Burkhard Pedell, Joachim Sautter, Svatopluk Alexander, Sven Fahn, Marisa Schäfer, SAP™ S/4HANA Finance - Implementierungsstatus, Ziele, Erwartungen und Einführungsstrategien in:

Controlling, page 54 - 61

CON, Volume 29 (2017), Issue 3, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381-2017-3-54

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SAP ˆ S/4HANA Finance – Implementierungsstatus, Ziele, Erwartungen und Einführungsstrategien Empirische Ergebnisse für den deutschsprachigen Raum Prof. Dr. Burkhard Pedell ist Inhaber des Lehrstuhls Controlling an der Universität Stuttgart und Mitherausgeber der Zeitschrift Controlling. Er ist Senior Fellow am Risk Management and Decision Processes Center, The Wharton School, University of Pennsylvania. E-Mail: burkhard.pedell@bwi.unistuttgart.de Dipl.-Kfm. techn. Joachim Sautter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl Controlling an der Universität Stuttgart. E-Mail: joachim.sautter@bwi.unistuttgart.de Der Beitrag zeigt die Ergebnisse einer Studie zur Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance im deutschsprachigen Raum. Trotz hoher Erwartungen hinsichtlich einer Verbesserung der Datenkonsistenz und der Entscheidungsunterstützung bewegt sich die Implementierung noch auf niedrigem Niveau. Gründe dafür sind neben hohen Kosten insbesondere Unsicherheiten hinsichtlich Funktionalität und Systemstabilität. Burkhard Pedell, Joachim Sautter, Svatopluk Alexander, Sven Fahn und Marisa Schäfer 1. Veränderung des Controllings durch In-memory-Technologien An die technologischen Entwicklungen von Inmemory-Datenbanken werden hohe Erwartungen im Hinblick auf die Verbesserung von Finanzprozessen geknüpft (vgl. bspw. Vom Brocke et al., 2014). Insbesondere erhoffen sich Anwender schnellere und flexiblere Datenanalysen bis hin zur Idealvorstellung eines ,real time finance‘. Diese Entwicklungen werden auf Sicht erhebliche Rückwirkungen auf die Aufgaben und die benötigten Kompetenzen von Controllern haben. Sowohl im operativen Bereich als auch auf der Führungsebene werden übergreifende Kompetenzprofile benötigt, die ein weitreichendes Verständnis für die Prozesse und Inhalte des Controllings und Accountings im digitalen Kontext beinhalten. So könnten beispielsweise unterstützt durch simplifizierte, Inmemory vorgehaltene Datenbestände Data Scientists noch gezielter eingesetzt werden, die sich der Aufbereitung von Daten und dem Reporting widmen und somit der aufgrund neuer Geschäftsmodelle gestiegenen Komplexität und der zunehmenden Datenmenge (Big Data) Rechnung tragen (vgl. Kirchberg/Grönke, 2015, S. 192 ff.). Wie schnell diese Änderungen greifen werden, hängt wesentlich von der Bereitschaft von Unternehmen ab, ihre IT-Systeme auf In-memory-Technologien umzustellen und beispielsweise SAP ˆ S/4HANA Finance zu implementieren. Vor diesem Hintergrund haben die Unternehmensberatung BearingPoint und der Lehrstuhl Controlling an der Universität Stuttgart gemeinsam eine Studie zum Implementierungsstand, zu den Zielen und Erwartungen, zu Einführungsstrategien sowie zu Treibern und Hindernissen einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance durchgeführt, deren Ergebnisse in diesem Beitrag gezeigt werden. Der folgende Abschnitt geht auf wesentliche technologische Änderungen und mögliche Auswirkungen auf das Controlling ein. In Abschnitt 3 wird der Aufbau der empirischen Untersuchung dargestellt. Abschnitt 4 zeigt die Ergebnisse der Studie zu Implementierungsstatus, Zielen und Erwartungen, die an eine Einführung geknüpft werden, sowie den Strategien, Treibern und Hindernissen einer Einführung. Abschnitt 5 schließt den Beitrag mit einem Fazit. 2. Hintergrund und Erwartungen SAP ˆ S/4HANA Finance baut auf einer In-memory-Datenbank auf (allgemein zu In-memory-Datenbanken vgl. Knabke/Olbrich, 2016). Die Datenablage erfolgt dabei im Arbeitsspeicher und die Datenorganisation ist spaltenorientiert und damit auf die 54 CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG Dipl.-Oec. Svatopluk Alexander ist Partner bei BearingPoint und zuständig für Beratungsleistungen im Bereich Finance und Treasury Management. E-Mail: svatopluk. alexander@bearingpoint. com Sven Fahn (MBA) ist Partner bei BearingPoint und zuständig für Beratungsleistungen im Bereich Finance und Regulatory. E-Mail: sven.fahn@ bearingpoint.com Marisa Schäfer (M.A.) ist Business Consultant bei BearingPoint im Bereich Finance und Regulatory. E-Mail: marisa.schaefer@ bearingpoint.com Zentrale Aussagen Potenziale von SAP ˆ S/4HANA Finance werden insbesondere in einer höheren analytischen Geschwindigkeit, flexibleren Auswertungsmöglichkeiten, einem verbesserten Ad-hoc-Reporting sowie einer konsistenten Datenbasis gesehen. Treiber einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance sind die Bereiche Reporting, Kostenrechnung und Finance Operations. Hindernisse sind hohe, schwer einschätzbare Kosten und Unsicherheiten hinsichtlich Funktionalität und Stabilität. Datenanalyse ausgerichtet. Datenbestände werden redundanzfrei gehalten, d. h., es werden keine bereits verdichteten Daten vorgehalten. Sowohl transaktionale als auch analytische Aufgaben werden auf Einzelbelegbasis durchgeführt (vgl. zu den technologischen Grundlagen ausführlich Sinzig, 2015, S. 236 f.). Finanzdaten werden in SAP ˆ S/4HANA Finance in einer einzigen Tabelle, dem Universal Journal, abgelegt, auf welche Berichte und Analysen sowohl im internen als auch im externen Rechnungswesen zugreifen und das dem Grundgedanken einer zweckneutralen Grundrechnung nach Paul Riebel (vgl. Riebel, 1994; Schweitzer et al., 2016, S. 544 ff.) folgt. Die Datenverarbeitung soll durch die In-memory-Technologie beschleunigt werden und eine verbesserte Datenkonsistenz wie auch Datenqualität („Single Source of Truth“) gewährleisten. Darüber hinaus sollen Auswertungen flexibler in jeder gewünschten Granularität vorgenommen (vgl. Sinzig, 2015, S. 239) und an sich ändernde inhaltliche Anforderungen angepasst werden können, etwa, wenn sich Geschäftsmodelle ändern. Als ursächlich hierfür wird vor allem der Verzicht auf diverse, bestehende Summen-, Index- oder auch Einzelpostentabellen und damit verbundene Komplexität und Redundanz im Datenmodell gesehen. Die dargestellten Entwicklungen lassen verschiedene Potenziale für die Finanzfunktion und speziell für das Controlling erwarten. Allgemein kann eine Beschleunigung von Finanzprozessen erwartet werden. Eine Verbesserung der Datenkonsistenz durch das Universal Journal bedeutet für Controller, dass sie bei der nachträglichen Abstimmung von Daten entlastet werden. Freiwerdende Kapazitäten können für eingehendere Analysen vorab bei der Festlegung der zu erfassenden Strukturierungsmerkmale der Daten, bei der Datenauswertung und bei der Entwicklung von Maßnahmen genutzt werden, um im Ergebnis die Qualität von Entscheidungen zu verbessern. Die Vorteile einer konsistenten Datenbasis und einer beschleunigten Datenverarbeitung greifen auch bei den Planungs- und Budgetierungsprozessen. Durch die Ausweitung von Dialogfunktionen (zu unterschiedlichen Berichtssystemen vgl. Küpper et al., 2013, S. 233 ff.) und der Zusammenführung von Ist- und Plandaten im Datenmodell des eingebetteten Business Warehouse kann die Konsistenz zwischen Planungsebenen verbessert werden. Alternativplanungen und Simulationen können einfacher durchgeführt werden. Daten des Rechnungswesens können dabei auch mit Indikatoren aus operativen Prozessen kombiniert werden, um die Unternehmenssteuerung zu verbessern (vgl. Sinzig, 2015, S. 239). Außerdem wird der Übergang zwischen Planung und Prognose durch die Zunahme der Verarbeitungsgeschwindigkeit und eine damit einhergehende erhöhte Verfügbarkeit der Daten fließender, wodurch Qualität und Kompatibilität der Analysen steigen (vgl. Schindera et al., 2016, S. 345). Durch die nahtlose Integration der Planung in der ERP-Umgebung können Forecast-Daten z. B. von Cash Flows mit Fälligkeit in Zukunft, die bereits im System verfügbar sind, als Planansätze für ausgewählte Planungspositionen automatisch herangezogen und rollierend aktualisiert werden. Die Flexibilisierung der Datenauswertung vereinfacht darüber hinaus die Erstellung von Ad-hoc-Berichten und ebnet den Weg für eine Verlagerung von Controllingaufgaben in operative Einheiten (Selbstcontrolling). Die engere Verzahnung von Transaktionen, Reporting und Analyse stärkt darüber hinaus tendenziell die Rolle von lokalen Finanz- und Controllingeinheiten (vgl. Kaum et al., 2015, S. 14). Abschließend kann festgehalten werden, dass mit einer Implementierung von SAP ˆ S/4HANA Finance umfangreiche Potenziale für eine Verbesserung der Finanz- und Controllingfunktion verbunden werden. Um die vollen Potenziale von SAP ˆ S/4HANA Finance heben zu können, werden mit seiner Einführung vermutlich vielfach auch Vereinfachungen und Standardisierungen von Prozessen einhergehen. Die Zusammenführung der Prozesse sowie eine Migration auf ein gemeinsames Zielsystem, basierend auf S/4HANA Finance, werden nicht ohne eine umfassende Harmonisierung und Vereinfachung der Prozesse erfolgen können. Um die Nutzenpotenziale dieser Technologie optimal auszuschöpfen und verschiedene Prozesse, die derzeit bei vielen Unternehmen dezentral, teils auf mehreren ERP-Systemen durchgeführt und individuell ausgeprägt wurden, zu harmonisieren, wird eine Umkehrung des Leitspruchs „Systems follow the processes“ einsetzen. Nur so können einheitliche Prozesse konzernweit etabliert sowie verkürzte Durchlaufzeiten und eine erhöhte Prozesstransparenz, die eine wesentliche Voraussetzung für eine kontinuierliche Prozessverbesserung und -vereinfachung darstellt, erreicht werden. Dieses Bewusstsein kann am Anfang als Hemmschuh wirken, da ein Übergang auf S/4HANA aus prozessualer Sicht alles andere als eine Migration der Daten in ein neues System darstellt. Für den Übergang auf eine derartige neue Technologie dürften darüber hinaus auch möglicherweise bestehende Unsicherheiten hinsichtlich Funktionalität, Stabilität, Kosten sowie benötigter Kompetenzen von erheblicher Bedeutung sein. So empfiehlt bspw. WISSEN 29. JAHRGANG 2017 · 3/2017 55 14% 25% 11% 20% 30% Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen < 1000 1.001 bis 5.000 5.001 bis 15.000 15.001 bis 50.000 > 50.000 9% 16% 25%23% 23% 5% Umsatz des letzten vollen Geschäftsjahres < 0,5 Mrd. Euro 0,5 Mrd. bis 1 Mrd. Euro 1 Mrd. bis 10 Mrd. Euro 10 Mrd. bis 50 Mrd. Euro > 50 Mrd. Euro Keine Antwort Abb. 1: Größenverteilung nach Mitarbeitern und Umsatz Gartner (2015), aufgrund der noch bestehenden Unsicherheiten einen Übergang auf SAP ˆ S/4HA- NA nicht zu überstürzen (vgl. Gartner, 2015, S. 1). Es stellt sich deshalb die Frage, wie sich die aktuelle Situation aus Sicht von (potenziellen) Anwenderunternehmen darstellt. 3. Aufbau der empirischen Untersuchung Die Datenerhebung erfolgte von Dezember 2015 bis Februar 2016 als Online-Befragung. Die Studie richtete sich branchenübergreifend an Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Es wurden 2.330 Kontakte angeschrieben. Der Rücklauf umfasste 44 vollständig ausgefüllte Fragebögen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von ca. 1,9 %. Die Repräsentativität der Ergebnisse ist daher entsprechend zurückhaltend zu beurteilen. Die Teilnehmer der Befragung kommen aus einem breiten Spektrum verschiedener Branchen. Schwerpunkte in den Branchen bestehen bei der verarbeitenden Industrie, Chemie, Automobil und Energie. Darüber hinaus sind z. B. auch Banken, Versicherungen, Life Science und der staatliche Sektor vertreten. Die Größenverteilung der beteiligten Unternehmen nach Mitarbeitern und Umsatz ist in Abb. 1 dargestellt. Die Teilnehmer sind insbesondere in den Bereichen IT (32 %), Group Accounting und Closing/ Consolidation (20 %) sowie Enterprise Controlling (16 %) beschäftigt und haben in ihrem Unternehmen überwiegend die Positionen Bereichsleiter/in (36 %) oder Abteilungsleiter/in (34 %) inne. 4. Ergebnisse der Untersuchung Die Ergebnisse der Untersuchung werden im Folgenden strukturiert nach Implementierungsstatus, Zielen und Erwartungen sowie den Strategien, Treibern und Hindernissen einer Einführung dargestellt. SAP ˆ S/4HANA Finance war bzw. wurde zum Zeitpunkt der Befragung bei 11 % der befragten Unternehmen eingeführt. Ausgangssituation und Status bei den befragten Unternehmen Über die Hälfte der befragten Unternehmen (55 %) geben an, dass eine Einführung von SAP ˆ S/4HA- NA Finance momentan in der Diskussion steht. Zum Zeitpunkt der Befragung war bzw. wurde dieses allerdings erst bei 11 % der Unternehmen eingeführt. 7 % geben an, sich gegen eine Einführung entschieden zu haben und bei 27 % der Unternehmen wurde eine Einführung noch nicht thematisiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein Großteil der befragten Unternehmen bereits mit einer Einführung beschäftigt hat. Dieses Ergebnis könnte allerdings dadurch verzerrt sein, dass Unternehmen, die sich bereits mit SAP ˆ S/4HANA Finance auseinandergesetzt haben, eher an der Umfrage teilgenommen haben, als Unternehmen, die sich noch nicht damit beschäftigt haben. Eine von Pierre Audoin Consultants (PAC) gemeinsam mit BearingPoint im Oktober 2016 durchgeführte Studie zu SAP ˆ S/4HANA im Allgemeinen kommt jedoch zu ähnlichen Ergebnissen (befragt wurden 102 IT-/SAP ˆ -Verantwortliche in deutschen Unternehmen). Hier geben 75 % der Befragten an, dass eine Einführung diskutiert (34 %) bzw. bereits durchgeführt (14 %) oder geplant (27 %) wird (vgl. PAC, 2016, S. 10). Im Vergleich zu anderen innovativen Finanzthemen hat SAP ˆ S/4HANA Finance bei ca. zwei Dritteln der befragten Unternehmen einen mittleren (42 %) bis hohen (23 %) Stellenwert. Bei 28 % der Unternehmen wird diesem ein kleiner Stellenwert beigemessen. 7 % der Befragten gaben keine Einschätzung ab. Im Bereich derUnterstützung von Finanzprozessen dominieren bei den befragten Unternehmen in fünf von neun abgefragten Bereichen SAP ˆ -Systeme (dies sind die Bereiche „Enterprise Controlling“, „Kostenrechnung und -management“, „Finance Operations“, „Group Accounting und Closing/Consolidation“ und „Reporting/Berichtswesen und Analyse“), wohingegen in den Bereichen „Unternehmensplanung und Budgetierung“, „Treasury, Financial Risk Management und Finanzplanung“, „Enterprise Risk und Compliance Management“ sowie „Regulatorische Auswertungsrechnung“ überwiegend Nicht-SAP ˆ -Lösungen eingesetzt werden (vgl. Abb. 2). Insgesamt zeigt sich, dass über alle Bereiche und Unternehmen hinweg zu 51 % SAP ˆ -Systeme eingesetzt werden. Eine Analyse nach Unternehmensgröße (große Unternehmen: Anzahl Mitarbeiter > 15.000; kleine Unternehmen: Anzahl Mitarbeiter e 15.000; diese Aufteilung wird auch bei den weiteren Analysen zur Unternehmensgröße verwendet) zeigt, dass gro- ße Unternehmen in den abgefragten Bereichen durchschnittlich häufiger SAP ˆ -Systeme im Einsatz haben als kleine Unternehmen (58 % im Vergleich zu 43 %). Die Durchführung von Finanzprozessen findet bei den befragten Unternehmen nur in sehr geringem Umfang ohne Systemunterstützung statt. Ziele und Erwartungen Als übergeordnete Zielsetzung für eine Auseinandersetzung mit SAP ˆ S/4HANA Finance geben die SAP i S/4HANA FINANCE – IMPLEMENTIERUNGSSTATUS, ZIELE, ERWARTUNGEN UND EINFÜHRUNGSSTRATEGIEN 56 CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG 48% 68% 66% 36% 64% 89% 52% 18% 14% 50% 32% 25% 55% 18% 11% 41% 61% 39% 2% 2% 2% 2% 2% 11% 9% 7% 7% 16% 5% 9% 39% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90%100% Unternehmensplanung und Budgetierung Reporting/Berichtswesen und Analyse Group Accounting und Closing/Consolidation Treasury, Financial Risk Management und Finanzplanung Finance Operations Kostenrechnung und -management Enterprise Controlling (Unternehmenssteuerung) Enterprise Risk und Compliance Management Regulatorische Auswertungsrechnungen SAP-System(e) Non-SAP-System(e) Keine Systemunterstützung Unbekannt 9% 9% 11% 16% 39% 39% 41% 52% 55% 59% 75% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Andere Abbildung/Unterstützung eines neuen Geschäftsmodells Outsourcing von Finanzprozessen Verbesserte und zentralisierte Risikoidentifizierung Anpassungsfähigkeit und Agilität des Finanzsystems Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Einsparpotenziale Einfache und intuitive Bedienbarkeit An die Datenmengen angepasste Prozess- und Systemarchitektur Verbesserung der Entscheidungsfindung (Verfügbarkeit von Echtzeit-Informationen) Verbesserte Analyse und Nutzung von großen Datenmengen Konsistente Datenbasis und einheitliche Prozesse im Finanzbereich Abb. 2: Eingesetzte Systeme zur Unterstützung von Finanzprozessen Abb. 3: Übergeordnete Zielsetzung bei der Auseinandersetzung mit SAP ˆ S/4HANA Finance Die übergeordneten Ziele einer Auseinandersetzung mit SAP ˆ S/4HANA Finance sehen die meisten Teilnehmer in der Schaffung vonKonsistenz und einer Verbesserung der Performance. meisten Teilnehmer (75 %) die Schaffung einer konsistenten Datenbasis und die Schaffung einheitlicher Prozesse im Finanzbereich an. Eine verbesserte Analyse und die Nutzung von großen Datenmengen werden von 59 % der Teilnehmer genannt. Über die Hälfte der Studienteilnehmer geben au- ßerdem eine Verbesserung der Entscheidungsfindung aufgrund der Verfügbarkeit von Echtzeit-Informationen (55 %) sowie eine an die Datenmengen angepasste Prozess- und Systemarchitektur im Finanzwesen (52 %) als Ziele an. Eine einfachere Bedienbarkeit, mögliche Einsparpotenziale, die Flexibilität des Finanzsystems und die Risikoanalyse stehen dagegen weniger oft als Ziel im Vordergrund (vgl. Abb. 3). Insgesamt wird deutlich, dass die Mehrheit der Teilnehmer die übergeordneten Ziele in der Schaffung von Konsistenz und einer Verbesserung der Performance sehen. Dies entspricht den in Abschnitt 2 abgeleiteten Potenzialen einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance. WISSEN 29. JAHRGANG 2017 · 3/2017 57 4,41 5,57 5,83 3,94 5,14 5,41 4,78 4,19 4,83 4,68 4,34 3,97 Erhöhung der transaktionalen Geschwindigkeit Erhöhung der analytischen Geschwindigkeit Flexible und detaillierte Analysemöglichkeiten und verbessertes Ad-hoc Reporting Erfüllung wachsender regulatorischer Anforderungen Performante Handhabung und Analyse rapide ansteigender Datenmengen Abgestimmte Daten zwischen Controlling und Accounting durch „Single Source of Truth“ Möglichkeit der integrativen Planung im Finanzbereich (Plan- und Ist-Echtzeitvergleich; Simulationsmöglichkeiten) Simulation der Auswirkungen von Änderungen bei Prozessen und Inputpreisen auf den Ergebnisbeitrag Möglichkeit der Verknüpfung von Ist- mit Plan-Daten, Forecasts und Vorhersagen (predictive analytics) Erleichterte Intercompany Abstimmung und schnellere periodische Abschlüsse Vorteile im Bereich Cash Management oder im Bereich Working Capital Management Vorbereitung für die Vernetzung von Geschäftstätigkeiten 1 (niedrig) 7 (hoch) Erwartete Nutzenpotenziale Abb. 4: Erwartete Nutzenpotenziale durch SAP ˆ S/4HANA Finance Auch die Studie von PAC (2016) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier wurde als Hauptgrund für die Einführung von SAP ˆ S/4HANA die Beschleunigung von Prozessen und Datenanalysen genannt (vgl. PAC, 2016, S. 13). Eine nach großen und kleinen Unternehmen getrennt durchgeführte Auswertung zeigt, dass kleine Unternehmen die abgefragten Zielsetzungen in Summe häufiger bestätigen als große Unternehmen (39 % im Vergleich zu 34 % bei großen Unternehmen). Da, wie oben dargestellt, die kleineren befragten Unternehmen durchschnittlich seltener SAP ˆ -Systeme zur Unterstützung der Finanzprozesse im Einsatz haben, könnte dies damit zusam- Die höchsten Nutzenpotenziale durch SAP ˆ S/4HA- NA Financewerden durch flexible und detaillierte Analysemöglichkeiten und ein verbessertes Ad-hoc-Reporting erwartet. menhängen, dass die Einführung von SAP ˆ S/4HA- NA Finance bei diesen Unternehmen mit einer Ausweitung der SAP ˆ -Systemunterstützung auf weitere Finanzprozesse einhergeht. Die höchstenNutzenpotenziale erwarten die Teilnehmer im Bereich der flexiblen und detaillierten Analysemöglichkeiten und eines verbesserten Adhoc-Reportings. Wie bei den übergeordneten Zielen wird auch hier deutlich, dass die befragten Unternehmen durch den Einsatz von SAP ˆ S/4HANA Finance außerdem eine Erhöhung der Performance erwarten. So werden die Erhöhung der analytischen Geschwindigkeit und die performante Handhabung und Analyse rapide ansteigender Datenmengen als weitere große Nutzenpotenziale betrachtet. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in der Ansicht der Teilnehmer wider, dass zwischen SAP ˆ S/4HANA Finance und dem Thema Big Data eine komplementäre Beziehung besteht. Zudem wird ein hohes Nutzenpotenzial aus abgestimmten Daten zwischen Controlling und Accounting durch eine „Single Source of Truth“ erwartet. Geringere Nutzenpotenziale hingegen werden im Bereich der Erfüllung wachsender regulatorischer Anforderungen und der Vorbereitung für die Vernetzung von Geschäftstätigkeiten gesehen (vgl. Abb. 4). Dies kann einerseits mit der periodischen Erstellung von „starren“ Reports und der sich nur schleppend durchsetzenden Einsicht der zielgerichteten Nutzung dieser Daten auch für unternehmensinterne Analysen sowie andererseits mit der Tatsache erklärt werden, dass in diesem Bereich bisher überwiegend individuelle Lösungen eingesetzt oder die regulatorischen Berichtspflichten ausgelagert wurden. SAP i S/4HANA FINANCE – IMPLEMENTIERUNGSSTATUS, ZIELE, ERWARTUNGEN UND EINFÜHRUNGSSTRATEGIEN 58 CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG 5% 5% 11% 23% 23% 23% 25% 32% 34% 41% 48% 61% 68% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Andere Keine Erweiterung von Prozessen um weitere Prozessschritte Veränderte oder neue Rollen bei der Prozessdurchführung Veränderte Abfolge von Prozessen bzw. Prozessschritten Höhere Flexibilität der Geschäftsprozesse Größere Skalierbarkeit der Prozesse Verbesserte Prozessstabilität Organisatorische Änderungen der Verantwortlichkeiten Verstärkte Automatisierung von Prozessschritten Wegfall einzelner Prozessschritte Erhöhte Prozesstransparenz Beschleunigte Durchlaufzeiten von Prozessen Abb. 5: Erwartete Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse im Finanzwesen durch SAP ˆ S/4HANA Finance Die meisten Teilnehmer der Studie erwarten durch den Einsatz von SAP ˆ S/4HANA Finance eine beschleunigte Durchlaufzeit von Prozessen. Eine nach Unternehmensgröße durchgeführte Auswertung zeigt, dass die großen Unternehmen bei allen Kategorien bis auf zwei Ausnahmen („Performante Handhabung und Analyse rapide ansteigender Datenmengen“ und „Flexible und detaillierte Analysemöglichkeiten und verbessertes Ad-hoc Reporting“) durchgängig höhere Nutzenpotenziale erwarten. Dies ist insbesondere bei den beiden Punkten „Erhöhung der transaktionalen Geschwindigkeit“ und „Erleichterte Intercompany Abstimmung und schnellere periodische Abschlüsse“ der Fall. Diese erwarteten, höheren Nutzenpotenziale könnten mit den in größeren Unternehmen tendenziell größeren Datenmengen und umfangreicheren und komplexeren Prozessen zusammenhängen. Die von den befragten Unternehmen erwartete Erhöhung der Performance durch SAP ˆ S/4HANA Finance wird auch bei den erwarteten Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse im Finanzwesen deutlich. Hier rechnet die Mehrheit der Teilnehmer (68 %) mit einer beschleunigten Durchlaufzeit von Prozessen. Fast die Hälfte der Teilnehmer (48 %) erwarten durch die Einführung einen Wegfall einzelner Prozessschritte, was die entsprechend in Abschnitt 2 angestellte Vermutung unterstützt. 41 % der Teilnehmer erwarten eine verstärkte Automatisierung der Prozessschritte. Zudem wird von 61 % der Unternehmen eine erhöhte Prozesstransparenz erwartet. Dagegen werden organisatorische Änderungen der Verantwortlichkeit, eine verbesserte Prozessstabilität, eine größere Skalierbarkeit der Prozesse oder eine höhere Flexibilität der Geschäftsprozesse seltener als Erwartung genannt (vgl. Abb. 5). Bei einer getrennten Analyse nach Unternehmensgröße fällt hier insbesondere auf, dass große Unternehmen deutlich häufiger einen Wegfall einzelner Prozessschritte erwarten (68 % im Vergleich zu 27 % bei kleinen Unternehmen), während kleine Unternehmen häufiger mit einer erhöhten Prozesstransparenz rechnen (73 % im Vergleich zu 50 % bei großen Unternehmen). Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance Als Einführungsstrategie von SAP ˆ S/4HANA Finance gibt mit 43 % der größte Anteil der Befragten die Migration bestehender ERP-Finanzsysteme an. Da die Mehrheit der Teilnehmer aktuell SAP ˆ -Systeme im Einsatz hat, ist es wahrscheinlich, dass die Einführung bei diesen eine Überführung von einem bestehenden SAP ˆ -ERP-System zu einem SAP ˆ S/4HANA-System beinhalten wird (das Ausmaß zwischen tatsächlicher, reiner Migration von Stamm- und Bewegungsdaten bis zu deren Transformation und Bereinigung aufgrund funktionaler und prozessualer Veränderung wurde hierbei nicht explizit untersucht). Dies bestätigt auch ein Vergleich der Einführungsstrategie mit den aktuell zur Unterstützung von Finanzprozessen eingesetzten Systemen. Dieser zeigt, dass Unternehmen, die aktuell in mehr als 50 % ihrer Bereiche SAP ˆ -Systeme einsetzen, häufiger die Migration eines bestehenden ERP-Finanzsystems als Einführungsstrategie wählen (52 % im Vergleich zu 33 % bei den Unternehmen, die aktuell in weniger als 50 % ihrer Bereiche WISSEN 29. JAHRGANG 2017 · 3/2017 59 43% 32% 14% 7% 5% Migration eines bestehenden ERP- Finanzsystems Bisher noch nicht thematisiert Pilotierung eines Finanzthemas bei parallel weiterhin bestehenden ERP-Lösungen Neueinführung von SAP®-Finance auf Basis von SAP® S/4HANA Andere Abb. 6: Strategien zur Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance SAP ˆ -Systeme einsetzen). Als zweithäufigste Einführungsstrategie wird mit 14 % die Pilotierung eines Finanzthemas genannt (z. B. zu Erprobungszwecken, bei parallel weiterhin bestehenden ERP- Als Argument gegen eine Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance werden hauptsächlich die Kosten der Einführung genannt. Lösungen und späterem „Nachziehen“ weiterer Bausteine). Eine Spielvariante dieser Strategie, insbesondere für große Unternehmen mit komplexen Systemlandschaften, könnte die temporäre Einführung einer zusätzlichen, zentralen Instanz („SAP ˆ Central Finance“) auf SAP ˆ S/4HANA Basis sein, um von dieser zentralen SAP ˆ S/4HANA Anwendung möglichst früh zu profitieren und zu einem späteren Zeitpunkt – nach vollständigem Abschluss des Transformationsvorhabens – mit der Zielplattform zu konvergieren. Hierbei werden aus zunächst unveränderten ERP-Quellsystemen Finanzbelege in ein zentrales System repliziert und nach zu definierenden Transformationsregeln vereinheitlicht und zusammengeführt. Eine komplette Neueinführung von SAP ˆ -Finance auf Basis von SAP ˆ S/4HANA geben 7 % der Befragten als gewählte Strategie an. In 32 % der Unternehmen wurde die Einführungsstrategie bisher noch nicht thematisiert (vgl. Abb. 6). Diese Ergebnisse spiegeln sich ähnlich auch in der Studie von PAC wider. Hier wird als häufigste Einführungsstrategie (49 %) die schrittweise technische Migration bestehender SAP ˆ -Systeme auf S/4HANA genannt (vgl. PAC, 2016, S. 16). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in der Studie von PAC von dem größten Teil der Befragten (32 %) angegeben wurde, dass diese zunächst nur SAP ˆ S/4HANA Finance einführen (vgl. PAC, 2016, S. 19). Als derjenige Bereich, der am stärksten als Treiber einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance wirkt, wurde der Bereich „Reporting/Berichtswesen und Analyse“ genannt. Dahinter folgen die Bereiche „Kostenrechnung und -management“ und „Finance Operations“. Dies ist wenig verwunderlich, da, wie zuvor bereits aufgezeigt wurde, in diesen Unternehmensbereichen vorrangig eine große Anzahl an Verbesserungen durch SAP ˆ S/4HANA Finance erwartet wird. Dem Thema eher skeptisch gegenüber stehen die Bereiche „Enterprise Risk und Compliance Management“ und „Regulatorische Auswertungen“. Auch dieses Ergebnis ist wenig überraschend, da die Auswertungen der erwarteten Nutzenpotenziale und der übergeordneten Zielsetzung zeigen, dass in diesen Bereichen eher geringe Verbesserungen durch eine Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance erwartet werden. Ein weiterer Grund für die Skepsis kann darin begründet liegen, dass in diesen Bereichen bisher überwiegend keine SAP ˆ -Lösungen eingesetzt werden (vgl. Darstellung in Abb. 2). Die Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance fällt unter den befragten Unternehmen in etwa gleichmäßig in die Budgetverantwortlichkeit von IT-Bereich (45 %) und Finanzbereich (43 %). Bei 7 % der teilnehmenden Unternehmen haben beide Bereiche gemeinsam die Budgetverantwortung. Als überwiegendes Argument gegen eine Einführung werden von 77 % der Teilnehmer die Kosten der Einführung genannt. Außerdem bestehen bei der Hälfte der Teilnehmer Unsicherheiten bezüglich der Funktionalitäten und der Systemstabilität von SAP ˆ S/4HANA Finance. Als weiterer Grund, der gegen eine Einführung spricht, werden von fast der Hälfte der Teilnehmer (48 %) fehlende Erfahrungswerte anderer Unternehmen genannt. Die Studie von PAC kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Als größte Hindernisse für eine Einführung von SAP ˆ S/4HANA werden hier aufgeführt, dass der Aufwand für die Umstellung der Prozesse schwer abzuschätzen ist, die Business Cases fehlen, um die erforderlichen Investitionen zu rechtfertigen, und die Kosten für Softwarelizenzen und Hardware zu hoch sind (vgl. PAC, 2016, S. 12). 5. Fazit Die Ziele und die erwarteten Nutzenpotenziale, welche die Studienteilnehmer mit einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance verbinden, spiegeln die im zweiten Abschnitt konzeptionell abgeleiteten Potentiale der In-memory-Technologie für die Finanz- und Controllingfunktion wider. Die Ziele einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance beziehen sich besonders stark auf die Konsistenz der Datenbasis und einheitliche Finanzprozesse sowie auf eine verbesserte Analyse und Entscheidungsfindung, insbesondere bei großen Datenmengen. Konkrete Nutzenpotenziale werden in besonderem Maße in einer höheren analytischen Geschwindigkeit, flexibleren Auswertungsmöglichkeiten der Daten und einem verbesserten Ad-hoc- Reporting sowie in einer konsistenten Datenbasis für interne und externe Zwecke durch eine „Single Source of Truth“ gesehen. Trotz der bestehenden hohen Erwartungen bewegt sich die Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Als Gründe für die Zurückhaltung bei der Implemen- SAP i S/4HANA FINANCE – IMPLEMENTIERUNGSSTATUS, ZIELE, ERWARTUNGEN UND EINFÜHRUNGSSTRATEGIEN 60 CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG Implikationen für die Praxis Im Zuge einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance sollten die Finanz- und Controllingprozesse auf Möglichkeiten der Vereinfachung, Standardisierung und Automatisierung geprüft werden. In Abhängigkeit von der individuellen Unternehmenssituation sollten unterschiedliche Einführungsstrategien geprüft werden, da sich in der Studie keine allgemein dominierende Strategie gezeigt hat. Unternehmen sollten gezielt die passenden Controllingstrukturen und -kompetenzen aufbauen, um die Potenziale einer Einführung von SAP ˆ S/4HANA Finance in vollem Umfang heben und auf sich wandelnde Geschäftsmodelle agil reagieren zu können. tierung werden neben hohen Kosten insbesondere Unsicherheiten hinsichtlich Funktionalität und Systemstabilität sowie mangelnde Erfahrungen anderer Unternehmen genannt. Die letzten beiden Punkte dürften relativ schnell an Bedeutung verlieren, sobald die Anzahl der Anwender deutlich zunimmt. Controller können von den gezeigten Entwicklungen allein schon dadurch profitieren, dass sie von operativen Aufgaben, wie der nachträglichen Abstimmung von Daten, entlastet werden und ihre Aufmerksamkeit stärker auf konzeptionelle Aufgaben richten können. So gewinnt die Abstimmung von Strategie, Funktionsbereichen, Organisationsstrukturen sowie Performance-Management- und Incentivierungssystemen tendenziell noch weiter an Bedeutung. Controller sind hier bei der Entwicklung entsprechender Treibermodelle gefordert, wofür sie ein tiefgehendes Geschäftsmodellverständnis benötigen, auch um Datenstrukturen und gesamte Steuerungssysteme konzeptionell schlüssig und zeitnah „nachziehen“ zu können, wenn sich Geschäftsmodelle angesichts fortschreitender Digitalisierung wandeln. Dies stellt in der Konsequenz auch zusätzliche Anforderungen an die Controllingausbildung. Durch eine mögliche Verlagerung von Controllingaufgaben in operative bzw. lokale Einheiten sinkt gleichzeitig möglicherweise der Bedarf an dedizierten (zentralen) Controllingstellen. Diese Zusammenhänge eröffnen ein spannendes Feld für zukünftige Untersuchungen. Literatur Gartner, SAP S/4HANA Is a Transformational Shift for SAP and Its Users, but Hold on to Your Wallets for Now, https://www.gartner.com/doc/ 2991820/sap-shana-transformational-shift-sap, 2015, Stand: 26.01.2017. Kaum, S./Töller, J./Wende, J./Moers, R., Einfluss von In-Memory Technologie (SAP HANA) und Simple Finance auf das Controlling, in: Controller Magazin (2015), H. 5, S. 10–15. Kirchberg, A./Grönke, K., Integrated Reporting und Digitalisierung: Folgen für eine moderne Finance-/Controllingorganisation, in: Gleich, R./ Grönke, K./Kirchmann, M./Leyk, J. (Hrsg.), Integrated Reporting – Externe Berichterstattung und interne Steuerung nachhaltig verbessern, München 2015, S. 185–196. Knabke, T./Olbrich, S., Grundlagen und Einsatzpotentiale von In-Memory-Datenbanken, in: Gluchowski, P./Chamoni, P. (Hrsg.), Analytische Informationssysteme, 5. Aufl., Berlin 2016, S. 187–203. Küpper, H.-U./Friedl, G./Hofmann, C./Hofmann. Y./Pedell, B., Controlling – Konzeption, Aufgaben, Instrumente, 6. Aufl., Stuttgart 2013. 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Stichwörter # Empirische Studie # Implementierung # In-Memory-Technologie # Potenziale # SAP ˆ S/4HANA Finance Keywords # Empirical Study # Implementation # In-Memory-Computing # Potentials # SAP ˆ S/4HANA Finance Summary The article presents the results of a study on the implementation of SAP ˆ S/4HANA Finance in German speaking countries. While participants have high expectations regarding improvements of data consistency and decision support, implementation is still at a low level. Reasons for this include high costs and uncertainty regarding functionality and system stability. WISSEN 29. JAHRGANG 2017 · 3/2017 61

Abstract

The article presents the results of a study on the implementation of SAP® S/4HANA Finance in German speaking countries. While participants have high expectations regarding improvements of data consistency and decision support, implementation is still at a low level. Reasons for this include high costs and uncertainty regarding functionality and system stability.

Zusammenfassung

Der Beitrag zeigt die Ergebnisse einer Studie zur Einführung von SAP® S/4HANA Finance im deutschsprachigen Raum. Trotz hoher Erwartungen hinsichtlich einer Verbesserung der Datenkonsistenz und der Entscheidungsunterstützung bewegt sich die Implementierung noch auf niedrigem Niveau. Gründe dafür sind neben hohen Kosten insbesondere Unsicherheiten hinsichtlich Funktionalität und Systemstabilität.

References

Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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