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4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 159 - 183

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_159

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148 4 Optimierung des Controllingsystems 4.1.3 Einbindung in den Controllingprozess Die bisher gemachten Aussagen beziehen sich auf die einmalige Durchführung und Auswertung des Selbstratingsystems. Jedoch belassen es weder Banken noch externe Ratingagenturen bei einer einmaligen Betrachtung des Unternehmens. Die Analyse der Risikofaktoren wird in regelmäßigen Zeitabständen (in der Regel jährlich) wiederholt, um die Entwicklung des betrachteten Unternehmens zu verfolgen. Das Unternehmen selbst muss jedoch die Risikolage in kürzeren Intervallen untersuchen. Werden Risiken zu spät erkannt, bleibt nicht mehr genügend Zeit, um durch entsprechende Maßnahmen gegenzusteuern, sodass eine rechtzeitige Identifikation von Risiken für Unternehmen von essenzieller Wichtigkeit ist. Um eine stetige Risikobeobachtung und -steuerung zu gewährleisten, müssen diese Prozesse vollständig in die Controllingsysteme der Unternehmung integriert werden. Dies bezieht sich auf die Verantwortlichkeiten für die Risikoüberwachung, die einzelnen Bereiche, die betrachtet werden müssen und auch die Bereitstellung der notwendigen Informationen. Eine Möglichkeit, die im Selbstratingsystem dargelegten Kennzahlen in das Controllingsystem zu übernehmen und damit eine regelmäßige Betrachtung für das Rating relevanter Faktoren sicherzustellen, ist die Integration der Kennzah‐ len  in  ein  Kennzahlensystem. Es ist aber dabei darauf zu achten, dass das Selbstratingsystem nicht als ein isoliertes Kennzahlensystem neben das bereits eingesetzte Führungs-Kennzahlensystem tritt, zumal es nur den speziellen Blickwinkel der Kapitalgeber auf das Insolvenzrisiko darstellt. Daher soll im Folgenden die Integration der im Selbstratingsystem zusammengefasster Indikatoren in ein umfassendes Führungs-Kennzahlensystem dargestellt werden, wobei die Integration unterteilt in den quantitativen und qualitativen Teil erfolgt. Die ermöglicht das Anknüpfen an bekannte Größen und erleichtert die Interpretation der Ergebnisse. Gleichzeitig gibt diese Beschreibung der Integration in ein umfassendes Führungs-Kennzahlensystem auch Hinweise über ggf. bestehende Schwächen des bisher verwendeten Systems. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte  in ein Kennzahlensystem Um die tatsächliche Ursache einer schwachen Ausprägung bei einer oder mehreren quantitativen Kennzahlen des Selbstratingsystems zu ergründen, ist es notwendig, eine genauere Analyse  des Unternehmens vorzunehmen. Die im Rahmen von bankinternen Ratingsystemen verwendeten Kennzahlen sind lediglich solche, die sich als besonders relevant bei der Prognose von Insolvenzen herausgestellt haben.8 Eben solche sind auch in das Selbstratingsystem eingeflossen. Sie stehen jedoch in keinem logischen Zusammenhang zueinander und 8 Vgl. die Ausführungen zur Auswertung von Jahresabschlüssen mit Hilfe mathematischer Verfahren in Kapitel 3.2.1.2.1. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 149 können deshalb weder ein vollständiges Bild aller relevanten Aspekte im Unternehmen vermitteln noch so miteinander verknüpft werden, dass die Ursachen für die Schwächen unmittelbar zu Tage treten. Hier kann ein integriertes Kennzahlensystem zur Unterstützung der Unternehmensführung zum Einsatz kommen, mit dem ein genauerer Einblick in die Zusammenhänge des Unternehmens möglich ist. Exemplarisch soll im Folgenden ausgehend von den Ausgestaltungsnotwendigkeiten eines Management-Rechnungswesens ein derartiges integriertes Kennzahlensystem, das Total‐Return‐on‐Total‐Assets (TRoTA)9 dargestellt werden. Der Schwerpunkt liegt zunächst in der Darstellung des integrierten Aufbaus und der quantitativen Größen. In den folgenden Abschnitten werden die Implikationen der qualitativen Aspekte, die ebenfalls ihren Niederschlag in dem Kennzahlensystem finden sollten, beschrieben. 4.2.1 Die Ausgestaltung eines rechnungswesenabgeleiteten  integrierten Kennzahlensystems Das betriebliche Rechnungswesen besteht häufig aus teilweise isoliert entwickelten Instrumenten, die insbesondere in den Bereichen Erfolg und Liquidität, Integration von Risiken und Chancen, periodisiert und nicht-periodisiert, retrospektiv und prospektiv sowie qualitativ und monetär Einzelentwicklungen Spannungsfelder erzeugen. Aus dieser Vielfalt an oft unverbundenen (Teil-) Abbildungsmodellen resultieren in Theorie und Praxis Probleme durch widersprüchliche Ergebnisse bzw. kaum erklärbare Resultatunterschiede sowie die Unwirtschaftlichkeit von Dubletten, die Nutzung und Akzeptanz des Rechnungswesens als zentrales Instrument erheblich verringern.10 Das Rechnungswesen hat seinen wesentlichen Zweck im Abbau von Informati‐ onsdefiziten, wozu Abbildungen des Unternehmens notwendig sind. Es ist in theoretischer Hinsicht eine Ausgestaltung anzustreben, bei der keine Informationslücken bzw. -asymmetrien mehr vorliegen. Inhaltlich ist dabei die tatsächliche wirtschaftliche Unternehmenslage der Orientierungspunkt. Jedes Abweichen von der betriebswirtschaftlichen Tatsächlichkeit stellt somit eine Abbildungsverzerrung dar und löst damit neue Informationsdefizite aus. Problematisch ist dabei, dass die betriebswirtschaftliche Tatsächlichkeit ein unbestimmter Begriff ist, der kaum objektiv zu bestimmen sein wird. Zum einen ergeben sich generell Schwierigkeiten bei der Abbildung sozioökonomischer Systeme, da etwa ein Transformationsprozess der nicht in monetärer Form vorliegenden Daten erfolgen muss oder die sich der menschlichen Wahrnehmung entziehende zukünftige Entwicklung abbildungsrelevant ist. Zum anderen kann die Wahrnehmung durch subjektive Aspekte beeinträchtigt sein. Daraus folgt, dass die in der Theorie optimal erscheinende konvergente und betriebswirtschaftlich tatsachengemäße Ausprägung von Rechnungsweseninstrumenten in 9 Vgl. Nikolai, L.A./Bazley, J.D./Jones, J.P.: Intermediate Accounting, 2010; S. 280 f.; Buffett, M./Clark, D.: Financial Statements, 2008, S. 104 ff.; Brigham, E.F./Houston, J.F.: Financial Management, 2009, S. 97. 10 Vgl. Müller, S./Ordemann, T./Pampel, J.: IFRS im Controlling, 2005, S. 2119–2125. 150 4 Optimierung des Controllingsystems der Praxis ggf. fallweise doch in verschiedene teiloptimale Lösungen zerfallen kann. Gleichwohl ist dabei aber die betriebswirtschaftliche Tatsächlichkeit stets zu beachten und die Gründe für die Abweichung, die etwa in Abbildungskompromissen zwischen der Relevanz einer Information und deren Verlässlichkeit liegen können, sind zu verdeutlichen. Die Konvergenznotwendigkeit des Management-Rechnungswesens liegt im Spannungsfeld differierender Rechenzwecke und besteht dabei in unterschiedlicher Hinsicht. So ist (1) die Vereinheitlichung interner und externer Aspekte, (2) die Vereinheitlichung nationaler und internationaler Rechnungswesenansätze, (3) die Verbindung theoretischer Erkenntnisse mit der Unternehmenspraxis sowie (4) die Konvergenz von erfolgsrechnerischen und finanziellen, qualitativen und quantitativen, insbesondere monetären, Chancen und Risiken integrierenden, periodisierten und nichtperiodisierten sowie retrospektiven und prospektiven Ansätzen anzustreben. Diese Konvergenzrichtungen sind nicht isoliert voneinander zu betrachten, sondern verfügen über starke Interdependenzen. So können etwa im Rahmen der angestrebten Konvergenz interner und externer Instrumente Erkenntnisse aus internationalen Rechnungswesenansätzen sowie aus theoretischen Forschungen einfließen. Während die Betrachtungsrichtungen (1) – (3) primär auf die Fortentwicklung und Ausgestaltung des Rechnungsweseninstrumentariums abstellen, betreffen die übrigen unter (4) aufgeführten Konvergenzerfordernisse eher inhaltliche Probleme der Abbildungskonzeptionen, d.h. die Problematik der Abbildung der betriebswirtschaftlichen Tatsächlichkeit. So stellen erfolgsrechnerische und finanzielle, qualitative und quantitative, insb. monetäre, retrospektive und prospektive, periodisierte und nichtperiodisierte sowie Risiko und Chancen integrierende Ansätze lediglich verschiedene Dimensionen ein und derselben Unternehmensabbildung dar. Die Notwendigkeit einer konvergenten Ausgestaltung  des Management‐Rech‐ nungswesens gerade in mittelständischen Unternehmen ergibt sich aus der Überlegung, dass es stets nur eine betriebswirtschaftlich tatsachengemäße, und damit als konvergent anzusehende, Abbildung geben kann, in der die bestehenden Informationsasymmetrien für einen konkreten Rechenzweck beseitigt sind. Allerdings sind im gewissen Rahmen rechenzweckabhängig differenzierte Abbildungen notwendig. Hier ist zu fordern, dass diese Abbildungen auf eine gemeinsame Grunddatenbank zurückzuführen sind. Dies bedingt eine mehrdimensional ausgestaltete konvergente Grundrechnung als Datenpool. Durch die Benennung der jeweils rechenzweckorientiert notwendigen Selektionskriterien der Auswertungsrechnungen wird sichergestellt, dass die zugrunde liegenden Abbildungsprämissen offensichtlich werden, was neben der sinnvollen Verwendung der Ergebnisse auch konkrete Ansatzpunkte für die Klärung eventueller Resultateunterschiede liefert. Zudem werden Dubletten vermieden. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 151 Eine derartig ausgestaltete konvergente Grundrechnung ist als Basis für die verschiedenen rechenzweckorientierten Auswertungen zur Unterstützung der Unternehmensführung zu sehen. Hierbei ist aber zu beachten, dass das Management-Rechnungswesen trotz der aktuellen Entwicklungen sowohl im externen als auch im internen Bereich noch nicht als fertige Konzeption, sondern als weiter zu optimierendes, unentbehrliches Instrument der Unternehmensführung anzusehen ist. Für ein konvergentes Management-Rechnungswesen besteht aktuell zum einen das Problem, die externe Abbildungskonzeption für Führungszwecke zu wählen sowie zu bereinigen. Zum anderen ist die Aufgabe zu lösen, die vielfältigen Informationen der unterschiedlichen Instrumente des internen Management- Rechnungswesens managementgemäß zusammenzufassen. Daher ist ein Kennzahlensystem zu entwickeln, in dem unterschiedliche Kennzahlenansätze, die von Rentabilitäts- und Liquiditäts- über Shareholder Value-Maßen bis hin zu Nachhaltigkeits- und Risikokennzahlen reichen, sinnvoll, d.h. wiederholungsfrei und widerspruchslos, kombiniert werden. 4.2.2 Total‐Return‐on‐Total‐Assets‐Kennzahlensystem  und Selbstrating Managementgemäß ausgestaltete Kennzahlensysteme sind bereits häufig in Theorie und Praxis vorgestellt worden. Die zu erarbeitende Konzeption baut daher auf dem bestehenden, theoretisch und praktisch erprobten Rentabilitäts‐Li‐ quiditäts(RL‐)‐Kennzahlensystem auf.11 Einerseits wird eine zusammenfassende Spitzenkennzahl Total-Return-on-Total-Assets (TRoTA) eingeführt, in der die Rentabilitäts- und Liquiditätsperspektive mit der Kapitalmarktsicht integriert werden. Andererseits ist das bestehende Konzept mit Nachhaltigkeits- und Risikokomponenten zu flankieren. Abbildung 4-1 zeigt die Systematik dieser erweiterten Konzeption und verdeutlicht die zentralen, aus externen, d.h. veröffentlichten, Rechnungsweseninstrumenten generierbaren Informationen. Ausgehend vom Rentabilitäts-Liquiditäts-(RL-)Kennzahlensystem können aus den Instrumenten des externen Management-Rechnungswesens somit zunächst Aussagen über die Rentabilitäts- und Liquiditätslage getroffen werden, wobei alle Kennzahlen auf der Basis von vergleichbar‐ sowie voll‐bereinigten Daten auszuweisen sind.. Diese Spaltung ist notwendig, da stets ein Informationsvorsprung bei der Analyse des eigenen Unternehmens zu konstatieren ist. Sollen Erkenntnis steigernd neben unternehmensinternen Zeitvergleichen auch über- und zwischenbetriebliche Vergleiche durchgeführt werden, muss von vergleichbar-bereinigten Größen ausgegangen werden, die sich etwa aus pflichtgemäßen Anhangerläuterungen für alle zu vergleichenden Unternehmen herleiten lassen. 11 Vgl. Lachnit, L.: RL-Kennzahlensystem, 1998, S. 19–44; Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen, 2001, S. 32–39; Kralicek,  P./Kralicek,  G./Böhmdorfer,  F.:  Kennzahlen, 2008, S. 186 ff. 152 4 Optimierung des Controllingsystems Angesichts der Tatsache, dass die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens nicht allein aus der Erfolgs- bzw. aus der Finanzsicht zu verstehen ist, sondern eine Gesamtschau beider Aspekte verlangt, ist das RL-Kennzahlensystem geschaffen worden. Es werden ein Rentabilitäts- und ein Liquiditäts-Analysesystem als heuristische Bestandteile der Gesamtproblemstellung eingesetzt, wobei die Unterstrukturen jeweils in Teilen mathematisch verknüpft sowie heuristisch begründet sind, je nachdem welcher Strukturierungs-mechanismus geeignet ist. Das RL‐Kennzahlensystem kann im Rahmen der vergleichenden Analyse wie auch das Selbstratingsystem zunächst nur mit den Rentabilitäts- und Liquiditätskomponenten auf Basis der Gesamtunternehmens- oder Gesamtkonzernzahlen beschickt werden.12 Sofern Segmentberichte oder eventuell Teilkonzernabschlüsse auf freiwilliger Basis vorliegen, kann die Analyse zudem in einem Sonderteil auf Segmente oder Organisationsteile ausgedehnt werden. Darüber hinaus sind jedoch auch die detaillierteren internen Aufbereitungen in das Kennzahlensystem zu übernehmen. Da Rentabilitäten hoch verdichtet über die Erfolgslage berichten, muss für die managementgemäße Anwendung eine vertiefte Analyse über die Ergebniszusammensetzung, der Aufwands- und Ertragsstrukturen sowie des Vermögens und Kapitals geboten werden, um Abweichungen und Veränderungen auf Ursachen in der wirtschaftlichen Realität zurückführen zu können. Aus systemati- Abbildung 4‐1: Systematik eines Management‐Top‐Kennzahlensystems 12 Vgl. Lachnit, L.: RL-Kennzahlensystem, 1998, S. 25. Nachhaltigkeits komponenten Rentabilitäts komponenten Liquiditäts komponenten Risiko komponenten Nachhaltigkeitsindex Ordentliches Ergebnis Gesamtkapital Jahresergebnis Cash Flow Finanzflusskennz. Bilanzkennz. Liquide Mittel Risikopotential/ -index Segmentergebnis Segmentvermögen Segment Wertbeitrag Segment Cash Flow Öko- Sozial- Int. Cap. Index Ordentl. Betriebsergebnis Ordentl. Finanzergebnis Betriebsvermögen Finanzvermögen Shareholder value Komponente S E G M E N T T E IL A L L G E M E IN E R T E IL G E S A M T U N T E R N E H M E N S B E Z O G E N E R L FÜ H R U N G TOTAL RETURN ON TOTAL ASSETS (TRoTA) 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 153 schen Überlegungen ist hier zunächst unter Einsatz der bereits beim Selbstratingsystem dargestellten Ergebnisbereinigungs- und Erfolgsspaltungskonzeptionen ein bereinigtes ordentliches Betriebsergebnis zu ermitteln und dieses bezogen auf das bereinigte betriebsnotwendige Vermögen als betrieblicher Return on In‐ vestment (ROI) auszuweisen. Eng damit verwandt ist die Kennzahl der Gesamtkapitalrentabilität, die im Selbstratingsystem als Insolvenzindikator verwendet wurde. Schwächen in dieser Kennzahl lassen sich daher analog zum ROI genauer analysieren. Die Erweiterung mit dem Umsatz führt zu den Kennzahlen betriebliche Umsatzrentabilität und betriebliche Kapitalumschlagshäufigkeit. Dabei ist die Umsatzrentabilität ein Indikator für die Markt- und Kosteneffizienz des Unternehmens, weshalb sich hier eine Erweiterung um die Aufwands- und Ertragsanalyse anbietet. Die Kapitalumschlagshäufigkeit drückt dagegen die Nutzungsintensität des betrieblichen Vermögens aus, die, auch als eigene Kennzahl im Selbstratingsystem benannt, weiter untersucht werden kann, wobei sich insbesondere Umschlagszeiten im Vergleich zu Branchenzahlen als Fehlentwicklungsindikatoren anbieten. Als Insolvenzindikator wird von Banken speziell auf das Kundenziel abgestellt, Ursachen für Fehlentwicklungen der Umschlagshäufigkeit und der Rentabilität können aber auch in anderen Intensitätskennzahlen deutlich werden. Abbildung 4-2 verdeutlicht die zentralen Kennzahlen des Ren- Abbildung 4‐2: RL‐Kennzahlensystem: Gesamtunternehmensbezogene Erfolgskennzahlen Ordentliches Ergebnis Ordentl. Ertrag Ord. Aufwand Eigenkapitalrentabilität Gesamtergebn. Eigenkapital Gesamtkapitalrentabilität Gesamtergebn. + Zinsaufwand Gesamtkapital Return on Investment Ord. Ergebnis Gesamtkapital Betriebsvermögens-ROI Ordentl. Betriebsergebnis Betriebsverm. Finanzvermögens-ROI Ordentliches Finanzergebnis Finanzvermg. Betriebsvermögensumschlagshäufigkeit Umsatz Betriebsvermögen Umsatzrentabilität Ordentliches Betriebsergebnis Umsatz Erzeugnisumschlagszeit Erzeugnisbestand *T Umsatz Materialumschlagszeit Materialbestand *T Mat.-einsatz Kundenziel Forderungs- Bestand *T Umsatz Betriebsvermögen Betriebsnowendiges AV+UV Ordentl. Betriebsergebn. Umsatz Kosten Sonderteile 1+2 154 4 Optimierung des Controllingsystems tabilitätsbereiches, wobei die Überschneidungen zu den im Selbstratingsystem beschriebenen Kennzahlen fett markiert sind.13 Die Liquidität stellt ein unabdingbares Ziel der Unternehmung dar und findet sich zunächst in der Position der liquiden Mittel. Diese Finanzgröße kann abbildungsmäßig nicht verzerrt werden; einzig sachverhaltegestaltende Maßnahmen sind hier denkbar. Die Liquidität ist Ausdruck beständebezogener und bewegungsbezogener Komponenten. So können über die Kapitalanalyse mit der Eigenkapitalquote und die horizontale Ausprägung der beständebezogenen  Fi‐ nanzanalyse mit Deckungsgraden und Liquiditätskoeffizienten Aussagen über die finanzielle Stabilität und fristenkongruente Finanzierung getroffen werden. In diesem Teil sind mit dem Langfristdeckungsgrad, der Eigenkapitalquote, der Reinvestitionsquote und der Gesamtabschreibungsquote gleich vier Insolvenzindikatoren des Selbstratingsystems verortet, wobei die Problematik der konkreten Ausgestaltung bereits in Kapitel 3.5 beschrieben wurde.14 Die bewegungsbezogene Analyse mit Cashflow-Ermittlung, -Kennzahlen und -Verwendungsrechnung sowie Kapitalflussrechnung verdeutlicht die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens, deren Reichweite für Investitionen und Tilgungen sowie letztlich die Gesamtstruktur aller Ein- und Auszahlungen. Direkt abgeleitet aus der zentralen Größe Cashflow werden als Insolvenzindikatoren der Cashflow-Return und der Dynamische Deckungsgrad verwendet, die ergänzt werden um das Lieferantenziel. Letzteres ist einerseits deshalb notwendig, um Cashflow-relevante Änderungen des Working Capital durch eine kurzfristige „Geldbeschaffung“ bei den Lieferanten aufzudecken und somit die Cashflow-Kennzahlen zu relativeren sowie andererseits auch als konkretes Krisensignal bei einer angespannten Liquiditätslage. Abbildung 4-3 verdeutlicht die Positionierung der Kennzahlen im Kennzahlensystem. Die Verteilung der Insolvenzindikatoren in dem Kennzahlensystem verdeutlichen die bestehenden Interdependenzen. Während diese zum einen durch die rechnerische Verbindung der Kennzahlen untereinander offensichtlich sind, ergeben sich auch Verbindungen über die Verwendung gleicher Bezugsgrößen bzw. über die Beeinflussung der Bezugsgrößen. Aus der Rentabilitäts- und Liquiditätsbetrachtung abgeleitet kann eine, durch die externe Datenbasis bedingt primär vergangenheitsorientiert ausgestaltete, Unternehmenswertanalyse zur Bestimmung des Shareholder Value erfolgen. Au- ßerdem kann die Analyse um die Wertveränderung in Form von wertorientierten Ansätzen erweitert werden, wobei das extern verfügbare Datenmaterial häufig keine genauen Ergebnisse erwarten lässt und somit nur als intern um zukunftsbezogene Aspekte zu erweiternde Ausgangsbasis der Wertanalyse zu betrachten ist.15 13 Vgl. Lachnit, L.: RL-Kennzahlensystem, 1998, S. 27. 14 Vgl. Lachnit, L.: RL-Kennzahlensystem, 1998, S. 27; Für einen weiteren Einblick in die Krisenfrüherkennung/zu Insolvenzindikatoren vgl. etwa auch Lange, I.: Insolvenz, 2005, S. 99 f. 15 Vgl. Lachnit, L./Müller, S.: Performancedarstellung, 2002, S. 2553–2559. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 155 Aufgrund der Problematik der monetären Abschlüsse sind diese Ergebnisse zu flankieren mit Nachhaltigkeits‐  und Risikokennzahlen. Während Risikokennzahlen bereits konkrete, aber im Zahlenwerk bisher noch nicht ausweispflichtige Risiken aufzeigen und etwa dem Risikoteil des Lageberichts entnommen werden können, weisen Nachhaltigkeitskennzahlen bereits frühzeitig auf Chancen und Risiken hin, die z.B. aus dem gesellschaftlichen Wertewandel resultieren können, indem Erfolgspotenziale freiwillig etwa über einen Intellectual-Capital- Bericht ausgewiesen werden. Die konkrete Verbindung dieser Kennzahlenausgestaltungen mit dem qualitativen Teil des Selbstratingsystems soll in Kapitel 4.3 ausführlicher dargestellt werden. Zunächst wird die quantitative Top-Kennzahl Total-Return-on-Total-Assets abgeleitet. Abbildung 4‐3: RL‐Kennzahlensystem: Gesamtunternehmensbezogene Liquiditätskennzahlen Anfangsbestand liquider Mittel + Gesamteinzahlungen Gesamtauszahlungen Cash-Flow Return Cashflow Umsatz Cashflow DB 1 Cashflow - Ersatzinvestitionen Cashflow DB 2 Cashflow gesamte Investitionen Liquide Mittel Cashflow DB 3 Cashflow Investitionen Schuldentilg. Cash-Flow DB 4 Cashflow Investitionen Schuldentilg. Ausschüttg. Dyn. Verschuldungsgrad 1 Kurzfr. Verbindlichk. Cashflow Dyn. Verschuldungsgrad 2 Fremdkapital Cashflow Lieferantenziel Verbindlichkeiten L+L Wareneingang Cashflow Erfolgseinzahlungen Erfolgsauszahlungen Lfd. Einzahlungsübersch. Laufende Einzahlungen - lf. Ausgaben disponierbarer Einz.übersch. Disponierbare Einnahmen - dp. Ausgab. Working Capital Umlaufvermögen kurzfristige Verbindlichkeiten Liquiditätskoeffizient Liquid. Mittel oder Umlaufv. kurzfr. Verb. Langfristdeckungsgrad Eigenkapital + langfr. FK Anlagevermög. Reinvestitionsquote Nettoinvest. Sach-AV Abschreibung. Gesamtabschreib.-quote Kum. Abschr. Sach-AV zu AoHK Eigenkapitalquote Eigenkapital Gesamtkapital Finanzflussrechnungs- (Cashflow-Statement)- Kennzahlen Spezifische Einzahlungen spezifische Auszahlungen = spezifischer Finanz- überschuss/-bedarf Cashflow der Erfolgstätigkeit Cashflow d. Investitionstätigkeit Cashflow der Finanztätigkeit Sonderteile 1+2 156 4 Optimierung des Controllingsystems 4.2.2.1 Die Kennzahl Total‐Return‐on‐Total‐Assets (TRoTA) Um die verschiedenen Kennzahlen zu verbinden, ist ein Kennzahlensystem zu konzipieren, was zum einen die Erfolgs- und Liquiditätsseite, zum anderen die Kapitalmarkteinschätzung sowie die Nachhaltigkeits- und Risikolage transparent macht. Ausgangspunkt ist das externe Rechnungswesen, was zunächst eine primär vergangenheitsorientierte Ausrichtung bedingt. Bei mittelständischen Unternehmen ist die Kapitalmarkteinschätzung definitionsgemäß nicht gegeben. Ersetzend können hier jedoch Kapitalanteilsverkäufe oder -angebote bzw. ggf. vorliegende Unternehmenswertgutachten oder sonstige externe Einschätzungen wirken. Trotzdem wird die für die Unternehmensführung interessante Kapitalmarktsicht jedoch i.d.R. leer laufen. Im Rahmen mit den in Kapitel 5 dargestellten alternativen Finanzierungsinstrumenten kann es aber unter Umständen zu einer verstärkten externen Notwendigkeit kommen, den Unternehmenswert zu ermitteln, weshalb im Folgenden die Kapitalmarktsicht zumindest mit in die Betrachtung einbezogen wird. Sinnvoller als eine Spitzenkennzahl mit selektierten Ergebnis- und Vermögensteilen, wie es etwa bei der Herleitung einer Return on Capital Employed (ROCE)-Kennzahl der Fall ist, erscheint es, den TRoTA als Rendite des gesamten Vermögens für das Gesamtunternehmen auszuweisen. In ihm spiegelt sich sowohl die Verzinsung des Betriebs- als auch des Finanzvermögens wider, so dass das Management über die Wirtschaftlichkeit beider Bereiche informiert wird: „It measures the productivity of capital employed without regard to the method of financing. (…) It may be compared directly to the company’s overall cost of capital to indicate whether value is being created or destroyed.“16 So kann beurteilt werden, inwieweit das Gesamtunternehmen den Kapitalansprüchen genügt. Die einzelnen Elemente des aufgegliederten Kennzahlensystems sind mathematisch verknüpft, was zum Ausweis von interessanten Verwerfungskennzahlen führt. Diese Kennzahlen zeigen Abweichungen auf, die durch methodische Unterschiede, aus der Periodenabgrenzung oder aus unterschiedlichen Einschätzungen begründet sein können. Abbildung 4-4 zeigt die Grundzusammenhänge. Die Aussagekraft der Erfolgs- und Finanzkennzahlen ist abhängig von dem verwendeten Abbildungssystem. Da die externen Rechnungslegungssysteme z.T. vielfältige Möglichkeiten der Unternehmensabbildung im Jahresabschluss bieten, sind diese zunächst für Führungszwecke im Sinne einer betriebswirtschaftlich sinnvollen Abbildung zu vereinheitlichen, wobei nach derzeitigem Stand durch die Reform des HGB mit dem BilMoG das HGB stark an die IFRS angenähert ist und daher die IFRS nur noch als leicht besser geeignet als das HGB anzusehen sind. Des Weiteren muss unabhängig von den Konvergenzüberlegungen auch die Frage gestellt werden, ob ggf. zusätzliche, betriebswirtschaftlich als notwendig erachtete, aber nicht oder falsch abgebildete Sachverhalte korrigiert werden müssen und auch aus dem externen Zahlenwerken korrigiert werden 16 Stewart, G.B.: Quest for Value, 1999, S. 86. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 157 können. Die Konvergenzorientierung hat sich dabei an der betriebswirtschaftlichen Tatsachengemäßheit zu orientieren. Ziel ist es somit, die führungsunterstützende Wirkung der externen Informationen zu optimieren. Abbildung 4‐4: Verbindung von Performancemaßen im TRoTA‐Kennzahlensystem 158 4 Optimierung des Controllingsystems 4.2.2.2 Erfolgsrechnerische Herleitung Die erfolgsrechnerische Herleitung der TRoTA-Kennzahl erfolgt additiv über vier Kennzahlen, die im Nenner jeweils die gesamten Vermögensgegenstände aufweisen und zusammen genommen die Gesamtkapitalrentabilität unter Einsatz eines Residualgewinns darstellen. Die Total Assets sind dabei in Übereinstimmung an das bereinigte Gesamtkapital beim Selbstratingsystem gemäß Tabelle 4-1 definiert: Neben den direkt mit dem Eigenkapital korrespondierenden abzuziehenden Größen sind vorhandene Ausweiswahlrechte generell so zu korrigieren, dass ein Nettoausweis erreicht wird. So werden etwa die unfertigen Erzeugnisse um die erhaltenen Anzahlungen vermindert, da nur der Nettobetrag finanziert werden muss. Weitere Korrekturen beziehen sich auf ggf. zusätzlich anzuset‐ zende Vermögensgegenstände. Hierbei sind Aufwendungen mit Investitionscharakter, wie insbesondere Forschungs- und Entwicklungskosten zu betrachten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht und zu Zwecken der Performance- Messung wäre die Aktivierung und anschließende Periodisierung der Aufwendungen durch Abschreibungen im Sinne einer dynamischen Bilanzierung vorzuziehen,17 was aber zusätzliche Angabepflichten oder die Verwendung von Vermögensgegenstände lt. Bilanzansatz – Ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital – Eigene Aktien + Nachaktivierung von immateriellen Vermögensgegenständen + Nachaktivierung von geleastem wirtschaftlichen Eigentum +/– Normierung der Geschäfts- oder Firmenwert-Behandlung + Ansatzwahlrechtsverzerrungen (z.B. Disagio, latente Steuern) + Konsolidierungswahlrechtsverzerrungen (z.B. Equity-Bewertung von Gemeinschaftsunternehmen) –/+ Unregelmäßige Vermögensteile (z.B. Liquide Mittel für Sonderausschüttungen) = Total‐Assets auf nomineller Ist‐Basis + Bewertungswahlrechtsverzerrungen, z.B. Verbrauchsfolgeverfahren + Stille Marktzeitwertreserven +/– Umbewertungseffekt des abnutzbaren Vermögens: (alternative) a) Zu Marktzeitwerten bewertetes Vermögen – Nettobilanzansatz oder b) 1/2 × neubewertete Anschaffungskosten – Nettobilanzansatz = Total‐Assets auf realer Sollbasis Tabelle 4‐1: Konvergenzorientierte Herleitung der Total‐Assets 17 Vgl. Horngren, C.T./Foster, G./Datar, S.M.: Cost Accounting, 2000, S. 767–768. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 159 Schätzungen bedingt. Sie sind nicht als Aufwand der Periode zu sehen, in der sie anfallen, sondern im Sinne einer Investition zu aktivieren und planmäßig über eine sinnvolle Nutzungsdauer abzuschreiben. Daneben sind branchenund strategiebezogen weitere Aufwendungen mit Investitionscharakter, wie Aufwendungen für Marketing, Aus- und Fortbildung, Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs oder Markterschließungskosten denkbar. Daneben gehören auch geleaste Gegenstände, wenn sie betriebsnotwendig sind, zum investierten Vermögen. Weitere Aussagebeeinträchtigungen ergeben sich durch die unterschiedliche Behandlung bestimmter Geschäftsvorfälle über eingeräumte Wahlrechte innerhalb sowie über unterschiedliche Regelungen zwischen den Rechnungslegungsstandards. So stellt die Behandlung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwertes eines dieser zentralen Probleme dar. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht erscheint es sinnvoll, Beträge, die vor dem BilMoG erfolsneutral verrechnet und nicht bei Umstellung korrigiert wurden, in der Bereinigung zu aktivieren und abzuschreiben. Verzerrungen, die sich aus der Nichtkonsolidierung von Beteiligungen ergeben, sind ebenfalls zu korrigieren, da sonst Vermögensbestandteile ausgeklammert würden, die einen wesentlichen Bestandteil des Gesamtvermögens der Unternehmung darstellen können. Ein Abzugskapital wird nicht berücksichtigt. Lediglich unregelmäßige Vermögensteile, wie etwa liquide Mittel für eine bevorstehende Sonderausschüttung, könnten aus der Total-Assets-Größe ausgeklammert werden. Die Bewertung des investierten Vermögens muss auf die Sichtweise des Managements ausgerichtet sein. Diese Bewertung erweist sich dabei als wesentlich schwieriger als die Bestimmung der Komponenten des investierten Vermögens, da der Charakter der zu bewertenden Vermögenspositionen unterschiedlichste Einschätzungsspielräume eröffnet. In diesem Zusammenhang werden stille Reserven relevant.18 Zum einen stellen sie ein Phänomen auf der bilanziellen Ebene dar, indem die ausgewiesenen formalrechtlichen Buchwerte der Vermögensgegenstände von den betriebswirtschaftlich als zutreffend eingeschätzten Werten abweichen. Sie betreffen somit den Nenner der Renditekennzahl. Zum anderen sind sie auch ein Phänomen der Erfolgsrechnung. Intern sollte die Schätzung stiller Reserven erheblich leichter fallen als aus Sicht des Analytikers. Grundsätzlich sollten die Vermögensgegenstände mit möglichst marktnahen Werten in die Berechnung einer Rentabilität eingehen, was bei Anwendung der Neubewertungsmethode nach IFRS weitgehend erreicht werden kann. Daraus folgt, dass die nach dem Nominalprinzip bewerteten abnutzbaren Vermögensgegenstände mit Marktzeitwerten anzusetzen sind. Bei Unsicherheiten der Marktzeitwertbestimmung bieten sich diverse Schätzmethoden an.19 Dennoch ist es aus Gründen der Informationsprobleme für die überbetriebliche Vergleichbarkeit sinnvoll, die Rechnung ergänzend mit einem durchschnittlich gebundenen Vermögen durchzuführen, wobei der halbe aktuelle Neupreis der Vermögensgegenstände bei 18 Vgl. Hostettler, S.: EVA, 1998, S. 148–149; Röttger, B.: Value Added, 1994, S. 101. 19 Vgl. Sittmann‐Haury, C.: Forderungsbilanzierung, 2003, S. 197 ff.; Lachnit, L.: Schätzung stiller Reserven, 2000, S. 788–800. 160 4 Optimierung des Controllingsystems diesem Rechnungszweck anzusetzen ist.20 Sinnvoll ist es, neben der voll-bereinigten, konvergenzorientierten Sichtweise für das eigene Unternehmen, dem Management zusätzlich eine vergleichbar-bereinigte Version des Kennzahlensystems anzubieten, um sinnvolle zwischen- und überbetriebliche Interpretationen zu ermöglichen und sich intensiv auf Gespräche mit Kreditgebern vorzubereiten. Hierbei gilt es aber darauf zu achten, dass die entstehenden parallelen Abbildungen mit Überleitungsrechnungen verbunden werden können, um Verwirrungen sowohl auf Management- als auch auf Bankenseite zu vermeiden. Von zentraler Bedeutung ist die Kennzahl ordentliche, mit Blick auf die betriebswirtschaftliche Tatsächlichkeit bereinigte Total Assets(TA)‐Rentabili‐tät, die den nachhaltigen Unternehmenserfolg auf bereinigter Basis, allerdings vor Steuern und Kapitalkosten, darstellt. Auf Grund der bestehenden Zuordnungsproblematik von ordentlichen und unregelmäßigen Bestandteilen ist diese Kennzahl zu ergänzen um die unregelmäßige bereinigte TA-Rentabilität. Diese beiden Performanceausdrücke sind unter Integration des Other-comprehensive-Income und der aus den TA-Anpassungen resultierenden erfolgsrechnerischen Auswirkungen als erweiterte Gewinnbegriffe zu verstehen, da auch erfolgsneutral verrechnete Ergebnis-Effekte, Auswirkungen der Korrektur der investiven Aufwendungen sowie des Leasing je nach Definition im ordentlichen oder im unregelmäßigen Ergebnis zu berücksichtigen sind. Dem ordentlichen bereinigten Ergebnis werden dabei alle Erträge und Aufwendungen zugerechnet, die vom Management zu vertreten sind und im Verlauf des ordentlichen Geschäftsganges nachhaltig und regelmäßig anfallen. Hierunter sollen auch Anlaufkosten für neue Produkte und Fertigungsanlagen, Erschließungskosten neuer Märkte, Ergebnisse aus Sicherungsgeschäften, Währungsumrechnungsdifferenzen aus laufendem Geschäft sowie fehlgeschlagene Produkteinführungen zählen. Die hier zunächst enthaltenen betrieblichen und finanziellen Teile können in einem weiteren Schritt im Sinne der Erfolgsspaltung auf Betriebs- und Finanzergebnis aufgespalten werden. Das unregelmäßige bereinigte Ergebnis beinhaltet bilanzrechtlich außerordentliche und weitere unregelmäßige Bestandteile. Beispielhaft können als derartige Vorgänge genannt werden: Die Fusionen und Verschmelzungen bedeutender Unternehmen, der Abgang wesentlicher Teile des Sachanlagevermögens sowie Aufwendungen und Erträge aus außergewöhnlichen Schadensfällen und entsprechenden Versicherungsleistungen. Zudem umfasst das unregelmäßige Ergebnis auch betriebsuntypische unregelmäßige Ereignisse wie außerplanmäßige Abschreibungen, periodenfremde unregelmäßige Ereignisse wie Liquidationserfolge, Erträge aus Auflösungen von Rückstellungen sowie sonstige aperiodische Komponenten. Neben diesen Zuordnungen schlägt auch die Bewertungsproblematik auf den Erfolg durch, wobei eine Zweiteilung sinnvoll erscheint. In einem ersten Schritt sind die Erfolge um die periodische Wirkung der Bildung und Auflösung von anschaffungswertbezogenen stillen Reserven zu bereinigen. So werden eventuelle Einflüsse durch genutzte Bewertungswahlrechte, wie z.B. im Rahmen der 20 Vgl. Freidank, C.‐C.: Kostenrechnung, 1999, S. 43. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 161 Vorratsbewertung, korrigiert. Im nächsten Schritt sind die Aufwendungen und Erträge nach dem Bewertungskonzept zu aktuellen Marktwerten zu bemessen. Dies bedeutet, dass zum einen Abschreibungen des abnutzbaren Vermögens und Aufwendungen für Vorräte korrigiert und zum anderen Wertschwankungen aus Preisveränderungen berücksichtigt werden müssen. Die Korrektur der Abschreibungen ist zunächst nur für betriebswirtschaftlich nicht relevante Sachverhalte nötig, wie z.B. – so nicht bei Umstellung auf das BilMoG korrigierte – steuerliche Sonderabschreibungen, abweichende Nutzungsdauern oder erfolgsneutral verrechnete Vermögensgegenstände. Kalkulatorische Abschreibungen auf der Basis des neubewerteten Vermögens sind nicht notwendig, da bereits über die Kapitalkosten die Geldentwertung im System berücksichtigt ist, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, die Kapitalerhaltung auch exakt zu erreichen.21 Problematisch ist insbesondere die Beantwortung der Frage, inwieweit Wertzu‐ wächse in Form von stillen Marktzeitwertreserven das Ergebnis erhöhen dürfen. Der Wertzuwachs eines betrieblich genutzten Gebäudes erhöht z.B. zwar das Vermögen des Unternehmens und somit auch seinen Wert. Es ist aber fraglich, ob diese Wertzuwächse tatsächlich zur Befriedigung von Verzinsungs- und Ausschüttungsansprüchen zur Verfügung stehen, da sie hierzu liquidiert werden müssten. Zudem können die Unterschiede zwischen einer linearen Abschreibung auf nomineller Basis und einer Wertänderung auf Marktzeitwertebasis für bestimmte Vermögensgegenstände sehr groß und auf Grund eines relativ engen Marktes auch stark zufallsbeeinflusst sein. Ein Ausweis solcher Wertzuwächse als ordentliches bereinigtes Ergebnis erscheint schwierig und fragwürdig, auch wenn der Gewinn im Sinne eines Vermögensvergleichs gestiegen ist. Hier bietet sich die Berücksichtigung von Wertschwankungen am nicht liquidierbaren ruhenden Vermögen im unregelmäßigen bereinigten Ergebnis an. Dies bedeutet z.B., dass die im Other-comprehensive-Income erfolgsneutral erfassten Marktwertänderungen der als betriebsnotwendig eingestuften Wertpapiere in das unregelmäßige Ergebnis umgegliedert werden müssen. Auch die aus der Problematik der zeitnahen Bewertung der Pensionsrückstellungen resultierenden Deckungslücken bzw. -überschüsse (Korridoransatz) sowie die Verringern von Deckungslücken aus der Möglichkeit, die Bewertungsanpassungen des BilMoG auf Pensionsrückstellungen nach Art. 67 (1) EGHGB über 15 Jahre zu strecken, sollten eher als unregelmäßig eingestuft werden, da hier Schwankungen geglättet werden sollen.22 Die abzuziehenden Kapitalkosten setzen sich zunächst aus allen Zinszahlungen der Periode zusammen. Neben den Zinsen und ähnlichen Aufwendungen sind 21 In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass nur der eigenfinanzierte Teil des abnutzbaren Vermögens auf der Basis von Wiederbeschaffungspreisen abgeschrieben werden muss, da über die Fremdfinanzierung das Inflationsrisiko an die Fremdkapitalgeber weitergegeben und über die zu zahlenden Zinsen abgegolten wurde; vgl. z.B. Zimmermann, G.: Unternehmenserhaltung, 1992, S. 1417–1424; Zimmermann, G.: Interne Finanzierung, 1995, S. 156–165. 22 Änderungen echter Deckungslücken, z.B. Aufgrund von Wahlrechtenutzung, sind dagegen bis auf Einmalschübe im ordentlichen Ergebnis Aufwand zu erfassen. 162 4 Optimierung des Controllingsystems hier auch ggf. die im Personalaufwand gebuchten Zinsanteile für Pensionsrückstellungen zu berücksichtigen. Die Bestimmung der Eigenkapitalkosten gestaltet sich auf Grund der theoretischen Modelle als schwierig, sodass letztlich z.B. nur eine Anlehnung an das CAPM, ein Vergleich mit anderen Investments oder eine willkürliche Setzung durch die Eigenkapitalgeber möglich erscheint. Basis für die Ermittlung des absoluten Betrages zur Befriedigung der Eigenkapitalgeber muss das bereinigte Eigenkapital sein. Neben den auf der Vermögensseite ermittelten stillen Reserven/Lasten ist auch das Fremdkapital auf stille Reserven bzw. Lasten hin zu überprüfen. In Betracht kommen hier insbesondere die Pensionsverpflichtungen und sonstigen Rückstellungen sowie ggf. eine Korrektur des handelsrechtlichen Imparitätsprinzips bei Verbindlichkeiten und Derivaten.23 Diese Berücksichtigung der Kapitalkosten führt einerseits zu einem Maßstab der zusätzlichen Wertgenerierung im Sinne des Shareholder Value, der auch unter Vergleichsgesichtspunkten besser geeignet erscheint, da jetzt alle Kapitalkosten berücksichtigt worden sind. Andererseits können so auch Risikoaspekte über den Zinssatz berücksichtigt werden. Die Eigenkapitalkosten sind für die wertorientierte Unternehmensführung relevant, aber nicht für die externe Abbildung des Unternehmens für den Kreditgeber, sodass sich hier ein Unterschied zu der Aufbereitung des Selbstratingsystems ergibt. Gleichwohl kritisieren gerade Banken die mangelnde Erfolgsorientierung mittelständischer Unternehmen und empfehlen dringend die Setzung eines Rentabilitätszieles, was hier über den Ansatz der Eigenkapitalkosten notwendig wird. Im Rahmen der Ermittlung der Steuern vom Einkommen und Ertrag sind latente Steuern zu beachten. Hierbei ist der Unternehmensausweis zu korrigieren um die aus vorgenommenen Änderungen des Abbildungskonzeptes resultierende theoretische Steuerwirkung. Je nach Erkenntniszweck können die Steuern auf adjustierter Basis auf die ordentliche und unregelmäßige Rentabilitätsgröße verteilt werden. Die Kapitalkosten sind dagegen gänzlich als ordentlich einzustufen und ggf. bei dem ordentlichen bereinigten Ergebnis zu berücksichtigen. Der TRoTA weist somit den gesamten, im Hinblick auf die betriebswirtschaftliche Tatsächlichkeit bereinigten Erfolg der Periode nach Kapitalkosten und Steuern bezogen auf das gesamte eingesetzte Vermögen aus. 4.2.2.3 Kapitalmarktorientierte Herleitung Diese auf Abschlussdaten basierenden Sichtweisen sind bei börsennotierten Gesellschaften zu ergänzen um die Kapitalmarktsicht sowie für die übrigen Unternehmen möglichst über andere Einschätzungen abzuleiten. Hierfür sind zunächst die pauschalisiert berücksichtigten Eigenkapitalkosten wieder zu eliminieren, so dass die Rentabilität Ergebnis vor Eigenkapitalkosten zu Total- Assets, d.h. der bereinigte ROI, ausgewiesen wird. Im nächsten Schritt ist die inverse Eigenkapitalquote mit dem TRoTA zu multiplizieren, was als Zwischenergebnis die Eigenkapitalrentabilität ergibt. Diese Kennzahl kann zerlegt werden in den am Kapitalmarkt oder von sonstiger externer Seite wahrgenommenen Wertzuwachs des Unternehmens, der sich aus der Börsenkurs- bzw. Unterneh- 23 Vgl. Wulf, I.: Stille Reserven, 2001, S. 230–231. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 163 menswertänderung und der ausgeschütteten Dividende ergibt, und in einen Verzerrungsausdruck. Der Verzerrungsausdruck kann eine andere Einschätzung des Kapitalmarktes insbesondere aus der berücksichtigten Zukunftsperspektive widerspiegeln und gibt der Unternehmensleitung Hinweise auf die Au- ßendarstellung des Unternehmens und der Einschätzung der Marktteilnehmer. 4.2.2.4 Konvergenzorientierte Verwendung von Shareholder Value‐Ansätzen Die Bestimmung des Shareholder Value kann über verschiedene theoretische Ansätze erfolgen, wobei die Ergebnisse letztlich identisch ausfallen sollten. Aufgrund der zu setzenden Prämissen wird es aber zwischen den Modellen in der Praxis sehr wohl Abweichungen geben, die das Management-Rechnungswesen für Interpretationszwecke auszuweisen hat. Inwieweit die notwendige Konvergenz über die externe Kommunikation von internen Steuerungsgrößen oder über Anpassungen externer Größen erfolgt, obliegt der Unternehmensführung, da bislang keine gesetzlichen Vorschriften oder maßgeblichen Empfehlungen hierzu vorliegen. Aus Akzeptanzgründen scheint jedoch eine extern ableitbare Performancegröße vorteilhaft zu sein, da zumindest von einer testierten Datenbasis ausgegangen wird. Allerdings sind dann auch die abbildungsmodellinhärenten Verzerrungen in diesen Zahlen enthalten, die im Rahmen von Bereinigungsrechnungen möglichst vollständig zu korrigieren sind. Gelingt dies nicht, so sind die Aussageeinschränkungen zu kommunizieren. Abbildung 4-5 verdeutlicht, wie das TRoTA-Konzept um Shareholder Value-Ansätze erweitert werden kann und wo die Abgleichstellen sind. Die Ermittlung des Shareholder Value kann sowohl über die erfolgs- und finanzwirtschaftliche Sichtweise als auch aus Kapitalmarktsicht erfolgen. Bei der Kapitalmarktsicht ist der externe Unternehmenswert zu bestimmen, was entweder über den Börsenwert durch Multiplikation des aktuellen Börsenkurses mit der Anzahl der Aktien (auf verwässerter Basis) erfolgt oder ersatzweise über eine externe Einschätzung erfolgen kann. Auf der Erfolgsseite wird zunächst aus dem ordentlichen bereinigten Ergebnis durch Subtraktion der Kapitalkosten und der anteiligen Steuern ein Residualgewinn ermittelt. Im Gegensatz zum EVA™-Konzept wird keine Beschränkung auf das Betriebsergebnis vorgenommen, da von einem Gesamtgewinn ausgegangen wird. Außerdem wird die Problematik der Berechnung der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) umgangen.24 In diesem Ergebnis sind die Zinsforderungen der Fremdkapitalgeber bereits abgegolten, sodass der ermittelte Betrag den Eigenkapitalgebern den über ihre erwartete, das Unternehmerrisiko abdeckende Verzinsung hinaus entstehenden Gewinn zeigt. Im nächsten Schritt muss diese Zahl periodisiert werden. Dies kann aus externer Sicht entweder über eine differenziert-flexible GuV-Prognose, über Werttreiberprognosen oder durch Konstantsetzen des als nachhaltig wiederkehrend eingestuf- 24 Vgl. z.B. Schneider, D.: Konzerncontrolling, 2001, S. 2512–2514; zur Problematik der Verwendung durchschnittlicher Kapitalkosten siehe etwa auch Watson, D./Head, A.: Corporate Finance, 2010, S. 265 f. 164 4 Optimierung des Controllingsystems ten ordentlichen bereinigten Ergebnisses erfolgen. In Abhängigkeit von der Branche und den zur Verfügung stehenden Informationen können hierbei verschieden lange Prognosezeiträume mit unterschiedlichen Endwertbetrachtungen sowie auch Prognosemodelle auf der Basis ewiger Renten angewendet werden. Da auch der so ermittelte Residualwert in der Zukunft dem Unternehmerrisiko ausgesetzt ist und nur auf die Eigenkapitalgeber bezogen ist, muss auch eine Abzinsung mit dem Eigenkapitalzinssatz erfolgen. In diesem Fall ist jedoch darauf zu achten, dass im Rahmen der Prognose nicht eine weitere dies- Abbildung 4‐5: Shareholder Value‐Ansätze im TRoTA‐Konzept E rf ol gs si ch t + = Eigenkapitalkosten Total-Assets Ergebnis vor Eigenkapitalkosten Total-Assets Total-Assets Eigenkapital Änderung Börsenwert +Ausschüttungen Eigenkapital + = x = + K ap it al m ar k ts ic h t Ordentliches bereinigtes Jahresergebnis Total-Assets Unregelmäßiges bereinigtes Jahresergebnis Total-Assets Kapitalkosten Total-Assets Ertragsteuern Total-Assets Verwerfungsdifferenz Eigenkapital + Kapitalmarktsicht Nicht zbgl. Ergebnis + Umsortierungen Total-Assets Unregelmäßiger Cashflow Total-Assets Ordentlicher Free- Cashflow Total-Assets = Total Return Total Assets T R oT A R O I E K Q U O T E E K R en ta b . Bei der Ermittlung des ordentlichen Cashflows werden die Fremdkapitalkosten, Ersatz-investitionen und Veränderungen des Working-Capitals (Beständeänderungen) berücksichtigt. Insbesondere die Ersatzinvestitionen müssen als Umsortierungen analog auch im nicht zahlungs-begleiteten Ergebnis korrigiert werden, so dass die Addition wieder einen Erfolgsausdruck ergibt. Total Return on Total Assets Kennzahlensystem Ergebnis vor Eigenkapitalkosten Eigenkapital Residualgewinn (~EVA) Anteilige EE-Steuern und Kapitalkosten Ordentliches bereinigtes Jahresergebnis Total-Assets = = x Periodisierung und Abzinsung mit EK-Zins Market- Value.- Added + Eigenkapital (Total-Assets- Fremdkapital) = Share holder Value Total- Assetsx = Ordentlicher Free-Cashflow P er io d is ie ru ng u n d A bz in su ng m it E K -Z in s Share Holder Value Verwerfungsdifferenz (Methoden) Börsenwert Verwerfungsdifferenz (Finanzseite) Verwerfungsdifferenz (Erfolgsseite) + 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 165 bezügliche Risikoberücksichtigung vorgenommen wird. Als Ergebnis erhält man den Market-Value-Added, d.h. den originären Goodwill, der um den Buchwert des Eigenkapitals, d.h. Total-Assets vermindert um das zu Marktzeitwerten bewertete Fremdkapital, zu erhöhen ist, um den Shareholder Value zu bestimmen. Die Ermittlung des Shareholder Value über die Finanzseite geht vom Free Cashflow nach Abzug von Fremdkapitalkosten, aber vor Eigenkapitalkosten aus. Durch den bereits vorgenommenen Abzug der Ersatzinvestitionen ist die Vermögenserhaltung sichergestellt, so dass im nächsten Schritt, ebenso wie im Rahmen der erfolgsseitigen Ermittlung, eine Periodisierung erfolgen kann.25 Da auch hier das Unternehmerrisiko noch nicht berücksichtigt wurde und der Equity- Ansatz bei der Discounted Cashflow-Ermittlung gewählt wird, ist als Kapitalisierungssatz die angestrebte Mindesteigenkapitalverzinsung anzusetzen. Das Ergebnis ist direkt der Shareholder Value, da nicht von einem Residualgewinn ausgegangen wurde. Die beiden Herleitungen des Shareholder Value über die Erfolgs- und die Finanzseite basieren auf verschiedenen Prämissen und Annahmen. Erste Erkenntnis über die Güte der Prognosen muss daher ein Abgleich dieser beiden Methoden geben. Die sich ergebende Verwerfungsdifferenz der Methoden ist auf die Problemanfälligkeiten der Ermittlungsmethoden zurückzuführen. So basiert das ordentliche bereinigte Ergebnis z.B. auf Schätzannahmen bezüglich der Abschreibungen und auf verschiedenen Prämissen der Stille-Reserven-Schätzungsmethoden. Bei der Free Cashflow-Ermittlung sind die Ersatzinvestitionen ebenfalls nur über Schätzungen zu bestimmen. Einen weiteren Aufschluss gibt der Vergleich mit der Einschätzung des Shareholder Value durch die Kapitalmarktteilnehmer, ausgedrückt im Börsenkurs, oder sonstigen Unternehmenswerten, etwa ausgedrückt in Anteilsverkäufen. Ergeben sich größere Verwerfungsdifferenzen zwischen der erfolgs- oder finanzseitigen Ermittlung und dem extern eingeschätzten Unternehmenswert, so können einerseits die Prognosen und der Börsenwertes in Frage gestellt werden. Andererseits signalisieren die Differenzen aber auch unterschiedliche Einschätzungen, auf die die Unternehmensführung ggf. reagieren muss. Liegen die ermittelten Shareholder Values unterhalb der Börsenbewertung, kann dies auf eine positivere Erwartung des Marktes hindeuten, die die Unternehmensführung durch geeignete interne Maßnahmen zu befriedigen suchen muss. Im umgekehrten Falle haben die Kapitalmarktteilnehmer eine negativere Einschätzung der Unternehmenssituation als das Management. Diese Wahrnehmungslücke sollte die Unternehmensführung z.B. durch Publizitätsmaßnahmen zu verringern suchen. 25 Für den Fall, dass bei der Periodisierung von Zukunfts-Cashflows auf Basis von erhöhtem Betriebsvermögen ausgegangen wird, müssen zusätzlich auch die Erweiterungsinvestitonen in die Berechnung einbezogen werden. 166 4 Optimierung des Controllingsystems 4.2.3 Integration des TRoTA in das RL‐Kennzahlensystem  und die Segmentführung In einem weiteren Schritt können aus dem externen Management-Rechnungswesen – wie bereits angedeutet – über das RL-Kennzahlensystem weitere Informationen generiert werden. Obwohl Risiken pauschal bereits über die Kapitalkosten berücksichtigt sind, sollte durch zusätzliche Risikokennzahlen die Sachlage transparenter dargestellt werden. Ebenso sind zur weiteren Dynamisierung des Systems Nachhaltigkeitskennzahlen aufzunehmen, um das Management bereits frühzeitig für relevante Entwicklungen im Innen- und Umsystem des Unternehmens zu sensibilisieren. Das klassische RL-Kennzahlensystem setzt direkt an den konvergenten Größen des ordentlichen bereinigten Jahresergebnisses und des Cashflows an und kann aus dem Datenmaterial der Abschlüsse die o.g. zusätzlichen Erkenntnisse liefern. Darüber hinaus ist eine Unterteilung der gesamtunternehmensbezogenen Aussagen auf die Segmente möglich. 4.2.3.1 Interne Erweiterungsnotwendigkeiten des konvergenten  Kennzahlensystems Wenngleich Informationen über Konzerne und Einzelunternehmen sowie eingeschränkt auch über Segmente zur Verfügung stehen, ist die Informationsgenerierung der Instrumente des externen Management-Rechnungswesens dennoch teilweise unbefriedigend. So fehlt zunächst die Möglichkeit zur tiefer gehenden Betrachtung und Steuerung von Bereichen, Stellen, Produkten und Prozessen. Die aggregierten Daten müssen daher im Rahmen der internen Instrumente des Management-Rechnungswesens auf diese Objekte aufgeteilt werden. Des Weiteren bestehen in den Systemen der externen Rechnungslegung weitgehend starre Abbildungsregeln, die für entscheidungs- oder verhaltensorientierte Steuerungszwecke oftmals nicht zwangsläufig zu einer optimalen Informationsbasis führen. Dies liegt nicht zuletzt an der immer noch vorherrschenden vergangenheitsorientierten Wertermittlung der Rechnungslegung, womit zukunftsbezogene Informationsansprüche nur unzureichend befriedigt werden können. Die externe Rechnungslegung bezieht sich auf einen abgeschlossenen, vergangenen Zeitraum. Demzufolge sind prognostische Aussagen nur eingeschränkt möglich, so dass häufig lediglich eine Extrapolation der Vergangenheitswerte in die Zukunft erfolgen kann. Somit ist ggf. trotz einer konvergenzorientierten Ausgestaltung der externen Instrumente des Management-Rechnungswesens eine zukunftsorientierte interne Abbildungskonzeption des Unternehmens zusätzlich nötig. Aus interner Sicht muss zudem eine Erweiterung der Abbildungskonzeption erfolgen, die in Richtung einer umfassenderen Berücksichtigung der immateri‐ ellen Vermögenswerte geht. Hierfür werden Methoden der empirischen Sozialforschung einzusetzen sein, was zu einer skalaren Erweiterung des Rechnungswesens über die Methodik der externen Rechnungslegung hinaus führt und im Rahmen der qualitativen Analyse näher beschrieben werden soll. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 167 Die Unternehmensführung hat ihr Handeln zukunftsorientiert auf die dauerhafte Sicherung der Erfolgs- und Finanzkraft auszurichten. Dafür sind zusätzlich Planungen und Kontrollen auf wertorientierter, strategischer und operativer Basis nötig. Für Führungszwecke sind diese Informationen in einem managementgemäß ausgestalteten Kennzahlensystem, welches als Zentrum des Management‐ Berichtswesens anzusehen ist, zusammenzufassen. Auf Grund der angestrebten konvergenzorientierten Ausgestaltung des Management-Rechnungswesens soll dies über eine entsprechende Erweiterung des TRoTA-Kennzahlensystems erfolgen. Neben der Verwendung eines umfangreicheren Abbildungsmodells wird einerseits eine zeitliche Erweiterung und andererseits eine Aufspaltung der Kennzahlen in Produkte sowie teilbetriebliche Bereiche, Stellen und Segmente vorgenommen, wie die Abbildung 4-6 dargestellt. Ähnlich der vergleichbar- und voll-bereinigten Dimensionen bei dem für externe Informationen entwickelten Modell sind auch bei der internen Erweiterung verschiedene Dimensionen zu beachten. Zunächst sind die gesamtunter‐ nehmensbezogenen  Kennzahlen auf der Basis der rechenzweckabhängigen internen Abbildungskonzeption zu ermitteln. Auf Grund der internen Nutzung des externen Modells ist zu erwarten, dass die Ergebnisse denen des externen Modells auf voll-bereinigter Basis entsprechen. Darüber hinaus können aber neben der Auswertung von Vergangenheitsdaten Erkenntnis steigernd auch die Zukunftsdimensionen analysiert werden. Da es in der Zukunft aber aufgrund der zu berücksichtigenden Unsicherheit oft nicht nur eine wirtschaftliche Lage, sondern verschiedene Szenarien gibt, ist hier eine Mehrdimensionalität zu konstatieren. Letztlich sind durch die Berücksichtigung von Prognose- und Planzahlen auch die wertorientierten Bestandteile des Kennzahlensystems erst sinnvoll berechenbar. Sowohl für die erfolgs- als auch finanzseitige Shareholder Value- Ermittlung können aus der operativen und strategischen Unternehmensplanung für den Zeitraum der Detailprognose die für die Berechnung notwendigen Ergebnisse, Cashflows und die zu verzinsenden (bereinigten) Eigen- und Gesamtkapitalhöhen entnommen werden. Für die Ermittlung des Restwertes können intern ebenfalls genauere Werte generiert werden, wobei aber aufgrund der Zukunftsungewissheit stets vielfältige Probleme auftauchen. Aufgabe des Management-Rechnungswesens ist es daher, neben der Informationsunterstützung die Modellprämissen zu kommunizieren. Die Generierung relevanterer Informationen durch eine streng zukunftsorientierte Ausrichtung des Abbildungsmodells scheitert oft an der mangelnden Zuverlässigkeit der Informationen, was auch nur ansatzweise über die Kombination von wertorientierten Konzepten mit klassischen Renditekennzahlensystemen beseitigt werden kann.26 Es bedarf daher des parallelen Ausweises von klassischen, primär vergangenheitsorientiert ermittelten Ergebnis- und Liquiditätskennzahlen, denen bei höherer Ermittlungszuverlässigkeit aber wieder deutliche Defizite im Bereich der Relevanz inhärent sind, und wertorientierten Kennzahlen. Der Versuch, einen Kompromiss zwischen Zuverlässigkeit und Relevanz 26 Vgl. Preißner, P.R.: Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, 2008, S. 53 f.; Preißner, A.: Renditekennzahlen, 2000, S. 246–250. 168 4 Optimierung des Controllingsystems von Informationen zu finden, kann intersubjektiv nachprüfbar nicht gelingen, sodass die Resultate nur als Annäherung unter jeweils gesetzten Prämissen angesehen werden können. Allerdings kann die Bandbreite der Ergebnisse um den optimalen Punkt durch die zieladäquate Ausgestaltung der zukunfts- und vergangenheitsorientierten Abbildung zumindest deutlich eingegrenzt werden. So Abbildung 4‐6: Konvergente Ausgestaltung des TRoTA‐Kennzahlensystems VERGANGENHEIT OPERATIV STRATEGISCH Kapitalmarktsicht Ord. n. zbgl.Ord. ber. JE TA Unr. ber. JE TA Kapital kosten TA EE Steuern TA+ = TROTA = Free CF TA Unr. CF TA Ergebnis TA+ + Nachhaltigkeits komponenten Rentabilitäts komponenten Liquiditäts komponenten Risiko komponenten Nachhaltigkeitsindex Ordentliches Ergebnis Gesamtkapital Jahresergebnis Cash Flow Finanzflusskennz. Bilanzkennz. Liquide Mittel Risikopotential/ -index Segmentergebnis Segmentvermögen Segment Wertbeitrag Segment Cash Flow Öko- Sozial- Int. Cap. Index Ordentl. Betriebsergebnis Ordentl. Finanzergebnis Betriebsvermögen Finanzvermögen Shareholder value Komponente • Marktbedingungen • Anteil Neuprod. • Kundennutzen • Qualität • Reklamationsg. • Externalisierte Kosten • Abfallmenge • … • Umsatzanteile • Auftragsbestände • Erfolge • Vermögenseinsatz • Rentabilität • mehrstufige Deckungsbeiträge • Kostenstrukturen • Wertbeiträge • … • Produkthaftungsrisiken • Produktionsrisiken • Absatzrisiken • Risikoadjustierte Produktergebnisse • … Produktumsatz - Zahlungsbegleitete variable Kosten = Cashflow-Deckungsbeitrag I - Zahlungsbegleitete fixe Kosten = Cashflow-Deckungsbeitrag II Wertbeiträge … • Qualität • Mitarbeiterzufriedenheit • Energieverbrauch • Intellectual Capital • Innovationsquote • … • Input • Output • Potentiale • Prozesse, Effizienzen • Umfeld • Bereichebez. Budgets • … • Einnahmen • Ausgaben • Vermögens- und Kapitalausstattung • Bereichebezogene Budgets • … • Produktionsrisiken • Währungsrisiken • Risikoadjustierte • Bereicheergebn. S E G M E N T T E IL S O N D E R T E IL 1 P R O D U K T B E Z .R L FÜ H R U N G S O N D E R T E IL 2 B E R E IC H E B E Z .R L FÜ H R U N G A L L G E M E IN E R T E IL G E S A M T U N T E R N E H M E N S B E Z O G E N E R L FÜ H R U N G 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 169 ist einerseits darauf zu achten, dass ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Modell mit praxisrelevanten Prämissen und plausiblen Prognosen und Planungen im Zusammenhang mit der zukunftsorientierten Wertermittlung eingesetzt wird. Andererseits ist die vergangenheitsorientierte Darstellung – wie gezeigt – zweckentsprechend auszugestalten. Die Ergebnisse dieser beiden Sichtweisen sind der Unternehmensführung mit den zugrunde liegenden Prämissen zu offerieren, wobei diese letztlich über deren Verwendung zu entscheiden hat. Liegen später Erfahrungen mit der Führungsnutzung der Informationen vor, so sollte das Informationssystem, z.B. durch Unterdrückung von kaum genutzten Kennzahlen, evolutionsgemäß fortentwickelt werden. Durch fortschreitenden Zeitablauf lassen sich Zeitvergleiche über Soll-/Ist-Analysen durchführen, die um so aussagekräftiger werden, wie es gelingt, die Abweichungen durch delegierte Verantwortlichkeiten bestimmten handelnden Personen zuzurechnen. Zu beachten ist aber, dass als Datengrundlage dann verhaltensorientierte Abbildungskonzeptionen zum Einsatz kommen müssen. Dies bedingt, dass nicht zu vertretende Ergebnisänderungen (z.B. durch die Verwendung von Standard- oder Normalkosten) in einer derartigen Betrachtung neutralisiert werden. Das Kennzahlensystem ist somit in Abhängigkeit vom Rechenzweck neu zu berechnen, was eine umfangreiche Datengrundlage etwa nach dem Muster der mehrdimensionalen Grundrechnung der relativen Einzelund Deckungsbeitragsrechnung voraussetzt.27 Auffälligste Erweiterungen von der externen zur internen Ausgestaltung des Kennzahlensystems sind die disaggregierten Betrachtungsebenen der Produkte sowie Bereiche, in der sowohl die gesamtunternehmensbezogenen monetären Wert-, Erfolgs- und Liquiditätskennzahlen als auch die Nachhaltigkeits- und Risikokennzahlen aufgelöst werden können. Auf der Ebene der Produkte kann die Auflösung je nach Wesentlichkeit auf einzelne Produkte, nach Produktgruppen, nach Produktklassifikationen gemäß ABC-Analysen, nach Regionen, nach Kundengruppen, nach Absatzwegen sowie in organisatorischer Anlehnung etwa nach Profit-Centern bzw. Segmenten erfolgen.28 Voraussetzung hierfür ist eine Erlösstellen- und Kostenträgerstückrechnung. Inhaltlich sind zunächst die Erfolge in Form von absoluten und relativen Ergebnissen von Interesse, wobei je nach Betrachtungszweck die Ergebnisse der mehrfach gestuften Deckungsbeitragsrechnung kommuniziert werden sollten. Die relativen Ergebnisse bedingen die Zuordnung von investiertem Vermögen zu den absoluten Ergebnissen, was über eine entsprechend gestaltete Kosten- und Erlösrechnung sicherzustellen ist. Um Verzerrungen durch Zeiteinflüsse und Investitionsschübe zu vermeiden, sollte hier das durchschnittlich gebundene Kapital eingesetzt werden. Scheinbar exaktere Ergebnisse kann eine wertorientierte produktbezogene Betrachtung liefern, indem die direkten Shareholder Value-Wirkungen aufgezeigt werden. Die Anwendung der für das Gesamtunternehmen entwickelten Verfah- 27 Vgl. Kammer, K./Schuler, H.: Harmonisierung des Rechnungswesens, 2001, S. 148–150; Stermetz, E.: Shareholder Value Controlling, 2003, S. 158. 28 Vgl. Lachnit, L.: RL-Kennzahlensystem, 1998, S. 37. 170 4 Optimierung des Controllingsystems ren bedingt die Zurechnung sowohl von Eigenkapital als auch von Fremdkapitalzinsen auf die Produkte. Dies wird i.d.R. sowohl für das Eigenkapital, was eventuell ausgehend vom zu Verkehrswerten bewerteten Vermögen auf Basis einer kalkulatorischen Eigenkapitalquote analog zum Verfahren der WACC-Berechnung zumindest näherungsweise möglich sein sollte, als auch für die Fremdkapitalzinsen auf adjustierter, kalkulatorischer Basis erfolgen müssen. Gleichwohl kann auch die tatsächliche Kapitalausstattung der Segmente, verstanden als Produktbereiche, oder die geforderte Eigenkapitalhinterlegung für bestimmte Produkte in die Berechnung einfließen. Risikozu- und Risikoabschläge der Produkte sollten nicht durch eine pauschale Erhöhung des Eigenkapitalverzinsungsanspruches, sondern über eine risikoadjustierte zukünftige Ergebnisreihe berücksichtigt werden. Die Wertorientierung bewirkt durch die zukunftsgerichtete Konzeptionierung eine Dynamisierung des Modells, wobei die Problematik aber in den zugrunde gelegten Annahmen für die Zukunft liegt. Für weitergehende Analysen sind einerseits Umsatzanteile und -entwicklungen sowie andererseits Kostenstrukturkennzahlen und -abhängigkeiten von Bedeutung. Die Umsatzbetrachtung sollte für kurzfristige Zukunftseinschätzungen ergänzt werden um die Angabe der Auftragsbestände, wo dies sinnvoll möglich ist. Diese Erfolgssicht ist zu erweitern um die liquiditätsbezogene Betrachtung, welche insbesondere Cashflow-Deckungsbeiträge beinhaltet, die für einzelne oder für nach bestimmten Kriterien zusammengefasste Produkte die Innenfinanzierungskraft für eine betrachtete Periode ausdrücken. Zur weiteren Aussagesteigerung sind die Kosten zu unterteilen in variable und fixe Bestandteile. Zu beachten ist dabei, dass die reine Zahlungsorientierung das Problem der Anlagenabnutzung ebenso nicht beachtet wie die Rückstellungsproblematik. Der Produkt-Cashflow stellt damit keinen verbesserten Erfolgsausweis dar und ist, um Fehlinterpretationen zu vermeiden, zu ergänzen um potenzielle Auszahlungen, wie insbesondere Investitionen oder Risikoausgleiche. Dieser als risikoadjustierter Free Cashflow zu bezeichnende Wert kann über ein Discounted Cashflow-Verfahren dann für wertorientierte Analysen verwendet werden, wobei wie auf der Gesamtunternehmensebene ein Abgleich mit der erfolgsseitigen produktbezogenen Shareholder Value-Beitragsermittlung zu erfolgen hat.29 Da insbesondere die Produkte Träger von Risiken – aber auch Chancen – sind, müssen die monetären Kennzahlen im Folgenden erweitert werden um quantifizierte qualitative Informationen über zentrale Erfolgsfaktoren. Für die produktbezogene Sicht bieten sich dabei insbesondere Kennzahlen über Marktbe‐ dingungen, wie z.B. Marktwachstum, Marktanteilsverteilungen oder Preis- und Mengenelastizitäten, über die Positionierung im Lebenszyklus, über den generellen Anteil an Neuprodukten, über Kundennutzen und Qualität der Produkte, z.B. gemessen über Befragungen oder Indikatoren (z.B. Reklamationsquote), sowie über externalisierte Kosten, wie z.B. Abfallmengen, an. Letzteres kann auch schon als Risikokennzahl  für das Risikomanagementsystem interpretiert werden, wobei auch Informationen zu Produkthaftungs-, Produktions-, Absatz- und 29 Vgl. Reichmann, T.: Controlling mit Kennzahlen, 2001, S. 763–774. 4.2 Integration der quantitativen Aspekte in ein Kennzahlensystem 171 ggf. Währungsrisiken ausgewiesen werden müssen. Diese Informationen sollten darüber hinaus noch auf monetarisierter Basis für die Ermittlung von risikoadjustierten Produktergebnissen herangezogen werden, welche z.B. für die Berechnung der wertorientierten Kennzahlen notwendig sind. Im Rahmen der organisatorischen Erweiterung sind die Segmente, Bereiche oder Stellen und somit die handelnden Mitarbeiter Gegenstand der Betrachtung. Auch für diese muss zunächst eine Disaggregation der monetären Größen Erfolg und Liquidität sowie der daraus abgeleiteten wertorientierten Kennzahlen bzw. der enthaltenen Key-Value-Driver auf die jeweilige Verantwortlichkeitsebene erfolgen.30 Neben den absoluten und relativen Erfolgen stehen wertorientierte Kennzahlen im Mittelpunkt der Betrachtung. Hauptanliegen ist somit die Verhaltenssteuerung, weshalb das Kennzahlensystem hier insbesondere die Steuerung von Zielvereinbarungen unterstützen muss, d.h. auch verhaltensorientierte Ausgestaltungen benötigt. Auf die Bereiche bezogen sollte das Informationssystem der Unternehmensführung Input- und Outputinformationen, Potenziale, Prozessinformationen, Effizienzen, Umfeldinformationen sowie letztlich die bereichsbezogenen Budgets bzw. Zielvorgaben beinhalten. Hier wird deutlich, dass auch ein konvergentes Rechnungswesen keinesfalls auf das Kostenrechnungsinstrumentarium verzichten kann. Die konkrete Ausgestaltung ergibt sich aus dem angewandten Führungsstil. Je zentraler die Entscheidungen getroffen werden, umso mehr und detailliertere Kennzahlen sind im Führungs-Kennzahlensystem aufzunehmen. Für die Finanzlenkung sind liquiditätsorientierte Kennzahlen der organisatorischen Untereinheiten von besonderem Interesse. Hierbei stehen insbesondere Einnahmen und Ausgaben sowie die Vermögens- und Kapitalausstattung im Mittelpunkt der Betrachtung, aus denen bereichsbezogene Cashflows mit ähnlichen Einschränkungen wie bei seiner produktbezogenen Ausprägung zu generieren sind. Ist der Verantwortungsbereich als Investment-Center organisiert, erscheint die Erweiterung des Cashflows zu einem Cashflow-Statement des Centers sinnvoll, da dann auch von der Zentrale Investitions- und Finanzierungsvorgänge und deren Einflüsse auf die übrigen Kennzahlen besser abgeschätzt werden können. Fehlen zurechenbare Einzahlungen, so ist primär auf das bereichsbezogene Budget abzustellen. Insbesondere für die einzelnen organisatorischen Untereinheiten ist die Erweiterung der monetären Betrachtung um Nachhaltigkeitskennzahlen einerseits und um Risikokennzahlen andererseits notwendig.31 So können etwa Nachhaltigkeitskennzahlen wie Qualität, Mitarbeiterzufriedenheit, Innovationsquote und Energieverbrauch einzeln oder zusammengefasst als Intellectual-Capital bzw. Key-Value-Driver unmittelbar auf der untersten Hierarchiestufe gesteuert werden. Als Risikokennzahlen kommen neben den den Bereichen zurechenbaren produktbezogenen Risiken weitere Währungs-, Standort- und Mitarbeiterrisiken in Betracht, die in einem risikoadjustierten Bereichsergebnis zusammenzuführen sind. Als zusätzliche intern zu betrachtende Ausprägung von Kennzah- 30 Vgl. Steinhardt, T.: Kennzahlen, 2001, S. 249–255. 31 Vgl. Drucker, P.F.: Kunst des Managements, 2000, S. 139–141. 172 4 Optimierung des Controllingsystems len können auch Wertvorstellungen der Mitarbeiter kommuniziert werden, um eine einheitliche Ausrichtung des Unternehmens sicherzustellen. So könnten etwa Risikobereitschaft, Leistungsorientierung, Offenheit oder Treue der handelnden Akteure abgebildet werden. Die Darstellung nicht-monetärer Kennzahlen kann über das Konzept einer mehrstufigen Balanced-Scorecard erfolgen. Die konvergente Ausgestaltung eines Führungskennzahlensystems bedingt eine einheitliche Datenbank, in der alle verfügbaren Unternehmensinformationen in rechenzweckaufspaltbarer und disaggregierbarer Form in den Ausprägungen Ist- und Plandaten vorgehalten werden.32 Unterschiedliche Rechenzwecke, wie externe Abbildungspflichten oder verhaltenssteuernde Abbildungsnotwendigkeiten, verhindern dabei eine einheitliche Datenbasis. Daher muss auch ein Führungskennzahlensystem verschiedene Ausprägungen zur Unterstützung verschiedener Rechenzwecke erhalten. Gleichwohl ist bei dieser Mehrdimensionalität darauf zu achten, dass keine Inkonsistenzen entstehen, was über die Verwendung einheitlicher Begrifflichkeiten und Strukturen sowie die Kommunikation von angewandten Prämissen zu erreichen ist. Im vorgestellten Kennzahlensystem ist das RL-Kennzahlensystem erweitert einerseits um Top-Kennzahlen, die die Erfolgs-, Liquiditäts- und Kapitalmarktsichtweisen rechentechnisch zusammenführen. Andererseits wurde das System zur Dynamisierung des Abbildungsmodells flankiert mit Risiko- und Nachhaltigkeitskennzahlen. In den konkreten Ausführungen wurde aber auch deutlich, dass es weiterhin großer theoretischer und praktischer Anstrengungen bedarf, den Herausforderungen durch steigende Dynamik und Komplexität, Globalisierung und gesellschaftlichen Wandel im Abbildungsmodell des Rechnungswesens gerecht zu werden. Da im Rahmen des Selbstratingsystems die externen Jahresabschlüsse des Unternehmens zur Bestimmung der Kennzahlen herangezogen werden, ist eine Analyse der daraus generierten Kennzahlen weniger aussagekräftig als die Analyse interner Controllingdaten. In so fern können die Kennzahlen des Selbstratingsystems nur allgemeine Hinweise auf Probleme geben und damit einen Anreiz für eine intensivere Beschäftigung mit bestimmten Problembereichen im Rahmen der strategischen Unternehmensplanung bieten. 4.3 Integration qualitativer Aspekte  im Führungs‐Kennzahlensystem Die quantitativen Abbildungskonzeptionen  vernachlässigen  die qualitativen Faktoren bzw. erfassen nur deren Ergebnisse mit einiger zeitlicher Verzögerung. Dabei sind die qualitativen Faktoren als die eigentlichen Erfolgsfaktoren mit daraus resultierenden Erfolgspotenzialen anzusehen, die es von der Unterneh- 32 Zu Problemen bei der Implementierung bzw. EDV-gestützten Umsetzung von Kennzahlensystemen siehe etwa Zell, M.: Kosten- und Performance, 2008, S. 189 f.; Samtleben, M./Müller, A./Hess, T.: Unterstützung der Balanced Scorecard, 2005, S. 400 ff.

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References

Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.