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5.5 Verdeckte Gewinnausschüttungen in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 615 - 621

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_615

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
582 Körperschaftsteuer von Ausschüttungen umgestaltet worden. Das EK 02 ist letztmalig zum 31.12.2006 festgestellt worden (§ 38 Abs. 4 Satz 1 KStG). Der KSt-Erhöhungsbetrag beträgt 3 % des auf den 31.12.2006 ermittelten Endbetrags des EK 02 (§ 38 Abs. 5 Satz 1 KStG). Er ist begrenzt auf den Betrag, der sich nach bisherigem Recht bei einer fiktiven Vollausschüttung des Eigenkapitals zum 31.12.2006 als KSt-Erhöhung ergeben würde (§ 38 Abs. 5 Satz 2 KStG). Diese Begrenzung führt dazu, dass insbesondere für überschuldete Körperschaften kein KSt-Erhöhungsbetrag zu ermitteln ist. Der so ermittelte KSt-Erhöhungsbetrag ist in zehn gleichen Jahresraten in den Jahren 2008 bis 2017, jeweils am 30. September, an das Finanzamt zu zahlen (§ 38 Abs. 6 Sätze 1, 5 KStG). Auf Antrag kann der Erhöhungsbetrag vorzeitig in einer Summe bezahlt werden, wobei eine Abzinsung mit einem Zinssatz von 5,5 % der noch nicht fälligen Jahresbeträge vorzunehmen ist (§ 38 Abs. 7 KStG). Der KSt-Erhöhungsbetrag entsteht am 01.01.2007 (§ 38 Abs. 6 Satz 3 KStG). Er ist daher erstmals in der Handels- und Steuerbilanz zum 31.12.2007 (bei Wirtschaftsjahr = Kalenderjahr) als Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt zu passivieren. In der Handelsbilanz ist ab 2010 eine Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzins der vergangenen sieben Geschäftsjahre vorzunehmen (§ 253 Abs. 2 HGB i.d.F. des BilMoG). In der Steuerbilanz ist demgegenüber eine Abzinsung mit 5,5 % vorzunehmen (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Ein Aufwand aus dem erstmaligen Ansatz des Erhöhungsbetrages sowie der späteren Aufzinsung ist bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens nicht abziehbar (§ 38 Abs. 10 i.V.m. § 37 Abs. 7 KStG). 5.5 Verdeckte Gewinnausschüttungen Ziel einer Kapitalgesellschaft ist es, Gewinne zu erzielen und die Gesellschafter an diesen Gewinnen durch Ausschüttungen oder Wertsteigerungen der Gesellschaftsanteile partizipieren zu lassen. Eine Gewinnausschüttung stellt eine Verteilung des Einkommens der Gesellschaft an ihre Gesellschafter dar. Da es nach § 8 Abs. 3 Satz 1 KStG für die Einkommensermittlung ohne Bedeutung ist, ob das Einkommen verteilt wird, dürfen Gewinnausschüttungen das Einkommen nicht mindern. Gewinne werden i.d.R. offen, d.h. auf Grund eines Gesellschafterbeschlusses ausgeschüttet. Vielfach gewährt jedoch die Gesellschaft ihren Gesellschaftern Vorteile, die nicht durch einen Gesellschafterbeschluss gedeckt sind – sog. verdeckte Gewinnausschüttungen (z.B. überhöhte Gehaltszahlungen an den Geschäftsführer, der zugleich Gesellschafter ist). Würden verdeckte Gewinnausschüttungen das Einkommen mindern, so könnte die Steuer auf diesem Wege umgangen werden. § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG stellt daher klar, dass auch verdeckte Gewinnausschüttungen das Einkommen nicht mindern dürfen. Nachfolgend wird zunächst erläutert, was unter einer verdeckten Gewinnausschüttung zu verstehen ist, welche Grundfälle verdeckter Gewinnausschüttungen existieren und wie verdeckte Gewinnausschüttungen, die nicht in Form von Geldzahlungen erfolgen, zu bewerten sind (Abschnitt C.5.5.1). In Anschluss daran wird dargestellt, zu welchen steuerlichen Auswirkungen verdeckte Gewinnausschüttungen, sofern sie „aufgedeckt“ werden, auf Ebene der ausschüttenden Ge- Einkommensverwendung von Körperschaften 583 sellschaft (Abschnitt C.5.5.2.1) und auf Ebene des Gesellschafters (Abschnitt C.5.5.2.2) führen. 5.5.1 Begriff und Grundfälle Im Gesetzestext findet sich keine Definition der verdeckten Gewinnausschüttung. Diese Gesetzeslücke schließt R 36 Abs. 1 KStR in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (z.B. BFH-Urteile vom 22.02.1989, BStBl II 1989, S. 475; vom 11.10.1989, BStBl II 1990, S. 89). Danach ist eine verdeckte Gewinnausschüttung eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist, sich auf die Höhe des Einkommens auswirkt und nicht auf einem den gesellschaftsrechtlichen Vorschriften entsprechenden Gewinnverteilungsbeschluss beruht (d.h. keine offene Gewinnausschüttung darstellt). Ob die Zuwendung durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist, ist durch einen Fremdvergleich zu entscheiden. Die Zuwendung gilt als durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst, wenn sie einem Nichtgesellschafter bei Anwendung der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsführers unter sonst gleichen Umständen nicht gewährt worden wäre (H 36 KStH „Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis“, BFH-Urteile vom 11.02.1987, BStBl II 1987, S. 461; vom 29.04.1987, BStBl II 1987, S. 733; vom 17.05.1995, BStBl II 1996, S. 204). Die Zuwendung muss nicht an den Gesellschafter selbst erfolgen. Verdeckte Gewinnausschüttungen können auch Zuwendungen an dem Gesellschafter nahe stehende Personen sein. Es lassen sich vier Grundfälle von verdeckten Gewinnausschüttungen unterscheiden: Eine Kapitalgesellschaft erwirbt von ihrem Gesellschafter Wirtschaftsgüter, die aktiviert werden, gegen unangemessen hohes Entgelt. Eine Kapitalgesellschaft nutzt Leistungen, Dienste, Kapital oder Wirtschaftsgüter des Gesellschafters gegen unangemessen hohes Entgelt. Eine Kapitalgesellschaft überträgt oder veräußert Wirtschaftsgüter unentgeltlich oder gegen unangemessen niedriges Entgelt an den Gesellschafter. Eine Kapitalgesellschaft überlässt dem Gesellschafter Leistungen, Dienste, Kapital oder Wirtschaftsgüter unentgeltlich oder gegen unangemessen niedriges Entgelt zur Nutzung. Verdeckte Gewinnausschüttungen sind z.B. durch die folgenden typischen Sachverhalte gegeben: Ein Gesellschafter erhält für seine Vorstands- oder Geschäftsführertätigkeit ein unangemessen hohes Gehalt (BFH-Urteil vom 28.06.1989, BStBl II 1989, S. 854) oder unangemessen hohe Pensionszusagen (BFH-Urteil vom 25.05.1988, BFH/NV 1989, S. 195). Eine Gesellschaft vergibt ein zinsloses oder niedrigverzinsliches Darlehen an einen Gesellschafter (BFH-Urteil vom 23.06.1981, BStBl II 1982, S. 245). Eine Gesellschaft übernimmt die Schuld oder eine sonstige Verpflichtung eines Gesellschafters ohne Gegenleistung (BFH-Urteil vom 19.05.1982, BStBl II 1982, S. 631). 584 Körperschaftsteuer Während offene Gewinnausschüttungen in aller Regel in einer Geldzuwendung bestehen, sind verdeckte Gewinnausschüttungen vielfach durch die Gewährung von Dienstleistungen oder die Übertragung von Wirtschaftsgütern gekennzeichnet. Für diese Fälle müssen Regelungen bestehen, wie verdeckte Gewinnausschüttungen auf Gesellschaftsebene und Gesellschafterebene zu bewerten sind. Im Körperschaftsteuergesetz findet sich keine Regelung zur Bewertung verdeckter Gewinnausschüttungen auf Gesellschaftsebene. Daher greift § 9 Abs. 1 BewG, wonach der gemeine Wert zu Grunde zu legen ist (H 37 KStH „Hingabe von Wirtschaftsgütern“). Der gemeine Wert ist gemäß § 9 Abs. 2 BewG der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Beim Empfänger der verdeckten Gewinnausschüttung ist diese gemäß § 8 Abs. 2 EStG nach dem zugeflossenen Vorteil zu bewerten, d.h. nach dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort. Da der gemeine Wert auf den im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielbaren Preis ohne Betrachtung des Abgabeortes abzielt, kann die Bewertung einer verdeckten Gewinnausschüttung beim Gesellschafter und bei der Gesellschaft in Ausnahmefällen voneinander abweichen. 5.5.2 Steuerliche Auswirkungen Wird eine verdeckte Gewinnausschüttung vorgenommen und vom Steuerpflichtigen erklärt oder von der Finanzverwaltung (z.B. im Rahmen einer Außenprüfung) festgestellt, so ergeben sich die folgenden steuerlichen Auswirkungen: Ebene der Kapitalgesellschaft: 1. Einkommenswirkung (siehe Abschnitt C.5.5.2.1) Ebene des Gesellschafters: 2. Besteuerung i.d.R. als Einkünfte aus Kapitalvermögen – ggf. durch Umqualifizierung von Einkünften – Steuererhebung durch Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) (siehe Abschnitt C.5.5.2.2) 5.5.2.1 Einkommenswirkung Gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG ist das Einkommen der Gesellschaft außerhalb der Bilanz um den Wert der verdeckten Gewinnausschüttung zu erhöhen, sofern die verdeckte Gewinnausschüttung den Gewinn gemindert hat (siehe das Einkommensermittlungsschema in Abschnitt C.4.2). Löst eine verdeckte Gewinnausschüttung Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch nach § 3 Abs. 1b, 9a UStG aus, so zählt auch diese zur verdeckten Gewinnausschüttung. Eine zusätzliche Hinzurechnung nach § 10 Nr. 2 KStG unterbleibt (R 37 KStR). Einkommensverwendung von Körperschaften 585 5.5.2.2 Steuerliche Behandlung der verdeckten Gewinnausschüttung beim Anteilseigner Die steuerliche Behandlung der verdeckten Gewinnausschüttungen ist davon abhängig, ob es sich bei dem Anteilseigner um eine natürliche Person (Abschnitt C.5.5.2.2.1) oder eine Körperschaft (Abschnitt C.5.5.2.2.2) handelt. 5.5.2.2.1 Natürliche Personen als Anteilseigner Vermögensmehrungen aus verdeckten Gewinnausschüttungen, die beim Anteilseigner bereits in einer anderen Einkunftsart erfasst wurden, werden umqualifiziert in Einkünfte aus Kapitalvermögen, wenn die Anteile im Privatvermögen gehalten werden (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG), Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit, wenn die Anteile im Betriebsvermögen gehalten werden (§ 20 Abs. 8 Satz 1 EStG). So werden überhöhte Vergütungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) in Einkünfte aus Kapitalvermögen (bzw. Einkünfte aus einer betrieblichen Einkunftsart) umqualifiziert. Entsprechendes gilt für überhöhte Mieteinnahmen oder Darlehenszinsen. Natürliche Person hält Anteile im Privatvermögen Hält die natürliche Person die Anteile im Privatvermögen, so ist die verdeckte Gewinnausschüttung, genauso wie eine offene Gewinnausschüttung, als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu behandeln. Die Besteuerung beim Anteilseigner erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen, d.h. die Körperschaft hat Kapitalertragsteuer (25 %) einzubehalten und die Kapitalertragsteuer hat für den Anteilseigner Abgeltungswirkung. Natürliche Person hält Anteile im Betriebsvermögen Hält die natürliche Person die Anteile im Betriebsvermögen, so ist das Teileinkünfteverfahren anwendbar. Die verdeckte Gewinnausschüttung ist daher gemäß § 3 Nr. 40 Buchst. d EStG zu 40 % von der Einkommensteuer befreit. Bei isolierter Betrachtung der Einkommensteuer erhält der Anteilseigner somit durch die Umqualifizierung einer Leistungsvergütung (z.B. einer überhöhten Geschäftsführer- Vergütung oder eines überhöhten Mietzinses) in eine Gewinnausschüttung in der Regel einen Vorteil. Im Privatvermögen erfolgt die Besteuerung mit dem Abgeltungsteuersatz von 25 % anstelle des regelmäßig höheren (Grenz-) Steuersatzes des Anteilseigners. Im Betriebsvermögen erfolgt eine Steuerbefreiung von 40 % der verdeckten Gewinnausschüttung. Diese isolierte Betrachtung der Einkommensteuer berücksichtigt allerdings nicht, dass die verdeckte Gewinnausschüttung bereits auf Gesellschaftsebene mit Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer von ca. 30 % belastet wird, Leistungsvergütungen hingegen bei der Körperschaft als Betriebsausgaben den steuerlichen Gewinn mindern. Für die steuerliche Belastung des Anteilseigners sind jedoch beide Ebenen relevant, da er die Körperschaft nur als Organisationsform zur Erzielung von unternehmerischen Einkünften einsetzt. 586 Körperschaftsteuer Beispiel C.39: A ist Gesellschafter und Geschäftsführer der A-GmbH (Wirtschaftsjahr = Kalenderjahr). Bei einer Betriebsprüfung in 04 wird festgestellt, dass die A-GmbH in 01 ein um 25.000 € zu hohes Geschäftsführergehalt an A gezahlt hat. A unterliegt in 01 einem persönlichen Einkommensteuersatz (einschl. SolZ) von 40 %. Die überhöhte Gehaltszahlung ist durch das Gesellschaftsverhältnis begründet. Es liegt daher eine verdeckte Gewinnausschüttung i.H.v. 25.000 € vor. A hält die Anteile im Privatvermögen. Behandlung bei A: Das Gehalt wurde in 01 bei A als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit besteuert. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 25.000 € – Einkommensteuer, SolZ (40 %) – 10.000 € = Einkommen nach Steuern 15.000 € Die Feststellung der verdeckten Gewinnausschüttung bewirkt die Umqualifizierung der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit in Einkünfte aus Kapitalvermögen, die mit der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag belastet werden. Einkünfte aus Kapitalvermögen 25.000 € – Kapitalertragsteuer (25 %) – 6.250 € – Solidaritätszuschlag (5,5 %) – 344 € = Einkommen nach Steuern 18.406 € Behandlung bei der A-GmbH: Die verdeckte Gewinnausschüttung erhöht das Einkommen der A-GmbH im Jahr 01 um 25.000 €. Die steuerliche Gesamtbelastung (KSt + SolZ + GewSt) betrage 30 %. Die verdeckte Gewinnausschüttung führt somit unmittelbar zu einer Mehrbelastung von (30 % von 25.000 =) 7.500 €. Um 25.000 € an A ausschütten zu können, muss die A-GmbH allerdings einen Gewinn vor Steuern von 25.000 € / (1 – 0,3) = 35.714 € erzielen. Die Steuerbelastung auf diesen Gewinn beträgt (30 % von 35.714 =) 10.714 €, so dass nach Steuern ein ausschüttbarer Gewinn von (35.714 – 10.714 =) 25.000 € verbleibt. Es wird somit insgesamt ein Gewinn (vor Steuern) i.H.v. 35.714 € benötigt, um eine verdeckte Gewinnausschüttung von 25.000 € finanzieren zu können. Vergleich der Steuerbelastung (Gesellschafts- und Gesellschafterebene): Die Leistungsvergütung wird nur bei A besteuert. Sie unterliegt dem persönlichen Einkommensteuersatz des A von 40 % (= 10.000 €). Bei der Ermittlung der steuerlichen Belastung der verdeckten Gewinnausschüttung sind die von A zu entrichtende Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag i.H.v. 6.594 € sowie die Steuerbelastung auf Gesellschaftsebene von 10.714 € auf den für die verdeckte Gewinnausschüttung erforderlichen Gewinn zu berücksichtigen. Bezogen auf Einkommensverwendung von Körperschaften 587 den für die verdeckte Gewinnausschüttung erforderlichen Gewinn ergibt sich eine Steuerbelastung von ((6.594 € + 10.714 €) / 35.714 € =) 48,5 %. Bei einem persönlichen Einkommensteuersatz des Gesellschafters von 40 % ergibt sich somit durch die Umqualifizierung in eine verdeckte Gewinnausschüttung eine steuerliche Mehrbelastung von 8,5 % - Punkten. Beispiel C.40: Nun sei angenommen, dass der Gesellschafter A aus dem vorhergehenden Beispiel die Anteile nicht im Privatvermögen, sondern in einem gewerblichen Betriebsvermögen hält. Behandlung bei A: Das Gehalt wird nunmehr in Einkünfte aus Gewerbebetrieb umqualifiziert. Die Besteuerung erfolgt nach dem Teileinkünfteverfahren: Einnahmen (überhöhtes Gehalt) 25.000 € 25.000 € – steuerfrei nach § 3 Nr. 40 Buchst. d EStG (40 %) – 10.000 € = Einkünfte aus Gewerbebetrieb 15.000 € – Einkommensteuer, SolZ (40 % von 15.000 €) – 6.000 € = Einkommen nach Steuern 19.000 € Behandlung bei der A-GmbH: Bei der A-GmbH ergibt sich kein Unterschied im Vergleich zu dem vorhergehenden Beispiel. Die Steuerbelastung auf den für die verdeckte Gewinnausschüttung erforderlichen Gewinn beträgt 10.714 €. Vergleich der Steuerbelastung (Gesellschafts- und Gesellschafterebene): Die gesamte Steuerbelastung auf den für die verdeckte Gewinnausschüttung erforderlichen Gewinn auf Gesellschafts- und Gesellschafterebene beträgt (6.000 + 10.714 =) 16.714 €. Bezogen auf den für die verdeckte Gewinnausschüttung erforderlichen Gewinn ergibt sich somit eine Steuerbelastung von (16.714 / 35.714 € =) 46,8 %. Tabelle C.9 gibt die steuerliche Mehrbelastung durch die Umqualifizierung einer Leistungsvergütung in eine verdeckte Gewinnausschüttung für alternative Einkommensteuersätze des Anteilseigners wieder (Steuerbelastung auf Gesellschaftsebene: 30 %; keine Gewerbesteuerpflicht beim Anteilseigner wegen Beteiligung von mindestens 15 %, § 8 Nr. 5 GewStG). Einkommensteuersatz (auf Leistungsvergütungen unmittelbar anwendbar) 42 % 40 % 30 % 20 % 0% Dividendenbelastung auf Gesellschafts- und Gesellschafterebene nach dem Teileinkünfteverfahren 47,6 % 46,8 % 42,6 % 38,4 % 30,0 % 588 Körperschaftsteuer Dividendenbelastung auf Gesellschafts- und Gesellschafterebene bei Abgeltungsteuer 48,5 % 48,5 % 48,5 % 44,8 % 30,0 % steuerliche Mehrbelastung durch Umqualifizierung in vGA (Teileinkünfteverfahren) 5,6 % 6,8 % 12,6 % 18,4 % 30,0 % steuerliche Mehrbelastung durch Umqualifizierung in vGA (Abgeltungsteuer) 6,5 % 8,5 % 18,5 % 24,8 % 30,0 % Tabelle C.9: Leistungsvergütung vs. verdeckte Gewinnausschüttung: Vergleich der steuerlichen Belastung Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Nachteil von verdeckten Gewinnausschüttungen im Vergleich zu Leistungsvergütungen immer geringer wird, desto höher der persönliche Steuersatz des Anteilseigners ist. 5.5.2.2.2 Körperschaft als Anteilseigner Ist der Anteilseigner eine Körperschaft, stellt die verdeckte Gewinnausschüttung gemäß § 8b Abs. 1 KStG i.V.m. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG eine steuerfreie Einnahme dar. Im Ergebnis resultiert aus der Umqualifizierung einer Leistungsvergütung in eine verdeckte Gewinnausschüttung eine Verschiebung der Körperschaftsteuerlast von der empfangenden zur ausschüttenden Körperschaft. Bei der ausschüttenden Körperschaft erhöht sich das steuerpflichtige Einkommen gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG um die verdeckte Gewinnausschüttung, bei der empfangenden Körperschaft mindert sich das steuerpflichtige Einkommen um den Betrag der Leistungsvergütung. Eine geringe Mehrbelastung der verdeckten Gewinnausschüttung ergibt sich allerdings dadurch, dass die verdeckte (wie auch die offene) Gewinnausschüttung gemäß § 8b Abs. 5 KStG im Ergebnis nur zu 95 % steuerfrei ist. 6 Liquidation und Verlegung ins Ausland Wird eine Kapitalgesellschaft liquidiert, so ist zunächst ein Liquidationsgewinn zu ermitteln und zu versteuern. Das am Ende des Liquidationszeitraums vorhandene Vermögen wird an die Anteilseigner der Gesellschaft verteilt. Dieser Zufluss ist bei den Anteilseignern grundsätzlich steuerbar. Bei der Verlegung einer Körperschaft ins Ausland erfolgt zwar keine Verteilung des Gesellschaftsvermögens an die Anteilseigner. Jedoch hat – bei Verlegung in einen Nicht-EU/ EWR-Staat – eine zur Liquidationsbesteuerung analoge Besteuerung der stillen Reser-ven zu erfolgen.

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.