Christoph Neuberger, Das Weizenbaum-Institut - Exzellente Forschung für die vernetzte Gesellschaft in:

MedienWirtschaft, page 54 - 57

MW, Volume 17 (2020), Issue 4, ISSN: 1613-0669, ISSN online: 1613-0669, https://doi.org/10.15358/1613-0669-2020-4-54

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54 MedienWirtschaft 4/2020 Forschung und Lehre Prof. Dr. Christoph Neuberger Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, Berlin Geschäftsführender Direktor christoph.neuberger@fu-berlin.de Das Weizenbaum-Institut Exzellente Forschung für die vernetzte Gesellschaft Joseph Weizenbaum, deutsch-amerikanischer Computerpionier (1923–2008), war der erste prominente Kritiker der digitalen Technik. Bekannt gemacht hat ihn 1966 das Programm ELIZA, das in natürlicher Sprache mit Menschen kommunizieren konnte – scheinbar jedenfalls. Mit seinem Experiment wollte Weizenbaum demonstrieren, wie bereitwillig Menschen den Computer als Gesprächspartner akzeptieren und seine Fähigkeit überschätzen. Sein Buch „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ (1977) ist daher ein Appell, sich nicht den Maschinen auszuliefern und auf Selbstbestimmung zu verzichten. © W ei ze nb au m -In st itu t/K ay H er sc he lm an n Schlüsselbegriffe: Digital vernetzte Gesellschaft | Joseph Weizenbaum | Digitalisierungsforschung Forschungsverbund aus Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen Ganz im Geiste Joseph Weizenbaums forscht heute das Institut, das seinen Namen trägt, über die digital vernetzte Gesellschaft. Die Digitalisierung hat gesellschaftlich umwälzende und komplexe Folgen, weshalb interdisziplinäre Forschung notwendig ist, um ein umfassendes und grundlegendes Verständnis dieses Wandels zu gewinnen. Nur auf diese Weise lassen sich die drängenden Fragen, die sich der Gesellschaft stellen, fundiert beantworten. Das Weizenbaum-Institut analysiert die Digitalisierung und bewertet die untersuchten Phänomene nach ihrem Beitrag für Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit. Es gibt evidenzbasierte Empfehlungen und beteiligt sich an der Gestaltung der digitalen Transformation. Das Weizenbaum-Institut ist ein Verbundprojekt der vier Berliner Universitäten (Freie Universität, Humboldt-Universität, Technische Universität, Universität der Künste), der Universität Potsdam, des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Die sieben Trägereinrichtungen aus Berlin und Brandenburg bündeln die Kompetenzen und Kapazitäten einer Region, die in einmaliger Weise Forschung, Lehre und digitale Start-up-Szene vereint. Seit September 2017 untersuchen die rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Facetten der digitalen Welt. Finanziert wird das Institut vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). In einem zweistufigen Auswahlverfahren konnte sich das Konsortium aus Berlin und Brandenburg gegen Mitbewerber aus anderen Bundesländern durchsetzen. Das Themenspektrum in der Forschung Alle 21 Forschungsgruppen haben jeweils Mitglieder unterschiedlicher Disziplinen: Das Spektrum reicht von der Rechtswissenschaft über sozialwissenschaftliche Fächer wie Soziologie, Politik-, Wirtschafts-, Kommunikationswissenschaft und Psychologie bis hin zu Informatik, Wirtschaftsinformatik und Designforschung. Die Forschungsagenda des Weizenbaum-Instituts umfasst Fragen, die aus wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht von hoher Relevanz sind. Die Forschungsgruppen sind vier Forschungsbereichen zugeordnet: Im Bereich „Mensch – Arbeit – Wissen“ werden Automatisierung, Vernetzung und die Nutzung künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt untersucht. Sie können für die Beseitigung belastender Arbeitstätigkeiten und die Ermächtigung von Beschäftigten eingesetzt werden, aber auch für mehr 4/2020 MedienWirtschaft 55 Forschung und Lehre Standardisierung und Kontrolle. Neue Technologien können auch die Selbstbestimmung in der digitalen Ökonomie stärken, etwa in „Maker Communities“ und Labs, in denen Nutzer/innen Produkte mitentwickeln und -produzieren. Im Bereich „Markt – Wettbewerb – Ungleichheit“ werden Datenmärkte, datenbasierte Geschäftsmodelle, die Sharing Economy sowie Folgen für Ungleichheit und Integration untersucht. Der Bereich „Demokratie – Partizipation – Öffentlichkeit“ geht der Frage nach, wie sich Partizipation und öffentliche Diskurse in Gegenwartsdemokratien unter dem Einfluss digitaler Technologien verändern. Einerseits sind politische Akteure mit Hasskommentaren, Lügen und Manipulation im Netz konfrontiert, andererseits eröffnen sich neue Möglichkeiten für politische Information und Beteiligung. Ein weiterer Bereich befasst sich mit „Verantwortung – Vertrauen – Governance“ in verschiedenen Anwendungsfeldern wie dem Internet der Dinge, im KI-Bereich und in dezentralen Systemen. Zusätzlich zu diesen Forschungsbereichen sind Querschnittsformate entstanden, in denen übergreifende Fragen diskutiert werden: die Nachhaltigkeit digitaler Technologien, die Beziehung zwischen autonomen Systemen und Selbstbestimmung sowie das Verhältnis zwischen Sicherheit und Offenheit. Weizenbaum-Institut als lernende und offene Einrichtung Die Dynamik des digitalen Wandels ist ungebremst. Daher versteht sich das Weizenbaum-Institut als lernende Einrichtung, die fortlaufend Fragen zur Forschungsagenda und Strategie des Instituts unter Beteiligung aller Wissenschaftler/innen berät. Diese Diskussionen finden nicht nur in den Gremien und mit den Gruppen des Instituts statt. Unterstützt wird es von einem Beirat mit Mitgliedern aus Wissenschaft und Praxis. Auch im Dialog mit Politik, Wirtschaft, und Zivilgesellschaft sollen relevante Probleme und Fragen der digitalen Transformation frühzeitig erkannt und in der Forschung aufgegriffen werden. Die offene, flexible Netzwerkstruktur des Instituts bindet Partner aus der Region, Deutschland und im globalen Rahmen ein. Partizipation wird etwa in Open Labs und Citizen Science-Projekten verwirklicht. Am Institut gewonnenes Wissen wird zielgruppengerecht vermittelt, wofür vielfältige und besonders digitale Formate und Medien eingesetzt werden. Weiterentwicklung des Instituts Zu Beginn des Jahres 2020 ist das Institut zum ersten Mal evaluiert worden. Die hochrangig besetzte Evaluierungskommission hat dem BMBF die Weiterförderung des Weizenbaum-Instituts für weitere zwei Jahre empfohlen. Die Kommission hat einen sehr positiven Eindruck von der © W ei ze nb au m -In st itu t/E sr a Er es 56 MedienWirtschaft 4/2020 Forschung und Lehre Forschungskultur und den Forschungsergebnissen gewonnen. Weiterhin lobt sie in ihrem Bericht die Nachwuchsarbeit, die hohe Motivation der Mitarbeitenden und die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit am Institut. Durch die Organisation in Forschungsgruppen ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein zentrales Anliegen des Weizenbaum-Instituts. Im Herbst 2020 hat die zweite Aufbauphase des Instituts begonnen. Bei der strategischen Weiterentwicklung steht die Verselbstständigung des Instituts im Vordergrund. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Gründung eines gemeinnützigen Vereins („Weizenbaum-Institut e. V.“) gewesen, der die verbundübergreifende Administration und rechtsgeschäftliche Vertretung übernommen hat. Das Weizenbaum-Institut soll künftig eine zentrale Rolle in der nationalen und internationalen Digitalisierungsforschung spielen, weil es zum einen innovative Wege in der interdisziplinären Forschung geht und zum anderen zentrale, auf Dauer angelegte Orientierungs-, Service- und Vernetzungsleistungen für die gesamte Forschung in diesem Bereich, aber auch für die Gesellschaft erbringt. Dies kann nur ein eigenständiges Forschungsinstitut leisten, welches über die Größe und Disziplinvielfalt des WI verfügt, eine dauerhafte Infrastruktur besitzt und stark mit anderen Forschungseinrichtungen sowie in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vernetzt ist. Aktivitäten des Weizenbaum-Instituts Mit der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung im Frühjahr 2020 eine unerwartete Wendung genommen: Die Reduzierung direkter sozialer Kontakte im Alltag hat bekanntlich zu einer Verlagerung weiter Teile des öffentlichen und privaten Lebens in den digitalen Raum geführt. Das Weizenbaum-Institut hat das Thema in der Forschung früh aufgegriffen. So sind durch Befragungen in China und Deutschland erste Erfahrungen über den digitalen Schulunterricht gesammelt und ausgewertet worden. Wie über das Corona-Virus im Netz kommuniziert wird, analysieren zwei weitere Forschungsgruppen. Den digitalen Konsequenzen der Pandemie aus der Sicht unterschiedlicher Fächer war eine Podcast-Reihe gewidmet. Seit Oktober 2020 lädt das Institut monatlich zum virtuellen „Weizenbaum-Forum“ ein, um gemeinsam mit Gästen zentrale Fragen des digitalen Wandels zu diskutieren. Die dritte Weizenbaum-Konferenz („Democracy in Flux“) wird im Juni 2021 stattfinden. Der Start eines Open-Access- Journal des Weizenbaum-Instituts steht bevor, das Erträge der interdisziplinären Digitalisierungsforschung publizieren wird. Die Website (weizenbaum-institut.de) stellt die Forschungsaktivitäten ausführlich dar. Dort kann auch ein Newsletter abonniert werden, der regelmäßig über die Arbeit des Instituts informiert. I MENSCH – ARBEIT – WISSEN II MARKT – WETTBEWERB – UNGLEICHHEIT III DEMOKRATIE – PARTIZIPATION – ÖFFENTLICHKEIT IV VERANTWORTUNG – VERTRAUEN – GOVERNANCE V QUERSCHNITTS- FORMATE Arbeiten in hochautomatisierten, digital-hybriden Prozessen Arbeiten und Kooperieren in der Sharing Economy Demokratie und Digitalisierung Verantwortung und das Internet der Dinge Autonome Systeme & Selbstbestimmung Kritische Maker-Kultur Rahmenbedingungen für Datenmärkte Digital Citizenship Verlagerung in der Normsetzung Sicherheit & Offenheit Bildung und Weiterbildung in der digitalen Gesellschaft Datenbasierte Geschäftsmodellinnovationen Nachrichten, Kampagnen und die Rationalität öffentlicher Diskurse Vertrauen in verteilten Umgebungen Digitalisierung & Nachhaltigkeit Digitale Technologien und Wohlbefinden Ungleichheit und digitale Souveränität Digitalisierung und transnationale Öffentlichkeit Quantifizierung und gesellschaftliche Regulierung Digitalisierung der Wissenschaft Digitale Integration Digitalisierung und vernetzte Sicherheit Reorganisation von Wissenspraktiken Kritikalität KI-basierter Systeme Forschungsbereiche am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft im Überblick Quelle: Weizenbaum-Institut Von A wie adidas über F wie Fila und O wie Odlo bis hin zu Z wie Ziener – der MARKENATLAS SPORT vereint die Markenperspektiven für mehr als 100 Top-Sport-Marken in der DACH-Region. Der MARKENATLAS SPORT von Konzept&Markt zeigt auf 240 Seiten alle Sportartikel-Marken die im ISPO Sports Evolutions Report erhobenen werden. Mittels der innovativen Verbindung von Markenkauf-Trichteranalyse mit wertebasierter Markenpositionierung im Wertekreis* erscheinen die wichtigsten Marken in einer innovativen Perspektive. Neben der Markenstärke wird die Verortung der Marken im Wertesystem erkennbar. * Die Grundlagen für den Wertekreis basieren auf den Forschungen von Shalom Schwartz und sind von der Arbeitsgruppe des Georg- Elias-Müller – Institut für Psychologie an der Universität Göttingen um Prof. Margarete Boos und Prof. Micha Strack im Sinne einer markenzentrierten Denkweise weiter entwickelt worden. New Business Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 70 12 45, 22012 Hamburg, Tel. +49 40 609009-65, Fax +49 40 609009-66, E-Mail: abo@new-business.de Ja, ich bestelle Markenatlas sport zum Preis von € 290,- zzgl. 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Firma Name, Vorname Funktion Telefon/Fax Straße Postleitzahl, Ort, Land E-Mail Datum, Firmenstempel, Unterschrift Jetzt per Fax bestellen: +49 40 609009-66 oder QR-Code scannen und Formular online ausfüllen Werte-Orientierung sportlich aktiver Menschen studien-steckbrief konzeption & realisierung: ISPO / Messe München und Konzept & Markt Grundgesamtheit: Alle deutschsprachigen Personen in DACH Befragte: Personen zwischen 16 und 79 Jahren, die in den letzten ein bis zwei Jahren aus dem Outdoor-/Sportbereich Bekleidung, Schuhe, Ausrüstung, Sport(klein)geräte usw. gekauft haben Zielgruppen: Sportlich-Aktive, Sportlich-Nicht-Aktive, ISPO Follower stichprobe: n=3.584 Befragte, (3.000 Panel D-A-CH und 584 ISPO Munich) Zeitpunkt der Feldarbeit: Juli/August 2016 erhebungsmethode: Online-Befragung anhand eines strukturierten Fragebogens www.newbusinessverlag.de/markenatlas-sport EAZ Markenatlas Sport.indd 1 06.06.2019 10:48:59

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Zusammenfassung

MedienWirtschaft - Zeitschrift für Medienmanagement und Medienökonomie