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C. Umsatzkostenverfahren in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 397 - 404

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_397

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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c. Umsatzkostenverfahren Die folgende Darstellung ist auf die Posten der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren, die sich inhaltlich von den Posten des Ge samtkostenverfahrens unterscheiden, beschränkt. Dies gilt rur die Posten des § 275 Abs . 3 Nr. 2 bis 7 HGB. Bezüglich des Posten "Umsatzerlöse" des § 275 Abs. 3 Nr. 1 HGB sowie der Posten der §§ 275 Abs . 3 Nr. 8 bis 1 9 HGB wird auf die Behandlung der entspre chenden Posten nach dem Gesamtkostenverfahren verwiesen. Sie sind in der Be zeichnung und im Inhalt weitgehend mit den Posten des Gesamtkostenverfahrens nach §§ 275 Abs. 2 Nr. 9 bis 20 HGB identisch. Abweichungen zwischen Gesamt- und Umsatzkostenverfahren können bei dem Posten "Abschreibungen auf F inanzanlagen und auf Wertpapiere des Um laufVermögens" nach § 275 Abs. 3 Nr. 1 1 HGB entstehen, da nach dem Umsatz kostenverfahren unter dem Posten auch Abschreibungen auszuweisen sind, die die üblichen Abschreibungen überschreiten. Zudem können sich Abweichungen bei dem Posten "Zinsen und ähnliche Aufvvendungen" nach § 275 Abs. 3 Nr. 12 HGB und dem Posten "sonstige Steuern" nach § 275 Abs. 3 Nr. 18 HGB gegen über dem Gesamtkostenverfahren ergeben. I. Verfahrensspezielle Posten des Umsatzkostenverfahrens 1 . Herstellungskosten d e r z u r E rzielung d e r Umsatzerlöse erbrach ten Leistungen Dem Posten "Umsatzerlöse" wird im Umsatzkostenverfahren zunächst der Pos ten "Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistun gen" gegenübergestellt. Die Zuordnung von Aufvvendungen zu den Herstellungs kosten bestimmt sich nach der Begriffsfassung des § 255 Abs . 2 Satz 1 HGB. Es sind diejenigen Aufvvendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten rur die Herstellung, Erweiterung oder wesentli che Verbesserung eines Vermögensgegenstandes entstehen. Der Herstellungskostenbegriff nach § 275 Abs. 3 Nr. 2 HGB ist entsprechend der AufgabensteIlung der Gewinn- und Verlustrechnung alle Aufvvendungen nachzuweisen umfassender, unter bestimmten Voraussetzungen jedoch auch we niger umfassend als der Herstellungskostenbegriff nach § 255 Abs. 2 HGB. Insgesamt ist die Umschreibung des Postens "Herstellungskosten der zur Erzie lung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen" des § 275 Abs. 3 Nr. 2 HGB eher missglückt und daher unterschiedlich interpretierbar. In Art. 25 und 39 der amtli- 362 A chter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung chen (englischen) Fassung der Bilanzrichtlinie werden die beiden Herstellungs kostenbegriffe für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung exakter um schrieben: • Herstellungskosten in der Bilanz sind nach Art. 39 "production cost". Maß geblich für die Definition der Herstellungskosten in der Bilanz ist das Kos tenverursachungsprinzip; danach sind diejenigen Kosten anzusetzen, die die Herstellung eines Vermögens gegenstandes verursacht hat. • Herstellungskosten in der Gewinn- und Verlustrechnung sind nach Art 25 "cost of sales". Maßgeblich für die Definition der Herstellungskosten ist eine Art Kostenzuordnungs- oder Kostentragfähigkeitsprinzip. Danach sind den Umsatzerlösen eines Geschäftsj ahres alle Kosten des Herstellungsbe reichs zuzuordnen, die nicht als unfertige oder fertige Erzeugnisse aktiviert werden, sondern von den veräußerten Produkten zu tragen sind. Es sind nicht nur die Definitionen der Herstellungskosten für die B ilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung zu unterscheiden. Nach h.M. kann sich auch der in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung anzusetzende Umfang der Herstellungskosten unterscheiden: • In der Bilanz kann das Wahlrecht des § 255 Abs. 2 Satz 3 HGB in Anspruch genommen werden. Damit können in einem Fall die aktivierten unfertigen oder fertigen Erzeugnisse nach dem Teilkostenprinzip ohne fixe Gemein kosten bewertet werden, die abgesetzten Erzeugnisse dagegen mit den vollen Herstellungskosten. Im anderen Fal l werden die Bestände nach dem Vollkos tenprinzip bewertet. • Für die Gewinn- und Verlustrechnung gilt das Vollkostenprinzip, wobei auch nicht angemessene Kosten, d.h. Leerkosten, soweit sie auf den Herstel lungsbereich entfallen, in die Herstellungskosten nach § 275 Abs. 3 Nr. 2 HGB einzubeziehen sind. Bezüglich der Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen lassen sich die folgenden Fälle unterscheiden. Ein Erzeugnis ist: • im abgelaufenen Geschäftsjahr hergestellt und veräußert worden; • in einem vorhergehenden Geschäftsjahr hergestellt und im laufenden Ge schäftsjahr veräußert worden; • im laufenden Geschäftsjahr hergestellt, aber zum B ilanzstichtag noch nicht veräußert worden. Ein Erzeugnis, das im abgelaufenen Geschäftsjahr hergestellt und veräußert wurde, geht mit vollen Herstellungskosten in den Posten nach § 275 Abs. 3 Nr. 2 HGB ein. Die Aufuahme ist unabhängig davon, ob das Erzeugnis bei Nichtver äußerung mit den vollen Herstellungskosten oder mit Teilherstellungskosten in der B ilanz angesetzt worden wäre. In die vollen Herstellungskosten sind auch diejenigen Aufwendungen einzubeziehen, die bei Aktivierung des Erzeugnisses nicht ansetzbar wären. C. UmsatzkostenverJahren 363 Ein Erzeugnis, das in einem vorhergehenden Geschäftsjahr hergestellt und im abgelaufenen Geschäftsjahr veräußert wurde, ist in dem Posten nach § 275 Abs . 3 Nr. 2 HOB mit den Herstellungskosten zu bewerten, mit denen das Er zeugnis in der letzten Bilanz angesetzt war. Diesen Aufwendungen sind die bis zur Veräußerung noch anfallenden Herstellungskosten des Erzeugnisses zuzu rechnen. Ein Erzeugnis, das im abgelaufenen Geschäftsjahr hergestellt, aber nicht ver äußert wurde, ist mit seinen Herstellungskosten anzusetzen: • Erfolgt die Aktivierung zu Vollkosten, besteht nach Auffassung im Schrift tum insoweit kein Problem, als die vollen Herstellungskosten in der Bilanz angesetzt werden. Dies ist allerdings immer dann unzutreffend, wenn bei der Herstellung nicht angemessene Kosten angefallen sind. In diesen Fällen sind auch bei Vollkostenaktivierung die nicht aktivierungsfahigen Herstellungs kosten in der Oewinn- und Verlustrechnung anzusetzen. • Erfolgt die Aktivierung zu Teilkosten, sind in jedem Fall Teile der Herstel lungskosten in die Oewinn- und Verlustrechnung aufzunehmen. Strittig ist, ob der Ausweis dieser Teile in dem Posten "Herstellungskosten der zur Er zielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen" des § 275 Abs. 3 Nr. 2 HOB oder in dem Posten "sonstige betriebliche Aufwendungen" des § 275 Abs. 3 Nr. 7 HOB zu erfolgen hat. Für ersteres sprechen die IFRS, für letzte res die (nationale) amtliche Begründung zum Bilanzrichtliniengesetz. Die in der Oewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren aus zuweisenden Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen sind von den allgemeinen Verwaltungskosten und den sonstigen be trieblichen Aufwendungen der §§ 275 Abs . 3 Nr. 5 und 7 HOB abzugrenzen. In die Herstellungskosten von aktivierten Erzeugnissen nach § 255 Abs. 2 Satz 3 HOB dürfen auch allgemeine Verwaltungskosten einbezogen werden. Soweit die unter Einbeziehung von allgemeinen Verwaltungskosten aktivierten Erzeug nisse in der Folgeperiode veräußert werden, stellt sich die Frage, ob die in den aktivierten Beträgen enthaltenen allgemeinen Verwaltungskosten unter den Her stellungskosten nach § 275 Abs. 3 Nr. 2 HOB auszuweisen sind oder ob eine Umgliederung in den Posten "allgemeine Verwaltungskosten" nach § 275 Abs. 3 Nr. 5 HOB erforderlich ist. Auch im BilMoO bleibt das Problem ungelöst. Die überwiegende Auffassung im Schrifttum gewährt ein Wahlrecht. Die in die Herstellungskosten nach § 275 Abs. 3 Nr. 2 HOB einzubeziehenden Aufwandsarten können strittig sein. Dies gilt z.B. für die Aufwandsarten ,,Ab schreibungen, Zinsen und Kostensteuem". • Abschreibungen sind nach h.M. unabhängig davon, ob sie das Anlage- oder das Umlaufvermögen betreffen, in den Posten "Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen" einzubeziehen, sofern die Abschreibungen den Fertigungsbereich (Abschreibungen von technischen Anlagen und Maschinen) oder den Materialbereich betreffen. Zu den anzu setzenden Abschreibungen gehört nach § 255 Abs . 2 Satz 2 HOB der Werte- 364 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung verzehr der Vermögensgegenstände des Anlagevermögens nach § 253 Abs. 3 HGB in der planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibung. • Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Er zeugnisses verwendet wird, dürfen angesetzt werden, soweit sie auf den Zeit raum der Herstellung entfallen. Nach § 255 Abs. 3 Satz 2 zweiter Halbsatz HGB gelten die Zinsen für Fremdkapital in diesem Fall als Herstellungskos ten des Erzeugnisses. Erfolgt die Einbeziehung, stellt sich die Frage, ob sie unter dem Posten "Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen" oder unter dem Posten "Zinsen und ähnliche Auf wendungen" nach § 275 Abs. 3 Nr. 1 2 HGB auszuweisen sind. Das BilMoG geht auf die Bewertung, nicht jedoch explizit auf das nach h.M. bestehende Ausweiswahlrecht nicht ein. • Kostensteuern sind bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens nach § 275 Abs . 3 Nr. 1 8 HGB unter dem Posten "sonstige Steuern" auszuweisen. Dabei stellt sich ein Problem insoweit, als bei dem Umsatzkostenverfahren Kosten steuern des Fertigungsbereiches zu den Herstellungskosten gehören. Daraus wird im Schrifttum ein Ausweiswahlrecht abgeleitet, nach dem Kostensteu ern des Fertigungsbereichs, z.B . Kraftfahrzeugsteuer bei der Benutzung von Transportiergeräten, unter den Herstellungskosten nach § 275 Abs . 3 Nr. 2 HGB oder unter den sonstigen Steuern nach § 275 Abs. 3 Nr. 1 8 HGB aus zuweisen sind. Die im Schrifttum vorgelegten Lösungen für die offenen Probleme der Behand lung der Aufwandsarten "Abschreibungen, Zinsen, Kostensteuern" bei Anwen dung des Umsatzkostenverfahrens werden allesamt mit der Gewährung von An satzrechten gelöst. Dieses Vorgehen, das in gleicher Weise das BilMoG für Fremdkapitalzinsen vorgibt, widerspricht den Grundsätzen der Objektivierung der externen Rechnungslegung sowie der Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse und ist deshalb abzulehnen. 2. Bruttoergebnis vom Umsatz Der Posten "Bruttoergebnis vom Umsatz" des § 275 Abs. 3 Nr. 3 HGB stellt eine Zwischensumme als Saldo zwischen den Posten § 275 Abs . 3 Nr. 1 und Nr. 2 HGB dar. Bei Geschäftsjahren mit positiven Ergebnissen handelt es sich dabei i .d.R. entsprechend um einen positiven Saldo. Bei Geschäftsj ahren mit negativen Ergebnissen handelt es s ich dabei i .d.R. entsprechend um einen negativen Saldo. Das negative Bruttoergebnis vom Umsatz ist zu kennzeichnen. Es verdeutlicht, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, mit den erzielten Umsatzerlösen die Herstellungskosten zu decken. Die Bedeutung des Ausweises des Bruttoergebnisses vom Umsatz in der Ge winn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren kann darin gese hen werden, dass für interne und externe Vergleichsrechnungen eine Maßgröße zur Bestimmung der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit des Fertigungsverfahrens eines Unternehmens festgelegt wird. Allerdings ist die Messgröße, deren Ermitt- C. UmsatzkostenverJahren 365 lung durch die Einbeziehung mehreren Faktoren bestimmt, zu verzerrten Ergeb nissen fUhren. Hierzu rechnen u.a. : • Die Verwendung von AufWandsarten, die anderen Posten der Gewinn- und Verlustrechnung zuzurechnen sind, z.B . allgemeine Verwaltungskosten, Fremdkapitalzinsen und Kostensteuern. • Die Ermittlung der Herstellungskosten des Unternehmens von Erzeugnissen, die nicht in der ungünstigen laufenden Fertigungsphase sondern in der Vor periode mit günstigen Fertigungsphasen hergestellt wurden. 3. Vertriebskosten Unter dem Posten "Vertriebskosten" sind die im abgelaufenen Geschäftsjahr ent standenen Kosten des Vertriebsbereichs eines Unternehmens auszuweisen. Der Ausweis ist unabhängig davon, ob die Kosten den Umsatzerlösen direkt zure chenbar sind als Sondereinzelkosten des Vertriebs, z.B . von dem liefernden (bi lanzierenden) Unternehmen übernommene Kosten der Verpackung, der Versi cherung und des Versandes oder als variable Vertriebsgemeinkosten, z.B. um satzabhängige Vertreterprovision oder als fixe Vertriebs gemeinkosten, z.B . Kos ten der Verkaufsräume. Zu den Vertriebskosten rechnen die AufWendungen im Sinn von Materialkosten, Personalkosten, Abschreibungen und sonstigen AufWendungen der Verkaufs und Marketingabteilung des Unternehmens. Vertriebseinzelkosten, die den Erzeugnissen direkt zuzurechnen sind, betreffen vor allem Verpackungs- und Transportkosten sowie Provisionen. Im Einzelnen beinhalten die Vertriebseinzelkosten die folgenden Kostenarten: • Kosten für Verpackungsmaterial betreffen Materialien für die hergestellten Produkte, z.B . Versandkisten oder Packpapier. Das Verpackungsmaterial dient der äußeren Verpackung der Produkte. Im Gegensatz hierzu stellen alle Arten von Behältern, z.B . Dosen, Flaschen, Kartons, Folien, in denen die Produkte am Markt gehandelt werden, als innere Verpackung kein Verpa ckungsmaterial, sondern MaterialaufWand der entsprechenden Produkte dar. • Kosten fUr Fracht, Porto und Frachtversicherung sind nur dann als Son dereinzelkosten des Vertriebs behandelbar, wenn die entsprechende Ver triebsleistung von einem Dritten ausgeführt wird und die an den Dritten zu erbringende Leistung, Ld.R. als Zahlung, eindeutig abgrenzbar ist. Das Bil MoG sieht eine Aktivierung der Kosten nicht vor. • Kosten für Vertreterprovision betreffen die vertragsgemäß an externe Ver treter des Unternehmens gezahlten Beträge fUr Provisionen im Zusammen hang mit Vertragsabschlüssen bei der Veräußerung von Produkten. Die Ver treterprovision wird i .d.R. auf der Basis der Verkaufserlöse der Produkte er rechnet. Die Provision ist insoweit den verkauften Produkten zuzurechnen. Auch hierfür sieht das BilMoG eine Aktivierung der Kosten nicht vor. 366 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung Vertriebsgemeinkosten, die den einzelnen Erzeugnissen indirekt zuzurechnen sind, betreffen u.a. Personalkosten, Werbungskosten, Reisekosten, Kraftfahr zeugkosten und Abschreibungskosten für Vertriebsgebäude mit Einrichtungen sowie Fixkosten für Vertreterprovisionen. Für die angeführten Vertriebsgemein kosten sieht das BilMoG eine Aktivierung nicht vor. 4. Allgemeine VerwaItungskosten Unter dem Posten sind Verwaltungskosten auszuweisen, die nicht als spezielle Verwaltungskosten dem Material-, Fertigungs- oder Vertriebsbereich zuzuordnen sind. Allgemeine Verwaltungskosten i .d.S. sind zunächst Overhead-Kosten, d.h. die gesamten, i .d.R. fixen Gemeinkosten der Geschäftsführung (Vorstand bei der AG, Geschäftsführer bei der GmbH). Darüber hinaus rechnen Kosten des Rechnungswesens, der Informationsverarbeitung, der Finanzabteilung zu den allgemeinen Verwaltungskosten. Gemeinkosten sind auch Kosten der Sozialein richtungen, Werkswohnungen, Fortbildungseinrichtungen, Kosten des Aufsichts rats sowie Kosten der Abschlussprüfung. Schwierigkeiten der Abgrenzung der allgemeinen Verwaltungskosten zu den sonstigen betrieblichen Aufwendungen treten nicht auf. Es handelt sich um Pos ten, die unter dem Aspekt gesehen werden, dass den sonstigen betrieblichen Aufwendungen des Umsatzkostenverfahrens nach § 275 Abs. 3 Nr. 7 HGB die gleichen Aufwendungen zugerechnet werden sollen wie dem gleichen Posten des Gesamtkostenverfahrens nach § 275 Abs. 2 Nr. 8 HGB. 5. Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen Der Posten "sonstige betriebliche Erträge" nach § 275 Abs. 3 Nr. 6 HGB ent spricht inhaltlich weitgehend mit dem vergleichbaren Posten des § 275 Abs. 2 Nr. 4 HGB bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens. Der Posten "sonstige betriebliche Aufwendungen" nach § 275 Abs. 3 Nr. 7 HGB weicht von dem gleich lautenden Posten des Gesamtkostenverfahrens i .d.R. erheblich ab. Der ganz überwiegende Teil der nach § 275 Abs. 2 Nr. 8 HGB un ter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen auszuweisenden Sachverhalte ist den gesondert auszuweisenden Aufwandsposten der Herstellungskosten und der allgemeinen Verwaltungskosten zuzurechnen. Nach der amtlichen Begründung des BiRiLiG ist der Posten "sonstige betriebli che Aufwendungen" nur deshalb in das Gliederungsschema nach dem Umsatz kostenverfahren aufgenommen worden, um Unternehmen, die Vorräte und Ei genleistungen nicht mit Vollkosten aktivieren, einen gesonderten Ausweis der nicht aktivierten Aufwendungen zu ermöglichen. Die Begründung ist insoweit unzutreffend, als auch bei Vollkostenaktivierung nach § 255 Abs. 2 Satz 3 HGB Teile der Herstellungskosten im Sinn der nicht angemessenen Material- und Fertigungsgemeinkosten nicht aktiviert werden dür fen. Für die entsprechenden Aufwendungen stellt sich das gleiche Ansatzproblem C. UmsatzkostenverJahren 367 in der Gewinn- und Verlustrechnung wie bei der Teilkostenaktivierung. Die Möglichkeit des Ausweises der nicht aktivierten Teile der Herstellungskosten kann zu einer Aufblähung des Postens "sonstige betriebliche Aufwendungen" und damit zu einer Verzerrung des Bruttoergebnisses führen. Unter dem Posten "sonstige betriebliche Aufwendungen" nach § 275 Abs. 3 Nr. 7 HGB sind Aufwendungen für Nebenleistungen auszuweisen, deren Erlöse unter dem Posten "sonstige betriebliche Erträge" ausgewiesen werden. 11. Übrige Posten des Umsatzkostenverfahrens Die in diesem Abschnitt nicht angeführten Ertrags- und Aufwandsposten des Umsatzkostenverfahrens stimmen weitgehend mit den entsprechenden Ertrags und Aufwandsposten des Gesamtkostenverfahrens überein, so dass auf die obi gen Ausführungen zum Gesamtkostenverfahren verwiesen werden kann. Gegenüber dem Posten "Abschreibungen aufFinanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens" nach § 275 Abs. 3 Nr. 1 1 HGB können sich bezüglich des Inhalts des gleichnamigen Postens "Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens" nach § 275 Abs. 2 Nr. 1 2 HGB Unterschie de ergeben. Nach § 275 Abs. 3 Nr. 1 1 HGB sind unter dem Posten auch Abschreibungen auszuweisen, die die in dem Unternehmen üblichen Abschreibungen überschrei ten. Bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens ist demgegenüber zwischen der Zuordnung von Aufwendungen unter dem Posten nach § 275 Abs. 2 Nr. 7b HGB und dem Posten nach § 275 Abs. 2 Nr. 1 2 HGB zu unterscheiden. Beispiel 55: Anwendung Umatzkostenverfahren Es gelten für das Umsatzkostenverfahren die der in Beispiel 54 dargestellten Anwendung des Gesamtkostenverfahrens zugrunde gelegten Daten. Danach stellt die A GmbH im Geschäftsjahr 1 0 ausschließlich das Produkt X her, von dem 1 3 .000 Stück zum Preis von je 752 € veräußert wurden. Der Kostenrechnung des Jahres 1 0 sind für den Fertigungsbereich der A GmbH sind die fol genden Aufwendungen zu entnehmen: o Materialeinzelkosten 1 .080 Tsd. €; Fertigungslöhne 639 Tsd. €; o Materialgemeinkosten 379,5 Tsd. €, davon Löhne und Gehälter 1 1 9,5 Tsd. €, Abschrei bungen 1 26 Tsd. €, sonstige AufWendungen 1 34 Tsd. €; o Fertigungsgemeinkosten 2 .350 Tsd. €, davon Löhne und Gehälter 5 80 Tsd. €, Hilfs- und Betriebsstoffe 2 1 0 Tsd. €; Abschreibungen auf technische Anlagen, Maschinen und Ferti gungsgebäude 1 .560 Tsd. €, davon Anschreibungen auf nicht genutzte Maschinen 220 Tsd €; die Auslastung der technischen Anlagen und Maschinen war im Jahr 1 0 lediglich 65 %; die Normalauslastung ist 80 %. Im Verwaltungsbereich der A GmbH fielen im Jahr 10 die im Folgenden angeführten Auf wendungen an: 368 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung o Gehälter 780 Tsd. €, davon Gehälter für Personal im fertigungsbezogenen Bereich 300 Tsd. €, für Personal im finanzbezogenen Bereich 200 Tsd €; für Vorstandsbezüge 1 .000 €; Auf wendungen fur betriebliche Altersversorgung 280 Tsd. €; Aufsichtsratsvergütungen 1 20 Tsd. €. o Abschreibungen in Höhe von 8 1 0 Tsd. €. Die Aufwendungen des Vertriebsbereichs der A GmbH im Jahr 10 beinhalten: o Sondereinzelkosten des Vertriebs 1 .430 Tsd. €; davon Verpackungsmaterial 1 3 0 Tsd. €, Vertreterprovision 1 .300 Tsd. €, o Vertriebsgemeinkosten 1 .500 Tsd. €; davon Löhne und Gehälter 1 .200 Tsd. €, Abschrei bungen 300 Tsd. €. Weiterhin liegen für das Jahr 1 0 die A GmbH betreffend folgende Informationen vor: o Erträge aus Finanzanlagen sind 8 1 0 Tsd. €, davon 3 00 Tsd. € aus Beteiligungen; o Finanzanlagen mit dem Buchwert von 500 Tsd. € wurden flir 850 Tsd. € veräußert; o Erstmalige Abschreibungen der A GmbH auf Wertpapiere des Umlaufvermögens nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB in Höhe von 200 Tsd. €; o Dividenden wurden in Höhe von 1 20 Tsd. € vereinnahmt; o Zinsbelastung auf dem Kontokorrentkonto in Höhe von 740 Tsd. €; Zinsgutschrift auf dem Festgeldkonto in Höhe von 1 00 Tsd. €. 1 . E s ist die Gewinn- und Verlustrechnung der A GmbH fur das Jahr nach dem Umsatzkos tenverfahren aufzustellen und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nach § 275 Abs. 2 Nr. 1 4 HGB zu bestimmen. Dabei ist davon auszugehen, dass die Bewertung der Bestände in der Bilanz der A GmbH zum 3 1 . 1 2. 1 0 zur bilanziell zulässigen Wertober grenze vorgenommen werden soll. 2. Der Posten "Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit" ist in das Ergebnis des operati ven Bereichs und des Finanzbereichs aufzugliedern.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.