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A. Grundlagen und Struktur des Anhangs in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 405 - 412

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_405

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Neunter Teil Anhangangaben A. Grundlagen und Struktur des Anhangs I. Aufstellungspflicht und Anwendungsbereich Einen Anhang als Teil des Jahresabschlusses nach § 264 Abs . 1 HGB haben alle Kapitalgesellschaften aufzustellen. Die Vorschriften zur Aufstellung eines An hangs gelten nach § 264a HGB auch rur bestimmte OHG und KG, die die Vor aussetzungen der Vorschrift errullen, bei denen nicht mindestens eine natürliche Person oder eine OHG, KG oder eine andere Personengesellschaft mit einer na türlichen Person persönlich haftender Gesellschafter ist oder sich die Verbindung von Gesellschaften in dieser Art der nicht persönlichen Vollhaftung fortsetzt. Die kapitalistische Personenhandelsgesellschaft wird danach bezüglich der Aufstel lung des Jahresabschlusses behandelt wie eine Kapitalgesellschaft. Nach § 5 Abs. 2 Satz 1 PublG haben die gesetzlichen Vertreter eines nach § 1 PubiG zur Rechnungslegung verpflichteten Unternehmens (Großunternehmen), das nicht in der Rechtsform einer Personenhandelsgesellschaft oder des Einzel kaufmanns geführt wird, den Jahresabschluss um einen Anhang zu erweitern, der mit der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eine Einheit bildet. Eine J;>flicht zur Aufstellung eines Anhangs besteht nach § § 340a Abs . 1 , 34 1 a Abs . 1 HGB rur Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, auch wenn diese nicht die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft haben. Allerdings brauchen einzelne der sonstigen Pflichtangaben von Kreditinstituten und Versicherungsun ternehmen nicht gemacht zu werden. 11. Funktionen des Anhangs 1. Anhang als Teil des Jahresabschlusses Nach § 264 Abs . 1 Satz 1 HGB ist der Anhang Teil des Jahresabschlusses. Er bildet mit der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eine Einheit. Die Gleichstellung des Anhangs mit den anderen Teilen des Jahresabschlusses er laubt es, die Angaben zu einzelnen Posten jeweils bei den unterschiedlichen In strumenten des Jahresabschlusses, d.h. in der Bilanz bzw. der Gewinn- und Ver lustrechnung oder im Anhang, zu machen. 370 Neunter Teil: Anhangangaben 2. Zwecke des Anhangs Normzweck des Anhangs ist primär die Erfüllung der Informationsfunktion . Um dieser zu entsprechen soll der Anhang dazu beitragen, dass der J ahresab schluss nach der Anforderung des § 264 Abs. 2 HGB ein den tatsächlichen Ver hältnissen entsprechendes B ild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Un ternehmens vermittelt. Teile der Informationsfunktion des Anhangs sind die Erläuterungsfunktion und die Ergänzungsfunktion. Nach der Erläuterungsfunktion sind die aufgelisteten Zahlen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung verbal und unter Um ständen rechnerisch zu erklären. Eine explizite Ergänzungsfunktion erfüllt der Anhang durch die Vermittlung und Offenlegung von nicht in die Bilanz oder in die Gewinn- und Verlustrechnung aufgenommenen numerischen (betragsmäßi gen) und verbalen (sprachlich umschriebenen) Daten. Die Erläuterungsfunktion hat die Aufgabe, die in der Bilanz und der Gewinn und Verlustrechnung abgebildeten Daten und Zahlen zu umschreiben und verbal zu erläutern. Ein Schwerpunkt ist die Angabe der Bilanzierungsmethoden bei Bestehen der nach der Verabschiedung des BilMoG verbleibenden Ansatzwahl rechten und die Angabe der in der Bilanz angewandten Methoden bei der Bewer tung der Vermögens gegenstände des Anlage- und des Umlaufvermögens, der Rückstellungen, Verbindlichkeiten und der angesetzten Sonderposten. Die Ergänzungsfunktion richtet sich auf die Angabe von Daten im Anhang, die aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung nicht ableitbar sind, soweit sie die Ptlichtangaben nach § 285 HGB betreffen. Sie gewinnt mit der Verlage rung von Angaben in den Anhang zunehmende Bedeutung. Beispiele für Wahl rechte, die Angaben in der Bilanz oder im Anhang zu machen, sind u.a: • die Darstellung des Anlagespiegels (Anlagegitter) nach § 285 Satz 1 i.V.m. § 268 Abs. 2 Satz 1 und 3 HGB; • der Ausweis des Disagios . nach § 268 Abs. 6 HGB ; • die Angabe der Haftungsverhältnisse nach § 268 Abs. 7 HGB; • die in die Kapitalrücklage eingestellten und entnommenen Beträge nach § 1 52 Abs. 2 AktG; • die Einstellung des Vorjahresüberschusses und des Jahresüberschusses in die Gewinnrücklagen und die entnommene Beträge nach § 1 52 Abs. 3 AktG. Die Entlastungsfunktion des Anhangs bezüglich der Gewinn- und Verlustrech nung betrifft u.a. : • die Angabe der außerplanmäßigen Abschreibungen nach § 277 Abs. 3 Satz 1 HGB; und • die Aufgliederung von AufWandsposten, sofern diese in der Gewinn- und Verlustrechnung zusammengefasst sind, nach § 265 Abs. 7 Nr. 2 HGB. A. Grundlagen und Struktur des Anhangs 371 III. Grundsätze der Berichterstattung im Anhang 1 . Form und Gliederung des Anhangs Form und Gliederung des Anhangs sind gesetzlich nicht geregelt. Im Schrifttum wird differenziert zwischen: • Pflichtangaben als obligatorische Angaben, Erläuterungen, Darstellungen, Aufgliederungen und Begründungen; • Wahlpflichtangaben, die im Anhang zu machen sind, wenn zur Entlastung der anderen Teile des Jahresabschlusses die Angaben in der Bilanz bzw. in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht gemacht werden; und • zusätzlichen Angaben, die zu machen sind, wenn der Jahresabschluss bei Fehlen dieser Angaben ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Kapitalgesellschaft nicht vermittelt. Bei der Gliederung sind die allgemeinen Rechnungslegungsgrundsätze der Klarheit und Übersichtlichkeit der Berichterstattung in Jahresabschlüssen zu be achten: • Der Grundsatz der Klarheit verlangt, dass die sprachliche Darstellung der Sachverhalte in verständlicher Form, eindeutig, widerspmchsfrei und präzise erfolgt. Dem Grundsatz stehen Ausruhrungen entgegen, die zweideutig, vage oder inhaltsleer formuliert sind. • Der Grundsatz der Übersichtlichkeit verlangt eine an sachlichen Gesichtspunkten orientierte Darstellung der berichtspflichtigen Sachverhalte. Nach den allgemeinen Berichtsgrundsätzen ist der Anhang als solcher zu be zeichnen und von den übrigen Teilen des Jahresabschlusses abzugrenzen. Die Anhangangaben müssen feststellbar sein und dürfen nicht mit Angaben zu ande ren Teilen des Jahresabschlusses vermischt werden. In der Praxis hat sich die im Folgenden angeruhrte Gliederung als Schema rur die Hauptgegenstände der Berichterstattung im Anhang herausgebildet: • Allgemeine Angaben zum Jahresabschluss. • Angaben zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. • Angaben zu Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. • Sonstige Angaben und Erläuterungen. Innerhalb der Angaben zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung orien tieren sich die Anhangangaben weitgehend an der Reihenfolge der einzelnen Pos ten des Jahresabschlusses . In der Praxis werden die Angaben im Anhang durch die Zuordnung von Nummern mit den entsprechenden Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung verbunden. 372 Neunter Teil: Anhangangaben Für den Anhang gilt das Gebot der Darstellungsstetigkeit. Nach § 265 Abs. I Satz 1 HGB ist die Form der Darstellung beizubehalten, sofern nicht wegen be sonderer Umstände Abweichungen erforderlich sind. Die Darstellungsstetigkeit im Anhang dient gleichzeitig dem Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit. Ohne Grund vorgenommene Änderungen der Darstellungsform, die die Klarheit und Übersichtlichkeit des Anhangs beeinträchtigen können, sind unzulässig. Die Darstellung von Angaben im Anhang darf nicht durch Verweis auf einen vorhergehenden Jahresabschluss erfolgen. Es besteht eine Verpflichtung zu je weils jährlichen Angaben, auch wenn sie Sachverhalte betreffen, die bereits in den vorhergehenden Jahresabschluss eingegangen sind. Dagegen ist es zulässig, den Angaben Vergleichszahlen des V orj ahres gegenüberzustellen. Nach § 244 HGB sind die Angaben im Anhang in deutscher Sprache zu ma chen. Ergänzend können freiwillige Übersetzungen neben der deutschen Sprache in eine andere Sprache vorgenommen werden. Beträge sind in Euro anzugeben. 2. Anforderungen an die Berichterstattung des Anhangs Als Bestandteil des Jahresabschlusses hat der Anhang dazu beizutragen, dass der Jahresabschluss entsprechend § 264 Abs. 2 Satz I HGB unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchfiihrung und Bilanzierung ein den tatsächli chen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragsla ge des Unternehmens vermittelt. Die im Anhang geforderten Angaben, Begrün dungen, Darstellungen, Hinweise und Erläuterungen sind fiir die Erfiillung der Informationsfunktion des Jahresabschlusses von wesentlicher Bedeutung. Dabei sind die zentralen Grundsätze ordnungsmäßiger Rechnungslegung, die Grundsätze der Wahrheit (Richtigkeit und Plausibilität), der Vollständigkeit und der Wesentlichkeit zu beachten. Nach dem Grundsatz der Wahrheit ist zwischen Richtigkeit und Plausibilität der Angaben unterscheiden. Die Richtigkeit von Aussagen betrifft vergangen heitsbezogene Angaben als Verlaufsangaben bzw. als Zustandsangaben, die von Dritten auf ihren Aussagegehalt hin überprüfbar sind. Dies gilt fiir Verlaufs- und Zustandsangaben in Zahlenform, nicht jedoch fiir vergangenheitsbezogene Beur teilungsaussagen, in denen die Geschäftsleitung eines Unternehmens dessen wirt schaftliche Situation würdigt und die zukünftige Entwicklung einschätzt. Derar tige Aussagen sind in der Regel nicht auf Richtigkeit, sondern lediglich aufPlau sibilität hin überprüfbar. Nach dem Grundsatz der Wahrheit müssen die Beurtei lungsaussagen einsichtig und widerspruchsfrei sein. Nach dem Grundsatz der Vollständigkeit sind im Anhang alle Pflichtangaben zu machen. Bei Vorliegen von Sachverhalten mit Wahlpflichtangaben verlangt der Grundsatz der Vollständigkeit, dass diese in der Bilanz bzw. der Gewinn und Verlustrechnung oder im Anhang gemacht werden. Der Grundsatz verlangt Angaben zu positiven und zu negativen Sachverhalten, Vorgängen und Entwick lungen. Zentrale Problem ist die Nichtangabe wesentlicher informationsrelevan- A. Grundlagen und Struktur des Anhangs 373 ter Angaben ist. So ist die Angabe "Die Produktion wurde um 1 0 % gegenüber dem vorhergehenden Geschäftsjahr gesteigert" nicht informationsrelevant, wenn die Produktionssteigerung weitgehend auf das Lager erfolgt ist, und der beste hende, erhöhte Lagerbestand nur mit Verlust veräußert werden kann. Nach dem Grundsatz der Wesentlichkeit sind Anhangangaben dann zu ma chen, wenn ohne die Berichterstattung ein Bild der Vermögens-, Finanz- und Er tragslage des Unternehmens vermittelt wird, das nicht den tatsächlichen Verhält nissen des berichtspflichtigen Unternehmens entspricht. Der Grundsatz wird ver letzt, wenn neben den informationsrelevanten Angaben eine Vielzahl von nicht relevanten Angaben in den Anhang aufgenommen und so der Blick auf die we sentlichen Daten verdeckt wird. 3. Freiwillige Zusatzangaben im Anhang Die in § § 284, 285 HGB für Kapitalgesellschaften und besondere Personenhan delsgesellschaften nach § 264a HGB vorgeschriebenen Pflichtangaben, die in der Bilanz bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang zu machenden Wahlpflichtangaben sowie die rechtsform- und geschäftszweigbezogenen Pflichtangaben im Anhang sind nach h.M. als gesetzlich vorgegebene Mindest angaben zu verstehen. Darüber hinaus sollen gesetzlich nicht geregelte, freiwilli ge Zusatzangaben im Anhang zulässig sein. Die freiwilligen Zusatzangaben können verschiedener Art sein. Es können Anga ben, Darstellungen, Aufgliederungen, Hinweise, Vermerke, Erläuterungen oder Begründungen sein, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind und deren Angabe auch nicht aus dem Grundsatz des True and Fair View abgeleitet werden kann. Freiwillige Zusatzangaben sind danach zu unterscheiden, ob sie mit Aufnahme in den Anhang zu einem Teil der Aussagen des Jahresabschlusses werden oder ob sie außerhalb des Jahresabschlusses Berichterstattungsgegenstand in dem gesetz lich nicht vorgeschrieben Geschäftsbericht eines Unternehmens sind. Sind die freiwilligen Zusatzangaben Teil des Anhangs, gelten alle auf gesetzli che Pflicht- und Wahlpflichtangaben anzuwendende Berichterstattungsgrundsät ze. Unzulässig sind einseitig ausgewählte Angaben, wenn sie den Grundsatz des § 264 Abs. 2 Satz 1 HGB über die Verpflichtung zur Vermittlung eines den tat sächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage des Unternehmens verletzen. Für freiwillige Zusatzangaben außerhalb des Jahresabschlusses im Geschäfts bericht gelten weder die angeführten Berichterstattungsgrundsätze noch die Grundsätze der Vollständigkeit, Klarheit und Übersichtlichkeit. Streng genom men handelt es sich nicht um Zusatzangaben zum Anhang, sondern um eine wer bende Darstellung des Unternehmens, in der u.a. dessen Dynamik hervorgehoben wird. Weitere positive Darstellungen umfassen den Zugang zu neuen Märkten, die besonderen Leistungen in Forschung und Entwicklung, die neuen Produkte, 374 Neunter Teil: Anhangangaben die Verbesserungen im Fertigungsbereich, die vielfältigen Leistungen gegenüber den Beschäftigten und die Investitionen zur Erhaltung der Umwelt. Sind freiwillige Zusatzangaben außerhalb des Jahresabschlusses, muss auch die Berichterstattung außerhalb des Abschlusses sein. Die ideale Lösung besteht in der Trennung von den gesetzlich vorgeschriebenen Anhangangaben. IV. Unterlassen von Angaben im Anhang 1 . Verbot von Anhangangaben im Staatsinteresse Nach § 286 Abs. 1 HGB hat die Berichterstattung insoweit zu unterbleiben, als es fur das Wohl der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder erforder lich ist. Obwohl im Gesetzeswortlaut nicht direkt angesprochen gilt das Verbot lediglich fur Angaben im Anhang. Andere Bereiche des Jahresabschlusses, wie die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung, werden von der Regelung nicht berührt. Bei der AG hat nach § 1 60 Abs. 2 AktG die Berichterstattung zu den besonderen Anhangangaben in § 1 60 Abs. 1 AktG insoweit zu unterbleiben, als es fiir das Wohl der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder erforderlich ist. Wann die Schutzklausel im Einzelfall anzuwenden ist, sagt das Gesetz nicht. Maßgeblich ist das pflichtgemäße Ermessen des Vorstands bzw. der Geschäfts fuhrung. Mögliche Fälle des Verbots der Berichterstattung im Anhang sind Forschungsaufträge, Entwicklungsaufträge oder Aufträge, die den Schutz des Landes und seiner Bewohner betreffen. Nach § 286 Abs . 2 HGB ist ein Unternehmen von der Verpflichtung zur Auf gliederung der Umsatzerlöse befreit, soweit die Aufgliederung nach vernünfti ger kaufmännischer Beurteilung geeignet ist, der Kapitalgesellschaft bzw. der bestimmten OHG und KG nach § 264a HGB oder einem Unternehmen, an dem eine von diesen mindestens 20 % der Anteile besitzt, einen erheblichen Nachteil zuzufugen. Der Begriff "erheblicher Nachteil" ist im Gesetz nicht definiert. Es handelt sich um eine Verschlechterung der ökonomischen Situation des Unter nehmens, die sich im Ergebnis, in der Performance oder im Nettovermögen und damit in dem Wert der Anteile, z.B . in dem Aktienkurs der AG, negativ auswirkt. Nach § 286 Abs. 3 Satz 1 HGB können die in § 285 Satz 1 Nr. 1 1 und l l a HGB vorgeschriebenen Angaben zum Anteilsbesitz unterbleiben, soweit sie : • fiir die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Kapitalge sellschaft bzw. der OHG oder KG nach § 264a HGB entsprechend § 264 Abs. 2 HGB von untergeordneter Bedeutung sind oder • nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung geeignet sind, der Kapitalge sellschaft bzw. der OHG oder KG nach § 264a HGB oder dem anderen Un ternehmen einen erheblichen Nachteil zuzufiigen. Die Anwendung der letzt- A. Grundlagen und Struktur des Anhangs 375 genannten Befreiungsregelung ist nach § 286 Abs . 3 Satz 4 HGB im Anhang anzugeben. Nach § 286 Abs. 3 Satz 2 HGB kann die Angabe des Eigenkapitals und des Jahresergebnisses unterbleiben, wenn das Unternehmen, über das nach § 285 Satz 1 Nr. 1 1 und Nr. l l a HGB zu berichten ist, seinen Jahresabschluss nicht offenlegen muss, und die berichtende Kapitalgesellschaft bzw. bestimmte ÜHG oder KG nach § 264a HGB weniger als 50 % der Anteile an dem Beteiligungsun ternehmens besitzt. Die Schutzklausel soll verhindern, dass das Eigenkapital und das Jahresergebnis eines Beteiligungsunternehmens, das selbst nicht verpflichtet ist, seine Daten offen zu legen, durch ein beteiligtes Unternehmen über die Betei ligung zur Offenlegung des Eigenkapitals und des Jahresergebnisses hierzu ver pflichtet wird. Die Schutzklausel des § 286 Abs. 3 Satz 2 HGB bezüglich der Angabe des Ei genkapitals und des Jahresergebnisses eines Beteiligungsunternehmens kann richtigerweise nicht gelten, wenn das Beteiligungsunternehmen selbst zur Offen legung seines Jahresabschlusses verpflichtet ist. Entsprechend ist nach § 286 Abs. 3 Satz 3 HGB Satz 1 Nr. 2 nicht anzuwenden, wenn die Kapitalgesellschaft oder eines ihrer Tochterunternehmen (§ 290 Abs, 1 und 2 HGB) am Abschluss stichtag kapitalmarktorientiert im Sinn des § 264d HGB ist. 2. Verbot von Anhangangaben im Interesse der Organmitglieder Die Schutzklausel im Organmitgliederinteresse des § 286 Abs. 4 HGB wurde durch das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz vom 3 .8 .2005 neu gefasst. Gleichzeitig ist dem § 286 HGB ein neuer Absatz 5 angefiigt worden. Nach § 286 Abs. 4 HGB können bei Unternehmen, die keine börsennotierten Ak tiengesellschaften sind, die in § 285 Satz 1 Nr. 9a und b HGB verlangten Anga ben über die Gesamtbezüge der dort bezeichneten Personen unterbleiben, wenn sich anhand dieser Angaben die Bezüge eines Mitglieds dieser Organe feststellen lassen. Unter die Befreiungsregelung fallen nach § 285 Satz 1 Nr. 9 HGB die Mitglieder des Geschäftsfiihrungsorgans, eines Aufsichtsrats, eines Beirats oder einer ähnlichen Einrichtung sowie die früheren Mitglieder der angefiihrten Orga ne und ihre Hinterbliebenen. Die nicht angabepflichtigen Gesamtbezüge betreffen Gehälter, Gewinnbeteili gungen, Bezugsrechte und sonstige Vergütungen, Aufwandsentschädigungen, Versicherungsentgelte, Provisionen und Nebenleistungen jeder Art. Bedeutung hat die Schutzklausel des § 286 Abs. 4 HGB vor allem fiir Organe mit nur einem Mitglied, wie dem alleinigen Geschäftsfiihrer einer GmbH, aber auch fiir Organe mit mehreren Mitgliedern mit etwa gleich hohen Gesamtbezü gen. Nach § 286 Abs. 5 HGB unterbleiben die in § 285 Satz 1 Nr. 9 Buchstabe a) Satz 5 bis 8 HGB (geändert, zuvor 5 bis 9) verlangten Angaben, wenn die Hauptver- 376 Neunter Teil: Anhangangaben sammlung beschlossen hat, die Angaben nicht offen zu legen. Der Beschluss kann höchstens rur runf Jahre gefasst werden. Er bedarf einer Mehrheit von min destens drei Viertel des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals. Für einen Aktionär, dessen Bezüge als · Vorstandsmitglied von der Beschlussfassung der Hauptversammlung betroffen sind, besteht nach § 1 36 Abs . 1 AktG ein Ver bot der Stimmrechtsausübung. 3. E rleichterungen der Berichterstattung durch Verzicht auf Angaben § 288 HGB gewährt kleinen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften die im Fol genden angeruhrten Erleichterungen bezüglich der Berichterstattung im Anhang. Kleine Kapitalgesellschaften im Sinn des § 267 Abs . 1 HGB brauchen eine Reihe sonstiger Pflichtangaben nach § 285 HGB nicht zu machen . Sie betref fen die unterschiedlichen Sachverhalte der Verpflichtungen nach: • § 284 Abs. 2 Nr. 4 HGB Wertänderungen bei Anwendung der Bewertungs methode nach § 240 Abs . 4, § 256 Abs. 1 HGB; • § 285 Satz 1 Nr. 2 bis Nr. 8 a) HGB Angabe des Materialaufwands bei An wendung der Umsatzkostenmethode; • § 285 Satz 1 Nr. 9 Buchst. a und b HGB Angaben der Gesamtbezüge der Mitglieder des Geschäftsruhrungsorgans, eines Aufsichtsrats, eines Beirats oder einer ähnlichen Einrichtung; • § 285 Satz 1 Nr. 1 2 HGB gesonderter Ausweis und Erläuterung sonstiger Rückstellungen bei nicht unwesentlichem Umfang; • § 285 Satz 1 Nr. 1 7 HGB Angabe des Honorars des Abschlussprüfers; und • § 285 Satz 1 Nr. 1 8 HGB Angabe jeder Kategorie derivativer Finanzinstru mente. Mittelgroße Kapitalgesellschaften im Sinn des § 267 Abs. 2 HGB brauchen die Angaben nach § 285 Satz 1 Nr. 4 HGB nicht zu machen. Nach der Vorschrift müssen große Kapitalgesellschaften die Umsatzerlöse nach Tätigkeitsbereichen und nach geographisch bestimmten Märkten offenlegen, soweit sich, unter Be rücksichtigung der Organisation des Verkaufs von typischen Erzeugnissen und typischen Dienstleistungen, die Tätigkeitsbereiche und geographisch bestimmten Märkte untereinander erheblich unterscheiden.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.