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Kevin Tappe, Cooke-Methode in:

Controlling, page 278 - 280

CON, Volume 24 (2012), Issue 4-5, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381-2012-4-5-278

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(1) (2) (3) (4) (5) Abb. 1: Prinzipdarstellung der Cooke-Methode: (1) Auswahl geeigneter Seeds; (2) Beantwortung der Seeds durch jeden Experten; (3) Errechnung eines Gewichtungsfaktors aus den Antworten auf die Seeds für jeden Experten; (4) Schätzung jedes Experten zum untersuchten Sachverhalt (hier durch wahrscheinlichsten Wert mit Konfidenzintervall); (5) Errechnung des aggregierten Ergebnisses auf Basis der Gewichtungsfaktoren und der abgegebenen Expertenschätzungen. Cooke-Methode ........................................................ Einordnung und Beschreibung ........................................................ Manager stehen regelmäßig vor der Aufgabe, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Hierzu greifen sie auf Informationen des Controllings zurück. Zur Einschätzung von Eintrittswahrscheinlichkeiten zukünftiger Ereignisse werden Expertenbefragungen genutzt, die zum Instrumentarium des strategischen und des Risikocontrollings zählen. Beispielsweise kann es sich um Fehlerhäufigkeitsschätzungen bei betriebsnotwendigen Systemen handeln. Da die Tragweite dieser Entscheidungen gravierend sein kann, wird häufig nicht nur auf die Einschätzung eines einzelnen Experten vertraut, sondern es werden mehrere Experten befragt, so dass auch unterschiedliche Erfahrungshintergründe, extreme Einschätzungen und Minderheitenmeinungen berücksichtigt werden. Bei Befragung mehrerer Experten ist in der Regel kein einstimmiges Bild zu erwarten. Insbesondere bei hochkomplexen und außergewöhnlichen Sachverhalten können die Meinungen stark divergieren. Deshalb werden die verschiedenen Experteneinschätzungen häufig aggregiert. Auch erhofft sich das Management von der Aggregation mehrerer Schätzungen eine bessere Entscheidungsunterstützung. Die von Cooke vorgeschlagene Methode (vgl. Cooke, 1991, von ihm „Classical Model“ genannt) ist eine Expertenbefragung für quantifizierbare Größen, welche ein Aggregationsverfahren für divergierende Wahrscheinlichkeitsverteilungen bzw. für divergierende Punktwert- und Intervallschätzungen enthält. Dabei wird angenommen, dass die Experten ihre Einschätzung durch die Angabe von Eintrittswahrscheinlichkeiten (Wahrscheinlichkeitsverteilung) oder Angabe des wahrscheinlichsten Wertes mit zugehörigem Konfidenzintervall ausdrücken können. Die Besonderheit der Cooke-Methode liegt in der Verwendung sogenannter Seeds oder Kalibrierungsfragen, die das Wissen und Können der Experten prüfen und der eigentlichen Befragung vorgeschaltet werden, um jeden einzelnen Experten zu bewerten. Die Seeds stammen aus demselben oder einem ähnlichen Themengebiet wie die zu analysierende Fragestellung. Sie beziehen sich auf gesichertes Wissen, bspw. über vergangene Ereignisse, oder lassen sich vom Moderator des Verfahrens nach der Erhebung der Antworten überprüfen. Basierend auf der Antwortqualität zu den Seeds wird jede von den Experten unabhängig abgegebene Schätzung zum untersuchten Sachverhalt mit einem Gewichtungsfaktor versehen, um daraus einen gewogenen Durchschnitt als Gesamtergebnis zu bilden (vgl. Abb. 1; zu methodischen Einzelheiten vgl. Cooke, 1991, S. 187–198; Cooke/Goossens, 2008, S. 660–662; EXCALIBUR, ein Softwarepaket für die Berechnung, findet sich unter http://risk2.ewi.tudelft.nl). Die Cooke-Methode zielt darauf ab, einen aggregierten Schätzwert zu erzeugen und die damit verbundene Unsicherheit zu quantifizieren. Eine Diskussion oder ein andersartiger Austausch der Experten über ihre persönlichen Einschätzungen zur Konsensfindung ist bei der Cooke- Methode nicht notwendig. Die einzelnen Expertenschätzungen inkl. zugehöriger Gewichtung können jedoch während der Befragung oder danach aufgedeckt werden. ........................................................ Vorteile und Einschränkungen ........................................................ Die Anwendung der Cooke-Methode für Schätzungen von mehreren Experten bietet Vorteile, unterliegt jedoch auch Einschränkungen (vgl. im Folgenden Aspinall, 2010, S. 294; Cooke/Goossens, 2008, S. 661 f. und S. 667; Cooke/Goossens, 2000, S. 305): Da mehrere Experten einer Disziplin befragt werden, besteht nicht die Gefahr, einer groben Fehleinschätzung eines einzelnen Experten zu folgen. Sowohl das Ansehen als auch die möglicherweise übersteigerte Überzeugung eines Experten in seine eigenen Fähigkeiten werden nicht als Indikatoren für die Qualität seiner Einschätzung künftiger Ereignisse herangezogen. Weiter muss keiner der involvierten Experten befürchten, alleine für eine Fehleinschätzung verantwortlich zu sein bzw. gemacht zu werden. Da keine Kommunikation der Experten untereinander zur Konsensfindung vorgesehen ist, sondern ein mathematisches Verfahren zur „Konsenserrechnung“ eingesetzt wird, ist die Cooke-Methode frei von Politik und Taktik („rational consensus“). Es ist keine Tendenz zum mittleren Schätzergebnis oder die schlichte Zustimmung von Außenseitern zur herrschenden Meinung zu erwarten; beides sind 278 CONTROLLING-LEXIKON CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG Kritikpunkte an der bekannteren Delphi- Methode. Die Experten werden ihre Einschätzung eher entsprechend ihrer Überzeugung äußern. Das Verfahren ist in hohem Maße transparent. Die Durchführung ist für alle Beteiligten nachvollziehbar, so dass damit eine hohe Akzeptanz einhergeht. Auch Experten mit einer persönlichen Einschätzung, die deutlich von dem errechneten Gesamtergebnis abweicht, akzeptieren das Ergebnis üblicherweise aufgrund der Transparenz. Eingeschränkt wird die Anwendung der Cooke-Methode durch die erforderlichen Merkmale des zu analysierenden Sachverhalts: Die abgefragten Variablen müssen quantifizierbar sein, und die Experten müssen ihre persönliche Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit bestimmter Ausprägungen dieser Variablen abgeben können. Das Formulieren geeigneter Seeds ist ein zentraler Schritt im Ablauf der Cooke-Methode, weshalb diesem durch Pretests besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Die Qualität der aggregierten Expertenschätzung hängt ganz wesentlich davon ab, ob die Antwortqualität zu den Seeds ein gutes Kriterium für die Gewichtung der einzelnen Expertenschätzungen ist und ob ein Zusammenhang zwischen den Seeds und dem untersuchten Sachverhalt besteht. Beide Faktoren haben starken Einfluss auf die Ergebnisqualität der Cooke-Methode. Da jedoch zukünftige und damit unsichere Variablenausprägungen betrachtet werden, besteht auch bei der Cooke-Methode letztlich kein zuverlässiger Schutz vor größeren Fehleinschätzungen. ........................................................ Anwendungsbeispiele ........................................................ Die Anwendung der Cooke-Methode wurde bereits für unterschiedliche Problemstellungen dokumentiert. Beispielhaft können folgende Experteneinschätzungen genannt werden: die Auswirkung der Feinstaubkonzentration auf die Sterblichkeit (vgl. Tuomisto et al., 2008), die geschätzte Zeit bis zum Ausbruch eines Vulkans oder Bruch eines Damms (Time-to-failure-Schätzungen), Eröffnungskurse bestimmter Wertpapiere, das operationelle Risiko bei Banken gemäß Basel II und die Entwicklung von Büromietpreisen (vgl. die Analyse einer Datenbank zu mehreren Anwendungen der Methode bei Cooke/Goossens, 2008). Literatur Cooke, R. M., Experts in Uncertainty, Oxford 1991. Cooke, R. M./Goossens, L. H. J., Procedures Guide for Structured Expert Judgement in Accident Consequence Modelling, in: Radiation Protection Dosimetry, Vol. 90 (2000), No. 3, S. 303–309. Cooke, R. M./Goossens, L. H. J., TU Delft expert judgment data base, in: Reliability Engineering and System Safety, Vol. 93 (2008), No. 5, S. 657–674. Aspinall, W., A route to more tractable expert advice, in: Nature, Vol. 463 (2010), No. 7279, S. 293–294. Toumisto, J. T./Wilson, A./Evans, J. S./Tainio, M., Uncertainty in mortality response to airborne fine particulate matter: Combining European air pollution experts, in: Reliability Engineering and System Safety, Vol. 93 (2008), No. 5, S. 732–744. Dipl.-Wirtsch.-Inform. Kevin Tappe, Stuttgart Cooke-Methode 279 24. Jahrgang 2012, Heft 4/5 Neubesetzung des Herausgeberbeirats der Zeitschrift Controlling ........................................................ Dr. Stefan Asenkerschbaumer Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH ........................................................ Dr. Stefan Asenkerschbaumer studierte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er schloss 1982 sein Diplom-Studium der Wirtschaftspädagogik und 1984 das der Betriebswirtschaftslehre ab. Anschlie- ßend promovierte er mit einem Thema zum betrieblichen Innovationsmanagement 1986 zum Dr. rer. pol. Dr. Stefan Asenkerschbaumer trat 1987 bei der Robert Bosch GmbH ein. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen im Inund Ausland u. a. als Werksleiter, kaufmännischer Geschäftsleiter und Arbeitsdirektor im Geschäftsbereich Car Multimedia, Leiter Konzerncontrolling, Planung und Mergers & Acquisitions sowie Vorsitzender des Bereichsvorstandes im Geschäftsbereich Starter und Generatoren, wurde Dr. Stefan Asenkerschbaumer am 1. Juli 2010 in die Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH berufen. Sein Verantwortungsbereich umfasst folgende Ressorts: Finanzen und Bilanzen, Planung und Controlling sowie Internes Rechnungswesen und Organisation. Dr. Asenkerschbaumer ist zudem Mitglied in den Aufsichtsräten von Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, Bosch Rexroth AG, Robert Bosch Multimedia GmbH, Bosch Thermotechnik GmbH, Bosch Solar Energy AG. Veröffentlichungen von Dr. Asenkerschbaumer beschäftigen sich mit Innovationsmanagement, Strategischem Controlling, FuE-Controlling, Gestaltung von Wertschöpfungsketten sowie Qualitätsmanagement bei Bilanzierung und Reporting. 280 IN EIGENER SACHE CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG

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Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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