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2.7 Die Rating-Verfahren der Banken in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 90 - 96

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_90

Series: Finance Competence

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2.7 Die Rating-Verfahren der Banken 75 wie viele Unternehmen bereits durch die von Ihnen ins Auge gefasste Agentur geratet worden sind. Die Zahl der bereits von einer Agentur gerateten Unternehmen ist auch vor folgendem Hintergrund bedeutend: Einer Rating-Agentur sollte ein Vergleich eines Unternehmensratings mit einer hinreichenden Zahl weiterer Mandanten möglich sein, um über eine solide Basis zur Peer-Group-Bildung zu verfügen, da dies eine unerlässliche Voraussetzung für ein objektives Urteil ist. In diesem Zusammenhang ist der sogenannte Track Record von nicht zu unterschätzender Bedeutung, der die Möglichkeit schafft, auf Grund historischer (Daten von) Ausfallraten eine ständige Plausibilitätskontrolle ihrer Rating-Noten vorzunehmen. Im Wesentlichen einheitlich zeigen sich die Rating-Skalierungen der hier vorgestellten Agenturen, die sich an internationale Standards anlehnen. Inwieweit die Rating-Urteile jedoch dem internationalen Vergleich standhalten, kann an dieser Stelle noch nicht abschließend beurteilt werden. Es zeigt sich jedoch, dass die Verwendbarkeit der Ratings der kleineren Agenturen eingeschränkt ist. Noten von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings stellen so etwas wie die Leitwährung dar. Überhaupt ist für das internationale Standing von entscheidender Bedeutung, inwieweit die Agenturen die begehrte Anerkennung durch die Aufsichtsbehörden, zum Beispiel von der einfl ussreichen US Securities and Exchange Commission (SEC), besitzen. Dies ist bei Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch Ratings der Fall – ein Umstand, der nicht allein im Hoheitsgebiet der jeweiligen Behörde von Bedeutung ist, sondern sich auch prestigefördernd im Rest der Welt auswirkt. Die Marktakzeptanz ist damit ein wesentliches Kriterium zur Beurteilung der Güte einer Rating-Agentur. Vielfach kommen hierzu – wie bereits gesagt – die Verwendbarkeit und die Rating-Kosten als weitere determinierende Faktoren. Kleinere Rating- Agenturen befi nden sich daher oft in einer Zwangslage. Sie müssen einerseits um der Seriosität willen den gleichen Analyseaufwand wie die Großen betreiben und andererseits aber eine ihrem Format angemessene Preisstruktur fi nden. 2.7 Die Rating-Verfahren der Banken Ratings sind ein Kernelement der Risikosteuerung und somit im Firmenkundenkreditgeschäft sowohl für das erfolgreiche Management als auch für das Controlling eines Kreditportfolios unverzichtbar. Sie haben die folgenden drei grundlegenden Funktionen: • Mittel zur direkten Entscheidungsunterstützung im Rahmen der Kreditvergabe, • Instrument zur Steuerung von Abläufen, z. B. in Abhängigkeit der Kompetenzstruktur, sowie • Grundbaustein für viele weiterführende Kreditrisikomodelle, z. B. zur Berechnung von Standardausfallkosten oder zur Ermittlung des RoRaC78. Entscheidend dabei ist, dass die Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken durch interne (oder externe) Rating-Urteile bzw. die mit ihnen verbundenen einjährigen Ausfallwahrscheinlichkeiten bestimmt wird. Zudem müssen die Verfahren aufsichtsrechtlich anerkannt werden, wenn sie zur Bestimmung der Höhe dieser Eigenkapitalunterlegung herangezogen werden sollen. Dadurch bedingt wurden innerhalb vieler Banken neue Ansätze zur Bonitätsbeurteilung entwickelt, die die traditionellen Verfahren zur Kreditwürdigkeitsprüfung abgelöst haben. 78 RoRaC = Return on Risk adjusted Capital. 2. Grundlagen der Finanzierung und des Ratings76 Wie sieht ein Rating-Prozess in der Praxis aus? Diese Frage kann nicht pauschal für sämtliche Banken beantwortet werden, zumal sich die Rating-Verfahren und die mit ihnen verbundenen Prozesse in steter (Weiter-)Entwicklung durch neue regulatorische Anforderungen an Banken befi nden. Dennoch kann der in Abbildung 15 dargestellte schematische Ablauf als ein „idealtypischer“ Rating-Prozess angesehen werden.79 Datenerfassung Anreicherung der Daten K.o.- Kriterien und Warnhinweise Jahresabschlussanalyse Bewertung der Kriterien • quantitativ • qualitativ (z.B. Bewertung der Wettbewerbskräfte, Bewertung der Managementqualität 1 2 3 4 5 Rating-Urteil (inkl. einjähriger Ausfallwahrscheinlichkeit) Bewertung der Sicherheiten/ Garantien Engagementbeurteilung 6 7 8 ––– ––– ––– ——— – ––– ––– Abbildung 15: Der interne Rating-Prozess der Banken 2.7.1 Datenerfassung Die Bank kann die einzelnen Rating-Kriterien nur anhand der Informationen beurteilen, die ihr vorliegen. Dazu die nen ihr vor allem die vom Unternehmen eingereichten Unterlagen. Unverzichtbar für die Bewertung der Bonität eines Unternehmens sind die (testierten) Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre sowie eine aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Darüber hinaus werden von nahezu allen Banken ein Strategiepapier sowie Angaben zu den Planungen der nächsten zwei bis drei Jahre erwartet. Dazu gehören auch ein detaillierter Liquiditäts- und Finanzplan, ein Investitionsplan sowie ein Umsatz- und Kostenplan. Von steigender Bedeutung sind darüber hinaus persönliche Angaben zum Unternehmer bzw. zu den Geschäftsleitungs- und/oder Organmitgliedern. In Abhängigkeit des Engagements verlangen Banken darüber hinaus z. B. einen Businessplan, einen Überblick über die Unternehmensorganisation oder eine Darstellung des Produktangebots/der Dienstleistung. 2.7.2 Anreicherung der Daten Nach der Datenerfassung anhand der eingereichten Unterlagen, des Kreditgesprächs oder auch einer Betriebsbesichtigung greift eine Bank zusätzlich auf weitere interne und externe Quellen zu, um eine möglichst objektive und marktneutrale Bewertung des Unternehmens gewährleisten zu können. Interessant sind dabei Informationen zur Branche, zum Unternehmen oder zu den Personen der Geschäftsführung. 79 Vgl. Füser/Heidusch (2002) Abschnitt 5.12 und Füser/Heidusch (2003), S. 46 ff. 2.7 Die Rating-Verfahren der Banken 77 Die wichtigsten externen Quellen sind neben Informationen aus der (lokalen) Presse die Auskünfte der SCHUFA-Organisation, der Feri Research, des Verein Creditreform und der Bürgel Wirtschaftsinformationen. Einige Banken verwenden darüber hinaus Informationen der örtlichen Industrie- und Handelskammern sowie Veröffentlichungen von technischen und wissenschaftlichen Instituten. Zu den am häufi gsten intern gewonnenen und berücksichtigten Informationen zählen die Kontodaten. Anhand der Kontobewegungen sind Zahlungsschwierigkeiten eines Unternehmens oftmals bereits erkennbar, wenn dem Jahresabschluss noch keine Auffälligkeiten zu entnehmen sind. Darüber hinaus werden Erfahrungen aus früheren Geschäftsverbindungen gesammelt und bewertet. Einige Großbanken nutzen als weitere Informationsquelle ihre eigenen Branchenstudien, deren Angaben meist jedoch eher deskriptiver Natur sind. Eine Verdichtung der Informationen zu einem Branchenrating, wie sie etwa von Feri Research durchgeführt wird, erfolgt i. d. R. nicht. 2.7.3 K.-o.-Kriterien und Warnhinweise Das Ziel eines Rating-Verfahrens ist es, die Bonität eines Unternehmens anhand einer Vielzahl geeigneter Kriterien und den zwischen diesen bestehenden kausalen Wechselwirkungen zu beurteilen. Nach einer umfassenden Datenerfassung und vor der eigentlichen Bewertung werden jedoch zunächst sogenannte K.-o.-Kriterien und Warnhinweise überprüft. Falls K.-o.-Kriterien vorliegen, führen diese – noch vor Aufnahme des originären Rating-Prozesses – zur Einordnung des Unternehmens in die schlechteste Rating-Klasse und damit zur Ablehnung des Kreditantrags. So wird es in den Jahren nach einer Kreditkündigung oder einer Kontopfändung i. d. R. bei keiner Bank zu einer Kreditgenehmigung kommen. Andere K.-o.-Kriterien variieren dagegen von Bank zu Bank. Typische K.-o.-Kriterien sind: • Kreditkündigung (bei einer anderen Bank), • Kontopfändung, • lange, unvereinbarte Überziehungen in der Vergangenheit, • sonstige (negative) eigene Erfahrungen, • negative SCHUFA-Auskunft des (Einzel-)Unternehmers. Warnhinweise werden als so bedeutend eingestuft, dass ihr Auftreten allein das Rating-Urteil deutlich negativ beeinfl ussen kann. So lassen etwa längere, unvereinbarte Überziehungen oder Verzögerungen im Zahlungsverhalten in der Vergangenheit eine pünktliche und vollständige Begleichung der Zins- und Tilgungsverpfl ichtungen in der Zukunft fraglich erscheinen. Mögliche Reaktionen auf Warnhinweise sind die Abstufung um eine feste Anzahl von Rating-Klassen oder die Festlegung einer maximal zulässigen Rating-Klasse. Häufi ge Warnhinweise sind: • längere, unvereinbarte Überziehungen in der Vergangenheit, • Verzögerungen im Zahlungsverhalten, • Rücklastschriften und Scheckrückgaben, • schlechte Unternehmensentwicklung seit der letzten Bilanz, • unzureichende Liquidität, • unzureichende Zuverlässigkeit, Vertrags- oder Termintreue, • unzureichendes Informationsverhalten, • kein aussagekräftiger Liquiditäts-, Finanz- und Investitionsplan. 2. Grundlagen der Finanzierung und des Ratings78 Die Trennung zwischen K.-o.-Kriterien und Warnhinweisen kann nicht für sämtliche Banken einheitlich nachvollzogen werden. Ein Kriterium, das bei der einen Bank nur zu einer Abstufung des Ratings führt, kann bei einer anderen Bank bereits die Ablehnung des Kreditantrags nach sich ziehen. 2.7.4 Jahresabschlussanalyse Die Erstellung einer Jahresabschlussanalyse stellt im Kreditgeschäft der Banken ein wesentliches Instrument zur Bonitätsbeurteilung eines Kreditnehmers dar. Damit genügen die Banken insbesondere § 18 KWG , nach dem Kredite mit einer Höhe von mehr als EUR 750.000 oder mehr als 10 % des haftenden Eigenkapitals des Institutes nur dann gewährt werden dürfen, wenn sich das Kreditinstitut von dem Kreditnehmer die wirtschaftlichen Verhältnisse offen legen lässt. Dies hat laut KWG insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse zu geschehen. Ziel einer Jahresabschlussanalyse ist es, die Grundlage für die Bewertung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Rahmen des Rating-Prozesses zu schaffen. Es sind hierzu in der Vergangenheit eine Reihe von Kennzahlen entwickelt worden, um die betrieblichen Vorgänge, die sich im Jahresabschluss widerspiegeln, beurteilen zu können. Dabei fi nden Gliederungszahlen (z. B. die Eigenkapitalquote), Indexzahlen (z. B. das Umsatzwachstum) und Beziehungszahlen (z. B. die Anlagendeckung in Prozent) Verwendung, die – vorausgesetzt sie stellen wichtige Einfl ussgrößen zur Beurteilung der Bonität eines Unternehmens dar – als quantitative Kriterien in das Rating-Verfahren aufgenommen werden. Die Jahresabschlussanalyse unterscheidet sich kaum zwischen den Banken. Ein schematischer Aufbau ist in Abbildung 16 skizziert. Jahresabschlussanalyse Datenbasis Aufbereitung Auswertung Unternehmensinterne Unterlagen – Bilanz/GuV (der letzten drei bis fünf Jahre) – Anhang – Lagebericht Standardisierte Bewertungsgrundlage – Strukturbilanz – Struktur-GuV – (Branchen-)Vergleichszahlen Kennzahlen – Vermögenslage – Finanzlage – Ertragslage Abbildung 16: Struktu r der Jahresabschlussanalyse • Datenbasis: Die Datenbasis einer Jahresabschlussanalyse bilden die vom Unternehmen bereitgestellten Unterlagen. Grundsätzlich benötigt werden die Bilanzen sowie GuVs der letzten drei bis fünf Jahre. Um eine detaillierte Analyse durchführen zu können, müssen darüber hinaus die Anhänge sowie die Lageberichte zur Verfügung stehen. • Aufbereitung: Im Zuge der Aufbereitung erstellen Banken häufi g eine Strukturbilanz und eine Struktur-GuV, in denen alle relevanten Größen in standardisierter Form dargestellt werden, um für alle Unternehmen eine einheitliche Bewertungsgrundlage zu haben.80 Darüber hinaus werden aus den im Rahmen des Prozess- 80 Beispiele zur Aufbereitung der Jahresabschlüsse in den verschiedenen Banken fi nden sich z. B. in Meyer (2000). 2.7 Die Rating-Verfahren der Banken 79 schritts „Datenanreicherung“ gewonnenen Informationen (Branchen-)Vergleichszahlen abgeleitet. • Auswertung: Die in der aufgestellten Strukturbilanz und Struktur-GuV enthaltenen Informationen über das Unternehmen werden nun in Form verschiedener Kennzahlen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage verdichtet. Mit Hilfe dieser ist es im anschließenden Prozessschritt „Bewertung der Kriterien“ möglich, die fi nanzielle Situation des Unternehmens sowohl im Zeitverlauf der letzten drei bis fünf Jahre als auch im Vergleich zu (branchenüblichen) Durchschnittszahlen zu beurteilen. Die Jahresabschlussanalyse ist der „objektivste“ Bestandteil eines Rating-Prozesses, da die Eingangsinformationen vorwiegend aus den (testierten) Jahresabschlüssen des Unternehmens stammen und die Auswertung zum großen Teil maschinell vorgenommen wird. Damit ist üblicherweise eine Rekonstruktion der Ergebnisse jederzeit möglich. 2.7.5 Bewertung der Kriterien Nach Abschluss der Datenerfassung, der Anreicherung der Informationen durch interne und externe Quellen sowie der Aufbereitung der vorgelegten Jahresabschlüsse und Planzahlen im Rahmen der Jahresabschlussanalyse erfolgt die zusammenfassende Bewertung aller Kriterien, die schließlich das Rating-Ergebnis determinieren. Die Beurteilung der quantitativen Kriterien erfolgt i. d. R. relativ zu Durchschnittswerten, die je nach Bank – für die Gesamtwirtschaft, die relevante Branche oder eine genau defi nierte Gruppe von Referenzunternehmen ermittelt werden. Qualitative Kriterien werden meist anhand eines Fragebogens bewertet, der den Firmenkundenberatern zur Feststellung der Bonität eines Unternehmens zur Verfügung steht. Diese Leitfäden enthalten zumeist Fragestellungen, die bei der Bewertung der qualitativen Kriterien mit einzubeziehen sind. Darin wird z. B. vorgegeben, ob und wie etwa die Unternehmensgröße oder die Branche bei der Urteilsfi ndung zu berücksichtigen sind. Die im Einzelnen herangezogenen Kriterien variieren zwischen den Banken. Der Vergleich verschiedener Rating-Verfahren zeigt jedoch, dass die verwendeten Kriterien auf den folgenden „gemeinsamen Nenner“ gebracht werden können: • fi nanzielle Situation (aus Bilanz, GuV, BWA), • Prognosen und Prognosestabilität, • Management und Strategie, • Kommunikation und Transparenz, • Unternehmensorganisation, • Rechnungswesen und Controlling, • Produkte und Marktstellung, • Branche und Wettbewerbssituation. Viele Banken unterschieden bei der Beurteilung der fi nanziellen Kennzahlen zwischen verschiedenen Sektoren (Dienstleistung, Handel, Produkten, ...) oder gar (Teil-)Branchen. In den Rating-Ansätzen einiger Banken erfolgt eine weitere Differenzierung nach Unternehmensgröße oder Rechtsform, um deren Einfl uss auf fi nanzielle Kennzahlen und qualitative Faktoren wie die Unternehmensorganisation zu berücksichtigen. 2.7.6 Rating-Urteil Nach der Bewertung der einzelnen Kriterien werden diese zum eigentlichen Rating- Urteil verdichtet. Dabei werden in den Banken durchaus heterogene Schwerpunkte gesetzt. Als Orientierung können die drei in Abbildung 17 dargestellten (Merkmals-) Gewichtungen von hypothetischen Modellbanken dienen. 2. Grundlagen der Finanzierung und des Ratings80 X-Bank Y-Bank Z-Bank I. fi nanzielle Situation (aus Bilanz, GuV, BWA) 50 % 15 % 20 % Prognosen und Prognosestabilität 15 % 10 % 15 % II. Management und Strategie 5 % 25 % 10 % Kommunikation und Transparenz 5 % 5 % 5 % Unternehmensorganisation 5 % 15 % 10 % III. Rechnungswesen und Controlling 5 % 15 % 10 % Produkte und Marktstellung 5 % 10 % 15 % IV. Branche und Wettbewerbssituation 10 % 5 % 15 % Abbildung 17: Gewichtung einzelner Kriterien(-gruppen) bei dr ei hypothetischen Modellbanken Banken verwenden üblicherweise acht bis fünfzehn Rating-Klassen, die entweder durch Ziffern nach dem Schulnotenprinzip („1, 2, 3, ...“) oder Buchstabenkombinationen („AAA“, „AA“, ..., „BB“, „B“, ...) nach dem Vorbild der großen Rating-Agenturen bezeichnet werden. Mit jeder Rating-Klasse ist eine einjährige Ausfallwahrscheinlichkeit verbunden. Diese Schätzungen sollten so „stabil“ sein, dass die mit einer Rating- Klasse verbundene Ausfallwahrscheinlichkeit im Zeitverlauf nur marginal schwankt, d. h. z. B. über Jahre hinweg mit 1,3 % (±0,05 %) angegeben werden kann. 2.7.7 Bewertung von Sicherheiten und Garantien Die Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers erfolgt unabhängig von einer Bewertung der Sicherheiten und Garantien. Daher ermitteln die Banken neben dem (kreditnehmerbezogenen) Rating ein zweites, isoliertes Urteil über die Sicher heitenlage oder beziehen die Sicherheiten in ein eigenes Risikomodell zur Schätzung erwarteter Verluste ein. Basel III bewirkt in diesem Zusammenhang keine weiteren Änderungen. Zur Nutzung eines solchen selbstentwickelten Verlustschätzers müssen Banken den fortgeschrittenen IRB-Ansatz nutzen (siehe auch Abschnitt 2.8). Sie unterliegen dann keiner Einschränkung bzgl. der anerkennungsfähigen Sicherheiten und Garantiegeber. Dagegen ist die Liste der Sicherheiten, die von Banken, die sich für den IRB-Basisansatz entscheiden, anerkannt und im Rahmen der Ermittlung der Höhe der Eigenkapitalunterlegung risikomindernd berücksichtigt werden dürfen, auf die folgenden Sicherheiten eingeschränkt:81 • Bareinlagen, • Gold, • Schuldverschreibungen von Staaten, Banken oder Wertpapierhäusern mit Mindestrating – ohne Rating bei Erfüllung bestimmter Mindestanforderungen, • Aktien, die einem Hauptindex angehören oder an einer anerkannten Börse notiert sind, • UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities)/Investmentfonds, • gewerbliche Immobilien und Wohnimmobilien, • fi nanzielle Forderungen, • von der Bankenaufsicht bestimmte, physische Sicherheiten (etwa Maschinen oder Warenlager). 81 Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2002). 2.8 Interne Kreditrisikomodelle – Herausforderungen für die Banken 81 Einen Einblick über die aktuell nach deutschem Recht allgemein berücksichtigungsfähigen Sicherheiten liefert § 154 SolvV i. V. m. den §§ 155 – 157 SolvV, § 162 SolvV und den §§ 158 – 161 SolvV. Hierbei ist entscheidend, dass die rechtliche Wirksam- und Durchsetzbarkeit solcher Sicherheiten gegeben sein muss (§ 154 I S2 SolvV). Im Rahmen von Basel III wird der Kreis der anerkennungsfähigen Garantiegeber näher spezifi ziert. Demnach dürfen Banken lediglich Staaten und sonstige öffentliche Sektoren, Banken und Wertpapierhäuser sowie andere extern geratete Institutionen (z. B. Mutter-, Tochter- und Konzernunternehmen) als Garantiegeber akzeptieren.82 All diesen Sicherungsgebern ist gemein, dass ihr Risikogewicht geringer sein muss, als das des eigentlichen Schuldners. Für Banken, die den IRB-Basisansatz verwenden, gilt zudem, dass intern geratete Unternehmen ebenfalls anerkannt werden können. 2.7.8 Engagementbeurteilung Die Entscheidung darüber, ob ein Kredit gewährt wird, treffen die Banken unter Berücksichtigung der Bonität des (potenziellen) Kreditnehmers sowie der Bewertung von Sicherheiten und Garantien. Daran hat sich mit Inkrafttreten von Basel II nichts geändert und es wird sich auch mit Inkrafttreten von Basel III nichts ändern. Bedingt durch die in Basel II vorgeschriebenen in Abhängigkeit von Bonität und Besicherung von den Banken vorzuhaltende Eigenkapitalunterlegung der Kreditrisiken ist es zu einer Spreizung der Kreditkonditionen gekommen. Die Spreizung der Konditionen wird dabei insbesondere durch den Wettbewerb der Banken untereinander determiniert. Gewährt eine Bank weiterhin an alle Antragsteller Kredite zu einheitlichen Konditionen, so verliert sie auf Dauer ihre „guten“ Kreditnehmer, die bei einer anderen Bank günstigere Konditionen erhalten. Hierzu parallel erfährt sie einen „Zulauf schlechter Kreditnehmer“, die bei anderen Banken einen höheren Zins zahlen müssten. Kreditinstitute, die nicht risikoabhängige Kreditkonditionen stellen, sind daher auf Dauer nicht überlebensfähig und werden vom Markt gedrängt (Prinzip der „adversen Selektion“).83 2.8 Interne Kreditrisikomodelle – Herausforderungen für die Banken 2.8.1 Grundlagen Die Empfehlungen des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht in Form des zweiten Baseler Rahmenwerks „Basel II“ wurden mit dem Inkrafttreten der Solvabilitätsverordnung am 01.01.2007 sowie mit den sich daraus ergebenden Änderungen der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) in Deutschland umgesetzt. Das Ziel war hierbei, die Eigenkapitalvereinbarung Basel I von 1988 zu ersetzen. Basel II besteht aus drei tragenden Elementen („Säulen“, siehe Abbildung 18): Mindestanforderungen an die Eigenmittel, einem Überprüfungsverfahren durch die Aufsichtsbehörden und einem wirksamen Einsatz der Marktdisziplin. Während der Entwicklung von Basel II war das Baseler Komitee einerseits bestrebt, die Eigenkapitalausstattung insgesamt mindestens auf dem damals bereits nach Basel I bestehenden 8 %-Niveau zu halten, andererseits sollte der Bezug zwischen Eigenkapitalunterlegung und Risiken deutlicher herausgearbeitet werden. Erklärtes Ziel der Politik des Baseler Ausschusses ist es, eine größere Übereinstimmung zwischen dem 82 Vgl. hierzu und zum Folgenden „Basler Ausschuss für Bankenaufsicht“(2010), S. 60 f 83 Vgl. auch Gögel/Pinn (2001), S. 12.

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References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.