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3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 67 - 114

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_67

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3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 55 3.4.6 Gesamtergebnis des Branchenratings Für die Stabilität der Unternehmen einer Branche und deren Attraktivität für Kapitalgeber sind sowohl Tatsachen wie das Marktumfeld als auch langfristige Entwicklungen maßgebend, die sich in technologischen, soziologischen und politischen Faktoren niederschlagen. Aus diesem Grund kann als eine Repräsentation des Branchenrisikos der einfache Durchschnitt der 5 Bewertungsbereiche verwendet werden. Tabelle 3-10 stellt die Berechnung noch einmal anschaulich dar und kann zur Bewertung des eigenen Unternehmens herangezogen werden. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse Die quantitative Komponente beschränkt sich auf die Auswertung von Zahlenmaterial des Unternehmens. Hierzu werden die drei letzten Jahresabschlüsse des betrachteten Unternehmens herangezogen. Soweit vorhanden, können Zwischenabschlüsse in das Selbstrating integriert werden, indem statt des aktuellen Jahresabschlusses der Zwischenabschluss zur Ermittlung der Kennzahlen herangezogen wird – unter der Voraussetzung, dass im Zwischenabschluss jährliche Aufwendungen (z.B. Zinsen, Abschreibungen, Versicherungsprämien etc.) anteilig berücksichtig worden sind und dass eine Anpassung der verwendeten Kennzahlen bei den periodenbezogenen Größen erfolgt. Der Zwischenbericht stellt immer nur einen Ausschnitt aus dem Geschäftsjahr des Unternehmens dar. Wie bereits beschrieben, nutzen faktisch alle Banken die Diskriminanzanalyse zur Generierung von Kennzahlen zur Analyse von Jahresabschlüssen. Aus diesem Grund wurden für das Selbstratingsystem die Kennzahlen ausgewählt, die in der Literatur zu bankinternen Ratingsystemen am häufigsten genannt wurden.19 Zu- Gesamtbewertung Branchenrating Analysebereich Notizen zur  Branchensituation Bewertung Politische/rechtliche Rahmenbedingungen ×0,2= Konjunktur ×0,2= Gesellschaftl. Einflüsse ×0,2= Technolog. Einflüsse ×0,2= Markt ×0,2= Gesamtbewertung: Summe Tabelle 3‐10: Gesamtbewertung des Branchenratings 19 Vgl. Knief,  P.: Jahrbuch 2005, 2004, S. 1304–1315; Nolte,  B.: Basel II, 2003, S. 93–189; Hundt,  I./Neitz, B./Grabau, F.‐R.: Rating, 2003, S. 67–154; Meyer, C.: Kunden-Bilanzanalyse, 2000, S. 101–271. 56 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating sätzlich wurden auch wissenschaftliche Studien in die Betrachtung aufgenommen, die ebenfalls anhand der Analyse eines Datenbestandes von Bilanzdaten eine Diskriminanzfunktion abgeleitet haben.20 Auch die auf neuronalen Netzen beruhende Analyse von Baetge/Kirsch/Thiele21 wurde in die Analyse einbezogen, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass einige Banken Insolvenzprognosen auf der Basis von Ansätzen künstlicher Intelligenz erstellen und diese Vorgehensweise im Rahmen des Rating in Zukunft auch bei anderen Banken erfolgreich angewandt werden kann. Die angewendeten Kennzahlen werden aufgeteilt in finanzwirtschaftliche und erfolgswirtschaftliche Kennzahlen. Es kommen folgende Kennzahlen zur Anwendung: 3.5.1 Kennzahlen zur Vermögensstruktur 3.5.1.1 Reinvestitionsquote Reinvestitionsquote (in %) = × 100 Die Reinvestitionsquote bietet Unternehmen die Möglichkeit, die übliche Investitionsquote, die die Nettoinvestitionen auf das Anlagevermögen zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bezieht, sachlogisch nachvollziehen zu können. Es wird das Investitionsverhalten des Unternehmens in Bezug auf den Ersatz alter Anlagen und den Aufbau neuer Produktionsmöglichkeiten beschrieben. Ein Wert über 1 deutet unter Ausschluss eventueller Preissteigerungen auf Wachstum durch Erweiterungsinvestitionen und/oder eine Positionsverbesserung durch Rationalisierungsinvestitionen hin. Fällt dagegen der Wert unter 1, so lässt sich auf eine Vernachlässigung von Ersatzinvestitionen schließen, was in der Zukunft zu höheren Reparaturaufwendungen, qualitativ veralteten Produkten und hohem Finanzierungsbedarf für später dringend erforderliche Ersatzanlagen führt. Es ist aber zu beachten, dass hier lediglich eine einperiodische Betrachtung erfolgt und somit bestimmte branchen- oder unternehmensbedingte Investitionszyklen nicht beachtet werden. 3.5.1.1.1 Aufbereitung Diese Kennzahl stellt durch die in diesen Positionen möglicherweise steckenden Sachverhalte gestaltenden und darstellungsgestaltenden bilanzpolitischen Maßnahmen hohe Ansprüche an die Aufbereitung. Durch die Verwendung der relativen Investitionsquote können Sachverhalte gestaltende Maßnahmen, wie insbesondere der Einfluss von Leasing und ähnlichen Mietverträgen weitgehend eliminiert werden. Auch unternehmensindividuelle Unterschiede bezüglich nicht abnutzbaren Vermögens, wie insbesondere der Grundstücke, spielen im Allgemeinen keine Rolle. Allerdings sind als Abschreibungen nur die betriebswirtschaftlich begründeten anzusetzen, was einerseits den Ausschluss inzwi- 20 Vgl. Kralicek,  P.: Kennzahlen, 2008; Blochwitz,  S./Eigermann,  J.: Diskriminanzanalyse, 2000, S. 58–73. 21 Vgl. Baetge, J./Kirsch, H.‐J./Thiele, S.: Bilanzanalyse, 2004, S. 543–545. Nettoinvestitionen in Sachanlagen Abschreibungen auf Sachanlagen --------------------------------------------------------------------------------------------- 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 57 schen mit dem BilMoG verbotener rein steuerlich motivierten Abschreibungen und andererseits eine Verwendung der linearen Abschreibungsmethode über die wirtschaftlich angenommene Nutzungsdauer bedingt. Die Kennzahl kann verzerrt sein durch die in den Jahren auftretenden Preissteigerungen. Diese werden teilweise an den Erträgen aus Abgang des Sachanlagevermögens deutlich, wenn die Abschreibungen über betriebswirtschaftliche Abschreibungsmethoden vorgenommen wurden. Falls in der Vergangenheit steuerlich bedingte Mehrabschreibungen vorgenommen wurden, so werden diese in dieser Position ebenfalls offensichtlich. Daher sind diese Erträge bei der Ermittlung der Netto- Abgänge zu berücksichtigen. Somit ergeben die Aufbereitungsschemata nach Tabelle 3-11 und Tabelle 3-12: 3.5.1.1.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-13 ordnet der Reinvestitionsquote in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Hierbei wird nicht die Reinvestitionsquote des letzten Bilanzstichtages bewertet, sondern die durchschnittliche Reinvestitionsquote der letzten 3 Jahre, um die bereits beschriebenen Probleme mit Sprunginvestitionen und Investitionszyklen abzumildern. Zugänge Sachanlagevermögen (SAV) des Geschäftsjahres – Abgänge SAV des Geschäftsjahres zu Anschaffungs-/Herstellungskosten (AHK) + Abgänge kumulierter Abschreibungen Sachanlagevermögen des Geschäftsjahres – Erträge Abgang Sachanlagevermögen des Geschäftsjahres = Nettoinvestitionen in das Sachanlagevermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐11: Aufbereitungsschema Nettoinvestitionen in Sachanlagevermögen Abschreibungen auf Sachanlagevermögen gem. Anlagespiegel –/+ Rein steuerlich bedingte Mehrabschreibungen (vor BilMoG) –/+ Umrechnung auf lineare Abschreibung über wirtschaftliche Nutzungsdauer × Faktor für die Preisentwicklung typischer Sachanlagevermögensgegenstände mit dem Wert Preisniveau (heute) ÷ Preisniveau (des x. Vorjahres) mit x = Durchschnittliche Nutzungsdauer ÷ 2 = Abschreibungen auf Sachanlagevermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐12: Aufbereitungsschema für die Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen Reinvestitionsquote letzte 3 Jahre >130% 130– 110% 110– 100% 100– 90% 90–70% <70% Bewertung 1 2 3 4 5 6 Tabelle 3‐13: Norm‐Ist‐Bewertung der Reinvestitionsquote 58 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.5.1.1.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich erfolgt ebenfalls anhand der durchschnittlichen Reinvestitionsquote der vergangenen drei Bilanzperioden. Liegt dieser Wert unterhalb von 60% des Branchendurchschnitts, investiert das Unternehmen im Vergleich mit anderen Unternehmen derselben Branche so wenig, dass es in Zukunft zu einem hohen Investitionsbedarf und eventuell veralteten Produkten kommt. In diesem Fall ist die im Norm-Ist-Vergleich ermittelte Bewertung zu hoch angesetzt und wird im Rahmen der Branchenanalyse um 1 Schulnote verschlechtert, d.h. es erfolgt ein Zuschlag von +1 auf die Schulnote der Normen-Ist-Analyse. Aus einer 2 wird dann beispielsweise eine 3. Liegt die durchschnittliche Reinvestitionsquote des betrachteten Unternehmens zwischen 60% und 90% des Branchendurchschnitts, investiert es immer noch weniger als die Konkurrenten, sodass ein Zuschlag von +0,5 auf die Schulnote des Norm-Ist-Vergleichs verrechnet wird. Weicht die Reinvestitionsquote nur unwesentlich vom Branchendurchschnitt ab (10% nach unten bzw. 20% nach oben), bleibt die Bewertung aus dem Norm-Ist-Vergleich unverändert bestehen. Ist die eigene Investitionsquote grö- ßer als 120% des Branchendurchschnitts, wird von einer positiven Situation gegenüber den Konkurrenten ausgegangen, da das Unternehmen höhere Investitionen getätigt hat, sodass ein Abschlag auf die Risikoeinstufung des Norm-Ist- Vergleichs vorgenommen werden kann. Dieser beträgt –0,5, wenn die durchschnittliche Reinvestitionsquote zwischen 120% und 170% des Branchendurchschnitts beträgt, und –1, wenn sie größer als 170% des Branchendurchschnitts ist. Tabelle 3-14 stellt den Zusammenhang zwischen Reinvestitionsquote, Branchendurchschnitt und Zu- bzw. Abschlag dar. 3.5.1.1.4 Zeitvergleich Der Zeitvergleich erfolgt – wie auch der Branchenvergleich – anhand von Zuund Abschlägen auf die Bewertung des Norm-Ist-Vergleichs. Im Folgenden werden einige Aussagen gemacht. Trifft eine dieser Aussagen zu, ist diese zu markieren (anzukreuzen) und der darin dargestellte Zu- bzw. Abschlag ist mit der Schulnote des Norm-Ist-Vergleichs zu verrechnen. • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr ein Rückgang der Reinvestitionsquote um mind. 10%-Punkte zu verzeichnen, der nicht durch typische Investitionszyklen erklärbar ist. Zuschlag von +0,5 • Die Reinvestitionsquote ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag stetig um mehr als 10%-Punkte pro Jahr angestiegen, und dies ist nicht durch typische Investitionszyklen erklärbar. Abschlag von –0,5 Reinvestitionsquote letzte 3 Jahre <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐14: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Reinvestitionsquote 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 59 3.5.1.2 Gesamtabschreibungsquote Gesamtabschreibungsquote (in %) = × 100 Die Gesamtabschreibungsquote, die auch als Abgeschriebenheitsquote bezeichnet wird, verdeutlicht den Anteil des Sachanlagevermögens, der bereits abgeschrieben ist. Die grundsätzliche Hypothese lautet: Je höher der Abnutzungsgrad, umso höher ist das durchschnittliche Alter des Vermögens, und umso höher wird die Notwendigkeit sein, in Zukunft Ersatzinvestitionen vorzunehmen. Eine Veränderung der Kennzahl kann zwei unterschiedliche Ursachen haben: Einerseits können bei stark abgeschriebenen Anlagen (d.h. einem Wert von über 50%) die notwendigen Ersatzinvestitionen in den Vorjahren nicht ausreichend vorgenommen worden sein, sodass in naher Zukunft mit einem Investitionsschub zu rechnen ist. Diese Ausprägung stellt somit die dynamische Betrachtung der Reinvestitionsquote dar. Andererseits können aber die scheinbar stark abgeschriebenen Anlagen auch auf stille Reserven hindeuten, da durch bei Umstellung auf das BilMoG nicht aufgelöste steuerliche Mehrabschreibungen, geometrisch degressive Abschreibungsverfahren oder verkürzte Nutzungsdauern der Wert der Bilanz ohne wirtschaftlichen Grund verringert wurde. Diese Interpretation wird auch über die eigentliche Abschreibungsquote (Abschreibungen zu Bestand an Sachanlagevermögen zu Anschaffungs- oder Herstellkosten), ausgedrückt. Werden möglichst hohe Abschreibungen in Anspruch genommen, steigt die Abschreibungsquote, und es werden stille Reserven gebildet. Hierdurch sinken Gewinn und damit ggf. die Steuerlast. Werden dagegen stille Reserven durch niedrige Abschreibungen zugunsten eines höheren Gewinns aufgelöst, steigt die Abschreibungsquote. Dies wird in der Regel nur bei einem zu geringen Gewinn durchgeführt. Eine niedrige bzw. stark fallende Abschreibungsquote kann somit ein Indikator für Probleme bei der Erzielung eines nachhaltigen Gewinns sein. Problem ist, dass diese Werte stark von der Branche und den verwendeten Sachverhalte gestaltenden Maßnahmen (z.B. Leasing) abhängen. Aus diesem Grund wird im Selbstratingsystem statt der Abschreibungsquote die Gesamtabschreibungsquote verwendet, die zur Berechnung die kumulierten Abschreibungen des Sachanlagevermögens heranzieht. Die Aussage der Gesamtabschreibungsquote ist allerdings zu relativieren, wenn in der Vergangenheit vor Anwendung des BilMoG die Abschreibungen zu einem Großteil aus steuerlichen Sonderabschreibungen bestanden, die keinen echten Verbrauch des Wirtschaftsgutes verkörperten. Diese sind nach Möglichkeit bereits im Rahmen der Aufbereitung des Jahresabschlusses zu eliminieren. 3.5.1.2.1 Aufbereitung Diese Gesamtabschreibungsquote stellt durch die in diesen Positionen möglicherweise steckenden Sachverhalte gestaltenden und darstellungsgestaltenden bilanzpolitischen Maßnahmen ebenfalls hohe Ansprüche an die Aufbereitung. Zunächst sind als kumulierte Abschreibungen nur die betriebswirtschaftlich begründeten anzusetzen, was einerseits den Ausschluss der ggf. vor dem BilMoG vorgenommennen und bei der Umstellung nicht aufgedeckten rein steuerlich motivierten Abschreibungen und andererseits eine Verwendung der linearen Kum. Abschreibungen auf Sachanlagen Sachanlagen (zu historischen AHK) ----------------------------------------------------------------------------------------------------------- 60 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Abschreibungsmethode über die wirtschaftlich angenommene Nutzungsdauer bedingt. Zudem sind wesentliche wirtschaftliche Vermögensposten, die außerhalb der Bilanz stehen, wie etwa geleaste betriebsnotwendige Gegenstände, in die Kennzahl mit einzubeziehen. Dies kann jedoch unterbleiben, wenn die Quote der nicht in der Bilanz ausgewiesenen wirtschaftlichen Vermögensgegenstände sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert hat. Die Preisentwicklung belastet diese Kennzahl nur dadurch, dass der signalisierte fehlende Investitionsbetrag ggf. zu niedrig ist. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Anteil der mit alten Preisen bewerteten Beträge im Nenner niedriger ist als im Zähler. Daher könnte eine Verminderung der kumulierten Abschreibungen vorgenommen werden, was aber die Berücksichtigung von stillen Reserven bedingen würde. Daher wird hier mit den nominellen Werten gerechnet und Änderungen im Preisniveau nicht berücksichtigt. Somit ergeben sich folgende Aufbereitungsschemata (Tabelle 3-15 und Tabelle 3-16): 3.5.1.2.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-17 ordnet der Gesamtabschreibungsquote in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Auch hier kommt der Durchschnitt der letzten 3 Jahre zur Anwendung. Kumulierter Abschreibungen Sachanlagevermögen –/+ Rein steuerlich bedingte kumulierte Mehrabschreibungen (vor dem BilMoG) –/+ Umrechnung auf lineare Abschreibung über wirtschaftliche Nutzungsdauer + Unterlassene Zuschreibungen (nur Personengesellschaften (vor dem BilMoG) + Wesentliche bereits verbrauchte Anteile von außerhalb der Bilanz gehaltenen Vermögens (z.B. kum. geleistete Leasingraten abzüglich Finanzierungskosten) = Kumulierte Abschreibungen Sachanlagevermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐15: Aufbereitungsschema für die kumulierten Abschreibungen auf Sachanlagen Sachanlagevermögen zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten + Wesentliche Anteile von außerhalb der Bilanz gehaltenen Vermögens zum Bruttowert (z.B. Barwert der insgesamt zu leistenden Leasingraten) = Sachanlagevermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐16: Aufbereitungsschema für das Sachanlagevermögen Gesamtabschreibungsquote letzte 3 Jahre > 70% 70–60% 60–50% 50–43% 43–35% < 35% Bewertung 6 5 4 3 2 1 Tabelle 3‐17: Norm‐Ist‐Bewertung der Gesamtabschreibungsquote 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 61 3.5.1.2.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich der Gesamtabschreibungsquote erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand von Tabelle 3-18 vorgenommen werden: 3.5.1.2.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr ein Rückgang der Gesamtabschreibungsquote um mindestens 2,5% zu verzeichnen. Abschlag von –0,5 • Die Gesamtabschreibungsquote ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag stetig angestiegen um mehr als 2,5% pro Jahr. Zuschlag von +0,5 3.5.1.3 Kundenziel (Debitorenlaufzeit) Kundenziel (in Tagen) = × 365 Eine schnelle Bezahlung der Rechnungen durch die Kunden ist für das Unternehmen von großer Bedeutung. Spät zahlende Kunden belasten die Liquidität und führen zu zusätzlichem Kapitalbedarf für die Zwischenfinanzierung. Zudem weist ein langes Kundenziel auf Fehler bei der Organisation von Buchhaltung und Inkasso hin. Ein weiterer Grund könnten Absatzprobleme sein, die das Unternehmen zu einer offensiven Marketingpolitik veranlasst haben, welche den Kunden ein besonders langes Zahlungsziel anbietet. Schließlich können erhöhte Forderungen auch ein Indiz für unzufriedene Kunden sein, die ihr Geld zurückbehalten, um Nachbesserungen zu erzwingen. Hierbei ist nicht klar, ob für diese Beträge bereits Rückstellungen gebildet wurden. Allerdings ist in vielen Branchen aber die Finanzierung der produzierten Erzeugnisse inzwischen üblich und wird daher von den Kunden als Teil des Angebotes aufgefasst. Die Kennzahl Kundenziel gibt jedoch nur zusammenfassend über diese Sachverhalte Aufschluss, was eine eindeutige Interpretation erschwert. 3.5.1.3.1 Aufbereitung Die Berechnung des Kundenziels ist vergleichsweise unproblematisch, da der Umsatz als Größe kaum einer Bereinigung bedarf. Auch die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind nach dem HGB als gesonderte Position in der Bilanz auszuweisen. Lediglich im Falle von konzernverbundenen Unternehmen kann es sein, dass in dieser Position nicht auch die Forderungen ausgewiesen Gesamtabschreibungsquote letzte 3 Jahre <50% 50–80% 90–110% 110–150% >150% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag –1 –0,5 ±0 +0,5 +1 Tabelle 3‐18: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Gesamtabschreibungsquote Bestand an Forderungen aus L+L Umsatz ------------------------------------------------------------------------------------------ 62 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating werden, die aus Lieferungen und Leistungen im Zusammenhang mit verbundenen Unternehmen stammen. Für Forderungen aus Lieferung und Leistung ergibt sich das in Tabelle 3-19 dargestellte Aufbereitungsschema: 3.5.1.3.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-20 ordnet dem Kundenziel der letzten Bilanzperiode in Abhängigkeit seiner Länge eine Bewertung im Schulnotensystem zu. 3.5.1.3.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich des Kundenziels erfolgt ähnlich wie bei der Reinvestitionsquote: Liegt die Ausprägung für ein Unternehmen unterhalb von 80% des Branchendurchschnitts, kommt beim Kundenziel jedoch ein Abschlag zum Tragen, da das Ziel der Unternehmen ein möglichst kurzes Kundenziel ist. Ebenso zieht ein Kundenziel, das oberhalb von 110% des Branchendurchschnitts liegt, einen Zuschlag nach sich. Tabelle 3-21 stellt das Vorgehen dar: 3.5.1.3.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr ein Rückgang (=Verbesserung) des Kundenziels um mindestens 8% pro Jahr zu verzeichnen. Abschlag von –0,5 • Das Kundenziel ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr um mindestens 5% gestiegen (=Verschlechterung). Zuschlag von +0,5 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (L+L) + Forderungen aus verbundenen Unternehmen, davon aus L+L + Forderungen aus Beteiligungen, davon aus Lieferungen und Leistungen = Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (aufbereitet) Tabelle 3‐19: Aufbereitungsschema für Lieferungen und Leistungen Kundenziel 30 Tage 31–60 T. 61–90 T. 91–120 T. 121–150 T. >150 Tage Bewertung 1 2 3 4 5 6 Tabelle 3‐20: Norm‐Ist‐Bewertung des Kundenziels Kundenziel (letzte Bilanz) <50% 50–80% 90–120% 110–150% >150% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag –1 –0,5 ±0 +0,5 +1 Tabelle 3‐21: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich des Kundenziels 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 63 3.5.2 Kennzahlen zur Kapitalstruktur 3.5.2.1 Eigenkapitalquote EK-Quote (in %) = × 100 Die Eigenkapitalquote gibt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital des Unternehmens an und zeigt potenziellen Kapitalgebern, welche Haftungsmasse im Falle einer Insolvenz zur Verfügung steht. Eine hohe Eigenkapitalausstattung erhöht die Flexibilität und ist bei Inhaber geführten Unternehmen zugleich ein Signal für das Vertrauen des Inhabers in sein Unternehmen und ein Anreiz zu hohem Engagement in der Unternehmensführung. 3.5.2.1.1 Aufbereitung Im Rahmen der Analyse der Kreditwürdigkeit bedürfen die zugrunde gelegten Bestandsgrößen der Bilanz einer genaueren Prüfung unter dem Aspekt der betriebswirtschaftlichen Tatsachengemäßheit der Abbildung. So sind bei Vermögen und Kapital die durch die Inanspruchnahme von abschlusspolitischen Instrumenten hervorgerufenen Verzerrungen zu korrigieren, wobei Korrekturen auf der Aktivseite der Bilanz zu einer Änderung der Bilanzsumme führen.22 Werterhöhungen der Vermögensgegenstände sind zugleich auf der Passivseite in ihrer Nettowirkung im Eigenkapital und die latente Steuerwirkung in den passiven latenten Steuern zu erfassen.  Korrekturen des Fremdkapitals führen dagegen nur zu einem Passivtausch, da der Nettobetrag eigenkapitalerhöhend berücksichtigt wird, während die gedachten Steuerwirkungen nur eine Umpositionierung zur Folge haben, so dass sich die Schulden letztlich genau um den Nettobetrag vermindern. Alle bilanziellen Bereinigungen korrespondieren somit mit dem Eigenkapital, sodass im Rahmen der Analyse eine Eigenkapitalbereinigung, die den Zweck der Ermittlung eines als tatsächlich eingestuften Eigenkapitalwertes hat, vorgenommen werden kann.23 Als Ausgangsbasis dient das bilanzielle Eigenkapital. In dem ausgewiesenen Eigenkapital sind zunächst erfolgsneutrale Wertänderungen, wie kumulierte Währungsumrechnungseffekte, zu berücksichtigen. Bei zugrunde liegenden HGB-Einzelabschlüssen sind zudem steuerliche Verzerrungstatbestände zu eliminieren, die bei der Umstellung auf das BilMoG nicht korrigiert wurden bzw. in älteren Abschlüssen noch vorhanden sind, wobei das Problem auftritt, dass bei der Inanspruchnahme vieler Wahlrechte nur die Periodenwirkung anzugeben war. Dies betrifft beispielsweise die vorgenommenen steuerlichen Mehrabschreibungen, soweit diese aktivisch durchgeführt wurden. Die sich eventuell kumulierenden Folgewirkungen können dann nur noch geschätzt werden. Darüber hinaus müssen bei allen Abschlussarten Wahlrechtseinflüsse korrigiert werden, was jedoch nur bei quantitativ angabepflichtigen 22 Vgl. Lachnit, L.: Bilanzanalyse, 2004, S. 21–24. 23 Vgl. Lachnit, L./Ammann, H.: Jahresabschlussanalyse, 2002, Rd. 162–164. Eigenkapital Gesamtkapital ----------------------------------------- 64 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Sachverhalten, wie z.B. Reserven im Vorratsvermögen bei der Last in First out- Bewertung, problemlos möglich ist. Insbesondere bei Anwendung des HGB sind durch die nur verbale Benennung von einigen Wahlrechtsnutzungen Betragsschätzungen unvermeidlich. Leider hat diesbezüglich das BilMoG mit den Wahlrechten zur Aktivierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens sowie zum Ansatz der – ggf. um positive Wirkungen aus Verlustvorträgen erweiterten – aktiven latenten Steuern zwei Sachverhalte geschaffen, die zwar betriebswirtschaftlich als werthaltig anzusehen sind, aus Sicht von Kapitalgebern aber einerseits aufgrund der fehlenden Angabepflicht bezüglich nicht aktivierter Werte und andererseits durch die mangelnde Verlässlichkeit kaum im Sinne eines Ansatzes zu bereinigen sind und daher in den Ratingsystemen in aller Regel abgezogen werden. Dabei können aber zum Nachteil des einzustufenden Unternehmens werthaltige Aspekte aus der Betrachtung ausgeschlossen werden. Auf Grund der Unterschiede der Rechnungslegungskonzeptionen sowie der immer noch in Teilbereichen bestehenden Diskrepanz zu einer betriebswirtschaftlich gewünschten Darstellung werden weitere Bereinigungen notwendig werden, die aber nur in Abhängigkeit von den Angaben des Unternehmens (z.B. zu stillen Reserven und Lasten) und den einsetzbaren Schätzungsmethoden bestimmt werden können. Eine vollständige Ermittlung stiller Reserven würde für die Bonitätsanalyse eine hilfreiche Information bieten, da in diesem Fall der ,Nettosubstanzwert‘, d.h. der um stille Reserven bereinigte Eigenkapitalwert, zu ermitteln wäre. Problematisch ist aber die mangelnde Objektivität der Ermittlung, da sehr häufig Schätzungen verwendet werden müssen. Dennoch erscheint dieses Vorgehen geeignet, scheinbar bestehende Probleme durch eine geringe, aus den Abschlussdaten ermittelte Eigenkapitalquote mit reinen Abbildungsproblemen zu erklären. Daher soll im Folgenden die Aufbereitung im Hinblick auf die Abbildung der betriebswirtschaftlich als zutreffend einzuschätzenden Werte erfolgen. Somit ist es möglich, zwischen tatsächlich bestehenden Bonitätsproblemen und reinen Abbildungsproblemen zu unterscheiden, was als informatorische Voraussetzung für Kreditgespräche anzusehen ist. Zunächst ist das Gesamtvermögen bzw. Gesamtkapital aufzubereiten. Eine betriebswirtschaftlich sachgemäße Ermittlung verlangt, je nach Unternehmensfall, einige Korrekturen am ausgewiesenen Bilanzbild. Der ggf. in Abschlüssen vor dem BilMoG vorhandene Aktivposten „ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital“ ist gegen das gezeichnete Kapital aufzurechnen, um das tatsächlich im Unternehmen vorhandene Eigenkapital zutreffend abzubilden. Mit gleicher Logik sind im Umlaufvermögen in Vor-BilMoG-Abschlüssen ausgewiesene eigene Anteile als Vermögen zu streichen und vom Eigenkapital zu subtrahieren, wie es ab spätestens dem Geschäftsjahr 2010 das BilMoG fordert. Des Weiteren sind gemäß § 269 HGB a.F. als Bilanzierungshilfe aktivierte Kosten für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs, die nicht bei der Umstellung auf das BilMoG aufgelöst wurden, aus dem Vermögen zu streichen und gegen das Eigenkapital zu verrechnen, da es sich hierbei um kein Vermögen handelt. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 65 Eine weitere Aufbereitungsnotwendigkeit ergibt sich wegen der gemäß § 268 Abs. 5 Satz 2 HGB gegebenen Möglichkeit, erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen nicht auf der Passivseite der Bilanz unter den Verbindlichkeiten auszuweisen, sondern offen von den Vorräten auf der Aktivseite abzusetzen. Dieses Wahlrecht hat, gerade bei Unternehmen mit langfristiger Fertigung, weitreichende Auswirkungen auf die Bilanzsumme und damit auf viele Bilanzkennzahlen. Um Mittelverwendung und Mittelherkunft des Unternehmens in der Bilanz möglichst vollständig abzubilden, wird als Datenaufbereitung für die Analyse der Bruttoausweis der Vorräte im Vermögen und der erhaltenen Anzahlungen unter den Verbindlichkeiten für zweckmäßig gehalten. Dies erscheint auch deswegen geboten, da sonst der Fall eintreten kann, dass bei offener Absetzung der erhaltenen Anzahlungen von den Vorräten keine Vorräte mehr auszuweisen sind. Bei der Aufbereitung der Bilanz stellt sich auch die Frage, wie ein aktivierter derivativer Geschäfts‐ oder Firmenwert (GFW)  behandelt werden soll. In der Bilanzanalyseliteratur wird zum Teil empfohlen, den GFW wegen der fehlenden Einzelverkehrsfähigkeit und aus Vorsichts- und ggf. Vergleichbarkeitsgründen mit dem Eigenkapital zu saldieren. Dieses Vorgehen wird hier nicht befürwortet. Der GFW hat im Jahresabschluss, nicht zuletzt durch verstärkte Konzernbildung und Unternehmensakquisitionen auch in mittelständischen Unternehmen, eine große betragsmäßige Bedeutung bekommen und kann daher aus Gesamtvermögen und Eigenkapital nicht ausgeblendet werden. Überdies verlangt inzwischen auch der Gesetzgeber den Ansatz des derivativen GFW. Allerdings muss sich ein Unternehmen bei Kreditverhandlungen darauf einstellen, die Werthaltigkeit des erworbenen Tochterunternehmens bzw. im Einzelabschluss des die Vermögensgegenstände abzüglich Schulden übersteigende Betrags zu belegen, da diese i.d.R. angezweifelt wird. Im Folgenden sind die auf der Aktivseite der Bilanz enthaltenen stillen Reserven zu korrigieren. Problematisch ist, dass auch ein in derartiger Detaillierung ermitteltes aufbereitetes Gesamtvermögen nur eine näherungsweise Antwort geben kann, weil es sich häufig nicht um Pflichtangaben im Jahresabschluss, sondern um Ergebnisse von Schätzverfahren handelt. Außerdem sind einige Angaben, wie z.B. aus der Umstellung auf das BilMoG, nicht mehr direkt den Jahresabschlüssen zu entnehmen, was eine entsprechende Kommunikation in Kreditverhandlungen verlangt. Trotz dieser Restriktionen erscheint diese aufwändige Aufbereitung zur Identifizierung einer echten Bonitätsgefahr geeigneter als überschlägig ermittelte Kurzschemata. Im Einzelnen sind die Vermögenswirkung durch GFW-Nachaktivierung bei in der Vergangenheit erfolgsneutral verrechneten Beträgen und deren Abschreibung mit einer Nutzungsdauer von 10 Jahren sowie durch die Vereinheitlichung GFW-Abschreibungsfristen auf eine pauschal angenommene Nutzungsdauer von 10 Jahren zu berücksichtigen. Nur so ist trotz der vielfältigen Wahlrechte und Einschätzungsspielräume in dieser Position eine sachgemäße Vergleichbarkeit insbesondere von Konzernabschlüssen zu gewährleisten.24 24 Vgl. Lachnit, L./Müller, S.: Geschäfts- oder Firmenwerte, 2003, S. 540–550. 66 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Bei selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagever‐ mögens kann seit dem Geschäftsjahr 2010 eine Aktivierung nach § 248 Abs. 2 HGB vorgenommen werden. Vorher bestand ein Aktivierungsverbot und eine Nachaktivierung für frühere Entwicklungsprojekte ist explizit ausgeschlossen. In bestimmten Branchen kann hier dennoch ein hoher Wert liegen, der nach strengen Kriterien (es muss letztlich die Vermögensgegenstandseigenschaft nachgewiesen werden) angesetzt und durchaus als ebenso werthaltig angesehen werden kann, wie eine Spezialmaschine oder ein sonstiger Sachanlagevermögensgegenstand. Für die Berücksichtigung in der Bereinigung besteht jedoch das Problem, dass es einerseits keine Angabepflicht im Anhang bei Nichtaktivierung gibt und dass andererseits durch die sehr junge Rechtsregelung hier erst kleine Beträge bilanziert sein können. Als Posten zum Nachweis der Vermögenskraft eines Unternehmens bietet es sich dennoch an, diesen Posten in die Bereinigung zu integrieren. Dabei ist darauf zu achten, dass auch wirklich nur die nach den hohen Anforderungen des Ansatzes ermittelten Vermögensgegenstände einbezogen werden, was insbesondere bei einer rückwirkenden Bereinigung Schwierigkeiten aufwerfen dürfte. Ein überzogener Ansatz von Vermögensgegenständen kann in Kreditverhandlungen notwendiges Vertrauen zerstören, gleichwohl können berechtigt als Vermögensgegenstand anzusehende Projekte hier durchaus zur Begründung von Kreditanträgen dienen. Die Bereinigung um stille Reserven im Sach‐ und Finanzanlagevermögen hat die Ziele, einerseits die durch die Anschaffungs- und Herstellungskostenrestriktion des HGB ausgelöste Problematik der ungleichen Abbildung von Neugründungen und alteingesessenen Unternehmen zu beseitigen und andererseits die Auswirkungen der vorhandenen Wahlrechte zu beseitigen. Die zur Ermittlung der Eigenkapitalquote sinnvolle Bewertung des Vermögens sollte zu den aktuellen Marktzeitwerten erfolgen. Sind keine Marktwerte für bestimmte Vermögensgegenstände vorhanden, so sind diese über geeignete Verfahren zu schätzen. Hier bietet sich etwa die Ableitung der Werte aus vergleichbaren Märkten, etwa über statistische Daten, oder die Ableitung über die Kapitalisierung von periodischen Erfolgen an. Konkreter Anhaltspunkt für die Wahlrechte sind auch Erträge aus Abgängen von Anlagevermögen, da diese auf eine sehr konservative Bilanzierung des Anlagevermögens schließen lassen, soweit diese regelmäßig anfallen. Problematisch ist dabei allerdings, dass mit Umstellung auf das BilMoG vielfach noch die Auflösung stiller Reserven – nicht aber deren Bildung möglich ist, wie etwa bei steuerlichen Mehrabschreibungen. Auch im Umlaufvermögen sind die stillen Reserven mit dieser Stoßrichtung zu ermitteln und zu korrigieren. Konkret können die Auswirkungen von Bewertungsvereinfachung bei Vorräten (§ 284 (2) 4 HGB) sofort aus dem Anhang entnommen werden. Zudem sind stille Reserven im monetären Umlaufvermögen, wie etwa höhere Marktwerte von Wertpapieren, Fremdwährungsforderungen oder überhöht angesetzte Wertberichtigungen bei Forderungen zu korrigieren. Die Zuordnung der latenten Steuern wirft bei der Bilanzaufbereitung ebenfalls Probleme auf. Gemäß § 274 HGB wird für den Einzelabschluss geregelt, dass passive latente Steuern angesetzt werden müssen, während für aktive latente 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 67 Steuern ein Ansatzwahlrecht gegeben ist. Aus Gründen der durchgängig gleichen Handhabung und angesichts der Tatsache, dass aktive latente Steuern als zukünftiger Verrechnungsanspruch gegen den Fiskus verstanden werden können, erscheint es zweckmäßig, alle aktiven latenten Steuern bei der Datenaufbereitung als Posten auf der Aktivseite der Bilanz zu belassen bzw. ggf. nachzuaktivieren. Da viele Unternehmen von der Anwendung des § 274 HGB ausgenommen sind, ergibt sich hier ggf. ein Mehraufwand bei der Ermittlung, der jedoch vor dem Hintergrund einer sauberen Darstellung sinnvoll erscheint. Als Resultat ergibt sich nach den vorstehend beschriebenen Aufbereitungen der Aktivseite der Bilanz die bilanzanalytisch relevante Basisgröße Gesamtvermögen/Gesamtkapital wie in Tabelle 3-22 dargestellt. Bilanzsumme – Eigenkapitalbestandteile (vor BilMoG) (z.B. Eigene Anteile, ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital, Negatives Eigenkapital, Einzahlungsverpflichtungen des persönlich haftenden/sonstigen Gesellschafters) – Aktivierte Kosten für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs (vor BilMoG und soweit noch vorhanden) + Mit den Vorräten verrechneten erhaltenen Anzahlungen +/– Vermögenswirkung durch GFW-Nachaktivierung (von vor dem BilMoG erfolgsneutral verrechneter und nicht nachaktivierter GFW) und Abschreibung mit Nutzungs-dauer (ND) 10 J. sowie durch Umstellung der GFW-Abschreibung auf ND 10 J. + Nicht aktivierte selbst geschaffene Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 (2) HGB) + Stille Reserven in Grundstücken und Gebäuden + Aktivisch vorgenommene steuerliche Abschreibungen (§ 281 (2) HGB a.F.) (vor BilMoG bzw. soweit nicht aufgelöst) + Weitere stille Reserven in Technischen Anlagen und Maschinen + Weitere stille Reserven in anderen Anlagen und BGA + Stille Reserven in Finanzanlagen + Weitere stille Reserven im Anlagevermögen + Stille Reserven durch Bewertungsvereinfachung bei Vorräten (§ 284 (2) 4 HGB) + Stille Reserven in Erzeugnissen durch Anwendung des Teilkostenansatzes (vor BilMoG) + Stille Reserven in Wertpapieren des Umlaufvermögens + Weitere stille Reserven im Umlaufvermögen + Nicht aktivierte Steuern (§ 274 HGB) = Gesamtvermögen/Gesamtkapital (aufbereitet) Tabelle 3‐22: Aufbereitungsschema für das Gesamtvermögen/Gesamtkapital 68 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Die Aufbereitung des bilanziellen Eigenkapitals ist hinsichtlich der einzubeziehenden Positionen rechtsformabhängig. Inhaltlich übereinstimmend sind dabei aber die Stoßrichtungen der Aufbereitung: Zunächst ist das Eigenkapital zu saldieren mit ggf. in Abschlüssen vor dem BilMoG auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapitalkomponenten. Dies betrifft den nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag sowie die in Abschlüssen vor dem BilMoG ggf. aktivierten ausstehenden Einlagen auf das gezeichnete Kapital und im Umlaufvermögen ausgewiesene eigenen Anteile. Im nächsten Schritt ist eine Aufbereitung bezüglich der Gewinnverwendung vorzunehmen. Rechtlich zulässig ist der Eigenkapitalausweis nach Gewinnverwendung, nach teilweiser Gewinnverwendung (Bilanzgewinn/-verlust) und vor Gewinnverwendung (Jahresüberschuss/-fehlbetrag). Diese Ausweisformen werden übernommen, aber in den letzten beiden Fällen im Rahmen der Aufbereitung um den Ausschüttungsvorschlag korrigiert. Im Ergebnis stellt sich das Eigenkapital dann nach Gewinnverwendung dar. Die Kürzung des Eigenkapitals um den Ausschüttungsbetrag ist erforderlich, da dieser nach Feststellung des Jahresabschlusses zur Auszahlung gelangen wird und mithin den Charakter einer kurzfristigen Verbindlichkeit hat. Für die Analyse von Konzernabschlüssen muss die Behandlung der Anteile an‐ derer Gesellschafter festgelegt werden. Da es sich hier um von außen eingelegtes Eigenkapital bei den Tochterunternehmen handelt, stellt es aus Gläubigersicht Eigenkapital des Konzerns da und ist entsprechend im Eigenkapital zu belassen. Bei der Zuordnung eines passivischen Unterschiedsbetrages aus der Kapitalkon‐ solidierung muss differenziert vorgegangen werden: Grundsätzlich liegt hinter dieser Position ein negativer Unterschiedsbetrag zwischen dem gezahlten Kaufpreis und dem anteiligen neubewerteten Eigenkapital einer erworbenen Tochterunternehmung. Dieser Unterschiedsbetrag kann begründet sein durch Schwebelasten oder negative Zukunftsaussichten des erworbenen Unternehmens, die bisher nicht als Rückstellung erfasst worden sind (Badwill), oder durch Verhandlungsgeschick des Käufers bzw. Zwangslage des Verkäufers (lucky buy).25 Aufgrund der Erläuterungen zu diesem Posten im Anhang ist zu erkennen, ob der passivische Unterschiedsbetrag aus Kapitalkonsolidierung dem Eigenkapital oder wie eine Rückstellung dem Fremdkapital zuzurechnen ist. Diese Aufbereitungsschritte zielen auf die Vereinheitlichung der Ansatzwahlrechte. Für die gesamte Aufbereitung des Eigenkapitals sind aber noch weitere Sachverhalte zu beachten: Zunächst sind die nicht im Rahmen der Umstellung auf das BilMoG korrigierten steuerlichen Verzerrungen im Rahmen der Aufbereitung in der Weise zu eliminieren, dass der ggf. noch vorhandene Sonderpos‐ ten mit Rücklageanteil dem Eigenkapital zuzurechnen ist. Allerdings kann die Zurechnung nur insoweit erfolgen, als es sich auch um Eigenkapital verkörpernde Teile handelt. Daher sind die gestundeten, später zu zahlenden Steuern als latente Steuern aus der Bereinigung mindernd zu berücksichtigen. Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit erfolgt dies in Summe für alle weiteren relevanten Bereinigungspositionen. Aus pragmatischen Gründen wird häufig 25 Vgl. Ammann, H./Müller, S.: Konzernbilanzierung, 2005, S. 137. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 69 mit einer hälftigen Teilung gerechnet, neuerdings ist angesichts reduzierter Steuersätze eine 60 : 40-Aufteilung auf Eigen- und Fremdkapital eher begründet, es kann aber auch noch genauer im Sinne des Latente-Steuer-Konzeptes des DRS 18 die konkret erwartete Steuerquote des Unternehmens zu Grunde gelegt werden. Daran anschließend sind die Bereinigungsschritte des Gesamtkapitals/Gesamtvermögens in das Eigenkapital zu übernehmen, da diese zusammen mit den passivischen latenten  Steuern jeweils die Gegenposition für die veränderten Wertansätze der Aktivseite darstellen. Es sind aber noch weitere Positionen der Passivseite zu korrigieren, wobei – wie bei der Aufbereitung des Gesamtvermögens bereits dargestellt – einerseits auf Pflichtangaben und andererseits auf Schätzungen zurückzugreifen ist. Die Möglichkeit, stille Reserven aufgrund von Rechnungslegungs-Pflichtangaben zu quantifizieren, bestand nicht nur bei den steuerlichen Wahlrechtseinflüssen, sondern zum Teil auch bei handelsrechtlichen Wahlrechten. Zunächst sind in diesem Zusammenhang Aufwandsrückstellungen gemäß § 249 Abs. 2 HGB zu nennen, die im Rahmen der BilMoG-Umstellung nicht aufgelöst wurden. Hierbei handelt es sich um eine vorgezogene Buchung von Aufwand zur Erhaltung der Betriebsfähigkeit, die keine Verpflichtung gegen Dritte beinhaltet und deshalb inzwischen nicht mehr gebildet werden dürfen. Wurden sie gebildet, war die Zuführung zu Aufwandsrückstellungen als vorzeitige Ergebnisminderung und somit als stille Reserven zu interpretieren. Während die Aufwandsrückstellungen i.d.R. kurz- bis mittelfristiger Natur sind, handelt es sich bei stillen Lasten, die aus der Deckungslücke bei Pensionsrückstellungen aufgrund des Ansatzwahlrechtes von Pensions-Altzusagen und mittelbaren Zusagen resultieren, um eine längerfristige Verzerrung der Unternehmensdarstellung, deren Ausmaß jedoch gemäß Art. 28 Abs. 2 EGHGB ebenso angabepflichtig ist, wie eine im Rahmen der BilMoG-Umstellung entstandene Deckungslücke in Folge der geänderten Bewertungsregeln, die gem. Art 67 Abs. 1 EGHGB über 15 Jahre verteilt berücksichtigt werden darf. Die ungebuchte Belastung muss bei einer Analyse der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens als stille Last berücksichtigt werden. Die Bewertung der Pensionsrückstellungen erfolgt nach dem BilMoG nun anders als in der Steuerbilanz, wo entsprechend dem Teilwertverfahren nach § 6a EStG mit einem Abzinsungssatz von 6% auf Basis der Stichtagswerte zu bilanzieren ist. Dieses Verfahren war auch in der Handelsbilanz bis zum BilMoG zulässig, wobei aber handelsrechtlich ein Abzinsungssatz in der Spanne von 3 bis 6% erlaubt war, so dass die Höhe der Pensionsrückstellungen in der Handelsbilanz maßgeblich durch die Wahl des Abzinsungssatzes beeinflusst wurde. Nach dem BilMoG wird nun der Ansatz zum Erfüllungsbetrag gefordert, wobei einerseits die zukünftigen Tarif- und Rentensteigerungen sowie Karrieretrends einzubeziehen sind, andererseits ist eine Abzinsung mit einem von der Deutschen Bundesbank zentral vorgegebenen laufzeitadäquaten Zinssatz notwendig. Somit ergeben sich für Unternehmen Einschätzungsspielräume bei den Schätzungen der Prämissen der Lohn-, Gehalts-, Karriere-, Fluktuations- und Rententrends. Diese sind nach § 285 Nr. 24 HGB im Anhang anzugeben. Ein 70 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Vergleich mit anderen Unternehmen kann hier ggf. stille Reserven bzw. Lasten aufdecken. So bewirkt eine Verwendung von geringfügig höheren Trendannahmen auf Grund der Langfristigkeit und der Zinseszinseffekte hohe Steigerungen der ermittelten Verpflichtungshöhe, was zur Bildung stiller Reserven genutzt werden kann. Werden geringere Werte als branchenüblich verwendet, so deutet dies auf einen zu geringen Verpflichtungsausweis hin. Aktuell fehlt es noch an ausreichender empirischer Basis, um diese Effekte im Rechenschema zu berücksichtigen, gleichwohl werden die Ratingsysteme ab dem Geschäftsjahr 2010 sehr genau auf diese von allen Kapitalgesellschaften zu machenden Angaben schauen und sehr schnell Abweichungen vom Branchendurchschnitt als Indiz für eine stille Reserven bildende oder stille Lasten bildende Abbildungen werten. Fasst man beide Aspekte – Marktzinssatz sowie Renten- und Tarifsteigerungserwartungen – zusammen, so kann man einen Zinssatz von 4,5% bei Beurteilung der Pensionsrückstellungen ohne Anwendung der BilMoG‐Regelungen im Rahmen der externen Analyse statt der bisher bzw. steuerlich pauschalen 6% als gegenwärtig in etwa sachgemäß ansehen; in diesem Satz wird eine Tarif- und Rentensteigerungsannahme von 1,7% p.a. gegen einen langfristigen Kapitalmarktzins für 15-jährige Laufzeiten von 5,2% aufgerechnet, sodass bei dieser Parametrisierung in etwa eine Annäherung von Altwerten vor Gültigkeit des Bil- MoG zur aktuellen Verpflichtungsberechnung erfolgen kann. Auf Grund empirischer Untersuchungen für verschiedene Beispielunternehmen bei einem höheren Zinsniveau hat sich gezeigt, dass bei Anwendung des deutschen Teilwertverfahrens ein Zinsfuß von 4,5% zu in etwa gleichen Ergebnissen führt wie die Ermittlung nach den international anerkannten Verfahren, so dass zur Schätzung stiller Lasten in Pensionsrückstellungsansätzen vor dem BilMoG ein Soll- Zinsfuß von 4,5% zu Grunde gelegt werden kann. Für die Beurteilung der Ansätze von Pensionsrückstellungen vor dem BilMoG dahingehend, ob in ihnen stille Reserven oder Lasten vorliegen, benötigt man analytisch neben einem betriebswirtschaftlich in etwa zutreffenden Abzinsungssatz – hier die vorstehend begründeten 4,5% – auch eine Angabe, welche Gesamtlaufzeit die Pensionsrückstellungen in etwa haben. Durch den späteren Berufseinstieg, Vorruhestandsregelungen sowie längerer Lebenserwartung ergibt als Durchschnittswert für die theoretische Verdichtung der Ein- und Auszahlungen der verschiedenen Anspruchsberechtigten ein Wert von 22 Jahren.26 Um eine Aussage über stille Reserven oder Nachdotierungsbedarfe in alten Pensionsrückstellungsansätzen treffen zu können, werden mit den vorstehenden Parametrisierungen die Soll-Pensionsrückstellungen für Jahresabschlüsse vor dem BilMoG ermittelt und den Ist-Pensionsrückstellungen gemäß der vorliegenden Handelsbilanzen gegenübergestellt. Für die Ermittlung der Soll-Pensionsrückstellungen werden die in der Bilanz ausgewiesenen Pensionsrückstellungen mit dem vom Unternehmen damals angewandten Zinsfuß auf einen Zeitpunkt in 22 Jahren aufgezinst und anschließend mit dem als Referenzgröße angenommenen Soll-Zinsfuß von 4,5% abgezinst. Der Differenzbetrag zwischen den Soll-Pensi- 26 Vgl. Lachnit, L./Ammann, H./Müller, S./Wulf, I.: Jahresabschlussanalyse, 1998, S. 2181. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 71 onsrückstellungen bei einem Zinssatz von 4,5% und den vom Unternehmen tatsächlich gebuchten Pensionsrückstellungen verkörpert den Bestand stiller Reserven bzw. Lasten in dieser Position. Schließlich können bei der Ermittlung der sonstigen Rückstellungen Einschätzungsspielräume vom Unternehmen genutzt werden, deren Wirkungen ggf. ebenfalls zu korrigieren sind. Allerdings fehlt es hier an Angaben, um die Parameter der Schätzung des Erfüllungsbetrags auf Über- oder Untertreibungen hin zu untersuchen. Durch die Änderung des Konzepts kann es gleichwohl zu Abweichungen von Ansätzen vor dem BilMoG zu den aktuellen Ausweisen kommen, da nun eine Abzinsung explizit mit einem laufzeitadäquaten Zinssatz nach Vorgabe der Deutschen Bundesbank gefordert ist. Auf alle Bereinigungspositionen mit Ausnahme der Korrekturen aus den Geschäfts- oder Firmenwert, der systembedingt auszuklammern ist, sind latente Steuern zu verrechnen, da die Wirkung der stillen Reserven/Lasten nicht komplett dem Eigenkapital zuzurechnen ist, sondern auch der Anteil des Fiskus zu berücksichtigen ist. Das Rechenschema in Tabelle 3-23 verdeutlicht die gesamte Aufbereitung des Eigenkapitals: Nominalkapital/gezeichnetes Kapital/Kapitalanteile + Kapitalrücklagen/Rücklagen + Gewinnrücklagen – nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag/eingeforderte ausstehende Einlagen/Einzahlungsverpflichtung persönlich haftender/sonstiger Gesellschafter – nicht eingeforderte ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital/Einzahlungsverpflichtung persönlich haftender/sonstiger Gesellschafter (vor dem BilMoG) – eigene Anteile/Anteile an Komplementärgesellschaften (vor dem BilMoG) + Jahresüberschuss/– Jahresfehlbetrag – Gewinnanteil anderer Gesellschafter + Gewinnvortrag/– Verlustvortrag + Bilanzgewinn/– Bilanzverlust – Ausschüttungsvorschlag + Kapitalanteile anderer Gesellschafter (ohne Ausschüttungen) + passiver Ausgleichsposten aus Konsolidierung (wenn lucky buy) = Eigenkapital nach Vereinheitlichung der Ausweiswahlrechte +* Sonderposten mit Rücklageanteil (§§ 273, 281 (2) HGB a.F.) (vor dem BilMoG bzw. beibehaltene Werte) –* Aktivierte Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung (§ 269 HGB a.F.) (vor dem BilMoG bzw. beibehaltene Werte) +/– Vermögenswirkung durch GFW-Nachaktivierung und Abschreibung mit ND 10 J. sowie durch Umstellung der GFW-Abschreibung auf ND 10 J. 72 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Tabelle 3‐23: Aufbereitungsschema für das Eigenkapital2727 Da diese detaillierten Aufbereitungen für Branchendaten i.d.R. nicht verfügbar sind und zudem ein derart aufwändiges Verfahren auch nicht von den Kreditinstituten vorgenommen wird, erscheint es geboten, zusätzlich zu der aufbereiteten Kennzahl auch eine Kennzahl auf vergleichbarer Basis zu berechnen, wo nur die pflichtgemäß anzugebenden Positionen bereinigt sind. Mit diesen Daten sind dann auch die Zu- und Abschläge im Branchenvergleich zu berechnen. 3.5.2.1.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-24 ordnet der Eigenkapitalquote in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung zu. Die Eigenkapitalquote der letzten Bilanzperiode wird bewertet. +* nicht aktivierte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 (2) HGB) +* Stille Reserven in Grundstücken und Gebäuden +* Aktivisch vorgenommene steuerliche Abschreibungen des GJ (§ 281 (2) HGB a.F.) (vor dem BilMoG bzw. beibehaltene Werte) +* Weitere stille Reserven in Technischen Anlagen und Maschinen +* Weitere stille Reserven in anderen Anlagen und BGA +* Stille Reserven in Finanzanlagen +* Weitere stille Reserven im Anlagevermögen +* Stille Reserven durch Bewertungsvereinfachung bei Vorräten (§ 284 (2) 4 HGB) +* Stille Reserven in Erzeugnissen durch Anwendung des Teilkostenansatzes (vor BilMoG) +* Stille Reserven in Wertpapieren des Umlaufvermögens +* Weitere stille Reserven im Umlaufvermögen + Nicht aktivierte latente Steuern (§ 274 HGB) +/–* Stille Reserven/Lasten in Pensionsrückstellungen –* Deckungslücke bei Pensionsrückstellungs-Altlasten (Art. 28 (2) EGHGB) und aus der Umstellung auf das BilMoG (Art. 67 (1) EGHGB) +/–* Stille Reserven-Wirkung durch Dotierung sonstiger Rückstellungen +* Aufwandsrückstellungen (§ 249 (2) HGB a.F.) (vor dem BilMoG bzw. beibehaltene Werte) +/–* Weitere Eigenkapitalbereinigungen (mithilfe sonstiger Anhangangaben) –/+ Latente Steuern aus Eigenkapitalbereinigung (auf mit * versehene Positionen) = Eigenkapital (aufbereitet) 27 Vgl. Lachnit, L.: Bilanzanalyse, 2004, S. 277. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 73 3.5.2.1.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich der Eigenkapitalquote erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand Tabelle 3-25 vorgenommen werden: 3.5.2.1.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Die Eigenkapitalquote ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr gefallen. Zuschlag von +0,5 • Die Eigenkapitalquote wurde vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr um mindestens 0,02 (2%) gesteigert. Abschlag von –0,5 3.5.2.2 Dynamischer Verschuldungsgrad Dyn. Verschuldungsgrad (in Jahren) = Der dynamische Verschuldungsgrad gibt die Anzahl der Jahre an, die der Cashflow der aktuellen Periode erwirtschaftet werden müsste, um sämtliche Verbindlichkeiten des Unternehmens abzubauen. Geht man von einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit aus, so lassen sich die Verbindlichkeiten lediglich aus dem erwirtschafteten Cashflow begleichen. Je länger ein Unternehmen braucht, seine Verbindlichkeiten zurückzuzahlen, desto unsicherer ist die Fortführung der Unternehmenstätigkeit. Ist dagegen eine schnelle Rückführung gewährleistet, stehen dem Unternehmen schneller liquide Mittel für neue Investitionsprojekte zur Verfügung. Unabhängig von den Einzelheiten bei der Ermittlung, kann der Cashflow als Saldo aller erzielten Einnahmen aus der Tätigkeit am Markt (jedoch ohne Einnahmen aus der Veräußerung von Gegenständen des Anlagevermögens) und aller Ausgaben für die Tätigkeit am Markt, allerdings ohne Investitionsausgaben, verstanden werden. Er verkörpert die aus Erfolgstätigkeit des Unternehmens erwirtschafteten Finanzmittel der Periode. Der Cashflow ist ein Maß für die Fi- Eigenkapitalquote <8% 8–15% 15–25% 25–40% 40–60% >60% Bewertung 6 5 4 3 2 1 Tabelle 3‐24: Norm‐Ist‐Bewertung der Eigenkapitalquote Eigenkapitalquote (letzte Bilanz) <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐25: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Eigenkapitalquote Verbindlichkeiten – liquide Mittel Cashflow -------------------------------------------------------------------------------------------- 74 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating nanzkraft des Unternehmens, denn er bringt zum Ausdruck, inwieweit das Unternehmen die notwendigen finanziellen Mittel zur Bestreitung zentraler unternehmerischer Aufgaben, wie Investition, Schuldentilgung oder Gewinnausschüttung, ohne Rückgriff auf dritte Geldgeber, d.h. aus eigener Kraft, bereitzustellen vermocht hat. Insoweit ist der Cashflow ein Ausdruck der Finanzautonomie, Investitionskraft, Schuldentilgungskraft und Gewinnausschüttungskraft des Unternehmens. Schließlich kommt in dieser Zahl auch zum Ausdruck, inwieweit das Unternehmen eine Stärkung der Liquiditätsposition aus dem laufenden betrieblichen Erfolgsgeschehen heraus bewirken konnte. Eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Cashflow-Begriffes erscheint zwingend notwendig, da es zahlreiche – teils widersprüchliche – Definitionen gibt, eine Präzisierung der Berechnung des Cashflow angebracht erscheint und die Aussagekraft und die Verwendungsmöglichkeit des Cashflow nicht eindeutig bestimmt sind.28 3.5.2.2.1 Aufbereitung Eine Aufbereitung der Verbindlichkeiten ist nur insoweit nötig, als eventuell aus Fremdwährungsverbindlichkeiten resultierende stille Reserven berücksichtigt werden könnten. Ebenso können die liquiden Mittel direkt aus der Bilanz entnommen werden. Die Aufbereitung des Cashflows ist inhaltlich eigentlich nicht notwendig, da bei dieser ausschließlichen Betrachtung der Geldflüsse keine bilanzpolitischen Verzerrungen auftreten können. Hauptproblem ist jedoch die Vielfalt an vorzufindenden Berechnungsschemata für die Bestimmung des Cashflows, insbesondere auch in der Bonitätsanalyse. So wird sehr häufig mit lediglich rudimentär veränderten Gewinngrößen, wie etwa mit der Überschlagsformel Jahresergebnis + Abschreibungen + Veränderung der Rückstellungen gerechnet. Eine genaue Ableitung ist aber im Einzelabschluss aus der GuV und der Bilanz möglich. Im Konzern ist nach dem Bilanzrechtsreformgesetz spätestens ab dem Geschäftsjahr 2005 ein in diesem Sinne abgeleiteter Cashflow in der Kapitalflussrechnung zu veröffentlichen. Im Folgenden wird das direkte und indirekte Ableitungsschema für die Anwendung im Einzelabschluss dargestellt. Die Gewinn- und Verlustrechnung umfasst neben dem Jahresüberschuss auf der Sollseite auch zahlungsbegleitete (Material-, Personal-, Zinsaufwand) und nicht zahlungsbegleitete (Abschreibungen, Zuführungen zu Rückstellungen) Aufwendungen. Auf der Habenseite werden zahlungsbegleitete (Umsatzerlöse, Zinserträge) und nicht zahlungsbegleitete (Erhöhung der Erzeugnisbestände, Zuschreibungen) Erträge sowie der vorhandene finanzielle Überschuss „Cashflow“ ausgewiesen. Folglich wird bei der indirekten (retrograden) Ermittlung das Jahresergebnis nach Steuern um Aufwendungen- und Erträge korrigiert, die nicht zu Ausgaben bzw. Einnahmen geführt haben. Zudem werden betriebseinnahme- bzw. betriebsausgabewirksame Bestandsveränderungen berücksichtigt. Demgegenüber ergibt sich der Cashflow nach der direkten (progressiven) Methode aus der Differenz aller Ein- und Auszahlungen. Im Gegensatz zum Jahres- 28 Vgl. Lachnit, L.: Bilanzanalyse, 2004, S. 292–294. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 75 ergebnis stellen in diesem Zusammenhang die Umsatzerlöse die Ausgangsgröße dar. Bei der indirekten Ermittlung des Cashflow wird vom Jahresergebnis nach Steuern ausgegangen, welches in einer Art Rückrechnung um Aufwendungen und Erträge korrigiert wird, die nicht zu Ausgaben bzw. Einnahmen geführt haben, und Bestandsveränderungen mit Betriebseinnahme- bzw. -ausgabewirkung berücksichtigt. Hierbei wird als Jahresergebnis nach Steuern das Jahresergebnis nach Erträgen aus Verlustübernahme und Abführung wegen Gewinngemeinschaft berücksichtigt. Als Abschreibungen auf das Anlagevermögen werden die des Geschäftsjahres in Anrechnung gebracht; der Betrag wird dem Anlagespiegel entnommen. Die Abschreibungen auf das Umlaufvermögen werden aus den Angaben Abschreibungen gemäß § 253 Abs. 4 HGB sowie bei Abschlüssen vor dem BilMoG steuerrechtliche Mehrabschreibungen auf das Umlaufvermögen errechnet. Abschreibungen wirken sich bei der indirekten Berechnung des Cashflows erhöhend aus. Die zu berücksichtigenden Aufwendungen (nur in Abschlüssen vor dem BilMoG) bzw. Erträge aus der Sonderposten-Zuführung bzw. -Auflösung sind unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen bzw. Erträge gesondert ausgewiesen und sind als nicht zahlungsbegleitete Größen zu korrigieren. Zuführungsaufwendungen werden zur Ausgangsgröße addiert und Auflösungserträge subtrahiert. Als „weitere nicht zahlungsbegleitete Aufwendungen“ sind nicht zahlungsbegleitete ordentliche und unregelmäßige sonstige betriebliche Aufwendungen hinzugezählt; falls diese Position in Altfällen Aufwendungen für Zuführungen zum Sonderposten mit Rücklagenanteil enthält, ist dieser Betrag zu korrigieren und entsprechend in Abzug zu bringen. In der Position „weitere nicht zahlungsbegleitete Erträge“ sind nicht zahlungsbegleitete unregelmäßige sonstige betriebliche Erträge und nicht zahlungsbegleitete ordentliche sonstige betriebliche Erträge zu erfassen. Analog zu den weiteren nicht zahlungsbegleiteten Aufwendungen ist auch hier ein möglicherweise enthaltener Sonderposten aus Korrekturgründen zu subtrahieren. Die Position „Erhöhung/Verminderung der Rückstellungen“ erfasst den Saldo der Rückstellungen aus der Bilanz, wobei im Übergangsjahr auf das BilMoG eine ggf. gebildete Deckungslücke nicht zu berücksichtigen ist, da diese auch nicht in der GuV erfasst wurde. Die Posten „weitere nicht zahlungsbegleitete Aufwendungen und Erträge“ haben Aufwendungen für die Zuführung zu Rückstellungen und Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen bereits berücksichtigt. Da die Aufwendungen für Rückstellungszuführung und Erträge aus Rückstellungsauflösung auch in der Position „Erhöhung/Verminderung der Rückstellungen“ enthalten sind, ist die Einführung des Postens „Ertrag Auflösung Rückstellung – Aufwendung Einstellung Rückstellung“ erforderlich, um eine Doppelerfassung zu vermeiden. Die Korrektur um den „nicht zahlungsbegleiteten Anteil des außerordentlichen Ergebnisses“ erfasst das außerordentliche Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung, abzüglich der Differenz aus zahlungsbegleiteten außerordentlichen Erträgen und Aufwendungen. Im Umstellungszeitpunkt werden viele Umbewertungssachverhalte im außerordentlichen Ergebnis enthalten sein und sind entsprechend zu berücksichtigen, da es sich um nicht Cashflow wirksame Aspekte handelt. 76 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Liegt der Gewinn- und Verlustrechnung das Gesamtkostenverfahren (GKV) zu Grunde, so sind die Positionen „Beständeänderung Erzeugnisse“ und „andere aktivierte Eigenleistungen“ in die Cashflow-Berechnung einzubeziehen; die entsprechenden Werte sind der Gewinn- und Verlustrechnung zu entnehmen. Diese Positionen dienen als Ausgleich, um die Erträge an das Mengengerüst der Periodenaufwendungen anzupassen Die Angleichung erfolgt in der Weise, dass Beständeerhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie andere aktivierte Eigenleistungen zu Herstellungskosten den Umsatzerlösen zugeordnet werden; Beständeminderungen werden dabei in Abzug gebracht. Da Bestände- änderungen nicht zahlungswirksam sind, werden Bestandserhöhungen auf Grund fehlender Auszahlungen ergebnismindernd und Bestandsminderungen aufgrund fehlender Einzahlungen ergebniserhöhend korrigiert. Bei der Aktivierung anderer Eigenleistungen handelt es sich um einen zahlungsunwirksamen Vorgang; deshalb ist als Korrektur eine Reduzierung der nicht einzahlungswirksamen Erträge notwendig. Während beim GKV die Erträge an das Mengengerüst der Periodenaufwendungen anzupassen sind, werden beim Umsatzkostenverfahren (UKV) die Aufwendungen an das Mengengerüst der Periodenerträge angepasst, um einen Ausgleich für den Fall zu schaffen, dass die produzierte Menge ungleich der verkaufen Menge ist. Eine entsprechende Korrektur wie im GKV-Fall ist beim UKV nicht erforderlich, da nicht alle Aufwandsarten, sondern nur die Aufwen- Jahresergebnis nach Steuern + Abschreibung auf Anlagevermögen (immaterielles+Sach-/Finanzanlagevermögen) + Abschreibung auf Umlaufvermögen + Aufwendungen aus Zuführung zu Sonderposten (vor BilMoG) + weitere nicht zahlungsbegleitete Aufwendungen + Erhöhung/- Verminderung der Rückstellungen aus Bilanz + Ertrag Auflösung Rückstellungen – Aufwendung Einstellung in den Rückstellungen – Erträge aus Auflösung von SOPO – weitere nicht zahlungsbegleitete Erträge –/+ (GKV) Bestandsänderung Erzeugnisse – (GKV) andere aktivierte Eigenleistungen +/– nicht zahlungsbegleiteter Anteil des außerordentlichen Ergebnis = indirekt ermittelter Cashflow vor Cashflow‐relevanten Beständeänderungen  mit Zahlungswirkungen +/– Beständeänderungen (ohne Rückstellungen) = indirekt ermittelter Cashflow nach Beständeänderungen Tabelle 3‐26: Indirekte Ermittlung des Cashflow nach Beständeveränderungen 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 77 dungen für die verkauften Produkte (Umsatzaufwand) berücksichtigt werden; Bestandszugänge an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sind laufend zu erfassen, um die Aufwendungen der verkauften Erzeugnisse der Periode zu bestimmen. Als Zwischenergebnis kann zunächst die Größe „indirekt ermittelter Cashflow vor Cashflow-relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkungen“ ausgewiesen werden. Erst die später dargestellte Korrektur um Bestände- änderungen führt zum Ergebnis des genauen Cashflow auf indirektem Wege, wie in Tabelle 3-26 erläutert.29 Der Cashflow nach der direkten Methode ergibt sich aus der Differenz aller Einzahlungen und Auszahlungen, d.h. es finden nur liquiditätswirksame Größen Berücksichtigung. Im Ergebnis müssen sich indirekt und direkt ermittelter Cashflow entsprechen. Ausgangsgröße der Ermittlung stellen die Umsatzerlöse sowie zahlungsbegleitete ordentliche sonstige betriebliche Erträge dar. Mit der Kategorisierung in ordentliche und unregelmäßige Erträge wird die Qualität des Erfolgs dokumentiert. Ein ordentlicher Ertrag liegt dann vor, wenn der Ertragsfluss nachhaltig und regelmäßig anfällt. Dies schließt etwa periodenfremde oder bilanzpolitisch verzerrte Erträge aus. Die Umsatzerlöse entsprechen dem Wert aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Von diesen zahlungsbegleiteten Werten werden verschiedene zahlungsbegleitete ordentliche Aufwendungen in Abzug gebracht. Da das Umsatzkostenverfahren nach Funktionsbereichen und das Gesamtkostenverfahren nach Aufwandsarten gegliedert ist, sind für die Cashflow- Ermittlung in Abhängigkeit vom angewandten GuV-Schema unterschiedliche auszahlungswirksame Aufwendungen zu berücksichtigen. Bei Anwendung des GKV umfasst die Berechnung der liquiditätswirksamen Aufwendungen zunächst den Material- und Personalaufwand, die der GuV entnommen werden. Beim UKV finden die Positionen Herstellungs-, Vertriebs-, allgemeine Verwaltungskosten sowie Forschungs- und Entwicklungs- und weitere Bereichekosten der Gewinn- und Verlustrechnung als zahlungswirksame Aufwendungen Berücksichtigung. Bei Anwendung des UKV ist eine Korrektur der nicht zahlungsbegleiteten Abschreibungen auf immateriellem Anlagevermögen, Sachanlagen und Umlaufvermögen erforderlich, weil die entsprechenden Beträge bereits in den zuvor genannten zahlungswirksamen Kostenbereichen enthalten und daher zu eliminieren sind. Als weitere auszahlungswirksame Aufwendungen sind bei Anwendung beider Verfahren zahlungsbegleitete ordentliche sonstige betriebliche Aufwendungen und sonstige Steuern von der Ausgangsgröße in Abzug zu bringen. Als sonstige Steuern werden Verkehrs-, Verbrauchs-, Vermögen-, Gewerbekapital- und Grundsteuern erfasst, die als auszahlungswirksame Aufwendungen zu subtrahieren sind. Zwar kann dieser Aufwandsposten bei Anwendung des Gesamtoder Umsatzkostenverfahrens eine andere wertmäßige Größe annehmen, da die Kosten beim Umsatzkostenverfahren funktional zugeordnet sind, jedoch liegt damit nur eine betragsmäßige und keine inhaltliche Abweichung vor, sodass dieser zahlungswirksame Aufwandposten bei der direkten Cashflow-Ermittlung in Abzug gebracht wird. 29 Vgl. Lachnit, L./Ammann, H.: Jahresabschlussanalyse, 2002, Rz. 115. 78 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Da der Posten „Personalaufwand“ oder auch der Posten „sonstige Steuern“ neben den zahlungswirksamen Aufwendungen auch nicht zahlungswirksame Aufwendungen für die Bildung von Pensionsrückstellungen bzw. Steuerrückstellungen enthält, sind die darin enthaltenen nicht liquiditätswirksamen Bestandteile zu korrigieren. Dies geschieht in der Weise, dass Erhöhungen der Rückstellungen hinzugezogen und Verminderungen der Rückstellungen aus der Bilanz abgezogen werden. Jedoch sind in den Erhöhungen bzw. Verminderungen der Rückstellungen aus der Bilanz ggf. auch nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge enthalten, die über sonstige betriebliche Aufwendungen und Erträge erfasst wurden. Daher sind ähnlich wie bei der indirekten Ermittlung des Cashflow auch hier Aufwendungen für die Einstellung von Rückstellungen zu subtrahieren und Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen zu addieren, um die in den Erhöhung/Verminderung der Rückstellungen enthaltenen, über sonstige betrieblichen Aufwendungen und Erträge gebildeten bzw. aufgelösten Rückstellungen, zu kompensieren. Damit stellt der Restbetrag die Korrektur zu den im Personalaufwand enthaltenen Rückstellungen dar. Nachdem diese Korrekturen vorgenommen wurden, wird als Zwischenergebnis ein „direkt ermittelter Cashflow aus ordentlichem Betriebsergebnis vor Cashflow-relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung (a)“ errechnet. Im Anschluss daran werden zahlungsbegleitete Positionen aus dem ordentlichen Finanzergebnis berücksichtigt; sodass sich ein „direkt ermittelter Cashflow aus ordentlichem Finanzergebnis vor Cashflow-relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung (b)“ ergibt. Im Rahmen der Ermittlung dieses Zwischenergebnisses werden Erträge aus Beteiligungen, aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens sowie Zinsen und ähnliche Erträge als zahlungswirksam berücksichtigt. Zinsen und ähnliche Aufwendungen sind auf Grund ihres zahlungswirksamen Charakters in die Cashflow-Berechnung einzubeziehen. Erträge und Aufwendungen aus Verlustübernahme und auf Grund einer Gewinngemeinschaft sowie erhaltene bzw. abgeführte Gewinne einer Gewinnabführungs- oder eines Teilgewinnabführungsvertrages finden als ein- bzw. auszahlungswirksame Größe Berücksichtigung bei der direkten Ermittlung des Cashflow. Die zuvor genannten Größen sind betragsmäßig der Gewinn- und Verlustrechnung zu entnehmen. Werden beide Teilgrößen (a + b) addiert, ergibt sich als Ergebnis der Cashflow aus ordentlichem Jahresergebnis. Wenn dieser Betrag um zahlungsbegleitete Größen des unregelmäßigen Jahresergebnisses korrigiert wird, ergibt sich der „direkt ermittelte Cashflow aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit vor Cashflowrelevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung“. Den Wert der zahlungsbegleiteten Größe des unregelmäßigen Jahresergebnisses kann als Differenzbetrag der zahlungsbegleiteten Erträge/Aufwendungen und deren bereits berücksichtigten ordentlichen Teile übernommen werden. Ein „direkt ermittelter Cashflow vor Cashflow-relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung“ ergibt sich nach Verrechnung von zahlungsbegleiteten Positionen des außerordentlichen Ergebnisses sowie Steuern vom Einkommen und vom Ertrag. Während die zahlungsbegleiteten Aufwendungen und Erträge 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 79 bereits unter den Angaben zur Ermittlung des Cashflow ermittelt wurden und hier entsprechend übertragen werden können, ist der Betrag der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag der Gewinn- und Verlustrechnung zu entnehmen. Es ergibt sich damit das in Tabelle 3-27 gezeigte Ermittlungsschema.30 Umsatz + zahlungsbegleitete ordentliche sonstige betriebliche Erträge – Herstellungskosten – Vertriebskosten – Allg. Verwaltungskosten – Forschungs- und Entwicklungskosten – weitere Bereichekosten – (Gesamtkostenverfahren)Materialaufwand – (Gesamtkostenverfahren) Personalaufwand – zahlungsbegleitete ordentliche sonst. betriebliche Aufwendungen – sonstige Steuern = Zwischensumme + (nur UKV) Abschreibungen auf immaterielles und Sachanlagevermögen + (nur UKV) Abschreibg. auf Umlaufvermögen (ohne Wertpapiere des Umlaufverm.) + Erhöhung/– Verminderung der Rückstellungen aus Bilanz – sonstige betriebl. Aufwendungen davon Aufwendung Einstellg. in Rückstellungen + sonstige betriebliche Erträge davon Ertrag Auflösung der Rückstellungen = direkt ermittelter Cashflow aus ordentl. Betriebsergebnis vor Cashflow‐ relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung (a) Erträge aus Beteiligungen an assoziierten Unternehmen + Erträge aus sonstigen Beteiligungen + Erträge aus anderen Wertpapiere u. Ausleihungen + sonstige Zinsen und ähnliche Erträge – Zinsen und ähnliche Aufwendungen + Erträge aus Gewinngemeinschaft, Gewinnabführung – Aufwendungen aus Gewinngemeinschaft, Gewinnabführung + Erträge aus Verlustübernahme – Aufwendungen aus Beteiligungen an assoziierten Unternehmen 30 Vgl. Lachnit, L./Ammann, H.: Jahresabschlussanalyse, 2002, Rz. 114. 80 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Um den „direkt ermittelten Cashflow nach Cashflow relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung“ zu erhalten, wird die soeben ermittelte Größe zunächst um Beständeänderungen auf der Aktiv- und Passivseite korrigiert. Bei einer Zunahme von Beständen erhöht sich zwar der Jahresüberschuss, aber es erfolgen keine Einzahlungen; ebenso liegt im Falle einer Bestandsverminderung keine Auszahlung vor. Deshalb werden in der Cashflow-Ermittlung Bestandserhöhungen in Abzug gebracht und Bestandsverminderungen hinzugerechnet. Im Detail werden zunächst Beständeänderungen von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie Waren berücksichtigt. Die entsprechenden Differenzbeträge können durch Gegenüberstellung der Bilanzgrö- ßen ermittelt werden. Bei der Umstellung auf das BilMoG dürfen aber einige Umbewertungssachverhalte erfolgsneutral direkt im Eigenkapital erfasst werden, soweit sie nicht beibehalten und in den Folgejahren planmäßig erfolgswirksam aufgelöst werden sollen. Dies betrifft • Auflösung von Rückstellungen auf Grund der Bewertungsanpassungen (Art. 67 (1) S. 3 EGHGB), • Auflösung von Wahlrechtsrückstellungen (soweit diese nicht im letzten Geschäftsjahr vor BilMoG-Anwendung gebildet wurden), von Sonderposten mit Rücklagenanteil und angesetzter Verbrauchssteuern (Art. 67 (3) S. 2 EGHGB) und • Anpassungen der Wertansätze der Vermögensgegenstände auf Grund von weggefallenen Abschreibungswahlrechten (Art. 67 (4) S. 2 EGHGB). Darüber hinaus sind Aufwendungen aus der erstmaligen Anwendung der geänderten latenten Steuerberechnung erfolgsneutral direkt in den Gewinnrücklagen zu erfassen (Art. 67 (6) S. 2 EGHGB). Wenn eine erfolgsneutrale Erfassung erfolgte, gibt es keine Entsprechnung in der Gewinn- und Verlustrechnung, sodass diese erfolgsneutralen Korrekturen, die in den Beständeänderungen enthalten sind, entsprechend korrigiert werden müssen. Dabei gilt, dass eine erfolgsneutrale Eigenkapitalerhöhung bei der Cashflowberechnung hinzuzu- – Aufwendungen aus Verlustübernahme = direkt ermittelter Cashflow aus ordentl. Finanzergebnis vor Cashflow‐ relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung (b) = Cashflow aus ordentlchem Jahresergebnis (=a+b) +/– UJE, soweit zahlungsbegleitet = = direkt ermittelter Cashflow aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit vor Cashflowrelevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung +/– Außerordentliches Ergebnis, soweit zahlungsbegleitet – Einkommens- und Ertragssteuern = direkt ermittelter Cashflow vor Cashflow‐relevanten Beständeänderungen  mit Zahlungswirkung (c) Tabelle 3‐27: Schema zur direkten Ermittlung des Cashflows  vor CF‐relevanten Beständeveränderungen mit Zahlungswirkung 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 81 rechnen ist, um die im Rahmen der üblichen Berechnung scheinbar errechneten Liquiditätsabflüsse (Zunahme an Vermögen bzw. Abnahme an Schulden) zu kompensieren. Bei Anwendung des GKV sind im Rahmen der Ermittlung des Cashflow nach Beständeänderungen die Beständeänderungen von Erzeugnissen laut Angaben der Gewinn- und Verlustrechnung wieder zu korrigieren, d.h. Bestandserhöhungen werden addiert und Bestandsminderungen subtrahiert. Als Betrag werden an dieser Stelle die Bestandsänderungen Erzeugnisse laut GuV herangezogen, die zuvor als nicht zahlungsbegleitete Größen korrigiert wurde. Durch die anschließende Berücksichtigung der Bestandsänderungen von unfertigen Erzeugnissen sowie fertigen Erzeugnissen und Waren, die sowohl bei Anwendung des GKV als auch des UKV in die Berechnung einbezogen werden, wird im GKV-Fall nur die Bestandsänderung der Waren berücksichtigt. Dies lässt sich damit begründen, dass bei Anwendung des GKV die gesamten Periodenaufwendungen den gesamten Periodenerträgen gegenübergestellt werden und somit die zahlungswirksamen Aufwendungen für Bestandserhöhungen sowie die zahlungswirksamen Erträge für Bestandsminderungen bereits bei der Ermittlung des Cashflow vor Beständeänderung berücksichtigt sind. Eine geleistete Anzahlung stellt eine Vorleistung auf eine vom anderen Vertragsteil zu erbringende Leistung dar. Durch einen Bilanzvergleich kann die Veränderung der geleisteten Anzahlung erfasst werden; eine Erhöhung bedeutet eine Subtraktion, eine Verminderung eine Addition des Betrages. Auch für Bestände- änderungen bei Forderungen aus Lieferung und Leistung ist im Falle einer Erhöhung ein Subtraktionsposten, im Falle einer Verminderung ein Additionsposten in das Ermittlungsschema einzufügen. Bei Forderungen handelt es sich um einen Zielverkauf, der einen einzahlungslosen Ertrag darstellt, und deshalb zu korrigieren ist. Während die Forderungen aus Lieferung und Leistung der Bilanz zu entnehmen sind, wurden die Beträge für Forderungen aus Lieferung und Leistung gegen verbundene und beteiligte Unternehmen bereits im Rahmen der Angaben zur Ermittlung des Cashflow ermittelt. Da ein Abgang von sonstigen Vermögensgegenständen i.d.R. mit einem Mittelzufluss verbunden ist, wird eine Zunahme der sonstigen Vermögensgegenstände im Rahmen der direkten Cashflow-Ermittlung subtrahiert, eine Abnahme entsprechend addiert. Beim aktiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um eine zeitliche Verteilung von Ausgaben: Der Zahlungsausgang erfolgte bereits im alten Geschäftsjahr, während der Aufwand erst im neuen Geschäftsjahr liegt. Nimmt dieser Posten zu, wurden zahlungswirksame Aufwendungen korrigiert. Für die Cashflow-Berechnung bedeutet dies, dass in Höhe der Zunahme ein Abzug zu erfolgen hat; entsprechend erfolgt bei einer Abnahme dieses Postens eine Addition der negativen Saldogröße. Bei einer Abnahme des Disagios handelt es sich um eine Aufwandsverrechnung ohne entsprechende Auszahlung, deshalb wird dieser Betrag im Rahmen der Cashflow- Ermittlung hinzugezählt. Eine analoge Korrektur erfolgt bei aktivischen latenten Steuern: Eine Zunahme des Saldos wird subtrahiert, eine Abnahme hinzugezählt. Die zuvor genannten Positionen können direkt der Bilanz entnommen werden. 82 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Als Beständeänderung werden auf der Passivseite zunächst die erhaltenen Anzahlungen korrigiert, die der Bilanz zu entnehmen sind. Hierbei handelt es sich um eine Vorleistung auf eine dem anderen Vertragsteil zu erbringende Leistung. Deshalb wird eine Erhöhung dieses Postens hinzuaddiert und eine Verminderung in Abzug gebracht. Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung sind als Zielkäufe zu verstehen. Dieser Posten verkörpert auszahlungslose Aufwendungen. Eine Zunahme des Postens wird positiv, eine Abnahme negativ bei der Cashflow-Ermittlung berücksichtigt. Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung und sonstige Verbindlichkeiten sind in der Bilanz zu finden, Verbindlichkeiten aus Wechsel, gegen verbundene und beteiligte Unternehmen, davon aus Lieferung und Leistung, wurden bereits unter den Angaben zur Ermittlung des Cashflow gesondert ausgewiesen. Ähnlich wie beim aktiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich beim passiven Rechnungsabgrenzungsposten, der gesondert als Bilanzposition ausgewiesen wird, um eine zeitliche Verteilung von Einnahmen: Der Zahlungseingang erfolgte im alten, der Ertrag liegt im neuen Geschäftsjahr. Deshalb ist eine Zunahme dieser Position mit einem Additionsposten, eine Abnahme mit einem Subtraktionsposten verbunden. Ist nicht ein Einzel- sondern ein Konzernabschluss der Betrachtungsgegenstand sind nach Berücksichtigung von Beständeänderungen bei der Cashflow-Berechnung Veränderungen zu berücksichtigen, die aus einer Änderung des Konsolidierungskreises resultieren. Der Cashflow des Konzerns unterliegt dem Einfluss von Konsolidierungsbuchungen. Gegenstand der Konsolidierungsbuchungen sind innerkonzernliche Verflechtungen, die sowohl in kapitalmäßiger als auch in güter- und finanzwirtschaftlicher Hinsicht bestehen können. Die Cashflow-Analyse im Rahmen der Bonitätsanalyse erhält seine Bedeutung dadurch, dass der Konzern-Cashflow als Vergleichsmaßstab insbesondere für den Cashflow des Mutterunternehmens fungiert und so die gewonnenen Erkenntnisse entweder relativiert oder verstärkt. Dabei sollte stets bedacht werden, dass die Problematik der Cashflow-Analyse weniger in der Modifikation des Ermittlungsschematas besteht; problematisch sind in erster Linie die sich ergebenden Veränderungen zwischen den einzelnen Summanden sowie der Untersuchungsgegenstand „Konzern“ selbst. Durch die Konsolidierungskreisänderung, Währungsumrechnungen, Methoden der Kapitalkonsolidierung sowie durch die Ausnutzung konzernbilanzpolitischer Gestaltungsmöglichkeiten unterliegt der Cashflow einer erheblichen Beeinflussung. Daher sind im Rahmen der Cashflow-Ermittlung Korrekturen um nicht zahlungsbegleiteter Veränderungen aus Konsolidierung vorzunehmen. Des Weiteren ist eine „Korrektur um den nicht zahlungsbegleiteten Anteil der Beständeänderungen aus Umbewertungsvorgängen“ vorzunehmen, der ebenfalls aus der Änderung des Konsolidierungskreises resultieren kann. Insgesamt hat das Ermittlungsschema für die Bestandsänderungen das in Tabelle 3-28 dargelegte Aussehen. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 83 direkt ermittelter Cashflow vor Cashflow-relevanten Beständeänderungen mit Zahlungswirkung (c) Aktivseite + (nur GKV) Beständeänderungen Erzeugnisse (laut GuV) –/+ –Zunahme/+Abnahme Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe –/+ –Zunahme/+Abnahme unfertige Erzeugnisse –/+ –Zunahme/+Abnahme fertige Erzeugnisse und Waren –/+ –Zunahme/+Abnahme geleistete Anzahlungen –/+ –Zunahme/+Abnahme Forderungen aus Lieferungen + Leistungen (L+L) –/+ –Zunahme/+Abnahme Ford. gegen verbundene Unternehmen, davon L+L –/+ –Zunahme/+Abnahme Ford. gegen beteiligte Unternehmen, davon L+L –/+ –Zunahme/+Abnahme sonstige Vermögensgegenstände –/+ –Zunahme/+Abnahme aktive Rechnungsabgrenzungsposten + Abnahme Disagio –/+ –Zunahme/+Abnahme aktive latente Steuern – Korrektur um nicht zahlungsgegleitete Veränderungen aus Konsolidierung Passivseite –/+ –Abnahme/+Zunahme erhaltene Anzahlungen –/+ –Abnahme/+Zunahme Verbindlichkeiten aus Lieferungen + Leistungen –/+ –Abnahme/+Zunahme Verb. aus Wechsel, davon Lieferungen + Leistungen –/+ –Abnahme/+Zunahme Verb. gegen verbundene Unternehmen., davon L+L –/+ –Abnahme/+Zunahme Verb. gegen beteiligten Unternehmen, davon L+L –/+ –Abnahme/+Zunahme sonstige Verbindlichkeiten –/+ –Abnahme/+Zunahme passive Rechnungsabgrenzungsposten – Korrektur um nicht zahlungsgegleitete Veränderungen aus Konsolidierung + Korrektur um ggf. erfolgsneutral bei Umstellung auf das BilMoG vorgenommene Erhöhungen der Gewinnrücklagen (Art. 67 (1–6) EGHGB) Änderung Konsolidierungskreis –/+ +Zunahme/–Abnahme Konsolidierungskreisänderung (zahlungsbegl. Anteil des Nettowertes) – Korrektur um nicht zbgl. Anteil der Beständeänderungen aus Umbewertungsvorgängen = Summe Beständeänderungswirkungen auf Cashflow (d) = direkt ermittelter Cashflow nach Cashflow‐relevanten Beständeänderungen  mit Zahlungswirkung (c+d) Tabelle 3‐28: Direkte Ermittlung des Cashflows  nach CF‐relevanten Beständeveränderungen mit Zahlungswirkung 84 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.5.2.2.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-29 zeigt die Bewertung des dyn. Verschuldungsgrads. Bewertet wird der durchschnittliche dynamische Verschuldungsgrad der letzten 3 Jahre: 3.5.2.2.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich des dynamischen Verschuldungsgrads erfolgt analog zum Kundenziel und kann anhand Tabelle 3-30 vorgenommen werden: 3.5.2.2.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Der dynamische Verschuldungsgrad ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag um mindestens 0,25 Jahre pro Bilanzjahr gefallen (=Verbesserung). Abschlag von –0,5 • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr eine Steigerung (=Verschlechterung) des dynamischen Verschuldungsgrades von mindestens 0,25 Jahre pro Bilanzjahr zu verzeichnen. Zuschlag von +0,5 3.5.3 Kennzahlen zur Liquidität 3.5.3.1 Langfristdeckungsgrad Langfristdeckungsgrad (in %) = × 100 Die häufig in Ratingsystemen verwendete Anlagendeckungsgrad gibt an, in wie weit das Anlagevermögen durch langfristige Finanzierungsmittel gedeckt ist. Diese Kennzahl stellt auf die Fristenkongruenz der Finanzierung ab. Langfristig im Betrieb verbleibendes Vermögen sollte langfristig finanziert sein, sonst besteht die Gefahr, dass bei kurzfristigen Finanzierungsschwierigkeiten betriebsnotwendiges Anlagevermögen verkauft werden muss oder ggf. eine Liquiditäts- Dynam. Verschuldungsgrad letzte 3 Jahre 0–2 Jahre 2–4 Jahre 4–6 Jahre 6–8 Jahre 8–10 Jahre >10 Jahre Bewertung 1 2 3 4 5 6 Tabelle 3‐29: Norm‐Ist‐Bewertung des Dynamischen Verschuldungsgrades  Dyn. Verschuldungsgrad letzte 3 Jahre <50% 50–80% 90–120% 110–150% >150% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag –1 –0,5 ±0 +0,5 +1 Tabelle 3‐30: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich des dynamischen Verschuldungsgrades Eigenkapital + langfr. Fremdkapital Langfristiges Vermögen ------------------------------------------------------------------------------------------------ 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 85 krise eintritt. Problematisch ist, dass das HGB eine Trennung nach Fristigkeiten auf der Aktivseite der Bilanz nicht eindeutig vornimmt. Somit ist die Erwartung, dass das Anlagevermögen stets langfristig zu finanzieren sei, in der Praxis oft nicht notwendig. Dagegen ist aber auch die Erwartung, dass das Umlaufvermögen dementsprechend nur kurzfristig zu finanzieren ist, oft ebenso falsch, was schon an der Pflichtangabe der Forderungen mit einer Restlaufzeit über 5 Jahre deutlich wird. Daher erscheint es zumindest für die interne Betrachtung sinnvoller, den treffenderen Langfristdeckungsgrad zu ermitteln. Erst aus der Gegenüberstellung von Vermögen als Mittelverwendung und Kapital als Mittelbeschaffung wird es möglich, die Fristenentsprechung beider Seiten im Hinblick auf ihre Liquiditätskonsequenzen beurteilen zu können. Der Langfristdeckungsgrad verdeutlicht somit, ob zwischen langfristiger Mittelverwendung und Mittelbeschaffung im Nettoeffekt der Bilanzbestände strukturelle Liquiditätsungleichgewichte vorliegen, die nachhaltig als finanzielle Belastung drohen. Diese langfristigen Deckungsrelation sind ein Ausdruck für die finanzielle Risikolage auf lange Sicht; sie verdeutlichen, inwieweit neben den ohnehin vorhandenen Markt-, Kosten- und technischen Risiken auch noch Fristenunabgestimmtheiten und Prolongationsrisiken seitens der Finanzierung bestehen, die die finanzielle Stabilität strukturell belasten. Bei der Interpretation der Kennzahl ist zu beachten, dass es sich um eine statische Größe an einem bestimmten Zeitpunkt handelt. Einerseits können vorhandene Kreditrahmen eine angezeigte Unterdeckung ggf. schnell ausgleichen, andererseits können Investitionsvorhaben oder langfristige Eventualverpflichtungen eine angezeigte Überdeckung auch schnell zunichte machen. 3.5.3.1.1 Aufbereitung Bei der notwendigen Aufbereitung der Daten für diese Kennzahl kann auf bisherige Berechnungen aufgebaut werden. Das langfristige Fremdkapital kann zunächst für den Teil der Verbindlichkeiten direkt aus dem Verbindlichkeitenspiegel und der Pflichtangabe „über 5 Jahre Restlaufzeit“ entnommen werden. Schwieriger ist die Bestimmung bei den Rückstellungen, da hier Fristigkeitsangaben nicht im Abschluss gefordert werden. I.d.R. werden die Pensionsrückstellungen als langfristig, sonstige und Steuer-Rückstellungen als kurzfristig und Bilanzsumme (aufbereitet) – Eigenkapital (aufbereitet) – Sonstige Rückstellungen (soweit Erfüllung nicht > 5 Jahre) (aufbereitet) – Steuer-Rückstellungen (soweit Erfüllung nicht > 5 Jahre) (aufbereitet) – Verbindlichkeiten mit Restlaufzeiten bis 1 Jahr (aufbereitet) – Verbindlichkeiten mit Restlaufzeiten 1–5 Jahr (aufbereitet) – Rechnungsabgrenzungsposten = Langfristiges Fremdkapital (aufbereitet) Tabelle 3‐31: Berechnungsschema für das langfristige Fremdkapital 86 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating passive latente Steuern als mittelfristig angesehen. Insbesondere die Klassifikation der sonstigen Rückstellungen kann jedoch falsch sein, da in bestimmten Branchen auch Rückstellungen für eventuelle Geldabflüsse zu bilden sind, die erst Jahre später eintreten, wie etwa Rückbauverpflichtungen. Daher ist hier eine genauere Aufteilung notwendig. Generell sind die aufbereiteten Werte bei der Berechnung zu verwenden, d.h. insbesondere die um stille Reserven/Lasten korrigierten Werte der Eigenkapital- und Gesamtvermögensaufbereitung sind zu verwenden. Es ergibt sich das Berechnungsschema wie in Tabelle 3-31 dargestellt. Das langfristige Vermögen im Nenner ist ebenfalls zu Marktzeitwerten anzusetzen, was den Rückgriff auf die aufbereiteten Werte voraussetzt. Zusätzlich zu den langfristigen Forderungen, die im Umlaufvermögen ausgewiesen sein können, sollten auch die langfristig betriebsnotwendigen Reserven an Vorräten und Kasse auch langfristig finanziert sein. Die konkrete Höhe der anzusetzenden Werte hängt von der Branche, der Schwankung des Kassenbestandes und eventueller Deckungszusagen der Banken ab. Tabelle 3-32 zeigt die Berechnung des langfristigen Vermögens: 3.5.3.1.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-33 ordnet dem Langfristdeckungsgrad in Abhängigkeit seiner Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Es kommt der Langfristdeckungsgrad der letzten Bilanzperiode zur Anwendung. Anlagevermögen +/– Vermögenswirkung durch GFW-Nachaktivierung und Abschreibung mit ND 10 J. sowie durch Umstellung der GFW-Abschreibung auf ND 10 J. + nicht aktivierte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 (2) HGB) + Stille Reserven in Grundstücken und Gebäuden + Aktivisch vorgenommene steuerliche Abschreibungen des GJ (§ 281 (2) HGB a.F.) (vor BilMoG bzw. bei Umstellung nicht aufgelöst) + Weitere stille Reserven in Technischen Anlagen und Maschinen + Weitere stille Reserven in anderen Anlagen und BGA + Stille Reserven in Finanzanlagen + Weitere stille Reserven im Anlagevermögen – Bestandteile, die in weniger als 5 Jahren verkauft werden sollen + Forderungen mit einer Restlaufzeit über 5 Jahren + Langfristig betriebsnotwendige Reserven an Vorräten und Kassenbestand = Langfristiges Vermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐32: Aufbereitungsschema für das langfristige Vermögen 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 87 3.5.3.1.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich des Langfristdeckungsgrades erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand Tabelle 3-34 vorgenommen werden: 3.5.3.1.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Der Langfristdeckungsgrad liegt oberhalb des Branchendurchschnitts und ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr gefallen. Zuschlag von +0,5 • Der Langfristdeckungsgrad liegt unterhalb des Branchendurchschnitts und ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr gefallen. Zuschlag von +1 • Der Langfristdeckungsgrad ist jedes Jahr um mindestens 0,1 (10%) gestiegen. Abschlag von –0,5 3.5.3.2 Lieferantenziel (Kreditorenlaufzeit) Lieferantenziel (in Tagen) = Die Kennzahl „Lieferantenziel“ gibt an, wie lange Lieferantenkredite in Anspruch genommen werden. Der Interpretation der Kennzahl in der Bonitätsanalyse liegt die Prämisse zu Grunde, dass ein kurzes Lieferantenziel anzeigt, dass das Unternehmen bemüht ist, Skonti durch frühzeitige Begleichung von Verbindlichkeiten auszunutzen. Ein langes Lieferantenziel dagegen deutet auf Liquiditätsschwierigkeiten hin. Es stehen dem Unternehmen nicht genug flüssige Mittel zur Verfügung, um die Rechnungen zu bezahlen. Dies wird besonders deutlich, wenn das durchschnittliche Lieferantenziel weit über das vereinbarte Zahlungsziel hinausgeht. Diese Prämissen sind jedoch nicht unbedingt zwingend zutreffend, da es durchaus betriebswirtschaftlich Gründe für ein langes Zahlungsziel gibt, wie etwa eine hohe Nachfragemacht, die es dem Unterneh- Langfristdeckungsgrad 0–70% 70–100% 100–120% 120–150% 150–200% >200% Bewertung 6 5 4 3 2 1 Tabelle 3‐33: Norm‐Ist‐Bewertung des Langfristdeckungsgrades Langfristdeckungsgrad <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐34: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich des Langfristdeckungsgrades Verbindlichkeiten Lieferung & Leistung Wareneingang ------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 88 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating men erlaubt, einen Teil seiner Finanzierung über die Lieferanten abzuwickeln. Es wird bei dieser Kennzahl nämlich nicht unterschieden zwischen den Fällen Ausnutzen der eingeräumten Zahlungsfrist und Zahlungsverzug. 3.5.3.2.1 Aufbereitung Die Berechnung des Kundenziels ist analog zur Forderungslaufzeit vergleichsweise unproblematisch abzuleiten, da die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen kaum einer Bereinigung bedürfen. Sie sind als gesonderte Position in der Bilanz auszuweisen. Lediglich im Falle von konzernverbundenen Unternehmen kann es sein, dass in dieser Position nicht auch die Verbindlichkeiten ausgewiesen werden, die aus Lieferungen und Leistungen im Zusammenhang mit verbundenen Unternehmen stammen. Somit ergibt sich das in Tabelle 3-35 dargestellte Aufbereitungsschema: Die Wareneingänge sind zu berechnen aus den in der Periode benötigten Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe erhöht um die Bestandsveränderungen an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen in der Bilanz. 3.5.3.2.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-36 ordnet dem Lieferantenziel in Abhängigkeit seiner Länge eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Es kommt das Lieferantenziel der letzten Bilanzperiode zur Anwendung. 3.5.3.2.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich des Lieferantenziels erfolgt analog zum Kundenziel und kann anhand Tabelle 3-37 vorgenommen werden. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (L+L) + Verbindlichkeiten aus verbundenen Unternehmen, davon aus L+L + Verbindlichkeiten aus Beteiligungen, davon aus Lieferungen und Leistungen = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (aufbereitet) Tabelle 3‐35: Aufbereitungsschema für die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Lieferantenziel 15 Tage 16–30 Tage 31–50 Tage 51–70 Tage 71–100 Tage >100 Tage Bewertung 1 2 3 4 5 6 Tabelle 3‐36: Norm‐Ist‐Bewertung des Lieferantenziels Lieferantenziel (letzte Bilanz) <50% 50–80% 90–120% 110–150% >150% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag –1 –0,5 ±0 +0,5 +1 Tabelle 3‐37: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich des Lieferantenziels 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 89 3.5.3.2.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr ein Rückgang (=Verbesserung) des Lieferantenziels um mindestens 2 Tag pro Jahr zu verzeichnen. Abschlag von –0,5 • Das Lieferantenziel ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr um mind. 1 Tag gestiegen (=verschlechtert). Zuschlag von +0,5 3.5.3.3 Umschlagshäufigkeit Umschlagshäufigkeit = Die Umschlagshäufigkeit drückt die Nutzungsintensität des betrieblichen Vermögens aus, die weiter untersucht werden kann, wobei sich insbesondere Umschlagszeiten im Vergleich zu Branchenzahlen als Fehlentwicklungsindikatoren anbieten. Prämisse aus dem Bonitätsanalyseblickwinkel ist, dass je höher die Umschlagshäufigkeit ist, desto höher ist die Flexibilität des Unternehmens. Es spricht zudem für eine gute Logistik etwa in der Lagerhaltung und bedeutet einen möglichst geringen Kapitalbedarf. Allerdings kann auch diese Kennzahl nicht isoliert gesehen werden, da es betriebswirtschaftlich nur bis zu einem bestimmten Maße sinnvoll ist, die Umschlagshäufigkeit zu erhöhen. So steigt etwa das Risiko von Produktionsausfällen mit einer Verringerung des Lagerbestandes oder sinnvolle Rationalisierungsinvestitionen unterbleiben wegen der dadurch sinkenden Umschlagshäufigkeit. Gleichwohl bleibt die Umschlagshäufigkeit ein Indiz für ein mögliches Bonitätsproblem, welches aber durch andere Kennzahlen wieder ausgeglichen werden kann. 3.5.3.3.1 Aufbereitung Im Zähler der Kennzahl ist die Gesamtleistung, oder bei Verwendung des Umsatzkostenverfahrens der Umsatz, einzusetzen. Das betriebliche Vermögen ist aus dem aufbereiteten Gesamtvermögen abzuleiten, indem das Finanzanlagevermögen und das Finanzumlaufvermögen sowie die in diesen Positionen aufbereiteten stillen Reserven abgezogen werden. Konkret sind im Finanzumlaufvermögen neben den Wertpapieren des Umlaufvermögens auch weitere nichtbetriebsnotwendige Vermögensposten zuzurechnen, wie z.B. nicht betrieblich genutzte Grundstücke, Finanzausleihungen des Umlaufvermögens, nicht betrieblich verursachte Teile der sonstigen Vermögensgegenstände sowie nicht als Transaktionskasse gehaltene liquide Mittel, die im Einzelfall gegebenenfalls durch entsprechende Angaben im Anhang festgestellt werden können. Beim Finanzanlagevermögen kann sich allerdings durch nähere Angaben im Anhang zeigen, dass es sich z.B. bei dort ausgewiesenen Anteilen an verbundenen Unternehmen oder an Beteiligungen um betrieblich begründete Unternehmensengagements handelt, z.B. um Produktionsstätten im Ausland. Dann wären diese Gesamtleistung (Umsatz) betriebliches Vermögen --------------------------------------------------------------------- 90 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Teile des Finanzanlagevermögens in das Betriebsvermögen umzugliedern. Tabelle 3-38 zeigt das Aufbereitungsschema des betrieblichen Vermögens: 3.5.3.3.2 Norm‐Ist‐Vergleich: Tabelle 3-39 ordnet der Umschlagshäufigkeit in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Es kommt die Umschlagshäufigkeit der letzten Bilanzperiode zur Anwendung. 3.5.3.3.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich der Umschlagshäufigkeit erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand Tabelle 3-40 vorgenommen werden: 3.5.3.3.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag ist jedes Jahr ein Rückgang (=Verschlechterung) der Umschlagshäufigkeit um mindestens 0,2 Punkte zu verzeichnen. Zuschlag von +0,5 Gesamtvermögen/Gesamtkapital (aufbereitet) – Finanzanlagevermögen – Stille Reserven in Finanzanlagen – Wertpapiere des Umlaufvermögens –- Stille Reserven in Wertpapieren des Umlaufvermögens – Weiteres nicht-betriebliches Vermögen – Nicht aktivierte Steuern aus Finanzvermögen (§ 274 HGB) = Betriebliches Vermögen (aufbereitet) Tabelle 3‐38: Aufbereitungsschema des betrieblichen Vermögens Umschlagshäufigkeit 3 3,0–2,0 2,0–1,5 1,5–1,0 1,0–0,7 <0,7 Bewertung 1 2 3 4 5 6 Tabelle 3‐39: Norm‐Ist‐Bewertung der Umschlagshäufigkeit Umschlagshäufigkeit <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐40: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Umschlagshäufigkeit 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 91 • Die Umschlagshäufigkeit ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr um mindestens 0,2 Punkte gestiegen (=Verbesserung). Abschlag von –0,5 3.5.4 Kennzahlen zur Rentabilität 3.5.4.0.1 Cashflow‐Rate Cashflow-Rate = × 100 Die Cashflow-Rate zeigt auf, welcher Anteil des Umsatzes im Unternehmen verbleibt und für Investitionen, Kapitaltilgung und Gewinnausschüttung zur Verfügung steht. Zudem gibt die Cashflow-Rate an, welche Preisschwankungen das Unternehmen finanziell verkraften kann, ohne dass Liquiditätsengpässe auftreten. Je höher die Cashflow-Rate, desto eher ist das Unternehmen in der Lage, zukünftig Chancen zu nutzen und Risiken abzuwehren. Problematisch ist, dass im Cashflow auch finanzielle und unregelmäßige Einzahlungen enthalten sein können, die nicht in Verbindung zur Nennergröße stehen. Daher kann es sinnvoll sein, genauer mit dem ordentlichen betrieblichen Cashflow zu rechnen. Dies setzt jedoch eine direkte Cashflow-Ermittlung voraus, die in der Praxis kaum angewendet wird. 3.5.4.0.1 Aufbereitung Sowohl der Cashflow als auch die Gesamtleistung bzw. der Umsatz wurden bereits aufbereitet. 3.5.4.0.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-41 ordnet der Cashflow-Rate in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Es kommt die Cashflow-Rate der letzten Bilanzperiode zur Anwendung. 3.5.4.0.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich der Cashflow-Rate erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand Tabelle 3-42 vorgenommen werden: Cashflow-Rate <2% 2–5% 5–8% 8–12% 12–17% >17% Bewertung 6 5 4 3 2 1 Tabelle 3‐41: Norm‐Ist‐Bewertung der Cashflow‐Rate Cashflow-Rate <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐42: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Cashflow‐Rate Cashflow Gesamtleistung (Umsatz) --------------------------------------------------------------------- 92 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.5.4.0.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Die Cashflow-Rate ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr gefallen. Zuschlag von +0,5 • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag konnte die Cashflow-Rate jedes Jahr um mindestens 0,01 (1%) pro Jahr gesteigert werden. Abschlag von –0,5 3.5.4.1 Gesamtkapitalrentabilität = Die Gesamtkapitalrentabilität beleuchtet die Gewinnsituation des Unternehmens und dient als Indikator für die Attraktivität des Unternehmens für Investoren. Liegt die Gesamtkapitalrentabilität unterhalb des durchschnittlichen Fremdkapitalzinses, den das Unternehmen an Kreditgeber zu zahlen hat, wäre es aus der Sicht eines einzelnen Investors sowie aus gesamtwirtschaftlicher Sicht effizienter, das Geld an anderer Stelle zu investieren. Für Eigenkapitalgeber bedeutet dies, dass die Rendite auf ihr Kapital noch unterhalb der Rendite für Fremdkapitalgeber liegt, so dass sie für das höhere Risiko nicht adäquat entlohnt werden und ihr Kapital abziehen werden. Für Fremdkapitalgeber bedeutet eine niedrige Gesamtkapitalrendite stets die Gefahr, dass die vom Kreditnehmer erwirtschafteten Gewinne nicht mehr zur Zahlung der Zinsen und zur Tilgung der Schulden ausreichen. 3.5.4.1.1 Aufbereitung Das Jahresergebnis ist ebenso intensiv aufzubereiten wie das Eigenkapital, wobei jedoch lediglich die periodischen Änderungen der Aufbereitungsschritte zu berücksichtigen sind. Zudem hat die Aufbereitung des Jahresergebnisses im Kontext der Bonitätsanalyse eine duale Zielsetzung: Einerseits soll das Ziel verfolgt werden, eine Eliminierung aller abschlusspolitischen sowie durch das Rechnungslegungssystem bedingten Verzerrungen vorzunehmen, um der tatsächlichen Erfolgshöhe näher zu kommen.31 Zur Erreichung dieses Ziels muss zunächst eine Definition der betriebswirtschaftlich als tatsächlich anzusehenden Werte erfolgen, was nicht nur eine Bestimmung der implizierten Soll-Abschlusspolitik, sondern insbesondere Überlegungen bezüglich einer zutreffenden Abbildung des Rechnungslegungssystems verlangt. So ist beispielsweise zu klären, ob der Periodenerfolg mit Marktwerten oder mit Anschaffungswerten berechnet werden soll. In der konkreten Umsetzung sind dann nicht nur die quantifizier- 31 Vgl. Baetge, J./Kirsch, H.‐J./Thiele, S.: Bilanzanalyse, 2004, S. 483; Küting, K./Weber, C.: Bilanzanalyse, 2009, S. 82 ff. Gesamtkapitalrentabilität ordentl. Betriebsergebnis Fremdkapitalzinsen (evtl. + Steuern) + durchschnittliches Gesamtkapital --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 93 ten Anhangsangaben zu berücksichtigen, sondern auch Stille-Reserve-Wirkungen zu schätzen.32 Letztlich werden die Bereinigungsmöglichkeiten jedoch von der Informationslage des Rechnungslegungssystems bzw. des vorliegenden Abschlusses abhängig sein, sodass es im Hinblick auf überbetriebliche Vergleiche zu gewissen Kompromissen zwischen bonitätsanalytisch wünschenswerten und sinnvoll durchführbaren Bereinigungen kommen wird. Dies ist insbesondere im Rahmen des Selbstratings zu beachten, da über das eigene Unternehmen durch die zusätzlichen internen Einblicke mehr Informationen zur Verfügung stehen als im Rahmen der externen Analyse von Konkurrenten. Daher ist das Bereinigungsinstrumentarium in diesen Fällen sehr stringent parallel für die zu vergleichenden Unternehmen anzuwenden und genau zu unterscheiden, ob eine mögliche Bereinigungsposition nicht beschickt ist, weil sie nicht zutrifft, oder ob die nötigen Informationen fehlen. Andererseits versucht die Bonitätsanalyse aber Aussagen über zukünftige Perio‐ den abzuleiten, sodass das andere Ziel der Jahresergebnisaufbereitung darin zu sehen ist, Aussagen über zukünftige Erfolge generieren zu können. Für dieses Ziel wird in der Abschlussanalyse im Rahmen der strukturellen Erfolgsanalyse eine Umstrukturierung des Zahlenmaterials der Erfolgsrechnung vorgenommen, bei der die Quellen des Erfolges und die Ursachen der Erfolgsentwicklung sichtbar gemacht werden sollen. Dabei wird die ausgewiesene hoch aggregierte Größe „Jahresergebnis“ in homogenere Teilergebnisse mit betriebswirtschaftlich relevanter Aussage zerlegt, wobei vor allem eine Strukturierung der Erfolgsschichten nach den Kriterien der Regelmäßigkeit, Periodenbezogenheit und Betriebsbezogenheit in Betracht kommt. Ein primäres Ziel der Erfolgsspaltung ist die Ermittlung des nachhaltig erwirtschafteten Ergebnisses. Hierbei werden diejenigen Erfolgskomponenten erfasst, die bei konstanten Bedingungen der Umwelt auch künftig zu erwarten sind, so dass Anhaltspunkte für die prognostische Fortschreibung der Erfolgsrechnung gegeben werden.33 Eine Erfolgsspaltung wird notwendig, da die unterschiedlich vorgeschriebenen bzw. unternehmensindividuell ausgestalteten GuV-Gliederungen oft nur eine grobe Unterteilung in ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und ein außerordentliches Ergebnis vornehmen. Durch die vorherrschende enge Abgrenzung des außerordentlichen Ergebnisses handelt es sich beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Allgemeinen um eine Größe, die neben ordentlichen auch unregelmäßige Ergebniskomponenten (z.B. Gewinne/Verluste aus dem Verkauf von Anlagevermögen, außerplanmäßige Abschreibungen oder Erträge aus Zuschreibungen) enthält. Die Überschneidung von wiederkehrendnachhaltigen (ordentlichen) und abschlusspolitisch oder zufällig durch Sondereinflüsse verzerrten, unregelmäßigen Erfolgsbestandteilen führt zu einer Beeinträchtigung in der Bonitätsanalyse, da z.B. eine Krisenentwicklung im 32 Vgl. zu den Schätzungsmöglichkeiten stiller Reserven in handelsrechtlichen Ab-schlüssen insbesondere Lachnit, L.: Schätzung stiller Reserven, 2000, S. 769–808. Für die Anwendung bei IFRS und US-GAAP vgl. Wulf, I.: Stille Reserven, 2001, S. 235–335; Wulf, I.: Quantifizierungsmöglichkeiten, 2001, S. 1105–1106. 33 Vgl. Lachnit, L.: Erfolgsspaltung, 1991, S. 773. 94 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Unternehmen zunächst u.U. verdeckt wird, solange eine Verminderung im ordentlichen Ergebnisbereich durch unregelmäßige Erfolgsbeiträge kompensiert werden kann. Daher bedarf es einer Separierung von ordentlichen und unregelmäßigen Erträgen und Aufwendungen, die in der Praxis insbesondere bei Zuordnung der Teilkomponenten der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen ein erhebliches Analyseproblem darstellen. Des Weiteren ist festzustellen, dass zwischen dem ordentlichen Ergebnis und dem unregelmäßigen Ergebnis Verschiebungen möglich sind, die der Analysesystematik entspringen und daher betriebswirtschaftlich nicht unproblematisch sind. Beispiel hierfür ist die Wirkung aus der Dotierung sonstiger Rückstellungen, deren Bildung über das ordentliche Jahresergebnis erfolgt, während die Auflösung bei Nichtinanspruchnahme dem unregelmäßigen Ergebnis zugeordnet wird. Ähnliches gilt auch für überhöhte Abschreibungen, wobei hier aber andererseits auch die umgekehrte Problematik zu berücksichtigen ist, da hohe, dem unregelmäßigen Ergebnis zugerechnete und mit dem BilMoG nicht mehr erlaubten Sonderabschreibungen, die bei Umstellung des BilMoG nicht korrigiert wurden, die Abschreibungsbasis der Folgejahre verringern und damit das ordentliche Jahresergebnis entlasten. Des Weiteren bereitet die Tatsache, dass beispielsweise in der Behandlung des Geschäfts- oder Firmenwertes national und international große Unterschiede zu konstatieren sind, große Schwierigkeiten bei einem Vergleich von ordentlichen Betriebsergebnissen. Diese Verzerrungen bedürfen im Rahmen einer um Bereinigungen erweiterten Erfolgskonzeption einer besonderen Berücksichtigung, wobei die beiden Ziele der Bonitätsanalyse in einer bereinigten Erfolgsspaltung vereinigt werden. Dafür sind neben der Teilung der ausgewiesenen GuV-Daten in ordentliche und unregelmäßige Ergebnisse auch die abschlusspolitischen und durch das Rechnungslegungssystem bedingten Verzerrungen sowie Steuern von Einkommen und Ertrag aufzuteilen. Unter rechnungslegungsbedingten Verzerrungen sollen dabei Abweichungen von der Soll-Abbildungskonzeption des Analysten, d.h. der betriebswirtschaftlichen Tatsächlichkeit, verstanden werden, die das Unternehmen auf Grund der festgeschriebenen Regelungen so anwenden musste. Hierbei handelt es sich i.d.R. um stille Reserven oder stille Lasten die aus dem Versuch des Gesetzgebers oder des Standard-Setters resultieren, die Verlässlichkeit der Informationen zu erhöhen. Diese Erhöhung bedingt aber oft eine Reduzierung des Zielerreichungsgrades bezüglich der Relevanz von Informationen. Unter Bonitätsgesichtspunkten kann der einzige Maßstab nur die betriebswirtschaftlich definierte Tatsachengemäßheit sein, dergemäß von einer Bewertung zu Marktzeitwerten auszugehen ist. Bei den abschlusspolitischen Verzerrungen handelt es sich dagegen um gewollte Beeinflussungen der Unternehmensführung, die als ein Indiz für weitere unentdeckte Sachverhalte gestaltende Maßnahmen angesehen werden können. Im Bereich der abschlusspolitischen und durch das Rechnungslegungssystem bedingten Verzerrungen muss die Korrektur, deren Umfang in Abhängigkeit von dem angewandten Rechnungslegungssystem unterschiedlich groß ist, auf die verschiedenen Ergebnisschichten verteilt werden. So sind im ordentlichen 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 95 bereinigten  Jahresergebnis zusätzliche Abschreibungen auf nachaktivierte immaterielle Vermögensgegenstände zu berücksichtigen. Da es für einen Rechenzweck nur eine betriebswirtschaftlich zutreffende Abbildung geben kann, müssen die Ansatz- und Bewertungsvorschriften daraufhin überprüft werden. Ein zentrales Thema ist hier zurzeit die „richtige“ Behandlung der Geschäftsoder Firmenwerte, wo planmäßige Abschreibungen bei auch nach Umstellung auf das BilMoG beibehaltenen erfolgsneutralen Verrechnungen nach HGB nachzuholen sind.34 Weiteres Beispiel ist der Ansatz von selbst geschaffenen immaterie llen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens. Marktwertänderungen, worunter auch die erfolgsneutral verbuchten Währungsumrechnungsdifferenzen subsumiert werden können, sollten dagegen primär im unregelmäßigen Jahresergebnis korrigiert werden, da sie sich nicht eindeutig dem Einflussbereich des Managements zurechnen lassen und von der Markttheorie her die Wiederholbarkeitsvermutung für diese Änderungen nicht gilt. Somit sind Bereinigungen um stille Reserven in diesem Kontext nur insoweit vorzunehmen, als über erhöhte Aufwendungen stille Reserven gelegt bzw. über verminderte Erträge stille Reserven aufgelöst wurden. Abschließend sind noch die Steuern auf die Ergebnisteile zu verteilen, wobei die Bereinigungswirkungen, soweit steuerrechtlich relevant, zusätzlich einer latenten Steuerberücksichtigung bedürfen. Dabei sollten die sich aus der Änderung des Steuerrechts ergebenden Einflüsse oder bewusst gewährte Steuererstattungen als unregelmäßig eingestuft werden, sodass mit adjustierten ordentlichen Steuern gerechnet wird. Eine Herausrechnung des Steuereffektes ist nur dann sinnvoll, wenn die latenten Steuern nicht konsequent aktiviert wurden und dies wesentlich und auch nicht zu bereinigen ist. Im Normalfall führt eine derartige Korrektur aber eher zu Fehlinterpretationen. Gleichwohl ist die Vergleichbarkeit bei Branchenvergleichswerten zu beachten. Problematisch wirken sich in diesem Zusammenhang auch unterschiedliche Rechtsformen durch die Nichtberücksichtigung von Unternehmerlöhnen und persönlichen Steuersätzen aus. Konkret ergibt sich das in Tabelle 3-43 dargestellte Schema. 34 Zudem ist eine Vergleichbarkeit bei Verwendung des Impairment-only-approach nach IFRS und US-GAAP herzustellen, vgl. Lachnit, L./Müller, S.: Firmenwerte, 2003, S. 540– 550. Umsatzerlöse – Herstellungskosten des Umsatzes U K V = Bruttoergebnis vom Umsatz – Vertriebskosten – Allgemeine Verwaltungskosten – Weitere Kostenstellen (inkl. Forschung und Entwicklung) + Ordentliche sonstige betriebliche Erträge 96 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating +/– Bestandsveränderung Erzeugnisse U K V +/– Andere aktivierte Eigenleistungen + Ordentliche sonstige betriebliche Erträge – Aufw. für RHB-Stoffe und bezogene Waren sowie für bezogene Leistungen – Löhne und Gehälter – Soziale Aufwendungen – Planmäßige Abschreibungen auf AV – Ordentliche sonstige betriebliche Aufwendungen – Sonstige Steuern + Korrektur um funktional verteilte Kosten außerplanmäßiger, periodenfremder oder bewertungspolitischer Natur + Erfolgswirkung durch GFW-Nachaktivierung und Abschreibung mit ND 10 J. sowie durch Umstellung der GFW-Abschreibung auf ND 10 J. +* nicht aktivierte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 (2) HGB) +* Aktivisch vorgenommene steuerliche Abschreibungen des GJ (§ 281 (2) HGB) +* Veränderung weiterer stiller Reserven im Anlagevermögen +* Veränderung der still. Reserven durch Bewertungsvereinfachung bei Vorräten (§ 284 (2) 4 HGB) +* Veränderung der still. Res. in Erzeugnissen wg. Anwendung des Teilkostenansatzes (vor BilMoG) +* UV- Abschreibungen des Geschäftsjahres auf den niedrigeren Zukunftswert (§§ 277 (3) und 253 (3) 2 HGB) – Vorjahresbestand (vor BilMoG) +* Veränderung weiterer stiller Reserven im Umlaufvermögen + Veränderung der nicht aktivierten latenten Steuern (§ 274 HGB) +/–* Veränderung der stillen Reserven/Lasten in Pensionsrückstellungen –* Veränderung der Deckungslücke bei Pensionsrückstellungen (Art. 28 (2) und Art. 67 (1) EGHGB) +/–* Stille Reserven-Wirkung durch Dotierung sonstiger Rückstellungen +* Veränderung der Aufwandsrückstellungen (§ 249 (2) HGB) (vor BilMoG bzw. noch nicht aufgelöst) – Adjustierte und latente Steuern aus Bereinigung (auf mit * gek. Positionen) = Bereinigtes ordentliches Betriebsergebnis (BOBE) Erträge aus Beteiligungen an assoziierten Unternehmen + Erträge aus sonst. Beteiligungen und Erträge aus Gewinngemeinschaft, -abführung 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 97 Bei der notwendigen Korrektur des Jahresergebnisses um die Zinseffekte ist darauf zu achten, dass auch bei Abschlüssen vor BilMoG neben den in der GuV ausgewiesenen Zinsaufwendungen auch die früher oft im Personalaufwand erfassten Aufzinsungen der Pensionsrückstellungen zu korrigieren sind. Das durchschnittliche Gesamtkapital kann aus dem aufbereiteten Gesamtkapital am Anfang und am Ende des Bilanzierungszeitraumes berechnet werden. 3.5.4.1.2 Norm‐Ist‐Vergleich Tabelle 3-44 ordnet der Gesamtkapitalrendite in Abhängigkeit ihrer Höhe eine Bewertung im Schulnotensystem zu. Es kommt die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite der letzten 3 Bilanzperioden zur Anwendung, um die Auswirkungen kurzfristiger Schwankungen zu vermindern. 3.5.4.1.3 Branchenvergleich Der Branchenvergleich der Gesamtkapitalrendite erfolgt analog zur Reinvestitionsquote und kann anhand Tabelle 3-45 vorgenommen werden, wobei ggf. eine Anpassung der Berechnung an die vorhandene Datenbasis (z.B. Ausklammerung von Einkommen- und Ertragsteuern) notwendig wird. + Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens + Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge + Ordentliche sonstige finanzielle Erträge – Planmäßige Absetzungen Finanz-AV und Wertpapier-UV – Aufw. aus Beteiligungen an assoziiert. Untern. – Aufwendungen aus Verlustübernahme – Zinsen und ähnliche Aufwendungen – Ordentliche sonstige finanzielle Aufwendungen +* Veränderung der stillen Reserven in Finanzanlagen +* Veränderung der stillen Reserven in Wertpapieren des Umlaufvermögens – Adjustierte und latente Steuern aus Bereinigung (auf mit * gek. Positionen) = Bereinigtes ordentliches Finanzergebnis (BOFE) (BOBE + BOFE) = Bereinigtes ordentliches Jahresergebnis Tabelle 3‐43: Aufbereitungsschema für das bereinigte Jahresergebnis Gesamtkapitalrendite <0% 0–4% 4–6% 6–10% 10–15% >15% Risikostufe 6 5 4 3 2 1 Tabelle 3‐44: Norm‐Ist‐Bewertung der Gesamtkapitalrendite 98 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.5.4.1.4 Zeitvergleich Trifft eine der folgenden Aussagen für das betrachtete Unternehmen zu, wird der entsprechende Zu- bzw. Abschlag verrechnet: • Die Gesamtkapitalrentabilität ist vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag jedes Jahr gefallen. Zuschlag von +0,5 • Vom vorletzten zum aktuellen Bilanzstichtag konnte die Gesamtkapitalrentabilität jedes Jahr um mindestens 0,01 (1%) pro Jahr gesteigert werden. Abschlag von –0,5 3.5.5 Ermittlung des Gesamtergebnisses der quantitativen Analyse Zur Ermittlung eines abschließenden Ergebnisses der quantitativen Analyse sind die Bewertungen für die einzelnen Kennzahlen zu einer einzigen Risikoeinstufung zu aggregieren. Die Gewichtung der einzelnen Kennzahlen wird von den Banken jedoch nicht veröffentlicht und ist in der Regel auch den Kundenbetreuern nicht bekannt, sodass nur allgemeine Aussagen zur Wichtigkeit der einzelnen Kennzahlen im Ratingprozess gemacht werden können. Eine Gleichgewichtung der Kennzahlen würde nicht dem Umstand Rechnung tragen, dass viele Banken einige der betrachteten Kennzahlen eine höhere Bedeutung beimessen als anderen. In der Regel wird die Eigenkapitalausstattung am stärksten gewichtet, ebenso wie die Cashflow-Rate und die Gesamtkapitalverzinsung, auch das Kreditorenziel spielt eine übergeordnete Rolle.35 Für die anderen Kriterien war keine spezielle Gewichtung zu ermitteln, sodass hier von einer Gleichgewichtung ausgegangen werden soll. Im vorgestellten Selbstratingsystem erhält somit die Eigenkapitalquote die höchste Gewichtung von 30%, gefolgt von der Cashflow-Rate mit 20% sowie Gesamtkapitalrentabilität und Kundenziel mit jeweils 10%. Die restlichen Kennzahlen gehen mit 5% in das Ergebnis der quantitativen Analyse ein. Tabelle 3-46 und Tabelle 3-47 geben noch einmal einen Überblick über die einzelnen Kriterien. Sie können dazu genutzt werden, die Ergebnisse übersichtlich zusammenzustellen und die Gesamtbewertung zu ermitteln. Tabelle 3-46 fasst die Formeln zur Berechnung der Kennzahlen zusammen. Die Ausprägungen der Gesamtkapitalrendite <60% 60–90% 90–120% 120–170% >170% des Branchendurchschnitts Zu-/Abschlag +1 +0,5 ±0 –0,5 –1 Tabelle 3‐45: Zu‐/Abschläge beim Branchenvergleich der Gesamtkapitalrendite 35 Vgl. Dicken, A.‐J.: Kreditwürdigkeit, 1999, S. 310–334; Hundt,  I./Neitz, B./Grabau, F.‐R.: Rating, 2003, S. 99–101. 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 99 einzelnen Kennzahlen aus den vergangenen drei Jahresabschlüssen können in die jeweiligen Felder eingetragen werden, ebenso der Branchendurchschnitt. Die grau unterlegten Felder stellen für die Bewertung benötigte Zahlen dar. Kennzahl und Berechnungsformel vorvor‐ letzer vor‐ letzter letzter  letzte 3 Bilanz‐ stichtageBilanzstichtag Reinvestitionsquote: × 100 Eigener Wert Branche Gesamtabschreibungsquote: × 100 Eigener Wert Branche Kundenziel: × 365 Eigener Wert Branche Eigenkapitalquote: × 100 Eigener Wert Branche Dynamischer Verschuldungsgrad: Eigener Wert Branche Langfristdeckungsgrad: × 100 Eigener Wert Branche Lieferantenziel: × 365 Eigener Wert Branche Umschlagshäufigkeit Eigener Wert Branche Cashflow-Rate: × 100 Eigener Wert Branche Gesamtkapitalrentabilität: Eigener Wert Branche Tabelle 3‐46: Berechnung der Kennzahlen für die quantitative Analyse Nettoinvestitionen in Sachanlagen Abschreibungen auf Sachanlagen ------------------------------------------------------------------------------------------ Kum. Abschreibg. auf Sachanlagen Sachanlagen (zu hist. AoHK) -------------------------------------------------------------------------------------------- Bestand an Forderungen aus L&L Umsatz ---------------------------------------------------------------------------------------- Eigenkapital Gesamtkapital -------------------------------------- Verbindlichkeiten – liquide Mittel Cashflow ----------------------------------------------------------------------------------------- Eigenkapital + langfr. Fremdkapital Langfristiges Vermögen --------------------------------------------------------------------------------------------- Verbindlichkeiten L & L Wareneingang --------------------------------------------------------------- Gesamtleistung (Umsatz) betriebliches Vermögen ------------------------------------------------------------------ Cashflow Gesamtleistung (Umsatz) ------------------------------------------------------------------ Jahresüberschuss Fremdkapitalzinsen(evtl. + Steuern)+ durschnittliches Gesamtkapital -------------------------------------------------------------------------------------------------------- 100 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating Das Bewertungsschema ist in Tabelle 3-47 noch einmal aufgeführt: Grundlage bildet die Norm-Ist-Analyse. Für jede Kennzahl wird in der ersten Zeile die Note in Abhängigkeit der Kennzahlausprägung ermittelt. In den folgenden beiden Zeilen sind die Zu- bzw. Abschläge aus dem Branchen- und Zeitvergleich (gemäß Beschreibung in Abschnitt 3.5) einzutragen und mit der Bewertung der Norm-Ist-Analyse zu saldieren. Die so ermittelte Gesamtbewertung wird mit dem in der rechten Spalte aufgezeigten Gewichtungsfaktor multipliziert. Die Summe daraus ergibt die Gesamtbewertung für die quantitative Analyse. Anzumerken ist, dass diese Berechnung in zweifacher Ausführung erfolgen sollte. Einerseits sollten zur Selbsteinschätzung die genau aufbereiteten Daten Verwendung finden. Andererseits sollte mit den nicht aufbereiteten Werten ein Kontrolllauf gefahren werden, um die von externer Seite ermittelten Werte zu erhalten. Ein Vergleich beider Rechnungen ermöglicht es eventuell, schon vor den eigentlichen Kreditverhandlungen die aus Kreditgebersicht offensichtlichen Schwächen durch plausible Begründungen zu entkräften. Kennzahl Norm‐Ist‐Vergleich  (Wert für das eigene Unternehmen ankreuzen!) Gewichtung  der Kenn‐ zahl: Bewertung Note 1 Note 2 Note 3 Note 4 Note 5 Note 6 Reinvestitionsquote >1,3 1,3–1,1 1,1–1 1–0,9 0,9–0,7 <0,7 + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Gesamtabschreibungsquote <35% 35–43% 43–50% 50–60% 60–70% >70% + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Kundenziel 30 Tage 31–60 T 61–90 T 91–120 121–150 >150 T. + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,10 = Eigenkapitalquote >60% 40–60% 25–40% 15–25% 8–15% <8% + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,20 = 3.5 Die Kriterien der quantitativen Analyse 101 Dyn. Verschuldungsgrad 0–2 Jahre 2–4 J. 4–6 J. 6–8 J. 8–10 J. >10 J. + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Langfristdeckungsgrad >200% 150–200 120–150 100–120 70–100 <70% + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Lieferantenziel 15 Tage 16–30 T 31–50 T 51–70 71–100 >100 T. + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Umschlagshäufigkeit 3,0 3,0–2,0 2,0–1,5 1,5–1,0 1,0–0,7 <0,7 + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,05 = Cash Flow-Rate >17% 12–17% 8–12% 5–8% 2–5% <2% + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,20 = Gesamtkapitalrentabilität >15% 10–15% 6–10% 4–6% 0–4% <0% + Zuschlag Branchenvergleich + + Zuschlag aus Zeitvergleich + = Gesamtbewertung = ×0,10 = Ergebnis quantitative Analyse (1= geringes, 6 = hohes Risiko) Summe Tabelle 3‐47: Berechnung des Ergebnisses der quantitativen Analyse Kennzahl Norm‐Ist‐Vergleich  (Wert für das eigene Unternehmen ankreuzen!) Gewichtung  der Kenn‐ zahl: Bewertung Note 1 Note 2 Note 3 Note 4 Note 5 Note 6 102 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.6 Die Kriterien der qualitativen Analyse Die qualitative Komponente des Selbstratingsystems dient der Bewertung der Stärken und Schwächen bzw. der Potenziale und Risiken des Unternehmens. Das Vorgehen ähnelt dem Prozess des Chancen- und Risikomanagements im Unternehmen, wobei auch die Bewertung der Unternehmensführung selbst mit einbezogen wird. Es geht insgesamt darum, aus den Stärken und Schwächen Aussagen über die mögliche zukünftige Entwicklung des Unternehmens abzuleiten und damit die vergangenheitsbezogene quantitative Analyse zu ergänzen. Dieser Abschnitt stellt die qualitative Komponente des Selbstratingsystems vor. Es bedient sich denselben Fragen, wie sie auch in internen Ratingsystemen der Banken vorkommen und ist notwendige Ergänzung des quantitativen Teils des Selbstratingsystems. Zusätzlich kann es als Bestimmung von konkreten Unter‐ nehmensrisikobereichen dienen. Das entwickelte System orientiert sich an den Themenkomplexen „Markt/Produkt“, „Management/Personal“, „Planung/Kontrolle“ und „Risikomanagement“, in die Banken ihre qualitativen Fragen gliedern. Die Auswahl der Einzelfragen wurde analog zur Auswahl der Themenbereiche vorgenommen: Zunächst wurde die Literatur zu internen Ratingsystemen von Banken nach den am häufigsten genannten Fragestellungen ausgewertet. Diese Ergebnisse wurden dann theoretisch dahingehend fundiert, dass ein logisch begründbarer Zusammenhang zwischen dem Kriterium und einer möglichen Insolvenz besteht. Dabei wurden auch die Mittelstandsspezifika bezüglich der inhaltlichen Ausgestaltung der Fragen und informatorischen Anforderungen berücksichtigt. Die folgenden Ausführungen erläutern die Einzelfragen genauer und zeigen den Zusammenhang zum Insolvenzrisiko eines Unternehmens auf. Im Anschluss daran werden einzelne Kriterien aufgezeigt, anhand derer ein Unternehmen die einzelnen Fragen beantworten und die eigene Risikoposition bestimmen kann. Zum Abschluss des Kapitels stehen Tabellen zur Verfügung, in der die Bewertungen zu den einzelnen Fragen noch einmal übersichtlich zusammengefasst werden können und mithilfe derer ein Gesamtergebnis der qualitativen Analyse ermittelt werden kann. Wie auch im quantitativen Teil sollte jedoch weniger dieses zusammengefasste Ergebnis im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern vielmehr der Diskussionsprozess bei der Beantwortung der Fragen als Möglichkeit gesehen werden, latent vorhandene Risiken im Unternehmen, die eine Kreditvergabe beeinträchtigen könnten, zu identifizieren. In einem Folgeschritt sollten diese Risiken dann entweder aktiv abgebaut werden oder zumindest der Bank die damit einhergehenden Chancen aufgezeigt werden. 3.6.1 Analysebereich „Markt/Produkt“ Im Rahmen der Branchenanalyse wurde eine Analyse des Marktumfeldes durchgeführt. Im Folgenden gilt es zu vergleichen, in wie weit sich das zu bewertende Unternehmen dem Marktumfeld angepasst hat und entsprechende

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References

Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.