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6.1 Einnahmen in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 316 - 321

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_316

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
282 Einkommensteuer Zum M-Konzern gehört auch eine Tochtergesellschaft in Südafrika (I-Corp.), an der die M-AG zu 70 % beteiligt ist. Wenn für eine Konzerngesellschaft, nämlich hier die I- Corp. in Südafrika, eine schädliche Gesellschafter-Fremdfinanzierung durch einen nicht zum Konzern gehörenden, aber zu mehr als 25 % beteiligten Dritten erfolgt, kann sich die T-GmbH nicht auf die Escape-Klausel berufen. Dies ist dann der Fall, wenn die Zinsen der I-Corp. an I mindestens 10 % des Zinssaldos der I-Corp. ausmachen. 6 Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten Zu den Überschusseinkunftsarten gehören gemäß § 2 Abs. 2 EStG die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 EStG), die Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG), die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 2 Abs. 1 Nr. 6 EStG) sowie die sonstigen Einkünfte (§ 2 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Die Saldogröße, welche die Einkünfte im Rahmen dieser Einkunftsarten bezeichnet, heißt gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 2 EStG „Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten“. Die Ermittlung der Einnahmen sowie der Werbungskosten richtet sich nach den §§ 8 – 9a EStG. Im Gegensatz zu den Gewinneinkunftsarten wird nicht zwischen verschiedenen Methoden der Einkunftsermittlung unterschieden. Die Einkunftsermittlung folgt dem Zubzw. Abflussprinzip des § 11 EStG. Relevant ist die Erlangung bzw. die Aufgabe der wirtschaftlichen Verfügungsmacht über Geld oder Sachleistungen. Zu Ausnahmen vom Zubzw. Abflussprinzip siehe Abschnitt B.6.4. Einkunftsermittlungszeitraum im Rahmen der Überschusseinkunftsarten ist stets das Kalenderjahr. Ein abweichendes Wirtschaftsjahr kann nicht gewählt werden. Theoretischer Unterschied der Einkunftsermittlung im Rahmen der Überschusseinkunftsarten im Vergleich zu den Gewinneinkunftsarten ist die Orientierung am Quellenprinzip im Gegensatz zum Reinvermögenszugangsprinzip (zur Unterscheidung vgl. Abschnitt B.3.1). Gewinne aus der Veräußerung von Wirtschaftsgütern, die keinem Betriebsvermögen angehören, sind wegen der Orientierung an der Quellentheorie grundsätzlich nicht steuerpflichtig. Dies gilt selbst dann, wenn die Wirtschaftsgüter der Einkunftserzielung im Rahmen einer Überschusseinkunftsart dienen (z.B. Mietshäuser). Verschiedene Vorschriften begründen jedoch als Ausnahme von der Regel eine Steuerpflicht von Veräußerungsgewinnen auch im Privatvermögen. In den vergangenen Jahren sind diese Ausnahmen immer weiter ausgedehnt worden, so dass von der Orientierung am Quellenprinzip letztlich nur wenig übrig geblieben ist. Im Einzelnen werden Veräußerungsgewinne im Privatvermögen durch folgende Vorschriften für steuerpflichtig erklärt: Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften bei Beteiligung von mindestens 1 % (§ 17 EStG) Gewinne aus der Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen an Kapitalgesellschaften werden bei Vorliegen einer Beteiligung von mindestens 1% gemäß § 17 Abs. 1 EStG zu Einkünften aus Gewerbebetrieb erklärt (siehe Abschnitt B.7.2.5). Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten 283 Wegbezugsbesteuerung (§ 6 AStG) Wird eine natürliche Person, die mindestens zehn Jahre unbeschränkt steuerpflichtig war, durch einen Wegzug aus dem Inland beschränkt steuerpflichtig, so ist gemäß § 6 AStG die Vorschrift des § 17 EStG im Zeitpunkt des Wegzugs auch dann anzuwenden, wenn keine Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft stattfindet. Es wird im Zeitpunkt des Wegzugs eine Veräußerung der Anteile fingiert, um einen Entzug der gebildeten stillen Reserven aus der Steuerhoheit des inländischen Fiskus zu verhindern. Veräußerung von Wirtschaftsgütern, die zu Einkünften aus Kapitalvermögen führen (§ 20 Abs. 2 EStG) Seit 2009 ist die Veräußerung von Wirtschaftsgütern, die zu Einkünften aus Kapitalvermögen führen, gemäß § 20 Abs. 2 EStG generell steuerpflichtig (siehe Abschnitt B.7.5.2). Dies betrifft insbesondere Anteile an Kapitalgesellschaften, Derivate, festverzinsliche Wertpapiere und unverbriefte Kapitalforderungen. Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 22 Nr. 2, § 23 EStG) Gewinne aus der Veräußerung von anderen Wirtschaftsgütern des Privatvermögens innerhalb der Frist des § 23 Abs. 1 EStG sind als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 2 EStG steuerpflichtig (siehe Abschnitt B.7.7.5). Veräußerung einbringungsgeborener Anteile (§ 22 UmwStG) Werden Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, die gemäß § 20 Abs. 2 Satz 2 UmwStG durch eine Sacheinlage in die Kapitalgesellschaft ohne vollständige Versteuerung der in den eingebrachten Sachwerten enthaltenen stillen Reserven erworben wurden (sog. einbringungsgeborene Anteile), innerhalb von sieben Jahren nach der Einbringung veräußert, ist der Gewinn aus der Einbringung rückwirkend im Wirtschaftsjahr der Einbringung gemäß § 22 Abs. 1 UmwStG zu versteuern. Der steuerpflichtige Gewinn reduziert sich um jeweils ein Siebtel für jedes seit der Einbringung abgelaufene Zeitjahr. § 20 Abs. 2 Satz 2 UmwStG erlaubt die steuerfreie Einbringung von Betrieben, Teilbetrieben und Mitunternehmeranteilen in eine Kapitalgesellschaft; stille Reserven brauchen grundsätzlich nicht aufgedeckt zu werden. Damit der Steuerpflichtige die Versteuerung der im betrieblichen Bereich erwirtschafteten stillen Reserven nicht durch eine Veräußerung der einbringungsgeborenen Anteile teilweise steuerfrei (Teileinkünfteverfahren!) erreichen kann, erklärt § 22 Abs. 1 UmwStG die Einbringung rückwirkend für steuerpflichtig. Technisch ist somit nicht die Veräußerung der Anteile steuerpflichtig, diese löst nur eine rückwirkende Besteuerung der im Einbringungszeitpunkt vorhandenen stillen Reserven aus. 6.1 Einnahmen Nach § 8 Abs. 1 EStG sind Einnahmen alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer Überschusseinkunftsart zufließen. Der Begriff der Einnahme ist weit zu fassen. Er ist nicht auf den Zufluss liquider Mittel beschränkt, sondern umfasst auch Sachwerte sowie andere bewertbare Vermögensvorteile, wie Nutzungsüberlassungen (z.B. verbilligte Werkswohnung, Dienstfahrzeug) oder Rechte (z.B. Optionen auf den Bezug von Mitarbeiteraktien) (BFH-Beschluss vom 26.10.1987, BStBl II 1988, S. 348; BFH-Urteil vom 10.03.1972, BStBl II 1972, S. 596). Keine 284 Einkommensteuer Einnahmen sind hingegen bloße Annehmlichkeiten, die der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern gewährt, sofern er diese ganz überwiegend im betrieblichen Interesse oder in Erfüllung seiner Fürsorgepflicht gegenüber der Belegschaft im Allgemeinen gewährt und die Annehmlichkeit nach Art, Üblichkeit und Wert nicht als Gegenleistung für die Arbeitskraft anzusehen ist (z.B. Einrichtung einer Werkskantine, Zurverfügungstellung von Mitarbeiterparkplätzen oder Genussmittel / Getränke zum Verzehr im Betrieb) (vgl. W. Drenseck, in: L. Schmidt (2010), § 8, Rz. 21; R 19.6 LStR). Ebenfalls keine Einnahmen sind bloße Aufmerksamkeiten, die im gesellschaftlichen Verkehr üblicherweise ausgetauscht werden und zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung des Arbeitnehmers führen. Hierzu zählen Sachzuwendungen bis zu einem Wert von 40 €, z.B. Blumen, ein Buch oder Tonträger, die einem Arbeitnehmer aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses (Geburtstag, Geburt eines Kindes etc.) zugewendet werden (R 19.6 Abs. 1 LStR). Steuerpflichtige Einnahmen liegen nur dann vor, wenn sie nicht nach §§ 3, 3b EStG ausdrücklich von der Steuerpflicht befreit sind. Dies gilt etwa für Kranken-, Pflege- und gesetzliche Unfallversicherungsleistungen (§ 3 Nr. 1 Buchst. a EStG), Mutterschaftsgeld (§ 3 Nr. 1 Buchst. d EStG), Arbeitslosengeld I und II (§ 3 Nr. 2 EStG), Erziehungs- und Elterngeld (§ 3 Nr. 67 EStG), Trinkgelder (§ 3 Nr. 51 EStG) sowie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit (§ 3b EStG) (vgl. Abschnitt B.3.4). Einnahmen, die nicht in Geld bestehen, sind gemäß § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG grundsätzlich mit den „um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort“ anzusetzen. Gemeint ist der Abgabepreis an Letztverbraucher einschließlich Umsatzsteuer. § 8 Abs. 2 Sätze 2 – 9, Abs. 3 EStG normieren jedoch verschiedene Ausnahmen bzw. Konkretisierungen dieses Grundsatzes: Besteuerung geldwerter Vorteile verbilligte Überlassung von Waren oder DL, verbilligte Überlassung von Waren oder DL die auch gegenüber Dritten erbracht werden die nicht gegenüber Dritten erbracht werden (Besonderheiten für die Kfz-Gestellung in § 8 Abs. 2 Sätze 3 – 5 EStG) (Besonderheiten für Verpflegung und Unterkunft in § 8 Abs. 2 Satz 6 EStG i.V.m. § 2 SvEV) Abbildung B.26: Besteuerung geldwerter Vorteile Freibetrag 1.080 € im Jahr (§ 8 Abs. 3 Satz 2 EStG) Freigrenze 44 € im Monat (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG) anzusetzen mit dem um 4 % verminderten Endpreis am Abgabeort (§ 8 Abs. 3 Satz 1 EStG) ggf. Pauschalierung mit durchschnittlichem Steuersatz (§ 40 Abs. 1 Nr. 1 EStG) ggf. Pauschalierung mit 25 % (§ 40 Abs. 2 Satz 1 EStG) oder 15 % (§ 40 Abs. 2, Satz 2 EStG) anzusetzen mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten 285 Waren oder Dienstleistungen, die der Arbeitgeber auch gegenüber Dritten erbringt Waren oder Dienstleistungen, die ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses vom Arbeitgeber erhält und die dieser nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer, sondern hauptsächlich für Dritte (Kunden) erbringt, sind mit den um 4 % verminderten Endpreisen am Abgabeort anzusetzen (§ 8 Abs. 3 Satz 1 EStG). Die Waren und Dienstleistungen sollen mit dem Wert angesetzt werden, den Dritte hierfür zu zahlen hätten. Durch den 4 % igen Preisabschlag wird berücksichtigt, dass auf den Endpreis am Abgabeort, d.h. den Angebotspreis, oftmals Preisnachlässe (beispielsweise Skonti oder Rabatte) gewährt werden. Der vom Arbeitnehmer zu versteuernde geldwerte Vorteil ergibt sich als Differenz zwischen diesem korrigierten Endpreis und dem von ihm für die erhaltenen Waren und Dienstleistungen gezahlten Entgelt. Allerdings gewährt § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG einen Personal- bzw. Belegschaftsrabatt in Höhe von 1.080 €, d.h. der geldwerte Vorteil ist steuerfrei, soweit er pro Kalenderjahr 1.080 € nicht übersteigt. Beispiel B.177: Eine Bank gewährt ihrem Mitarbeiter anlässlich eines Hauskaufes ein niedrigverzinsliches Darlehen über 40.000 € zu 1,5 % p.a. Entsprechende Darlehen bietet die Bank ihren Kunden zu 5 % p.a. an. Nach Abzug eines Abschlags von 4 % beträgt der Maßstabszinssatz 4,8 %. Der Zinsvorteil des Mitarbeiters beträgt somit (4,8 % – 1,5 % =) 3,3 %. Bei einem Darlehensbetrag von 40.000 € ergibt sich ein jährlicher Zinsvorteil von (40.000 € · 3,3 % =) 1.320 €. Nach Abzug des Freibetrags von 1.080 € beträgt der steuerpflichtige geldwerte Vorteil 240 € (vgl. das Beispiel in Tz. 17 des BMF- Schreibens vom 01.10.2008, BStBl I 2008, S. 892). Neben der individuellen Besteuerung kommt für die genannten Sachbezüge auch die Pauschalierung der Lohnsteuer nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 EStG durch den Arbeitgeber mit dem durchschnittlichen Steuersatz unter Zugrundelegung der durchschnittlichen Arbeitslöhne der Arbeitnehmer in Betracht. Voraussetzung ist, dass von dem Arbeitgeber sonstige Bezüge in einer größeren Zahl von Fällen gewährt werden. Ausgeschlossen ist die Pauschalierung, soweit der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer sonstige Bezüge von mehr als 1.000 € im Kalenderjahr gewährt (§ 40 Abs. 1 Satz 3 EStG). Die pauschale Steuererhebung durch den Arbeitgeber hat Abgeltungswirkung, d.h. der Arbeitnehmer muss den geldwerten Vorteil in seiner Steuererklärung nicht mehr angeben (§ 40 Abs. 3 Satz 3 EStG). Waren oder Dienstleistungen, die der Arbeitgeber nicht gegenüber Dritten erbringt Waren oder Dienstleistungen, die ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses vom Arbeitgeber erhält und die dieser nicht gegenüber Dritten (Kunden) erbringt, sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) anzusetzen. Nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG ist eine Freigrenze von 44 € im Monat anzuwenden. Übersteigt der geldwerte Vorteil den Betrag von 44 €, so ist der Betrag in voller Höhe steuerpflichtig. Nach der neueren Rechtsprechung des BFH (Urteile vom 11.11.2010, Az. VI R 27/09, VI R 41/10, VI R 21/09) liegt ein Sachbezug auch dann vor, wenn der Arbeitgeber seine Zahlung an den Arbeitnehmer mit der Auflage verbindet, den empfangenen Geldbetrag nur in einer bestimmten Weise zu verwenden. 286 Einkommensteuer Beispiel B.178: Der Arbeitgeber räumt seinen Arbeitnehmern das Recht ein, auf Kosten des Arbeitgebers gegen Vorlage einer Tankkarte bei einer Vertragstankstelle zu tanken. Auf der Karte sind die Literzahl eines bestimmten Kraftstoffes und der Höchstbetrag von 44 € gespeichert. Die Arbeitnehmer dürfen mit einem vom Arbeitgeber ausgestellten Gutschein eine bestimmte Litermenge Treibstoff an einer beliebigen Tankstelle tanken. Anschließend erstattet der Arbeitgeber die hierfür entstandenen Kosten. Der Arbeitgeber schenkt seinen Arbeitnehmern zum Geburtstag Geschenkgutscheine einer Einzelhandelskette im Wert von 20 €. Der BFH hat in seinen Urteilen vom 11.11.2010 in allen drei Fällen steuerfreien Sachlohn angenommen. Sofern es sich bei den Sachbezügen um solche im Sinne des § 40 Abs. 2 EStG handelt und die Freigrenze von 44 € überschritten ist, kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer mit 25 % (§ 40 Abs. 2 Satz 1 EStG) bzw. 15 % (§ 40 Abs. 2 Satz 2 EStG) pauschalieren. Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs zur privaten Nutzung des Arbeitnehmers Hinsichtlich der Ermittlung des geldwerten Vorteils eines betrieblichen Kraftfahrzeugs, das einem Arbeitnehmer unentgeltlich (oder verbilligt) überlassen wird, verweist § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG auf die Regelung des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG. Danach ist die private Nutzung eines Kraftfahrzeugs für jeden Kalendermonat mit 1 % des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung und einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen. Der geldwerte Vorteil kann auch dann nach der Listenpreismethode ermittelt werden, wenn das Kraftfahrzeug zu 50 % und mehr von dem Arbeitnehmer für private Fahrten verwendet wird, da auch die private Nutzung des Arbeitnehmers aus Sicht des Arbeitgebers eine betriebliche Nutzung darstellt. Beispiel B.179: Ein Arbeitnehmer nutzt ein Dienstfahrzeug, das ihm von seinem Arbeitgeber unentgeltlich überlassen wurde, auch für Privatfahrten. Der Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung einschließlich Umsatzsteuer hat 23.000 € betragen. Der jährliche geldwerte Vorteil beträgt pauschal: 1 % · 23.000 € · 12 (Monate) = 2.760 €. Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Wird das dem Arbeitnehmer zur Nutzung überlassene betriebliche Fahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte verwendet, so ist zusätzlich als geldwerter Vorteil ein Betrag von 0,03 % des Listenpreises je Kalendermonat für jeden Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzusetzen (§ 8 Abs. 2 Satz 3 EStG). Allerdings kann der Arbeitnehmer für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zugleich den Werbungskostenabzug des § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG (vgl. Abschnitt B.6.2) in Anspruch nehmen. Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten 287 Beispiel B.180: Der Arbeitnehmer aus dem vorhergehenden Beispiel nutzt das Fahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte an 220 Tagen im Jahr. Die Entfernung beträgt 24 Kilometer. Der geldwerte Vorteil für die Nutzung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt pauschal: 0,03 % · 23.000 € · 24 (km) · 12 (Monate) = 1.987,20 € Als Werbungskosten können gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG abgezogen werden: 220 (Tage) · 24 (km) · 0,30 € = 1.584 € Fahrtenbuchmethode bei Nutzungsüberlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs Statt der pauschalen Bewertung des geldwerten Vorteils mit 1 % bzw. 0,03 % des Listenpreises gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 bzw. 3 EStG kann der geldwerte Vorteil mit dem auf die private Nutzung bzw. auf die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entfallenden Anteil an den gesamten Kfz-Aufwendungen angesetzt werden, sofern dieser Anteil durch ein Fahrtenbuch und die Höhe der Aufwendungen durch Belege nachgewiesen sind (§ 8 Abs. 2 Satz 4 EStG). Zu den Anforderungen an ein Fahrtenbuch siehe R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 EStR; H 8.1 Abs. 9–10 EStH. Es fällt auf, dass § 4 Abs. 5 Nr. 6 und § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG einerseits sowie § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 und § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG andererseits identische Berechnungsvorschriften enthalten: Der Inhaber eines Betriebes kann als Betriebsausgaben gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6 EStG für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte den gleichen Betrag nicht absetzen, den ein Arbeitnehmer bei Benutzung eines betrieblichen Fahrzeugs gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG zu versteuern hat. Der Inhaber eines Betriebes hat den gleichen Betrag, den ein Arbeitnehmer bei privater Nutzung eines dienstlichen Fahrzeugs gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG zu versteuern hat, gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG als eine gewinnerhöhende Entnahme zu behandeln. Die geschilderten Regelungen dienen offenbar dazu, die private Kfz-Nutzung des Geschäftsinhabers sowie eines Arbeitnehmers einer identischen steuerlichen Behandlung zu unterwerfen. 6.2 Werbungskosten Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Die im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Voraussetzungen für Einnahmen gelten für Aufwendungen in umgekehrter Form. Aufwendungen sind Güter in Geld oder Geldeswert, die im Rahmen einer Überschusseinkunftsart abfließen. Mangels Abflusses sind insbesondere ersparte Aufwendungen, z.B. der Einsatz der eigenen Arbeitskraft zur Reparatur eines Mietshauses (BFH-Urteil vom 01.10.1985, BStBl II 1986, S. 142), nicht abzugsfähig. Gleiches gilt für den Verzicht auf Einnahmen, z.B. die Umwandlung des Bonusanspruchs in Freizeit (Vfg. OFD Düsseldorf vom 23.05.2005, DB 2005, S. 1250). Aufwendungen zur Erwerbung von Einnahmen sind gegeben, wenn sie unmittelbar der Erzielung von Einnahmen dienen (z.B. Fahrtkosten eines Arbeitnehmers). Aufwendungen

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.