Jan-Christoph Steinmann, Innovation Balanced Scorecard als Instrument zur Innovationssteuerung in:

Controlling, page 52 - 53

CON, Volume 25 (2013), Issue 1, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381_2013_1_52

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Innovation Balanced Scorecard als Instrument zur Innovationssteuerung ........................................................ Innovation als essentieller Wettbewerbsfaktor ........................................................ Produktinnovationen, Prozessinnovationen, Geschäftsmodellinnovationen, Marketinginnovationen, organisatorische Innovationen etc. – ein kurzes Durchschweifen der aktuellen Literatur vermittelt dem Leser in eindrucksvoller Weise, dass der Begriff der Innovation im letzten Jahrzehnt immer intensiver in verschiedensten Zusammenhängen kommuniziert wird. Dieser Trend ist auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Unternehmen erkennen, welche Veränderungen insbesondere durch disruptive innovations auf ein bestehendes Marktgleichgewicht hervorgerufen werden können. Disruptive Innovationen zeichnen sich dabei durch ihre starke Einwirkung auf bestehende Märkte aus, da sie existierende Produkte oder Dienstleistungen aufgrund der Unterlegenheit gegenüber der Innovation nahezu vollständig vom Markt verdrängen können (vgl. Christensen/Overdorf, 2000, S. 67 f.). Dass durch Innovationen aber auch Wettbewerbsvorteile wie die Verdrängung von Wettbewerbern, die stärkere Durchdringung bestehender oder die Erschließung neuer Märkte anvisiert werden können, führt indessen zu einem hohen Engagement der Unternehmen, ihre eigene Innovationskraft auszubauen. Eine nicht unbedeutende Anzahl an Unternehmen scheitert dabei daran, ein Innovationscontrolling aufzubauen, welches durch die Bereitstellung von Informationen die effektive und effiziente Steuerung der unternehmerischen Innovationstätigkeiten ermöglicht (vgl. Möller et al., 2011, S. 1). Dabei stellen die sogenannten Innovation Scorecards einen immer weit verbreiteteren Ansatz in der betriebswirtschaftlichen Realität dar, um das abstrakte Konstrukt des Innovationserfolgs zu messen. ........................................................ Performance Management als Instrument zur Leistungssteuerung ........................................................ Einer solchen Leistungsmessung der Innovationstätigkeiten widmet sich auch die Forschung zum Performance Management. Durch die selektive Erfassung und informative Weitergabe von materiellen bzw. immateriellen Elementen bspw. durch Kennzahlen soll ein Performance Management System dazu befähigen, dass organisationale Visionen und Missionen kommuniziert, essentielle Entscheidungsfaktoren identifiziert, Organisationsstrukturen analytisch hinterfragt, strategische Pläne abgeleitet und letztendlich die Vergütung an die Zielerreichung gekoppelt werden können. Anhand dieses Funktionsspektrums wird bereits deutlich, dass es sich bei dieser Art von Systemen um ganzheitliche Instrumente handeln muss (vgl. Möller et al., 2011, S. 23). ........................................................ Die Balanced Scorecard ........................................................ Das Bemühen dem Management solch ganzheitliche Instrumente bereit zu stellen, ist in der wissenschaftlichen Literatur stark ausgeprägt. Als ein Meilenstein ist in diesem Zusammenhang die in einem zwölfmonatigen Forschungsprojekt entwickelte Balanced Scorecard (BSC) zu verstehen, die in Analogie zu einem Flugzeugcockpit viele unterschiedliche Informationen zur Verfügung stellen soll. Neben finanziellen sollen dabei insbesondere operative Kenngrößen berücksichtigt werden, sodass auch Rückschlüsse über profundere Zusammenhänge abgeleitet werden können. Bezeichnend für diesen ersten gegen Ganzheit konvergierenden Ansatz lässt sich bereits für die ursprüngliche Version der BSC feststellen, dass neben einer finanziellen, kundenorientierten und einer geschäftsinternen Perspektive dem Thema Innovation und Lernen ein eigenständiges Feld eingeräumt wird, dass durch entsprechende Kenngrößen kontrolliert und gesteuert werden soll (vgl. Kaplan/Norton, 1992, S. 71 f.). ........................................................ Die Innovation Balanced Scorecard ........................................................ Die gegen Ende des letzten Jahrhunderts verstärkt aufkommende Betrachtung des Hergangs von Innovationen hat zu der Erkenntnis geführt, dass die Innovationstätigkeiten aufgrund der elementaren Bedeutung für das Unternehmensfortbestehen tiefgründiger analysiert und gesteuert werden müssen. Als Resultat dieser Untersuchungen ist die Innovation Balanced Scorecard (IBS) entstanden, die die besonderen Gegebenheiten bei Innovationen, dass finanziell-ergebnisorientierte Kennzahlen erst sehr spät zur Verfügung stehen und auch aufgrund dessen eine geringere Akzeptanz des Einsatzes von Kenngrößen im Innovationskontext seitens der Mitarbeiter vorherrscht, zu überwinden versucht (vgl. Abb. 1). Aufbauend auf der Struktur der BSC fordert sie daher explizit ein auf den Innovationscharakter zugeschnittenes Instrument, welches auch normative, kulturelle und organisatorische Aspekte berücksichtigen soll (vgl. Kerssens-van Drongelen/Cook, 1997, S. 347–349). ........................................................ Innovation Scorecards in der Praxis ........................................................ Die IBS hat in der Praxis einen weitläufigen Anklang gefunden. In jüngerer Vergangenheit lassen sich immer wieder Publikationen identifizieren, in deren Rahmen Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen Auszüge ihrer Innovation Scorecard vorstellen. So finden sich bspw. Implementierungsformen der Innovation Balanced Scorecard bei PricewaterhouseCoopers, bei der Freudenberg Gruppe als auch bei der Festo AG & Co. KG vor 52 CONTROLLING-LEXIKON CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG Survive Succeed Prosper Present Value of R&D Accomplishments/R&D Expenditure % of Sales from New Products Market Share gained due to R&D Financial Perspective Technology/ Leadership Long Term Focus High Absorptive Capacity Learning Organisation # of patentable discoveries per $ spent on R&D % of Budget spent internally and externally on Basic & Applied Research % of Projects in Corporations with 3rd Party % of Project Evaluation Ideas applied in new Projects Innovation & Learning Perspective Vision & Strategy Productivity Speed-to-market Technology/ Design Re-Use Reliable Delivery of Outputs Quality of Output Hours spent on Projects/ Total Hours R&D Current t.t.m/ reference t.t.m Rate of Re-Use of Standard Design/ proven technology Sum revised Proj. Durations/ Sum of planned Durations # of Times rework Internal Business Perspective High Customer Satisfaction Anticipation of Customer Needs High Level of Design for Manufacture R&D Hit Rate Score on Customer Satisfaction Audit & of Customer driven Projects Engineering Hrs on Projects/ Engineering Hrs on Projects and Troubleshooting % of Projects terminated before Implementation Customer Perspective Abb. 1: Innovation Balanced Scorecard (vgl. Kerssens-van Drongelen/Cook, 1997, S. 355) (vgl. Möller et al., 2011, S. 34 und S. 59; Gleich et al., 2009, S. 196). ........................................................ Fazit ........................................................ Die Innovation Balanced Scorecard scheint aufgrund ihres finanzielle und nicht-finanzielle Aspekte integrierenden Charakters eine der geeignetsten und beliebtesten Formen zur Steuerung der Innovationstätigkeiten bei Unternehmen zu sein. In der freien Anpassung der Perspektiven an unternehmensspezifische Innovationseinflussfaktoren ist einerseits eine Stärke dieses Instruments zu sehen. Andererseits wird anhand dieser Eigenschaft allerdings auch klar, dass die Einflussfaktoren und der Erfolg von Innovationstätigkeiten in inhaltlicher Dimension noch stärker erforscht werden müssen. Diese so gewonnenen Erkenntnisse sollten Unternehmen detaillierter aufklären, wie die Innovation Balanced Scorecard in unternehmensindividuellen Kontexten auszugestalten ist. Literatur Christensen, C. M./Overdorf, M., Meeting the Challenge of Disruptive Change, in: Harvard Business Review, 78. Jg. (2000), H. 2, S. 66–76. Gleich, R./Nestle, V./Sommer, L., Innovationsorientiertes Performance Measurement – Entwicklung und Implementierung einer Innovation Scorecard am Beispiel der Festo AG & Co. KG, in: Fisch, J. H./Roß, J.-M. (Hrsg.), Fallstudien zum Innovationsmanagement – Methodengestützte – Lösung von Problemen aus der Unternehmenspraxis, Wiesbaden 2009, S. 187–204. Kaplan, R. S./Norton, D. S., The Balanced Scorecard – Measures that drive Performance, in: Harvard Business Review, 70. Jg. (1992), H. 1, S. 71–79. Kerssens-van Drongelen, I. C./Cook, A., Design principles for the development of measurement systems for research and development processes, in: R&D Management, 27. Jg. (1997), H. 4, S. 345–357. Möller, K./Menninger, J./Robers, D., Innovationscontrolling – Erfolgreiche Steuerung und Bewertung von Innovationen, Stuttgart 2011. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Jan-Christoph Steinmann, Ingeniero Industrial, St. Gallen Innovation Balanced Scorecard als Instrument zur Innovationssteuerung 53 25. Jahrgang 2013, Heft 1

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Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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