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D. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 232 - 235

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_232

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
D. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks Unter dem Posten "Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kredit instituten und Schecks" sind nach § 266 Abs. 2 B . IV. HGB die flüssigen Mittel eines Unternehmens in Form der erhaltenen und noch nicht weitergegebenen Kassenbeträge, des nicht weitergegebenen Bundesbankguthaben, der noch nicht weitergegebenen Guthaben bei Kreditinstituten in Form von Kontokorrentgutha ben. I. Nachweis und Ansatz von Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks (1) Zum des Nachweises des Bestandes an Schecks hat am Abschlussstichtag durch eine Inventuraufnahme zu erfolgen. Das Ergebnis der Inventur ist durch ein Aufnahmeprotokoll zu dokumentieren. Zeitdifferenzen zwischen Bankeinrei chen und Eingang der Schecks bei dem Kreditinstitut sind gesondert zu doku mentieren. Maßgebend rur den Nachweis des eingereichten, zum Bilanzstichtag noch nicht gutgeschriebenen Schecks ist die Prüfung des Kontokorrentkontos des Unternehmens zu Beginn des folgenden Geschäftsjahres. (2) Der Nachweis des Kassenbestandes erfolgt am Ende des Abschlussstichtags erfolgt durch ein Aufnahmeprotokoll. Hierbei wird der Nachweis durch Prüfung aller in dem Unternehmen vorhandenen Kassen geruhrt. Als Kontrolle ist festzu stellen, ob der Kassenbestand laut Kassenaufnahmeprotokoll mit dem Saldo des Kassenkontos übereinstimmt. Das Ergebnis der Kassenprüfung ist von dem Lei ter der Kassenverwaltung zu unterzeichnen. Der Nachweis des Kassenbestandes umfasst auch die Sortenbeständen in frem der Währung. Die Feststellung des Vorhandenseins wird ebenso durchgeruhrt wie die Kassenbestände. Der Nachweis richtet auf die Sortenbestände. Als Kon trolle der Sortenbestände ist festzustellen, ob der Sortenbestand laut Aufnahme protokoll mit dem Saldo des Sortenkontos der einzelnen Sortenbestände überein stimmt. Die Umrechnung der Sortenbestände in inländischer Währung ist nicht Gegenstand des Nachweises. (3) Der Nachweis des Bundesbankguthabens erfolgt, in gleicher Weise wie der Nachweis der Guthaben bei Kreditinstituten, über Kontoauszüge oder Salden bestätigungen. Die Nachweisprüfung muss sich auf die in dem Unternehmen und der Bundesbank auf aufgetretenen Abweichungen richten. Wie bei dem Einrei chen von Schecks bei Kreditinstituten ist bei Kontodifferenzen der Unterschied zwischen Bestand bei dem Unternehmen und des Bundesbank festzustellen und auf die Richtigkeit zu prüfen. D. Kassenbestand, Bankguthaben, Guthaben bei Kreditsinstituten und Schecks 1 95 Flüssige Mittel in Form von erhaltenen Schecks, von Kassenbeständen ein schließlich der Bestände in fremder Währung, von Guthaben bei der Bundesbank sowie Guthaben bei Kreditinstituten sind Vermögensgegenstände. Bei Vorliegen des wirtschaftlichen Eigentums an den flüssigen Mitteln besteht Ansatzpflicht. Nicht anzusetzen sind flüssige Mittel, an denen kein wirtschaftliches Eigentum besteht, z.B. rur Dritte verwahrtes Treuhandvermögen in Form einer der ange ruhrten Arten von flüssigen Mitteln. 11. Ausweis von Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks Die Zusammenfassung der flüssigen Mittel unter dem Posten des § 266 Abs. 2 B. IV. HGB soll nicht nur der Vereinfachung auf einen Posten dienen. Nach Auf fassung im Schrifttum soll sie vermeiden, dass die sonst auftretenden Abgren zungs- und Zuordnungsprobleme, z.B. in dem Fall, dass bei einem Kreditinstitut ein Scheck eingereicht ist, der zum Abschlussstichtag des Unternehmens noch nicht gutgeschrieben ist. Es könnte sich dabei die Frage stellen, ob der Vermö gensgegenstand unter einem Posten "Schecks" oder dem Posten "Guthaben bei Kreditinstituten" auszuweisen ist. Ähnliches gilt rur den Fall des Einwurfs einer Barge1dkassette bei einer Bank. Hier könnte sich die Frage stellen, ob der Ver mögensgegenstand unter dem Posten "Kassenbestand" oder dem Posten "Gutha ben bei Kreditinstituten" auszuweisen ist. Zum Kassenbestand rechnet das am Abschlussstichtag in den Kassen des Un ternehmens befindliche Bargeld einschließlich des Bargelds in fremder Währung (Sorten). Unter Kassenbestand sind auch nicht verbrauchte Bestände an Brief marken oder anderen Frankierungsgegenständen auszuweisen. Nicht zum Kas senbestand gehört Bargeld in Form von Geld in Edelmetall, z.B. in Goldmünzen. Zu den Guthaben bei Kreditinstituten rechnen Forderungen gegen ein inländi sches Kreditinstitut im Sinn des § 1 KWG oder gegen ein gleichartiges ausländi sches Kredit- oder Finanzinstitut. Der Ausweis unter dem Sammelposten ist un abhängig davon, ob es sich um Guthaben in inländischer oder ausländischer Währung handelt. Bei den Guthaben kann es sich um täglich fällige Gelder oder um Festgelder handeln. Zu den Guthaben bei Kreditinstituten rechnen alle Beträge, die gutge schrieben sind. Darüber hinaus zählen dazu Gutschriften, die von dem Kreditin stitut noch nicht vorgenommen wurden. Der Ausweis von Guthaben bei Bausparkassen ist strittig. Die vorgeschlagene Einordnung unter den Sammelposten der flüssigen Mittel ist irreführend, da wäh rend der Einzahlungszeit in aller Regel nicht über die Guthaben verfUgt werden kann. Andererseits handelt es sich bei den eingezahlten Beträgen um Guthaben bei Kreditinstituten, fUr die die Gliederungsvorschrift des § 266 HGB nur den Ausweis unter dem Sammelposten vorsieht. Man kann dazu die im Folgenden angefUhrten Fälle unterscheiden: 196 Dritter Teil: Bilanzierung der Gegenstände des Umlaufvermägens • Der Verfügbarkeit über ein Guthaben bei einer Bausparkasse auf grund der erbrachten Einzahlungen und des Erreichens des notwendigen Zeitrah mens. In diesem Fall ist das Guthaben zwingend unter dem Sammelposten auszuweisen. • Der Nichtverfügbarkeit über ein Guthaben bei einer Bausparkasse wegen der nicht in ausreichendem Umfang erbrachten Einzahlungen und des nicht erfüllten vorgegebenen Zeitrahmens. In diesem Fall wird gleichfalls für den Ausweis unter dem Sammelposten plädiert, allerdings mit Angabe der vor aussichtlichen Verfügbarkeit des Guthabens. Zu den unter dem Posten "Kassenbestand, Bankguthaben, Guthaben bei Kredit instituten und Schecks" auszuweisenden Schecks gehören alle Arten von Inha ber- und Orderschecks, Bar- und Verrechnungsschecks. Nicht unter den flüssigen Mitteln auszuweisen sind nach richtiger Auffassung im Schrifttum die an den Aussteller bzw. Einreicher zurückgesandten oder von der bezogenen Bank mit Protestvermerk zurückgegebenen Schecks. Für Guthaben bei Kreditinstituten, die verbundene Unternehmen sind oder mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, gilt nach § 265 Abs. 3 HGB die Verpflichtung der Angabe der Mitzugehörigkeit. Als zulässig wird angesehen: • Der Ausweise der Guthaben unter dem Sammelposten mit Angabe der Mit zugehörigkeit zu dem Posten ,,Forderungen gegen verbundene Unterneh men" bzw. " Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungs verhältnis besteht". • Der Ausweis der Guthaben unter dem Posten "Forderungen gegen verbunde ne Unternehmen" bzw. "Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht" mit Angabe der Mitzugehörigkeit zu dem Sammelposten. Nicht einheitlich ist der Ausweis gültiger Edelmetallmünzen. Nach Auffassung im Schrifttum gehören gültige Edelmetallmünzen grundsätzlich zum Kassenbe stand. Dies gilt nicht, wenn der Edelmetallwert der Münzen erheblich von deren Nominalwert abweicht, z.B . bei Goldmünzen. Von dem Grundsatz gibt es Ab weichungen. Für Unternehmen, die Edelmetallmünzen herstellen oder damit handeln, sind Edelmetallmünzen unter dem Posten "Waren", bei anderen Unter nehmen unter dem Posten "sonstige Vermögensgegenstände" auszuweisen. Nicht unter dem Posten "Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks" auszuweisen sind Schecks, die an den Aussteller oder Einreicher ohne oder mit Protestvermerk zurückgingen und Guthaben bei Kreditinstituten, über die aufgrund einer Sperrung nicht frei verfügt werden kann. 111. Bewertung von Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten u nd Schecks Die Zugangsbewertung (Anschaffungskosten) und die Folgebewertung der ein zelnen flüssigen Mittel richten sich nach der Art der Vermögensgegenstände. D. Kassenbestand, Bankguthaben, Guthaben bei Kreditsinstituten und Schecks 1 97 Der Kassenbestand in inländischer Währung ist mit dem Nennbetrag zu bewer ten. Für Sortenbestände in ausländischer Währung gelten die allgemeinen Regeln über die Bestimmung der Anschaffungskosten und des niedrigeren beizulegen den Zeitwertes nach § 253 Abs. 4 Satz 1 und 2 HGB. Nach Auffassung im Schrifttum können, ohne dass dies begründet wird, entge gen dem Gesetzeswortlaut, auf Sortenbestände die Verbrauchsfolgeverfahren des § 256 HGB angewandt werden. Die Bewertung ist unzulässig. Für die Bewertung von Schecks gelten die Bewertungsgrundsätze fur Forderun gen. Bei Schecks in Fremdwährung bestimmen sich die Anschaffungskosten ent sprechend dem mit dem BilMoG neu eingefiigten § 256a HGB, nach dem Devi senkassamittelkurs der ausländischen Währung. Für die B ilanzbewertung von Schecks in fremder Währung gelten die Grundsätze des § 256a HGB fiir die Be wertung von Forderungen in fremder Währung. Guthaben bei der Bundesbank sind mit dem Nennbetrag zu bewerten. Guthaben bei Kreditinstituten in inländischer Währung sind im Normalfall, d.h. sofern keine Risiken bei dem Kreditinstitut bestehen, gleichfalls mit dem Nennbetrag zu bewerten. Guthaben bei Kreditinstituten in fremder Währung sind gleichfalls mit dem Devisenkassamittelkurs zum Abschlussstichtag in inländische Währung um zurechnen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.