Dennis Fehrenbacher, Controlling-Lexikon: Anreizsystem in:

Controlling, page 615 - 616

CON, Volume 23 (2011), Issue 11, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381-2011-11-615

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Anreizsystem Betriebliche Anreizsysteme binden Belohnung und Bestrafung an die Leistungsbewertung von Mitarbeitern gemäß den Unternehmenszielen. ........................................................ Der Anreizbegriff ........................................................ Um den Anreizbegriff im weiteren Sinne zu erläutern, ist es hilfreich, ihn in den Kontext des Motivationsprozesses zu setzen. Am Anfang eines Motivationsprozesses steht ein empfundenes Ungleichgewicht eines Individuums (vgl. Heckhausen, 2006, S. 3). Dieses empfundene Ungleichgewicht kann ein Bedürfnis auslösen und eine Person durch immanente Reize in generelle Handlungsbereitschaft versetzen. Entsteht die Bereitschaft zur Beseitigung des Ungleichgewichts kann man von einem Motiv sprechen. Je nach Situationsgegebenheit wird ein Motiv aktiviert und bis zur Erreichung des Zielzustandes oder eines als befriedigend empfundenen Anspruchsniveaus verfolgt. Die Aktivierung von Motiven kann durch Anreize erfolgen. Am Ende des Motivationsprozesses steht die Motivation bewusst zu handeln. Zum Beispiel kann Durst als Motiv interpretiert werden und ein Wasserverkaufsstand im Park als Anreiz. Treffen die beiden Elemente aufeinander, kann Motivation zum Kauf einer Flasche Wasser entstehen (vgl. Rosenstiel, 1999, S. 50). Bewusst gesetzte Anreize zielen auf die Stimulierung von Motiven, um gewünschtes Verhalten auszulösen. Im betriebswirtschaftlichen Kontext kann das Angebot von Aufstiegschancen (Anreiz) bei Vorhandensein des Motivs, eine höhere Entlohnung zu erzielen (materielles Motiv) oder sich persönlich weiterentwickeln zu wollen (immaterielles Motiv), die Leistungsmotivation hervorrufen. Folglich müssen passende Anreize auf passende Motive treffen, um Motivation für zielgerichtetes Handeln zu erzeugen. ........................................................ Der Systembegriff ........................................................ Ein System ist eine Menge von Elementen, die in Beziehung zueinander stehen. Es gibt unterschiedliche Prinzipien der Systemgestaltung. Anhand des Blackbox- Prinzips soll erläutert werden, aus welchem Grund im Zusammenhang mit Anreizen im betrieblichen Kontext von einem Anreizsystem gesprochen wird. Beim Blackbox-Prinzip werden nur Inputs und Outputs eines Systems erfasst. Dies dient der Komplexitätsreduktion. Insofern kann von einem Anreizsystem gesprochen werden, wenn durch den Input, z. B. Anreize, auf eine nicht notwendigerweise beobachtbare Art Output, z. B. Erfüllung des Unternehmensziels, generiert wird. Die Messung des Systemerfolgs kann dementsprechend durch die Messung des Outputs oder des Verhältnisses von Output und Input erzielt werden. ........................................................ Ziele und Funktionen von betrieblichen Anreizsystemen ........................................................ Betriebliche Anreizsysteme haben das Ziel, Leistungsbereitschaft und Leistungsverhalten von Mitarbeitern im Sinne des Gesamtunternehmensziels zu beeinflussen. Diese Zielsetzung kann in der Betrachtung von Funktionen von Anreizsystemen konkretisiert werden. Dabei werden die Motivations-, die Koordinations- und die Personalselektionsfunktion unterschieden (vgl. Küpper, 2008, S. 84 f., S. 239, S. 457 ff.). Die Motivationsfunktion ist meist die erstgenannte Funktion von Anreizsystemen. Anreizsysteme sollen gemäß dieser Funktion die Motivation von Mitarbeitern auf eine Weise beeinflussen, dass Unternehmensziele besser erreicht werden können. Folglich stellen Anreizsysteme ein Mittel zur unternehmenszielgerichteten Beeinflussung von Mitarbeiterverhalten dar. Je enger der Bezug der Mitarbeitermotivation zu den Unternehmenszielen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ziele der Unternehmung erreicht werden. Die Koordinationsfunktion von Anreizsystemen beinhaltet die Verbesserung der Kooperation von Bereichen und die Abschwächung von Bereichsegoismen. Aufgrund des gegenseitigen Leistungsaustausches von Unternehmensbereichen und der Festlegung von Verrechnungspreisen, können Erfolge eines Bereiches gleichzeitig Misserfolge eines anderen Bereiches bedeuten. Die Problematik besteht darin, Anreizsysteme auf eine Weise zu gestalten, die auf den Gesamtunternehmenserfolg abzielt, und dennoch individuelle oder Bereichserfolge honoriert (vgl. Groves/Loeb, 1979). Desweiteren haben Anreizsysteme das Potenzial die Personalselektion in einer Unternehmung zu erleichtern. Sie können Mechanismen hervorrufen, die die Entscheidung von Bewerbern für oder gegen ein Unternehmen beeinflussen. Es ist naheliegend, dass Bewerber, die überdurchschnittliche Leistung erbringen, eher leistungsabhängige Bezahlung präferieren, wohingegen unterdurchschnittliche Bewerber eher fixe Vergütung bevorzugen. Aufgrund von solchen Zusammenhängen können aus den Entscheidungen für oder gegen Vertragsangebote, Rückschlüsse auf die Eigenschaften von Bewerbern gezogen werden. Allerdings ist zu beachten, dass bei den Entscheidungen nicht nur das Leistungsvermögen, sondern auch andere Präferenzen, wie z. B. Risikopräferenzen, eine Rolle spielen können. ........................................................ Elemente von Anreizsystemen ........................................................ Gemäß der eingangs aufgestellten Definition sind Unternehmensziele, Leistungsbewertung sowie Belohnungskomponenten relevante Elemente von Anreizsystemen (vgl. Merchant/van der Stede, 2009, S. 393 ff.). Um ein Anreizsystem festzulegen, muss der erwünschte Zielzustand klar definiert sein. Des Weiteren sollte in- 615CONTROLLING-LEXIKON 23. Jahrgang 2011, Heft 11 Stiften wirkt. Z. B. hier im Kinderhospiz Balthasar in Olpe. „Der Wind erinnert uns an die Lebensfreude der Kinder. Beide sind unsichtbar und doch überall zu spüren“, sagt Roswitha Bethe, die mit ihrem Mann Erich Bethe das Hospiz finanziell unterstützt. Dank ihrer Hilfe können in Deutschlands erstem Kinderhospiz todkranke Kinder und deren Familien gemeinsam leben, lachen und trauern. Die Bethe-Stiftung ist eine von 400 Stiftungen, die das Deutsche Stiftungszentrum im Stifterverband betreut. Seit 50 Jahren unterstützen wir Stifterinnen und Stifter bei der Stiftungsgründung und -verwaltung. Dürfen wir auch Sie anstiften? Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft Möchten Sie mehr erfahren? Tel.: (02 01) 84 01 - 1 68 www.stiften-wirkt.de nerhalb eines Anreizsystems definiert sein, wie die Leistung eines Mitarbeiters gemessen wird und nach welchen Kriterien diese Leistung bewertet wird. Es stellt sich die Frage nach geeigneten Bemessungsgrundlagen. Bemessungsgrundlagen sollten zielkonform, vom Mitarbeiter beeinflussbar und manipulationsfrei sein (vgl. Küpper, 2008, S. 269 f.). Schließlich stellt sich bei der Konzeption eines Anreizsystems die Frage nach der Belohnung für den Mitarbeiter, insofern die Leistung den gesetzten Zielen entspricht. Diese Frage ist relativ zu den Präferenzen und dem individuellen Zielsystem der Mitarbeiter zu betrachten und schließt an die obige Diskussion zur Motiv-Anreiz Kompatibilität an. Mögliche Ansätze, um Anreize zu individualisieren und verschiedene Motive der Belegschaft anzusprechen, bieten Cafeteriasysteme. Bei diesen können sich die Mitarbeiter aus einem Pool von Anreizen ihre präferierten Bestandteile auswählen. Abschließend ergibt sich aus Unternehmenssicht, dass ein Anreizsystem eine wichtige Steuerungskomponente im Betriebsablauf ist und bei adäquater Ausgestaltung einen Beitrag zur Steigerung von Effizienz- und Effektivität leisten kann. Literatur Groves, T./Loeb, M., Incentives in a divisionalized firm, in: Management Science, 25. Jg. (1979), H. 3, S. 221–230. Heckhausen, J., Motivation und Handeln: Einführung und Überblick, in: Heckhausen, J./Heckhausen, H. (Hrsg.), Motivation und Handeln, 3. Aufl., Heidelberg 2006, S. 1–10. Küpper, H.-U., Controlling: Konzeption, Aufgaben und Instrumente, 5. Aufl., Stuttgart 2008. Merchant, K. A./van der Stede, W. A., Management control systems: Performance measurement, evaluation and incentives, 2. Aufl., Harlow 2009. Rosenstiel, L. von, Motivationale Grundlagen von Anreizsystemen, in: Bühler, W. (Hrsg.), Unternehmenssteuerung und Anzeizsysteme (Schriftenreihe der Schmalenbach-Gesellschaft), Stuttgart 1999, S. 47–78. Dipl.-Betriebsw. (FH) Dennis Fehrenbacher, Stuttgart 616 CONTROLLING-LEXIKON CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG

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Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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