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Alexander Stehle, Green Controlling in:

Controlling, page 478 - 479

CON, Volume 23 (2011), Issue 8-9, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381-2011-8-9-478

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Zielsetzung Entscheidungssystem Kommunikation Informationssystem Steuerung Abb. 1: Green Controlling-Zyklus (vgl. Faßbender-Wynands/Seuring, 2001, S. 150) Green Controlling ........................................................ Das Controlling muss sich ökologischen Fragen stellen ........................................................ Der betriebliche Umweltschutz hat sich vielfach von einer Pflichtaufgabe zur Quelle wirtschaftlichen Erfolgs gewandelt. Kostensenkungen durch effizienten Materialeinsatz, Befriedigung der Nachfrage nach ökologischen Produkten oder der Zugang zu Kapital durch spezielle Grüne Kapitalgeber sind unter anderem Motive zum ökologisch orientierten Wirtschaften (vgl. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt, 2001, S. 6 ff.). Deshalb kommunizieren Unternehmen ihre Umweltschutzaktivitäten explizit, wie unter anderem das Beispiel der „Go- Green“-Initiative von Deutsche Post DHL zeigt. Für die Beachtung ökologischer Aspekte wird häufig der Begriff Grün (bzw. Green) verwendet und dementsprechend von einem Grünen Unternehmen oder von Grünen Produkten gesprochen. Fehlentscheidungen im Umweltbereich sind häufig von strategischer Bedeutung, weil sie langfristige Konsequenzen (z. B. Imageverlust) haben und ex post nicht oder nur mit hohem Aufwand zu korrigieren sind. Deshalb sind ökologische Aspekte in allen Managementebenen und Funktionen des Unternehmens einzubinden. Aufgrund der hohen Bedeutung der Umweltthematik für das Management muss sich auch das Controlling als Unterstützungsfunktion der Unternehmensführung mit ökologischen Fragestellungen befassen (vgl. Albrecht, 2007, S. 99 ff. sowie Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt, 2001, S. 21). ........................................................ Begriffsbestimmung ........................................................ Für die Betrachtung umweltrelevanter Fragestellungen im Controlling existieren unterschiedliche Begrifflichkeiten wie Umwelt-Controlling, Öko-Controlling oder Umweltschutz-Controlling (vgl. Albrecht, 2007, S. 81 sowie Faßbender- Wynands/Seuring, 2001, S. 140). Die Bezeichnung Green Controlling beschreibt denselben Sachverhalt, stellt den Bezug zu den mit dem Attribut Grün versehenen Maßnahmen jedoch deutlicher heraus und ist analog zu Begriffen wie Green IT oder Green Purchasing zu sehen. Unter Green Controlling ist ein Teilsystem des Controllings zu verstehen, das die Koordinationsfunktion um ökologische Aspekte erweitert. Die systembildende Koordination schafft dabei eine ökologische Gebilde- und Prozessstruktur und die systemkoppelnde Koordination sorgt für eine Verbindung der ökologischen Planung, Steuerung, Kontrolle und Informationsversorgung (vgl. Beuermann et al., 1995, S. 339 sowie Faßbender-Wynands/Seuring, 2001, S. 140). Es lassen sich drei Ansätze im Green Controlling identifizieren, die jeweils einen spezifischen Fokus zugrunde legen:  Der ökonomische Ansatz bezieht sich auf die monetären Konsequenzen von Umweltschutzmaßnahmen und orientiert sich damit an der Perspektive des finanziellen Controllings.  Der ökologisch orientierte Ansatz stützt sich auf umweltorientierte Konzepte (z. B. Öko-Bilanzen) und bewertet die Konsequenzen der Unternehmenstätigkeit in Einheiten der Umweltbelastung.  Der ökonomisch-ökologisch integrierte Ansatz bildet sowohl die finanziellen als auch die ökologischen Konsequenzen ab und verbindet damit die zuvor genannten Ansätze. Dadurch können Effizienzgrößen der Form Umweltbelastung pro ökonomische Werteinheit gebildet werden (vgl. Faßbender-Wynands/Seuring, 2001, S. 140 f.). Die Aufgabenabgrenzung lässt sich allerdings nicht vollständig von der organisatorischen Verankerung trennen, wobei zwei unterschiedliche Strömungen existieren. Zum einen wird Green Controlling als Teilbereich des betrieblichen Umweltmanagements gesehen (vgl. u. a. Neuhaus, 2008, S. 246) und zum anderen als zentrale Steuerungs- und Koordinationsinstanz für ökologische Aspekte im gesamten Unternehmen (vgl. u. a. Albrecht, 2007, S. 102 ff. sowie Beuermann et al., 1995, S. 336). ........................................................ Green Controlling-Zyklus ........................................................ Ein wichtiger Bestandteil in der Umsetzung des Green Controllings ist der ökologieorientierte Controllingkreislauf (vgl. Abb. 1). Dieser idealtypische Ablauf ist nicht immer gegeben und zudem können sich Bestandteile gegenseitig beeinflussen, die nicht aufeinander folgen. Der Ausgangspunkt des Zyklus ist die Festlegung ökologischer Ziele, wobei die Erwartungen der für das Unternehmen relevanten Anspruchsgruppen einzubeziehen sind, da sie den Maßstab für die Umweltverträglichkeit der Unternehmensaktivitäten bestimmen. Diese relative Beurteilung ist notwendig, weil es kein absolutes Maß für die ökologische Verträglichkeit gibt. Aufgrund des Wandels gesellschaftlicher Ansprüche sind außer 478 CONTROLLING-LEXIKON CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG den derzeitigen auch die zukünftigen Ansprüche zu erfassen bzw. zu antizipieren (vgl. hierzu und im Folgenden Faßbender-Wynands/Seuring, 2001, S. 150 ff., Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt, 2001, S. 23 ff. sowie Albrecht, 2007, S. 128 ff.). Eine Rückkopplung zu den Zielen findet statt, wenn sich aus dem Kreislauf heraus ein Anpassungsbedarf ergibt. Im Informationssystem sind sowohl die finanziellen als auch die ökologischen Folgen der Umwelteinwirkung des Unternehmens abzubilden. Die ökologischen Wirkungen sind über die Stoff- und Energieströme zwischen dem System Unternehmen und der natürlichen Umwelt zu erfassen. Darüber hinaus ist die Bereitstellung von Informationen zur Beurteilung der Umweltwirkung der identifizierten Stoff- und Energieströme von hoher Bedeutung. Die ökologischen Sachverhalte können aufgrund ihrer hohen Komplexität nur begrenzt im Informationssystem abgebildet werden. Dem Management steht somit lediglich eine unvollständige Informationsbasis zur Verfügung. Deshalb sind die gesammelten Umweltdaten empfängergerecht aufzubereiten, um den verantwortlichen Managern eine adäquate Basis zur Entscheidungsfindung bereitzustellen. Im Rahmen der Steuerung steht die Integration der ökologischen Aspekte in die täglichen Entscheidungen des Managements im Fokus. Das Green Controlling liefert Informationen über den Zielerreichungsgrad umweltschutzorientierter Handlungen. Dadurch sollen die verantwortlichen Manager zu notwendigen Anpassungsmaßnahmen angeleitet werden. Die ökologisch relevanten Unternehmensaktivitäten sowie der Erreichungsgrad ökologischer Ziele sind gegenüber den identifizierten relevanten Anspruchsgruppen zu kommunizieren. Besondere Bedeutung hat hierbei die Kommunikation gegenüber externen Stakeholdern. Das Reporting orientiert sich dabei an den Informationsbedürfnissen der jeweiligen Anspruchsgruppen, um eine adäquate Versorgung sicherzustellen. Die notwendigen Daten zur externen Kommunikation sind, wie die internen Umweltdaten, vom Green Controlling zur Verfügung zu stellen. ........................................................ Herausforderungen ........................................................ Im Green Controlling werden nicht-monetäre mengenorientierte Instrumente (z. B. Öko-Bilanzen oder Stoffflusskennzahlen) verwendet, die wenige Anknüpfungspunkte zur konventionellen kostenorientierten Perspektive des finanziellen Controllings besitzen. Zudem weisen die umweltrelevanten Daten unterschiedliche Einheiten auf, sodass eine Verdichtung in wenige aggregierte Größen nicht möglich ist, weswegen ein hohes Volumen an ökologischen Daten verarbeitet werden muss (vgl. hierzu und im Folgenden Neuhaus, 2008, S. 249 f.). Eine weitere zentrale Herausforderung stellen externe Effekte dar. Dies sind negative Konsequenzen der Umweltverschmutzung für die Gesellschaft, durch die dem verursachenden Unternehmen keine internen Kosten entstehen. Hierbei stellt sich die Frage, ob die damit verbundenen externen Kosten in den Instrumenten des Green Controllings einbezogen werden oder nicht, da sie die Alternativenwahl einer Entscheidung beeinflussen, jedoch keine direkte Kostenwirkung für das Unternehmen haben. Darüber hinaus ist die Monetarisierung externer Effekte ein Problem, das bislang nicht hinreichend gelöst ist. Der relative Bewertungsmaßstab der Umweltverträglichkeit ist aus Unternehmenssicht ebenfalls problematisch. Die ökologischen Ansprüche der Gesellschaft sind starken Veränderungen unterworfen, womit sich die Beurteilung der Umweltverträglichkeit der Unternehmenstätigkeit rasch wandeln und hohen Handlungsdruck erzeugen kann, um die neuen Ansprüche erfüllen zu können. Deshalb ist es notwendig, dass im Green Controlling zukünftige Entwicklungen antizipiert werden (vgl. Neuhaus, 2008, S. 249 sowie Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt, 2001, S. 24). ........................................................ Fazit ........................................................ Die Notwendigkeit eines umweltverträglichenWirtschaftens hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Zahlreiche Unternehmen haben dies erkannt und befassen sich intensiv mit dieser Thematik. Um die unterschiedlichen Umweltaktivitäten eines Unternehmens koordinieren zu können, bedarf es eines systematischen Green Controllings, welches die Konzepte des finanziellen Controllings um ökologische Aspekte erweitert bzw. auf spezifische ökologische Fragestellungen anwendet. Hieraus entstehen neue Herausforderungen, denen sich das Controlling in den nächsten Jahren intensiv widmen muss. Literatur Albrecht, T., Wertorientiertes Umweltmanagement: der Beitrag des Öko-Controlling, Lohmar 2007. Beuermann, G.,Halfmann, M., Böhm, M. (1995), Ökologieorientiertes Controlling (I), in: Das Wirtschaftsstudium, 24. Jg., 1995, H. 4, S. 335–343. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt, Handbuch Umweltcontrolling, München 2001. Faßbender-Wynands, E., Seuring, S. A., Grundlagen des Umweltcontrolling – Aufgaben, Instrumente, Organisation, in: Baumast, A., Pape, J. (Hrsg.), Betriebliches Umweltmanagement, Stuttgart 2001, S. 139–153. Neuhaus, D., Öko-Controlling – Umweltorientierte Unternehmensführung und ökologische Risikovorsorge, in: ZfCM, 52. Jg., 2008, H. 4, S. 246–250. Dipl.-Kfm. techn. Alexander Stehle Green Controlling 479 23. Jahrgang 2011, Heft 8/9

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Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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