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3.4 Freibeträge und Tarifermäßigungen in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 572 - 573

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_572

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Festsetzung und Erhebung der Körperschaftsteuer 539 Steuersatz (bis 2000: für thesaurierte Gewinne) Ausschüttungssatz 2003 26,5 % – 2004 – 2007 25 % – ab 2008 15 % – Tabelle C.2: Entwicklung des Steuersatzes der KSt 3.4 Freibeträge und Tarifermäßigungen § 24 KStG gewährt Steuerpflichtigen, deren Leistungen beim Empfänger keine Einkünfte aus Kapitalvermögen i.S.d. § 20 Abs. 1 Nrn. 1, 2 EStG begründen, d.h. Steuerpflichtigen i.S.d. § 1 Abs. 1 Nrn. 3 – 6 KStG, einen jährlichen Freibetrag i.H.v. 5.000 € (seit 2009, vorher: 3.835 €). Der Freibetrag des § 24 KStG kommt somit in Betracht für Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 KStG), sonstige juristischen Personen des privaten Rechts, insbesondere rechtsfähige Vereine und rechtsfähige Stiftungen (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 KStG), nichtrechtsfähige Vereine, Anstalten, Stiftungen und andere Zweckvermögen des privaten Rechts (§ 1 Abs. 1 Nr. 5 KStG) sowie Betriebe gewerblicher Art von juristischen Personen des öffentlichen Rechts (§ 1 Abs. 1 Nr. 6 KStG). Der Zweck der Vorschrift besteht zum einen darin, bei kleineren Körperschaften Härten zu vermeiden, die sich aus dem einkommensunabhängigen Körperschaftsteuersatz ergeben können. Zum anderen dient die Freibetragsregelung der Entlastung der Finanzverwaltung in Bagatellfällen. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften sowie Vereine, deren Tätigkeit sich auf den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft beschränkt und die die weiteren Voraussetzungen des § 25 Abs. 1 Nrn. 1, 2 KStG erfüllen, gewährt § 25 KStG in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens anstelle des Freibetrags nach § 24 KStG einen erhöhten Freibetrag i.H.v. jährlich 15.000 €. Die Freibeträge nach den §§ 24 und 25 KStG dürfen höchstens bis zur Höhe des Einkommens abgezogen werden, d.h. ein negatives Einkommen darf durch sie nicht entstehen. Die Freibeträge sind erst nach einem eventuellen Verlustabzug nach § 10d EStG abzusetzen (R 29 Abs. 1 KStR). Darüber hinaus können die einkunftsartbezogenen Freibeträge, Freigrenzen und Werbungskosten-Pauschbeträge des Einkommensteuergesetzes genutzt werden, sofern die Körperschaft Einkünfte aus der jeweiligen Einkunftsart bezieht und die Vorschrift des Einkommensteuergesetzes nicht ausschließlich auf natürliche Personen zugeschnitten ist. In Frage kommen insbesondere die folgenden Freigrenzen und Pauschbeträge: Sparer-Pauschbetrag des § 20 Abs. 9 EStG für die Einkünfte aus Kapitalvermögen, Freigrenze des § 22 Nr. 3 Satz 2 EStG für die Einkünfte aus sonstigen Leistungen, 540 Körperschaftsteuer Freigrenze des § 23 Abs. 3 Satz 5 EStG für Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften, Werbungskosten-Pauschbetrag des § 9a Nr. 3 für Sonstige Einkünfte. Es sei darauf hingewiesen, dass sämtliche dieser Freigrenzen und Pauschbeträge nicht von Steuerpflichtigen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 – 3 KStG (insbesondere Kapitalgesellschaften) in Anspruch genommen werden können, da diese Steuerpflichtigen gemäß § 8 Abs. 2 KStG ausschließlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb beziehen. Nicht in Frage kommt die Anwendung des Freibetrags nach § 16 Abs. 4 EStG für Gewinne aus einer Veräußerung oder Aufgabe eines Gewerbebetriebs, da dieser ausschließlich auf natürliche Personen zugeschnitten ist. Entsprechendes gilt für die Freibeträge bei Veräußerung oder Aufgabe eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes (§ 14 EStG) sowie eines selbständigen Betriebes (§ 18 Abs. 3 EStG), da die §§ 14, 18 Abs. 3 EStG durch den Verweis auf § 16 Abs. 4 EStG ebenfalls nur natürliche Personen betreffen. Nicht zu gewähren ist zudem die Tarifermäßigung für außerordentliche Einkünfte nach § 34 EStG (siehe Abschnitt B.4.4.4). Der Zweck des § 34 EStG besteht in einer Milderung der durch den progressiven Einkommensteuertarif ausgelösten Härten bei einer gebündelten Aufdeckung stiller Reserven, die sich über mehrere Jahre gebildet haben. Da die Körperschaftsteuer nicht über einen progressiven, sondern über einen linearen Tarif verfügt, erübrigt sich eine Progressionsmilderung. 4 Einkommensermittlung Im folgenden Abschnitt C.4.1 werden die allgemeinen Vorschriften zur Einkommensermittlung dargestellt. Auf Besonderheiten der Einkommensermittlung, die bei buchführungspflichtigen Körperschaften (d.h. bei Steuerpflichtigen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nrn. 1 – 3 KStG) bzw. bei nicht buchführungspflichtigen Körperschaften (d.h. bei Steuerpflichtigen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nrn. 4 – 6 KStG) zu beachten sind, wird in den Abschnitten C.4.2 und C.4.3 eingegangen. 4.1 Allgemeine Vorschriften Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer ist das zu versteuernde Einkommen (§ 7 Abs. 1 KStG). In Anlehnung an R 29 Abs. 1 KStR kann die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens vereinfacht wie folgt dargestellt werden: Summe der Einkünfte aus den Einkunftsarten ggf. Saldierung = Summe der Einkünfte – Spenden (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 KStG), siehe C.4.1.1.2 + zuzurechnendes Einkommen von Organgesellschaften (§ 14 KStG), siehe C.7.2.2 = Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) – Verlustabzug (§ 10d EStG, § 8c KStG), siehe C.7.1.2 = Einkommen (§ 2 Abs. 4 EStG)

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.