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3.8 Aggregation zu einer Gesamtrisikoeinschätzung in:

Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Fiedrich

Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III, page 152 - 154

Selbstrating, Risikocontrolling und Finanzierungsalternativen

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3923-6, ISBN online: 978-3-8006-3924-3, https://doi.org/10.15358/9783800639243_152

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140 3 Wie Risiken erkannt werden können – Selbstrating 3.7.2.2 Vertretungsregeln Neben einem grundsätzlichen Ausscheiden des Unternehmers aus dem Betrieb kann auch eine Krankheit dazu führen, dass eine andere Person ihn (vorübergehend) ersetzen muss. Dieses Problem wird besonders akut im Falle eines Unfalls, so dass keine Zeit mehr für entsprechende Vorkehrungen bleibt. Ohne entsprechende Regelungen über die Vertretung besteht die Gefahr, dass Liefertermine oder Absprachen nicht eingehalten werden können oder sogar der Betrieb stillliegt, weil Materialien oder notwendiges Wissen fehlen. Bei einer länger dauernden Abwesenheit des Unternehmers erhöht sich somit die Gefahr einer Insolvenz, da es zu Einnahmeausfällen (verärgerte Kunden) und Kostensteigerungen (z.B. fehlerhaft bediente Maschinen) kommen kann. Zu einem optimalen Vertretungsplan gehört nicht nur die Regelung von Zuständigkeiten sondern auch eine schriftliche Dokumentation wichtiger unternehmerischer Sachverhalte, damit die Vertreter im Falle der Abwesenheit des Unternehmers alle notwendigen Informationen zur Weiterführung des Unternehmens haben. Folgende Sachverhalte sind als Warnsignale aufzufassen: • Es existiert eine Vertretungsregel; sie ist jedoch nicht so ausgestaltet, dass von einer reibungslosen Weiterführung des Geschäftsbetriebes bei Abwesenheit des Unternehmers ausgegangen werden kann. Abwertung der Gesamtbewertung um 1/3 Note (d.h. Zuschlag von +0,33) • Vertretungsregeln liegen nicht vor; bei einer Abwesenheit des Unternehmers ist mit schwerwiegenden Störungen des Betriebsablaufs zu rechnen. Abwertung der Gesamtbewertung um 1/2 Note (d.h. Zuschlag von +0,5) 3.8 Aggregation zu einer Gesamtrisikoeinschätzung Die Aggregation zur Gesamteinschätzung des Risikos des betrachteten Unternehmens vollzieht sich gemäß der in Kapitel 3.2.2.5 beschriebenen Gewichtungen: Zunächst werden quantitative, qualitative und Branchenanalyse mit 50%, 40% bzw. 10% gewichtet. Die Summe daraus bildet ein Zwischenergebnis vor den Warnsignalen. Für jedes auftretende Warnsignal sind zum Zwischenergebnis die entsprechenden Zuschläge zu addieren, was schließlich zum Gesamtergebnis des Selbstratingprozesses für das betrachtete Unternehmen führt. Das so ermittelte Ergebnis ist ein Indikator für die Risikolage im eigenen Unternehmen. Es spiegelt in begrenztem Maße eine mögliche Einschätzung durch eine Bank im Zuge eines bankinternen Ratings wider. Zusätzlich können einzelne Kennzahlen und Fragen des Selbstratingsystems wichtige Hinweise auf strategische Lücken oder Verbesserungen bei der Darstellung im Jahresabschluss aufzeigen. Das folgende Kapitel zeigt deshalb Möglichkeiten auf, die Ergebnisse des Selbstratings hinsichtlich strategischen Managements, Risikomanagement, Verbesserung der Unternehmensdarstellung und Finanzierung auszuwerten. Abbildung 3-5 zeigt die Berechnung des Gesamtergebnisses. Die ermittelte Bewertung ist eine Einschätzung der Risikoposition des betrachteten Unternehmens. Da dem Selbstratingsystem keine empirischen Daten zu- 3.8 Aggregation zu einer Gesamtrisikoeinschätzung 141 grunde liegen, kann diese Bewertung weder empirisch verifiziert werden noch mit Ratings anderer Systeme explizit verglichen werden. Im folgenden Kapitel wird deshalb dargestellt, wie das Selbstratingsystem selbst bei der Steuerung von Risiken Unterstützung leisten kann. Abbildung 3‐5: Ermittlung des Ergebnisses des Selbstrating Quantitativer Teil Qualitativer Teil Bewertung eigenes Unternehmen: Bewertung eigenes Unternehmen: Bewertung eigenes Unternehmen: Zwischenergebnis 50% 40%10% = Ergebnis quantitative Analyse *0,5 = + Ergebnis Branchenanalyse *0,1 = + Ergebnis qualitative Analyse *0,4 = = Zwischenergebnis eigenes Unternehmen = Warnsignale Kontoüberziehungen + Leistungsstörungen + Lastschrift-/Scheckrückgaben + Nachfolgeregelung + Vertretungsregeln + Gesamtergebnis Bewertung eigenes Unternehmen: Branchenanalyse 4 Wie Risiken gesteuert werden können – Optimierung des Controllingsystems Die Aufgabe des in Kapitel 3 ausführlich dargestellten Selbstratingsystems ist vornehmlich die Analyse wesentlicher Risikobereiche in einem Unternehmen und Schwachstellen bei der Kommunikation mit den Kapitalgebern. Kriterien, bei denen ein Unternehmen im Selbstratingsystem besonders schlecht abgeschnitten hat, geben der Unternehmensführung Anlass zu einer genaueren Betrachtung des Sachverhalts mit dem Ziel, Probleme zu erkennen und durch angemessene Maßnahmen zu lösen. Zudem zeigt das Selbstratingsystem, ob das Unternehmen im Rahmen des Einschätzungsprozesses alle abgefragten Kriterien auch bewerten konnte. Fragen, die nicht beantwortet worden sind, deuten auf Sachverhalte hin, die die Unternehmensführung bislang noch nicht ausreichend bedacht hat. In diesem Fall ist zu hinterfragen, ob die Unternehmensleitung dieses Kriterium bewusst nicht weiter beobachtet, da sie es als nicht erheblich für die Führung des Unternehmens ansieht, oder ob eine Betrachtung aufgrund fehlender Daten nicht möglich war. Dieser Vorgang der Risikoerkennung und -bewertung ist jedoch kein einmaliger Prozess, sondern muss dauerhaft im Unternehmen implementiert sein, stetig durchgeführt werden und in ein ganzheitliches Risikomanagement eingebettet sein, das nicht nur die Erkennung sondern auch die Steuerung der Risiken ermöglicht. Ziel dieses Kapitels ist es deshalb aufzuzeigen, wie die Erkenntnisse des Selbstratingsystems zur Analyse von Schwachstellen genutzt werden können und welche Veränderungen am Controllingsystem des Unternehmens notwendig sind, damit die Risikoerkennung und -steuerung als dauerhafter Prozess verankert werden können. Nur so ist es möglich, auch in Zukunft für Kapitalgeber attraktiv zu bleiben und gleichzeitig die Stabilität des Unternehmens zu erhöhen, was allen am Unternehmen beteiligten Gruppen zugute kommt. Fragestellungen des Kapitels: • Wie können Schwachstellen aus den Ergebnissen des Selbstrating  identifiziert wer‐ den? • Welches ist die optimale Strategie zur Behebung dieser Schwachstellen? • Wie kann das Selbstratingsystem in das Controllingsystem des Unternehmens inte‐ griert werden?

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Zusammenfassung

Vorteile: • Frühzeitig auf strengere Regeln der Kreditvergabe durch Banken ab 2013 vorbereitet sein • Optimierung von Risikopositionen für Kreditverhandlungen • Beiliegende CD mit einem Excel-Sheet zum Selbstrating. Zum Werk: Finanzierungsentscheidungen größeren Umfangs sind immer mittelfristig zu betrachten. Deshalb müssen Unternehmen schon heute die ab 2013 geltenden, strengeren Regeln (Basel III) der Kreditvergabe durch Banken in ihren Finanzplanungen berücksichtigen. Dieses Fachbuch stellt Strategien vor, wie die Versorgung mit Finanzmitteln vor dem Hintergrund von Basel III gesichert bleibt. Autoren: Von Prof. Dr. Stefan Müller leitet das Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Prof. Dr. Mayer-Fiedrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationale Finanzierung an der HSU. Dr. Kai Brackschulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU. Zielgruppe: Für Fach- und Führungskräfte im Rechnungs- und Finanzwesen mittelständischer Unternehmen, SteuerBerater und Wirtschaftsprüfer.