpp der Rechtsprechung zu verheddern. 2.1 Grundlegendes zum Arbeitsrecht Im Allgemeinen wird das Arbeitsrecht in das kollektive Arbeitsrecht und das Individualarbeitsrecht unterteilt (Abb. 3). Kollektives Arbeitsrecht Individualarbeitsrecht • Tarifvertrag • Betriebsrat • Betriebsvereinbarung • Anbahnung Arbeitsverhältnis • Begründung Arbeitsverhältnis • Rechte und Pflichten • Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ausgestaltet durch die Rechtsprechung Unterteilung Arbeitsrecht Folgende Gesetze sollten Ihnen in Grundzügen geläufig sein: •• Bürgerliches Gesetzbuch Es gibt in Deutschland kein einheitliches Arbeitsgesetzbuch. Vielmehr verteilen sich die Regelungen zum Arbeitsrecht auf mehrere Gesetze. Relevante Gesetze Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 24 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 25 2 Einführung in das Arbeitsrecht24 Die Grundlage für alles sind die Regelungen zum Dienstvertrag, die sich im Bürgerlichen Gesetzbuch finden (§§ 611 ff. BGB). •• Arbeitszeitgesetz Das Arbeitszeitgesetz regelt die zulässige tägliche Arbeitszeit, die Ruhepausen sowie Sonn- und Feiertagsbeschäftigung. •• Bundesurlaubsgesetz Das Bundesurlaubsgesetz regelt den Urlaubsanspruch, die Urlaubsdauer und das Urlaubsentgelt. •• Entgeltfortzahlungsgesetz Das Entgeltfortzahlungsgesetz regelt die Lohnfortzahlung bei Krankheit und an Feiertagen. •• Mutterschutzgesetz Das Mutterschutzgesetz regelt den Schutz von Schwangeren und Müttern nach der Entbindung. Hier sind vor allem der besondere Kündigungsschutz und die Lohnfortzahlung zu erwähnen. •• Tarifvertragsgesetz Das Tarifvertragsgesetz regelt die Rechte und Pflichten der Tarifvertragsparteien (z. B. Gewerkschaft, Arbeitgeberverband). •• Jugendarbeitsschutzgesetz Das Jugendarbeitsschutzgesetz regelt, wie speziell Jugendliche in der Arbeitswelt zu schützen sind (z. B. Beschäftigungsverbot für Kinder unter 15 Jahren). •• Nachweisgesetz Das Nachweisgesetz regelt, dass Arbeitnehmer einen Anspruch auf einen schriftlichen Nachweis über die wesentlichen Bedingungen des Arbeitsverhältnisses haben. 2.2 Kollektive Regelungen Lassen Sie uns im Arbeitsrecht nicht beim einzelnen Arbeitnehmer beginnen, sondern bei den kollektiven Regelungen (Abb. 4). Hierunter fallen Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 24 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 25 2.2 Kollektive Regelungen 25 Kollektives Arbeitsrecht Tarifvertrag Betriebsvereinbarung abgeschlossen durch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände abgeschlossen durch Betriebsrat und einzelnen Arbeitgeber Regelungen des Tarifvertrags gehen vor Regelungen des Tarifvertrags und der Betriebsvereinbarung gehen vor Arbeitsvertrag Individualarbeitsrecht abgeschlossen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber Normenhierarchie im Arbeitsrecht 2.2.1 Tarifvertrag Was ist ein Tarifvertrag überhaupt? Ein Tarifvertrag ist ein schriftlicher Vertrag, der zwischen einer Gewerkschaft auf der einen und einem Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverband auf der anderen Seite abgeschlossen wird (§ 1 TVG). Die am Tarifvertrag Beteiligten werden auch „Tarifvertragsparteien“ genannt. Inhalt von Tarifverträgen sind unter anderem •• Regelungen zu Abschluss und Beendigung von Arbeitsverhältnissen, •• Regelungen zur Gehaltsstruktur und Vergütung •• Regelungen zu den Rechten und Pflichten der Tarifparteien. Ein Tarifvertrag gilt grundsätzlich nur für die Mitglieder der Tarifvertragsparteien, also nur, wenn der Arbeitnehmer Mitglied der Gewerkschaft und der Arbeitgeber Mitglied des Arbeitgeberverbandes ist. Eine große Ausnahme davon ist, wenn der Tarifvertrag für allgemein verbindlich erklärt worden ist (§ 5 TVG). Dann gilt er auch für alle nicht tarifgebundenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für die Lohnbuchhaltung ist die Kenntnis des Tarifvertrags enorm wichtig, denn nur wenn Sie wissen, welcher Arbeitslohn dem Arbeitnehmer zusteht, können Sie eine korrekte Lohnbuchhaltung erstellen. Gerade bei Minijobs (vgl. Kapitel 12) kommt es bei der Prüfung der 400-Euro-Grenze nicht unbedingt auf den tatsächlich ausbezahlten Arbeitslohn an, sondern vielmehr auf den Lohn, der dem Arbeitnehmer zusteht. Sollte dem Definition Gültigkeit Lohnbuchhaltung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 26 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 27 2 Einführung in das Arbeitsrecht26 Arbeitnehmer mehr zustehen, als er tatsächlich bekommt, könnte das dazu führen, dass aus dem Minijob ein reguläres Beschäftigungsverhältnis wird und der Arbeitnehmer in die volle Sozialversicherungspflicht rutscht. Ein beliebtes Thema bei Betriebsprüfungen! 2.2.2 Betriebsvereinbarung Eine Betriebsvereinbarung ist ein schriftlicher Vertrag zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Inhalt einer Betriebsvereinbarung könnte zum Beispiel die Ausgestaltung der Überstundenvergütung im Unternehmen sein. Eine Betriebsvereinbarung ist aber nur dann zulässig, wenn der Tarifvertrag dem nicht entgegensteht. So dürfen Betriebsvereinbarungen grundsätzlich nicht die Vereinbarung einer höheren Arbeitszeit als im Tarifvertrag zum Inhalt haben, es sei denn, der Tarifvertrag erlaubt dies (sog. Öffnungsklausel). Eine Betriebsvereinbarung gilt für alle Arbeitnehmer des Betriebs und verdrängt gegenteilige Regelungen in den einzelnen Arbeitsverträgen. Für die Lohnbuchhaltung ist auch die Kenntnis der Betriebsvereinbarungen wichtig, denn nur wenn Sie wissen, was dem Arbeitnehmer zusteht, können Sie eine korrekte Lohnbuchhaltung erstellen. 2.3 Begründung des Arbeitsverhältnisses: der  Arbeitsvertrag Da die Anbahnung von Arbeitsverhältnissen (z. B. Vorstellungsgespräche) so gut wie keine Auswirkung auf die Lohnbuchhaltung hat, soll im Rahmen dieses Buches auf die Erörterung dieses durchaus spannenden Themas verzichtet werden. Wichtig ist hingegen die Thematik der Begründung von Arbeitsverhältnissen. Ein Arbeitsverhältnis wird durch den Abschluss eines Arbeitsvertrags begründet. Grundsätzlich unterliegt der Arbeitsvertrag keiner Form, es sei denn, der Tarifvertrag schreibt die Schriftform vor. Beachten Sie: Obwohl keine Schriftform vorgeschrieben ist, muss der Arbeitgeber die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich dokumentieren und dem Arbeitnehmer aushändigen (§ 2 Abs. 1 NachwG). Man spricht hier von der „Schriftform durch die Hintertür“. In der Praxis empfiehlt es sich, einen Arbeitsvertrag schriftlich abzuschließen, um für den Streitfall gewappnet zu sein. Gerade bei Arbeitsverträgen mit nahen Angehörigen (Ehepartner, Kinder etc.) ist dies dringend geboten, da sonst die Finanzämter das Arbeitsverhältnis nicht anerkennen könnten. Inhalt und Gültigkeit Lohnbuchhaltung Schriftform empfohlen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 26 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 27 2.4 Pflichten aus dem Arbeitsvertrag 27 Wichtigstes Element des Arbeitsvertrags ist sicherlich die Vereinbarung der Höhe des Entgelts. Als Entgelt kann entweder ein festes Gehalt oder aber ein Zeit-/Akkordlohn vereinbart werden. Beim Gehalt gibt es in der Lohnbuchhaltung wenig zu beachten. Anders verhält es sich beim Zeitoder Akkordlohn. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass dieser auf der Grundlage einer ordentlichen Dokumentation korrekt ermittelt wird. Auch ist daran zu denken, dass der Arbeitnehmer im Urlaubs- und Krankheitsfall sowie an gesetzlichen Feiertagen Anspruch auf Lohnfortzahlung hat. Bei der Lohnabrechnung ist bei Zeit- oder Akkordlohn daran zu denken den Entgeltfortzahlungsanspruch in das Lohnbuchhaltungsprogramm mit einzugeben. Bei Fixgehältern erübrigt sich das. Bei der Ausgestaltung des Arbeitsvertrags gilt der Grundsatz der Privatautonomie, d. h. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, was sie möchten, es sei denn, sie verstoßen damit gegen Arbeitsschutzgesetze, eine Betriebsvereinbarung oder den Tarifvertrag. Für die Lohnbuchhaltung ist zu beachten, dass Vereinbarungen im Arbeitsvertrag zwar arbeitsrechtlich zulässig, aber steuerlich von Nachteil sein können. So sind Überstundenvergütungen am Abend oder an Feiertagen nur dann steuerfrei, wenn die Überstunden genau dokumentiert werden und keine Pauschalabgeltung durch den Arbeitgeber erfolgt; auch wenn dies arbeitsrechtlich zulässig sein mag. Beachten Sie: Sie sollten eine Kopie des Arbeitsvertrags in Ihrem Lohnordner unter dem Namen des jeweiligen Mitarbeiters abheften. 2.4 Pflichten aus dem Arbeitsvertrag Arbeitgeber Arbeitnehmer Hauptpflicht Nebenpflicht Entgeltzahlung Erbringung der Arbeitsleistung Haftung bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit Lohnfortzahlung Urlaubsgewährung Pflichten aus dem Arbeitsvertrag Lohnvereinbarung Lohnfortzahlung Individuelle Ausgestaltung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 28 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 29 2 Einführung in das Arbeitsrecht28 Die Hauptpflicht des Arbeitnehmers ist die Erbringung der vereinbarten Arbeitsleistung, die Hauptpflicht des Arbeitgebers die Entlohnung. Und damit wären wir wieder bei der Lohnbuchhaltung. Mit der Lohnbuchhaltung erfüllt der Arbeitgeber seine Verpflichtung aus dem Arbeitsvertrag. Daneben stellt die Berechnung und Abführung der Sozialversicherung und der Steuer eine Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag dar. Eine Nebenpflicht des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsvertrag ist die Haftung für vorsätzliche oder grob fahrlässige Schädigung des Arbeitgebers, beispielsweise eine Trunkenheitsfahrt mit dem firmeneigenen Pkw, bei der der Wagen beschädigt wird. Verzichtet der Arbeitgeber – aus welchen Gründen auch immer – auf Schadensersatz, stellt dieser Verzicht Arbeitslohn dar und unterliegt der Sozialversicherung sowie dem Steuerabzug (vgl. H 19.3 „Zum Arbeitslohn gehören“ LStH). Gleiches gilt, wenn der Arbeitgeber auf Schadensersatz aus einem Verstoß des Arbeitnehmers gegen das Wettbewerbsverbot verzichtet. Eine Nebenpflicht des Arbeitgebers aus dem Arbeitsvertrag ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hat das Arbeitsverhältnis ununterbrochen vier Wochen lang bestanden, hat der Arbeitnehmer für sechs Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung (§ 3 EFZG), es sei denn, der Arbeitnehmer ist z. B. wegen Alkoholmissbrauchs selbst an der Krankheit schuld. Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen an, bezieht der Arbeitnehmer eine Lohnersatzleistung in Form des Krankengeldes. Die Lohnfortzahlung unterliegt der Sozialversicherung und dem Steuerabzug; das Krankengeld hingegen nicht. Für Sie entsteht durch die Krankheit eines Mitarbeiters mehr Arbeit in der Lohnbuchhaltung: •• Lohnfortzahlung bei Zeit- und Akkordlohn berechnen und in das Lohnbuchhaltungsprogramm einpflegen. •• Anspruch aus der Umlagenversicherung U1 ermitteln und gegenüber der Krankenkasse des Mitarbeiters geltend machen. Dies gilt aber nur bei Betrieben mit maximal 30 Mitarbeitern (mehr dazu in Kapitel 3). Auch muss der Arbeitgeber besondere Rücksicht auf Schwangere nehmen – natürlich erst dann, wenn er von der Schwangerschaft weiß (§ 5 MSchG). Sobald der Arbeitgeber Kenntnis von der Schwangerschaft seiner Mitarbeiterin erlangt hat, muss er die zuständige Aufsichtsbehörde informieren. Er würde sich sonst dem Risiko einer Geldbuße in Höhe von bis zu 2.500 Euro aussetzen. Auch muss er die gesetzlichen Beschäftigungsverbote beachten. Für Vorsorgeuntersuchungen und notwendige Arztbesuche hat der Arbeitgeber die werdende Mutter freizustellen, muss ihr aber trotzdem ihren Lohn bezahlen. Gleiches gilt während der Mutterschutzzeiten (sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt; bei Früh- oder Mehrlingsgeburten sogar zwölf Wochen nach der Geburt). Auch hier kommt mehr Arbeit in der Lohnbuchhaltung auf Sie zu: •• Lohnfortzahlung bei Zeit- und Akkordlohn berechnen und in das Lohnbuchhaltungsprogramm einpflegen. Entlohnung Lohnfortzahlung Mutterschutz Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 28 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 29 2.5 Beendigung des Arbeitsverhältnisses 29 •• Anspruch aus der Umlagenversicherung U2 ermitteln und gegenüber der Krankenkasse des Mitarbeiters geltend machen. Dies gilt unabhängig von der Beschäftigtenanzahl (mehr in Kapitel 3). Eine weitere wichtige Nebenpflicht des Arbeitgebers ist die Gewährung von Urlaub. Der gesetzliche Mindestanspruch beträgt bei einer Fünftagewoche 24 Werktage im Jahr (§ 3 Abs. 1 BUrlG). Während des Urlaubs ist der Arbeitslohn weiterzubezahlen – ein Umstand, den Sie in der Lohnabrechnung berücksichtigen müssen. Beachten Sie: Schwerbehinderte haben nach § 125 Abs. 1 SGB IX grundsätzlich einen Anspruch auf weitere fünf Urlaubstage. 2.5 Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ein Arbeitsverhältnis kann auf unterschiedliche Arten beendet werden: Beendigung eines Arbeitsverhältnisses • Kündigung durch den Arbeitnehmer • Kündigung durch den Arbeitgeber • ordentliche Kündigung • außerordentliche Kündigung • Ablauf der Befristung • Aufhebungsvertrag Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Kündigt der Arbeitnehmer, muss er eine Frist von vier Wochen einhalten. Er kann zum 15. eines Monats oder zum Ende des Monats kündigen. Kündigt hingegen der Arbeitgeber, so muss er die Schriftform wahren und sich grundsätzlich an das Kündigungsschutzgesetz halten. Dies bedeutet für ihn vor allem, dass er bestimmte Kündigungsfristen einhalten muss. Diese betragen in der Probezeit zwei Wochen und danach zwischen einem und sieben Monaten – abhängig von den Jahren der Betriebszugehörigkeit. Eine besondere Form der Kündigung ist die außerordentliche Kündigung. Diese ist nur möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (z. B. Diebstahl Urlaub Kündigung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 30 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 31 2 Einführung in das Arbeitsrecht30 durch einen Mitarbeiter), und bedarf nicht der Einhaltung einer bestimmten Frist. Beachten Sie: Nach § 9 MSchG darf einer Schwangeren nicht gekündigt werden. Ein Arbeitsverhältnis kann natürlich auch durch Befristung enden. War das Arbeitsverhältnis von Anfang an befristet und ist diese Frist abgelaufen, endet es. Einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf die einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses, können sie einen schriftlichen Aufhebungsvertrag vereinbaren. Arbeitnehmer sollten nur bedenken, dass sie mit der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag ihren Anspruch auf Kündigungsschutz verlieren und auch kein Widerrufsrecht haben. Befristung Aufhebungsvertrag Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 30 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Crashkurs Lohn- und Gehaltsabrechnung Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.05.2011 Status: Druckdaten Seite 31 3 Einführung in das Sozialversicherungsrecht 3.1 Grundlagen Das deutsche Sozialversicherungsrecht ist mit zwölf Gesetzbüchern ein ausgesprochen umfangreiches Rechtsgebiet: SGB I Allgemeiner Teil SGB II Grundsicherung für Arbeitsuchende SGB III Arbeitsförderung SGB IV Gemeinsame Vorschriften für die Sozialversicherung SGB V Gesetzliche Krankenversicherung SGB VI Gesetzliche Rentenversicherung SGB VII Gesetzliche Unfallversicherung SGB VIII Kinder- und Jugendhilfe SGB IX Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen SGB X Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz SGB XI Soziale Pflegeversicherung SGB XII Sozialhilfe Glücklicherweise benötigen wir nicht alle Bücher, sodass es doch wieder etwas überschaubarer wird. Aber lassen Sie uns jetzt in alle Ruhe die für die Lohnbuchhaltung relevanten Teilbereiche durchgehen. Die gesetzliche Sozialversicherung besteht aus mehreren Teilbereichen: Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Krankenversicherung Pflegeversicherung Unfallversicherung U 1 Einzugsstelle: Krankenkasse des Mitarbeiters oder AOK U 2 U 3 Teilbereiche der gesetzlichen Sozialversicherung Teilbereiche der SV

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Alles sicher im Griff.

Der schnelle Einstieg

Lohnsteuer, Arbeitslohn, Abzüge, Sozialversicherung, Reisekosten: Die wichtigsten Begriffe der Lohnbuchhaltung sollte man kennen und anwenden können. Dieses Buch zeigt, wie Sie Schritt für Schritt eine perfekte Lohnbuchhaltung aufbauen und Ihre monatlichen Lohnabrechnungen schnell und sicher in den Griff bekommen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele werden Sie kurzweilig und verständlich an die Thematik herangeführt. Die praktische Software zur Lohnabrechnung auf der CDROM dient Ihnen als Grundlage für Ihre eigene Lohnbuchhaltung. Mit Hilfe der umfangreichen Demoversion können Sie die Beispiele einfach nachvollziehen und Ihre eigene Lohnbuchhaltung starten.

- Basiswissen: Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht, Lohnsteuerrecht

- Lohnabrechnung: vom Eintritt bis zum Austritt des Mitarbeiters

- Sonderfälle: geringfügig Beschäftigte, Rentner, Studenten

- Arbeitslohn: steuerfreier und pauschal zu versteuernder Arbeitslohn, Sachlohn, Zuwendungen

- Reisekostenabrechnungen: schnell und sicher buchen

- Betriebsprüfungen der Sozial- und Finanzverwaltung: so prüft der Fiskus

- Alle Lohnbestandteile sicher im Griff

Der Autor

Gerhard C. Girlich, Diplom Finanzwirt (FH), ist in der bayerischen Finanzverwaltung tätig. Er unterrichtet seit mehreren Jahren an verschiedenen Bildungseinrichtungen Steuerrecht und Buchführung und ist Autor von zahlreichen Büchern und Fachpublikationen.