Content

6 Ausblick: Die Zukunft von Rating und Finanzierung in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 434 - 436

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_434

Series: Finance Competence

Bibliographic information
Ausblick: Die Zukunft von Rating und Finanzierung 6 Der Wettbewerb um Kapital ist im Wesentlichen ein Wettbewerb um ein gutes Rating. Und entsprechend ist die Abschätzung des aktuellen Ratings und die Steuerung des zukünftigen Ratings eine zentrale Herausforderung im Rahmen der Unternehmensführungsaufgaben. Rating und Finanzierung sind dabei eng miteinander verfl ochten, weil gerade die Ratingrestriktion die Finanzierungsmöglichkeiten (und Finanzierungskonditionen) bestimmen. In diesem Buch haben wir ausgehend von einer knappen Darstellung der Ratingtheorie einen systematischen Ansatz für die Abschätzung des eigenen Ratings – orientiert an dem bei Kreditinstituten und Ratingagenturen üblichen Verfahren – vorgestellt (Kapitel 3). Da neben Ertragsniveau und Risikotragfähigkeit insbesondere auch die zukünftigen Risiken die Insolvenzwahrscheinlichkeit, die durch eine Ratingnote symbolisiert wird, maßgeblich bestimmen, haben Verfahren der Risikoanalyse große Bedeutung. Wichtig sind insbesondere die simulationsbasierten Ratingprognose-Verfahren, die aufzeigen, in welcher Bandbreite sich das Rating zukünftig bewegen wird. Diese innovativen Verfahren nutzen die Monte-Carlo-Simulation und berechnen eine große repräsentative Anzahl risikobedingt möglicher Zukunftsszenarien des Unternehmens und zeigen die Implikationen für das zukünftige Rating. Durch den konsequenten Zukunftsbezug sind diese Ratingprognose wesentliche Grundlage für die Entwicklung und Beurteilung der eigenen Ratingstrategie. In Kapitel 4 des Buches haben wir die wichtigsten Instrumente für eine nachhaltige Verbesserung oder Stabilisierung des Ratings vorgestellt. Ratingprognosen ermöglichen es, die Konsequenzen der Ratingstrategie für Insolvenzwahrscheinlichkeit und Finanzierungskonditionen (Kreditzinsen) zu zeigen. Es geht darum, die Gesamtwirkung der denkbaren Maßnahmen zur Verbesserung der strategischen Ausrichtung, der Ertragssteigerung, der Risikobewältigung und der Optimierung der Finanzierungsstruktur (Risikotragfähigkeit) zu beurteilen. Mit der Methodik der Ratingprognose erhält die Unternehmensführung einen einfach anwendbaren und aussagekräftigen Krisenfrühwarnidikator. Um eine Unternehmensstrategie (und speziell eine Ratingstrategie) auch aus der Perspektive der Eigentümer zu beurteilen, sind Unternehmensbewertungsmethoden erforderlich. Deshalb haben wir im Buch Verfahren vorgestellt, die ausgehend von der prognostizierten (unsicheren) Entwicklung der Erträge oder Cashfl ows eines Unternehmens auf den fundamentalen Ertragswert (als Erfolgsmaßstab) schließen. Im Gegensatz zu traditionellen Verfahren für vollkommene Kapitalmärkte (z. B. basierend auf dem Capital Asset Pricing Model) ist dabei ein Rückgriff auf historische Aktienrenditen nicht erforderlich. Die Grundidee ist einfach: Ein höherer (aggregierter) Risikoumfang führt zu einem höheren Umfang von möglichen negativen Planabweichungen/Verlusten, was einen höheren Bedarf an Eigenkapital mit sich bringt und damit höhere Kapitalkostensätze und einen niedrigeren Unternehmenswert impliziert. In diesem Zusammenhang haben wir auch aufgezeigt, dass der Unternehmenswert oft erheblich gesteigert werden kann durch eine Verbesserung des Ratings. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit wirkt sich nämlich aus wie eine „negative Wachstumsrate“ der zukünftigen Erträge und demonstriert, dass Unternehmen per se nicht „ewig“ existieren. 6. Ausblick: Die Zukunft von Rating und Finanzierung422 Insgesamt erlauben die von uns vorgestellten Verfahren eine fundierte Einschätzung des aktuellen und eine systematische Steuerung des zukünftigen Ratings durch geeignete Maßnahmen. Etabliert wird damit ein Krisenfrühwarnindikator für die Unternehmensführung und es wird möglich, eine Beurteilung operativer und strategischer Handlungsoptionen sowohl aus Perspektive der Gläubiger (Ratingprognose) als auch der Eigentümer (nachhaltiger Ertrag/Unternehmenswert) zu erhalten. Nach unserer Einschätzung ist es von zentraler Bedeutung in Anbetracht realer Rating- und Finanzierungsrestriktionen das Rating und die Ratingprognose als wesentliche Bausteine des betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumentariums vorzusehen. Das Rating ist eine wesentliche strategische Kennzahl (z. B. in einer Balanced Scorecard) und ähnlich wie auch Umsatz und Kosten eine gezielt zu steuernde Kenngröße. Viele sowieso sinnvolle Maßnahmen der Stärkung des Unternehmens (z. B. Verbesserung des Vertriebs, Steigerung der Prozesseffi zienz oder Optimierung der Kapitalbindung) tragen auch zu einer Verbesserung des Ratings bei. Auf diese Weise kann die Entwicklung einer Ratingstrategie ein Weg für eine adäquate Priorisierung unternehmerisch sinnvoller Maßnahmen sein. Die gezielte Steuerung des Ratings trägt dazu bei, Ertrag und Wert des Unternehmens zu steigern, Unternehmenskrisen zu vermeiden und letztlich den Bestand des Unternehmens zu sichern. Bedenken Sie dabei: Fast alle unternehmerischen Aktivitäten zur Verbesserung des Ratings sind zur Stärkung des Unternehmens – bzw. der Steigerung des Unternehmenswerts – sowieso sinnvoll. Daher kann das Thema „Rating“ möglicherweise bewirken, dass gerade die erheblichen Potenziale der Unternehmen des deutschen Mittelstands zukünftig noch konsequenter ausgeschöpft werden. Aber auch bei großen börsennotierten Aktiengesellschaften gibt es noch genug Potenziale, z. B. bei der Berücksichtigung der Insolvenzwahrscheinlichkeit im Kontext der wertorientierten Unternehmenssteuerung (Performancemanagement). Anhänge 7 Checkliste – die 30 wichtigsten Aktivitäten für das Rating Handlungsbedarf  1. Jahresabschlussanalyse, insbesondere kritische Bewertung von Eigenkapitalquote, dynamischer Verschuldungsgrad und Zinsdeckung („fi nanzielle Rating-Kriterien“)  2. Analyse der Marktattraktivität der Branche („Branchenrating“)  3. Bewertung der Megatrends für die Zukunftsaussichten des Unternehmens  4. Bewertung der Erfolgspotenziale des Unternehmens (Stärken und Schwächen)  5. Erstellung eines Inventars der wichtigsten Risiken  6. Berechnung der aggregierten Gesamtrisikoposition  7. Einschätzung der eigenen „Rating-Stufe“ und Identifi kation „kritischer Rating-Kriterien“  8. Entwicklung oder Präzisierung der (wertorientierten) Unternehmensstrategie  9. Aufbau einer Balanced Scorecard zur Strategieumsetzung 10. Entwicklung einer operativen Unternehmensplanung (Geschäftsplan) 11. Auf- bzw. Ausbau eines Controlling-Systems (inkl. Budgets und Abweichungsanalysen) 12. Aufbau einer Finanz- bzw. Liquiditätsplanung 13. Aufbau eines Risikomanagementsystems 14. Aufbau eines Frühaufklärungssystems (Umsatzprognosesystem) 15. Erarbeitung einer Risikopolitik mit Limiten für Risiken 16. Erarbeitung eines Maßnahmenplans mit Risikobewältigungsmaßnahmen 17. Transfer von „Randrisiken“ auf Dritte (z. B. Versicherungen oder Kapitalmarkt) 18. Bewertung/Verstärkung der Managementkompetenz 19. Bewertung/Verstärkung der Wettbewerbsvorteile (Qualität, Service, Vertrieb) des Unternehmens 20. Konsequentes Kostenmanagement und Effi zienzsteigerung der Arbeitsprozesse 21. Reduzierung der Kapitalbindung in Vorräten und Forderungen

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.