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3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 43 - 54

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_43

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3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 31 einer Bank erhält. Die daraus generierten Erkenntnisse sollen dem Unternehmen sowohl aufzeigen, in welchen kritischen Unternehmensbereichen noch Schwachpunkte bestehen, als auch die Grundlage für die in Kapitel 5 beschriebenen risikoadäquaten Finanzierungsstrategie legen. Die bewusste Abweichung von konkreten bankinternen Ratingsystemen erfordert hierbei die Formulierung einiger Anforderungen an das Selbstratingsystem, um die Ziele zu erreichen: • Das Selbstratingsystem soll die Sichtweise einer Bank einnehmen. • Sämtliche Kriterien und Kennzahlen müssen nachvollziehbar sein, damit Wirkungsweise und der Zusammenhang zur Insolvenzgefahr erkennbar sind. • Die betrachteten Kriterien sollen so allgemeingültig gefasst sein, dass sie nicht das Ratingsystem einer bestimmten Bank widerspiegeln. Selbstratingsysteme für Unternehmen sind bereits von mehreren kommerziellen Anbietern als Softwarelösung am Markt. Im Unterschied zu diesen Systemen zielt das in diesem Kapitel entwickelte Selbstrating mehr auf den Erkenntnisgewinn aus der Durchführung des Ratings ab, sowohl hinsichtlich Risikofaktoren im Unternehmen als auch dem Verständnis von Ratingsystemen allgemein. Die Ermittlung einer Risikoeinschätzung und der Vergleich mit den tatsächlich in Banken eingesetzten Systemen sind nur von untergeordneter Bedeutung. 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems Aufbauend auf den beschriebenen Anforderungen ist das in diesem Kapitel beschriebene Selbstratingsystem entstanden. Es baut auf einer Analyse verschiedener bankinterner Ratingsysteme auf, wobei aus Gründen der Vertraulichkeit seit über 10 Jahren kaum noch extern Informationen zu erhalten sind. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse hinsichtlich der genutzten Kennzahlen und Kriterien sowie zum Aufbau der Systeme bildeten die Grundlage für die Struktur und die verwendeten Fragen des Selbstratings. Dieser Abschnitt legt mithilfe einer kurzen Einführung in die Funktionsweise bankinterner Ratingsysteme die Grundlage für das Verständnis der Funktionsweise des Selbstratingsystems, dessen Systematik im zweiten Teil dieses Abschnitts genauer vorgestellt wird. 3.2.1 Das Vorbild: Bankinterne Ratingsysteme Mit der Umsetzung von Basel II haben sich alle relevanten deutschen Banken entschieden, ein internes Ratingsystem aufzubauen, um entweder sofort oder später den IRB-Ansatz anwenden zu können.  Basel II schreibt jedoch keineswegs die Struktur oder sogar die Kennzahlen eines Ratingsystems vor, sodass die Systeme unterschiedlicher Banken individuell ausgestaltet sind. Dies macht eine genaue Analyse der einzelnen Systeme notwendig, um Gemeinsamkeiten zu erkennen und ein allgemeingültiges Selbstratingsystem zu entwickeln. 32 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.2.1.1 Begriff und Wesen des Ratings Der Begriff Rating – vom englischen „to rate“ = „einstufen, bewerten, gewichten“ abgeleitet – wird auf dem Kapitalmarkt schon seit langer Zeit verwendet. Ein Rating ist in diesem Kontext eine mögliche Abbildung der Insolvenzgefahr eines Unternehmens und somit zukunftsbezogen.2 Aus diesem Grund ist die Qualität des Ratings a priori nicht feststellbar und häufig auch nicht nachvollziehbar, da die Analysekriterien von vielen Ratingagenturen nicht offen gelegt werden. Zudem benötigt der Ratingprozess ein hohes Maß an Flexibilität und lässt damit auch Subjektivität zu. Die Richtigkeit eines Ratings stellt sich somit erst in der Zukunft heraus. Große Ratingagenturen weisen aus diesem Grund stets darauf hin, dass ihre Ratings lediglich ihre „Meinungen über die Fähigkeit und Bereitschaft eines Emittenten zur vollständigen und fristgerechten Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen“3 darstellen. Auf den Kapitalmärkten helfen Ratings, die Informationsasymmetrie zwischen Unternehmen und Anlegern zu verringern. Für Privatanleger ist es zu kostspielig, sich umfassend über ein Unternehmen zu informieren. Dies übernehmen die Ratingagenturen. Das Ergebnis dieses Analyseprozesses veröffentlichen sie in Form eines einzigen Symbols und verdichten somit die Fülle an Informationen über ein Unternehmen in lediglich einer Kennzahl. Bei bankinternen Ratingsystemen steht weniger der Abbau der Informationsasymmetrie im Vordergrund (die Bank muss die Unterlagen ohnehin selbst auswerten) als der Vorteil der komprimierten Informationen. Ratings werden Banken in Zukunft zur Entscheidung über die Kreditgewährung, der Konditionengestaltung und der internen Risikosteuerung heranziehen. Die gesamte Geschäftsbeziehung eines Unternehmens mit seiner Bank hängt also an diesem einen Ratingsymbol. 3.2.1.2 Die Struktur bankinterner Ratingsysteme Trotz der relativ freien Gestaltungsmöglichkeiten, die die regulatorischen Anforderungen den Banken beim Aufbau interner Ratingsysteme bieten, haben die meisten Systeme die in Abbildung 3-1 dargestellte Struktur.4 Die einzelnen Instrumente werden im Folgenden genauer beschrieben. 2 Mit einer tieferen Einführung in das Rating etwa Graumann, M./Sundheimer, T.: Rating im Mittelstand, 2003, S. 601 ff. 3 Moody’s  (Hrsg.): Ratingdefinitionen, Online-Quelle http://www.moodys.com/pages/ default_de.aspx (10.3. 2011); Dimitrakopoulos, D./Spahr, R.: Rating in internationalen Ratingagenturen, 2003, S. 151 ff. 4 Siehe zu bankinternen Ratingsystemen etwa auch Everling, O./Theodore, S.S.: Bankrisikomanagement, 2008; Rauhmeier, R.: Validierung und Performancemessung, 2004; Klett, C.: Rating-Selbsttest, 2002, S. 851 ff.; Ballwieser, W./Ordelheide, D.: Ratingfunktionen, 2008, S. 18 ff. 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 33 3.2.1.2.1 Quantitative Analyse Die quantitative Analyse bewertet die einem Kredit suchenden Unternehmen zuzuordnenden Geschäftszahlen aus dem Jahresabschluss.5 Hinzu tritt i.d.R. die Kontodatenanalyse, die Aussagen über das Zahlungsverhalten des Kreditnehmers gibt. Ziel der Jahresabschlussanalyse ist es, anhand von Kennzahlen aus dem Jahresabschluss die Entwicklung des Unternehmens in der Vergangenheit nachzuzeichnen und daraus Aussagen über die zukünftige Zahlungsfähigkeit abzuleiten. Während die numerischen Daten des Jahresabschlusses leicht interpretierbar und relativ manipulationssicher sind, besteht das Problem des Vergangenheitsbezugs. Aus diesen Zahlen die zukünftige Entwicklung vorherzusagen, ist deshalb mit Unsicherheit verbunden und benötigt Sachverstand, um die komplexen Zusammenhänge zwischen den Kennzahlen und der Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Zahlungsunfähigkeit abzubilden. Hierfür können Banken auf unterschiedliche Systeme zurückgreifen: Traditionelle  Verfahren benötigen einen erfahrenen Analysten, der aus den Kennzahlen und seinen Erfahrungen auf die Zahlungsfähigkeit des Unterneh- Abbildung 3‐1: Struktur bankinterner Ratingsysteme 5 Zu den Konsequenzen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes auf das Bilanzrating siehe Wulf, I./Bosse, T.: Auswirkungen des BilMoG auf das Bilanzrating, 2009, S. 568 ff. Quantative Analyse Qualitative Analyse BranchenanalyseElement vergangenheitsorientiert zukunftsorientiert vergangenheitsund zukunftsorientiert Zeitbezug Aufdecken bereits bestehender Risiken Aufdecken von Erfolgs- und Gefahrenpotenzialen Analyse des wirtschaftlichen Unternehmensumfelds Ziel Jahresabschlussanalyse Kontodatenanalyse Bewertung von soft facts (z.B. Scoringmodell) Benchmarking oder eigenständiges Rating Instrument Rating-Urteil Warnsignale 34 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating mens schließt. Sie sind somit personalaufwändig und liefern wenig vergleichbare Ergebnisse. Reine expertenbasierte Systeme werden deshalb aufsichtsrechtlich nur in extremen Sonderfällen zugelassen. Mathematisch‐statistische Verfahren nutzen strukturierte Prozesse, um die Aussagefähigkeit der Kennzahlen zu bewerten.6 Hierzu werden Kennzahlen aus den Jahresabschlüssen sowie Antworten auf qualitative Fragen von möglichst vielen Unternehmen generiert oder aus bereits erstellen Ratings erfasst. Anschließend werden die Unternehmen je nach aktueller Zahlungsfähigkeit in die beiden Gruppen „insolvente Unternehmen“ und „solvente Unternehmen“ aufgeteilt. Nun wird geprüft, bei welchen Kennzahlen bzw. qualitativen Fragen sich besonders große Unterschiede zwischen den Gruppen solventer und insolventer Unternehmen feststellen lassen. Diese Kriterien besitzen eine hohe Trennfähigkeit und damit eine hohe Aussagekraft bei der Suche nach insolvenzgefährdeten Unternehmen. Abschließend wird mit der Diskriminanzanalyse eine optimale Gewichtung der einzelnen relevanten Kennzahlen erstellt, so dass sich die Ausprägungen aller trennfähigen Kennzahlen für ein Unternehmen auf einen einzigen Indikatorwert verdichten lassen. Die so generierte Bewertungsformel kann anschließend auf aktuelle Jahresabschlüsse angewendet werden und errechnet für jedes Unternehmen einen Indikatorwert (Score). Je nach Höhe dieses Indikatorwerts werden die Unternehmen als gute oder schlechte Unternehmen klassifiziert. Die Vorteile der mathematisch-statistischen Verfahren liegen in der objektiven und manipulationsfreien Verarbeitung der Jahresabschlüsse und der Konzentration auf die aussagefähigsten Kennzahlen. Zudem ist eine automatisierte Anwendung möglich. Nachteilig wirkt sich aus, dass man aus dem Ergebnis der statistischen Verfahren keine Ursachen für die Insolvenzgefährdung ablesen kann. Die ermittelten Kennzahlen haben zwar eine relativ hohe Trennfähigkeit, sie sind aber anfällig für Strukturbrüche, wie eine Veränderung der Rechnungslegungsregeln oder die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise. Zudem ist ihr betriebswirtschaftlicher Zusammenhang zur Insolvenz manchmal nicht ersichtlich, so dass auch keine Maßnahmen zur Minderung des Risikos abgeleitet werden können. Verfahren  der künstlichen  Intelligenz versuchen, mit Hilfe von Informationstechnologie menschliche Problemlösungsfähigkeiten nachzubilden und für die Kreditwürdigkeitsprüfung nutzbar zu machen.7 Sie lassen sich in Expertensysteme und neuronale Netze unterteilen. Expertensysteme hinterlegen das Wissen ausgewiesener Experten in computernutzbarer Form und ermöglichen somit die Automatisierung des Auswertungsprozesses. Neuronale Netze sind der Versuch, den Aufbau eines menschlichen Gehirns in einem Computersystem 6 Vgl. Krause, C.: Kreditwürdigkeitsprüfung, 1993, S. 14; für eine ausführliche Darstellung der mathematischen Durchführung vgl. Backhaus, K.: Multivariate Analysemethoden, 2003, S. 155–227; Everling, O.: Certified Rating Analyst, 2008; Zu Strukturellen Ratingmodellen und stochstischen Ratingprognosen siehe auch Becker, A./Kastner, A.: Prüfung des Kreditgeschäfts, 2007, S. 205 f. 7 Vgl. Baetge, J./Kirsch, H.‐J./Thiele, S.: Bilanzanalyse, 2004, S. 553–558; Zell, A.: Simulation neuronaler Netze, 2003, S. 23–24; Büschgen, H.E./Everling, O.: Handbuch Rating, 2007. 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 35 nachzustellen und sich so die menschliche Fähigkeit, unstrukturierte Probleme zu lösen, zunutze zu machen. Bevor dieses System anwendbar ist, muss es zunächst einen Lernprozess durchlaufen, bei dem es mit vielen Jahresabschlüssen von solventen und insolventen Unternehmen konfrontiert wird. Der Vorteil dieses Systems ist die Flexibilität, da es einfach an aktuelle Entwicklungen angepasst werden kann bzw. selbstständig lernt. Kritik an neuronalen Netzen zielt vor allem auf den Weg der Entscheidungsfindung, der nicht nachvollzogen werden kann. Somit sind die Gründe, warum ein Unternehmen als insolvenzgefährdet klassifiziert worden ist, ebenfalls nicht ersichtlich. Faktisch alle Banken haben bereits in den 1990er-Jahren damit begonnen, statistische Verfahren zur Insolvenzprognose zu entwickeln und in der Kreditwürdigkeitsprüfung einzusetzen. Verfahren wie „STATBIL“ der Sparkassen oder „MAJA“ der Hypo-Vereinsbank basieren auf der Datenbank des jeweiligen Kreditinstitutes und beinhalten entweder eine einmal festgelegte Diskriminanzfunktion oder bestimmen die zur Anwendung kommenden Kennzahlen individuell für das zu analysierende Unternehmen in Abhängigkeit von dessen Branche und anderen Charakteristika. Die statistischen Auswertungssysteme dienten zunächst nur als Ergänzung und Automatisierung der traditionellen Jahresabschlussanalyse. Im Zuge der Anpassungsaktivitäten der Banken an Basel II wurden diese Systeme entweder fortentwickelt oder komplett neu aufgesetzt, um mit den Anforderungen von Basel II kompatibel zu sein. Auch wenn viele – vor allem kleinere Banken – aktuell weiterhin den Standardansatz nutzen und somit eigentlich keine internen Ratingsysteme benötigen, wurden diese Systeme faktisch flächendeckend eingeführt. Dies ermöglicht einerseits die Sammlung von Daten für zukünftige (Weiter-)Entwicklungsprojekte von Ratingsystemen, gibt den Banken andererseits Erfahrungen in der Anwendung. Die mathematisch-statistische Auswertung von Jahresabschlüssen ist somit die am weitesten verbreitete Methode der Auswertung von Jahresabschlüssen als Teil der quantitativen Analyse von Ratingsystemen. 3.2.1.2.2 Qualitative Analyse Eine quantitative Analyse8 auf der Grundlage eines Jahresabschlusses kann lediglich Aufschluss über bereits existierende Risiken im Unternehmen geben, da ausschließlich vergangenheitsorientierte Daten verarbeitet werden. Erst wenn sich die Probleme in den Zahlen des Unternehmens niedergeschlagen haben, lassen sie sich mit der quantitativen Analyse erkennen. Dieser Umstand zeigt sich besonders deutlich in der Finanzkrise: Die Jahresabschlüsse aus 2007 waren die Basis für die Bewertung der Unternehmen in den Jahren 2008 und 2009, als der Höhepunkt der Krise zu verstärkten Insolvenzen führte. Aktuell sind die Jahresabschlüsse 2008 und 2009 mit ihren Krisenzahlen Basis für Ratings, obwohl viele Unternehmen vom Aufschwung profitieren. Der Jahresabschlussanalyse haftet der Mangel an, dass sie eine Krise i.d.R. erst dann aufgedeckt, wenn sich das Unternehmen bereits im Stadium der Liquiditätskrise befindet, wie Ab- 8 Für nähere Informationen siehe Achleitner, A.K./Everling, O.: Qualitatives Rating, 2004, S. 836 f. 36 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating bildung 3-2 darstellt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Handlungsspielraum für Gegenmaßnahmen schon stark eingeschränkt.  Sowohl für eine akkurate Bewertung der Kreditwürdigkeit als auch für die Einleitung von Maßnahmen im Unternehmen selbst ist es notwendig, potenzielle Krisen schon so früh wie möglich (im Stadium der strategischen, Produkt-/Absatz- oder Erfolgskrise) aufzudecken. Um dies zu erreichen, ist die Auswertung qualitativer Merkmale außerhalb des Jahresabschlusses unabdingbar. Ziel der qualitativen Analyse ist es deshalb zu prüfen, ob es Anzeichen für neu auftretende Risiken gibt und ob das Unternehmen die Fähigkeit besitzt, die bereits bestehenden Risiken in der Zukunft zu bewältigen. Deshalb sucht die qualitative Analyse das Unternehmensumfeld und das Unternehmen selbst nach Stärken und Schwächen ab, die zur Risikoreduzierung bzw. -erhöhung führen können.9 Im Gegensatz zur quantitativen Analyse gibt es bei der qualitativen Analyse keine standardisierten Verfahren, die in der Bankenpraxis allgemein Anwendung finden. Da die Kriterien häufig nicht quantifizierbar sind, hängt die Einstufung von der subjektiven Meinung des Analysten bzw. Kundenbetreuers einer Bank ab. Zum Zwecke der Anleitung des Analysten und für die Dokumentation gegenüber den Aufsichtsbehörden wird die qualitative Analyse in mehrere Themenkomplexe und Einzelfragen herunter gebrochen. Zudem existieren in vielen Ratingsystemen mehrere Musterantworten zur Auswahl. Aufgabe des Analysten ist es, diejenige Antwort zu wählen, die der Situation des Unternehmens am ähnlichsten ist. Die Bewertung eines Kriteriums erfolgt i.d.R. durch Punkte oder Scoring-Werte. Zum Schluss werden die einzelnen Scoring-Werte Abbildung 3‐2: Verlauf von Unternehmenskrisen9 9 Vgl. Grundwald, E./Grundwald, S.: Bonitätsanalyse, 2001, S. 50. G ra d d er B ed ro hu ng hoch niedrig Strategische Krise Produkt- und Absatzkrise Erfolgskrise Liquiditätskrise Akute Gefährdung Fehlallokation Fehldisposition Marktanteilsverlust Ertragsrückgang Umsatzrückgang andauernde Kapital- Unterauslastung Liquiditätsmangel Überschuldung/ Illiquidität Zusammenbruch Freier Handlungsspielraum eingeschränkter Handlungsspielraum klassische Kreditprüfung wird auf Problem aufmerksam Verlauf von Unternehmenskrisen 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 37 zu einer Gesamteinschätzung aggregiert. Um Manipulationen zu vermeiden, werden diese Bewertungsregeln von den Banken nicht veröffentlicht und auch den einzelnen Kundenbetreuern häufig nicht zugänglich gemacht. 3.2.1.2.3 Branchenanalyse Eine Branchenanalyse ist wichtiger Bestandteil der quantitativen und qualitativen Analyse und wird zudem als eigenständiger Bereich in internen Ratingsystemen eingesetzt.10 Im Rahmen der quantitativen Analyse liefert sie die entsprechenden Vergleichswerte, die für ein Benchmarking des betrachteten Unternehmens notwendig sind. Fällt bei der Jahresabschlussanalyse auf, dass eine Kennzahl des analysierten Unternehmens unterhalb des Branchendurchschnitts liegt, so ist davon auszugehen, dass das Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Konkurrenten hat. Bei der qualitativen Analyse fungiert die Branche als Beschreibung der Umwelt, an dessen Gegebenheiten sich die Unternehmung bestmöglich anpassen muss. Hierbei wird häufig der Ansatz der 5 Wettbewerbskräfte von Porter verwendet, der folgende 5 Einflussfaktoren auf den Wettbewerb in einer Branche betrachtet: Markteintrittsbarrieren, Verhandlungsmacht der Lieferanten, Verhandlungsmacht der Käufer, Substitutionsprodukte und Interner Wettbewerb.11 Banken nutzen zur Generierung von Vergleichswerten für die qualitative Analyse in der Regel ihren eigenen umfangreichen Datenbestand über Firmenkunden, deren Jahresabschlüsse der Bank vorliegen. Dabei werden bis zu 1800 unterschiedliche Branchen unterschieden, was einen hohen Bestand an vorliegenden Jahresabschlüssen verlangt. 3.2.1.2.4 Andere Komponenten bankinterner Ratingsysteme Konzernbeziehungen haben einen großen Einfluss auf die Rückzahlungsfähigkeit eines Schuldners. So wird angenommen, dass die Konzernmutter einem Tochterunternehmen finanzielle Unterstützung bei Liquiditätsproblemen geben würde. Dementsprechend kann sich ein Rating bei konzernverbundenen Unternehmen verbessern oder die Ratingnote der Tochter wird bei Vorliegen einer entsprechend engen Verbindung durch die Ratingnote der Mutter ersetzt. Als Warnsignale werden bestimmte Sachverhalte bezeichnet, die auf schwerwiegende Probleme im Unternehmen hindeuten. Als Beispiel sind hier Nachfolgeund Vertretungsregeln zu nennen. Sind solche Regeln nicht vorhanden, kann es bei Tod oder Krankheit des Geschäftsführers zu großen Schwierigkeiten bei der geregelten Weiterführung des Geschäftsbetriebes kommen. Das Insolvenzrisiko steigt erheblich. Darüber hinaus nutzen Kreditinstitute die Kontodaten des Unternehmens zur Ableitungen von Warnsignalen, indem die Anzahl der Überziehungen, Leistungsstörungen und Lastschrift-/Scheckrückgaben überprüft wird. Treten diese häufig auf, wird dies als Signal für ein erhöhtes Risiko im Unterneh- 10 Siehe zur Branchenanalyse etwa auch Heim, G.: Rating-Handbuch für die Praxis, 2006, S. 79 f. 11 Vgl. Porter, M.E.: Strategy, 1980. 38 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating men gewertet. Ein Warnsignal führt in der Regel direkt zu einer Herabstufung des Ratings und kann nicht durch eine positive Bewertung bei einem anderen Merkmal ausgeglichen werden. 3.2.2 Die Struktur des Selbstratingsystems Die Analyse verschiedener Basel III-tauglicher bankinterner Ratingsysteme hat ergeben, dass diese stets eine quantitative Analyse (Auswertung des Jahresabschlusses), eine qualitative Analyse und eine Branchenanalyse beinhalten (vgl. Abbildung 3-1). Dieses Grundschema wird auch im Selbstratingsystem12 genutzt, um eine möglichst weitgehende Anlehnung an interne Ratingsysteme sicherzustellen und damit die Anforderung zu erfüllen, das Selbstratingsystem aus Sicht einer Bank aufzustellen. Abbildung 3-3 stellt diese Struktur dar. 12 Mit einem Überblick über Basel-II-konforme interne Ratingsysteme Daldrup, A.: Konzeption eines integrierten IV-Systems zur ratingbasierten Quantifizierung, 2007, S. 137 ff.; Mit einer Studie zum Selbstratingsystem und dem Umsetzungsstand in Unternehmen Venture  Capital  Consultants  (Hrsg.): Selbstrating, Online-Quelle: http:// www.venture-capital-consultants.de/Selbstratingsystem.pdf (9.3. 2011). Abbildung 3‐3: Struktur des Selbstratingsystems Quantitative Analyse Branchenanalyse Qualitative Analyse 10 Kennzahlen aus Jahresabschlüssen der letzten 3 Jahre Markt/ Produkt 6 Kriterien Management/ Personal 6 Kriterien Planung/ Kontrolle 6 Kriterien Risikomanagement 5 Kriterien Vergleichswerte Quantitative Bewertung Branchenbewertung Qualitative Bewertung 50% 10% 40% Warnsignale Risikoeinstufung 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 39 3.2.2.1 Die quantitative Analyse Die quantitive Analyse nutzt insgesamt 10 verschiedene Kennzahlen, die den Jahresabschlüssen der vergangenen drei Bilanzjahre entstammen. Unternehmen, die zusätzlich zu ihrem Einzelabschluss auch einen Konzernabschluss erstellen, sollten das Selbstratingsystem analog zu der Handhabung der Kreditinstitute mit beiden Abschlüssen parallel durchführen. Im Gegensatz zu bankinternen Ratingsystemen wurden die genutzten Kennzahlen nicht auf der Basis einer Diskriminanzanalyse ermittelt. Hierfür wäre ein umfangreicher Bestand an Jahresabschlüssen notwendig gewesen, den nur Banken zur Verfügung haben. Stattdessen wurden die internen Ratingsysteme der größeren deutschen Banken auf die genutzten Kennzahlen hin untersucht. Die Auswahl der Kennzahlen wurde so getroffen, dass die Kennzahl selbst sowie ihre Bewertung und ihr Zusammenhang zur Insolvenzgefahr logisch nachvollzogen werden kann, ohne dass jedoch der Bezug zu den in Banksystemen genutzten Kennzahlen verloren geht. Zusätzlich wurde Wert darauf gelegt, dass die tatsächlichen betrieblichen Sachverhalte abgebildet werden. Bei einzelnen bankinternen Ratingsystemen können diese auf Grund verschiedener Aufbereitungsmethoden des Jahresabschlusses verzerrt sein. Nur so lässt sich die Anforderung der Allgemeingültigkeit wahren, andernfalls wären die Kennzahlen nur auf das System einer bestimmten Bank zugeschnitten und damit nur für solche Unternehmen von Interesse, die Kunde gerade dieser Bank sind. Die Bewertung der einzelnen Kennzahlen erfolgt in der folgenden Reihenfolge: Zunächst wird in einer Norm‐Ist‐Analyse die Kennzahl des betrachteten Unternehmens an einer absoluten Skala verglichen. Normen sind überbetrieblich gesetzte Sollwerte. Der Vergleich von Unternehmensdaten mit exogen vorgegebenen Normen soll zum einen das Urteil über die Unternehmenslage in der Wertung fundieren, zum anderen will man bei negativen Abweichungen damit Krisensignale erhalten. Die Normwerte sind nicht immer vollständig theoretisch fundiert, gleichwohl sind bilanzanalytische Normen in der praktischen Arbeit und in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen, da sie im Sinne von Konventionen insbesondere bei der Kreditwürdigkeitsprüfung eine beträchtliche Rolle spielen. Sie können aus Vorstellungen über übliche Branchenverhältnisse oder rechtlichen Normvorgaben (allgemeine Rechtsvorschriften oder vertragliche Vereinbarungen) hergeleitet sein oder auf empirisch-statistischen Analysen beruhen. Die Norm-Ist-Analyse stellt somit aus Sicht der Bank ein Vergleich zwischen allen Kredit suchenden Unternehmen dar, und eine Bank wird bemüht sein, Kredite vorrangig an Unternehmen zu vergeben, deren Ist-Werte nah an den Normwerten für stabile Unternehmen liegen. Bei strukturellen Problemen in einer Branche kann somit auch ein im Vergleich mit Konkurrenten gut aufgestelltes Unternehmen ein schlechtes Rating erhalten. Anschließend stellt die Branchenanalyse eine Relation zwischen dem betrachteten Unternehmen und anderen Unternehmen derselben Branche her. Der Vergleich mit Branchendurchschnitten erlaubt eine Absoluteinordnung des betrachteten Unternehmens gemessen an durchschnittlichen, als Normalfall anzusehenden Verhältnissen der betreffenden Branche. Ein in dieser Weise durchge- 40 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating führter überbetrieblicher Vergleich gibt z.B. Hinweise auf die relative Stellung des Unternehmens im Rahmen der Konkurrenzunternehmen. Man erkennt Schwachstellen und Stärken des betrachteten Unternehmens und kann letztlich erkennen, ob das Unternehmen über-, unter- oder durchschnittlich in Bezug auf den betrachteten Sachverhalt steht. In diesem Sinne liefert der Vergleich mit Durchschnittswerten Maßstäbe für eine absolute Einordnung und ökonomische Beurteilung des analysierten Unternehmens. Ein gutes Abschneiden im Branchenvergleich kann ein schlechtes Abschneiden bei einem Norm-Ist-Vergleich (etwa weil die Branche in einer Krise steckt) teilweise wieder ausgleichen, weil es dem betrachteten Unternehmen besser gelungen ist, sich an die Gegebenheiten der Branche anzupassen. Schlussendlich gibt ein Zeitvergleich Aufschluss über die dynamische Entwicklung des Unternehmens. Es werden dabei Veränderungen des betrachteten Sachverhaltes im Zeitverlauf deutlich. Dies betont Entwicklungstendenzen, die eventuell prognostisch in die Zukunft verlängert werden können. Die Problematik des zeitlichen Vergleichs liegt darin, dass nicht deutlich wird, inwieweit die betrachtete Position absolut gesehen gut, schlecht oder durchschnittlich zu beurteilen ist. Über einen Zeitvergleich in einem Ratingsystem kann berücksichtigt werden, ob eine Kennzahl über die letzten Bilanzierungsperioden eine stetige Verbesserung erkennen lässt, was auf eine erfolgreiche Arbeit an der Verbesserung der Unternehmenssituation hindeutet. Eine sich kontinuierlich verschlechternde Kennzahl weist dagegen auf ein Risiko hin, das die Unternehmensführung nicht erkannt hat oder nicht in den Griff bekommt, was eine Abstufung beim Rating notwendig werden lassen kann. 3.2.2.2 Die qualitative Analyse Der Aufbau der qualitativen Analyse folgt demselben Muster: Aus den internen Ratingsystemen der größten Banken wurden die am häufigsten abgefragten qualitativen Sachverhalte herausgefiltert. Diese lassen sich in die vier Oberkategorien „Markt/Produkt“, „Management/Personal“, „Planung/Kontrolle“ und „Risikomanagement“ einordnen. Dementsprechend ist die qualitative Analyse des Selbstratingsystems in diese vier Themenkomplexe unterteilt. In jedem der vier Themenkomplexe sind fünf bis sechs Kriterien zu bewerten, die sich jeweils aus mehreren Einzelfragen zusammensetzen. Die Bewertung der einzelnen Fragen erfolgt anhand von Musterantworten, aus der diejenige auszuwählen ist, die die Situation im betrachteten Unternehmen am besten beschreibt. Die Bewertungen der einzelnen Kriterien werden zum Schluss in eine Gesamtbewertung überführt. Wie auch im quantitativen Teil sollte jedoch weniger dieses zusammengefasste Ergebnis im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern vielmehr der Diskussionsprozess bei der Beantwortung der Fragen als Möglichkeit gesehen werden, latent vorhandene Risiken im Unternehmen, die eine Kreditvergabe beeinträchtigen könnten, zu identifizieren. 3.2.2.3 Die Branchenanalyse Die Branchenanalyse erfüllt im Rahmen des Selbstratingsystems eine doppelte Funktion. Zum einen muss sie Vergleichswerte liefern, die in der quantitativen 3.2 Der Aufbau des Selbstratingsystems 41 Analyse zum Vergleich der Kennzahlen genutzt werden können. Zum anderen bewertet sie das generelle Marktumfeld des Unternehmens und geht mit in die Endnote ein. Zugleich bildet das Unternehmensumfeld die Grundlage für die Bewertung einiger Kriterien in der qualitativen Analyse. 3.2.2.4 Warnsignale Das Selbstratingsystem enthält auch Warnsignale. Mehrere bankinterne Ratingsysteme definieren Mindeststandards für bestimmte Kriterien. Werden diese unterschritten, kommt es direkt zu einer Abwertung der Ratingnote, teilweise so stark, dass eine Kreditvergabe kaum mehr möglich ist.13 Insbesondere eine Nachfolgeregelung sowie bestimmte Kontoführungsprobleme werden hier betrachtet. Alle solche Mindeststandards werden im Selbstratingsystem unter den Warnsignalen zusammengefasst, um dem Unternehmer die Wichtigkeit dieser Kriterien noch einmal vor Augen zu führen. 3.2.2.5 Ermittlung der Gesamtrisikoeinschätzung Die einzelnen Kriterien jedes Bereichs werden unter Beachtung etwaiger Warnsignale anschließend zu einer Gesamtrisikoeinschätzung verdichtet. In der Praxis können die einzelnen Teilratingbereiche bei verschiedenen Kreditinstituten sehr unterschiedliche Gewichtungen erhalten. Nachdem in der Zeit vor Basel II die Kreditwürdigkeit hauptsächlich an den vergangenheitsorientierten Werten der Jahresabschlussanalyse festgemacht wurde, rückte die Zukunftsbetrachtung durch die qualitative Analyse im Rahmen von Basel-II-tauglichen Ratingsystemen stärker in den Vordergrund. Inzwischen zeigen aber auch Erfahrungen mit den internen Ratingsystemen, dass die Auswertung des Jahresabschlusses objektiver und unabhängiger von der Einschätzung des Kundenbetreuers durchgeführt werden kann. Zudem lassen sich die Ergebnisse der quantitativen Analyse mithilfe statistischer Mittel gut verifizieren, während qualitative Angaben über eine weniger starke homogene Datenhistorie bei Kreditinstituten verfügen. Bislang werden qualitative Faktoren deshalb bei bankinternen Ratingsystemen geringer gewichtet. Unseres Erachtens werden qualitative Faktoren jedoch aufgrund ihres Zukunftsbezuges und den im Zeitverlauf weiteren gesammelten Erfahrungen an Bedeutung gewinnen. Letztlich hängt die Gewichtung auch von der statistischen Verifizierbarkeit der einzelnen qualitativen Faktoren und der Aussagekraft der Bilanzanalyse ab. Angesichts des zeitlichen Verzugs des Jahresabschlusses und die dadurch während der Finanzkrise beobachteten Probleme ist in naher Zukunft eher wieder eine höhere Gewichtung qualitativer Faktoren zu erwarten. Da es somit sowohl eine zeitliche Inkonsistenz als auch größere Unterschiede zwischen den Banken gibt bei der Gewichtung des quantitativen und qualitativen Bereichs, beschreitet das Selbstratingsystem den Mittelweg, indem beide Analysebereiche gleichgewichtet werden. Die Branchenanalyse wird hierbei in den Themenkomplex der qualitativen Analyse ein- 13 Zu den Warnsignalen im Ratingsystem der Sparkassen vgl. z.B. Nolte, B.: Basel II, 2003, S. 139. 42 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating geordnet, wobei die Branchenanalyse mit 10% in die Gesamtbewertung eingeht, die eigentliche qualitative Unternehmensanalyse mit 40%. Die andere Hälfte der Gesamtbewertung beruht auf der quantitativen (Bilanz-)Analyse. 3.2.3 Grenzen der Aussagekraft des Selbstratingsystems Das Hauptziel des Selbstratings ist der Erkenntnisgewinn über Schwachpunkte im Unternehmen und über den Ablauf eines Ratingprozesses. Das Selbstrating kann und will keine vollständige Analyse und Bewertung alle betrieblichen Risikobereiche im Detail vornehmen. Dies ist Aufgabe des internen Risikomanagements. Hinzu tritt der Umstand, dass das Selbstratingsystem einen Querschnitt der Kriterien vieler bankinterner Ratingsysteme darstellt. Damit sind alle wichtigen Kriterien erfasst, jedoch keine spezifischen Gewichtungsfaktoren für die einzelnen Kriterien mehr zu bestimmen. Diese leiten sich bei jedem einzelnen Ratingsystem aus einer statistischen Auswertung der Jahresabschlüsse in den Datenbanken der jeweiligen Bank ab. Da für das Selbstratingsystem auf eine solche Datenbasis nicht zugegriffen werden kann, ist die Ermittlung einer empirisch fundierten Ausfallwahrscheinlichkeiten nicht möglich. Da Banken ihre Gewichtungsfaktoren zum Schutz vor Manipulationen nicht veröffentlichen, kann auch hierauf für das Selbstratingsystem nicht zurückgegriffen werden. Zudem unterliegen die Ratingsysteme der Banken stetigen Änderungen – der Ausfall eines Kreditnehmers einer Bank kann zu Neujustierung der Gewichtungen der Kennzahlen führen. Somit ist es nicht möglich, die Ergebnisse des Selbstratingsystems mit den Ratingsystemen einzelner Banken zu vergleichen, da dies nur anhand der objektiv ermittelten Ausfallwahrscheinlichkeiten möglich wäre. Ebenso kann von den Autoren keine Garantie übernommen werden, dass die aufgezeigten Kriterien und Bewertungen für jeden Einzelfall diejenigen Kriterien widerspiegeln, die die entsprechende Bank auch tatsächlich anwendet. Vielmehr muss das Ergebnis als Denkanstoß für die Unternehmensführung gesehen werden, sich detailliert mit dem Thema Rating und dem Ratingsystem der eigenen (Haus-)Bank auseinanderzusetzen und die Kreditverhandlungen intensiv vorzubereiten. 3.3 Technische Hinweise zum Selbstratingsystem Die folgenden Kapitel beschreiben die einzelnen Kriterien des Selbstratingsystems im Detail. Dem interessierten Leser werden Tabellen zur Verfügung gestellt, anhand derer er für ein Unternehmen mithilfe der beiliegenden CD die einzelnen Kennzahlen berechnen und die jeweiligen Kriterien bewerten kann. Um die Beschreibung der einzelnen Kriterien nicht durch technische Hinweise zur Anwendung des Selbstratingsystems zu unterbrechen, erfolgt an dieser Stelle eine allgemeine Einweisung in die benötigten Daten und die Nutzung der Tabellen.

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References

Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.