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4.6 Zusammenfassung: Maßnahmen zur Optimierung des Ratings in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 365 - 367

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_365

Series: Finance Competence

Bibliographic information
4. Ratingstrategie und Optimierung des Ratings352 gen der Deutschen Bundesbank (Monatsberichte) zu fi nden. Zu beachten ist, dass der realisierbare Fremdkapitalzinssatz natürlich vom Rating und des mit ihm einhergehenden Niveau der Insolvenzwahrscheinlichkeit abhängt.318 Die Kenntnis des eigenen Ratings (Kapitel 3) und der mit dieser einhergehenden Schätzung der Insolvenzwahrscheinlichkeit ist damit erforderlich, um sich „realistische“ Ziele bei den Verhandlungen um Zinskonditionen zu setzen. Grundsätzlich wird man dabei feststellen, dass die Zinssätze für kürzere Laufzeiten fast immer günstiger sind als für längerfristige Darlehen. Eine längerfristige Zinsfestschreibung bringt aber ein höheres Maß an Kostensicherheit. Die Darlehenslaufzeiten können maximal die Lebensdauer des zu fi nanzierenden Vermögensgegenstands erreichen. Aus Sicht des Unternehmers ist es wünschenswert, ein vorzeitiges Tilgungsrecht zu vereinbaren. Falls nämlich die Marktzinsen deutlich sinken sollten oder das Unternehmen überschüssige Finanzmittel hat, kann bei einer derartigen Regelung ein nicht mehr sinnvoll erscheinender Kredit vorzeitig ganz oder teilweise abgelöst werden. Ob eine kürzere oder eine längere Kreditbindungsdauer sinnvoll ist, hängt immer auch vom momentanen Marktzins- Niveau ab. Wenn das Marktzinsniveau aktuell sehr hoch ist, bietet sich die Vereinbarung eines variablen Zinssatzes an, um von erwartungsgemäß sinkenden Zinsen profi tieren zu können. Umgekehrt wird man bei einem historisch gesehen sehr niedrigen Zinsniveau eher eine langfristige Zinsfestschreibung anstreben. Bei der Beurteilung der Attraktivität eines Kredits ist der „effektive Jahreszins“ maßgeblich, der neben dem Nominalzins (Sollzins) weitere Aspekte berücksichtigt, wie das Disagio, Bearbeitungsgebühren oder Kreditprovisionen. Im Rahmen der Verhandlung über die Konditionen sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, dass keine Kreditprovisionen oder Bereitstellungsprovisionen, die auch für einen nicht genutzten Kreditrahmen fällig werden, vereinbart werden. 4.6 Zusammenfassung: Maßnahmen zur Optimierung des Ratings Die nachfolgende Abbildung fasst die vier Felder des Rating-Advisory, ergänzt um die diskutierten Punkte zur Verbesserung des eigenen Ratings, zusammen. Die Darstellung soll Anhaltspunkte zur Identifi kation des Handlungsbedarfs sowie zur Priorisierung einzelner Schritte liefern. In diesem Kapitel wurden die wichtigsten Ansatzpunkte für die Optimierung des Ratings vorgestellt. Wie nach den einführenden Erläuterungen zur Theorie des Ratings nicht anders zu erwarten, sind viele der hier angesprochenen Handlungsmöglichkeiten grundsätzlich für eine Stärkung des Unternehmens und einer Verbesserung seiner Zukunftsaussichten sinnvoll – die Verbesserung des Ratings ist manchmal quasi ein Nebeneffekt. Vor dem Hintergrund der Rating-Strategie sind also viele Maßnahmen grundsätzlich von Interesse, es gilt jedoch, diese adäquat zu priorisieren. Hierbei ist es von grundlegender Bedeutung, diejenigen Handlungs-Alternativen zu fi nden, die zu einer deutlichen Verbesserung bei den „kritischen Rating-Kriterien“ (vgl. Abschnitt 3.2.1) beitragen. 318 Auch wenn eine Zunahme der Insolvenzwahrscheinlichkeit mit steigenden (vertraglichen) Fremdkapitalzinssätzen einhergeht, führt dies nicht automatisch auch zu einem entsprechenden Anstieg der Fremdkapitalkosten (der erwarteten Rendite der Gläubiger), siehe Gleißner (2011c). 4.6 Zusammenfassung: Maßnahmen zur Optimierung des Ratings 353 Abbildung 92: Maßnahmen zur Optimierung des Ratings Bei der Erarbeitung einer Rating-Strategie ergibt sich hierbei möglicherweise eine andere Priorisierung unternehmerischer Handlungsmöglichkeiten, als sich dies beispielsweise alleine aus einer Steigerung der Rentabilität des Unternehmens oder einer Optimierung des Unternehmens ableiten ließe. Ratingprognosen zeigen die zu erwartenden Konsequenzen der Ratingstrategie. In der folgenden Tabelle können Sie nunmehr für jedes kritische Rating-Kriterium diejenigen richtungsweisenden Optimierungsmaßnahmen angeben, die hier eine besondere Wirksamkeit erwarten lassen. Jede der ausgewählten Handlungs-Alternativen sollte schließlich priorisiert werden, wobei beispielsweise eine Bewertung von 1 („wenig bedeutsam“) bis 5 („für das Rating von existenzieller Bedeutung“) herangezogen werden kann. Welche Alternativen sehen Sie abschließend, um Ihr Rating zu verbessern? Stellen Sie bitte die wesentlichen Maßnahmen zusammen und versehen Sie diese mit einer Priorität. Nr. Maßnahme erwartete Wirkung Priorität 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 4. Ratingstrategie und Optimierung des Ratings354 4.7 Beurteilung und Bewertung von Ratingstrategien 4.7.1 Grundlagen einer risikogerechten Bewertung Bisher wurde in diesem Kapitel aufgezeigt wie grundsätzlich erfolgsversprechende Ratingstrategien entwickelt werden können. Dabei wurden die verschiedenen hier möglichen Instrumente, Ansatzpunkte und mögliche Maßnahmen vorgestellt. In diesem Abschnitt wird nun die Frage betrachtet, wie beurteilt werden kann, ob die so abgeleitete Strategie (Ratingstrategie) tatsächlich ökonomisch sinnvoll und „ausreichend“ ist („Strategiebewertung“). Ebenso wird gezeigt, wie alternativ denkbare Ratingstrategien im Hinblick auf ihren Nutzen verglichen werden können. Dabei erfolgt grundsätzliche eine Beurteilung sowohl aus Perspektive des Eigentümers (nachhaltiger Ertrag, Unternehmenswert) und natürlich aus Perspektive des Gläubigers (zukünftig zu erwartendes Rating). Letzteres ermöglicht die schon erläuterten Ratingprognosen (vgl. Abschnitt 3.8.3). Die bisher dargestellte Ratingeinschätzung betrachtet ein Unternehmen aus der Perspektive von Gläubigern. Nachfolgend wird nun also ergänzend das Unternehmen aus

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Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.