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3.2 Rating-Kriterien - eine erste Übersicht in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 123 - 153

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_123

Series: Finance Competence

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3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 109 Zudem stellte sich bei vielen Untersuchungen heraus, dass selten ein Faktor allein zum Misserfolg eines Unternehmens führt, umgekehrt aber bereits ein besonderer Vorteil zum Erfolg führen kann. Dies erklärt auch, warum manche Unternehmen trotz einiger Mängel schnell und erfolgreich wachsen, dann aber (bei sinkendem Wettbewerbsvorteil) schnell in eine Krise geraten können. Eine umfangreiche international durchgeführte Erfolgsfaktorenuntersuchung  – die PIMS-Studie  – bestätigt die hohe Bedeutung der Qualität der erbrachten Leistungen (Differenzierungsstrategie). Außerdem wird bestätigt, dass Unternehmen in wachsenden Märkten deutlich erfolgreicher sind als solche in stagnierenden oder schrumpfenden Märkten.114 Aus heutiger Sicht ist festzuhalten, dass sicherlich alle vorgestellten Erklärungsansätze ihre Berechtigung haben. Der industrieökonomische Ansatz erklärt relativ gut die Rentabilitätsunterschiede zwischen Branchen, vor allem auch vor dem Hintergrund fundamental unterschiedlicher Kostenstrukturen; der Ressourcenansatz hingegen die Rentabilitätsunterschiede innerhalb einer Branche. Ressourcenorientierten Ansätze sind in letzter Zeit durch die Arbeiten von Hamel und Prahalad (1995) über Kernkompetenzen (d. h. besonders wichtige, nicht käufl iche Ressourcen) wieder stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Für die langfristige Erfolgssicherung sind hierbei natürlich Vorteile hinsichtlich solcher Ressourcen von Bedeutung, die nicht oder kaum von Wettbewerbern am Markt erworben oder einfach selbst aufgebaut werden können. Itami (1991) verweist daher auf die besondere Bedeutung solcher „unsichtbarer Vermögenswerte“. Hierzu gehören z. B. umfassende, personen- übergreifende Fertigungserfahrungen („Zusammenspiel der Mitarbeiter“), die man mitunter als Kernkompetenzen ansehen kann. Ebenfalls wichtig sind langjährig gewachsene Kundenbindungen, weil solche immateriellen Assets „sunk-cost-Charakter“ haben und nur durch einen hohen Zeitaufwand – kaum durch Geld alleine – aufgebaut werden können. Insgesamt ist davon auszugehen, dass erfolgreiche Unternehmensführung die Beachtung aller hier dargestellten Erfolgsursachen erfordert, eine Tatsache, die die Aufgabe eines Unternehmers so schwierig macht, wie sie heute ist. Entsprechend schwierig ist der Aufbau von Rating-Ansätzen zur Beurteilung der langfristigen Erfolgspotenziale von Unternehmen. 3.2 Rating-Kriterien  – eine erste Übersicht 3.2.1 Anforderungen an Rating-Kriterien und „kritische Rating-Kriterien“ Obwohl mit jedem Ratingverfahren letztlich die Ausfallw ahrscheinlichkeit eines Unternehmens vorhergesagt werden soll, berücksichtigen Agenturen und Institute nicht alle exakt die gleichen Risikokriterien. Obwohl also theoretisch ein Wettbewerb um die beste Risikoeinschätzung existiert, sind im Kern oft sehr ähnliche Kriterien maßgeblich. Häufi g werden beim Rating folgende Kriterien zur Risikoeinschätzung berücksichtigt: 1. Die vergangene und prognostizierte Fähigkeit, Erträge zu erwirtschaften, um Kredite zurückzuzahlen und den sonstigen Finanzbedarf zu decken. Hierzu zählen zum Beispiel der Kapitalaufwand für das laufende Geschäft oder der Kapitalbedarf zur Erhaltung des Cashfl ows. 114 Zur Vertiefung siehe Buzzel/Gale (1989) und – weiterführend – Jenner (1999) sowie Simon (2007). 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?110 2. Die Kapitalstruktur und die Wahrscheinlichkeit, dass unvorhergesehene Umstände die Kapitaldecke aufzehren könnten und dies zur Zahlungsunfähigkeit führt. 3. Die fi nanzielle Flexibilität in Abhängigkeit vom Zugang zu Fremd- und Eigenkapitalmärkten, um zusätzliche Mittel erlangen zu können. 4. Der Grad der Fremdfi nanzierung und die Auswirkungen von Nachfrageschwankungen auf die Rentabilität und den Cashfl ow. 5. Die Qualität der Einkünfte, d. h. der Grad, zu dem die Einkünfte und der Cashfl ow des Kreditnehmers aus dem Kerngeschäft und nicht aus einmaligen, nicht wiederkehrenden Quellen stammen. 6. Die Position innerhalb der Industrie und die zukünftigen Aussichten innerhalb der Bank. 7. Die Risikocharakteristik des Landes, in dem ein Unternehmen seine Geschäfte betreibt und deren Auswirkungen auf die Schuldendienstfähigkeit des Kreditnehmers. 8. Die Qualität und rechtzeitige Verfügbarkeit von Informationen über den Kreditnehmer, einschließlich der Verfügbarkeit testierter Jahresabschlüsse, der anzuwendenden Rechnungslegungsstandards und der Einhaltung dieser Standards. 9. Die Stärke und Fähigkeit des Managements, auf veränderte Bedingungen effektiv zu reagieren und Ressourcen einzusetzen. Die gewählten Rating-Kriterien sollen zusammen in der Lage sein, erwartetes Ertragsniveau, die Risiken und Risikodeckungspotenziale sowie die Glaubwürdigkeit dieser Informationen zu beschreiben bzw. zu prognostizieren. Abbildung 25 zeigt zusammengefasst eine weitere Übersicht über typische Elemente eines Ratings zum Vergleich. Abbildung 25: Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 111 Zu den Rating-Kriterien von Standard & Poor’s führt Papak (1996) – in Büschgen/Everling (1996) – aus: „Zu den zahlreichen Faktoren, die für die Beurteilung herangezogen werden, zählen u. a. die Wachstumsaussichten der Branche, die Stabilität oder auch rückläufi ge Entwicklungen in der Branche sowie konjunkturelle Zyklen. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch auch die Bestimmung der Anfälligkeit gegenüber technologischem Wandel, Arbeitsunruhen und staatliche Regulierung“. Zusammengefasst lassen sich die Rating-Kriterien von Standard & Poor’s und Moody’s wie in Tabelle 11 und Tabelle 12 darstellen:115 Externes Rating Internes Rating Standard & Poor‘s Moody‘s „typische Bank“ Finanzielles Risiko: Bilanz- und Rechnungswesen Finanzpolitik Rentabilität Cashfl ow Finanzielle Stabilität Finanzwirtschaftliche Risiken: Cashfl ow Liquidität Verbindlichkeitsstruktur Eigenkapital und Reserven Wirtschaftliche Verhältnisse: Ertragslage (Cashfl ow, Rentabilität, …) Finanzlage (Eigenmittelquote, Liquidität, …) Geschäftsrisiko: Industriemerkmale … Wettbewerbsposition Management Wettbewerbliche und betriebliche Risiken: Relativer Marktanteil Wettbewerbsposition Diversifi zierung Umsatz, Kosten, Ergebnis Absatz und Beschaff ung Unternehmensstruktur und rechtliche Risiken: Einbeziehung verbundener Unternehmen Managementqualität: Planungs- und Kontrollwesen Managementerfahrung Organisationsstruktur Nachfolgeregelung Unternehmenssituation: Brancheneinschätzung Marktstellung/Wettbewerb Produkt/Sortiment Spezielle Risiken Prognosen Ertrags- und Liquiditätsplanung Unternehmensstruktur Management: Erfahrung Nachfolge Qualität des Rechnungswesens Qualität des Controllings Kundenbeziehung/ Kontoführung Tabelle 11: Kriterienkataloge verschiedener Rating-Institutionen Die Rating-Kriterien Schlüsselkriterien/Industrieunternehmen • Branchenumfeld, Konjunktur und Ausblick • Wettbewerbslage des Unternehmens und wettbewerbsspezifi sche Stärken und Schwächen • Fähigkeiten und Ziele des Managements • Buchführungsqualität • Vergangene und erwartete Finanzerfolge • Ertragslage und Ertragskrafterhaltung • Cashfl ow und fi nanzielle Flexibilität • Betriebseffi zienz • Andere relevante Punkte wie Eigentumsverhältnisse, nationale Bedeutung, etc. Branchenrisiko: • Bedeutung der Branche für die Wirtschaft des Landes Eigentumsverhältnisse • Eigentümer • Beziehung zwischen Eigentümern und Management: Selbstständigkeit, Kontrolle • Größe und Status der Eigentümer • Möglichkeit für weitere Unterstützung • Gefahr des Kapitalentzugs • Struktur der Eigentumsverhältnisse • Andere Vorteile: Zugang zu neuen Technologien, Produkten • Zugang zu Kapitalmärkten Management • Finanzielle Entwicklung bis zur Gegenwart • Unternehmensziele • Erfahrung, Hintergrund, Glaubwürdigkeit 115 Vgl. Brunner/Krahnen/Weber (2000). 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?112 • Beschäftigungseff ekt • Legale Rahmenbedingungen • Reife des Wirtschaftszweiges • Internationale Wettbewerbslage • Zugangsbeschränkungen • Wettbewerbsposition im Inland: Monopol, Oligopol, Fragmentierung • Beschaff enheit der Branche: Kapitalintensität, Produktlebensdauer, Vermarktung • Konjunkturelle Faktoren: Angebot und Nachfrage • Preissetzungsmechanismen • Kosten- und Ertragsstruktur der Branche: Abhängigkeit von Energiekosten, Zinsniveau und Regierungspolitik Wettbewerbslage • Position innerhalb der Branche: Größe, Marktanteil, Preissetzungsfähigkeit • Position des bedeutendsten Produkts • Produktzyklus und Wettbewerb • Bedeutung von Forschung und Entwicklung sowie neuer Produktentwicklungen • Diversifi zierungsgrad der Produktpalette • Geografi sche Verteilung von Verkauf und Produktion • Bedeutung von Großkunden • Vermarktungsaufwand • Vertriebsnetz: Kontrolle und Anfälligkeit gegenüber externen Faktoren Cashfl ow • Angemesenheit des Cashfl ows zur Aufrechterhaltung der Geschäftskapazität • Cashfl ow, der für Expansion zur Verfügung steht • Einzelne Ausgabeposten im Cashfl ow einschließlich Werbung, Forschung und Entwicklung • Schwankungen des Cashfl ows • Beschränkungen des Cashfl ows: Kapitalausfuhrbeschränkungen, mögliche Steuerwirkungen, Zugang zu den Dividenden der Tochterunternehmen • Liquidität: Höhe und Schwankungen Kapital- und Schuldenstruktur • Verschuldungsgrad: historisch und geplant • Sensitivitätsanalyse • Saisonale Schwankungen der Kennzahlen • Deckungsverhältnisse für Zinsen und Leasingkosten • Bereinigung von Off -balance sheet-Größen: geleaste Gebäude und Anlagen, nichtkonsolidierte Töchter, garantierte assoziierte Unternehmen oder Jointventures • Angemessenheit der Kapitalstruktur zur Branche und dem betreff enden Land: übertriebene Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung • Art der zugrundeliegenden Vermögensgegenstände • Schuldenstruktur: Art, Fristigkeit, Währung, Tilgungsplan, Sicherheiten, Ausfallklauseln, Hedging Buchführungsgrundsätze • Gesetzliche Bestimmungen • Wirtschaftsprüfer und deren Meinung • Konsolidierungsgrundsätze und Konsolidierungskreis • Berücksichtigung erfolgswirksamer Ereignisse • Bewertungsgrundsätze des Anlage- und Umlaufvermögens • Berücksichtigung von Goodwill und immateriellen Anlagevermögen • Bewertung von Vermögensgegenständen unter Marktwert, z. B. Immobilien • Abschreibungspolitik: Satz und Lebensdauer • Fremdwährungsumrechnung • Steuerrückstellungspolitik • Pensionsrückstellungspolitik • Berücksichtigung der Finanzierungskosten Erträge • Qualität und Entwicklung des Gewinns aus ordentlicher Geschäftstätigkeit • Geografi sche und sektorale Verteilung des Betriebserfolgs • Nicht ordentliche und außer ordentliche Ergebnisse • Finanzwirksamer Ertrag • Rentabilität • Gewinnspannen • Zinsdeckungsverhältnis • Dividendendeckung • Steuerliche Situation Kapitalbeschaff ung und fi nanzielle Flexibilität • Flexibilität des geplanten Finanzbedarfs • Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten • Back-up und Stand-by-Bankkreditlinien • Kapitalbeschaff ungsmöglichkeiten: Aktionärskreis, Markt • Sicherung von Krediten • Sicherheitsspielraum gegenwärtiger und zukünftiger Verschuldungsgrade • Struktur der Vermögensgegenstände • Off -balance sheet-Position Tabelle 12: Potenzielle Rating-Kriterien 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 113 Für mittelständische Unternehmen ist die Kreditwürdigkeitsprüfung bzw. das „interne Rating“ durch die Hausbank und die dabei zugrunde gelegten Kriterien von besonderer Bedeutung. Diese Beurteilung durch Banken umfasst häufi g – wenn es in den Details natürlich auch deutliche Unterschiede gibt – die folgenden zehn Kriteriengruppen: • Tätigkeitsprofi l und Branchenattraktivität, • Marktbedingungen und Wettbewerbsposition, • Ertragslage, • Finanzlage, • Kontoführungsverhalten, • Dauer der Kundenbeziehung, • Sicherheiten, • Management-Einschätzung, • Identifi kation der Kapitalgeber mit dem Unternehmen, • Nachvollziehbarkeit und Fundierung von Planungen und Prognosen. Abbildung 26 zeigt zwei schon existierende populäre Ansätze der Kreditwürdigkeitsprüfung in der Grundstruktur der betrachteten Kriteriengruppen, der angloamerikanische „5-C-Ansatz“ und das „3-Säulen-Konzept“ vieler deutscher Banken. Abbildung 26: 5 -C- und 3-Säulen-Ansatz Eine immer größere Bedeutung beim Rating gewinnt dabei die Beurteilung des Managements , weil selbst die höchste Marktattraktivität und ausgeprägte Erfolgspotenziale wenig nützen, wenn das Management diese nicht nutzen kann. Hirsch (1996)116 gibt folgende Kriterien für ein günstiges Rating des Managements an: „Das Management • harmoniert und gehört zur Leistungselite, • baut systemkonforme Strategien auf, • ist homogener Bestandteil des Unternehmens (pars pro toto), • entwickelt Visionen, • wirkt auf die Mitarbeiter als Motivator, • versteht das Unternehmen als „lernende Organisation“ und • besteht aus Fachleuten, die Weichen stellen und Rahmen festlegen für – die Ausgestaltung diverser Controlling-Funktionen, – unternehmensspezifi sche Prozesse (z. B. Produktentwicklung, Konstruktionen, Auftragsabwicklung, Vertrieb, Einkauf, Marketing, ...), – Unternehmensfi nanzierung.“ 116 in: Büschgen/Everling (1996). 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?114 Das Gesamtrating-Urteil („Rating-Ergebnis“ oder „Rating-Stufe“) ergibt sich (als Funktion) in Abhängigkeit der einzelnen Rating-Kriterien. Im einfachsten Fall werden die verschiedenen Rating-Kriterien gewichtet und zu einem Gesamtrating addiert. Oftmals ist die Art der Zusammenfassung einzelner Rating-Kriterien zu einem Gesamtrating jedoch wesentlich komplexer (z. B. Anwendung von neuronalen Netzen oder Logit-Modellen). Fast durchweg sieht man jedoch, dass die heute bei Rating- Agenturen wie auch Kreditinstituten üblichen Rating-Systeme keine völlig starre Gewichtung der Rating-Kriterien haben. Berücksichtigt wird dabei beispielsweise, dass das Zusammentreffen von zwei an sich schon negativen Tatbeständen (z. B. die Abhängigkeit von einem Lieferanten und die Abhängigkeit von einem Kunden) zusammengenommen zu einer strategisch „katastrophalen“ Situation führt, die eine erhebliche Herabstufung des Ratings nach sich ziehen muss. Zudem haben viele Rating-Systeme mehr oder weniger ausgeprägte „K.-o.-Kriterien“, die ein Rating so stark negativ beeinfl ussen, dass selbst Verbesserungen in vielen anderen Bereichen diese nicht aufwiegen können. Ein Beispiel für ein solches „K.-o.-Kriterium“ ist z. B. die fehlende Nachfolgeregelung bei einem 64-jährigen Unternehmer. Fast grundsätzlich gilt, dass die Zusammenhänge zwischen einzelnen Rating-Kriterien und dem Gesamtrating durch relativ komplexe, nicht-lineare Funktionen beschrieben werden können. Dabei hängt die relative Gewichtung eines einzelnen Rating-Kriteriums maßgeblich von der Gewichtung der anderen Kriterien ab (also die Einzelkriterien in ihrer Gewichtung nicht separierbar sind). Auf Grund dieser Komplexität ergibt sich zwangsläufi g, dass die relative Bedeutung eines Rating-Kriteriums von vielfältigen Rahmenbedingungen abhängt und daher Unternehmens-individuell zu bestimmen ist. Selbst innerhalb eines Rating-Systems wird das Gesamtrating von unterschiedlichen Unternehmen oft durch unterschiedliche „kritische Rating-Kriterien “ maßgeblich beeinfl usst.117 Im Rahmen der Vorbereitung auf ein Rating (bzw. für die Entwicklung einer Rating-Strategie) ist es daher von entscheidender Bedeutung, die jeweils unternehmensspezifi schen „kritischen Rating-Kriterien“ zu identifi zieren. Diese kritischen Rating-Kriterien sind die wesentlichen Hebel, mit denen das Gesamtrating beeinfl usst werden kann. Es hilft wenig, die Anstrengungen der Unternehmensführung auf unwesentliche Rating-Kriterien zu konzentrieren. Im Sinne einer Fokussierung der Kräfte gilt es, möglichst präzise die „kritischen Rating-Kriterien“ zu erkennen und mit hoher Priorität an diesen zu arbeiten, denn außer der Vorbereitung auf das Rating hat die Unternehmensführung durchaus andere wichtige Aufgaben. In den folgenden Unterabschnitten werden einige Rating-Ansätze bezüglich der verwendeten Kriterien kurz dargestellt und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Verfahren verdeutlicht. Im anschließenden Kapitel wird ein Instrument zur Beurteilung des eigenen Ratings vorgestellt, das auf den hier skizzierten Rating-Ansätzen aufbaut. 3.2.2 Rating-Kriterien von Standard & Poor’s als Beispiel für externe Ratings Auf Grund der international hohen Akzeptanz der Rating-Agenturen Standard & Poor’s und Moody’s ist davon auszugehen, dass deren Rating-Ansätze auch weiterhin die Standards des Ratings in Deutschland sowie der internen Kreditrisikomodelle vieler Banken maßgeblich mit beeinfl ussen werden. 117 Formal gesehen kann man kritische Rating-Kriterien daran erkennen, dass das Rating-Ergebnis (wenn man von einer differenzierbaren Funktion in Abhängigkeit der Rating-Kriterien ausgehen kann) eine hohe Elastizität bezüglich der Veränderungen der „kritischen Rating- Kriterien“ aufweist. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 115 Die methodischen Grundlagen der Rating-Verfahren von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings sind die Kapitalmarkttheorie und das darauf basierende Konzept einer wertorientierten Unternehmensführung. Bei diesen Verfahren geht es grundsätzlich darum, die Ausfallwahrscheinlichkeit zu beurteilen, die maßgeblich durch die Relation zwischen Verschuldung und Unternehmenswert bestimmt wird. Im Folgenden soll das Modell von Standard & Poor’s genauer vorgestellt werden. Für das Unternehmens-Rating erstellt Standard & Poor’s ein Geschäftsprofi l und ein Finanzprofi l. Für die Erstellung dieser beiden Profi le, aus denen das Rating von Standard & Poor’s abgeleitet wird, wird zunächst die Unternehmensplanung ausgewertet. Je weniger aussagefähig die schriftliche Unternehmensplanung ist, desto größer wird die Bedeutung des Gesprächs der Analysten mit der Unternehmensführung. Standard & Poor’s differenziert dabei zunächst zwischen dem Geschäftsrisiko und dem Finanzrisiko („Finanzprofi l“). Das Geschäftsrisiko („Geschäftsprofi l“) selbst wird wiederum unterteilt in das Branchenrisiko und die unternehmensspezifi schen Risiken (vgl. Abbildung 27). Die gegenseitige Verbindung zwischen Geschäfts- und Firmenprofi l Finanzprofi l Geschäftsprofi l stark mittel schwach stark A BBB BB mittel BBB BB B schwach BBB CC C Abbildung 27: Die gegenseitige Beziehung zwischen Geschäfts- und Firmenprofi l118 Übersicht der Rating-Kriterien von Standard & Poor’s: 1) Finanzrisiko i) Qualität des Rechnungswesens ii) Finanzpolitik iii) Rentabilität iv) Kapitalstruktur und Verschuldungsgrad v) Deckungspotenzial (Cashfl ow) vi) Finanzielle Flexibilität 2) Geschäftsrisiko a) Branchenrisiko b) Unternehmensspezifi sches Risiko i) Rating der Wettbewerbsposition ii) Rating des Managements iii) Einstufung des Geschäftsrisikos Ad (1) Finanzrisiko Bei der Beurteilung des Finanzrisikos beurteilt die Rating-Agentur insbesondere die Rentabilität und das „Deckungspotenzial“. Unter dem Deckungspotenzial wird dabei die Fähigkeit eines Unternehmens verstanden, die aus den Fremdfi nanzierungen hergehenden Verpfl ichtungen (bezüglich Zins und Tilgung) wahrzunehmen. 118 Quelle: del Mestre (2001), S. 75. 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?116 Kennzahlen zum Deckungspotenzial sind: • Zinsaufwand/EBIT • (Zinsaufwand + Mietaufwand)/EBITR119. Beide Kennzahlen dienen dazu, Erträge in Relation zu den vertraglich fi xierten Auszahlungsverpfl ichtungen zu bewerten. Die Einbeziehung des Mietaufwands hat in dem dargestellten Bewertungsansatz den Vorteil, dass hiermit ein Äquivalent zu den Zinszahlungen in die Berechnung einbezogen wird, die entstehen würden, wenn die entsprechenden Vermögensgegenstände selbst angeschafft worden wären. Zur Beurteilung der Angemessenheit der Verschuldung verwendet Standard & Poor’s z. B. folgende Kennzahlen: • Bilanzieller Verschuldungsgrad120 = Gesamtverschuldung Gesamtverschuldung + Eigenkapital • Verschuldungsgrad zum Marktwert = Gesamtverschuldung Gesamtverschuldung + Unternehmenswert Da die Ertragskraft im Endeffekt als Maßstab für den Wert sämtlicher Aktiva eines Unternehmens angesehen werden kann und zudem auch die langfristige Fähigkeit fi nanzielle Verbindlichkeiten zu bedienen ebenso von dieser Ertragskraft abhängig ist, spielen bei der fi nanziellen Risikotragfähigkeitsanalyse die Rentabilitätskennzahlen eine bedeutende Rolle. Betrachtet werden dabei beispielsweise • ROCE121 = EBIT/Capital Employed. • EBITDA – Marge = EBITDA/Umsatz. Für sämtliche Kennzahlen wird dabei neben der absoluten Höhe auch der zeitliche Trend prognostiziert und analysiert. Grundsätzlich positiv beurteilt Standard & Poor’s es, wenn die Unternehmensleitung eine wertorientierte Politik (Shareholder-Value-Ansatz) verfolgt, sich das Unternehmen also an den Interessen der Aktionäre ausrichtet.122 Zusätzlich betrachtet Standard & Poor’s mehrere Kriterien zur Kapitalstruktur als maßgebliche Einfl ussfaktoren auf ein Rating, wobei auch hier grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass die Rentabilität eines Vermögensgegenstandes für dessen Wert determinierend ist. Um die Eigenkapitalquote oder den dynamischen Verschuldungsgrad als bedeutende Kennzahlen zum Umfang der Verschuldung fundiert beurteilen zu können, nehmen die Analysten von Standard & Poor’s Bereinigungen vor. Zum Beispiel werden die folgenden bilanzunwirksamen Positionen kapitalisiert: • Operating-Leasing • Langzeit-Lieferverträge mit unbedingter Zahlungsverpfl ichtung • Forderungen, die übertragen, verbrieft oder durch Factoring verkauft wurden • Eventualverbindlichkeiten infolge von Rechtsstreitigkeiten Durch Einbeziehung der Kapitalisierung dieser Positionen fi ndet eine Bilanzverlängerung statt, die zu einem höheren Verschuldungsgrad führt.123 119 EBITR = EBIT zuzüglich Gesamtmieten. 120 Diese Kennzahl ist lediglich eine alternative Darstellung der Eigenkapitalquote. 121 ROCE = Return on Capital Employed. 122 Vgl. del Mestre (2001), S. 26 123 Beim Operating-Leasing werden häufi g – deutlich vereinfachend – die jährlichen Leasingausgaben mit einem Faktor multipliziert, der der durchschnittlichen Lebensdauer des geleasten Vermögensgegenstandes entspricht. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 117 Bei sämtlichen für das Rating relevanten Finanzkennzahlen ist zu beachten, dass Standard & Poor’s den Cashfl ow-Analysen und damit den Cashfl ow-bezogenen Kennzahlen aufgrund ihrer geringeren Bewertungsabhängigkeit ein höheres Gewicht zuspricht, als den gewinnorientierten Kennzahlen. Offensichtlich sind die Cashfl ows dafür maßgeblich, dass das Unternehmen seinen Zahlungsverpfl ichtungen nachkommen kann. Sieht man von möglichen Verschiebungen betriebsnotwendiger Investitionen ab, sind es genau genommen die freien Cashfl ows, also die Cashfl ows vor Zinsaufwendungen und nach Abzug von Investitionen in Anlage- und Umlaufvermögen, die für das Bestreiten des Zinsaufwands und der Tilgungen eingesetzt werden können. Wichtige Cashfl ow-Kennzahlen sind hierbei: • EBITDA/Gesamtverschuldung.124 • EBITDA/Zinsaufwand. • Free Cashfl ow/(Zinsaufwand + Tilgungsverpfl ichtungen). • Investitionsausgaben/Substanzwerterhaltung (= betriebsnotwendige Abschreibungen). Die beiden folgenden Darstellungen (vgl. Abbildung 28) zeigen weitere Kriterien, die bei der Beurteilung des Finanzrisikos herangezogen werden. Cashfl ow Finanzielle Stabilität • Höhe und Umfang des Kapitalbedarfs • Zukünftiger Cashfl ow • Cashfl ow im Verhältnis zur Verschuldung • Freier Cashfl ow im Verhältnis zur Verschuldung • Finanzierungsbedarf • Kurz- und mittelfristige Finanzpläne • Finanzierungsalternativen im Notfall • Investitionsfl exibilität • Möglichkeiten der Umgruppierung des Vermögens in anderen Bereichen • Verhältnis nicht bilanzierter Vermögensteile zu nicht bilanzierten Schulden • Hohes Volumen von kurzfristigem Fremd kapital • Floating Rate Notes • Hoher Schuldendienst • Current Ratio • Verhältnis Muttergesellschaft zu Tochter- bzw. Beteiligungsgesellschaften Qualität des Rechnungswesen Ertragsfähigkeit Kapitalstruktur/ Vermögensdeckung • Qualifi kation der Wirtschaftsprüfer • Bewertung der Vorräte • Goodwill • Erfassung der Erträge • Abschreibungspolitik • Nichtkonsolidierte Beteiligung • Rechnungslegung von Pensionsverpfl ichtungen • Unterbewertete Aktiva • Gesamtkapital-Rendite • Vorsteuer-Deckungsbeitrag • Ergebnismargen • Kapitalrendite nach Geschäftssegmenten • Ertragspotenziale • Deckung der Pensionsaufwendungen • Interne Finanzkraft • Infl ationsbereinigte Erträge • Langfristige Schulden (Gesamtverschuldung) zu Kapital • Eigenkapitalanteil • Leverage einschl. Verpfl ichtungen außerhalb der Bilanz • Art des Vermögens • Umlaufvermögensmanagement • Art, Umfang, Wert immaterieller Wirtschafts güter • Vermögen außerhalb der Bilanz Abbildung 28: Kriterien zur Beurteilung von Finanzrisiken 125 124 Der EBITDA wird bereinigt um die oben angesprochenen bilanzunwirksamen Verbindlichkeiten. 125 Quelle: Büschgen/Everling (1996), S. 413. 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?118 Für eine Gesamtbeurteilung des fi nanziellen Risikos werden schließlich weitere Aspekte untersucht, die erhebliche fi nanzielle Auswirkungen haben könnten. Hierzu zählen insbesondere: • mögliche fi nanzielle Belastungen durch Gerichtsprozesse, • Defi zite in der Versicherungsdeckung, • hohe Pensionsverpfl ichtung, • Abhängigkeiten von Banken, • restriktive Klauseln in Kreditverträgen sowie die • Möglichkeiten, einzelne Vermögenswerte zu Liquiditätszwecken zu verkaufen. Ad (2) Geschäftsrisiko (2 a) Branchenrisiko. Bei der Bewertung des Branchenrisikos wird insbesondere auf • Wachstumsaussichten, • konjunkturelle Zyklen, • Anfälligkeiten gegenüber technologischem Wandel und • Anfälligkeiten gegenüber staatlicher Regulierung eingegangen. Wesentlich ist, dass das Branchenrisiko als Rating-Obergrenze für alle Unternehmen der Branche angesehen wird, d. h. in einer risikobehafteten Branche mit „schlechtem“ Rating kann kein einzelnes Unternehmen ein günstigeres Rating (als das Rating der Branche) erreichen. Günstig beurteilt Standard & Poor’s Branchen, die • eine stetig zunehmende Nachfrage, • hohe und stabile Gewinnmargen sowie eine • moderate Kapitalintensität zur fl exiblen Gestaltung von Investitionen aufweisen. Die branchenbezogene Risikoanalyse gibt nicht nur die Obergrenze für unternehmensindividuelle Ratings vor, sondern zeigt zudem die Ansatzpunkte für unternehmensspezifi sche Analysen auf. So wird beispielsweise ausgewertet, welche Faktoren in einer Branche für die Erfolge der einzelnen Unternehmen besonders maßgeblich sind (Erfolgsfaktoren). (2 b) Unternehmensspezifi sche Risiken. Die unternehmensspezifi sche Risikoanalyse beurteilt insbesondere die Erfolgsfaktoren, die Bedrohungspotenziale der Erfolgsfaktoren sowie wesentliche Schwächen des Unternehmens. Für das Rating von hoher Bedeutung ist zudem der Grad der Diversifi kation auf der Absatzseite. Günstige Ratings sind nur dann möglich, wenn Unternehmen keine kritischen Abhängigkeiten von einzelnen Kunden aufweisen und zudem durch eine Diversifi kation (z. B. bezüglich unterschiedlicher Geschäftsfelder und Regionen) Risikoausgleichseffekte nutzen können. Da eine derartige Diversifi kation meist nur bei größeren Unternehmen möglich ist, hat die Unternehmensgröße implizit Konsequenzen für das Rating. Da mittelständische Unternehmen teilweise nur schwach diversifi ziert sind, werden Mittelständler hier eher Nachteile haben. Bezüglich der unternehmensspezifi schen Risiken fl ießt in das Rating auch maßgeblich eine Bewertung des Managements ein, da diesem ein ebenso maßgeblicher Anteil am Unternehmenserfolg zugesprochen wird. Dabei sind die Qualifi kation und Erfahrung der Manager genauso relevant, wie es die Risikobereitschaft der Unternehmensführung ist. Ebenfalls von Bedeutung ist die Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen, ein Punkt, der insbesondere bei den inhabergeführten mittelständischen Unternehmen von Bedeutung ist. Die Strategie und operative Planung der Unternehmensführung werden im Bewertungsprozess auf die Plausibilität der Annahmen, die Konsistenz der Schlussfolgerungen und die Kontinuität der Umsätze hin bewertet. Schließlich können auch potenzielle organisatorische 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 119 Probleme die unternehmensspezifi sche Risikoeinschätzung beeinfl ussen. Standard & Poor’s berücksichtigen insbesondere folgende Aspekte: • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, • Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten des Managements durch Gesellschafter, • Inkonsistenzen zwischen Organisationsstruktur und Unternehmensstrategie, • häufi ge und grundlegende organisatorische Veränderungen, • geringe Bedeutung des Finanzmanagements im Kontext der Unternehmensorganisation und • ein noch nicht vollzogener Übergang von einem Familienbetrieb zu einem durch ein Management geführten Unternehmen. Man sieht, dass der Übertrag derartiger Rating-Aspekte auf mittelständische Unternehmen hier oft zu erheblichen Abschlägen bei der Beurteilung führen wird. Natürlich hat für die Beurteilung der unternehmensspezifi schen Risiken die Wettbewerbspositionen eine sehr hohe Bedeutung. Neben den grundlegenden Marktcharakteristika bestimmen diese maßgeblich die zukünftigen Ertragsperspektiven. Für die Bewertung einer Wettbewerbsposition werden dabei grundsätzlich folgende Kriterien von Standard & Poor’s herangezogen: • Erfolgspotenziale, insbesondere Wettbewerbsvorteile (z. B. bezüglich der Vertriebsstärke, der Qualität, dem Service oder dem Preis), • Marktposition (Höhe und Entwicklung des Marktanteils), • relative Kostenposition und operative Effi zienz (Prozesse). Abbildung 29 gibt eine zusammenfassende Übersicht zu weiteren Kriterien, die bei Ratings üblicherweise berücksichtigt werden. Branchenrisiko Marktposition Operative Effi zienz • Wirtschaftszyklus • zyklisches Geschäft/ Ergebnisschwankungen • Einfl uss wissenschaftlicher Kräfte • Nachfrageseite • Finanzielle Charakteristika • Angebotseite • staatliche und ausländische Regelungen • mögliche Gesetzgebung • zersplittertes oder konzentriertes Geschäft • Eintrittsbarrieren • Umsatzkraft • Marktanteil • Markt-Verteilung/ Erfordernisse • Forschung und Entwicklung • Unterstützung durch Dienstleistungsorganisationen • Abhängigkeit von großen Kunden • Langfristige Absatzverträge • Produktdiversifi kation • Margenstärke • Preisführerschaft • Integration der Produktion • Anlagenausrüstung • Rohstoff versorgung • Produktivität • Anlagen • Personal • Arbeitskräfteangebot • Kosten • Arbeitnehmerbeziehungen • Umweltschutzanforderungen • Energiekosten Abbildung 29: Weitere Rating-Kriterien 126 Als Reaktion auf die letzte Wirtschafts- und Finanzkrise will Standard & Poor’s das Risikomanagement der Unternehmen noch stärker im Rating berücksichtigen. 126 Quelle: Büschgen/Everling (1996), S. 413. 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?120 3.2.3 Rating-Kriterien typischer interner Ratingsysteme Im Folgenden wird ein Ansatz skizziert, der diese Aspekte berücksichtigt und seitens der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum Rating von mittelständischen Unternehmen entwickelt wurde und im internen Rating-Modell einer Bank zum Einsatz kommt.127 Auch bei mittelständischen Unternehmen besteht die Möglichkeit einer umfassenden Jahresabschlussanalyse. Sie bildet in diesem Ansatz, wie auch in vielen alternativen Modellen zur Bonitätsprüfung mittelständischer Unternehmen innerhalb von Banken, einen wesentlichen Teil der quantitativen Analyse interner Informationen. Darüber hinaus lassen sich im Rahmen der Beurteilung der Bonität eine Reihe von externen Zusatzinformationen verarbeiten, die von verschiedensten „Datenlieferanten“ zur Verfügung gestellt werden können und die z. T. auch den Banken nützliche Informationen zur Beurteilung von Privatpersonen oder jungen Unternehmen bereitstellen können. Hierzu zählen z. B. die SCHUFA, der Verein Creditreform, das FERI-Institut oder das Statistische Bundesamt. Das Fundament der Bonitätsratings bilden damit Unternehmensanalysen, bei denen die verschiedensten Informationen Eingang fi nden. Bei eigentlich allen Analysen gehen unternehmens- und branchenspezifi sche Daten ein. Erstere bestehen zumeist aus Hard Facts (insbesondere Bilanz- und GuV-Daten) und aus Soft Facts. Als branchenspezifi sche Informationen werden zumeist das ökonomische Umfeld und die konjunkturelle Situation des Unternehmens in Erfahrung gebracht. Abbildung 30 zeigt den schematischen Aufbau eines von Ernst & Young entwickelten Ansatzes zum Rating von mittelständischen Unternehmen: Abbildung 30: Aufbau eines idealtypischen Ansatzes zur Beurteilung eines mittelständischen Unternehmens Im Rahmen der Beurteilung eines KMU können die vom Mittelständler zur Verfügung gestellten Jahresabschlüsse (bestehend z. B. aus Bilanz, GuV, Anhang und Lage- 127 Vgl. Füser (2001a). 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 121 bericht) sowie weitere darüber hinausgehend zur Verfügung gestellte Informationen ausgewertet werden. Ähnlich wie bei den ansonsten von Ernst & Young entwickelten Ansätzen wird auch an dieser Stelle eine mehrstufi ge Bewertungslogik gezeigt. Grundsätzlich werden in ihr zunächst Warnhinweise und K.-o.-Kriterien bewertet, bevor eine Analyse des bzw. der Jahresabschlüsse (der letzten drei Jahre/der nächsten n Jahre auf Basis von Plandaten) erfolgt. Auf einer letzten Bewertungsstufe wird mit Hilfe eines neuronalen Netzwerks auf der Basis einer Entscheidungsmatrix ein Bonitätsurteil generiert. Der Prozess der Analyse kann – wie gesagt – mit Informationen von einer Reihe externer Auskunfteien angereichert werden, die z. B. Branchenprognosen liefern oder volkswirtschaftliche Vergleichszahlen zur Verfügung stellen. Über die Einbindung des Verein-Creditreform-Bonitätsindex128 sowie weiterer vergleichbarer Informationsquellen (Bürgel-Auskunft, FERI-Branchenprognose) wird jedoch innerhalb von Banken grundsätzlich in Abhängigkeit des Aufwands, des Nutzens und der Sicherheitsbedürfnisse im Rahmen des Entscheidungsprozesses entschieden. Entscheidungsdeterminierend wirkt in unseren mehrstufi gen Rating-Logiken nach einer Prüfung der K.-o.-Kriterien und einer positiv verlaufenden Analyse von Jahresabschlüssen i. d. R. eine Merkmalsbeurteilung mittels der Einfl ussfaktoren einer Entscheidungsmatrix, die die integrierte Bewertung zahlreicher Merkmale erlaubt. Verarbeitet werden hierin z. B. (vgl. hierzu die nachfolgend dargestellte Entscheidungsmatrix): • Merkmale, die das Unternehmen skizzieren (Rechtsform, Gründungsjahr, Anzahl der Mitarbeiter, Umsatz), • Merkmale, die die Qualität des Managements bewerten, • Merkmale, die den Standort analysieren, • Merkmale, die die Branchenentwicklung, den Markt und die Konkurrenzsituation darstellen, • Merkmale, die die wirtschaftlichen Verhältnisse hinterfragen sowie • Merkmale, die aus vorliegenden Bankauskünften oder einer Creditreform-Auskunft abgeleitet werden können. Im Rahmen einer zukunftsbezogenen Unternehmensanalyse gilt es bei dem hier dargestellten Ansatz darüber hinausgehend zuerst, Größen aus der Vergangenheit des Unternehmens aufzubereiten und dann das Potenzial des Unternehmens in der Zukunft zu schätzen. Eine Unternehmensanalyse der letzten 3 bis 5 Jahre bildet hierzu die Ausgangsbasis. Wichtige Kennzahlen sind die Liquidität, das Eigenkapital, der Umsatz, der Cashfl ow und der Gewinn. Ebenso gilt es die Bilanzpolitik129 des zu bewertenden Unterneh- 128 Eine interessante Alternative stellt der von Creditreform gelieferte Bonitätsindex dar. Die Bonität eines Unternehmens wird aus dem Index bestimmt, indem angegeben wird, in welchen Teilbereich der Ordinalskala der Indexwert des Unternehmens fällt. In den Creditreform-Index gehen neben unternehmens- und branchenbezogenen Daten auch Inkasso-Daten in nicht unerheblichem Umfang ein. Als Kriterien werden die Zahlungsweise (Gewichtung: 20–24 %), das Krediturteil (25–30 %), die Umsatz- und Finanzdaten (ca. 25 %) sowie Strukturdaten (10–15 %) genannt. 129 Seit einigen Jahren stärkere Beachtung bei den fi nanziellen Rating-Kriterien fi ndet die Bilanzpolitik (vgl. Eigermann, J., (200l), S. 521–529). Es gilt als gut belegt, dass sich gute Unternehmen durch eine konservative Bilanzpolitik tendenziell schlechter darstellen, während schlechte Unternehmen umgekehrt durch eine progressive Bilanzpolitik tendenziell ein ausgeprägt gutes Erscheinungsbild aufbauen wollen. Aus diesem Grund ist das Bilanzierungsverhalten selbst für das Rating von Bedeutung. Bei der Beurteilung der Bilanzpolitik werden insbesondere die folgenden Sachverhalte betrachtet: 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?122 mens zu erkennen. Im Rahmen der Zukunftsanalyse müssen zudem Überlegungen zur Glaubwürdigkeit von Planzahlen und Budgets angestellt werden. Entscheidend ist, dass Ansätze wie der hier diskutierte eine hohe Akzeptanz innerhalb der Bank haben und die Transparenz hinsichtlich der Bewertung fördern, sodass die Bewertungsergebnisse Basel II-konform (bzw. Basel III-konform) genutzt und in den Dialog mit dem mittelständischen Kunden eingebracht werden können. Mit dem hier skizzierten Ansatz verfolgt Ernst & Young das Ziel, innovative Ansätze zur Bonitätsprüfung zu entwickeln. Dabei werden zwei Hauptursachen für Probleme der Kreditwirtschaft im Rahmen der Entwicklung der Ansätze berücksichtigt. Erstens ist die Bonitätsprüfung der meisten Kreditinstitute immer noch sehr retrospektiv orientiert. Dies ist unverständlich, denn der Kapitaldienst muss in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit gesichert sein. Es ist damit sinnvoll, Elemente einer Due Dilligence in die Kreditprüfung einzubauen. Hier könnten Firmenkundenbetreuer und Kreditspezialisten von den Investmentbanken lernen. Zweitens konzentriert sich die Bonitätsanalyse in der Praxis auf die Kreditanträge und vernachlässigt die Bestands- überwachung. • Die Nutzung von Ansatzwahlrechten (z. B. derivativer Firmenwerte gemäß § 255 Absatz 4 HGB oder Aufwendung für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs). • Die Ausübung von Bewertungswahlrechten (z. B. Diskontierungs-Zinsfuß für Pensionsrückstellungen oder Festlegung der Bestandteile aktivierter Herstellkosten). • Die Nutzung von Ermessungs-Spielräumen, insbesondere bei außerplanmäßigen Abschreibungen und der Festlegung der Nutzungsdauer von Gütern des Anlagevermögens. • Die Wirkung besonderer, bilanzrelevanter Vorgänge, wie z. B. Sales-and-Lease-back von Anlagegütern oder die Aufl ösung stiller Reserven durch Verkäufe von Vermögensgegenständen. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Ü bersicht 123 Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4 Klasse 5 Allgemeine Beurteilung eines bestehenden Unternehmens Rechtsform AG, haftungsbe. Gesellschaft, Körperschaft (++) OHG, KG (+) Einzelf., GbR ohne Haftungsbe. (o) GmbH, (kleine) AG, GmbH & Co. KG (–) Umsatz ≤ 5 Mio. EUR (o) 5–12, 5 Mio. EUR (+) 12,5–25 Mio. EUR (+) 25–125 Mio. EUR (+) > 125 Mio. EUR (++) Anzahl Mitarbeiter < 50 (+) 50–100 (o) 100–250 (o) 251–500 (+) > 500 (++) Alter des Unternehmens ≤ 3 Jahre (–) 3–10 Jahre (o) 10–20 Jahre (+) > 50 Jahre (++) Qualität des/der Unternehmer/Geschäftsführer/Managements Qualität Unternehmer/ Geschäfts führer/ Management in allen Bereichen hohe fachliche und pers. Qualifi kation (++) gute Qualifi kation mit Stärken in Teilbereichen (+) befriedigende Qualifi kation mit Stärken in Teilbereichen (o) deutliche Schwächen in Teilbereichen/latente Nachfolgeprobleme (–) nicht ausreichende Qualifi kation/akute Nachfolgeprobleme (–) SCHUFA – Score des GF/ verant. Vorstands A, B (––) keine Mithaftung, ohne Score (–) C (o) D, E (+) F, G, H und I (++) Beurteilung des Standortes Standort alte Bundesländer (+/o) neue Bundesländer (o/–) Standortqualität sehr gut (++) gut (+) befriedigend (o) mangelhaft/ungenügend (–) Beurteilung der Branchenentwicklung/des Marktes/der Konkurrenzsituation/des Produktes Branchenentwicklung positive Aussichten (weit über dem Branchendurchschnitt) (++) Überw. positive Aussichten (entsp. dem Branchendurchschnitt) (+) ohne größere Risiken (leicht unter dem Branchendurchschnitt) (o) nicht ungetrübt (deutlich unter dem Branchendurchschnitt) (–) schwierig (Branchenkennzahlen lassen deutliche Risiken erkennen) (–) 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating? 124 Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4 Klasse 5 Konjunkturabhängigkeit sehr geringe Konjunkturabhängigkeit (++) geringe Konjunktur abhängigkeit, kaum anfällig gegen konjunkturelle Schwankungen (+) durchschnittliche Konjunkturabhängigkeit, reagiert auf konjunkturelle Schwankungen (o) hohe Konjunkturabhängigkeit, jede kleinere konj. Schwankung führt zu starken Reaktionen (–) sehr hohe Konjunkturabhängigkeit, konj. Schwankungen haben extreme Auswirkungen (––) Konkurrenzsituation keine Konkurrenz (alleiniger Anbieter im Markt) (++) geringe Konkurrenz (gute Marktposition) (+) durchschnittliche Konkurrenz (normaler Wettbewerb) (o) hohe Konkurrenz (Preiswettbewerb) (–) sehr hohe Konkurrenzsituation (Preiswettbewerb/ Verdrängungswettbewerb) (––) Marktbeurteilung Erscheint das Leistungsangebot – auch in absehbarer Zukunft – konkurrenzfähig? sehr gut (gut veräußerbare Produkte von hoher Qualität/optimale Sortimentszusammensetzung) (++) gut (gut veräußerbare Produkte mit normaler Qualität, gute Sortimentszusammensetzung) (+) Befriedigend (gute Standardprodukte, normales Sortiment) (o) ausreichend (Standardprodukte/Sortiment mit Schwächen) (–) mangelhaft/ungenügend (schwache/minderwertige Produkte/Fehler im Sortiment) (––) Abnehmerabhängigkeit keine Abhängigkeit sehr breite Streuung der Abnehmer (++) geringe Abhängigkeit, überwiegend breite Streuung, Ausfall eines Abnehmers hat keinen Einfl uss auf die Unternehmensentwicklung (+) befriedigende Streuung, Ausfall eines Abnehmers kann verkraftet werden (o) Abhängigkeit gegeben über 50 % des Umsatzes entfallen auf max. 5 Abnehmer (–) starke Abhängigkeit, der weit überwiegend Teil des Umsatzes entfällt auf max. 5 Abnehmer (––) Lieferantenabhängigkeit keine Abhängigkeit, sehr breite Streuung der Lieferanten (++) geringe Abhängigkeit überwiegend breite Streuung, Ausfall eines Lieferanten hat keinen Einfl uss auf die Unternehmensentwicklung (+) befriedigende Streuung Ausfall eines Lieferanten kann verkraftet werden (o) Abhängigkeit gegeben, über 50 % des Umsatzes entfallen auf 1–2 Lieferanten (–) starke Abhängigkeit, der weit überwiegende Teil des Umsatzes entfällt auf 1–2 Lieferanten (––) Wirtschaftliche Verhältnisse Unternehmensentwicklung seit dem letzten Jahresabschluss deutliche Verbesserung (++) Verbesserung (+) keine Verbesserung (o) (deutliche) Verschlechterung (–) gravierende Verschlechterung (––) 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Ü bersicht 125 Ergebnis der Bilanzauswertung nachhal. überdurchschnittliche Entwicklung (++) planm./gute Gesch.-Entw. (+) Gesch.-Entw. gleichbleibend (o) Gesch.-Entw. rückläufi g (–) Gesch.-Entw. deutlich rückläufi g (––) Eigenkapitalquote erheblich besser als der Branchendurchschnitt (++) deutlich besser als der Branchendurchschnitt (+) Branchendurchschnitt bzw. geringe Abweichungen (o) erheblich schlechter als der Branchendurchschnitt (–) negative Kennzahl unabhängig vom Branchendurchschnitt (––) Gesamtrentabilität erheblich besser als der Branchendurchschnitt (++) deutlich besser als der Branchendurchschnitt (+) Branchendurchschnitt bzw. geringe Abweichungen (o) erheblich schlechter als der Branchendurchschnitt (–) negative Kennzahl unabhängig vom Branchendurchschnitt (––) Vermögensverhältnisse Vermögen deckt Gesamtschulden zu 200 % ab (++) Vermögen deckt Gesamtschulden zu 150 % ab (+) Vermögen deckt Gesamtschulden zu 125 % ab (o) Vermögen deckt Gesamtschulden zu 100 % ab (–) Vermögen deckt Gesamtschulden nicht zu 100 % ab (–) Obligo voll besichert Obligo bis unter 100 % besichert (++) Obligo bis unter 75 % abgesichert (+) Obligo bis 50 % abgesichert (o) Obligo bis unter 25 % abgesichert (–) Ungenügend – keine werthaltigen Sicherheiten (–) Bank-/Crefo-Auskunft Dauer der Kunden bindung bei der Hausbank ≤ 1/2 Jahr (––) 1/2–3 Jahre (–/o) 3–5 Jahre (o/+) 5–10 Jahre (+/++) > 10 Jahre (+/++) Kapitaldienstfähigkeit nachhaltig, überdurchschnittlich gut tragbar (++) überdurchschnittlich gut tragbar (+) gut tragbar (o) tragbar (–) knapp tragbar (––) Zahlungsmoral des Antragstellers keine Beanstandungen (+/++) eingeholte Auskunft ohne Beanstandungen (+) vereinzelte Scheck und/ oder Lastschrift rückgaben (o/–) häufi ge Scheck- und/oder Lastschriftrückgaben (–) regelmäßige Scheck und/ oder Lastschriftrückgaben (––) Kontoführung/Entw. keine bzw. sporad. Kredite (+) keine Information (o) Kontoführung i. d. R. in der Linie (o/–) volle Kreditausschöpfung (–) angespannte Liquidität (–) Geschäftsbeziehung wird empfohlen (++) ist zulässig (+) gilt als zulässig (+/o) bleibt abzuwarten (o/–) wird nicht abgesprochen (–) Crefo-Auskunft 0–199 (++) 200–279 (+) 280–349 (o) 350–399 (–) ≥ 400 (–) 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?126 3.2.4 Der Ratingansatz des Vereins Creditreform Der Verein Creditreform liefert einen Bonitätsindex („Risikobewertung nach Noten von 1 bis 6 bzw. einer differenzierteren Punkteskala von 0 bis 600“), den man wie folgt dargestellt in die Logik einer Entscheidungsmatrix einbetten kann:130 Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4 Klasse 5 Klasse 6 Crefo-Score 0–99 100–199 200–299 300–399 400–499 ≥ 500 Die Einschätzung des Bonitätsrisikos wird im Creditreform-Bonitätsindex mit einer dreistelligen Zahl ausgewiesen. Die Ziffern entsprechen dem gängigen Notensystem (von 1 = sehr gut bis 6 = ungenügend). Die zweite und dritte Ziffer erlauben eine genauere Differenzierung der Beurteilung. Dabei kann man sich bzgl. der Ausfallquoten an folgenden Wahrscheinlichkeiten orientieren: 100–150 (0,30 %), 151–200 (0,50 %), 201–250 (1,10 %), 251–300 (2,30 %), 301– 350 (7,90 %) und 351–420 (18,00 %). Der Creditreform-Bonitätsindex ergibt sich durch die Kombination von 15 Merkmalen und Merkmalskombinationen aus der Wirtschaftsauskunft und aus branchenanalytischen Vergleichswerten, die unterschiedlich stark gewichtet werden: • Zahlungsweise • Eigenkapitalstruktur • Krediturteil • Zahlungsverhalten der Kunden • Auftragslage • Zahlungsverhalten der Firma • Unternehmensentwicklung • Kapitalumschlag • Mitarbeiterstruktur • Rechtsform • Umsatz/Gesamtleistung • Altersstruktur • Produktivität (Umsatz pro Mitarbeiter) • Gesellschafterstruktur • Branchensituation Anhand des Notensystems sind verschiedene Klassifi zierungen in der Wirtschaftsauskunft leicht erkennbar. So bilden Auftragslage und Geschäftsgang eine Skala von sehr gut (10) bis sehr schlecht (60), die Unternehmens- und Geschäftsentwicklung liest sich entsprechend von expansiv (10) bis stark rückläufi g (60). Gleiches gilt für die Maßeinteilung der Zahlungsweise – von der Skontoausnutzung (1) bis zu erfassten Negativmerkmalen (6) – und des Krediturteils. Hier reicht die Skala von der unbedenklichen Empfehlung (1) bis zur strikten Ablehnung (6). Diese und weitere Merkmale fl ießen – entsprechend gewichtet – in die Berechnung des Bonitätsindex ein. Ein Bonitätsindex zwischen 300 und 400 Risikopunkten bedarf  – laut Verein Creditreform – einer näheren Erläuterung: Zwar ist dieser Index in seinen Ziffern an die Bewertung der Schulnoten angelehnt, aber es wäre falsch, diese Bonitätsklasse, analog als eine befriedigende, zufrieden stellende oder akzeptable Bonität zu verstehen. Spätestens ab einem Index von 350 beginnt eine nur noch ausreichende Bonität. Manche Systemlösung im Kreditmanagement setzt die kritische Schwelle bereits bei einem Bo- 130 Vgl. hierzu den Ernst & Young-Ansatz mit alternativer Klasseneinteilung. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 127 nitätsindex von 300. Natürlich muss immer berücksichtigt werden, dass der Bonitätsindex neben anderen Merkmalen, die intern zur Verfügung stehen, nur ein – wenn auch interessanter – Indikator ist. Beispiel für die Ermittlung eines Creditreform-Bonitätsindex Rechtsform: GmbH Branche: Bauhauptgewerbe Unternehmensentwicklung: konstant Auftragslage: gut Zahlungsweise: wie vereinbart Krediturteil: Verbindung zulässig Risikofaktoren Gewichtung in % Klasse 1 2 3 4 5 6 Zahlungsweise 20 40 Krediturteil 25 50 Unternehmensentwicklung 8 24 Auftragslage 7 14 Rechtsform 4 16 Branche 4 12 Unternehmensalter 4 8 Umsatz 2 6 Umsatz/Mitarbeiter 4 12 Zahl der Mitarbeiter 2 8 Eigenkapital 4 8 Kapitalumschlag 4 12 Zahlungsverhalten der Unternehmen 4 8 Zahlungsverhalten der Kunden 4 8 Gesellschafterstruktur 4 12 Summe 100 136 78 24 Bonitätsindex: 238 Durch die Multiplikation von Teilnoten für Risikofaktoren mit statischen Gewichten, die den Einfl uss einzelner Merkmale beschreiben, erfolgt somit die Ermittlung des Creditreform-Bonitätsindikators. 3.2.5 Kriterien der Sparkassenorganisation DSGV131 Trotz vieler Kritikpunkte spielen Kennzahlen und die mit ihnen einhergehende Informationsverdichtung im Rahmen der Jahresabschlussanalyse immer noch die tragende Rolle bei der Beurteilung der Bonität. Verdichtet auf Kennzahlen, können Jahresabschlussdaten so aufbereitet werden, dass sie in komprimierter Form über die Entwicklung der Unternehmung in der abgelaufenen Periode unterrichten können. In diesem 131 Deutscher Sparkassen- und Giroverband. 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?128 Sinne können beispielsweise Kennzahlen gebildet werden, die gezielt die Ertragsoder Finanzlage untersuchen. Bei der Betrachtung der Finanzlage wiederum können die Kennzahlen so ausgerichtet werden, dass die Entwicklung der Außenfi nanzierung von der Entwicklung der Innenfi nanzierung und Liquidität getrennt analysiert werden kann. Aus den Untersuchungen im Rahmen der empirischen Bilanzforschung ist bekannt, dass bereits wenige Kennzahlen ausreichen, um das gesuchte Ergebnis zuverlässig zu indizieren. Vergleicht man die zur Klassifi kation verwendeten Kennzahlen, so konzentriert sich das Interesse zudem häufi g auf gleiche Indikatoren. Zwar lassen sich im Detail Unterschiede feststellen, stets gehören jedoch die Eigenkapitalquote, eine Cashfl ow-Kennziffer und eine Rentabilitätskennzahl zu den Bestandteilen der empirisch ermittelten Funktionen. Jahresabschlussorientierte Kennzahlen und Kennzahlensysteme können heute noch als das in der Analysepraxis eindeutig dominierende Analyseinstrument bezeichnet werden. Als ein Beispiel für ein durchdachtes und erprobtes Kennzahlensystem kann ein Ansatz der Sparkassenorganisation gesehen werden, der nachfolgend dargestellt ist: Beispiel: Kennzahlensystem der Sparkassen A. Erfolgskennzahlen Gesamtkapitalverzinsung = Betriebsergebnis zuzüglich Zinsaufwand in Prozent der Bilanzsumme = Betriebsergebnis + Zinsaufwand · 100 = % Bilanzsumme Umsatzrentabilität = Betriebsergebnis in Prozent der Gesamtleistung = Betriebsergebnis · 100 = % Gesamtleistung Betriebsrentabilität = Teil-Betriebsergebnis in Prozent der Gesamtleistung = Teil-Betriebsergebnis · 100 = % Gesamtleistung Cashfl ow-Rate = Cashfl ow in Prozent der Gesamtleistung = Betr.erg. + Abschr. + Erhöhung langfr. Rückst. · 100 = % Gesamtleistung Rohertragsquote = Rohertrag in Prozent der Gesamtleistung = Gesamtleistung – Materialaufwand · 100 = % Gesamtleistung Personalaufwandsquote = Personalaufwand in Prozent der Gesamtleistung = Personalaufwand · 100 = % Gesamtleistung Abschreibungsaufwandsquote = Abschreibungen in Prozent der Gesamtleistung = Abschreibungen · 100 = % Gesamtleistung Mietaufwandsquote = Mietaufwand einschl. Leasingaufwand in Prozent der Gesamtleistung = Mietaufwand einschl. Leasingaufwand · 100 = % Gesamtleistung 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 129 Zinsaufwandsquote = Zinsaufwand in Prozent der Gesamtleistung = Zinsaufwand · 100 = % Gesamtleistung Umsatz je Beschäftigten = Nettoumsatz in tausend EUR je Beschäftigten = Nettoumsatz (TEUR) = TEUR Zahl der Beschäftigten Pro-Kopf-Ertrag = Rohertrag in tausend EUR je Beschäftigten = Gesamtleistung – Materialaufwand = TEUR Zahl der Beschäftigten B. Finanzierungs- und Liquiditätskennzahlen Anlagendeckung = In welchem Umfang ist das Anlagevermögen (einschließlich evtl. Unterbilanz) durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital fi nanziert? = Eigenkapital + langfr. Fremdkapital · 100 = % Anlagevermögen + Unterbilanz Kurzfristige Liquidität = In welchem Umfang ist das kurzfristige Fremdkapital durch kurzfristig gebundenes Umlaufvermögen gedeckt? = fl üssige Mittel + Wertpapiere + sonst. kurzfr. Umlaufvermögen · 100 = % kurzfrisitges Fremdkapital Dynamischer Ver- = Relation des Fremdkapitals zum Cashfl owschuldungsgrad (Jahre) = Fremdkapital · 100 = % Cashfl ow Debitorenlaufzeit in Tagen = Kundenziel in Tagen = Forderungen aus Lieferugen und Leistungen · 360 = Tage Nettoumsatz Kreditorenlaufzeit in Tagen = Lieferantenziel in Tagen = Warenverbindl. einschl. Wechselverbindl. · 360 = Tage Materialaufwand Lagerdauer in Tagen = Lagerdauer in Tagen = Vorräte · 360 = Tage Materialaufwand C. Bilanzstrukturkennzahlen Eigenkapitalquote = Prozentualer Anteil des „wirtschaftlichen“ Eigenkapitals an der Bilanzsumme: = Eigenkapital · 100 = % Bilanzsumme 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?130 Kurzfristige Verschuldung = Prozentualer Anteil des kurzfristigen Fremdkapitals an der Bilanzsumme: = kurzfristiges Fremdkapital · 100 = % Bilanzsumme Als Diff erenz der Summe von Eigenkapital + kurzfristige Verschuldung zu 100 % lässt sich auch die Quote der lang- und mittelfristigen Verschuldung ermitteln. Anlagenintensität = Prozentualer Anteil des Anlagevermögens an der Bilanzsumme:132 = Anlagevermögen · 100 = % Bilanzsumme D. Sonstige Kennzahlen Gesamtkapitalumschlag = Gesamtleistung im Verhältnis zur Bilanzsumme: = Gesamtleistung = Bilanzsumme Investitionsquote = Bruttoinvestitionen in Prozent der Gesamtleistung: = Bruttoinvestitionen · 100 = % Geamtleistung Sachabschreibungsquote = Abschreibungen in Prozent der Sachanlagen: = Abschreibungen · 100 = % Sachanlagen + Abschreibungen Selbstfi nanzierungsquote = Cashfl ow in Prozent der Sachinvestitionen: = Cashfl ow · 100 = % Sachinvestitionen Grundsätzlich gilt: Kennzahlen sind dann geeignet, wenn sie dem Adressaten unter Berücksichtigung seines Informationsbedarfs ein zutreffendes Bild der Wirklichkeit liefern. Im DSGV-Rating zum Firmenkundenrating werden zur Beurteilung der Bonität von Unternehmen folgende elf quantitative Kriterien herangezogen: • zwei Cashfl ow-Kennzahlen • Kreditorenlaufzeit • Return on Investment • Zinsaufwandsquote • Mietaufwandsquote • Eigenkapitalquote • Lagerkennzahl • Lagerdauer • Kapitalbindung • Fremdkapitalstruktur Ergänzend werden eine Reihe qualitativer Größen bewertet, die das Rating-Urteil beeinfl ussen können. 132 Zwischen Anlagenintensität, Kostenstruktur, Umsatz und Betriebsrentabilität besteht häufi g folgender Zusammenhang: Je höher die Anlagenintensität ist, desto höher sind die fi xen Kosten. Hohe fi xe Kosten führen zu einer geringeren Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an Beschäftigungsschwankungen. Relativ geringe Änderungen des Umsatzes bewirken dann große Veränderungen des Betriebsergebnisses und damit der Rentabilität. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 131 3.2.6 Der Ratingansatz von Euler Hermes Rating Deutschland GmbH Die einzelnen Analysebereiche bei einem Vollrating durch die Euler Hermes Rating Deutschland GmbH (EHRG) sind der folgenden Tabelle zu entnehmen: Bereich Unterbereiche Finanzen • Ertragskraft und Rentabilität • Kapitalstruktur und Verschuldung • Innenfi nanzierungspotenzial und fi nanzielle Flexibilität Marktumfeld • Branchenentwicklung • Wettbewerberanalysen Strategie und Planung • Strategische Ausrichtung • Finanzielle Planungen Management und Organisation • Unternehmensführung • Planungs- und Steuerungsinstrumente • Risikomanagement Nachfolgend wird die Finanzanalyse ausführlicher erläutert: Die Analyse erfolgt dabei mit einem starken Fokus auf Cashfl ow-basierte Finanzkennzahlen. Über die nachfolgend dargestellten Analysebereiche und Kennzahlen hinaus gibt es zahlreiche weitere Kennziffern, die zusätzlich Informationen zur Unternehmensentwicklung und zu den betrieblichen Strukturen liefern. Im Rahmen der Analyse von Ertragskraft und Rentabilität ist neben der Betrachtung der umsatzbezogenen Margen insbesondere die auf den Kapitaleinsatz bezogene Rentabilität von Bedeutung. Diese Betrachtung hat den Vorteil, dass sie unterschiedliche Wertschöpfungs- und Kapitalstrukturen ausgleicht und ist daher auch für einen Vergleich von Unternehmen unterschiedlicher Branchen geeignet. Wesentliche Kennzahlen sind in diesem Zusammenhang: • EBITDA-Marge • Gesamtkapitalrentabilität • Return on Capital employed (ROCE) • Cashfl ow-Return on Investment (CF-RoI) Weitere Kennzahlen des Euler Hermes Ratings sind: • Eigenkapitalquote • Verschuldungsgrad • Gesamtverbindlichkeiten/EBITDA • Nettofi nanzverbindlichkeiten/EBITDA • EBIT-Zinsdeckung • EBITDA-Zinsdeckung Basis der Berechnung der Eigenkapitalquote bildet das wirtschaftliche Eigenkapital. Neben der Berücksichtigung der durchgeführten Bereinigungen wird hier auch gegebenenfalls in Abhängigkeit von der Gestaltung eine Zuordnung von hybriden Finanzierungsinstrumenten vorgenommen. Der Verschuldungsgrad bezieht sich auf das Verhältnis vom wirtschaftlichen Eigenkapital zu den Nettofi nanzverbindlichkeiten. Die Berechnung der (Brutto-)Zinsdeckungen wird durch eine Betrachtung der Nettozinsdeckungen sowie der Schuldendienstdeckung ergänzt. Auf der Grundlage verschiedener Liquiditätsgrade und Anlagendeckungen wird hier auch betrachtet, inwieweit im Unternehmen einer fristenkongruenten Finanzierung des Vermögens Rechnung getragen wurde. 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?132 Die Analyse vom Innenfi nanzierungspotenzial und der fi nanziellen Flexibilität untersucht zunächst auf Basis einer Stufen-Cashfl ow-Berechnung die Mittelherkunft und die Mittelverwendung der vergangenen Perioden: • Cashfl ow (DVFA/SG) • Operativer Cashfl ow • Free-Cashfl ow Ausgehend vom Cashfl ow gemäß DVFA/SG wird der operative Cashfl ow berechnet, der zusätzlich die Veränderungen im Working Capital berücksichtigt. Der Free-Cashfl ow bezieht ergänzend die Liquiditätsauswirkungen der Investitionstätigkeit mit ein und trifft eine wichtige Aussage bezüglich der Entschuldungsfähigkeit des Unternehmens. Weitere wichtige Kriterien zur Beurteilung der fi nanziellen Flexibilität des Unternehmens sind die Entwicklung der unterjährigen Liquidität sowie die Bewertung der freien Kreditlinien. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Besicherung der Kreditlinien sowie eventuelle Bilanzrelationsklauseln. Ergänzend sei noch kurz auf die anderen Analysebereiche von Euler Hermes Rating Deutschland GmbH eingegangen (übernommen von Euler Hermes): Marktumfeld: Im Rahmen der Analyse werden zunächst die Branchencharakteristika untersucht, bspw. Produkte, Technologien, Branchensegmente, regionale Strukturen, Wettbewerbskräfte. Im Vordergrund stehen die quantitativen Indikatoren, u. a. Produktion, Nachfrageentwicklung, Kosten- und Ertragslage, Insolvenzentwicklung. Betrachtete Faktoren der Produktions- und Nachfragentwicklung sind z. B. Umsatz und Absatz, Produktion, Nachfrageentwicklung, Außenhandel, Absatzmärkte, Konjunkturabhängigkeit. Die identifi zierten kausalen Zusammenhänge sind zum Beispiel eine unterschiedliche Entwicklung von Umsatz und Produktion, die auf einen Lageraufbzw. -abbau hinweisen kann. Bei Betrachtung der Umsatz- und der Absatzentwicklung kann bspw. die Frage geklärt werden, ob eine Umsatzsteigerung auf eine Steigerung der abgesetzten Mengen oder auf Preissteigerungen zurückzuführen ist. Die betrachteten Entwicklungen beziehen sich auf die gesamte Branche. In dem Analysebereich Strategie und Planung wird auf die im Marktumfeld analysierten Entwicklungen Bezug genommen und untersucht, inwiefern diese das Unternehmen tangieren und welche Maßnahmen das Unternehmen diesbezüglich plant und umgesetzt hat. Die Analyse des Marktumfelds vollzieht sich an Hand der branchenspezifi schen Wettbewerbskräfte. Gradmesser für die Branchenattraktivität und für die Position des Unternehmens ist die Höhe und Schwankungsbreite der vergangenen und zukünftigen Renditen sowie Cashfl ows. Die Informationsgrundlagen der Analyse des Marktumfelds werden zum einen von den zu ratenden Unternehmen zur Verfügung gestellt, zum anderen von Euler Hermes Rating recherchiert. Hierbei nutzt Euler Hermes Rating interne und externe Marktanalysen, die Expertise von Branchenkennern und Informationsmaterial von renommierten Wirtschaftsinstituten und -verbänden. Neben der Entwicklung der Branche wird die Positionierung des betrachteten Unternehmens innerhalb der Branche im Vergleich zu den Hauptwettbewerbern untersucht, sofern Informationen diesbezüglich verfügbar sind. Ist dies der Fall, vollzieht sich die Analyse anhand von qualitativen und quantitativen Vergleichsmerkmalen. Im Vordergrund steht dabei die Beurteilung, wie das Unternehmen im Vergleich zum Durchschnitt der Branche aufgestellt ist. Hierfür wird das Unternehmen bezüglich seiner Größe und Wettbewerbsposition innerhalb der Branche eingeordnet. Indikatoren sind bspw. Marktanteile, Innovationskraft oder Marktmacht. Außerdem wird dargelegt, wie das Unternehmen sich selbst innerhalb der Branche positioniert sieht und inwiefern diese Position durch externe Analysen bestätigt wird. Der direkte Vergleich mit dem Branchendurchschnitt basiert auf quantitativen Faktoren. Ziel ist es herauszufi n- 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 133 den, ob und in welchen Bereichen das betrachtete Unternehmen über oder unter dem Branchendurchschnitt liegt. Schwerpunkt des Vergleichs sind  – je nach Verfügbarkeit – die Umsatz-, Ertrags- und Renditeentwicklung, die Eigenkapitalquote und ggf. branchenspezifi sche Kennzahlen (bspw. Umsatz pro m2 im Einzelhandel). Der Vergleich mit den Wettbewerbern beinhaltet – soweit möglich – neben quantitativen auch qualitative Faktoren (Stärken-Schwächen-Vergleich, Strategievergleich ggf. eine Portfolioanalyse). Strategievergleiche zu Wettbewerbern fi nden insbesondere dann statt, wenn Veränderungen in der/den Branchen zu erkennen sind (Positionierungsänderungen, Entwicklung neuer Geschäftsfelder, Akquisitionen oder Fusionen etc.). In diesem Zusammenhang werden auch kritische Erfolgsfaktoren herausgearbeitet, die aufgrund der (veränderten) Zukunftsausrichtung der Wettbewerber eine besondere Relevanz für die Strategie des betrachteten Unternehmens haben und wettbewerbsentscheidend sind. Strategie und Planung: In der Strategieanalyse wird untersucht, inwieweit das Unternehmen zukünftig nachhaltige Erträge erwirtschaften kann. Hierbei wird betrachtet, wie sich die zukünftige Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätssituation des Unternehmens entwickeln soll. Entscheidend sind hierbei vor allem die Höhe und die Sicherheit der erwarteten Erträge und Cashfl ows. Zur Bewertung der Erwartungssicherheit werden auch qualitative Aspekte herangezogen, durch die eine Beurteilung der Plausibilität von Strategie und Planungen ermöglicht wird. Die Strategieanalyse umfasst folgende Abschnitte, die im Ratingbericht einzeln dargestellt werden: • strategische Ausrichtung des Unternehmens, • fi nanzielle Planungen. Die Strategieanalyse geht von den Hauptzielen der Unternehmensstrategie aus und bewertet deren Plausibilität. In einem weiteren Schritt wird die Richtigkeit, Qualität, Konsistenz und Erwartungssicherheit der fi nanziellen Planung überprüft. Auf der Grundlage der aus der fi nanziellen Planung ermittelten Kennzahlen wird eine differenzierte Bewertung der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens möglich. Die Erwartungssicherheit der geplanten fi nanziellen Entwicklung wird hierbei nicht zuletzt im Hinblick auf Umsetzungsrisiken bewertet. Umsetzungsrisiken der Unternehmensstrategie können sich aus einer im Hinblick auf das Marktumfeld oder die inneren Voraussetzungen unstimmigen Strategie ergeben. Management und Organisation: Im Analysebereich Unternehmensführung wird insbesondere beurteilt, inwieweit Management und Organisation in der Lage sind, die aus der Strategie resultierenden Veränderungen zu bewältigen und sich weiterzuentwickeln. Wesentliche Mängel, die bei der Untersuchung des Managements und der Organisation festgestellt werden, stellen die Umsetzungsfähigkeit der Strategie insgesamt in Frage und können so die Beurteilung der zukünftigen Unternehmensentwicklung negativ beeinfl ussen. Besondere Stärken im Management und der Organisation können sich dagegen positiv auswirken. Im Abschnitt Planungs- und Steuerungsinstrumente wird beurteilt, inwiefern das Unternehmen über geeignete Planungs-, Informations- und Steuerungssysteme verfügt, um seine strategischen Ziele wirksam und sicher operativ umzusetzen und zu überwachen. Hierbei besteht, die Erwartung, dass das Unternehmen in der Lage ist, mittel- und langfristige Ziele in konkrete Zielvorgaben für die operativen Ebenen zeitlich in Jahres-, Quartals- und Monatspläne zu untergliedern und Verantwortlichkeiten auf organisatorische Teileinheiten, wie Geschäftsbereiche, Funktionsträger, usw. zu verteilen. Darüber hinaus soll das Unternehmen aufgrund seiner Steuerungssysteme die erfolgreiche Umsetzung der gesetzten Ziele auf der operativen Ebene messen, Planabweichungen frühzeitig erkennen und durch geeignete Maßnahmen gegensteuern können. Im Abschnitt Risikomanagement wird 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?134 die Fähigkeit des Unternehmens untersucht existenzbedrohende Risiken systematisch zu erkennen und zu handhaben. Dies geschieht im Rahmen der Untersuchung des Risikomanagementsystems. Schwerpunkt der Untersuchung ist es, festzustellen, inwieweit das Unternehmen systematisch auf der Basis standardisierter Methoden in der Lage ist, rechtzeitig und präventiv Bedrohungen und Chancen für die Fortführung des Unternehmens zu erkennen, daraus entsprechende Schlussfolgerungen für das unternehmerische Handeln abzuleiten und Maßnahmen umzusetzen. 3.2.7 Zum Vergleich: Bewertungskriterien von Aktien-Analysten Ein Rating unterscheidet sich von den traditionellen Kreditwürdigkeitsprüfungen (i. S. von Bilanzanalysen) insbesondere durch den stärkeren Zukunftsbezug. In diesem Abschnitt haben wir daher Fragen aufgelistet, wie sie von Wertpapieranalysten anlässlich von Analystenbesuchen bei börsennotierten Gesellschaften häufi g an die Unternehmensleitung gestellt werden, um die Zukunftsaussichten eines Unternehmens beurteilen zu können.133 Dieser umfangreiche Fragenkatalog, der als Hilfestellung für die Vorbereitung solcher Termine gedacht ist, kann im Wesentlichen auch für die Vorbereitung von Gesprächen mit den Hausbanken herangezogen werden. Die Liste zeigt insbesondere, welche Kriterien für die Zukunftseinschätzungen – und damit das Rating – als wesentlich eingeschätzt werden. Zur allgemeinen Situation 1) Könnten Sie die Geschichte des Unternehmens kurz darstellen? 2) Könnten Sie den Wirtschaftszweig, in dem Ihr Unternehmen tätig ist, näher beschreiben? 3) Verläuft das Geschäft in der Branche zyklisch? Wenn ja, wie lange dauert ein Zyklus? 4) Würden Sie die Marktform in dieser Branche als Monopol, Oligopol oder als off enen Markt bezeichnen? 5) Gibt es in diesem Wirtschaftszweig große Konkurrenten? 6) Laufen bei Ihnen derzeit irgendwelche Litigationsprozesse? 7) Welche legislativen Haupteinfl üsse gibt es für das Unternehmen? Werden Veränderungen erwartet? 8) Bestehen langfristige und umsatzbeeinfl ussende Verträge? Zum Markt Umsatz 1) Welches Umsatzwachstum erwartet das Unternehmen für das laufende und das nächste Jahr? 2) Welches Umsatzwachstum wird bei vergleichbaren Voraussetzungen erwartet? 3) Welche Einfl ussfaktoren sind für diese Prognose maßgeblich? 4) Wie verteilt sich der jetzige Umsatz auf die verschiedenen Sparten? 5) Wie verteilt sich der Gruppenumsatz auf die Produktpalette? 6) Wie verteilt sich der Gruppenumsatz auf die verschiedenen örtlichen Tätigkeitsbereiche, wie viel Prozent entfallen auf Exportumsätze? 7) Wie viel Prozent des Gesamtumsatzes werden in Europa, in Nordamerika und in Asien erwirtschaftet? 8) Ist das letztjährige Umsatzwachstum branchendurchschnittlich, -überdurchschnittlich oder -unterdurchschnittlich? 9) Wie könnte das Nachfrageprofi l für die nächsten zwei Jahre aussehen? 10) Wie werden sich die Produktpreise in zwei bis drei Jahren vermutlich entwickeln und warum? Wie vergleicht sich diese Erwartung mit Preisen der Vergangenheit? 133 Aus: Diehl/Loistl/Rehkugler (1998), S. 92 ff. 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 135 11) Welche der Sparten wächst gegenwärtig prozentual am schnellsten und warum? 12) Welche der Sparten wächst gegenwärtig prozentual am langsamsten und warum? 13) Ist die umsatzstärkste Sparte auch die ertragreichste? Wenn nicht, welche ist die ertragreichste Sparte? 14) Welche Auftragseingänge erwartet die Unternehmung insgesamt und in den einzelnen Sparten? 15) Wie schätzt die Unternehmung ihre Auftragslage insgesamt und in den einzelnen Sparten ein? Markt 1) Wie groß (in EUR) ist der heimische Markt? 2) Gemessen in Prozent, wächst, schrumpft oder stagniert der deutsche Markt gegenwärtig? 3) Wie groß (in EUR) ist der Weltmarkt? 4) Gemessen in Prozent, wächst, schrumpft oder stagniert der internationale Markt gegenwärtig? Verkauf und Distribution 1) Werden die Produkte bzw. Dienstleistungen über Großhändler oder Einzelhändler oder direkt an Endverbraucher verkauft? 2) Wie viel Prozent betragen die „cost of sales“ bzw. Produktionskosten? 3) Werden die Verkaufsmitarbeiter mit fi xen Gehältern oder durch Provision/Courtage entlohnt? 4) Wie viel Prozent Ihres Gesamtumsatzes werden für Werbung ausgegeben? 5) Ist das jetzige Distributionsnetz fl ächendeckend in Deutschland? Wenn nicht, gibt es Pläne, das Distributionsnetz auszubauen? 6) Ist das jetzige Distributionsnetz im internationalen Markt fl ächendeckend? Wenn nicht, gibt es Pläne, das Distributionsnetz auszubauen? Wettbewerb 1) Wie groß ist der Marktanteil am inländischen Markt? An welcher Stelle ist das Unternehmen insgesamt und in den einzelnen Sparten platziert? 2) Wie groß ist der Marktanteil am internationalen Markt? An welcher Stelle ist das Unternehmen insgesamt und in den einzelnen Sparten platziert? 3) Wie hoch ist die Wachstumsrate am heimischen Markt? 4) Wie hoch ist die Wachstumsrate am internationalen Markt? 5) Welche inländischen Firmen betrachtet die Unternehmung als ihre Hauptkonkurrenten? 6) Welche internationalen Firmen betrachtet die Unternehmung als ihre Hauptkonkurrenten? 7) Ist der inländische Markt durch viel oder wenig Konkurrenz gekennzeichnet? 8) Ist der internationale Markt durch viel oder wenig Konkurrenz gekennzeichnet? 9) Handelt die Konkurrenz „cut throat“ oder „live-and-let-live“? 10) Sind die Konkurrenzunternehmen gut oder schwach fi nanziert? 11) Haben die eigenen Produkte oder Dienstleistungen Vorteile gegenüber jenen der Konkurrenz? Wenn ja, welche? 12) Gibt es in diesem Wirtschaftszweig für neue Marktteilnehmer hohe Eintrittsbarrieren? 13) Dringen neue Wettbewerber in diesen Wirtschaftszweig? Soll das als gefährlich eingestuft werden? 14) Wie wichtig sind für das Unternehmen Produktmarken, Handelsmarken oder Patente? Wachstum 1) Sind Expansionen bzw. Schrumpfungen geplant? Welche Standorte oder Produktlinien sind betroff en? 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?136 2) Wie sehen Kapitalaufwendungen bzw. Kapitalersparnisse und Finanzierungsmethoden aus? 3) Wie groß ist der geplante Prozentsatz neuer bzw. alter Kapazität gemessen an: 4) Quadratmeter, Kubikmeter 5) Umsatzvolumen in EUR oder an anderen Einheiten? 6) Welche Amortisierungsmethode wird für neue bzw. alte Produktionsanlagen angewendet? 7) Sind derzeit Akquisitionen bzw. Verkäufe geplant? Wie hoch werden die damit verbundenen Kosten bzw. Erträge geschätzt? 8) Wie hoch sind die Umsatzerwartungen pro in die neue Anlage investierter EUR? Zu den Produkten Patente 1) Hat das Unternehmen neue Herstellungsverfahren entwickelt oder besitzt es wichtige Patente, Nutzungsrechte, Konzessionen, Lizenzen oder gewerbliche Schutzrechte? Wann laufen diese aus? 2) Welche Auswirkungen auf Umsatz, Gewinne und Margen sind zu erwarten, wenn diese Rechte auslaufen? Produkte und Dienstleistungen 1) Läuft die Produktion im 1-, 2- oder 3-Schichtbetrieb oder ununterbrochen? 2) Werden den Mitarbeitern die Überstunden ausgezahlt? 3) Wie viele Produktionsstätten gehören zum Unternehmen und wie viele davon liegen in Deutschland? 4) Sind die Produktionsanlagen modern oder veraltet? 5) Wie viele Mitarbeiter sind in Deutschland, wie viele im Ausland beschäftigt? 6) Ist das Unternehmen ein Betrieb mit hohen oder niedrigen Herstellungskosten? 7) Welche Maßnahmen wurden eingeführt, um Umsatzrentabilität, Produktivität und Herstellungsmethoden zu verbessern? Was plant das Unternehmen für die nächsten zwei bis drei Jahre? 8) Herrscht ein großes Maß an vertikaler Integration (bzw. Fertigungstiefe) in der Produktion? 9) Plant das Unternehmen Kostenreduzierungsmaßnahmen? Wenn ja, welche? In welcher Höhe (EUR) erhoff t sich das Unternehmen dadurch Einsparungen pro Jahr? Rohmaterialien 1) Welche Rohmaterialien benötigt das Unternehmen hauptsächlich? Von wo bezieht es diese? 2) Hat das Unternehmen hauptsächlich inländische oder ausländische Zulieferer? 3) Wie entwickelten sich die Rohmaterialpreise in der Vergangenheit, und welche Preise werden in der Zukunft erwartet? 4) Wie oft werden die Produktpreise erhöht/gesenkt? Wann plant das Unternehmen die nächste Anhebung/Senkung? Wie hoch wird sie ausfallen? Forschung & Entwicklung (F & E) 1) Gemessen am Umsatz und in Prozent, auf welchem Niveau stehen derzeit die jährlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben? Wird dieses Niveau beibehalten? 2) Wie viel Prozent des Umsatzes werden gegenwärtig von neuen Produkten erzeugt? Neue Produkte sind jene, die durch F & E in den letzten fünf Jahren entwickelt worden sind. 3) Wie viel Prozent der Mitarbeiter sind Hochschul- bzw. Universitätsabsolventen? 4) Hat das Unternehmen neue Produkte in der „Pipeline“? Wie sind ihre Aussichten? Wann kommen sie auf den Markt? Wie groß wird der Umsatz- und Gewinnbeitrag sein, gemessen am Gesamtumsatz und -gewinn? 3.2 Rating-Kriterien – eine erste Übersicht 137 Zur Liquidität Finanzen 1) Kann man das Unternehmen als kapitalintensiv beschreiben? 2) Wann fand die letzte Kapitalerhöhung statt? Wie groß war sie? 3) Sind weitere Kapitalveränderungen in den nächsten zwei Jahren geplant? 4) Wie hoch sind derzeit die Bankverbindlichkeiten? Wie viel Prozent davon sind kurz- bzw. langfristig? 5) Plant das Unternehmen gegenwärtig die Bankverbindlichkeiten zu erhöhen oder zu reduzieren? 6) Wie ist derzeit das Verhältnis zwischen „working capital“ und jetzigen und erwarteten Umsätzen im Vergleich zu Umsätzen der Vergangenheit? GuV 1) Welches Umsatzwachstum erwartet das Unternehmen in den nächsten zwei bis drei Jahren? 2) Welche Faktoren werden dieses Wachstum wesentlich beeinfl ussen? 3) Wie hoch waren die höchste und die niedrigste Umsatzrentabilität (d. h. profi t margin) bisher? Welche Faktoren beeinfl ussten diese Resultate wesentlich? Welches Ziel hat sich das Unternehmen für die nächsten zwei bis drei Jahre gesteckt? Welche Faktoren werden diesmal die wichtigsten sein? 4) Wie werden sich die Materialkosten als Prozentsatz der Gesamtleistung in den nächsten drei Jahren entwickeln und warum? 5) Wie werden sich die Personalkosten als Prozentsatz der Gesamtleistung in den nächsten drei Jahren entwickeln und warum? 6) Welche Abschreibungsmethode wird im Unternehmen angewandt? 7) Wie werden sich die Abschreibungskosten als Prozentsatz der Gesamtleistung in den nächsten drei Jahren entwickeln und warum? 8) Was beeinfl usst die sonstigen betrieblichen Aufwendungen am meisten und warum? 9) Was beeinfl usst die sonstigen betrieblichen Erträge am meisten und warum? 10) Welche Erwartungen hat das Unternehmen für die sonstigen betrieblichen Erträge in den nächsten zwei bis drei Jahren und warum? 11) Wird sich die bisherige Steuerquote in den nächsten zwei bis drei Jahren maßgeblich verändern und warum? 12) Wie hoch war der größte Jahresüberschuss, den die Firma je erreicht hat, und wann war das? Was war der Hauptfaktor dieses Resultats? 13) Erwartet das Unternehmen dieses Niveau wieder und wann? 14) Wie hoch war der niedrigste Jahresüberschuss, den die Firma je erreicht hat, und wann war das? Was war der Hauptfaktor dieses Resultats? 15) Wie verteilt sich prozentual das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf Ihre verschiedenen operativen Sparten? 16) Wie hoch wird der DVFA/SG-Adjustierungsfaktor in den nächsten zwei bis drei Jahren eingeschätzt? Cashfl ow 1) Hat das Unternehmen in der Vergangenheit die Investitionen und die Dividende ausschließlich vom Cashfl ow fi nanzieren können? Wenn nicht, warum? 2) Welches Investitionswachstum plant das Unternehmen für die nächsten zwei bis drei Jahre? Wie wird das Kapital verwendet? 3) Was war das höchste Niveau, das der Cashfl ow des Unternehmens je erreicht hat? Wann war das? 4) Erwarten Sie dieses Niveau wieder und wann? 5) Was war das tiefste Niveau, das der Cashfl ow des Unternehmens je erreicht hat? Wann war das? Was war der Hauptfaktor dieses Resultats? 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?138 Bilanz 1) Wie hoch ist die Eigenkapitalquote? Werden Veränderungen in den nächsten zwei bis drei Jahren erwartet, warum und wodurch? 2) Wie hoch ist der jetzige Buchwert (bzw. Net Asset Value) des Unternehmens in EUR? Wie unterscheidet er sich vom historischen Niveau? 3) Was ist in der Position Vorrat/Warenlager enthalten, und wie wird sich die jetzige Situation in den nächsten zwei bis drei Jahren verändern? 4) Wie hoch war der prozentuelle Anteil der Vorräte an der Bilanzsumme in der Vergangenheit? Welcher Anteil wird für die Zukunft erwartet? 5) Wie hoch sind die bisher höchste und die bisher niedrigste Kapitalrendite (ROI), wann erreichte das Unternehmen diese Werte, welche Faktoren beeinfl ussten die höchste und niedrigste Rendite? 6) Was ist das Ziel für die nächsten zwei bis drei Jahre, was werden die Hauptfaktoren sein? 7) Wie hoch sind die bisher höchste und die bisher niedrigste Eigenkapitalrendite (ROE), wann erreichte das Unternehmen diese Werte, welche Faktoren beeinfl ussten die höchste und niedrigste Rendite? 8) Was ist das Ziel für die nächsten zwei bis drei Jahre, was werden die Hauptfaktoren sein? 9) Wie hoch sind der bisher höchste und der bisher niedrigste Ertrag aus investiertem Kapital (ROCE), wann erreichte das Unternehmen diese Werte, welche Faktoren beeinfl ussten die höchste und niedrigste Rendite? 10) Was ist das Ziel für die nächsten zwei bis drei Jahre, was werden die Hauptfaktoren sein? Zu Ertragsaussichten Dividendenpolitik und -aussichten 1) Welche Dividendenpolitik verfolgt das Unternehmen? 2) Wie hoch liegt die historische Dividende als Prozentsatz des Gewinns? Wird sich diese Relation in der Zukunft bemerkenswert verändern? 3) Wie hoch liegt die historische Dividende als Prozentsatz des Cashfl ows? Wird sich diese Relation in der Zukunft bemerkenswert verändern? 4) Wie sind die Aussichten für eine höhere Dividende für die Aktionäre? 5) Plant das Unternehmen die Ausgabe von Gratisaktien? Gewinne 1) Wie entwickelte sich das Ergebnis nach DVFA/SG in den letzten fünf Jahren? 2) Auf welches jährliche Gewinnwachstum (in Prozent) zielt die Unternehmensstrategie? 3) Auf welchen Trend in der Materialkostenquote zielt die Unternehmensstrategie? 4) Auf welchem erwarteten Trend in der Personalkostenquote beruht die Unternehmensstrategie? 5) Wie schwer oder einfach ist es, die Produktpreise anzuheben? 6) Welchen Einfl uss spielen dispositionsbedingte, außerordentliche und aperiodische Erträge bzw. Aufwendungen? Zu Unternehmensführung/Mitarbeitern Management 1) Wie lange sind die Vorstandsmitglieder schon im Unternehmen tätig? In welchen Unternehmen waren sie früher tätig? 2) Wie lange sind durchschnittlich die Mitarbeiter des Middle Managements schon für das Unternehmen tätig? 3) Welches Durchschnittsalter hat der Vorstand? 4) Wird das Unternehmen besonders stark vom Vorstandsvorsitzenden geführt oder herrscht ein Mehrstimmensystem? 3.3 Phase I: Analyse der Branche 139 5) Wie erfolgt die Rekrutierung des Managementpersonals? 6) Kann die Führung/Leitung des Unternehmens als zentral oder dezentral beschrieben werden? Employee Relations/Gewerkschaften 1) Wie war das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Gewerkschaften in der Vergangenheit? Wann gab es den letzten Streik, wie lange dauerte dieser? 2) Wie viel Prozent der Mitarbeiter sind Gewerkschaftsmitglieder? 3) Welche Politik verfolgt das Management gegenüber Gewerkschaften und Mitarbeitern? 4) Welche Sozialleistungen gibt es im Unternehmen? Wie hoch ist der Aufwand pro Jahr dafür insgesamt und pro Mitarbeiter? 5) Wie viele Mitarbeiter kündigen pro Jahr freiwillig? 3.3 Phase I: Analyse der Branche 3.3.1 Grundlagen Die Marktanalyse zielt darauf ab, die Attraktivität der einzelnen Märkte und Marktsegmente, in denen das Unternehmen tätig ist bzw. prinzipiell tätig werden könnte, fundiert zu beurteilen. Dazu kommt beispielsweise eine Analyse der einzelnen Wettbewerbskräfte (vgl. hierzu den Porter-Ansatz) zum Einsatz. Analysiert werden dabei sowohl die Wachstumspotenziale der Marktsegmente als auch die Differenzierungsmöglichkeiten oder die Abhängigkeit von Kunden und Lieferanten. Darüber hinaus werden wesentliche technologische Trends sowie Trends im Kundenverhalten aufgezeigt, um daraus die Konsequenzen für die zukünftige Wettbewerbssituation des Unternehmens ableiten zu können. Bereits mit der Einführung des zweiten Baseler Konsultationspapieres wurden die Banken explizit dazu aufgefordert, sich auch mit den langfristigen Zukunftsperspektiven eines Unternehmens zu befassen. Es ist daher für die Bestimmung eines Ratings von entscheidender Bedeutung zu analysieren, ob sich aufgrund der erkennbaren langfristigen Entwicklungen der Volkswirtschaft und speziell der Branche wesentliche Veränderungen der Erfolgsaussichten und der damit verbundenen fi nanziellen Stabilität eines Unternehmens ergeben. Im Folgenden werden wichtigste Megatrends kurz skizziert, die für die Beurteilung der langfristigen Zukunftsperspektiven von Unternehmen – und damit insbesondere für ihr Rating – eine maßgebliche Bedeutung haben. Als Trends werden im Allgemeinen Abläufe in Entwicklungskorridoren bezeichnet, die weitgehend unumkehrbar sind. Die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens sind einem stetigen Wandel unterworfen. Für alle Unternehmen haben diese Veränderungen eine grundsätzliche Bedeutung: Unternehmen sind einem ständigen Anpassungsdruck an neue Rahmenbedingungen ausgesetzt. Unternehmen, die nicht willens oder fähig sind, sich solchen Veränderungen anzupassen, sind somit erheblichen Gefahren ausgesetzt. Umgekehrt entstehen mit Umfeldveränderungen für anpassungsfähige Unternehmen erhebliche Chancen. Veränderungen des Umfeldes beeinfl ussen insbesondere die Attraktivität der Märkte. Sie schaffen zudem neue Herausforderungen an die Strategie und die Ressourcen- Ausstattung der Unternehmen, wobei Unternehmen grundsätzlich vielfältige Möglichkeiten haben, auf Veränderungen infolge dieser zu reagieren. Auf Grund der hohen Bedeutung grundlegender Trends sind diese Anpassungen fast immer mit Ver- änderungen der Unternehmensstrategie verbunden. So gilt es Geschäftsfelder, die

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References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

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- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.