11 Anlagebuchhaltung in:

Gerhard C. Girlich

Buchführung in der Praxis, page 179 - 197

Kontenrahmen, Umsatzsteuer, Anlagevermögen, Betriebsausgaben, Gewinnberechnung

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3926-7, ISBN online: 978-3-8006-3927-4, https://doi.org/10.15358/9783800639274_179

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 185 11 Anlagebuchhaltung In diesem Kapitel beschäftigen Sie sich mit der Behandlung des betrieblichen Anlagevermögens . Hierzu werden wir zuerst die Begriffe „Betriebsvermögen “, „Anlagevermögen “ und „Umlaufvermögen “ wiederholen. Danach befassen Sie sich mit den „Anschaffungskosten “ und „Herstellungskosten “. Abschließend erfolgt die Besprechung der Bilanzierung des Anlagevermögens. 11.1 Was ist Betriebsvermögen? In die Bilanz gehören nur diejenigen Wirtschaftsgüter, die Betriebsvermögen des Unternehmens sind. Dabei ist zwischen Einzelunternehmen und Kapitalgesellschaft zu unterscheiden (siehe Abbildung 171). Abbildung 171 : Betriebsvermögen Einzelunternehmen Alle Wirtschaftsgüter , die zu mehr als 50 % betrieblich genutzt werden, sind zwingend in die Bilanz aufzunehmen (notwendiges Betriebsvermögen ). Bei Wirtschaftsgütern, die zu mindestens 10 % und maximal 50 % betrieblich genutzt werden, besteht ein Wahlrecht (gewillkürtes Betriebsvermögen ). Alle Wirtschaftsgüter, die zu weniger als 10 % betrieblich genutzt werden, dürfen in der Bilanz nicht erscheinen (Privatvermögen ). Schulden , die zum Erwerb von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens aufgenommen wurden oder unmittelbar mit der Betriebstätigkeit in Zusammenhang stehen, sind zwingend in der Bilanz auszuweisen. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 186 11 Anlagebuchhaltung186 Praxis-Beispiel: Betriebsvermögen beim Einzelunternehmen Herr Göthe betreibt in Frankfurt eine Buchhandlung . Welche der folgenden Wirtschaftsgüter gehören in die Bilanz des Einzelunternehmens von Herr Göthe? • Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt • Hypothek auf dieses Haus • Registrierkasse • Sachkredit, zum Kauf der Registrierkasse • Pkw, den er zu 40 % betrieblich nutzt • Verbraucherkredit zum Kauf des Pkws • allg. Geschäftsdarlehen • Verbraucherkredit für Herr Göthe Die Lösung: • Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt: Kein Betriebsvermögen (BV), da es zu 100 % privaten Zwecken dient. • Hypothek auf dieses Haus: Die Schulden wurden zum Erwerb von PV aufgenommen, somit sind auch die Schulden Privatvermögen (PV). • Registrierkasse: Eindeutig BV • Sachkredit, zum Kauf der Registrierkasse: Die Schulden wurden zum Erwerb von BV aufgenommen, somit sind auch die Schulden BV. • Pkw, den er zu 40 % betrieblich nutzt: Nachdem das WG zu mind. 10 %, aber nicht zu mehr als 50 % für betriebliche Zwecke genutzt wird, liegt ein gewillkürtes Betriebsvermögen vor. Der Unternehmer kann entscheiden, ob er es in der Bilanz aufnehmen will oder nicht. • Verbraucherkredit zum Kauf des Pkws: Die Schulden wurden zum Erwerb von gewillkürten BV aufgenommen, somit sind auch die Schulden gewillkürtes BV. Wird der Pkw aktiviert, müssen die Schulden passiviert werden. Wird der Pkw nicht aktiviert, dürfen auch die Schulden nicht passiviert werden. • Allg. Geschäftsdarlehen: Das Darlehen wurde aus betrieblichen Gründen aufgenommen und ist somit zwingend BV. • Verbraucherkredit für Herr Göthe: Verbraucherkredite werden aus privaten Gründen aufgenommen – wie der Name bereits sagt; der Kredit ist somit Privatvermögen (PV). (vgl. im Detail R 4.2 Abs. 1 EStR). Personengesellschaft Alle Wirtschaftsgüter und Schulden, die der Personengesellschaft gehören, sind grundsätzlich in der Bilanz auszuweisen (Gesamthandsvermögen ). Gegebenenfalls sind auch Wirtschaftsgüter und Schulden, die den Gesellschaftern gehören, in einer gesonderten Bilanz auszuweisen (Sonderbetriebsvermögen). Kapitalgesellschaft Alle Wirtschaftsgüter und Schulden, die der Kapitalgesellschaften gehören, sind zwingend in der Bilanz auszuweisen . Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 187 11.2 Was ist Anlagevermögen? 187 Wirtschaftsgüter, die im Eigentum der Gesellschafter stehen, dürfen keinesfalls in der Bilanz auftauchen. Ein Sonderbetriebsvermögen gibt es bei Kapitalgesellschaften nicht. Praxis-Beispiel: Betriebsvermögen bei einer Kapitelgesellschaft Herr Fontane betreibt in Freiburg i. Br. eine Buchhandlung in der Rechtsform einer GmbH . Welche der folgenden Wirtschaftsgüter gehören in die Bilanz der Kapitalgesellschaft? • Haus, das sich im Eigentum der GmbH befindet und in dem Fontane mit seiner Familie lebt. • Pkw, der sich im Eigentum von Fontane befindet und zu 80 % für betriebliche Fahrten eingesetzt wird. Die Lösung: • Haus, das sich im Eigentum der GmbH befindet und in dem Fontane mit seiner Familie lebt: Das Haus gehört der GmbH, es ist somit Betriebsvermögen (BV) der GmbH und in der Bilanz auszuweisen. Wie es genutzt wird, ist unbedeutend. • Pkw, der sich im Eigentum von Herrn Fontane befindet und zu 80 % für betriebliche Fahrten eingesetzt wird: Der Pkw befindet sich nicht im Eigentum der GmbH und ist damit nicht in der Bilanz auszuweisen. Im Gegensatz zu Personengesellschaften gibt es bei Kapitalgesellschaften kein Sonderbetriebsvermögen. 11.2 Was ist Anlagevermögen? Wie Sie bereits gelernt haben, wird das Aktivvermögen des Unternehmens in Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt (siehe Abbildung 172). Abbildung 172 : Unterteilung des Betriebsvermögens • Anlagevermögen (AV): Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb für längere Zeit dienen sollen (z. B. Maschinen, Fahrzeuge, Grundstücke). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 188 11 Anlagebuchhaltung188 • Umlaufvermögen (UV): Wirtschaftsgüter, die dazu bestimmt sind, veräußert oder umgesetzt zu werden (z. B. Geld, Forderungen, Waren). Praxis-Beispiel: Anlagevermögen Was zählt zum Anlagevermögen und was zum Umlaufvermögen – Tabelle 26 klärt auf : AV UV Pkw X Waren X Gebäude X Forderungen X Schreibtisch X Verbindlichkeiten – – Firmenwert X Rechte X Tabelle 26 : Unterteilung in AV und UV Verbindlichkeiten sind Teil der Passiva des Unternehmens, also der Schulden. AV und UV sind Unterteilungen der Aktiva eines Unternehmens, also des positiven Besitzes. 11.3 Wie wird Anlagevermögen in der Bilanz ausgewiesen? Gemäß § 253 Abs. 1 und 2 HGB und § 6 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 EStG sind Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens am Bilanzstichtag mit ihren Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten abzüglich der Absetzung für Abnutzung in der Bilanz auszuweisen (siehe Abbildung 173) . • Bei Kauf sind die Wirtschaftsgüter mit ihren AK einzubuchen oder • bei Herstellung sind die Wirtschaftsgüter mit ihren HK einzubuchen. • Am Bilanzstichtag ist für die abnutzbaren Wirtschaftsgüter des AV die Absetzung für Abnutzung (AfA) vorzunehmen; bei nichtabnutzbaren WG ist in der Regel nichts veranlasst. Sie müssen sich somit zuerst mit den Begriffen „Anschaffungskosten“ und „Herstellungskosten“ auseinandersetzen. Als Sonderfall werden Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 189 11.3 Wie wird Anlagevermögen in der Bilanz ausgewiesen? 189 wir uns mit der Behandlung von Grundstücken befassen. Abschließend werden wir uns dem Begriff „Abschreibung“ zuwenden. Abbildung 173 : Anlagevermögen in der Bilanz 11.3.1 Anschaffungskosten § 255 Absatz 1 Satz 1, 2, 3 Handelsgesetzbuch (HGB): Anschaffungskosten sind die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie [Anm.: die Anschaffungskosten] dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können. Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Nebenkosten sowie die nachträglichen Anschaffungskosten. Anschaffungspreisminderungen sind abzusetzen. Zu den Anschaffungskosten (AK) zählen damit, • der Kaufpreis und • die Anschaffungsnebenkosten (z. B. Transportkosten, Verpackungskosten). Praxis-Beispiel: Anschaffungskosten Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt . Er ermittelt seinen Gewinn an Hand des BVV. Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Im Jahr 08 erwirbt Herr Mercator folgende Wirtschaftsgüter: a) Herr Mercator kauft für seine Werkstatt eine Hydraulikbühne für 100.000 Euro zzgl. 19 % Umsatzsteuer (die Rechnung erfüllt die Voraussetzungen des § 14 UStG). Sie wird am 10.05.08 geliefert. Bezahlt wird sie am 20.07.08 per Bank- überweisung. b) Herr Mercator kauft für seine Werkstatt eine Hydraulikbühne für 100.000 Euro zzgl. 19 % Umsatzsteuer (die Rechnung erfüllt die Voraussetzungen des § 14 UStG nicht). Sie wird am 10.05.08 geliefert. Bezahlt wird sie am 20.07.08 per Banküberweisung. c) Herr Mercator kauft für seine Werkstatt eine Hydraulikbühne für 100.000 Euro zzgl. 19 % Umsatzsteuer. Vorsteuer ist möglich. Sie wird am 10.05.08 geliefert. Bezahlt wird sie am 20.05.08 unter Abzug von 2 % Skonto. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 190 11 Anlagebuchhaltung190 Die Lösung nach SKR 04: Zu a): 10.05.08 Maschine (0400) 100.000 € / sonst. Vbdl. (3500) 119.000 € Vorsteuer (1406) 19.000 € 20.07.08: sonst Vbdl. (3500) / Bank (1800) 119.000 € Zu b): 10.05.08: Maschine (0400) 119.000 € / sonst. Vbdl. (3500) 119.000 € 20.07.08: sonst Vbdl. (3500) / Bank (1800) 119.000 € Zu c): 10.05.08: Maschine (0400) 100.000 € / sonst. Vbdl. (3500) 119.000 € Vorsteuer (1406) 19.000 € 20.05.08: sonst Vbdl. (3500) 119.000 € / Bank (1800) 116.620 € Vorsteuer (1406) 380 € Maschine (0400) 2.000 € Beim Warenverkehr wird Skonto über ein eigenes Konto gebucht (5736), beim Kauf von Wirtschaftsgütern (WG) des Anlagevermögens (AV) wird ein Skonto direkt auf dem Aktivkonto gebucht, denn im Konto sollen die Anschaffungskosten erscheinen. 11.3.2 Herstellungskosten § 255 Absatz 2 Satz 1, 2, 3, 4 Handelsgesetzbuch (HGB): Herstellungskosten sind Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes entstehen (…). Dazu gehören die Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten (…). Bei der Berechnung der Herstellungskosten dürfen angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung (…) einbezogen werden. Forschungs- und Vertriebskosten dürfen nicht einbezogen werden. Fertigungsmaterial + Fertigungslöhne + Materialgemeinkosten + Fertigungsgemeinkosten = Mindestherstellungskosten + allg. Verwaltungskosten = höchstmöglicher Ansatz Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 191 11.3 Wie wird Anlagevermögen in der Bilanz ausgewiesen? 191 11.3.3 Sonderfall: Grundstücke a) Kauf eines Grundstückes Auch für Grundstücke gilt die allgemeine Regel zu den Anschaffungskosten: Kaufpreis + Grunderwerbsteuer + Notarkosten für Auflassung und Kaufvertrag + Grundbuch für Auflassung und Eintragung + Maklergebühren + Fahrt zum angeschafften Objekt = Anschaffungskosten des Grundstückes Die Anschaffungskosten des Grundstückes entfallen sowohl auf das Gebäude als auch auf den Grund und Boden. Da Gebäude und Grund und Boden in der Bilanz gesondert ausgewiesen werden, müssen die Anschaffungskosten aufgeteilt werden. Praxis-Hinweis Beachten Sie bitte, dass Grundstücke erst ab dem Übergang von Nutzen und Lasten bilanziert werden. Praxis-Beispiel: Grundstück Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt . Er ermittelt seinen Gewinn anhand des BVV. Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. • Herr Mercator kauft am 01.08.08 ein Grundstück mit Werkstattgebäude für 300.000 Euro (Grund und Boden(GruBo)-Anteil: 1/3). Übergang Nutzen und Lasten erfolgt am 03.11.08. Den Kaufpreis bezahlte er am 15.11.08 mit Privatmitteln. • Der Notar verlangte mit Rechnung vom 15.09.08 einen Betrag in Höhe von 3.000 Euro zzgl. USt für die Auflassung; Herr Mercator bezahlte die Rechnung am 14.12.08. Das Grundbuch verlangte für die Auflassungsvormerkung 300 Euro (bezahlt am 16.12.08). Die Grunderwerbsteuer (GrESt) (Bescheid vom 01.10.08) betrug 10.500 Euro und wurde am 10.01.09 bezahlt. 1. Ermittlung der Anschaffungskosten: Kaufpreis 300.000 Euro Notar Auflassung 3.000 Euro Grundbuch Auflassung 300 Euro GrESt 10.500 Euro = Anschaffungskosten 313.800 Euro davon 1/3 GruBo 104.600 Euro davon 2/3 Gebäude 209.200 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 192 11 Anlagebuchhaltung192 2. Verbuchung nach SKR 04: 01.08.08: Keine Buchung! Es liegt ein schwebendes Rechtsgeschäft vor, d. h. Herr Mercator hat Anspruch auf Übereignung des Grundstückes und muss gleichzeitig den Kaufpreis zahlen. Die Forderung von Mercator und dessen Schuld sind gleich hoch. 03.11.08: Grund und Boden (0215) 100.000 Euro / sonst. Vbdl. (3500) 300.000 Euro Gebäude (0240) 200.000 Euro 15.11.08: sonst. Vbdl. (3500) / Privateinlage (2180) 300.000 Euro 15.09.08: GruBo (0215) 1.000 Euro / sonst. Vbdl. (3500) 3.570 Euro Gebäude (0240) 2.000 Euro Vorsteuer (1406) 570 Euro 14.12.08: sonst. Vbdl. (3500) / Bank (1800) 3.570 Euro 16.12.08: GruBo (0215) 100 Euro / Bank (1800) 300 Euro Gebäude (0240) 200 Euro 01.10.08: GruBo (0215) 3.500 Euro / sonst. Vbdl. (3500) 10.500 Euro Gebäude (0240) 7.000 Euro 10.01.09: sonst. Vbdl. (3500) / Bank (1800) 10.500 Euro b) Herstellung eines Gebäudes Der Grund und Boden ist mit seinen Anschaffungskosten in der Bilanz auszuweisen. Zu bilanzieren ist ab Übergang von „Nutzen und Lasten“. Das Gebäude ist mit seinen Herstellungskosten ab der Fertigstellung in der Bilanz auszuweisen: Architektenhonorar, Handwerker … 11.4 Bewertung am Bilanzstichtag Beim Kauf bzw. der Herstellung der Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens werden diese mit ihren Anschaffungskosten bzw. deren Herstellungskosten eingebucht. Am Bilanzstichtag werden die abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens dann gemäß § 253 Abs. 3 HGB bzw. § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG bewertet, d. h. es wird analysiert, welcher steuerliche Wert diesem Wirtschaftsgut zuzurechnen ist. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 193 11.4 Bewertung am Bilanzstichtag 193 Stellen Sie sich vor, Sie kaufen am 01.07.2011 einen Pkw und nutzen diesen während des Jahres; Sie stimmen sicherlich zu, dass dieser Pkw am Ende des Jahres nicht mehr mit seinen Anschaffungskosten bilanziert werden kann – er ist seine Anschaffungskosten nicht mehr wert! Er ist ja (ab)genutzt worden! Deshalb wird er mit einem niedrigeren Wert bilanziert, man spricht hier von einem Buchwert (=  steuerlicher Wert des Wirtschaftsgutes). Die Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Bilanzansatz wird grundsätzlich als Absetzung für Abnutzung (AfA) bezeichnet. Praxis-Hinweis Bitte beachten Sie, dass nachfolgende Ausführungen nur die Grundlagen behandeln und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die Ausführungen sollen Sie lediglich in das weite Feld der Bilanzierung einführen. 11.4.1 Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) Der Gesetzgeber geht davon aus, das bestimmte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens so schnell verbraucht werden, dass sie bereits am Ende des Anschaffungsjahres nichts mehr wert sind. Diese Wirtschaftsgüter werden als geringwertige Wirtschaftsgüter bezeichnet, d. h. diese Wirtschaftsgüter werden mit einem Wert von 0 Euro bilanziert, also vollständig abgeschrieben. Geringwertige Wirtschaftsgüter gem. § 6 Abs. 2 EStG liegen vor: • wenn das Wirtschaftsgut selbstständig nutzungsfähig ist und • beweglich ist und • die Nettoanschaffungskosten max. 410 Euro betragen. Praxis-Beispiel: Verbuchung GWG mit SKR 04 Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus. Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten . • Mercator kauft am 14.07.07 bei Lidl gegen Barzahlung einen Locher für 20 Euro zzgl. 3,80 Euro USt. Er erhält eine ordnungsgemäße Rechnung. • Mercator kauft am 15.07.07 bei einem Supermarkt gegen Barzahlung einen Drehstuhl für 140 Euro zzgl. 26,60 Euro USt. Er erhält lediglich einen Kassenzettel. • Mercator kauft am 16.07.07 bei Plus gegen Barzahlung einen Computer für 1.000 Euro (zzgl. USt) und einen Drucker für 99 Euro (inkl. USt). Er erhält eine ordnungsgemäße Rechnung. Verbuchen Sie die Anschaffungen! So geht’s: Die Lösung nach SKR 04 14.07.07: Bürobedarf (6815) 20,00 Euro / Kasse (1600) 23,80 Euro Vorsteuer (1406) 3,80 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 194 11 Anlagebuchhaltung194 Praxis-Hinweis Liegen die AK eines Wirtschaftsgutes bei max. 60 € wird nach herrschender Meinung (h. M.) direkt auf ein Aufwandskonto gebucht. 15.07.07: GWG (0670) 166,60 Euro / Kasse (1600) 166,60 Euro Praxis-Hinweis Da lediglich ein Kassenzettel vorliegt und keine ordnungsgemäße Rechnung, ist ein Vorsteuerabzug nicht möglich. Eine Kleinbetragsrechnung liegt nicht vor, da der Rechnungsbetrag (= brutto) über 150 € liegt.Die Entscheidung, ob ein GWG vorliegt, hängt nur von den Nettoanschaffungskosten (hier: 100/119 von 166,60 Euro = 140 Euro) ab. 16.07.07: BGA (0650) 1.083,19 Euro / Kasse (1600) 1.289 Euro VoSt (1406) 205,81 Euro Praxis-Hinweis Der Drucker ist nicht selbstständig nutzbar, sondern ein unselbstständiges Bestandteil des Wirtschaftsgutes Computer. Da die Netto-AK (= Computer + Drucker) über 1.000 Euro liegen liegt ein BGA vor. 31.12.07: Sofortabschreibung (6260) / GWG (0670) 166,60 € Afa auf Sachanlagen (6220) / BGA (0650) 180,53 € Praxis-Hinweis AfA = 1/3 v. 1.083,19 € x 6/12 = 180,53 € Liegen die Nettoanschaffungskosten über 150 € und bei maximal 1.000 €, so können diese Wirtschaftsgüter seit 01.01.2010 in einen Sammelposten (SKR 03: 0485/SKR 04: 0675) eingestellt werden, der über fünf Jahre abgeschrieben (SKR 03: 4855/SKR 04: 6260) wird. Die Unternehmer haben dabei ein echtes Wahlrecht, ob • sie alle Wirtschaftsgüter bis 410  Euro (netto) als GWG behandeln wollen und alle Wirtschaftsgüter über 410 Euro (netto) über die Nutzungsdauer hinweg abschreiben wollen oder • sie alle Wirtschaftsgüter bis 150 Euro (netto) als GWG behandeln wollen und alle Wirtschaftsgüter von über 150 Euro (netto) bis 1.000 Euro (netto) als Sammelposten über fünf Jahre abschreiben und alle Wirtschaftsgüter über 1.000 Euro (netto) über die Nutzungsdauer hinweg abschreiben wollen. Das Wahlrecht übt der Unternehmer erst am Bilanzstichtag (grundsätzlich der 31.12.) aus. Er muss sich dabei zwischen den beiden oben dargestellten Varianten entscheiden. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 195 11.4 Bewertung am Bilanzstichtag 195 Praxis-Tipp Es empfiehlt sich aber bereits während des Jahres alle Wirtschaftsgüter bis 150 Euro (netto) auf „GWG bis 150 Euro“, alle Wirtschaftsgüter über 150 Euro und bis 410 Euro auf „GWG bis 410 Euro” sowie alle Wirtschaftsgüter über 410 Euro (netto) und bis 1.000 Euro (netto) auf „Sammelposten” zu buchen. SKR 03 SKR 04 GWG bis 150 € 0480 0670 GWG bis 410 € 0481 0671 Sammelposten 0485 0675 Abschreibung GWG 4855 6260 Abschreibung Sammelposten 4862 6264 Tabelle 27: Buchungskonten für GWG und Sammelposten Praxis-Beispiel: Verbuchen Sammelposten mit SKR 04 Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus . Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. • Herr Mercator kauft am 02.01.08 bar einen Drehstuhl für 400 Euro zzgl. USt. Der Drehstuhl wird am 10.01.08 geliefert. Für die Lieferung zahlt Mercator 12 Euro zzgl. USt. Ein Vorsteuerabzug ist möglich. • Herr Mercator kauft am 28.12.08 bar einen Schrank für 900 Euro zzgl. USt. Ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. • Am 10.03.11 wird der Schrank für 100 Euro zzgl. USt bar verkauft. Verbuchen Sie die Anschaffungen! So geht’s: Die Lösung nach SKR 04 02.01.08: Sammelposten (0675) 412,00 Euro / Kasse (1600) 490,28 Euro VoSt (1406) 78,28 Euro Praxis-Hinweis Die Anschaffungsnebenkosten teilen das Schicksal des Kaufpreises und sind genau wie der Kaufpreis ein Teil der Anschaffungskosten. 28.12.08: Sammelposten (0675) 1.071 Euro / Kasse (1600) 1.071 Euro Praxis-Hinweis Für die Einordnung als Sammelposten sind nur die Netto-AK (=  900  Euro) maßgebend. 31.12.08: Abschreibung Sammelposten (6264) / Sammelposten (0675) 296,60 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 196 11 Anlagebuchhaltung196 Praxis-Hinweis Der Saldo des Sammelpostens für 08 beträgt 1.483 Euro, dieser Betrag ist auf fünf Jahre zu verteilen. 31.12.09: Abschreibung Sammelposten (6264) / Sammelposten (0675) 296,60 Euro 31.12.10: Abschreibung Sammelposten (6264) / Sammelposten (0675) 296,60 Euro 10.03.11: Kasse (1600) 119 Euro / Erlöse Anlagenverkäufe (4900) 100 Euro USt (3806) 19 Euro Praxis-Hinweis Trotz Verkaufs des Wirtschaftsgutes ändert sich nichts an der fünfjährigen Verteilung des Sammelpostens aus 08; d. h. es erfolgt keine Ausbuchung des Buchwertes. Diese systemwidrige Vorschrift dient der Entbürokratisierung. 31.12.11: Abschreibung Sammelposten (6264) / Sammelposten (0675) 296,60 Euro 31.12.12: Abschreibung Sammelposten (6264) / Sammelposten (0675) 296,60 Euro Die Themen „GWG“ und „Sammelposten“ lassen sich grafisch wie in Abbildung 174 zusammenfassen: Abbildung 174 : Anlagevermögen CD-Tipp Zweifelsfragen können Sie in dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums nachlesen: Sie finden es als PDF-Datei auf Ihrer CD-ROM zum Buch in Kapitel 11 – Anlagevermögen unter dem Namen BMF zu GWG und Sammelposten.pdf. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 197 11.4 Bewertung am Bilanzstichtag 197 11.4.2 Absetzung für Abnutzung (AfA) Wenn ein Wirtschaftsgut kein GWG oder kein Sammelposten ist, geht der Gesetzgeber davon aus, dass sich das Wirtschaftsgut in einem bestimmten Zeitraum (= Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes ) abnutzt. Sie können also jedes Jahr einen Teil der Anschaffungskosten als Betriebsausgabe geltend machen. Beachten Sie, dass es auch Wirtschaftsgüter gibt (z. B. Grund und Boden bei einem Grundstück), die sich überhaupt nicht abnutzen. Diese Wirtschaftsgüter werden grundsätzlich immer mit ihren Anschaffungskosten bilanziert. Im Folgenden wird die Systematik der Ermittlung der jährlichen AfA in Grundzügen beschrieben: a) AfA-Beginn AfA kann ab dem Monat der Anschaffung bzw. Fertigstellung geltend gemacht werden. b) AfA-Bemessungsgrundlage Berechnungsgrundlage für die AfA sind die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten. c) AfA-Zeitraum Die Anschaffungskosten/Herstellungskosten werden über die Nutzungsdauer hinweg abgeschrieben . CD-Tipp Die Nutzungsdauer ergibt sich hierbei aus den amtlichen AfA-Tabellen, die Sie auf der CD-ROM zum Buch in Kapitel 11 – Anlagevermögen unter AfA-Tabellen. pdf finden. Hier einige Beispiele: Computer/EDV-Software: 3 Jahre neuer Pkw: 6 Jahre gebrauchter Pkw: 4 Jahre Büromöbel: 12 Jahre Firmenwert: 15 Jahre Ende: Ablauf der Nutzungsdauer oder Ausscheiden des WG aus dem Betriebsvermögen. d) AfA-Methode Bei beweglichen Wirtschaftgütern, die bis zum 31.12.2007 und zwischen dem 01.01.2009 und 31.12.2010 angeschafft wurden, hat der Steuerpflichtige das Wahlrecht, ob er lineare AfA oder degressive AfA in Anspruch Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 198 11 Anlagebuchhaltung198 nimmt. Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die in 2008 und ab 01.01.2011 angeschafft wurden, gibt es nur die lineare Abschreibung. Bei Gebäuden ist nur die Gebäude-AfA möglich. Praxis-Beispiel: AfA-Methoden bei beweglichen Wirtschaftsgütern Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus . Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Mercator kauft am 08.09.07 einen Pkw, den er ausschließlich betrieblich nutzt, für 10.000 Euro zzgl. Umsatzsteuer. I. Lineare Abschreibung Bei der linearen AfA erfolgt die Abschreibung gleichmäßig über die Laufzeit. Formel: AfA = Anschaffungskosten (AK)/Nutzungsdauer (ND) Schritt 1: Ermittlung der AfA a) AfA-Beginn: Ab dem 01.09.07 kann das WG steuerlich geltend gemacht werden. Da das WG nach dem 31.12.2003 angeschafft wurde, ist die Vereinfachungsregelung nicht mehr anzuwenden. b) Bemessungsgrundlage: Bemessungsgrundlage sind die Anschaffungskosten i. H. v. 10.000 Euro. c) AfA-Zeitraum: Laut amtlicher AfA-Tabelle beträgt die Nutzungsdauer für einen neuen Pkw 6 Jahre. Der AfA-Zeitraum ist vom 01.09.07 bis 31.08.13. d) AfA-Methode: linear (§ 7 Abs. 1 EstG) – siehe Tabelle 28. Jahr AfA BW 31.12. 07 1/6 v. 10.000 € x 4/12 = 556 € 9.444 € 08 1/6 v. 10.000 € = 1.667 € 7.777 € 09 1/6 v. 10.000 € = 1.667 € 6.110 € 10 1/6 v. 10.000 € = 1.667 € 4.443 € 11 1/6 v. 10.000 € = 1.667 € 2.776 € 12 1/6 v. 10.000 € = 1.667 € 1.109 € 13 1.108 € 1 € BW = Buchwert zum 31.12., d. h. der Wert mit dem das WG in der Schlussbilanz ausgewiesen wird 1 € = Erinnerungswert, der bis zum Verkauf bzw. Verbrauch stehen bleibt Tabelle 28 : Lineare Abschreibung Schritt 2: Verbuchung 08.09.07: Pkw (0520) 10.000 Euro / Bank (1800) 11.900 Euro Vorsteuer (1406) 1.900 Euro 31.12.07: AfA (6222) / Pkw (0520) 556 Euro 31.12.08: AfA (6222) / Pkw (0520) 1.667 Euro usw. 31.12.13: AfA (6222) / Pkw (0520) 1.108 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 199 11.4 Bewertung am Bilanzstichtag 199 II. Degressive Abschreibung Bei der degressiven AfA wird am Anfang ein hoher Betrag geltende gemacht und von da an ein immer niedrigerer Betrag. Formel: AfA = [Anschaffungskosten (AK)/Nutzungsdauer (ND)] x 2,5; max. 25 % Schritt 1: Ermittlung der AfA a) AfA-Beginn: Ab dem 01.09.07 kann das WG steuerlich geltend gemacht werden. Da das WG nach dem 31.12.2003 angeschafft wurde, ist die Vereinfachungsregelung nicht mehr anzuwenden. b) Bemessungsgrundlage: Bemessungsgrundlage sind die Anschaffungskosten i. H. v. 10.000 Euro. c) AfA-Zeitraum: Laut amtlicher AfA-Tabelle beträgt die Nutzungsdauer für einen neuen Pkw 6 Jahre. Der AfA-Zeitraum ist vom 01.09.07 bis 31.08.13. d) AfA-Methode: degressiv (§ 7 Abs. 2 EStG) – siehe Tabelle 29. Jahr AfA BW 31.12. 07 25 % v. 10.000 € x 4/12 = 833 € 9.167 € 08 25 % v. 9.167 € = 2.292 € 6.875 € 09 25 % v. 6.875 € = 1.719 € 5.156 € 10 25 % v. 5.156 € = 1.289 € 3.867 € 11 25 % v. 3.867 € = 967 € 2.900 € 12 25 % v. 2.900 € = 725 € 2.175 € 13 2.174 € 1 € BW = Buchwert zum 31.12., d. h. der Wert mit dem das WG in der Schluss bilanz ausgewiesen wird 1 € = Erinnerungswert, der bis zum Verkauf bzw. Verbrauch stehen bleibt Tabelle 29 : Degressive Abschreibung Praxis-Hinweis Für Wirtschaftsgüter, die in 2008 angeschafft wurden, besteht keine Möglichkeit, eine degressive Abschreibung vorzunehmen. Die degressive AfA gilt zurzeit nur für Anschaffungen zwischen dem 01.01.2009 und dem 31.12.2011. Schritt 2: Verbuchung 08.09.07: Pkw (0520) 10.000 Euro / Bank (1800) 11.600 Euro Vorsteuer (1406) 1.600 Euro 31.12.07: AfA (6222) / Pkw (0520) 833 Euro 31.12.08: AfA (6222) / Pkw (0520) 2.292 Euro 31.12.09: AfA (6222) / Pkw (0520) 1.719 Euro usw. 31.12.13: AfA (6222)/Pkw (0520) 2.174 Euro Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 200 11 Anlagebuchhaltung200 Zusammenfassung Bei der degressiven AfA kann zu Beginn ein höherer Betrag geltend gemacht werden; dies führt zu einer sofortigen Steuerersparnis und hilft, wenn der steuerliche Gewinn sehr hoch bzw. in der Zukunft mit einem niedrigeren Gewinn gerechnet wird. Die lineare AfA hingegen führt zu einer gleichmäßigen Steuerersparnis und eignet sich insbesondere dann, wenn Sie mit gleichbleibenden Gewinnen rechnen. Praxis-Hinweis Es besteht die Möglichkeit, von der degressiven AfA zur linearen AfA zu wechseln. Anbieten würde es sich ab dem 31.12.09. Die AfA nach dem Wechsel ermittelt sich wie folgt: BW 31.12.09/Restnutzungsdauer = 5.156 Euro/44 Monate = 117 Euro AfA pro Monat, d. h. die Jahres-AfA ab dem Jahr 10 beträgt 1.406 Euro Praxis-Beispiel: Abschreibung bei Gebäuden Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt . Er ermittelt seinen Gewinn anhand des BVV. Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Herr Mercator kauft am 01.08.08 ein Grundstück mit Werkstattgebäude für 300.000  Euro (GruBo-Anteil: 1/3). Übergang Nutzen und Lasten erfolgt am 03.11.08. Den Kaufpreis bezahlte er am 15.11.08 vom betrieblichen Tagesgeldkonto. Der Notar verlangte mit Rechnung vom 15.09.08 einen Betrag von 3.000 Euro zzgl. USt. Das Grundbuch verlangte für die Auflassungsvormerkung 300 Euro (bezahlt am 16.12.08). Die Grunderwerbsteuer (Bescheid vom 01.10.08) betrug 10.500 Euro. Schritt 1: Ermittlung der AfA a) AfA-Beginn: Ab dem 01.11.08 kann das Gebäude steuerlich geltend gemacht werden. b) Bemessungsgrundlage: Bemessungsgrundlage sind die Anschaffungskosten des Gebäudes in Höhe von 209.200 Euro (Kaufpreis + Notar + Grundbuchamt + GrESt) Es entsteht keine AfA für den Grund und Boden, da dieser nicht abnutzbar ist! c) AfA-Zeitraum: Gemäß § 7 Abs. 4 EStG beträgt die jährliche AfA bei Betriebsgebäuden pauschal 3 % der Anschaffungskosten. d) Höhe der AfA: 08: 3 % von 209.200 € x 2/12 = 1.046 € 09: 3 % von 209.200 € = 6.276 € Schritt 2: Verbuchung 31.12.08: AfA (6221) / Gebäude (0215) 1.046 € 31.12.09: AfA (6221) / Gebäude (0240) 6.276 € Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 201 11.6 Verkauf eines Wirtschaftsgutes 201 11.5 Zerstörung eines Wirtschaftsgutes Der Restbuchwert des Wirtschaftsgutes ist im Zeitpunkt der Zerstörung auszubuchen (SKR 04: 4855) . Eine ggfs. erhaltene Entschädigung ist als Versicherungsentschädigung (SKR 04: 7400) zu verbuchen. Praxis-Beispiel: Zerstörung Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus. Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten . Am 15.07.09 fährt Herr Mercedes seinen betrieblichen Pkw zu Schrott. Am 01.01.09 ist der Pkw noch mit 5.000 Euro in der Bilanz ausgewiesen. Von der Versicherung erhält Herr Mercedes am 18.10.09 eine Versicherungsentschädigung i. H. von 8.000 Euro überwiesen. So wird gebucht: 15.07.09: Ausbuchen des zerstörten WGs Anlagenabgang (4855) / Pkw (0520) 5.000 € 18.10.09: Die Versicherungsentschädigung stellt einen Ertrag dar, unterliegt aber nicht der Umsatzsteuer. Bank (1800) / a. o. E. (7400) 8.000 € Praxis-Tipp Grundsätzlich ist die AfA bis zur Zerstörung zu berechnen und zu buchen sowie der danach verbleibende Restbuchwert als Anlagenabgang zu buchen. 11.6 Verkauf eines Wirtschaftsgutes Der Restbuchwert des Wirtschaftsgutes ist im Zeitpunkt des Verkaufs auszubuchen (SKR 04: 4855) . Der Kaufpreis ist grundsätzlich in voller Höhe der Umsatzsteuer zu unterwerfen und in Nettohöhe als Ertrag (SKR 04: 4900) zu buchen. Praxis-Beispiel: Verkauf von Anlagevermögen Markus Mercator betreibt in der Rasergasse 123 in Stuttgart ein Autohaus . Er ist Regelbesteuerer und versteuert seine Umsätze nach vereinbarten Entgelten. Am 01.03.04 kauft Herr Mercator einen Mercedes XXL für 100.000 Euro zzgl. Umsatzsteuer. Er nutzt diesen Pkw ausschließlich für Fahrten zu seinen Kunden. Am 21.06.06 verkauft er diesen Mercedes an Herrn Käufer für 90.000 Euro (inkl. Umsatzsteuer). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 202 11 Anlagebuchhaltung202 So geht’s: Die Lösung 01.03.04: Pkw (0520) 100.000 Euro / Bank (1800) 119.000 Euro Vorsteuer (1406) 19.000 Euro 31.12.04: AfA (6222) / Pkw (0520) 13.889 Euro (AfA 04: 1/6 von 100.000 Euro x 10/12 = 13.889 Euro) 31.12.05: AfA (6222) / Pkw (0520) 16.667 Euro (AfA 05: 1/6 v. 100.000 € x 12/12 = 16.667 Euro) BW 31.12.05/01.01.06: 69.444 Euro 21.06.06: Bank (1800) 90.000 € / Erlöse (4900) 75.630,25 Euro USt (3806) 14.369,75 Euro 21.06.06: Anlagenabgang (4855) / Pkw (0520) 69.444 Euro Praxis-Tipp Im Zeitpunkt des Verkaufs ist der auszubuchende Restbuchwert grundsätzlich unter Berücksichtigung der anteiligen AfA bis zum Ausscheiden zu ermitteln. 11.7 Anlagespiegel Neben der Bilanz müssen Sie am Ende eines jeden Jahres auch einen Anlagespiegel erstellen, in dem Sie die Entwicklung Ihres Anlagevermögens dokumentieren. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 203 12 Eigenverbrauch Alle betrieblich veranlassten Aufwendungen werden als Betriebsausgabe erfasst. Wenn aber Betriebsausgaben für private Zwecke verwendet werden (= Eigenverbrauch ) – z. B. privates Telefonat auf Betriebskosten oder Privatfahrt mit dem Firmenfahrzeug – muss eine Korrektur erfolgen, da Privatvorgänge den Gewinn des Unternehmens nicht mindern dürfen. Bei der doppelten Buchführung erfolgt die Korrektur durch die Buchung des Eigenverbrauchs auf ein Ertragskonto. Praxis-Beispiel: Eigenverbrauch Barbara Bike betreibt in Bamberg einen Fahrradshop . Ihren Gewinn ermittelt Sie mit Hilfe des BVV. a) Telefon-Eigenverbrauch Bike zahlt monatlich 50 Euro zzgl. Umsatzsteuer für eine Telefonflatrate; den privaten Anteil schätzt sie auf 40 %. b) Waren-Eigenverbrauch Bike schätzt, dass sie im Monat Waren für 40 Euro für sich selbst verwendet. c) Pkw-Eigenverbrauch Bike benutzt zulässigerweise den betrieblichen Pkw auch für Privatfahrten. Es entstanden für den Pkw folgende Aufwendungen: AfA (1/6 v. 24.000 €) 4.000 € Kfz-Steuer 200 € lfd. Kfz-Kosten 2.340 € Kfz-Reparatur 540 € Die Jahresfahrleistung beträgt 20.000 km. Davon entfallen auf die Privatfahrten (laut dem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch) 6.000 km. Der Bruttolistenneupreis betrug 23.400 €. Folgende Lösung würde sich nach SKR04 anbieten: a) Telefon-Eigenverbrauch Der Telefoneigenverbrauch beträgt 40 % von 600 € = 240 € Die Umsatzsteuer hierauf beträgt 19 % von 240 € = 45,60 € So buchen Sie richtig: (2100) 285,60 € / (4640) 240,00 € (3806) 45,60 € b) Waren-Eigenverbrauch Der Wareneigenverbrauch im Jahr beträgt 40 € x 12 Monate = 480 € Die Umsatzsteuer hierauf beträgt 19 % v. 480 € = 91,20 € So buchen Sie richtig: (2100) 571,20 € / (4686) 480,00 € (3806) 91,20 €

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Zusammenfassung

Buchführung in der Praxis

Dieser aktuelle Ratgeber liefert einen praxisorientierten Einstieg in die Grundlagen der doppelten Buchführung. Ausgehend von einem Unternehmensgründer werden die theoretischen Grundlagen kurzweilig vermittelt. Durch die zahlreichen Praxisbeispiele und Schaubilder ist das Werk besonders anschaulich.

Buchführung auf den Punkt gebracht:

– Zahlreiche Übungen und Beispiele aus der Buchführungspraxis

– Von Einzelbelegen zum vorläufigen Jahresergebnis: So berechnen Sie Einnahmen und Ausgaben

– Auf CD-ROM: Excel-Tools zu Abschreibung, Gewinn- und Verlustermittlung, AfA-Tabellen und DATEV-Kontenrahmen