1 Einleitung in:

Ronald Gleich

Performance Measurement, page 21 - 24

Konzepte, Fallstudien und Grundschema für die Praxis

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3758-4, ISBN online: 978-3-8006-3915-1, https://doi.org/10.15358/9783800639151_21

Series: Controlling Competence

Bibliographic information
1 Einleitung Das objektiv nachvollziehbare Messen von Arbeitsergebnissen und Arbeitsleistungen auf den verschiedenen Arbeits- bzw. Leistungsebenen eines Unternehmens (vom Konzerngebilde bis zur Kostenstelle) als Grundlage für eine effiziente und effektive Unternehmenssteuerung stellt seit jeher ein schwieriges und vieldiskutiertes Problem der Betriebswirtschaftslehre dar, welches bis heute nur befriedigend gelöst wurde. Dies liegt unter anderem begründet in der sehr stark finanziell geprägten Ausgestaltung der Konzepte, Instrumente und Kennzahlen zur Unternehmensplanung und -steuerung. So können zwar die meisten Aktivitäten und Ergebnisse im Unternehmen finanziell gemessen werden, allerdings wird in vielen Fällen dadurch der Blick für die tatsächlich erbrachte physische oder nichtphysische Leistung im Sinne eines Outputs verfälscht oder überdeckt sowie mögliche (zum Zeitpunkt der Messung noch nicht finanziell abschätzbare) Leistungs- und Ergebnispotenziale für die Unternehmung nicht transparent gemacht. Finanziell erfass- und messbare Sachverhalte werden mit finanziellen Kennzahlen beschrieben. Solche Kennzahlen werden in der betrieblichen Praxis seit langer Zeit zur Beschreibung von Geschäftsergebnissen definiert und zu Planungs- und Steuerungszwecken eingesetzt. Zu nennen sind hierbei beispielsweise als mittlerweile traditionelle Steuerungsgröße der RoI (Return on Investment) und die inzwischen vielfach verwendete Shareholder-Value-Kennzahl EVA (Economic Value Added). Die alleinige Beschreibung der Arbeitsergebnisse und Arbeitsleistungen mit diesen finanziellen Größen kann auf verschiedenen Leistungsebenen durchaus zum Zwecke des Wirtschaftlichkeitsstrebens sinnvoll und notwendig sein, reduziert jedoch die Inhalte der Leistung auf finanziell bewertete Ergebnisgrößen ohne die Ursachen und Ergebnistreiber transparent machen zu können. Wird im heutigen Unternehmensumfeld ausschließlich mit solchen finanziellen Grö- ßen geplant und gesteuert sowie Mitarbeiter motiviert und Ressourcenallokation betrieben, ist die Gefahr von Fehlentwicklungen groß. Alle Aktivitäten im Unternehmen werden als Folge davon stark (aufgrund der Zwänge des Kapitalmarktes oftmals nicht zu unrecht) von kurzfristigen finanziellen Optimierungsüberlegungen determiniert, zukunftssichernde Potenzialinvestitionen vielfach vernachlässigt. Statt langfristig nachhaltigemWachstum wird kurzfristig geprägtes Renditedenken praktiziert. Das Verhalten der Manager undMitarbeiter eines Unternehmens wird durch eine diesem Denken entsprechende Ausgestaltung der Anreiz- und Entlohnungssysteme geprägt, andere, beispielsweise innovationsfördernde Verhaltensweisen werden in vielen Fällen unterdrückt oder nicht belohnt. Es existieren mittlerweile viele Erkenntnisse darüber, dass sogenannte „Soft Facts“ für die Unternehmensentwicklung und die (zielführende) Verhaltensweise der Manager und Mitarbeiter eines Unternehmens von großer Bedeutung sind. Allerdings werden auch diese in vielen Praxisumfeldern nicht beachtet, geschweige denn gemes- 1 Einleitung4 sen und als wichtiger Output einer Leistungsebene oder als leistungsnotwendiger Inputfaktor wahrgenommen bzw. verfolgt. Ein Zitat von Kaplan und Norton verdeutlicht, warum sich die Messobjekte und die Messmodalitäten in Unternehmen nachhaltig ändern müssen (Kaplan/Norton 1992a, S.71): What you measure is what you get. Senior executives understand that their organisation’s measurement system strongly affects the behaviour of managers and employees. Executives also understand that traditional financial accounting measures like return-on-investment and earningsper-share can give misleading signals for continuous improvement and innovation – activities today’s competitive environment demands. The traditional financial performance measures worked well for the industrial era, but they are out of step with the skills and competencies companies are trying to master today. Ein weiteres Zitat von Bill Hewlett, dem Mitbegründer des amerikanischen Computerkonzerns Hewlett-Packard, zeigt auf, welche Folge es haben kann, bestimmte Sachverhalte im Unternehmen oder in einer Leistungsebene (z.B. einer Abteilung) nicht zu messen bzw. deren Entwicklung nicht zu planen und zu verfolgen (zitiert nach House/Price 1991, S.93): You cannot manage what you cannot measure … and what gets measured gets done. Diese Erkenntnisse und Unternehmerweisheiten spiegeln sich auch in den Inhalten und Zielsetzungen des Performance Measurement wider. Im Performance Measurement werden mehrdimensionale Kennzahlen zur Beurteilung der aktuellen sowie der zukünftig vermutlich zu erwartenden Geschäfts- oder Leistungsebenenergebnisse eingesetzt. Nicht nur Kosten- oder (finanzielle) Ergebnistransparenz stehen im Vordergrund, sondern auch die Leistungstransparenz. Damit sollen Ansatzpunkte für eine effektivere Leistungsplanung und -steuerung, eine erhöhte Mitarbeitermotivation und Lernbereitschaft sowie, als Folge davon, eine Atmosphäre zur Förderung einer kontinuierlichen Leistungsverbesserung geschaffen werden. Im Zentrum der Überlegung steht hierbei die Abkehr von einer rein monetär getriebenen Unternehmensplanung und -steuerung, hin zu einem ganzheitlichen Steuerungssystem, das explizit auch ‚weiche‘ Faktoren und Treiber als Determinanten von Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenserfolg einschließt. Wichtig ist im Performance Measurement die Bedeutung der Vorsteuergrößen, das heißt jener Größen, welche die zukünftige Leistung sowie die Kostenposition einer Leistungsebene entscheidend mitbestimmen. Am Beispiel der Komplexitätskosten eines Industrieunternehmens lässt sich diese Aussage verdeutlichen: Genauso wie die Komplexität als strategischer Kostenbestimmungsfaktor und somit als Einflussgröße für die zukünftige Kostenposition eines Unternehmens oder eines Geschäftsbereichs definiert werden kann (vgl. die Zusammenstellung bei Fischer 1993, S.27ff.), lassen sich auch Vorsteuergrößen für die Komplexität sowie 1 Einleitung 5 die Komplexitätskosten bestimmen, die mit Hilfe von Performance Measurement- Kenngrößen erfasst und gegebenenfalls beeinflusst werden können. Hierzu sind in der Regel Kenntnisse über solche meist nichtfinanziellen Sachverhalte erforderlich. Bezüglich der oben angeführten Komplexitätskosten wäre Folgendes denkbar: Die Vorsteuergröße Teilevielfalt eines Produktes entscheidet maßgeblich den Komplexitätsgrad eines Produktes sowie daraus abgeleiteter Varianten oder eines einzelnen Prozesses (als Beispiel lässt sich hier der Konstruktionsprozess nennen). Weitere Einflussfaktoren auf die aktuellen und zukünftigen Komplexitätskosten können im Umfeld des Konstruktionsprozesses wiederum bspw. die Altersstruktur der Ressourcen, die DV-Ausstattung des Konstruktionsbereichs, der Fortbildungs- oder Schulungsaufwand für die Mitarbeiter sowie die Ausgestaltung des Auftragsabwicklungsprozesses sein. Das vorliegende Buch beschäftigt sich zunächst mit den theoretischen Grundlagen des Performance Measurement sowie dessen Inhalten und Aufbau, und untersucht in einem weiteren Schritt die wichtigsten Anknüpfungspunkte in der betrieblichen Praxis. Dabei werden in Kapitel 3 u.a. neben der Analyse des betriebswirtschaftlichen Leistungsbegriffs vor allem die Verbindung zwischen Performance Measurement und aktuellen Problemstellungen, wie Intellectual Capital-Management oder Fair Value-Bewertung, näher beleuchtet. Wie später noch ausgeführt wird, wurde bewusst der angloamerikanische Begriff „Performance Measurement“ im Rahmen dieses Buches beibehalten, um eine notwendige Abgrenzung von den verschiedenen Leistungsbegriffen in der deutschen Betriebswirtschaftslehre herzustellen. Eine ausführliche Übersicht über die wichtigsten und in der Praxis gängigsten Performance Measurement-Systeme und deren vergleichende Analyse bilden den Kern von Kapitel 4. Etablierte Konzepte des Performance Measurement, wie beispielsweise die Balanced Scorecard und ihre Anwendungsfelder, sind dabei Gegenstand kritischer Analysen. Kapitel 5 und 6 widmen sich der empirischen Untersuchung des Performance Measurement. Dabei identifiziert und analysiert Kapitel 5 nationale sowie internationale empirische Untersuchungen zu Fragen des Performance Measurement. In Kapitel 6 werden diverse Fragestellungen und Teilaspekte des Performance Measurement im Rahmen verschiedener Praxis-Fallstudien konkret beleuchtet. Den Kern des Buches bildet Kapitel 7, in dem das Grundschema eines Performance Measurement-Systems hergeleitet und dessen praktische Anwendung in der Unternehmenssteuerung im Detail beschrieben wird. Um die Praxisrelevanz dieses Werkes noch weiter herauszuarbeiten, werden in Kapitel 8 konkrete Handlungsempfehlungen für die Anwendung von Performance Measurement-Systemen formuliert und ein Ausblick auf potenziell zukünftige Fragestellungen im Performance Measurement gegeben. Ziel dieses Buches somit ist es, sowohl Praktikern, als auch Wissenschaftlern und Studenten ein umfassendes Standardwerk an die Hand zu geben, das die Thematik des Performance Measurement anschaulich, aktuell und praxisorientiert behandelt. 1 Einleitung 2 Performance Measurement als Steuerungsansatz 3 Grundlagen des Performance Measurement 4 Konzepte des Performance Measurement 5 6 Empirische Untersuchungen zu Fragen des Performance Measurement Performance Measurement in der Anwendung – Fallstudien 7 Grundschema eines Performance Measurement Systems 8 Handlungsempfehlungen für die Anwendung von Performance Measurement Systemen und Ausblick 9 Nachwort 2

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Performance Measurement: Konzepte, Fallstudien und Grundschema für die Praxis.

Das Werk stellt neben den klassischen Performance Measurement-Konzepten, wie Balanced Scorecard, auch neue, prozessorientierte Ansätze vor. Zahlreiche Fallstudien zeigen auf, wie Performance Measurement-Systeme in der Praxis strukturiert und effektiv implementiert werden.

Die Schwerpunkte des Performance Measurement

* Grundlagen und Konzepte des Performance Measurements

* Performance Measurement als Steuerungsansatz

* Performance Measurement in der Anwendung Fallstudien

* Grundschema eines Performance Measurement-Systems

* Handlungsempfehlungen für die Anwendung von Performance Measurement-Systemen

»& eine gute, konzeptionell orientierte Gesamtdarstellung des Themenkreises Performance Measurement.«

Prof. Dr. Dr. h.c. Péter Horváth zur Vorauflage